Schon wieder ist ein NFL-Jahr vorbei und das Neue beginnt. Und nun rückt der Draft wieder in den Fokus, welcher vom 29. April bis zum 1. Mai in Cleveland stattfinden wird. Noch knapp drei Wochen also – Zeit für uns, wie in jedem Jahr, die neuen Spieler unter die Lupe zu nehmen. Wie ihr es gewohnt seid, haben wir die Artikel wieder Positionsgruppe für Positionsgruppe aufgeteilt. So habt ihr es übersichtlich. Natürlich stellen die Einschätzungen sowie das Ranking die persönliche Meinung des jeweiligen Autors/Scouts dar. Wir wünschen euch dennoch viel Spaß dabei!

Wie im letzten Jahr beginnen wir mit der prominentesten Positionsgruppe, den Quarterbacks. Die Übersicht enthält die Top-10 der Spielmacher, denen Chris (folgt ihm gerne auf Twitter) den Sprung in den Draft zutraut. Das Ranking ist daher -wie oben geschrieben- seine persönliche Meinung und wird nicht zwangsläufig den Needs eines Teams oder der Draftposition gerecht. Die Körpermaße entsprechen den Gemessenen am Pro Day der Colleges. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter am Drafttag.

Genug der Vorrede, auf geht es zu den Quarterbacks. Sicher, für die Packers dürfte die diesjährige Quarterback-Klasse aufgrund des fehlenden Needs uninteressant sein. Doch ein Blick über den Tellerrand lohnt sich alle mal, denn da kommt doch einiges an gutem Talent auf die Liga zu. Teilweise ist geradezu ein Hype entstanden und nicht wenige Beobachter der Liga glauben, dass bis zu sechs Spielmacher in der ersten Runde einen Abnehmer finden könnten . Vier davon werden sogar ernsthaft in den Top-10 gehandelt. Dies war zuletzt 2018 der Fall, als mit Mayfield, Darnold, Allen und Rosen vier Quarterbacks unter den ersten Zehn waren. Wird also spannend zu sehen, ob es so kommt. Und wir schauen mal, ob die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind. Ab geht die wilde Fahrt!

Trevor Lawrence (21 Jahre, Clemson)

Größe: 6’6” (1,98m)
Gewicht: 213 lbs (97kg)
Armlänge: 31,5 ” (80cm)
Handspanne: 10” (25,4cm)

Jaja, mit dem ersten Quarterback wird es fast schon langweilig. Schließlich ist Trevor Lawrence früh auf den 1st Overall gebucht gewesen und das Bonmot „Tanking for Trevor“ war spätestens ab Anfang Dezember in aller Munde. Aber machen wir uns einfach nichts vor: „T-Law“ ist eine Erscheinung und für viele nun mal das Beste seit geschnittenem Brot. Die Zahlen vom College sind imposant: in 40 Spielen stand Lawrence 36mal als Starter auf dem Feld. 34 dieser Spiele konnte er gewinnen. Dabei gelangen ihm 10098 Yards und 90 Touchdowns bei einer Quote von 66,6% und 17 Interceptions. Allerdings fehlt statistisch eine Übersaison wie sie Joe Burrow 2019 auf den Kunstrasen legte. In seinen drei Jahren führte Lawrence die Tigers zur National Championship 2018 sowie ins Finale 2019. 2020 war bereits im Sugar Bowl (oder Halbfinale, wenn man so will) Schluss. Die Heisman-Trophy ging daher auch nicht an ihn.

Aber was macht Lawrence aus? Nun, zunächst fällt einfach auf, dass der 21-Jährige komplett ist und keine Schwächen aufweist. Das will nicht viel heißen, doch wenn man die Benotung unseres QB-Chefscouts Chris sieht, dann heißt dies, dass auf einer Zehnerskala eine „8“ die schlechteste Note ist. Und die betrifft die Mobilität, was bei 1,98m und beinahe 100kg fast zu vernachlässigen ist. Aber selbst hier zeigt Trevor Lawrence die richtigen Ansätze, weiß wann er mit einem kurzen (oder auch längerem) Scramble den Weg in die Endzone findet oder ein paar Yards machen kann.

Ansonsten ist Lawrence absolut herausragend. Besonders hervorzuheben sind dabei zwei Aspekte seines Spiels. Zum Einen besitzt er eine überragende Field Vision. Lawrence liest die Verteidigung unglaublich gut und findet fast immer einen offenen Receiver. Dass er mal einen übersah, kam am College so gut wie gar nicht vor. Er erkennt die Situation auf dem Feld und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Zone Coverage wird von ihm fast schon gnadenlos zerpflückt. Der zweite Aspekt ist eine unglaubliche Pocket Presence. Er bleibt auch unter Druck ruhig, macht allenfalls kurze, schnelle Moves und lässt selten Panik erblicken. Das macht Lawrence spieltechnisch „älter“ als er ist. Anders formuliert: er spielt ruhiger und reifer, als man es von 21-Jährigen gewohnt ist. Dies macht Lawrence zum „King of RPO“. Die Run-Pass-Option ist wohl die gefährlichste Waffe überhaupt bei ihm und es gibt auch wohl in der NFL selbst nur wenige Quarterbacks, die dies so perfekt beherrschen. Dies macht ihn attraktiv für Teams, die vielleicht nicht den herausragenden Supporting Cast in der O-Line haben.

Apropos Supporting Cast: für 2020 muss man Lawrence auch noch zu Gute halten, dass er – untypisch für Clemson – mit eher durchschnittlichen Mitspielern arbeiten musste. Amari Rodgers als Empfänger ist okay, aber jetzt auch nicht einer der Top-Receiver der Saison gewesen. Gleichs gilt für Cornell Powell und die O-Line.

Prediction: Wir müssen uns nichts vormachen. Alles andere als Lawrence an Position eins im Draft wäre eine hochhaushohe Sensation und Trent Baalke als GM der Jaguars wäre dann seinen Job schnell los. Aber soweit wollen wir nicht gehen – Lawrence ist die Nummer eins im Draft 2021.

Zach Wilson (21 Jahre, BYU)

Größe: 6’2” (1,88m)
Gewicht: 214 lbs (97kg)
Armlänge: 30,62 ” (77,8cm)
Handspanne: 9,5” (24,1cm)

Als Nummer zwei in unserem Draftranking hat Chris Justin…. ähh Moment, da ist der Hypetrain auf Gleis 38 vorbeigefahren. Aber tatsächlich: die Nummer zwei in des Chefscouts Ranking ist Zach Wilson von den BYU Cougars, einem College, das als „independent“ geführt ist. Sprich: die Cougars gehören keiner Conference an und müssen sich deshalb jedes Jahr ihre Gegner suchen. Und das macht es für BYU (und die Spieler) so schwierig, ins richtige Schaufenster zu kommen – dazu weiter unten mehr.

Zach Wilson war in den letzten drei Saisons der Starter in Utah (dort ist BYU zu Hause). 28 von 30 Spielern begann der 21-Jährige auf dem Feld, legte dabei 7652 Yards und 56 Touchdowns bei einer Quote von 67,6% und 15 Interceptions auf. Vor allem die 2020er Saison war mit fast 3700 Yards, 33 (!) Touchdowns, 73,5% Quote und nur drei Interceptions absolut herausragend. Allerdings muss dies in Relation gesehen werden, denn der 11-1-Rekord ist mit absoluter Vorsicht zu genießen. Denn nur Coastal Carolina war am Ende unter den Top25-Teams in den College-Rankings – und diese Partie war die einzige BYU-Niederlage.

Das Los des kleinen Colleges und vergleichsweise schwachen Spielplans sollte Wilson aber nicht tangieren. Denn dass der Junge überdurchschnittliches Talent hat, steht außer Frage. Aber natürlich ist er nicht annähernd so komplett wie es Trevor Lawrence ist. Das hat mehrere Gründe. Zum Einen hat Wilson durch die schwachen Gegner und eine sehr gute O-Line (Augen auf Brady Christensen!) nur selten wirklich Pressure erlebt. Das spielt gegen Coastal Carolina war da fast die Ausnahme, wobei Wilson auch hier ordentlich performed hat. Ansonsten ist dieser Faktor einfach nicht zu bewerten. Auch sein Rushing Game ist ausbaufähig. Zwar ist Wilson in der Lage , durch gutes Scrambeln und kurze Läufe ein Play bzw. einen Drive zu verlängern. An die absolute Elite, wie es ein Lawrence oder aktuell ein Watson in der NFL darstellen, kommt er nicht heran. Auch das Spiel in der Pocket ist ausbaufähig. Oft braucht die Entscheidungsfindung etwas zu lange, was dann die Pocket zusammenbrechen lässt und zu unnötigen, teils dummen Sacks führt.

Die Punkte reichen sicherlich, um ihn im Ranking droppen zu lassen. Doch was macht Zach Wilson aus? Und was sorgt vor allem dafür, dass er nicht nur von Chris hochgehandelt wird? Kurz gesagt: sein Arm. Er ist in der Lage „lange Brote“ am Fließband zu werfen und dies mit einer Genauigkeit, die es auch in der NFL nur selten gibt. Maßgeschneiderte 50+ Yards-Pässe sind eher die Regel als die Ausnahme. Dazu ist der Arm auch verdammt schnell und entsprechend schnell ist der Pass draußen – egal ob aus der Pocket, aus dem Lauf oder aus verrückten Positionen. Dazu trifft er auch enge Fenster mit sehr großer Genauigkeit. Das Ganze ist gepaart mit einem großen (viele sagen zu großen) Selbstbewusstsein, was ihn auch zu einem großartigen Leader macht. Die Vergleiche mit Josh Allen sind da sicherlich nicht zu verachten.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass sein Supporting Cast (im Verhältnis zu den Gegnern) großartig war. Und ja, die O-Line von BYU musste sich wohl vor keiner in der NCAA verstecken. Auch die Receiver sind sicherlich nicht die Schlechtesten. Dies alles, zusammen mit seinen Schwächen und dem Spielplan, macht es schwierig, das wirkliche Competition Level von Wilson zu ergründen.

Prediction: Vom Talent und vom Upside her ist Wilson die Nummer zwei in diesem Draft. Er hat alle Anlagen ein toller Passer dieser Liga zu werden. Natürlich ist dies nicht ohne Risiko, aber die Vorteile liegen auf der Hand und überwiegen. Und wir sind uns sehr sicher, dass Wilson ein Top-5-Pick wird – nur fraglich, ob die Jets zugreifen oder die 49ers.

Justin Fields (21 Jahre, Ohio State)

Größe: 6’3” (1,91m)
Gewicht: 223 lbs (101kg)
Armlänge: unbekannt
Handspanne: unbekannt

Ist Justin Fields vielleicht doch der beste Quarterback des Drafts? Glaubt man dem Hypetrain, so konnte sich Fields zumindest kurz Hoffnung auf den 1st Overall machen. Das Thema ist jetzt durch, an Lawrence wird er nicht vorbeikommen. Aber reicht es zum 2nd Overall? Beantworten können wir die Frage nicht, aber eine Einschätzung können wir dazu geben.

Schauen wir erstmal auf Fields College-Zeit. Die ist unglaublich interessant, denn eigentlich war er 2018 der Backup bei den Georgia Bulldogs und konnte in seiner kurzen Einsatzzeit überzeugen. Da er 2019 weiter Backup hinter Jake Fromm geblieben wäre, entschied er sich zum Wechsel zu den Buckeyes – und kämpfte erfolgreich dagegen, wie nach NCAA-Regularien üblich, ein Jahr aussetzen zu müssen. Die NCAA erlaubte auch aufgrund rassistischer Anfeindungen den Wechsel zu Ohio State. Und hier startete Justin Fields durch: 22 Spiele, 20 Siege, 5701 Yards, 67 Touchdowns und 67% Completion Percentage sowie nur neun Interceptions. Dazu war führte er die Buckeyes ins Finale der Nationalchampionship, schlug dabei Clemson und „T-Law“. Er war der überragende Spieler der Big-10-Conference, die Heisman-Trophy verpasste er nur knapp.

Rein statistisch spricht alles dafür, dass Fields ein legitimer No1-Pick ist. Daher lohnt sich ein genauerer Blick auf seine Skills. Und hier fällt seine ganz große Schwäche auf: die Pocket Presence. Es ist nicht so, dass Fields bei Druck nervös oder gar panisch wird. Viel mehr verlässt er sich zu sehr darauf, dass er mit seiner Physis eben dem Druck entkommt, wenn die Pocket nicht mehr da ist. Dies führt zu einfachen Sacks, zu sehr riskanten Würfen und einfach der Tatsache, dass er wie Lamar Jackson selbst die Beine in die Hand nimmt. Gleichzeitig ist sein Überblick stark verbesserungswürdig – gerade wenn er unter Druck kommt. Was das Ganze noch schlimmer macht: Fields klebt unglaublich an seinem 1st Read – der Blick für andere, vielleicht richtig offene Receiver ist weg. Dies ist ein großer Nachteil gegenüber Lawrence oder auch Wilson.

Aber natürlich hat Justin Fields auch unglaubliche Stärken. Auch er hat einen fantastischen Arm, findet vor allem mit den langen Dingern zielsicher sein Target. Ebenso sind auch seine mittellangen Pässe in der obersten Kategorie einzustufen, da lassen sich gelegentliche Schwächen im Kurzpass-Spiel gut übertünchen. Dazu kommt eine überragende Physis und eine absurde Geschwindigkeit. Das erinnert stark an den bereits erwähnten Lamar Jackson, mit dem Unterschied, dass Fields werfen kann. Diese Kombination ist in der NFL sehr gefragt, zumal man das Competition Level bei Fields getrost hochansetzen darf. Da reicht ein Blick auf den Schedule der Buckeyes, der sicherlich zu den Schweren am College gehörte. Der Upside ist vielleicht nicht ganz so hoch wie bei Wilson, aber wenn man die Schwächen abstellt, ist Fields definitiv ein Quarterback, welcher die Liga prägen kann.

Prediction: Vom Talent her fällt Fields etwas gegenüber Lawrence und Wilson ab. Das heißt natürlich nicht, dass der Mann eine absolute Blinse ist – im Gegenteil! Justin Skyler Fields ist realistisch betrachtet ein sicherer Top10-Pick. Gut, bei Quarterbacks sehen die wenigsten Teams alles realistisch, von daher ist auszugehen, dass Fields spätestens an Position drei vom Board ist.

Trey Lance (20 Jahre, North Dakota State)

Größe: 6’3” (1,91m)
Gewicht: 224 lbs (101,5kg)
Armlänge: 31,5” (80cm)
Handspanne: 9,125” (23,2cm)

Der erste Quarterback aus dem neuen Millenium ist Trey Lance. Der 20-Jährige wird erst kurz nach dem Draft nach amerikanischem Recht „erwachsen sein“. Aber nun denn – wir bewerten nach Leistung. Und hier muss man sagen: Trey Lance hat im Rahmen seiner quantitativen Möglichkeiten gut abgeliefert. Denn der Großteil der North Dakote State Bisons Saison fiel aus – ein einziges Spiel konnte Lance machen, mit eher durchschnittlichem Erfolg. Doch die 2019er Saison war das große Jahr. 16 Spiele, 16 Siege stehen zu Buche. Dabei gelangen Lange 2786 Yards, 27 Touchdowns bei 66,9% Percentage – ganz ohne Interception. Auch selber kann er laufen, was 14 Touchdowns in dem Jahr bewiesen.

Talent ist also vorhanden, wenn wir über Trey Lance sprechen. Dennoch fällt eine Bewertung schwer, denn es fehlt nun mal das Tape aus 2020 – gerade für jemandem von einem eher kleineren College ist das Gift. Vor allem, wenn man deutliche Probleme beim Werfen offenbarte, wie es Lance tat. Wenn es um seine Wurfgenauigkeit geht, um seine Fähigkeit, den Pass solide an den Mann bringen, dann sind die großen Drei dem 20-Jährigen weit voraus. Das ist oberer Durchschnitt, nicht viel mehr. Daran ändert auch ein unfassbarer Release wenig, denn einen schnellen Arm hat er auf jeden Fall. Aber an den Schwächen kann man arbeiten, ist also nichts, was einem Bange machen muss. Dafür hat Lance andere Fähigkeiten. Neben einer unglaublichen großen Mobilität, die vielleicht sogar die beste aller Quarterbacks im Draft ist und der damit verbundenen Möglichkeit, im Alleingang lange Runs zu machen, fällt auch sein Decisionmaking auf. Nur ganz, ganz selten ist da mal ein eine schlechte Entscheidung bei. Er erkennt Matchups, er erkennt Mismatches, aber er weiß auch, wann er den Ball einfach wegwerfen muss. Das ist schon oberes Regal und sicherlich gern gesehen, gerade weil dies eine Fähigkeit ist, die man nur schwer erlernen kann.

Ein Fragezeichen wirft natürlich das Competition Level und die Readiness auf. Zum Einen haben die Bisons nun jetzt nicht die Creme de la Kreml als Gegner. Zum Anderen ist die Frage, wie die lange Zeit ohne Pflichtspiel an ihm vorbeiging. Das werden Teams vielleicht beachten… oder auch nicht.

Prediction: Rein vom Talent her ist Lance ein Pick für die Mitte der ersten Runde. So zwischen 15 und 25 wäre der ideale Platz, eventuell bei einem Team, wo ein solider bis guter Starter noch ein bis zwei Jahre im Tank hat. Talent ist vorhanden, die Schwächen auch. Aber daran kann man arbeiten. Doch bei der QB-Verrücktheit der Franchises würde es nicht verwundern, wenn auch Lance in den Top10 weggeht. Atlanta oder Dallas wären sicherlich nette Spots.

Mac Jones (22 Jahre, Alabama)

Größe: 6’2” (1,88m)
Gewicht: 217 lbs (98,4kg)
Armlänge: 32,6” (82,8cm)
Handspanne: 9,75” (24,8cm)

Stell dir vor, du hast einen kleinen Hype-Train auf die Schiene gestellt und ihn dann an deinem Pro-Day voll entgleisen lassen. Ihr glaubt, die Geschichte ist unwahr? Falsch, denn so oder so ähnlich muss es Mac Jones ergangen sein. Galt er vor dem Pro-Day als Kandidat für den 3rd Overall, so ist er danach bestenfalls noch Mitte der ersten Runde. Okay, zugegeben, das ist arg polemisch. Daher wird es nun wieder sachlich.

Michael McCorkie „Mac“ Jones ist der Älteste der Top-5-Quarterbacks im 2021er Draft. Und dennoch einer mit vergleichsweise wenig Starting Experience. Als Redshirt Freshman kam er 2017 gar nicht zum Einsatz, war 2018 und 2019 Backup. Erst in seiner Junior-Season wurde Jones Starter bei den Crimson Tide und zeigte eine überragende Spielzeit. 4500 Yards, 77,4% Complete Passes, 41 Touchdowns gegenüber vier Interceptions und ein Rating von 203,1 sprechen für sich. Er führte Alabama zum Titel, der Sechsten in der Ära Saban. Dafür gab es diverse Auszeichnungen, unter anderem den O’Brien-Award für den besten NCAA-Quarterback der Saison. Statistisch kann sich die letzte College-Saison von Jones also sehen lassen. Doch was ist das wert?

Nun, man muss auf jeden Fall sagen, dass Jones von allen Top-Draftee-Quarterbacks den besten Supporting Cast hatte. Ein überragendes Receiving-Corps, angeführt von Heisman-Sieger DeVonta Smith und Jaylen Waddle, ein unfassbare O-Line um Alex Leatherwood und auch noch gute Backs (Najee Harris) – da war schon unglaublich viel Hilfe für den guten Mac. Dass die Crimson Tide auch noch überdurchschnittlich oft den Pass spielten, kommt hinzu. Und das kann zum Problem werden, denn Jones ist kein sonderlich kreativer Spieler. Wenn die Pocket zusammenbricht, er gar selber laufen muss oder aus dem Lauf werfen soll, dann kann man nur sagen „Gute Nacht, Marie.“ Das ist eigentlich eines 1st Round Talents nicht würdig. Gut für Alabama, das dies selten vorkam.

Das sind aber auch schon die großen Schwächen – wenngleich man da wenig dran arbeiten kann. Ansonsten ist Jones aber oberes Regal. Seine Reads sind unfassbar gut, seine Entscheidungen ebenfalls. So ermöglicht Jones den Receivern immer wieder die Chance, nach dem Catch noch das eine oder andere Yard mehr zu nehmen. Ebenfalls auffällig ist seine Ruhe am Ball, auch unter Druck. Auch da ist viel Potential, das sicherlich vielen Headcoaches in der Liga gefallen dürfte. Kombiniert das man mit dem Competition Level, auf dem der 22-Jährige spielte, dann darf man sich auf einen erstklassigen Quarterback freuen.

Prediction: Pro-Day hin, Pro-Day her – viel geben sollte man auf eine isolierte Leistung nicht. Doch die Anzeichen, dass es Jones vielleicht nicht mit T-Law, Fields und Co. aufnehmen kann, sind jedenfalls vorhanden. Doch wer ihn pickt, weiß was er bekommt – einen guten Passer auf hohem Level. Das reicht in der Einschätzung bequem für die Mitte der ersten Runde, doch es ist davon auszugehen, dass Jones deutlich früher gehen wird.

Kyle Trask (23 Jahre, Florida)

Größe: 6’5” (1,96m)
Gewicht: 240 lbs (108,9kg)
Armlänge: unbekannt
Handspanne: unbekannt

Willkommen beim alten Mann unter den Quarterbacks. Okay, übertrieben, doch Kyle Trask ist der einzige QB unter den hier genannten, der seine fünf College-Jahre vollgemacht hat. Und der gute Mann ist dazu ein echter Spätzünder, sah 2016/17 kein einziges Mal das Feld – wenn auch 2017 verletzungsbedingt. Auch 2018 war seine Saison nach einer Fußverletzung schnell zu Ende. Doch 2019 und 2020 war Trask der Starter bei den Gators und konnte dabei auftrumpfen. 7224 Yards, 67,9% Passing, 68 Touchdowns und 17:5-Siege stehen im Buch. Allerdings auch 15 Interceptions und gleich drei verlorene Spiele am Saisonende. Vor allem die unnötige Niederlage gegen LSU hat Trask mitzuverantworten. Was bekommt man also, wenn man den guten Mann zieht?

Wer nur auf die Größte und das Gewicht achtet, könnte sich an Ben Roethlisberger erinnert fühlen – denn die Daten stimmen komplett überein. Aber auch vom Spielstil her erinnert Trask unglaublich an „Big Ben“. Das fängt bei der -im Vergleich- unglaublich schlechten Mobilität an, geht über den schwachen Wurf im Lauf bis hin zu den oft leichten, gar überflüssigen Fehlpässen. Zieh dem Mann ein Steelers-Trikot an und du hast einen Roethlisberger-Zwilling. Das geht auch bei den Stärken weiter: Trask ist unglaublich stark aus der Pocket, kann mit Druck bis zu einem gewissen Grad umgehen und hat einen passablen Arm. Auch seine Reads sind sehr gut, seine Entscheidungsfindung ist schnell und macht so sehr viel richtig. Einzig die ganz langen Dinger sind nicht so eins, aber darauf kann und darf ein Headcoach auch mal achtgeben.

Nun muss man wieder ein paar Abstriche machen, denn auch bei den Gators war der Supporting Cast sehr gut. Pass Protection passte, mit Toney und Pitts hatte Trask gleich zwei herausragende Ziele. Die wird er bei seinem neuen Team nicht unbedingt haben. Was aber für ihn spricht: die Gators spielen unter Dan Mullen eine NFL-Style-Offense. Viele Reads, viel Shotgun und viel under Center – bei ihm dürfte die Umstellung von College zu den „großen Jungs“ deutlich kleiner sein, als bei vielen anderen Quarterbacks dieser Klasse.

Prediction: Trasks großer Nachteil ist, dass er wahrscheinlich 15-20 Jahre zu spät kommt. In einem Draft Anfang bis Mitte der 2000er wäre er wohl ein Top-5-Pick gewesen, doch mit dem stark veränderten Spiel der Quarterbacks verliert er deutlich an Value. Rein von dem was er kann, was man erwarten darf und wie sein Level ist, so ist Ende der ersten Runde der richtige Platz für Trask. Doch da unten braucht kein Team einen Quarterback, wobei die Bucs vielleich noch in der Verlosung sind. Allerdings gibt es keinen Mockdraft, in denen der gute Kyle unter den Top 40 zu finden ist. Teilweise fällt er sogar aus der zweiten Runde raus. Daher ist wohl zu erwarten, dass sein Talent verkannt wird.

Kellen Mond (21 Jahre, Texas A&M)

Größe: 6’3” (1,91m)
Gewicht: 205 lbs (93kg)
Armlänge: 33 ” (84cm)
Handspanne: 9,25 ” (23,5cm)

Quarterback und Texas A&M, da war doch mal was. Richtig, Johny Manziel wurde als „Aggie“ in der ersten Runde gezogen. Übrigens der einzige Spielmacher dieses Traditionscolleges, dem diese Ehre zu teil wurde. Dass Kellen Mond in seine Fußstapfen tritt, darf bezweifelt werden. Daran ändert auch die sehr gute 2020er Saison nichts. Mit 8-1 verpasste Texas A&M die Qualifikation zu den Playoffs nur knapp. Daran hat Mond sicherlich Anteil, wenngleich seine Statistiken nicht so herausragend (2282 Yards, 63,3%, 19 Touchdowns) sind wie bei anderen Spielmachern in diesem Jahrgang.

Aber was bekommt man wirklich von ihm? Sagen wir es so: einen Quarterback ohne besondere Schwächen, aber auch ohne herausragende Stärken. Der Mann ist kompletter Durchschnitt. Etwas herausheben muss man dabei, dass Mond mutig ist. Er wirft auch auf enge Fenster, trifft diese auch zuverlässig und attackiert vor allem die Mitte des Feldes gut und konstant. Dafür sind seine langen Würfe nicht so gut und wenn es gar auf die Außenbahn geht, dann muss einem manchmal Angst und Bange werden. Aber insgesamt ist er weder Fleisch noch Fisch – aber durchaus ein Spieler mit dem ein kreativer und vor allem geduldiger Headcoach arbeiten kann.
Denn: sein Competition Level ist hoch und Mond kommt aus einer NFL-artigen Offense. Da wird die Umstellung relativ einfach.

Prediction: Zu gut, um Back-Up zu werden, zu schlecht um dauerhaft Starter zu sein. So oder so ähnlich kann man Mond beurteilen. Daher ist auch sein Draft Ranking in den Mocks verrückt. Von Pick 52 bis Ende 5. Runde war alles dabei. Wir legen uns hier fest: Mond geht im Normalfall Ende der dritten Runde.

Jamie Newman (24 Jahre, Wake Forest/Georgia)

Größe: 6’3” (1,91m)
Gewicht: 235 lbs (106,6kg)
Armlänge: 30,5 ” (77,5cm)
Handspanne: 10 ” (25,4cm)

„Pässe aus Zucker dank Händen wie Bratpfannen“ – ob das auf Jamie Newman zutrifft? Man darf seine Zweifel haben. Denn der 24-Jährige (und damit ältester von uns gefeatureter Quarterback) hat 2020 nicht gespielt, hat wegen COVID darauf verzichtet. Schade, denn man hätte ihn gerne bei den Georgia Bulldogs gesehen.

So muss man auf seine 1,5 Jahre als Starter bei Wake Forest zurückgreifen und das ist wohl eher durchschnittlich zu sehen. Gut, die Demon Deacons sind nun nicht die Creme de la Creme der NCAA, haben aber dennoch attraktive Gegner. Clemson, Florida State, Virgina Tech, Michigan State, Duke – das ist jetzt keine Laufkundschaft, gegen die Wake Forest ran muss. Dann reicht es auch nur zu einer 8-5-Saison. Newman selbst legte 2019 eine solide Saison hin – 2868 Yards, 60,9% und 26 Touchdowns, aber auch elf Interceptions. Das ist weder besonders toll, noch besonders schlecht. Wobei man ihm zu gute halten muss, dass Newman bei WF nun mal wenig bis gar keine Unterstützung hat. Vor allem nicht, wenn -wie 2019- die besten Receiver ausfallen.

Was darf man also von Newman erwarten? Grundsätzlich ist das schwierig, wenn ein Spieler ein ganzes Jahr aussetzt – auf QB wiegt das doppelt, denn oft haben die Spielmacher ja ihr bestes Jahr eben in der Senior Season. Was man aus seinem 2019er Tape sagen kann: Newman machte die Fehler, die man bei jungen Quarterbacks häufig sieht. Er hält den Ball oft zu lange, lädt zu Pressure und Sacks ein und nimmt häufig den 1st Read. Sprich: er sieht einen Spieler und passt zu ihm. Dazu lässt auch seine Genauigkeit, gerade bei kurzen Pässen, oft zu wünschen übrig. Ansonsten ist der gute Mann Durchschnitt. Arm Strength und die Fähigkeit, lange Bälle an den Mann zu bringen, sind sogar etwas besser. Auch seine Mobilität ist ganz ordentlich.

Prediction: Newman fehlt das Jahr, entsprechend muss er sich an das NFL-Level herankämpfen. Die Voraussetzungen, sich in der besten Liga der Welt durchzusetzen, sind in jedem Fall da. Aber: sein Entwicklungshorizont ist begrenzt. Mehr als ein solider bis guter Back-Up wird aus ihm nicht werden, allenfalls noch -sofern er einen Förderer findet- ein guter Gamemanager im richtigen System. Gegenüber seinen vorhergenannten Mit-Draftees fällt er aber klar ab.

Shane Buechele (22 Jahre, SMU)

Größe: 6’0” (1,85m)
Gewicht: 210 lbs (95,25kg)
Armlänge: 30,25 ” (76,8cm)
Handspanne: 9,375” (23,8cm)

Zugegeben, es gibt bessere Schaufenster als die Southern Methodist University. Die große Zeit von SMU ist vorbei. Die letzte National Championship datiert von 1982, die letzte Conference Championship aus 1984. Und die Gegner sind jetzt auch nicht aus dem obersten Regal, wobei die Rivalry mit der Navy doch ganz nett ist. Aber unter diesen Bedingungen Quarterback zu sein, ist enorm schwierig. Shane Buechele, dessen Karriere bei den Longhorns in Texans begann, spielte die letzten zwei Jahren für die Mustangs und lieferte ordentliche Stats ab. In 23 Spielen gelangen ihm 7024 Yards, 57 Touchdowns bei einer Completion von 63,6% und 16 Interceptions. Das kann sich durchaus sehen lassen.

Bedenkt man, dass Buechele bei SMU kaum Unterstützung hatte, so ist das doppelt gut zu bewerten. Andererseits: taktisch war es bei den Mustangs typisch College. Den Ball schnell raus und dann ab damit in die weite Ferne. Das macht Buechele zu einem soliden Gunslinger mit großen Stärken bei tiefen Pässen. Dafür ist sein restliches QB-Spiele eher im Bereich solide anzusiedeln. Seine Athletik ist (was bei seinen Maßen komisch ist) sogar richtig schwach. Da liegt viel Arbeit vor ihm, wenn er den NFL-Rasen mal sehen möchte.

Prediction: Buechele ist ein typischer College-QB an einer Uni, die nicht zu den sportlich Besten des Landes zählt. Dafür hat er seinen Job ordentlich gemacht. Talent ist durchaus da, aber halt auch viele Baustellen. Seine schwache Athletik könnte am Ende dafür sorgen, dass der gute Mann übersehen wird. Vom Talent her ist der 22-Jährige aber ein 4th Round Talent.

Sam Ehlinger (22 Jahre, Texas)

Größe: 6’1” (1,88m)
Gewicht: 220 lbs (99,8kg)
Armlänge: 30,375 ” (77,2cm)
Handspanne: 9,625 ” (24,4cm)

Der Grund, warum Buechele die Longhorns verließ, folgt als letzter Quarterback dieser Klasse. Sam Ehlinger verdrängte Buechele 2017 und war seit dem, von Verletzungen abgesehen, der Starter bei Texas. Warum weiß aber niemand. Klar die Stats aus seinen vier Jahren lesen sich gut. 11436 Yards, 94 Touchdowns bei 62,5% und nur 27 Interceptions sind mehr als ordentlich. Aber natürlich ist der Supporting Cast bei den Longhorns überdurchschnittlich, da hat man es als Spielmacher einfacher.

Und das gilt für Ehlinger doppelt, denn der Mann ist ein echtes Sicherheitsrisiko. Obwohl die Longhorns eine college-typische Offense spielen, ist er gerade bei den so typischen Sachen schwachen. Die Umsetzung „Kopf an Arm“ dauert lange, seine langen Würfe sind fast immer Interceptions-gefährdet und den Ball hält er zu lange. Insgesamt ist seine Pocket Presence eine Katastrophe, zu oft nimmt Ehlinger einen Sack. Dafür ist seine Athletik sehr gut, im Zweifel kann er ein Play verlängern und selbst die entscheidenden Yards machen. Dazu ist sein Competition Level hoch und er spielt aggressiv. Durchaus Sachen, die einem NFL-Coach gefallen könnten.

Prediction: Von den zehn genannten QBs hat Ehlinger das schlechteste Paket zu bieten. Die Schwächen sind unübersehbar, herausragende Fähigkeiten hat er dabei nicht. Aber: er hat Talent und das ist entscheidend – mit Geduld und Spucke lässt sich da arbeiten. Dennoch wird Ehlinger nicht mehr als ein 6th Round Pick.