In diesem Artikel geht es um die Offensive Tackle-Klasse des Drafts 2021. Hier wird es ausschließlich um die Spieler gehen, die im College als Offensive Tackle gespielt haben und in der NFL vermutlich oder sehr wahrscheinlich dort bleiben werden. Viele College-Tackles spielen in der NFL Guard, diese werden dann im Bericht zur interior Offensive Line behandelt. Die Reihenfolge ist gleichzeitig auch ein Ranking des Autors, losgelöst von Schemes und Präferenzen der Teams. Das Alter bezieht sich auf den Zeitpunkt des Drafts, die Maße kommen von nfl.com.

Die derzeitige Situation der Packers sieht so aus, dass mit Rick Wagner der 3. Offensive Tackle entlassen wurde, sodass die Packers derzeit mit David Bakhtiari, Billy Turner und unbewiesenen Spielern (Yosh Nijman und ggf. Simon Stepaniak oder Jon Runyan) dastehen. Es wird also noch nach einem 3. Offensive Tackle gesucht. Gleichzeitig sollte man hiermit die vakante Zukunft auf der Right Tackle-Position adressieren. Da David Bakhtiari aber derzeit an einem Kreuzbandriss laboriert, könnte der Rookie-Tackle schon in der ersten Woche der Saison als Starter ins Spiel gehen müssen – durch Billy Turners Variabilität müsste er das aber nicht unbedingt auf Left Tackle, sondern könnte auch rechts spielen.

Penei Sewell (20, Oregon)

Penei Sewell ist die klare Nummer 1 der Offensive Tackle-Klasse und wohl der beste Offensive Tackle, den ich jemals evaluiert habe. Seine Technik in der Pass Protection ist 1A – ich kann mich nicht erinnern, dass ein Tackle jemals besser ausgebildet war. Sewell hat ein starkes Hand Placement, einen sehr guten Punch, viel Kraft in den Armen und behält dabei ein gutes Pad Level. Seine Fußarbeit ist zwar noch nicht auf einem Elite-Level, aber dennoch gut – er hat einen guten Kick Slide und behält dabei eine gute Balance auch durch den Kontakt. Er spielt sehr intelligent und kann späte Rusher aufnehmen, Stunts früh erkennen und ggf. noch seinen Mitspielern helfen. In seiner letzten Saison (2019) hat er keinen einzigen Sack zugelassen.
Im Run Blocking bringt er sehr viel Kraft beim Kontakt mit und erzeugt so sehr viel Vertical Push an der Line. Er hat eine Explosivität in den Kontakt hinein, die im Run Blocking viele Lücken kreieren wird. Dabei spielt er auch hier sehr intelligent und begibt sich in gute Positionen, um dadurch einen Vorteil gegenüber dem Verteidiger zu haben.
Er wird von seinen Teamkollegen sowie Scouts als Führungspersönlichkeit beschrieben. Sowohl auf als auch neben dem Spielfeld sei er ein Anführer für seine Mitspieler gewesen.

Wie üblich sind stärkere Tackles meist nicht die beweglichsten – Sewell kombiniert das zwar nicht schlecht, aber gerade in der Bewegung rückwärts macht sich das bemerkbar. Zusammen mit etwas vorsichtigem Vorgehen in der Pass Protection führt das dazu, dass er manchmal etwas Probleme mit Speed Rushern hatte – seine Fußarbeit ist hier aber sehr vielversprechend und ich gehe davon aus, dass das kein langfristiges Problem sein wird. Wie man es dann häufiger sieht, verfällt auch Sewell zeitweise in den Modus, dass er nach außen dann etwas zu viel will und für Counter Moves auf der Innenseite anfällig wird.
Im Runblocking kommt es von Zeit zu Zeit mal vor, dass er sich zu stark in seine Gegner wirft und bei geschickten Aktionen der Gegner etwas zu viel will. Es wirkt, als wäre er natürlich eher etwas zu engagiert, kann sich aber gut zusammenreißen – was dann aber zu besagten Problem mit dem vorsichtigen Spiel führt. Manchmal bemerkt man, dass er aufhört, seine Füße zu bewegen, wenn er in einem Block ist – eigentlich möchte man hier, dass die Füße weiter nach vorne laufen, um immer weiter Kraft auf den Gegenspieler auszuwirken.
Vor seiner Opt Out-Saison 2020 war Sewell ein dominanter und unfassbar starker Offensive Tackle. Er hat das Potential, der nächste Elite-Franchise-Left Tackle zu werden, das jeder sucht und die Packers schon haben. Positionsunabhängig ist Sewell einer der besten Spieler der diesjährigen Draft-Klasse – und spielt dazu noch auf einer Elite-Position. Es würde mich wundern, wenn Sewell aus den Top5 herausfällt – und wenn, hätte es mit einem Run auf Quarterbacks zu tun.

Für die Packers wäre Sewell zwar kein perfekter Scheme fit, da er mit einem Outside Zone-Scheme so seine Probleme haben wird, er spielt aber auf so einem hohen Level, dass er das zum einen noch lernen könnte und man zum anderen sein System um einen Spieler wie ihn herum aufbauen möchte. Aufgrund der Draftposition wird Sewell für die Packers aber ohnehin uninteressant sein.

Rashawn Slater (22, Northwestern)

Rashawn Slaters beste Eigenschaft ist sein Ehrgeiz und Einsatz – Slater spielt jedes Play, bis der Schiri pfeift, er überrennt seine Gegenspieler und hört nicht auf, bevor diese auf dem Boden liegen. Hierbei bringt er eine gute Athletik mit und seine Fußarbeit ist auf einem sehr guten Level. Seine Kick Slides in der Pass Protection sind sehr schön anzusehen und hier ist er möglicherweise aus der ganzen Klasse am besten ausgebildet. Außerdem ist er sehr gut darin, durch reine Fußarbeit Bull Rushes abzufangen – behilflich ist ihm hierbei sein natürlich niedrigeres Pad Level. Er hat einen ordentlichen Punch und generell viel Stärke im Oberkörper, was dazu führt, dass er auch bei verlorenem Athletik-Duell durch einen starken Arm den Gegner noch aufhalten kann. Diese Stärke wirkt auch sehr gut gegen Counter Moves. Er ist zwar etwas kleiner, spielt durch seinen starken Oberkörper aber sehr groß.
Im Run Blocking hat er eine gute Kraft, ohne dabei an Athletik zu verlieren. Gerade im Zone Blocking wird er sehr gut funktionieren. Er kommt sehr gut ins Second Level und wählt hier auch intelligente Positionierungen, um die richtigen Gegner zu blocken. Seine Balance am Point of Contact ist sehr stark, bei der er ebenfalls durch seinen etwas kleineren Körper und tiefen Körperschwerpunkt profitiert.
Slater hat Erfahrung auf beiden Tackle-Positionen und könnte mit seinem Frame und seinen Skills ebenfalls als Guard sehr gut funktionieren.

Und das ist auch Slaters größtes Problem – er ist etwas kleiner, hat also auch etwas kürzere Arme. Das führte bei ihm gegen längere Edge Rusher von Zeit zu Zeit zu Problemen, da er seine gute Handwork nicht zum Einsatz bringen konnte, da seine Reichweite nicht ausreichte. Hier wird er zwar kreativ, arbeitet manchmal etwas unkonventionell mit den Armen. Am College hat das gut funktioniert, gegen die Elite-Edge Rusher der NFL wird er hier aber vermutlich Probleme bekommen.
Für seinen kleineren Frame könnte er auch noch etwas besser mit seinem Pad Level arbeiten – gerade in Short- oder Goalline-Situationen erzeugt er für seine Skills etwas zu wenig Vertical Push für meine Ansprüche.

Ich bin mir sicher, dass Slater ein erfolgreicher NFL-Spieler wird – die Frage ist aber, ob er das Elite-Level durch seine kürzeren Arme erreichen kann. Das muss kein Problem sein (Bryan Bulaga bspw. hatte auch etwas kürzere Arme), könnte es aber werden. Ich bevorzuge den sicher-guten Spieler Slater über seinem Konkurrenten Darrisaw (mehr gleich), das ist aber eine Philosophiefrage. Slater wird wohl in den Top15 vom Board gehen.
Für die Packers könnte ich mir Slater gut vorstellen, da er in Jahr 1 einen Guard-Spot spielen könnte, noch etwas an seinen Problemstellen arbeitet und dann 2022 für Billy Turner den Right Tackle-Spot übernehmen könnte. Er wäre mein Wunschspieler – aber auch bei Slater ist es unrealistisch, dass er bis 29 (oder in eine hochtrade-Range) fällt.

Christian Darrisaw (21, Virginia Tech)

Darrisaw spielt auf einem ähnlichen Niveau wie Slater, aber mit anderen Stärken und Risiken. In der Pass Protection ist Darrisaw bisher vor allem durch eine ordentliche Handarbeit und seine Beweglichkeit erfolgreich gewesen, ohne technisch auf einem Elite-Level zu sein. Physis wird ihm kein Edge Rusher etwas vormachen, da er mit seinen Füßen gute Anker gegen Bull Rushes setzen kann und auch Kraft bei ihm eine enorme Stärke ist. Bei allem behält er ein gutes Pad Level und macht sich hierüber nur selten angreifbar.
Seine große Stärke ist aber das Runblocking. Hier überzeugt er mit grandioser Athletik und gleichzeitig sehr viel Kraft. Er spielt schon jetzt mit den schweren Jungs und kann selbst interior Linemen problemlos aus dem Weg räumen. Bei Second Level-Blocks findet er konstant und gut seinen Gegenspieler und dieser ist in 99,9% der Fälle dann auch aus dem Weg geräumt. Diese Kombination aus Kraft und Athletik gibt es nur sehr selten und die erlaubt es ihm, in jedem Scheme zu spielen und in jedem Scheme erfolgreich zu sein.
Generell sticht Darrisaw vor allem durch seine Traits heraus – er hat gute Voraussetzungen, um mal auf ein Elite-Level eines Offensive Tackles zu kommen. Sein Potential ist ein großer Faktor bei seiner Evaluierung.

Wenn das Wort Potential fällt, fällt aber meistens (nicht immer!) auch das Wort Jetzt-Leistung – was kann er schon? Und da liegt bei Darrisaw das große Problem – technisch ist er noch sehr roh, seine Fußarbeit ist mehr als nur mangelhaft, er hat keinen guten Start beim Snap, er bewegt sich nicht konstant und im Rhythmus und schnelle Rusher machen ihm hier enorme Probleme, da sie relativ einfach an seiner Außenseite vorbeikommen. Auch hier hat er zwar die athletischen Traits, um das zu lernen, aber er kann es eben noch nicht. Auch seine Handwork ist noch ausbaubar – gerade sein Punch ist für seine Kraft im Runblocking etwas enttäuschend. Mit diesen Speed-Edge-Problemen ist Darrisaw für mich definitiv nicht Starting-ready und braucht – sollte er als Rookie starten – im besten Fall immer einen Tight End oder Runningback auf seiner Seite, der ihm hier eine Speed-Versicherung gibt.
Bei Second Level-Blocks wirkt er auf mich etwas langsam – obwohl seine Athletik eigentlich zeigt, dass er schneller spielen könnte. Das lässt mich etwas an seiner Spielintelligenz zweifeln. Wie auch in der Pass Protection kommt Darrisaw auch im Runblocking nicht ganz aus den Puschen – für ein schnelles First Down in einer kurzen Situation sollte man nicht unbedingt hinter Darrisaw laufen.
Insgesamt ist Darrisaw ein Talent mit einer hohen Upside, aber einem niedrigen Floor. Es besteht leider die Gefahr, dass er in Pass Protection ein kompletter Bust wird und niemals solide auf NFL-Level spielen kann. Das ist für mich der Grund, wieso er hinter Slater steht, der zumindest auf Guard ein hervorragender Spieler werden wird – dafür hat Darrisaw mehr Potential – wenn er das ausschöpfen kann, wird er wohl der bessere Spieler werden. Wen man zuerst nimmt, ist also eine Philosophie-Frage. Auch Darrisaw wird vermutlich in den Top15 vom Board gehen.

Gerade dass er nicht sofort Starting-ready ist, macht Darrisaw für die Packers schwierig – mit Bakhtiaris Kreuzbandverletzung braucht man einen Spieler, den man notfalls in Woche 1 aufstellen kann und der sofort Leistung bringt. Seine athletischen Traits werden Gutekunst auch ohne RAS-Wert (Relative Athletic Score – ein Wert aus den Combine/Pro Day-Leistungen der Spieler – Darrisaw hat ans einem Pro Day keine Tests absolviert) bestimmt gefallen – realistisch fällt er aber nicht in die Range der Packers.

Teven Jenkins (23, Oklahoma State)

Teven Jenkins ist ein physisches Monster. Sein Oberkörper ähnelt – vor allem wenn er spielt – eher einem Grizzly als einem Menschen. Er spielt einfach mit einer gewissen Gewalt, die es unfassbar spannend macht, ihm zuzuschauen. Gerade seine Arme sind so stark, dass er regelmäßig seine Gegner zu Boden befördert – ein einfacher Punch von Jenkins führt beim Gegner zu so viel Balance-Problemen, dass er dadurch jedes Matchup gewinnen kann. Wenn er mit Speed auf der Außenseite geschlagen wird, legt er einen Punch nach und am College lagen seine Gegenspieler dann am Boden. Seine Athletik ist gut, er kann sich gut gegen Speed Rusher orientieren und auch Blitzer aus dem Slot waren für ihn nie ein Problem. An der generellen Technik der Hände ist zwar noch Arbeit möglich, aber durch seine Stärke nicht unbedingt notwendig.
Im Runblocking wirkt sich sein Oberkörper ebenfalls stark aus. Gegenspieler in seiner Range werden von ihm in Beschlag genommen und er kann häufig Raum schaffen. Er hat genug Athletik, um sich auch in Zone Schemes und im Second Level zurechtzufinden – dass ein Linebacker oder gar Defensive Back gegen ihn kaum eine Chance hat, ergibt sich von selbst. Dass er seine Gegner häufiger mal nicht nur wegschiebt, sondern zu Boden wirft, kreiert auch gerne mal unerwartete Laufwege für Runningbacks.
Jenkins kombiniert ein starkes Spiel mit einem schön anzuschauenden Spiel – und das macht ihn so besonders. Mit so einer Aggressivität und Härte zu spielen – definitiv ohne dabei seinen Gegenspieler zu verletzen – wird vielen Teams gefallen.

Bei all seiner Kraft in den Armen und im Oberkörper hat er aber nicht die längsten Arme – noch kürzer als Slater. Gerade gegen lange Edge Rusher mit Kraft wird er hier häufiger mal mit einem Punch getroffen werden, den er nicht abwehren kann – und dann verliert er möglicherweise über die Außenseite, wenn der Rusher seinen späten Punch verhindern kann. Das wird dadurch bestärkt, dass seine Fußarbeit noch sehr roh und basic ist, seine Slides sind nicht überragend und seine Stärke täuschte hier über einiges hinweg. Gerade seine laterale Bewegung war doch etwas träge.
Bei Runblocks gibt es ein großes Problem – er muss auf den Beinen bleiben. Das kommt durch zwei kleinere Schwachstellen – durch seine rohe Power findet man häufig vor, dass er etwas zu viel will und zu stark nach vorne bzw. in den Gegner prescht. Außerdem muss er wie an seiner Fußarbeit auch an seiner Balance arbeiten – Offensive Tackles mit schlechter Balance sind häufig eine große „Red Flag“. Generell sollte seine Athletik ausreichen, um sich hier zu verbessern, aber gerade aufgrund seiner wirklich kurzen Arme könnte das bei ihm entscheidend sein, ob er es auf NFL-Level schaffen kann oder nicht.

Jenkins ist der letzte Offensive Tackle, der bei mir eine Erstrunden-Bewertung bekommen hat – könnte aufgrund der Red Flags (Balance, kurze Arme) aber auch gerne in die zweite Runde abrutschen. Während sein Playstyle vielen gefallen wird, sind seine Traits nicht die besten und einiges Teams könnten ihn deshalb nicht als Tackle sehen, was seinen Draftwert senken würde.
Für die Packers ist Jenkins nicht super interessant – er ist der beste Tackle, der in ihre Range fallen könnte. Sein Playstyle passt aber eher nicht sonderlich gut. Vorteil bei den Packers wäre, dass er mit Bakhtiari einen sehr guten Lehrer generell hat und Turner ihm beibringen kann, wie man mit kurzen Armen trotzdem ein guter Tackle ist. An 29 wäre er durchaus eine Option.

Brady Christensen (25, BYU)

Brady Christensen ist ein Offensive Tackle, wie ich ihn liebe. Christensen ist technisch hervorragend ausgebildet und absolut NFL-ready. Er ist sehr reif und sein Football-IQ sticht in nahezu allen Situationen heraus. Gerade seine Fußarbeit ist einfach stark. Er hat gute Kick Slides, setzt einen guten Anker gegen Bull Rushes und bringt sich immer wieder in gute Situationen. Sein Start beim Snap ist perfekt getimet und gewinnt ihm einige Matchups. Seine Balance ist auf einem Top-Level und er macht einfach sehr viel richtig.
Christensen ist ein guter Runblocker in einem Zone Scheme – seine Athletik ist gut genug dafür und er findet im offenen Raum seine Gegenspieler, bei denen er bis zum Pfiff nicht aufhört, zu blocken. Dabei hält er seine Gegenspieler im Block beschäftigt, sodass zusätzlicher Raum für Runningbacks direkt bei ihm entsteht.
Christensen wird sehr für seinen Charakter gelobt. Er hat vor der Uni zwei Jahre lang soziale Arbeit in Neuseeland geleistet.

Christensen ist in der Pass Protection etwas steif, gerade die Hüften sind nicht so beweglich, wie man es sich wünschen würde. Damit hat er trotz der guten Footwork etwas Probleme gegen Speed Rushes, da er die Schultern etwas zu früh öffnet – meistens kann er hier aber gut recovern. Außerdem hat Christensen etwas zu kurze Arme für den Prototyp-Tackle.
Im Runblocking fehlt ihm etwas Power, weshalb er an der Line of Scrimmage nicht genug Vertical Push generiert, um in einem Gap Scheme erfolgreich zu sein. Für ein Zone Scheme ist seine Athletik zwar gut genug, aber trotzdem nicht grandios.
Generell gibt es bei ihm nicht mehr allzu viel Upside – er ist schon sehr gut ausgebildet und bis auf etwas athletische Förderung wird bei ihm nicht mehr allzu viel zu machen sein. Dazu trägt unter anderem auch sein älteres Alter bei – er wird diese Saison noch 25 Jahre alt sein.

Christensen ist ein „Plug & Play“-Tackle – man holt ihn, er spielt und wird lange Zeit gute Leistungen abliefern. Zu einem Elite-Prospect wird es aber vermutlich niemals reichen. Ich sehe ihn Mitte der zweiten Runde – Da es niemanden nach Jenkins mehr vor ihm gibt, könnte er in der zweiten Runde aber auch früher gehen.
Für die Packers wäre er eigentlich der ideale Spieler – er ist gut im Zone Scheme, kann Week1 für Bakhtiari starten und wenn er auf RT funktioniert, könnte man Billy Turner auf RG schieben und hätte seine Offensive Line sofort ordentlich geupgradet. Die Packers werden seine athletischen Werte, die deutlich besser sind, als er auf Tape aussieht, definitiv mögen (9,82 RAS). Generell draften die Packers aber lieber junge Spieler, die sich entwickeln können – „Sign for now, draft for the future“. Christensen wäre sofort ein „Stop Gap“-Spieler für die Tackle-Position, aber er passt eher nicht ins Packers-Beuteschema, auch wenn er ein guter Scheme-Fit wäre.

Sam Cosmi (22, Texas)

Sam Cosmi ist der Inbegriff eines Upside-Spielers. Cosmis Athletik ist bombastisch und schlägt wohl jeden anderen Tackle dieser Klasse. In der Pass Protection bringt er nicht allzu viel mit – vor allem seinen Punch kann man bei ihm aber positiv anmerken, der hat sich gut verbessert. Generell sieht er auf seinem 2020er Tape deutlich besser aus als 2019 – wirklich technisch sieht man aber trotzdem noch nicht allzu viel. Er hat sehr viel Erfahrung, da er 3 Jahre Starter war – bei Texas hat er außerdem in einer PassHeavy-Offense gespielt, was vielen NFL-Coaches ebenfalls gefallen wird. Sein größter Pluspunkt ist, wie viel Kontrolle er über seinen Körper hat. Sein Bending und seine Balance ist herausragend – Cosmi liegt nie auf dem Boden.
Im Run Blocking ist ebenfalls seine Athletik der große Bonuspunkt. Er ist gut als Pull Blocker, er findet Verteidiger im Second Level und kann sogar gelegentlich Verteidiger im Third Level finden – Runningbacks werden das lieben. Cosmi ist der Grund, wieso Runningbacks untouched die Endzone erreichen können. Wie auch in der Pass Protection, hat er im Run 2020 etwas mehr Kraft zugelegt, ohne groß an Technik zu gewinnen.

Und das ist auch das große Problem – die Technik fehlt einfach komplett. Seine Pass Protection ist technisch absolut unbrauchbar. „Roh“ ist hier noch ein untertriebener Begriff. Er war im College gut, weil er in einer Offense mit viel Bewegung gespielt hat, dort seine Athletik ins Spiel bringen konnte und sein Quarterback selbst gelaufen ist, wenn Cosmis Passverteidigung versagt hat.
Im Runblocking fehlt immer noch einiges an Power – da muss mehr Masse und Muskeln auf den Körper, was seine Athletik beeinflussen könnte.
Insgesamt ist Cosmi einfach ein Spieler, den man holt und ihm 1-2 Jahre erstmal das Spiel beibringen muss. Das kann man mögen – oder eben nicht. Die Upside ist einfach enorm.

Je nachdem, wie man sein Potential und Potential generell einschätzt, wird Cosmi entweder schon Mitte der ersten Runde interessant – oder er steht auf den Boards der Teams gar nicht drauf. Für meine Philosophie ist Cosmis Bustpotential zu groß, weshalb ich ihn in etwa Mitte der zweiten Runde einschätzen würde – auf einem Level mit seinen Kollegen vor und nach ihm. Da gibt es keine feste Reihenfolge – meine persönlichen Präferenzen entscheiden hier.
Gutekunst wird ein riesiger Fan von Cosmis Athletik sein – aber es gibt ein Level von fehlender Technik, an dem auch die größte Athletik Gutekunst nicht überzeugen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Packers in der aktuellen Situation Cosmi als reale Option sehen. Generell sehe ich aber, dass seine Athletik den Packers gut stehen könnte.

Liam Eichenberg (23, Notre Dame)

Liam Eichenberg spielt mit einer enormen Stärke. Sein First Punch ist unfassbar stark, aber leider etwas unkonstant. Wenn er seine Hände gut platzieren kann, was häufig der Fall ist, bereitet ihm seine Stärke einen enormen Vorteil in der Pass Protection – verliert er das Play, schafft er es häufig, das Vorbeikommen noch weit genug herauszuzögern, damit sein Quarterback den Ball loswird oder weglaufen kann. Seine Athletik ist gut (nicht herausragend), aber zusammen mit guter Footwork und starken Kick Slides hat er keine Probleme, auch Speed Rusher zu verteidigen. Generell hält er die Pocket sehr sauber – Fehler von ihm werden gerne QB-Hurries, aber selten wirklich QB-Hits.
Im Run Blocking ist er trotz seines eher leichteren Frames einfach eine Wucht – ein People Mover. Er funktioniert gut in Gap-Runplays, aber kann auch in Zone Schemes funktionieren – seine athletischen Werte übertrumpfen hier jedoch etwas sein Tape, auf dem er zwar ok in Zone Plays spielt, aber nicht glänzt.
Im Gegensatz zu Cosmis Upside und Christensens Ausbildung ist Eichenberg ein nettes Mittelding – er verbindet eine gute Ausbildung mit ordentlichen Traits. Des Weiteren sind Notre Dames bisherige Offensive Linemen häufig erfolgreich gewesen – letztes Beispiel hier ist Quenton Nelson.

Da Eichenberg etwas kurze Arme hat, streckt er sich in Pass Protection etwas weit aus und spielt relativ offen – dadurch wird er anfällig für gute Handfighter auf Edge. Sein Start beim Snap ist ebenfalls negativ anzumerken – häufig ist er hier langsam. Wenn er einmal verloren hat, kann er zwar dem Quarterback Zeit verschaffen, er wird jedoch selten recovern und wieder die Kontrolle bekommen – er hält ein paar Sekunden die Pocket sehr frei, kann aber nicht damit glänzen, Plays zu erweitern und seinem Quarterback „Magic Moments“ zu verschaffen. Gegen Bull Rushes hat er etwas Probleme, einen Anker zu setzen und seine Balance zu halten. Sein starker Punch wird leider noch dadurch eingeschränkt, dass er dafür beide Arme benutzt – das macht es einfach, mit einem schnellen Move beide Arme zu schlagen, hier muss er lernen, beide Arme unabhängig voneinander zu benutzen.
Im Runblocking wird er durch seine Athletik und Masse jeweils für jedes Scheme limitiert – er ist in beiden Varianten gut, aber nicht grandios. Möglicherweise ist hier noch Potential, wenn er sich fest in ein Scheme begeben kann, aber hier muss er noch etwas lernen.

Eichenberg ist ein interessanter Spieler, da man ihm durchaus zutrauen kann, dass er sofort spielt, er aber auch noch einige Verbesserungsmöglichkeiten hat. Wie bei Cosmi erwähnt, könnte Eichenberg auch schon vor Christensen und Cosmi gehen – es ist eine Philosophiefrage.
Er könnte bei den Packers ordentlich funktionieren und wäre mit Sicherheit eine gute Mischung aus der Packers-Philosophie „Draft & Develop“ und dem Need, möglicherweise einen Starter für Week1 zu brauchen.

Dillon Radunz (23, North Dakota State)

Radunz ist eine absolute Kampfsau. Er hat ne Menge Power und weiß das auch – er puncht mit sehr viel Kraft und bringt Gegenspieler damit aus dem Gleichgewicht. Zusammen mit seiner guten Footwork (mir gefallen vor allem die Kick Slides) bekommt Radunz vor allem die ersten 2-3 Sekunden häufig die Oberhand über seine Gegenspieler.
Seine enorme Kraft hilft ihm natürlich auch im Runblocking – er ist eine Gap-Offense-Macht. Er spielt immer bis zum Pfiff – und regelmäßig liegen seine Gegenspieler auf dem Boden, so enorm stark ist er. Er behält seine Gegenspieler im Block und kann seinem Runningback so perfekt Lücken öffnen.

Viel Kraft kommt häufig mit Problemen in der Athletik – so auch bei Radunz. Seine Athletik in den Tests war zwar stark (9,38 RAS), im Tape ist sie allerdings nicht zu finden. Seine laterale Beweglichkeit ist schwach und so hat er immer wieder Probleme mit Speed – und wenn er den Outside Rush abfangen will, ist er anfällig für inside Counter. Seine Handwork ist zu schwach, um hier ordentlich gegen zu wirken (wenn auch nicht schlecht). Gerade bei Playverlängerungen von Quarterbacks kann Radunz wenig beitragen.
Im Laufspiel ist er für Zone Schemes komplett ungeeignet. In der Bewegung ist seine Balance schlecht, er kann sich beweglichen Linebackern nicht anpassen und wird hier nicht selten seinen Gegenspieler unblocked durchkommen lassen. Dazu kommen Overpower-Runblocks, bei denen er einfach seine Position nicht hält und anderen Spielern Lücken aufreißt.
Generell passt sein Skillset eher auf die Guard-Position – vielleicht noch auf einen Right Tackle in einem Runheavy-Gapscheme, aber Radunz hat ausschließlich LT-Erfahrung.

Ich denke, dass seine schwache Athletik zusammen mit seiner eher wenig vorhandenen Technik dazu führt, dass Teams ihn nicht als besonders wertvoll sehen – er kann einiges gut, aber vieles nicht. Er hat kein riesiges Potential, aber genug. Ende der zweiten, Anfang der dritten Runde ist seine Zeit zu glänzen.
Zu den Packers passt er nahezu gar nicht – er kann kein Zone Scheme spielen und bringt weder enorme Upside mit, noch ist er wirklich Starting-ready. Ich sehe hier keinen Fit, auch wenn Radunz in Mock Drafts häufiger bei den Packers landet.

Alex Leatherwood (22, Alabama)

Alex Leatherwood überzeugt vor allem durch gute Athletik und sehr gute Fußarbeit. Er hat schnelle Füße auch in lateralen Bewegungen, die ihn in der Pass Protection unterstützen und ihm auch eine gute Recovery ermöglichen, sollte er mal früh geschlagen worden sein. Er hat einen guten Punch, den er jedoch nur unkonstant anbringt.
Auch im Runblocking kann er durch gute Fußarbeit punkten – vor allem seine immer weiterlaufenden Beine durch den Block durch, sind hier sehr beeindruckend. Dadurch arbeitet er zwar nicht mit enorm viel Kraft beim Kontakt, kann danach aber sehr viel Spannung aufbauen und mit einer Rollenumkehr dem DLiner seinen Willen aufdrängen.
Leatherwood ist sehr vielseitig. Er hat Erfahrung auf Left Tackle, Right Tackle sowie Right Guard – somit kann er an vielen Stellen der Offensive Line sofort eine Hilfe darstellen. Ein weiteres Plus-Argument ist, dass Leatherwood sich von Jahr zu Jahr sehr konstant verbessert hat – wenn er diese Verbesserung in der NFL weiterhin zeigt, wird er ein sehr spannender Spieler werden.

Seine gesamte Handarbeit ist eher schwierig, weil sie unkonstant ist und seine Arme unterdurchschnittlich lang sind. Er bringt seinen Punch nicht regelmäßig an, er setzt seine Hände häufiger falsch, ist kein guter Handfighter und spielt mit sehr viel Angriffsfläche an den Armen – kurzum: Mit guten Handfighter-Edge Rushern wird er in der NFL enorme Probleme haben. Das führt dazu, dass er gerade gegen Counter und Spin Moves seine Probleme hatte und daran arbeiten muss. Im College wurde er relativ häufig durch seinen schnellen Release beim Snap gerettet – in der NFL gibt es aber Edge Rusher, die das ebenfalls können und dann wird es für ihn gefährlich.
Im Runblocking fehlt ihm die Kraft aus dem Oberkörper, um in Gap Schemes konstant stark zu sein. Generell muss er etwas mehr Kraft zulegen, was er aber sehr wahrscheinlich kann und gut verkraften wird. Während er in Zone Schemes gut funktioniert, habe ich Zweifel an seinem Football-IQ – er braucht sehr lange, um im freien Raum seine Gegenspieler zu finden und blockt häufiger mal den falschen, was seinen Runningback gerne mal ein paar Yards kostet.

Sein Potential ist durchaus vorhanden und seine bisher stetige Verbesserung ist ein Plus-Argument, jedoch fehlt es eben an der Jetzt-Leistung. Dazu kommt, dass die Fußarbeit beeindruckend ist, aber die Handarbeit eben noch unfassbar roh. Das alles wird ihn meiner Meinung nach fallen lassen – ich sehe ihn zwischen Runde 2 und 3.
Für die Packers wäre Leatherwood kein schlechter Fit, müsste jedoch noch einiges lernen. Seine gute Athletik und seine Variabilität an der Line werden Gutekunst gefallen. Ich sehe ihn durchaus als Kandidat für den Pick in der zweiten Runde.

Jalen Mayfield (20, Michigan)

Jalen Mayfield ist das nächste Powerhouse der OT-Klasse. Durch seine Kraft gewinnt er viele PassPro-Reps. Seine Fußarbeit ist überdurchschnittlich gut, was bedeutet, dass er seine Kraft in der Pass Protection auch mit guter Bewegung verbinden kann. Er wirkt wie ein intelligenter Spieler, erkennt Stunts und Blitzes gut und kann sich dieser annehmen.
Im Runblocking kommt Mayfields Kraft noch viel stärker zum Einsatz – er ist ein Mauler und überrennt einfach seine Gegenspieler. Schon an der Line erzeugt er enorm viel Vertical Push und kann so Runlanes aus eigener Kraft kreieren. An der Line wie im Second Level spielt Mayfield mit einer sehr guten Positionierung und hilft sich damit, wirkungsvolle Runblocks durchzuführen. Er lässt sich beim Blocken nicht stoppen, bis der Pfiff kommt. Selbst gegen zwei Gegenspieler gibt er immer volle Leistung.
Sein noch sehr junges Alter und seine sehr rohe Entwicklung bergen großes Potential.

Jalen Mayfields Fußarbeit ist überdurchschnittlich, aber noch ausbaufähig. Seine Handarbeit hingegen ist quasi nicht vorhanden. Er hat einen schwachen und schlechten Punch, ein schlechtes Hand Placement und ist kein guter Handfighter. Er nimmt Rusher nicht gut auf und bindet sie und auch seine Runblocking-Kraft kann er nicht immer auf die Pass Protection ausweiten. Er spielt sehr anfällig für die Hände des Edge Rushers und hat Probleme mit dieser – und folglich auch deren Counter Moves. Seine Balance in der freien Bewegung ist zwar gut, jedoch nimmt diese bei Gegnerkontakt schnell ab, weshalb gerade Speed-to-Power Moves ihm enorme Probleme machen, wenn er sich in Bewegung begibt und dann den Anker gegen den Bull Rush nicht setzen kann.
Im Runblocking gibt es bei ihm wenig zu kritsiieren – die Balance beim Kontakt ist aber auch hier ein Problem. Dazu wird bei ihm häufiger Overengagement zu sehen sein – er macht seinen Mitspielern den Job schwerer, indem er Lücken aufreißt, die der Guard gegen seinen Gegenspieler verteidigen muss, er blockt nicht als Einheit.
Er hat kaum Erfahrung. Er hat erst eine Saison gespielt und diese als Right Tackle, auf der Blindside ist keine Erfahrung vorhanden. Hinter Jon Runyan Jr. Konnte er zuvor nicht überzeugen.

Sein junges Alter und seine rohe Qualität könnten Teams dazu locken, ihn früher zu nehmen, als er gehen sollte – es wird ein Potential deutlich, das aber vollkommen offen ist. Mayfield fehlt es an grundsätzlichen Basics in der Pass Protection und deshalb sollte man ihn zunächst 1-2 Jahre aufbauen. Sein Frame und seine Traits würden besser zu einem Guard passen, jedoch käme dort seine starke Fußarbeit nicht heraus, weshalb ich ihm die Chance geben würde, sich auf Tackle zu beweisen. Ich sehe jedoch nicht viel, was mich davon überzeugt, dass er das alles lernen kann – über eine Drittrunden-Bewertung schafft er es bei mir nicht hinaus.
Für die Packers wäre Mayfield möglicherweise ein passendes Zukunftsprojekt, falls er bis in die 3. Runde zu den Packers fallen könnte – mit den ersten zwei Picks gibt es aber bessere auf dem Board. Sein Skillset könnte zu den Packers passen, wenn man ihn entsprechend ausbildet.

Walker Little (22, Stanford)

Walker Little ist sehr interessant. Seine Athletik war sehr gut und neben einem starken Start beim Snap bringt er auch eine gute Fußarbeit mit – seine Kick Slides gefallen mir gut. Speed Rusher können gegen ihn quasi nichts ausrichten. Sollte er mal Probleme haben, reicht seine Fußarbeit, um nochmal zu recovern. Seine Balance und seine Beweglichkeit der Hüfte wirkt sehr natürlichen und ist stark anzusehen.
Little brilliert auch im Runblocking vor allem durch seine Athletik – er kommt stark ins Second Level und kann dort athletisch mit Linebackern problemlos mithalten. Er findet sie und kann auf Moves gut reagieren. Er hat eine gute Explosivität von der Line und kann so zwar auch in Gap Schemes gut aussehen, wird aber in Zone Schemes noch besser funktionieren. In einem Gap Scheme sehe ich ihn auch als sehr starken Pull Blocker. Auch von Double Teams löst er sich gut und findet dann seine Gegenspieler im Second Level.

Littles Handarbeit in der Pass Protection ist quasi nicht vorhanden. Er puncht nicht und ist kein guter Handfighter, weshalb er sich selten darauf einlässt. Er hat Probleme damit, gegen Bull Rushes einen Anker zu setzen. Generell fehlt aus dem Unterkörper die komplette Stärke, um gegen stärkere Edges zu bestehen. Das führt dazu, dass er zwar sehr beweglich ist, aber insgesamt Balance-Probleme hat.
Während man ihn bestimmt in diversen Schemes gut einsetzen kann, wird er keine Power-Moves an der Line leisten können, da er kaum Vertical Push erzeugen kann. Außerdem hat er zeitweise Probleme damit, den Linebacker im Second Level aus dem Weg zu räumen, obwohl er mit Schwung kommt.
Das größte Kontra-Argument ist aber, dass er seit 2 Jahren quasi kein Tape abgeliefert hat. Little hatte 2019 nach wenigen Snaps eine saisonbeendende Knieverletzung und hat die 2020er Saison mit einem Opt Out nicht gespielt. Wie er sich in den letzten 2-3 Jahren entwickelt hat, ist quasi nicht bewertbar. Er ist eine absolute Wundertüte.

In den Rankings steht Little von zweite Runde bis Tag 3 gelistet – ich habe mich für die Mitte entschieden. Ende 3. Bis Anfang 4. Runde wäre ich bereit, dieser Athletik und dem Potential eine Chance zu geben, die er auch an seinem Pro Day unter Beweis gestellt hat. Vielleicht hat er Teams durch Trainings-Tapes oder anderes überzeugt – Little ist aber eine Wild Card.
Sein Skillset passt relativ gut zu den Packers, aber er wird definitiv nicht in Week 1 starten können, nachdem er 2 Jahre nicht gespielt hat. Wenn das Board schlecht fällt und man früh niemanden bekommen hat, könnte man in Runde 3-5 darüber nachdenken, ihn als Zukunftsprojekt für wenig Kosten zu holen, man sollte aber vorsichtig sein.

Jackson Carman (21, Clemson)

Jackson Carman ist sehr interessant, weil er der Left Tackle DES Quarterback-Prospects dieser Klasse ist, auf ihm liegt also durchaus auch ein großer Fokus. Profitierte der Quarterback vom Tackle oder der Tackle vom Quarterback? Seine Stärken sind durchaus da. Er hat eine starke Athletik für seinen Frame. Er hat einen ordentlichen Punch und spielt sehr intelligent, sodass er schnell und effektiv seine Gegner findet.
Im Runblocking kann er sowohl an der Line Vertical Push erzeugen als auch in Zone Schemes seine Beweglichkeit zum Ausdruck bringen. Seine Football-Intelligenz führt dazu, dass er sehr viele Offscript-Blocks findet, die seinem Runningback (oder bei Clemson auch häufiger Quarterback) noch Chancen ermöglichen, die eigentlich nicht zum Plan gehören. Besonders seine Blocks für One-Man-Screens sind auf Tape positiv ins Auge gefallen.
Insgesamt macht vor allem sein Leistungssprung in 2020 Hoffnung darauf, dass er eine gute Entwicklung vor sich hat und durchaus Potential hat, in der NFL mitzuspielen.

Während Carmans Athletik sehr positiv ist, ist seine Technik in der Bewegung leider echt schwach. Die Fußarbeit ist komplett wild, das beginnt beim Start zum Snap, geht über die Kick Slides und endet auch nicht, bevor er viel zu früh seine Hüfte und Schulter öffnet. All das macht ihn enorm anfällig für Speed Rusher, gegen die er regelmäßig Probleme hatte – gerettet von einem mobilen Trevor Lawrence.
Auch im Runblocking ist seine Technik mangelhaft. Er stoppt seinen Push schon bei der Fußbewegung und hat Probleme, seine volle Bewegungsgeschwindigkeit auf den Verteidiger zu übertragen.
Insgesamt wurde er häufig von einem starken und mobilen Trevor Lawrence gerettet – der Ball war schnell weg oder Lawrence unterwegs. Dazu kommen viele RunPassOptions, sodass Lawrence selbst die Entscheidung hatte, was er machen möchte. Es ist daher fraglich, wie er spielt, wenn er nicht zum dominanten Team gehört.

Insgesamt glaube ich, dass Carman das Potential hat, ein guter Swing-OT3 zu werden – vielleicht auch mehr. Er hat zwar nur Erfahrung auf Left Tackle, aber da er sowieso keine kontrollierte Technik vorweisen kann, muss man ihm das sowieso erneut beibringen. Carman ist eines der Top-Prospects für Tag 3 und könnte einer der Spieler sein, für den man in der Nacht von Tag 2 auf 3 ein paar Anrufe tätigt, um auf dem Draftboard nach vorne zu kommen.
Für die Packers sehe ich in ihm nicht den Spieler, der gut reinpasst. Er würde zwar in das Scheme der Packers passen, jedoch sucht man ja perspektivisch eher nach einem neuen Starting-Right Tackle – und das sehe ich in ihm nicht.

Spencer Brown (Northern Iowa)

Spencer Brown ist ein sehr interessanter Spieler, weil seine Größe einfach herausragt. Für einen Offensive Tackle ist er fast schon zu groß, trotzdem kann er durch seine gute Balance und seine starke Footwork ein relativ niedriges Pad Level garantieren. Gleichzeitig bringt er aber trotz seines Körpers eine ordentliche Athletik mit. Dazu sind mir vor allem intelligente Blitz-Pickups aufgefallen.
Im Runblocking sind vor allem seine Pull Blocks eine starke Äußerung seiner Athletik. Durch seinen langen Körper kann er sehr viel Kraft auf einen Verteidiger auswirken und explodiert nahezu in die Blocks. Seine Range ist herausragend, weshalb er viel Platz für Runningbacks schaffen kann.
Seine Größe bietet einem engagierten Offensive Line-Coach geniale Möglichkeiten, um einen einzigartigen Tackle zu kreieren. Brown ist ein Spieler, der lernen will und lernen kann – und ideale Traits mitbringt, damit man ihn formen kann.

Im College hat Brown noch nicht gelernt, seine Größe entsprechend einzusetzen – er arbeitet viel mit Athletik und wenig mit Kraft, was durchaus auch daran liegt, dass er gerade aus den Beinen und dem Unterkörper heraus zu wenig bringt – er muss mehr Muskeln und Masse aufbauen, um gegen schweren Jungs der NFL ankommen zu können, die ihn sonst über den Haufen rennen, da er Probleme hat, einen Anker gegen Bull Rushes zu setzen. Auch seine Handwork ist eher schwach, das meiste der Leistung kommt druch seinen großen und breiten Frame.
Auch im Runblocking muss er noch etwas an seiner Beweglichkeit arbeiten. Gerade in den technischen Ausführungen seiner Blocks lässt sich noch einiges verbessern.
Insgesamt habe ich Bedenken, ob die Offensive Line-Coaches der NFL Lust haben, ihre Arbeit auf diesen riesigen Körper anzupassen. Auch wenn es viele Vorteile hat, werden die Top-Edge Rusher sich die Hebel-Vorteile seines natürlichen Pad Levels zunutze machen.

Insgesamt gibt es bei Brown viele Dinge, die man mögen kann – aber auch viele Kritikpunkte. Wer sich mit ihm auseinandersetzen will, wird einen besonderen Tackle bekommen, der lernt und sich verbessert. Ich sehe ihn in der vierten Runde – wer sein Potential sehr hoch sieht, könnte ihn aber früher nehmen.
Die Packers haben einen 1A-Offensive Line-Coach, dem ich zutraue, etwas starkes aus diesem jungen Mann zu machen. Wenn man in den späten Runden nochmal ein Projekt holen möchte, würde mir Brown sehr gut gefallen. Es ist viel Risiko, aber seine Traits passen gut zu den Packers und wenn er etwas wird, wäre das bestimmt etwas besonderes.