Es läuft der Draft, mit Eric Stokes haben die Packers einen soliden bis guten ersten Pick getan. Und doch „überschattet“ ein anderes Thema die Schlagzeilen. Denn Aaron Rodgers hat der Franchise offensichtlich mitgeteilt, dass er zur neuen Saison nicht mehr nach Green Bay kommen will. Eine Nachricht, welche wie eine Bombe einschlug. Was passiert nun im Sommer?

Chronologie

Keine sechs Stunden vor dem Draft war es der für gewöhnlich außerordentlich gut informierte ESPN-Insider Adam Schefter, der als es verkündete: Aaron Rodgers ist sauer und will nicht zu den Packers zurückkehren. Gerüchte darüber gibt es ja immer wieder. Aber wenn jemand wie Schefter dies twittert, dann hat das in der Regel einen hohen Wahrheitsgehalt. Wie auch immer: befeuert durch die Gerüchte ging es in den sozialen Netzwerken rund. Und im Laufe der letzten 24 Stunden wurde es mehrfach weiter erneuert, während GM Brian Gutekunst gebetsmühlenartig wiederholte, dass Rodgers nicht getradet würde.

Die Reaktionen

Während Gutekunst einen Trade verneinte und auch nochmals den Willen bekräftigte, dass die Packers gar mit Rodgers verlängern wollen, blieb der Spielmacher selbst stumm. Allerdings nutzt der 37-Jährige seine Kanäle äußersten selten bis gar nicht für sportliche Äußerungen. Dafür äußerten sich Teamkollegen wie Adrian Amos und natürlich war die Social Media-Gemeinde ganz vorn dabei. Dabei entstand eine allgemeine Hysterie, die stellenweise jenseits von Gut und Böse war. Dies ist auch ein Grund, dass die Packers Germany dieses Thema auf ihren Kanälen bis zum Podcast von Nik und Jo nicht betrachteten.

Was möchte Rodgers?

Doch was ist der Hintergrund von Rodgers Ansinnen? Dafür gibt es viele Ansatzpunkte, warum AR12 sauer sein könnte. Da wäre der Draft von Jordan Love, für den die Packers letzte Saison sogar hochtradeten. Da ist die Tatsache, dass man ihm seines Erachtens nach nicht die Waffen zur Verfügung stellt, welche er gerne hätte. Weiterhin hat Rodgers sich wohl eine weiter Verlängerung seines aktuell bis 2023 laufenden Vertrages zu (vermutlich) verbesserten Bezügen gewünscht. Vielleicht liegt dies aber auch an seinem Privatleben. Immerhin hat seine Verlobte Shailene Woodley den Lebensmittelpunkt in Kalifornien und er selbst hat bei Jeopardy Blut geleckt, was eine mögliche Fernsehkarriere angeht. Da wären San Francisco und LA sicherlich der bessere Platz, um dies mit Football unter einen Hut zu bekommen.

Der Stand der Dinge

Welche Gründe es auch immer gibt: die Fronten scheinen verhärtet. Die Packers wollten Rodgers’ Vertrag zunächst nur restrukturieren anstatt zu verlängern. Doch auch ein erstes Angebot zur Verlängerung wurde von Rodgers ausgeschlagen. Es wird auf jeden Fall noch ein paar Tage ein heißes Thema sein. Es gibt natürlich Optionen, aus der Nummer raus zukommen, aber nicht alle dürften attraktiv sein.

Option 1: Retirement von Rodgers

Eine Möglichkeit für Rodgers wäre natürlich, seine Karriere an den berühmten Nagel zu hängen. Ein Retirement wäre sicherlich weder im Sinne von Rodgers noch der Packers. Denn: sollte er zurücktreten, so könnten die Packers die gezahlten Gelder für die Saison zurückfordern. Ferner könnte er nur in die Liga zurückkehren, wenn die Packers dem zustimmen würden. Vergleichbares war bei der Rückkehr von Rob Gronkowski in die Liga zu beobachten. Dort waren die Vorzeichen aber ganz anders. Wie auch immer: für Rodgers sieht diese Option nicht unbedingt attraktiv aus. Die Packers würden natürlich auch blöd da stehen, ohne ihren Franchise-Quarterback und müssten direkt mit Jordan Love starten und nochmal aktiv werden, um einen soliden Backup zu verpflichten. Andererseits wäre natürlich auf einen Schlag viel Kohle frei.

Option 2: Rodgers wird getradet

Anders sieht es beim von Rodgers gewünschten Trade aus. Das ist für den QB definitiv eine attraktive Option. Schließlich könnte er sich dann nach Kalifornien „zurückwünschen“ und müsste auf wenig verzichten. Den Schaden hätten die Packers mit einem Deadcap von 38 Millionen in der Saison 2021. Ein Transfer nach dem 1. Juni würde dies nur „verschlimmbessern“, da der Deadcap dann auf zwei Jahre gesplittet wird. Etwas mehr Cap frei, dafür hohen Deadcap in 2022. Letztlich ist der Zug aber abgefahren. Ein Trade ist eh schon die unattraktivste Option für die Packers und ohne einen 1st Round Pick 2021 absolut undenkbar. Und seien wir ehrlich: wirklich gute Pakete aus Picks 2021, 2022 und vielleicht Spielern, die wenig gegen den Cap zählen, hätten nur ein oder zwei Teams schnüren können. Und die viel kolportierten 49ers waren es definitiv nicht. Denn der eigentlich eh schon nicht vorhandene Cap Space würde von den Spieler-Zugängen dann ja nochmal mehr belastet.

Option 3: Es bleibt wie es ist

Natürlich bleibt die Möglichkeit, dass es sich um einen Sturm im Wasserglas handelte und beide Parteien im Sommer „normal“ an die Arbeit gehen. Wäre natürlich erstmal schön, doch die Gefahr ist, dass es ein kurzer Burgfrieden ist. Wenn es sportlich nicht läuft oder die Packers wieder knapp scheiterten ist erneutes Theater 2022 vorprogrammiert.

Option 4: Man einigt sich auf eine Vertragsverlängerung

Aber vielleicht finden ja auch beide Seiten noch einmal zusammen. Man einigt sich auf eine Verlängerung, schaufelt nochmal etwas Cap frei und gibt Rodgers die Wertschätzung, die er haben will. Damit wäre vielen geholfen, gerade wenn AR12 seine Form und Qualität wirklich bis ins 40. Lebensjahr halten kann. Der Verlierer dabei wäre dann Jordan Love, der dann spätestens 2022 das Weite suchen dürfte.

Die ärmste Socke im Dorf

Apropos Love: der Junge ist die aktuell ärmste Socke. Dabei hat er noch nicht einen Snap in der NFL gespielt. Die Zweifler sind groß und mächtig, der Druck als Rodgers-Ersatz immens. Sollte Rodgers also gehen, dann muss Love funktionieren. Alles andere verzeiht vor allem die Packers-Fanbase nicht. Einigen sich Club und Starter auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit, dann guckt er in die Röhre. Bei einer Verlängerung bis 2025 (als Beispiel) wäre Love 26 – falls er dann noch Teil der Franchise ist. So oder so: der arme Junge kann nichts für die Situation und ist doch gelackmeiert.

Umgang der Packers mit Rodgers

Keine Frage: der Umgang der Packers mit den Wünschen ihres großen Stars ist zumindest unglücklich. Echte Verstärkungen gab es auf der offensiven Seite in den letzten beiden Jahren nicht und auch in diesem Jahr ist zumindest via FA nichts passiert. Dazu der Pick von Love und die aktuell gescheiterten Vertragsverhandlungen – das gibt kein gutes Bild ab. Zumal man irgendwie ein diffuses Bild bekommt. Auf der einen Seite will man zunächst den Vertrag nur restrukturieren, was darauf hindeuten könnte, dass Love in der Entwicklung weiter ist, als alle denken. Andererseits will man dann Rodgers langfristig halten, was genau das Gegenteil bedeuten könnte. Egal was man dazu denkt, eines darf man dabei nicht vergessen: kein Spieler ist größer als die Franchise. Das gilt auch für einen Aaron Rodgers. Und erst recht bei den Packers.

Fazit

Die Situation ist verfahren, so wirkt es zumindest erst einmal. Und beide Seiten geben dabei kein glückliches Bild ab. Nicht nur das Verhalten der Packers, auch das von Rodgers gilt es zu hinterfragen. Man blicke nur auf den Cap: ARs aktueller Vertrag ist mit ein Grund, warum kaum Spielraum für spektakuläre Neuverpflichtungen da ist. Und das sorgt widerum dafür, dass der Tradewunsch nur abgelehnt werden kann. Alles andere wäre sportlicher und strategischer Selbstmord. Und das weiß Brian Gutekunst. Von daher haben die Packers die etwas besseren Karten in diesem „Duell der Vertragspartner“. Spannend wird sein, inwiefern Rodgers seine „Legacy“ wichtig ist. Sollte er einen Trade forcieren oder mit einem Retirement bis kurz vor Camp-Beginn warten, dann hat er (ähnlich wie ein gewisser Brett Favre) sein Denkmal nachhaltig beschädigt.

Aber unter dem Strich bleibt zu hoffen, dass die Hysterie nur heiße Luft ist und beide Seiten so vernünftig sind, sich zu einigen. Und zwar so, dass Club und Spieler zufrieden sind. Dafür hat man noch vier Wochen Zeit. Diese läuft!