In diesem Artikel stellen ich euch die Klasse der interior Defensive Line vor. Hier sind demnach Spieler enthalten, die als klassische Nose Tackles spielen oder Defense Ends. Die Klasse der interior Defensive Line ist durchschnittlich besetzt. Es gibt kein wirkliches Elite Prospect, der früh am ersten Tag vom Board gehen wird. Viele Spieler dieser Klasse sind gute Run Stopper oder gute Pass Rusher. Es gibt wenig Prospects, die schon wirklich komplett sind und in beiden Bereichen gut sind. Viele sind sehr roh und müssen entwickelt werden. Auch in den späteren Runden findet man solche Spieler die perspektivisch gute bis sehr gute DLiner werden können, auch wenn sie Stand heute wohl einen schwierigen Start in der NFL haben werden.

Ausgangslage für die Packers

Die Packers hatten nicht nur in der vergangenen Saison Probleme gegen den Run. Abgesehen von Kenny Clark fehlt es den Packers an dominanten Spieler in vorderster Front. Neben Kenny Clark stehen noch Dean Lowry, Tyler Lancaster und Kingsley Keke für kommende Saison unter Vertrag. Lancaster wurde nachdem sein Vertrag ausgelaufen war für günstiges Geld zurückgeholt. Er ist jedoch höchstens Rotationsspieler und keinesfalls ein echter Starter neben Kenny Clark. Dean Lowry könnte weiterhin ein Kandidat für einen Cut sein, um Cap zu sparen. Seine Leistungen waren eher durchschnittlich und möglicherweise warten die Packers hier nur den Draft ab, um ihn zu cutten.

Keke hatte vergangene Saison einige ordentliche Spiele. Auch ihn würde ich jedoch nicht als Starter bezeichnen. Vielleicht kann er im Laufe der Saison in diese Rolle hineinwachsen, aber insgesamt muss er dafür noch konstanter werden. Insgesamt ist die Position also nicht wirklich tief besetzt und auch an der Qualität hapert es noch. Die Packers werden vermutlich einen Draft Pick in diese Position investieren. Ob früh oder spät im Draft ist natrürlich noch von vielen anderen Faktoren abhängig. Nicht nur wie das Board und die jeweiligen Prospects fallen, sondern auch wie die Packers im Allgemeinen die Position bewerten. Unter Mike Pettine wurde die Run Defense eher stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ändert sich das nun unter Joe Barry und nicht in wenigen Mock Drafts bekommen die Packers sogar in der ersten Runde schon Verstärkung für die DLine.

Christian Barmore (21, Alabama)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 310 lbs (141 kg)

Meine klare Nummer eins ist Christian Barmore von Alabama. Kommt aus einer 3-4 Defense und war bei Alabama einer der beiden Starting Defense Ends. Barmore hat einfach unglaublich viel Power, die er in den Pass Rush und auch im Run Stop einsetzen kann. Dazu ist er sehr flink und schnell auf den Füßen. Er attackiert seine Gaps konsequent und lässt Run Plays, die in seine Richtung gehen im Keim ersticken. Sowohl im Pass Rush als auch gegen den Run helfen ihm seine langen Arme, die er gegen seine Gegenspieler super einsetzt. Insbesondere im Pass Rush und im eins gegen eins gegen Guards hat er seine Gegenspieler dank seiner guten Handtechnik regelmäßig schlagen können.

Trotz seiner Starting Rolle als Defensive End hat Barmore auch Snaps als Nose Tackle gespielt oder gar Snaps bei denen er gegenüber dem gegnerischem Tackle aufgestellt war (fast 20% in 2020). Diese Flexibilität dürfte vielen NFL Teams gefallen.

Kritikpunkte bei Barmore beziehen sich fast ausschließlich auf seine Snap Zahlen. Barmore war erst 2020 Starter. Zuvor war er nur Rotationsspieler. Fragen die sich NFL Teams demnach stellen müssen sind, ob er konstant das gezeigte Level liefern kann. Auch in 2020 hatte es Spiele in denen er gar nicht zu sehen war und komplett abgemeldet war. Ein weiterer Kritikipunkt ist sein häufig zu hohes Pad Level gegen den Run, was ihn zu häufig zu früh aus dem Play genommen hat. Auch gegen Double Teams kann und muss er in der NFL besser spielen.

Barmore könnte für die Packers interessant sein. Barmore wird wohl aber definitiv nur in Runde 1 zu haben sein. Auch könnte der Spot der Packers wohl etwas zu tief sein, sodass Barmore nur mit einem Uptrade in die 20iger zu haben wäre. Aus Scheme Sicht und als Partner von Kenny Clark in der DLine der Packers, ist Barmore aber absolut vorstellbar.

Levi Onwuzurike (23, Washington)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 290 lbs (132 kg)

Onwuzurike von Washington kommt mit einer unglaublichen Explosivität beim Snap daher. Regelmäßig ist er der schnellste Spieler beim Get off. Nicht nur, dass er den Snap sehr gut abpasst, sondern auch sein erster Schritt ist extrem stark. Damit verschafft er sich sehr häufig schon sehr früh einen Vorteil gegen seine Gegenspieler. Das hilft ihm insbesondere dann, um im Pass Rush seine Gegenspieler zu schlagen. Auch Onwuzurike helfen seine langen Arme, die er sehr gut einsetzt. Weiterhin ist er insgesamt super schnell und leichtfüßig auf den Beinen. Auch Spin Moves sind beispielweise auf seinem College-Tape zu finden.

Insgesamt bringt er ein gutes Spielverständnis mit und registriert beispielweise schon sehr früh, wenn die gegnerische Offense Screens spielen möchte. Mit seiner Geschwindigkeit ist er auch selten aus Plays komplett raus und kann auch spät im Down nochmal einen Runningback an der Sideline zu Boden bringen.

In Pass Rush ist Onwuzurike bereits extrem weit und bringt sehr gute Tools mit. Seine Schwäche ist aber ganz klar noch seine Rolle als Run Stopper. Mit 293 Pfund fehlt ihm auch einfach schlicht etwas an Masse. Vielleicht kann er noch Masse draufpacken, aber seine Explosivität und seine Pass Rush Skills könnten darunter natürlich leiden. Auch sein Pad Level ist zu hoch, was ihm gegen den Run regelmäßig zum Nachteil wird. Gegenspieler können ihn relativ leicht beiseite schieben und er ist früh aus dem Play raus.

Für die Packers ein Spieler der von geringerem Interesse sein dürfte. Seine Pass Rush Skills gefallen zwar, aber seine größeren Schwächen im Run Game machen ihn für die aktuelle Packers Defense einfach uninteressant.

Milton Williams (22, Louisana Tech)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 307 lbs (139 kg)

Auch meine Nummer 3, Milton Williams, bringt bereits viel Qualität als Pass Rusher mit. Schon an seinem Gewicht von nur 278 Pfund lässt sich erahnen, dass er deutlich agiler und explosiver ist, als andere Spieler der DLiner Klasse. Tatsächlich ist Williams athletisch ein absoluter Freak (9,96! Relative Athletic Score). Seine Bewegungen und seine Reichweite sind herausragend. Auch er bringt gute Hand- und Armskills mit. Durch sein geringes Gewicht und Flexibilität schafft er es regelmäßig durch Gaps der Offensive Line hindurch zukommen. Durch seine Geschwindigkeit kann er auch Runningbacks hin und wieder noch einholen, wenn diese bereits im Open Field sind. Auch gegen Screens hilft ihm sein Speed extrem.

Williams hat für die 2020er Saison erst zum interior DLiner umgeschult. Seine fehlende Erfahrung auf der Position wird insbesondere im Run Game deutlich. Alleine aufgrund seines Gewichtes lässt er sich zu häufig zu einfach wegschieben. Doch er hat auch bereits an seinem Gewicht gearbeitet und 2020 ca. 25 Pfund zugelegt. Möglicherweise kann er hier auch für die NFL Saison noch an Masse zu legen. Das würde im Run Game mit Sicherheit helfen.

Auch Williams ist aufgrund seiner mangelnden Fähigkeiten in der Run Defense eher weniger zu gebrauchen. Seine athletischen Fähigkeiten werden den Packers aber zu sagen. Williams wird vermutlich an Tag 2 oder früh an Tag 3 vom Board gehen. Das dürfte für die Packers dann jedoch deutlich zu früh sein.

Osa Odighizuwa (22, UCLA)

Größe: 6’2″ (1,88 m); Gewicht: 282 lbs (128 kg)

Auch Osa Odighizuwa von UCLA gehört mit knapp 280 Pfund zu den leichteren DLinern. Auch er ist eher kein Run Stopper, der bei 3rd and short auf dem Feld stehen sollte. Dafür ist er aber auch jemand der mal in Coverage droppen kann. Er spielt extrem explosiv und ist super agil. Seine Kraft baut er aus der unteren Hälfte des Körpers auf, durch seine extrem starken Beine. Seine lower Body Stength ist ausgezeichnet. Dadurch hat er auch häufig ein gutes Pad Level und macht es seinem Gegenüber schwer ihn zu blocken.

Odighizuwa hat einen Wrestling Hintergrund und das zeigt sich auch bei seiner Armtechnik. Seine Pass Rush Skills sind jedoch teilweise noch etwas roh. Diese muss er in der NFL verfeinern und verbessern. Die physischen Voraussetzungen hat er auf jeden Fall. Außerdem wird er an seiner Technik gegen den Run arbeiten müssen. Am College hat er Nose Tackle gespielt mit 280 Pfund wird das in der NFL jedoch eine noch größere Herausforderung. Setzen Gegenspieler Blocks gegen ihn an, schafft er es selten sich von den Blocks zu lösen und Gaps zu schließen.

Aufgrund seiner Stärken die eher im Pass Rush zu sehen sind, würde ich Odighizuwa in der NFL eher als einen Defensive End sehen. Die Packers dürfte auch bei ihm die Schwächen gegen den Run stören. Odighizuwa bringt viel Upside mit braucht aber ein Team was in aufbaut und an die NFL ranführt.

Daviyon Nixon (22, Iowa)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 313 lbs (142 kg)

Daviyon Nixon von Iowa spielt für seine Größe und Masse mit einer guten Explosivität. Nach dem Snap ist er sehr schnell in einer sehr guten Position. Nixon hat sehr viel Power, die er insbesondere aus seinem starken Oberkörper aufbaut.  Das hilft ihm sowohl im Pass Rush wie auch im Run Stopping. Auch seine Fußarbeit ist bereits auf einem sehr guten Niveau. Weiterhin hat er immer Augen für den Football. Bestes Beispiel hier wohl sein Pick Six über 70 (!) Yards. Hier war er von niemandem mehr einzuholen. Seine  4,86 beim Pro Day über 40 Yards zeigen seine tolle Athletik und Geschwindigkeit (8,38 RAS). In der Big Ten lieferte Nixon 1,7 Tackles for loss pro Spiel. Ein Chase Young zum Vergleich lieferte 1,8 Tackles for loss pro Spiel in 2019. Nixon soll weiterhin ein absoluter Teamplayer sein.

Arbeiten muss Nixon an seiner Handarbeit. Häufig hatte er, insbesondere gegen den Run, Probleme sich von Blocks zu lösen. Dadurch lässt er den Runningback des Gegners zu häufig durch Gaps laufen, für die er eigentlich verantwortlich war. Oft ließt er die möglichen Runninglanes, die die gegnerische Offense blockt, nicht gut genug und ist häufig zu weit weg vom Geschehen. Er arbeitet dann nicht gut genug gegen die Blocks der OLiner und ist daher häufig schnell aus einem Play raus. Nixon ist daher auch kein Spieler der für mehrere Gaps verantwortlich sein kann. Mit seinen Fähigkeiten ist er aber ein guter One-Gaper, der in der NFL in dieser Rolle schnell Impact haben kann.

Für die Packers fände ich Nixon ganz interessant. Seine Athletik passt ebenfalls im Beuteschema der Packers. Nixon kommt außerdem aus Wisconsin (Kenosha) und wäre vielleicht selbst auch nicht abgeneigt in seine Heimatregion zurückzukehren. Nixon könnte für die Packers in Runde 3 ein lohnenswertes Target sein.

Alim McNeill (20, North Carolina State)

Größe: 6’2″ (1,91 m); Gewicht: 317 lbs (144 kg)

Alim McNeill von North Carolina State ist der erste Spieler in meinem Ranking den ich als klassischen Run Stopper bezeichnen würde. Mit 320 Pfund bringt er ordentlich Masse mit und ist nicht mal eben ohne weiteres von der Offensive Line zur Seite zu schieben. Im Run Game benötigt er daher häufig Double Teams gegen sich, um aus dem Play genommen zu werden. Im Passing Game kann McNeill immer wieder die Pocket pushen und den Center und die Guards immer wieder vor ordentlich Probleme stellen. Trotz seiner Masse hat er einen sehr guten Get Off und sehr schnell nach dem Snap die Hände am Gegner.

Im Pass Rush kann sich McNeill jedoch nur auf seine Masse verlassen. Seine Handtechniken und Fußarbeit sind ausbaufähig. Im College hat er daher auch meistens nur direkt gegenüber dem Center gespielt. Ein DLiner für alle drei Downs ist McNeill in meinen Augen daher auch nicht. Seine Möglichkeiten den Run zu stoppen und Gaps zu kontrollieren, reichen in der modernen Passlastigen NFL einfach nicht für mehr. Hier ist er einfach noch nicht gut ausgebildet und muss viel dazulernen.

Aus diesem Grund ist McNeill für mich daher auch kein Spieler für die Packers. Zwar könnte er die Packers Line gegen den Run stabilisieren, seine noch sehr rohen Qulitäten im Pass Rush machen ihn für mich aber uninteressant.

Marvin Wilson (22, Florida State)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 303 lbs (137 kg)

Wilson ist ein super intelligenter Spieler, der Augen für das Play hat. Die Augen sind sehr häufig im Backfield und auf Fakes fällt er selten bis nie rein. Runningbacks die direkt an ihm vorbei, oder durch seine Gap wollen kommen nur selten ohne Kontakt an ihm vorbei. Blocks gegen sich kann er sehr gut abwehren durch seine Power in den Armen und so in seinen Gaps bleiben, um den Run zu verteidigen. Wenn er die Chance hat Runningbacks zu tacklen tut er das sehr entschlossen und der Runningback hat selten die Möglichkeit seine Tackles zu brechen. Auch seine Pass Rush Moves sind bereits auf einem guten Niveau.

Arbeiten muss Wilson an seiner Athletik. Im College hatte er zudem auch hin und wieder mit Gewichtsproblemen zu kämpfen. Außerdem hatte er die letzten beiden Saisons mit Verletzungen zu kämpfen und konnte diese nicht zu Ende spielen. 2020 war zudem sein schwächstes Jahr am College. Verbesserungswürdig ist außerdem seine Handarbeit und sein Get off der häufig zu langsam erfolgt und ihm früh im Snap schon deutliche Nachteile gegen seine Gegenspieler einhandelt.

Wilson ist ein Spieler der viel Power mitbringt, aber an seiner Athletik noch deutlich arbeiten muss. Wilson dürfte kein Spieler sein, der ins Beuteschema der Packers passt.

Sleeper

Bis Wilson sind für mich die genannten Spieler in der dritten Runde anzusiedeln. Danach gibt es einen Cut Off die folgenden Spieler schaffen es zwar in meine Top Ten, bekommen aber maximal noch eine viert Runden Note.

Tommy Togiai ist ein Spieler der durch seinen Bull Rush auffällt. Er setzt seine Hände am Angriffspunkt unglaublich tief. Damit hat er ein sehr niedriges Padlevel und kann seinen Gegenspieler so häufig aus der Balance bringen. Dabei hört er nie auf seine Füße zu bewegen und versucht seine Gegenspieler ständig wegzuschieben. Togiai hat für einen Passrusher leider sehr kurze Arme was sich auch in seiner Handarbeit und Armtechnik zeigt. Auch als Pass Rusher ist er einfach noch sehr sehr roh.

Jay Tufele ein Spieler der sich im kleinen Raum sehr schnell bewegt dank guter Fußtechnik. So gewinnt er auch häufig gegen Blocks, da diese einfach zu zögerlich gesetzt werden gegen seine Schnelligkeit. Hat zudem ein gutes Padlevel gegen die Blocks. Muss lernen sich von Blocks besser zu lösen und im Run Game standhaft zu bleiben und Anker zu setzen. Oft auch Opfer seiner eigenen Schnelligkeit, wenn er sich zu schnell entscheidet, statt zu warten wie sich ein Play entwickelt.

Bobby Brown ein starkes Spieler der im eins gegen eins nur schwer zu stoppen ist. Kann gegen das Run Game einen super Anker setzen und lässt sich von einem einzigen Block sehr selten kontrollieren. Außerdem kann er sich super gut von Blocks lösen und auch Doppelteams bereiten ihm weniger Probleme als anderen Prospects. Pass Rush ist seine Schwäche bisher. Technik und Athletik sind hier stark verbesserungswürdig.