Die wohl größte Gruppe dieses Jahr und auch eine qualitativ starke Gruppe, die von drei Receivern dominiert wird, die ihr namentlich sicherlich schon gehört habt (Waddle, Chase, Smith). Aber auf Grund der Länge des Artikels gibt es auch nur das nötigste Vorgeplänkel.

Kurz noch zur Lage der Packers: War der Need auf Wide Receiver 2020 schon immanent, so ist er es 2021 auf jeden Fall, denn nach der Saison 2022 hat kein Receiver der Packers einen Vertrag.
Davante Adams wird eine große Vertragsverlängerung (mit dann 29 Jahren) brauchen oder per Free Agency das Team verlassen. Die Rookie-Deals von Valdes-Scantling und St.Brown laufen aus, wie auch die Deals von Allen Lazard und Devin Funchess. Weder Malik Taylor noch Juwann Winfree oder gar Reggie Begelton würde ich eine weitere, langfristige Zukunft in Green Bay vorraussagen.
Der Need ist offensichtlich. Günstige Rookie-Deals für (mindestens) zwei Wide Receiver-Spots sollten es durchaus sein – was allerdings auch durch Undrafted Free Agents (UDFA) möglich wäre. Einige der hier aufgelisteten Spieler werden sicherlich nach dem Draft noch als UDFA verfügbar sein, daher kann dieser kleine Scouting Report für den Draft als auch die Zeit danach durchaus Verwendung finden.

Diese Liste ist kein Ranking, wobei die etwas prominenteren Receiver auch früher im Artikel genannt sind. Solltet ihr an einem/meinem Ranking interessiert sein, dann schaut gern auf Twitter vorbei!

Kleiner Positionsexkurs noch: X-Receiver ist derjenige, der seine Seite “alleine” bespielt (weak side). Y-Receiver ist der Slot Receiver, der nahe der Oline aufgestellt ist. Der Z-Receiver bespielt die strong side, also die Seite auf der mehrere Spieler aufgestellt sind. X- und Z-Receiver sind die Outside Receiver. Die Beschreibung ist vereinfacht.

Jaylen Waddle – 5ft10 groß und 180 lbs schwer – Alabama Crimson Tide

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Nicht der größte Receiver und nicht der kräftigste Receiver. Es wird auch schnellere Receiver geben, aber Waddle ist in vielen Bereichen im Spitzenbereich anzusiedeln (abseits Größe und Gewicht). Er hat eine hohe Grundathletik und eine Vielzahl an tollen, kleinen Bewegungen mit denen er Verteidiger aussteigen lassen kann. Ist bei contested catches teils überraschend gut, überraschend physisch aktiv. Route Running ist schon gut entwickelt, aber hier besteht schon noch etwas Luft nach oben. Seine Hände sind sicher, wenn er mit den Gedanken bei der Sache ist. Probleme: manchmal will er zu schnell zu viel und nimmt die Augen vom Ball und hat dann mal hier und da einen unnötigen Drop. Ist das Spiel auf Messer’s Schneide, dann kann man auf Waddle zählen, dann ist der Fokus vollkommen da und man bekommt das Big Play, das kein/kaum ein anderer machen kann. Sein Gefühl für freien Raum ist auch exzellent. Konnte nur 3 Spiele über die volle Distanz im Jahr 2020 bestreiten und erzielte daher nur 591 Yards und 4 Touchdowns. Ein paar mehr Spiele war er aktiv, aber verletzungsbedingt nur mit limitierter Snapanzahl.
Upside: NFL-Starter mit Starpotenzial. Kann in jedem Scheme erfolgreich spielen und alle Rollen ausfüllen. Hat die Qualität Verteidiger über verschiedene Wege anzugreifen. Ein Spieler für die “gewissen Momente”. Ganz nebenbei ist er auch eine dynamische Waffe als Returner. Fraglich jedoch, ob er das seine ganze Karriere über wird machen müssen/dürfen oder nicht irgendwann zu wichtig ist.

DeVonta Smith – 6ft0 groß und 170 lbs schwer – Alabama Crimson Tide

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In Sachen Ballskills macht ihm keiner etwas vor. Wichtiger Punkt für die NFL: Press Man macht ihm gar nichts aus. Ganz im Gegenteil, denn er schüttelt diese direkt ab durch seine Agilität auf kleinstem Raum. Er kann daraus einen Vorteil ziehen und dann bei offenerem Feld absolut ausnutzen. Explosivität ist hier das Stichwort. Hat das Skillset um mit vielen Bewegungen Verteidiger in die Irre zu führen, allerdings nutzt er nur die Bewegungen, die es in der aktuellen Spielsituation braucht um den Gegner zu schlagen/stehen zu lassen. Kurz: kann tanzen, kann mit seiner Fußarbeit glänzen, aber reduziert dies auf das Nötigste um effizient zu bleiben. Zuletzt 23 Touchdowns in 13 Spielen bei 1856 Yards. Uff. Heisman Trophy Winner (bester Spieler am College).
Upside: NFL-Starter mit Starpotenzial. Der Körper bzw. die Körperkraft ist das größte Fragezeichen. Smith hat die Skills mit dem Ball als auch den Blick für das Feld. Sein Route Running ist komplett genug und er scheut nicht vor Kontakt zurück. Über seine Explovisität braucht man grundsätzlich nicht diksutieren, denn hier reden wir von “first class”. Die Hauptfrage wird sein, wie er mit den größeren, kräftigeren Spielern auf NFL-Niveau zurecht kommt bei seinem mehr als schmalem Körperbau.

Ja’Marr Chase – 6ft0 groß und 201 lbs schwer – Louisiana State University (LSU) Tigers

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Dominant im Ball Tracking und dem Fangen von Bällen mit Defendern in seinem Gesicht. Gefährlich für jedes Team wenn er den Ball erst gefangen hat, denn dann geht die Reise erst richtig los. Guter Blick fürs weitere Feld, geht dem Zweikampf nicht aus dem Wege und kämpft um jeden Zentimeter. Kann aus dem Fang direkt wieder Tempo aufnehmen und ist nur schwer zu bremsen. Hat seine Stärken nahe der Seitenlinie und geht dort physisch zu Werke. Mit seinem On/Off-Motor kann er bei vertikalen Routen sich zeitig Raum schaffen um dann durchzustarten. Zeigt in jeder Phase des Spiels den Biss und will stets gewinnen. Hat die Saison 2020 ausgesetzt. 2019 hat er mit 20 Touchdowns bei 1780 Yards den Single Season Record der SEC aufgestellt.
Upside: NFL-Starter mit Starpotenzial. Ein X-Receiver, der nicht nur durch Route Running gewinnen kann, sondern auch auf physischem Wege. Kann, wie auch Waddle und Smith, in den entscheidenden Moment der Mann für das Big Play sein und ist immer anspielbereit. Dürfte gute Chancen haben erfolgreich gegen Double Coverage zu agieren und so für eine Offense das Playbook komplett zu öffnen/andere Problemstellen zu offenbaren.

Rashod Bateman – 6ft0 groß und 190 lbs schwer – Minnesota Golden Gophers

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Kein überragender Athlet, hat aber einen unglaublich starken, vollständigen Route Tree, den er auch sauber läuft. Kann Verteidiger damit stehen lassen oder narren. Hat sichere Hände und scheut nicht vor Körperkontakt zurück. Körper ist schon auf NFL-Niveau, der ihn dann auch bei Kontakt zu einem sicheren Passempfänger werden lässt. Hat er den Ball gefangen, dann ist auch Kontakt nach dem Catch nicht direkt ein Problem. Liest das Feld gut und findet Lücken um weitere Yards gutzumachen. Hat 2020 nur wenige Spiele gespielt und ist so hinter die großen Drei zurückgefallen. War 2019 ein hochdekorierter Receiver (Team MVP, Big Ten Receiver des Jahres, First All-Team Big Ten, Schulrekord für Yards und Touchdowns)
Upside: Ein kompletter Receiver, dem es nur an reiner Athletik/Geschwindigkeit fehlt. Kann in nahezu jedem Scheme funktionieren, da er als X-, Y- und Z-Receiver spielen kann. Route Tree wird auch in der NFL für Probleme sorgen, da hier keine Limitierung besteht und man mit allem rechnen muss.

Elijah Moore – 5ft9 groß und 178 lbs schwer – Ole Miss Rebels

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Der beste Receiver für den Slot in diesem Jahr. Punkt. Hat enorme Qualität in seinen Cuts, wenn er in Richtung Slot zieht. Kann hier auch aus dem Nichts eine immense Geschwindigkeit aufnehmen. Seine Routen sind immer präzise und dennoch schnell. Erkennt Situationen sehr schnell und weicht Verteidigern aus. Kontakt ist für ihn auch kein großes Problem und er fängt die Bälle weiterhin sicher. Er behält auch unter Druck, in engen Situationen seinen Fokus auf den Ball. Hat knapp unter 1200 Yards in nur 8 Spielen fabriziert und trotzdem den Rekord für die meisten Receptions (86) gebrochen (den vorher ein gewisser AJ Brown inne hatte). Hieran erkennt man aber ein Problem: seine Zahlen sind zwar toll, aber ein Slot Receiver mit mehr als 10 Catches pro Spiel (also auch mindestens so viele Targets?) – das ist scheme-bedingt und sollte einberechnet werden. Hatte gegen Saisonende auch größere Phasen als X- oder Z-Receiver (also Outside) gespielt und hier auch gute Ansätze gezeigt.
Upside: Versatiler, sicherer Receiver auf NFL-Niveau, der vermehrt im Slot eingesetzt wird und eine Sicherheitsoption darstellt, die man stets anspielen kann. Alleine sein Route Running und Athletik gepaart mit starken Händen werden ihn zu einem erfolgreichen NFLer machen.

Rondale Moore – 5ft7 groß und 181 lbs schwer – Purdue Boilermakers

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Ein irrsinnig schneller, aber sehr kleiner Receiver, der direkt ab dem Snap mit seiner Route loslegt und gleich gegen wen (auf College Niveau) horizontale Separation hat. Ein typischer Catch-and-go Spieler, der für jede Defense ein Problem darstellt alsbald er den Ball in den Händen hat. Hat auch sichere Hände und fängt auch Bälle außerhalb seines Körpers. Grundsätzlich eher der Typ “Bruiser” statt “Finesse”. Probleme? Verletzungen. 10 Spiele (2018), 4 Spiele (2019) und zuletzt nur 3 Spiele. Ist daher teilweise in Bereichen noch sehr roh. Das vertiakle Spiel ist nicht
Upside: Wird gesund bleiben müssen um die verlorene Entwicklungszeit aufzuholen und muss sich auch noch entwickeln. Hat aber enormes Potenzial alleine durch seine Kraft im Unterkörper/Beinbereich und seine Beweglichkeit. Im richtigen Scheme kann er über die Mitte, über horizontale Routen und seine Yards after Catch-Qualitäten ein extrem wichtiger Baustein sein um das Feld breit zu machen.

Terrace Marshall Jr. – 6ft2 groß und 205 lbs schwer – LSU Tigers

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Einer der Receiver mit dessen Beschreibung ich mir Zeit gelassen habe, die ich aufgeschoben habe. Sein Potenzial und sein Engagement gehen leider nicht immer Hand in Hand. Marshall ist ein kräftig gebauter Receiver, der seinen Körper einzusetzen weiß – wenn er will. Er kann mit seinen Händen Bälle quasi ansaugen – wenn er will. Diese Bälle kann er auch mit seinem enormen Catch Radius sicher fangen – wenn er mit dem Kopf bei der Sache ist. Zusammengefasst: Marshall viele Dinge, die man in einem NFL-Receiver sehen möchte, die man haben möchte. Mit Kopf war er auf College Niveau nicht immer bei der Sache, aber trotzdem hat er 2020 in 7 Spielen 10 Touchdowns gefangen bei über 700 Yards. Konzentration am Catchpoint war hin und wieder ein Problem (teils obwohl er sich gut freigearbeitet hatte!), aber das passt ins Bild. Wenn ihn ein Coach formen kann, dann stehen ihm alle Türen offen.
Upside: Er hat alle Tools um ein dominanter NFL-Receiver zu sein. Wird er sein Talent in Leistung erfolgreich umwandeln können? Das ist wohl die große Frage bei Marshall, der abseits von diesem Kritikpunkt vielleicht nur ein paar Geschwindigkeitsdefizite direkt von der Line aus hat. Ansonsten ist er ein sehr kompletter Receiver, der in der NFL durchaus Outside wie auch Inside spielen könnte. Wird einen Coach brauchen, der ihm regelmäßig Feuer unterm Hintern macht.

Kadarius Toney – 5ft11 groß und 193 lbs schwer – Florida Gators

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Wild. Yards after Catch ist sein “Butter und Brot”. Toney braucht den Ball auf simple Art und Weise in der Hand und dann geht sein “Tanz mit der Defense” los. Seine Plays sehen aus wie Zufallsprodukte. Er hat den Ball gerne in der Hand und viele Gegner vor sich. Er findet und sieht Lücken und greift diese dann an – aber nicht auf direktem Weg. Er hat eine Vielzahl an Täuschungen auf Lager mit denen er Gegner aus der Balance bringen kann/ins Leere laufen lässt. Trotz recht schmalen Körperbau ist er beim ersten Kontakt nciht zwingend direkt am Boden, sondern zeigt Biss und arbeitet für weitere Yards. Bemerkenswert: fast nie gesehener On/Off Motor. Kann bei Topspeed direkt die Bremse reinhauen um dann wieder in eine andere Richtung durchzustarten.
Probleme hat er natürlich auch. Für tiefe Bälle ist er eher ungeeignet, da ihm hier die klare, tiefe Route fehlt. Das Kurzpassspiel und Spiel im Getümmel liegt ihm mehr als die Suche nach dem (bereits) offenen Feld.
Upside: Kaum in Worte zu fassen. Toney kann und wird im Special Team seinen Teil zum Teamerfolg beitragen. In der Offense kann er mit Gadget-Spielzügen jeglicher Art glänzen wie auch bei Screens. Erfolg über den Slot ist absolut vorstellbar, wenn er sich nicht stets verkünsteln will. Für den Bereich “Outside” dürfte er körperlich zu schwach sein bzw. zu schlecht mit Kontakt umgehen, um hier regelmäßig positive Eindrücke zu hinterlassen. Deep Threat-Ability ist nur schwer vorstellbar. Einsatz als Runner absolut möglich (am College zuletzt 70 Bälle gefangen, 19 Runs gelaufen).

Dyami Brown – 6ft0 groß und 189 lbs schwer – North Carolina Tar Heels

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Fing zwei Mal über 1000 Yards und ergänzte dies mit 12 und 8 Touchdowns. Ein absoluter Traum sind seine Double Moves. Keiner dieser Draftklasse beherrscht sie wie Dyami Brown. Bringt Verteidiger häufig in prekäre Situationen durch seine Moves und diese müssen dann Farbe bekennen und Position beziehen. Nicht selten ist das der Moment in dem sich Brown absetz und ein Big Play erzeugen kann. Fraglich ist seine NFL-Zukunft wenn es um Körperkontakt geht, denn das ist nicht seine Stärke. Lässt man ihn frei laufen, dann hat man ein Problem. Enge Man Coverage könnte aber selbiges für ihn bedeuten. Hatte am College auch immer wieder Probleme mit dem Fokus auf den Ball und entsprechend daraus resultierenden Drops. Reicht seine Power gegen körperlich starke, physisch spielende Cornerbacks?
Upside: Bekommt Brown seine Drops, seinen Fokus auf den Ball in den Griff, dann ist er die Art Receiver, die mit einem Play das Spiel auf den Kopf stellen und eine Defense auseinandernehmen kann.

Tylan Wallace – 5ft11 groß und 194 lbs schwer – Oklahoma State Cowboys

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Extrem (!!!) sauberer Route Runner, der seine langen Arme in kritischen Situationen einzusetzen weiß. Hat nach einer ACL-Verletzung zuletzt immer wieder muskuläre Wehwehchen gehabt und Spiele/Teile von Spielen verpasst. Sichere Hände und kaum Drops zählen auch zu seinen Markenzeichen wie auch keine Scheu vor Körperkontakt in engen Fenstern. Häufiger Kritikpunkt: trotz gutem Route Running kommen zu wenig Yards nach dem Catch selbst. Er läuft sich gut frei, fängt sicher den Ball, kann aber danach nur noch wenige Yards zusätzlich holen. Eigentlich verwunderlich, wenn man sieht, wie er Löcher in der Defense identifizieren kann und sich in selbige zielsicher hineinsetzt.
Upside: Hat (fast) alles was ein NFL-Starter braucht, aber Zweifel an seinem Knie und seinem Speed könnten ihn weiter fallen lassen als man es vermutet. Sein fast schon perfektes Route Running alleine sollte ihn zu einem veritablen NFL-Spieler machen. Sein großer Catch Radius könnte ihn zu einem Starter (mit Impact) machen.

Nico Collins – 6ft4 groß und 215 lbs schwer – Michigan Wolverines

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Unglaublich physischer Receiver, der trotz großem, kräftigen Körper auch genug Speed für die NFL mitbringt. Muss auf seine Hände aufpassen. Könnte ein Kandidat sein, der zu oft ein “offensive Pass Interference” gepfiffen bekommt auf NFL-Niveau. Ist hier teils schon sehr aktiv zugange. Ist im vertikalen Spiel überraschend gut und fix unterwegs. Überraschend: ist manchmal derart auf sein Route Running fokussiert, dass er bei kleinsten Berührungen aus der Bahn geworfen wird, weil er die Gegenspieler nicht auf dem Schirm hat.
Upside: Potenzielles Mismatch bei kurzen Routen und kurzem Feld. Hat die Möglichkeit die Kämpfe um den Ball dann erfolgreich zu gestalten, auch wenn er nicht all zu viel Separation hat. Wird Entwicklungszeit brauchen (nur zwei Jahre Starter am College), könnte dann aber mit verbesserter Kontaktaufnahme nicht nur im Kurzpassspiel eine Waffe sein. Körper, Athlethik und Wille präzise zu laufen sind vorhanden.

D’Wayne Eskridge – 5ft8 groß und 190 lbs schwer – Western Michigan Broncos

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Der erste Receiver, der nur auf FCS-Niveau aktiv war. Für seine Größe gar nicht so dürr wie man meinen könnte und er setzt seine Körper auch hin und wieder ein. Hat vermehrt im Slot gespielt, aber auch einige tiefe Pässe outside gesehen. War seinen Gegnern oftmals geistig wie körperlich einen Schritt voraus. Scheut keinen Körperkontakt, hat aber im Route Running die Tendenz die Balance zu verlieren, wenn er spontan ausweichen will/muss. Tänzelt auch gerne etwas zu viel herum, was er sich in der NFL nicht wird leisten können. Verhalten gegen Press Man Coverage wird noch interessant sein. Könnte hier – wenn er die Balance nicht in den Griff bekommt – direkt aus Plays herausgenommen werden können. Irrer Fakt: hat 2019 noch teils Receiver und Cornerback gespielt und war fast stetig auf dem Feld. Absolut explosiver Spieler in allen Aspekten des Spiels.
Upside: Slot Receiver, der mehr über Speed als Route Running kommt. Seine Routes müssen noch präziser sein, denn nur über Speed und Wille wird es in der NFL auch mit seiner Qualität nicht einfach oder nicht funktionieren. Hat auf jeden Fall Wert bei den Special Teams, für die er als Gunner fast schon prädestiniert sein wird.

Amari Rodgers – 5ft9 groß und 212 lbs schwer – Clemson Tigers

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Sein Körper ist extremst gut geschult, was auch direkt klar wird, wenn man seine Körpergröße und sein Gewicht betrachtet. Er ist austrainiert und kann aus seinem Körper sicherlich nicht mehr viel mehr rausholen als bislang. Wurde bei Clemson in fast allen Situationen und auf allen Positionen eingesetzt. Ist im Blocking engagiert und willig, aber seine Winkel sind sehr zweifelhaft. In Konsequenz daraus kommt hin und wieder ein Spieler durch, der eigentlich keine echte Gefahr war. Seine Ballskills sind durchschnittlich. Der Catch Radius ist eher gering und Drops waren auch immer mal wieder ein Problem. Seine guten Spielzüge waren fast ausschließlich horizontale Spielzüge, da er bei vertikalen Bällen zumeist dem Verteidiger nicht entrinnen kann und bei contested catches dann unterlegen ist. Man kann ihn als “hardnosed” beschreiben. Ihn muss man schon vom Feld tragen, wenn man ihn aus dem Spiel haben will. Wird nicht aufgeben. Stetig in Special Teams als Returner eingesetzt.
Upside: Hat Wert als Slot Receiver, der nicht kleinzukriegen ist. Zuverlässigkeit wird viel entscheiden, ob er nur am Ende der Depth Chart steht, weil er auch im Special Team gebraucht wird oder ob er doch ein Receiver Nummer 3/4 sein kann, weil er durch Wille und Einsatz eine gefährliche Option über die Mitte des Feldes sein kann. Es gibt auch Leute, die ihn mehr als Runningback und/oder Gadget-Waffe sehen, der via End Arounds oder Jet Sweeps Pluspunkte sammelt.

Simi Fehoko – 6ft3 groß und 222 lbs schwer – Stanford Cardinals

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Ein richtiger Klotz auf Wide Receiver, der seinen Körper gut einsetzt um Gegenspieler fernzuhalten. Hat er den Ball gefangen, dann ist ein Gegenspieler oftmals nicht genug um ihn zu Boden zu bringen. Seine Ballskills sind relativ limitiert, wie auch sein Route Running. War allerdings nur zwei Jahre wirklich aktiv bei Stanford und hat dort dann doch Eindruck hinterlassen. Im Kurzpassspiel ist Fehoko eine Macht und überzeugt mit extremst sicheren Händen und einer unerwarteten Wendigkeit für seine Größe. In Special Teams hat er schon viele Rollen eingenommen und dort diverse Big Plays erzeugt. So irr es auch klingt: hat in der Pac12 den Yards per Catch-Rekord der Stanford Cardinals gebrochen mit 23,6 Yards im Schnitt.
Upside: Alleine für die Special Team-Qualität wird er als wertvoller NFLer angesehen werden. Für eine Offense kann er er ein sicheres Ziel im Kurzpassspiel darstellen. Seine Physis wird in der NFL weniger dominant sein.

Cade Johnson – 5ft10 groß und 184 lbs schwer – South Dakota State Jackrabbits

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Gehört, wie später im Text auch Jaelon Darden und Tre Walker, in die Gruppe der FCS-Receiver, die für den Draft in Frage kommen. Simpel ausgedrückt: wenn Johnson loslegt, dann hat die Konkurrenz oft das Nachsehen. Er dominierte den Slot auf verschiedenste Weise, was ihn aus der Masse der Receiver heraushob. Johnson kann nicht nur mit Speed sondern auch mit Route Running und einem ausgefeilten Route Tree Duelle gewinnen und Separation erzeugen, die er dann für Big Plays nutzt. Seine Hände sind zuverlässig und sein Umgang mit gegnerischen Tacklingversuchen ist ordentlich, wenn man seine geringe Größe und Kraft in Betracht zieht. Wird auf NFL-Niveau hier aber zulegen müssen um erfolgreich zu sein. Hat in zwei Jahren 2500 Yards und 25 Touchdowns erzielt. Qualität der Gegner ist natürlich – wie bei alle FCS-Jungs – ein großes Fragezeichen.
Upside: Absolut verlässliche Waffe im Slot, der vor allem bei den Yards nach dem Catch, im wahrsten Sinne des Wortes, Boden wird gutmachen können. Für Snaps Outside dürfte ihm vorher die körperliche Stärke als auch die Erfahrung gegen bessere Gegenspieler fehlen. Hat möglicherweise aber noch Downfield Qualitäten versteckt, die erst noch fertig entwickelt werden müssen.

Tamorrion Terry – 6ft2 groß und 207 lbs schwer – Florida State Seminoles

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Wieder ein Spieler, der nur eine kurze Saison 2020 hatte. Führte 2018 und 2019 sein Team bei den Receptions an und war auch innerhalb der ACC ein dekorierter Receiver. Überzeugt mit seinem leichtfüßigen Spiel und seinem Speed. Hat leider immer wieder Schwierigkeiten am Catch Point und nimmt die Augen vom Ball. Konnte zwar immer wieder einige Bälle noch erfolgreich retten, was man aber nicht so einfach auf die NFL mit besseren Verteidigern übertragen kann. Überragend ist er dann, wenn er einen ersten Ball tief gefangen hat und die Defense dazu zwingt ihn aus sicherer Distanz zu verteidigen. Dies nimmt er dann wahr und läuft entsprechend andere, kürzere Routen und kann hieraus für sein Team massiv Kapital erzeugen.
Upside: Schafft er es in die NFL bzw. kann er dort abliefern? Vom Skillset her hängt viel von seinem Ball Tracking ab. Seine Füße, seine Geschwindigkeit und sein Spielverständnis werden ihm ausreichend Gelegenheiten bieten seine Skills mit dem Ball offenzulegen, aber sollte er hier frühzeitig und konstant patzen, dann kann er auch schnell den Stempel “All tools, but no toolbox” bekommen und rumgereicht werden.

Dazz Newsome – 5ft10 groß und 190 lbs schwer – North Carolina Tar Heels

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Dazz Newsome (nicht zu verwechseln mit Cornerback Greg Newsome von Northwestern) ist der Gegenpart zu Dyami Brown bei den Tar Heels. Er ist der deutlich kleinere Receiver, der gerne die Mitte des Feldes als Slot-Waffe bespielt. Hat ein hohes Verständnis oder Gefühl dafür wenn ihm jemand im Nacken hängt und kann diesen dann mit kleinsten Bewegungen abschütteln. Hat er den Ball, dann agiert er fast wie ein Running Back, der durch die erste Linie durchgebrochen ist. Shifty wäre als Beschreibung völlig untertrieben. Hat auch im Return Game nachhaltig Spuren hinterlassen und auch das eine oder andere Gadget Play gehabt/als Runner auf den Plan getreten.
Probleme gibt es bei Newsome auch und die hängen mit seinen recht kurzen Armen zusammen. Sein Catch Radius ist absolut limitiert und er wirkt grundsätzlich recht klein auf dem Feld. Gegenspieler wird er auf NFL-Niveau auch nicht mehr derart leicht wie am College abschütteln können.
Upside: Ein Receiver für den Slot, der in einer Offense funktionieren kann, die dem Spieler immer wieder per Scheme etwas Separation gibt. Bei Kontakt war er am College nicht dominant genug um ihn auch auf diesem Gebiet als erfolgreichen NFLer ad hoc einstufen zu können. Qualität im Return Game!

Frank Darby – 6ft0 groß und 201 lbs schwer – Arizona State Sun Devils

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Sicherlich einer der Spieler, die mir am meisten zusagen und die durchaus etwas unter dem Radar fliegen, was auch an einer kurzen Saison der Sun Devils lag, denen auf Grund der Pandemie nur vier Saisonspiele gestattet waren (Darby machte drei Spiele, aber schied in zwei Spielen verletzt aus). Was zeichnet ihn aber genau aus? Er ist engagiert in jedem Teil des Spiel und kümmert sich auch als Receiver um seine zugeteilten Blocks und führt diese aus. Er springt ebenso enthusiastisch jedem Ball hinterher und kann das Feld lang als auch breit machen. Er ist insgesamt ein schneller Spieler, aber eher ein Spieler, der im Zuge der Routes an Tempo aufnimmt. Sein Speed “off the line” könnte größer sein. Sein gutes, präzises und kräftiges Route Running als auch seine Hüftmoves kommen regelmäßig zur Geltung wie auch sein extrem (!) gutes Ball Tracking. Schwachpunkte: läuft seine zu Beginn starken Routes manchmal nicht zu Ende und daraus resultieren Drops.
Upside: Wenn Darby weiterhin an den Kleinigkeiten arbeitet, die den großen Durchbruch bisher verhindert haben, dann hat er das Potenzial ein X- oder Z-Receiver (eher Z) auf NFL-Niveau zu werden. Hat 2018 und 2019 das Potenzial gezeigt ein guter Receiver auf NFL-Niveau zu sein. Klarer Sleeper-Kandidat.

Jaelon Darden – 5ft7 groß und 174 lbs schwer – North Texas Mean Green

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Ein gehypter Spieler. Darden ist unglaublich klein und schmächtig und hat nur auf FCS-Niveau agiert, aber genug der Kritik, denn er hat auch starke Seiten! 19 Touchdowns in nur 9 Spielen bei fast 1200 Yards sind seine Ausbeute. Unglaubich fixer Spieler, der vom Antritt weg enormen Speed aufnehmen kann und seine Verteidiger damit fast schon überrollt. Hat richtig gute Hände und vor allem Antizipation bei langen Bällen, die er nicht aus den Augen lässt. Kann sich auch entsprechend geschickt platzieren um die beste Zugriffschance auf den Ball zu haben. Guter Returner auf College-Niveau gewesen. Schwierigkeiten – logischerweise bei dieser Statur – bei vielen Elementen, wenn der Gegner nah an ihm dran ist.
Upside: Speed-Waffe für die NFL mit Qualitäten im Return Game. Fraglich ist sicherlich wie er mit vermehrt Press Man zurechtkommt und mit Gegnern, die ähnlich schnell wie er sind oder sich gegen ihn besser zu helfen wissen. Sein Boom-Potenzial ist aber derart hoch, dass man ihn schon an Tag 2 wird erwarten können. Hat alle Tools um ein wahrer Field-Stretcher zu werden mit Special Team-Value.

Jonathan Adams – 6ft2 groß und 210 lbs schwer – Arkansas State Red Wolves

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Offensiver Spieler der Jahres in der Sun Belt-Conference mit 12 Touchdowns in 10 Spielen. Sehr dominant am Catch Point durch seine Größe, Stärke und auch Anpassungsfähigkeit bei ungenauen Würfen. Spielte fast ausschließlich Outside obwohl es ihm an klassischer Geschwindigkeit fehlt um sich von den Verteidiger abzusetzen. Fängt die Bälle trotzdem durch seine immens gute Antizipation. Hat mit Arkansas State an einem kleineren, unbekannten College gespielt, aber dennoch auf FBS-Niveau und dort gute Zahlen aufgelegt. Insgesamt kann man festhalten, dass er immer produktiv ist und Bälle festmacht – gegen Man wie Zone Coverage und – soweit ich das sehen konnte – auch gegen Press Man, was für die NFL guten verheißen lässt (am College wird eher selten Press Man gespielt)
Upside: Könnte einer dieser Receiver sein, der den Ball fängt obwohl er in wenigen/keinen Bereichen überragend ist. Er hat einfach das Durchsetzungvermögen und Spielgefühl um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und dann greift er auch zu. Veritable Chance ein Day2-Pick zu sein, der dann zum Starter wird.

Sage Surratt – 6ft2 groß und 209 lbs schwer – Wake Forest Demon Deacons

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Körperlich starker Spieler, der sehr gut darin ist sich bei Pässen entsprechend mit dem Körper zu platzieren, dass nur er an den Ball gelangen kann. Ist aber auch gleichzeitig sein Schwachpunkt, denn er verlässt sich teils fast nur darauf. Grundsätzlich fehlt ihm in fast allen Belangen die Dynamik und Geschwindigkeit um sich vom Verteidiger wirklich abzusetzen. Auf College-Niveau hat das aber auch ausgereicht, denn seine Positionierung war dermaßen dominant und seine Anpassung an schlechtere Würfe gut, dass er einige Bälle fast schon unbedrängt fangen konnte.
Upside: Hat die Idealmaße für einen “Big Slot”, der vor allem bei kurzen Routen auf’s Feld kommt oder in der Red Zone. Für mehr fehlt es ihm in vielen Bereichen. Kein Yards after the catch-Receiver.

Amon-Ra St.Brown – 5ft11 groß und 197 lbs schwer – USC Trojans

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Die Definition von Durchschnitt. Amon-Ra kann alles gut auf College-Level, ist aber in keinem Gebiet dominant. Bewegt sich insgesamt recht zäh, teils fast schon langsam über das Feld. Hat der Systemumstellung 2019 von Coach Helton hin zu einem Air Raid-ähnlichen Scheme einiges zu verdanken, denn seither ist der Ball zügig aus der Hand des Quarterbacks raus und die Geschwindigkeitsdefizite von St.Brown sind nicht mehr so offensichtlich, denn um Separation geht es nicht mehr. Es soll aber nicht zu negativ klingen, daher ergänze ich mal auch positive Elemente: er findet gute Spots in Zone Coverage und weiß in Bedrängnis seinen Körper passend einzusetzen. Könnte in der NFL als Slot-Waffe zu gebrauchen sein, wenn er dann hauptsächlich bei Curl-, Stick- oder Mesh-Routes eingesetzt wird um seine Stärken zum Vorschein zu bringen.
Upside: Sein breit angelegtes Skillset wird ihn begehrt machen, aber nicht auf dem Level wie er es sich wünschen würde. Hat eine Zukunft als Nummer 3-5 Receiver in einer Offense, die Air Raid-nah aufgebaut ist.

Tutu Atwell – 5ft8 groß und 155 lbs schwer – Louisville Cardinals

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Speed Demon. Quirrlig und wild rennt Atwell teils über das Feld und ist nur schwerlich zu bremsen oder einzufangen. Bei all seiner Agilität geht ihm leider oftmals die Präzision bei seinen Routes abhanden. Seine Footballskills sind teils schon extrem roh und sein Körper schreit so gar nicht nach NFL-ready. Sein Spielstil passt aber (teilweise) zur modernen NFL und Atwell könnte eine Downfieldwaffe für spezielle Situationen sein. Im Slot sehe ich ihn weniger, da er hier kaum gegen Kontakt erfolgreich sein dürfte. Passt das Scheme, dann könnte er aber hier ebenfalls erfolgreich sein, wenn die Mitte regelmäßig genug Raum für seine Yards after Catch-Qualitäten offeriert.
Upside: Spieler für gewisse Situationen, der gar nicht so viel an Footballskills mitbringt, aber den Gegner auf Grund anderer Qualitäten respektieren müssen. Trotz einiger Drops am College wird er bei tiefen Pässen ein Problem für viele Defenses darstellen. Seine Karriere hängt am seidenen Faden. Fängt er die ersten tiefen Bälle, dann kann er genug Zeit bekommen sich auch auf anderen Ebenen noch zu entwickeln (zwingend notwendig!). Wird er zu einem “Drop-Monster”, dann könnte es auch schnell vorbei sein.

Seth Williams – 6ft3 groß und 211 lbs schwer – Auburn Tigers

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Ein schwieriger junger Receiver mit immensen Qualitäten aber auch großen Problemen. Ist nicht in der Lage Separation zu erschaffen und muss immer Würfe fangen, während Gegenspieler noch an ihm hängen. Er fängt sie dann aber und teils auch ziemlich verrückte Bälle. Vor allem in höheren Stockwerken ist er sehr erfolgreich und nutzt seine Länge als auch Arme perfekt aus. Seine Geschwindigkeit ist maximal biederer Durchschnitt und hat im tiefen Passspiel quasi keinen Wert – wenn man davon ausgeht, dass der Quarterback nicht “10 Sekunden Zeit” hat zu warten bis auch Williams dort angekommen ist. Etwas überspitzt ausgedrückt: alles was mit Laufen zu tun hat ist nicht sonderlich sein Ding. Alles was mit Springen zu tun hat ist sein Ding. Charakterlich unter Umständen nicht einfach, denn er bricht regelmäßig auch Routes ab, wenn es ihm nicht passt. Nicht nur Highlights von ihm anschauen!
Upside: Seine Größe und seine Win Rate bei Jump Balls machen ihn für die NFL interessant. Könnte ein Possession Receiver in der NFL sein, aber für einen Starter ist er mir zu limitiert. Einzige Ausnahme wäre eine old-school West Coast-Offense bei der er vor allem in Corner Routes zum Einsatz kommt.

Shi Smith – 5ft9 groß und 186 lbs schwer – South Carolina Gamecocks

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Kleiner, gedrungener Receiver, der über seine Geschwindigkeit und sein zügiges Route Running ins Spiel kommt. Press Man ist für ihn kein Problem, da er hier Verteidiger oft mit einem Cut/Move aussteigen lässt um dann in der Route Geschwindigkeit aufzunehmen. Könnte seine Routes noch präziser zu Ende laufen und hat oft bei Körperkontakt direkt Probleme die Balance zu behalten. Positiv: er scheut den Kontakt nicht, aber kann leider noch nicht oft bestehen/als Sieger aus dem Duell herausgehen.
Upside: Klassischer Tweener zwischen Special Team und Receiver für einen gewissen Prozentsatz der Spielzüge. Alles was auf Speed ausgelegt ist, kommt ihm entgegen. Situationen auf kurzem Feld dürften in der NFL nichts für Shi Smith sein – zumindest nicht zu Beginn, denn seine Routes dürften selbst für einen Slot Receiver noch nicht ausgefeilt genug sein/der Körperkontakt dann zu hart werden. Wille zur Verbesserung in diesem Bereich ist aber vorhanden und daher auch gesteigertes NFL-Potenzial.

Anthony Schwartz – 6ft0 groß und 186 lbs schwer – Auburn Tigers

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Speeeeeeed. Ultra. Schnell. Wenn er dir entwischt, dann war es das. Kurzgefasst ist das so auch richtig, aber das Problem bei Schwartz ist, dass er noch zu wenig Footballspieler ist. Seine Routes, sein Ball Tracking und alles drumherum ist noch extrem roh, aber sein Tempo “off the line” als auch in der Route selbst sind überragend und man merkt seine frühere Qualität und Übung in der Leichtathletik. Hat auch immer wieder Einsätze als Runner bekommen und hier ebenfalls mit Jet Plays oder End Arounds Schaden anrichten können. Interessanterweise war er im Special Team bislang kein Faktor. Normalerweise sind derart schnelle Spieler mindestens gute Gunner, aber auch hier scheint sich seine mangelnde Durchsetzungsfähigkeit “in Traffic” wieder zu zeigen. Das Fehlen der Durchsetzungsfähigkeit gegen Verteidiger am Catch Point als auch im offenen Spielzug hat ihn stets begleitet. Mehr Touchdowns im Laufspiel als im Passspiel.
Upside: Hat sich stetig als Receiver entwickelt, aber noch einen langen Weg vor sich. Seine Speed ist ihm nicht zu nehmen und der wird auch von NFL-Verteidigern respektiert werden müssen, weshalb ich ihn auch früher vom Draftboard gehen sehe als es vielleicht angebracht ist.

Cornell Powell – 6ft0 groß und 203 lbs schwer – Clemson Tigers

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Ein schwieriges Kapitel ist Cornell Powell. Er war bis zur Saison 2019 bereits in vier Spielzeiten als Receiver aktiv und lag bei etwas mehr als 300 gefangenen Yards – insgesamt. Nicht pro Saison im Schnitt. 2020 hatte er dann seinen Durchbruch und legte 7 Touchdowns bei 882 Yards auf. Das kam für alle Beobachter unerwartet, vor allem, da er zuvor nicht gerade als “workhorse” bekannt war. Trotz nur durchschnittlicher Größe ist Powell ein wahres Kraftpaket. Läuft seine Routen immer aggressiv und präzise. Ist kein Tänzer, der mit Moves künstelt sondern an klarer, aber zügiger Separation interessiert ist. Balance halten gehört zu seinen Stärken – auch bei Kontakt. War zuletzt sicher am Catch Point und hat hier eine hohe Sicherheit geboten. Im Ganzen ist er eher ein langsamerer Spieler, der mehr von Präzision als von Speed und Separation lebt. Fraglich ist, ob er das auf NFL-Niveau wird fortführen können, wenn Defender bei den Routes näher an ihm dran bleiben/physisch ähnlich stark/stärker sind als er.
Upside: Sicherheitsoption auf NFL-Niveau. Dürfte kein Receiver für tiefe Bälle oder großen Raumgewinn nach erfolgreichem Catch sein. Ein Spieler, der bei Corner- oder Curl-Routes seinen Wert unter Beweis stellen könnte.

Josh Palmer – 6ft1 groß und 210 lbs schwer – Tennessee Volunteers

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Besitzt exzellente Hände und fängt mit diesem sicher am Körper als auch von seinem Körper entfernt. Hat auch das Gefühl dafür seinen Körper richtig einzusetzen um sich selbst in beste Position zu bringen. Seine Routes sind sehr wacklig. Hier gibt es alles zu sehen: von “crisp und leichtfüßig” bis hin zu “überladener Schulbus beim Wenden auf dem Hinterhof” ist alles geboten. Meist findet er sich in der Mitte dieser Routenqualität wieder, was auf College-Niveau ausgereicht hat, aber in der NFL wohl schwierig wird – vor allem, wenn man sein maximal durchschnittliches Tempo miteinbezieht. Interessant: je stärker der Gegner desto besser war seine Performance. Könnte diesen Anreiz brauchen und dominiert gegen schwächere Spieler zu leicht um vielleicht immer “crisp und leichtfüßig” zu agieren.
Upside: Sein Wille und Härte im Zweikampf werden Palmer zu einem begehrten Receiver machen, der durch seine guten Ball Skills auch ausreichend Einsatzzeit bekommen wird. Seine fehlende Geschwindigkeit wird ihn limitieren, aber im richtigen Scheme oder bei kurzem Feld kann er ein Possession Receiver sein, der im engen Kampf um den Ball überaus erfolgreich sein kann – auch auf NFL-Niveau.

Josh Imatorbhebhe – 6ft0 groß und 218 lbs schwer – Illinois Fighting Illini

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Physisch unglaublich begabter X-Receiver. War zu Begin als hoher 4-Star Recruit bei den USC Trojans, kam dort aber kaum auf’s Feld, auch, aber nicht nur durch Verletzungen bedingt. Hat nun zwei Jahre bei Illinois gespielt und sich dort zu einem Jump-Ball-Receiver entwickelt. Könnte von der Line aus schneller sein, entwickelt aber im Lauf dann seine Geschwindigkeit. Grundsätztlich interessant für die NFL, aber noch sehr unkonstant. Kann einen Spielzug eine phantastische Route laufen und einen Spielzug später hat man das Gefühl, als spiele er das erste Mal Football.
Upside: Ein absolutes Projekt. Bringt Physis und Ballskills mit, müsste sich aber auf dem nächsten Level gegen bessere Verteidiger durchsetzen können. Könnte eine immense Match-Up-Waffe in einem Set mit 3-4 Receivern sein durch seine (kurze) Erfahrung als X-Receiver.

Ihmir Smith-Marsette – 6ft0 groß und 181 lbs schwer – Iowa Hawkeyes

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Schlaksiger Körperbau und seine Muskelmasse lässt mehr als zu wünschen übrig. Natürlich kommen daher auch seine Vorteile: unglaublich schnell und das nicht nur “off the line” sondern vor allem vertikal. Hat er erstmal Abstand zu seinen Verteidigern gewonnen, dann war es das. Hat ein gutes Auge für tiefe Bälle und fängt diese auch sicher. Seine Geschwindigkeit zeigt sich auch in seinen “on and off”-Moves. Bremst, startet, bremst und gibt wieder Gas und das sieht nicht nur flüssig aus, sondern ist auch hochgradig effektiv. Hat überraschenderweise eine gute Vision, wenn das ganze Feld vor ihm noch besetzt ist (wie bei Returns). Ein zentraler Schwachpunkt ist allerdings alles was “in traffic” stattfindet.
Upside: Ein Spieler für das “one and done”. Speedster mit Qualität die langen Bälle abzufischen. Könnte auch Wert im Return Game haben.

Mike Strachan – 6ft5 groß und 226 lbs schwer – Charleston Golden Eagles

Strachan muss bilderlos bleiben, denn er ist – trotz seiner Größe – nicht vordergründig auf dem Draftschirm zu finden. Interessant ist er trotzdem, denn er kommt von einer FCS-School. Das bedeutet, dass er kaum oder keine (in seinem Fall keine) Angebote der großen Universitäten aus dem höheren FBS-Level erhalten hat. Hat sich dennoch bei Charleston gut entwickelt und zeigt eine, für seine Größe ungewöhnliche Athletik. Ist mit bald 24 Jahren schon einer der älteren Receiver, aber Körper, Athletik und Antizipation machen ihn zu einem interessanten Day3-Projekt. Problem: seine Gegenspieler waren zumeist auch nur auf FCS-Verteidiger und lassen somit eine Einstufung nur schwerlich zu. Trotzdem: 19 Touchdowns in nur 11 Spielen 2019. 2020er Saison wurde abgesagt.
Upside: Braucht Entwicklungszeit, von der er nicht viel haben wird auf Grund seines Alters, aber könnte sich im besten Falle zu einer Match-Up-Waffe entwickeln und mit kleineren Verteidigern auf Augenhöhe im Bereich der Geschwindigkeit kämpfen und ihnen von der Größe her überlegen sein.

Dax Milne – 6ft0 groß und 193 lbs schwer – Brigham Young University (BYU) Cougars

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Extrem verlässliche Hände und Milne nimmt nie die Augen vom Ball. Freundlich ausgedrückt würde man sagen, dass er in Sachen Tempo noch etwas zulegen kann. Findet, gerade in Zone Coverage, gerne die Lücken und lässt sich in diese fallen und ist dort dann ein überaus sicheres Ziel für seinen Quarterback. Agiert als Blocker stets motiviert und hat die Spielintelligenz auch die richtigen Winkel anzusetzen um Raum für den Runner zu erzeugen. Spielt körperlicher als man es ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.
Upside: Hat als Slotwaffe und guter Special Team-Spieler sicherlich seinen Wert, auch wenn er als Returner selbst fraglich ist. Ist auch ein Kämpfer, der nie aufgibt und auch um den letzten Millimeter Raumgewinn kämpft.

Ben Skowronek – 6ft2 groß und 220 lbs schwer – Notre Dame Fighting Irish

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War nur eine Spielzeit bei Notre Dame aktiv (vorher bei Northwestern), hat aber in dieser Zeit seinen Wert enorm gesteigert. Lebt grundsätztlich von seinem Körper. Hat große, starke Hände und gilt als guter Blocker. Wird sicherlich in Sachen Athletik und vor allem der Beinarbeit kein Spitzenmann auf NFL-Niveau werden, könnte aber gerade in Run-lastigen Offenses seinen Wert haben. Spielt teilweise wie ein Tight End, der gerade outside aufgestellt ist – eher langsam, behäbig aber aktiv mit seinem Körper. Wenn es die Qualität gäbe “steht gut im Weg”, dann hätte er sie an seinem Revers heften.
Upside: Spieler für die hinteren Kaderplätzen, der im richtgen Scheme seine Qualitäten bei kurzen Pässen und mit guten Blocks sich Spielzeit erkämpfen kann.

Tre Walker – 5ft10 groß und 178 lbs schwer – San Jose State Spartans

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Ein schnelles, aber sehr kleines und vor allem sehr leichtes Monster für die tiefen Bälle. Hat eine exzellente Fußarbeit mit der er Verteidiger direkt an der Line austanzen kann. Bedenken muss man allerdings, dass er das bislang nur auf FCS-Level zeigen konnte, aber die Ansätze sind auf jeden Fall da, dass er es auch auf höherem Niveau könnte. Der Routetree von Walker ist bislang eher vertikal ausgerichtet gewesen, aber seine Fußarbeit lässt darauf schliessen, dass er auch im Slot agieren könnte und hier bei Slants auch eine Waffe sein kann.
Upside: Mit erfolgreich ergänzten Slotqualitäten könnte Walker ein absolutes Missmatch für eine Defense sein, der das Feld nicht nur vertikal strecken kann, sondern es auch horizontal aggressiv bespielen könnte. Ist sicherlich ein Kandidat der höher als erwartet gehen könnte, wenn ein Team in ihm das angesprochene Potenzial sieht.

Damonte Coxie – 6ft3 groß und 200 lbs schwer – Memphis Tigers

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Sehr physischer Receiver mit guten Ballskills. Ist regelmäßig erfolgreich bei contested catches. Setzt hierbei seinen Körper passend ein in dem er ihn vor den Gegenspieler schiebt. Man hat das Gefühl, dass das Spieler langsamer abläuft alsbald er in Position ist und er sich dann alles zurechtlegt, um den Ball erfolgreich zu fangen. Langsam ist er leider insgesamt in vielen Bereichen auch abseits vom Catch Point, denn seine Athletik muss man als “ausbaufähig” bezeichnen und nur sehr begrenzt NFL-würdig.
Upside: Kraftpaket für’s Kurzpassspiel, für das kurze Feld und/oder 3rd&short und einen Dump-off. Jegliche Spielzüge tief das Feld runter sind mit Coxie nur schwer auf NFL-Niveau vorstellbar, da ihm hierfür völlig die Athletik fehlt. Im optimalen Fall ein End of Roster-Receiver, der in gewissen Spielzügen seinen Wert beweisen kann.

Quintin Guice – 6ft0 groß und 187 lbs schwer – Grambling State Tigers

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2020 nicht aktiv gewesen und 2019 mit einer durchwachsenen Saison. Guice hat aber 2018 – und das ist schon eine Ecke her – gezeigt zu was er fähig sein könnte. Ein Receiver für die tiefen Bälle. Trotz seiner Größe ein wendiger, agiler Receiver mit sicheren Händen, der auch gegen bessere Gegner diese forderte. War in selbigen Spielen das einzig zuverlässige Target für QB Geremy Hockbottom und könnte somit spät im Draft für etwas Interesse sorgen.
Upside: Wahrscheinlicher ist aber, dass wir Guice erstmal als UDFA auf einem Practice Squad sehen, aber sollte er sich entsprechend weiterentwickeln, dann wäre er ein relativ großes Deep Threat mit sicheren Händen, auch bei Kontakt.

Tristen Wallace – 6ft2 groß und 232 lbs schwer – Prairie View A&M Panthers

Tristen ist derart bekannt, dass es nicht mal – für diesen Artikel – frei zugängliche Bilder gibt, aber dennoch empfinde ich ihn erwähnenswert. Möchte ihn trotzdem hier erwähnen, auch, wenn ich ihn selbst nur ein Mal gesehen habe. Überaus atheltischer Typ, der einen immensen Speed in allen vertikalen Routes aufs Brett bringt. Routetree war sehr einseitig. Spannender Punkt: war früher ein Dual-Threat Quarterback und liest das Feld gut.
Upside: Sollte wer glauben, dass er seinen Routetree erweitern kann, der könnte hier spät einen kleinen, aber wohl sehr rohen Diamanten finden. Den Vergleich zu einem ähnlich physisch dominanten Receiver mit limitierten Routetree aus dem Draft 2019 schenke ich mir jetzt mal, weil das dann doch etwas zu viel des Guten erstmal wäre. Wer’s übrigens bis hierhin geschafft hat, dem gebührt auch ein Lob. Lasst auch gerne Feedback drunter da, wenn ihr die ganzen Kurzportraits habt über Euch ergehen lassen.

Letztlich ist die Liste nicht komplett. Namen, die ihr vielleicht ebenfalls im Draft hören könntet wären: Marquez Stevenson, Austin Watkins, Dez Firtzpatrick, Whop Philyor, Tarik Black, Tylver Vaughns, Warren Jackson, Jalen Camp, Jhamon Ausbon oder auch Marlon Williams. Ansonsten wisst ihr ja genau…einer wird hier nicht erwähnt und genau den draften wir dann oder der schlägt wo unerwartet groß ein!

Wie auch bei den Tight Ends stellt die Liste hier kein Ranking dar. Ich will euren eigenen Eindruck nicht einfärben. Wer Interesse an meinen Positionsrankings hat, der kann auf Twitter vorbeischauen, denn dort sind meine Top20 der jeweiligen Positionsgruppe hinterlegt. Solltet ihr Frage oder Anmerkungen haben, dann schaut gerne bei uns auf Twitter/Discord und Co vorbei.