In diesem Artikel geht es um die Edge Rusher-Klasse des Drafts 2021. Die Position der Edge Rusher kombiniert die Defensive Ends in einer 4-3-System mit den Outside Linebackern einer 3-4-Defense. Wenn es eine Limitierung auf eine der Positionen gibt, wird diese im Artikel erwähnt. Die Reihenfolge ist gleichzeitig auch ein Ranking des Autors, losgelöst von Schemes und Präferenzen der Teams. Das Alter bezieht sich auf den Zeitpunkt des Drafts, die Maße kommen von nfl.com.

Disclaimer: Da die Edge-Klasse des diesjährigen Drafts in der Spitze eher schwach bis gar nicht besetzt ist, wird es vermutlich dazu kommen, dass viele Spieler etwas früher genommen werden. Gerade der Edge-Need bei den Teams, die zum Ende der ersten Runde ihre Picks haben, wird wohl dazu führen, dass diverse Spieler mit einer hohen Second Round-Einschätzung früher gehen könnten. Die angegebene Draftposition bezieht sich darauf, wann ich normalerweise glücklich wäre, diesen Spieler zu draften.

Die Packers haben Preston Smith nicht – wie von vielen erwartet – gecuttet, sondern seinen Vertrag überarbeitet, sodass sie sich einiges an Cap sparen. Das führt dazu, dass die Edge-Gruppe der Packers mit ZaDarius Smith, Rashan Gary und eben Preston Smith in der Spitze sehr gut besetzt ist. Gerade mit einem möglichen Cut von Preston Smith nach der laufenden Saison könnte es sich lohnen, jetzt schon einen Nachfolger aufzubauen, aber ein direkter Need besteht höchstens in der Breite, da mit Garvin, Ramsey und Galeai keine große Leistung zu erwarten ist. Da Edge Rusher aber eine Premium-Position ist, kann man hiervon nie genug haben – wenn also der richtige Spieler zum richtigen Zeitpunkt da ist, ist alles möglich.

Azeez Ojulari (20, Georgia)

Azeez Ojulari führt die diesjährige Edge Rusher-Klasse bei mir an. Ojulari ist sehr athletisch – besonders seine Beweglichkeit und seine Explosivität sind herauszuheben. Diese beweist er sowohl direkt beim Snap als auch im Finishing, wo er nochmal eine Stufe hochschalten kann, um den Quarterback zu Fall zu bringen. Seine Pass Rushes sind immer sehr gut geplant – er weiß schon vorher, wo die Reise hingeht. Ojulari arbeitet ordentlich mit den Händen, sowohl im Handfight als auch seine Punches gefallen durchaus. Unterstützt wird er hierbei auch von seinem eindrucksvollen Frame – er ist eher undersized, hat dafür aber lange Arme und einen kräftigen Oberkörper.
Ojularis große Stärke ist seine Runverteidigung. Seine guten Handfight-Skills übertragen sich auf sein Block Shedding, was wirklich stark ist. Seine Agilität in Kombination mit seinem Closing Speed und seinem starken Oberkörper machen ihn zu einem sehr guten und sicheren Tackler.
Ojulari spielt unfassbar intelligent – ob er erkennt Playfakes und Screen Plays sehr gut und kann frühzeitig dagegen vorgehen, was ihm einige Big Plays einbrachte. Seine strukturierten und gut geplanten Pass Rushes geben ihm immer eine Möglichkeit, sich der Situation anzupassen. Ojulari hat einige Snaps in Coverage verbracht, hierbei hat er in Man Coverage keine Probleme mit Runningbacks und Tight Ends und auch in kurzen Zonen ist er zu gebrauchen.

Sein größtes Manko ist, dass er noch nahezu keine Pass Rush Moves hat. Sein Arsenal ist gering und wurde – wie bei vielen Edges – am College hauptsächlich durch die Athletik gar nicht notwendig. Seine intelligente Spielweise und ansonsten gute Handwork macht jedoch Hoffnung, dass Ojulari noch einiges lernen kann. Das zweite Problem ist, dass er eben undersized ist – das gibt ihm einen Vorteil durch sein natürlich niedriges Pad-Level, hat aber auch Nachteile. So lässt er sich bspw. relativ leicht nach außen wegschieben und hat deshalb Probleme, seine eigentlich gewonnenen Rushes zu flatten und zum Quarterback zu gelangen.
Auch in der Laufverteidigung macht ihm das Probleme – durch seinen starken Oberkörper kann er zwar in der Bewegung ordentlich Kraft aufbauen, aus dem Stand an der Line of Scrimmage wird er aber gegen jeden kräftigeren Oliner seine Position nicht halten können. Er muss also definitiv noch etwas Gewicht und Muskeln im Unterkörper zulegen – mit fraglichen Folgen für seine Athletik.
Außerdem muss erwähnt werden, dass Ojulari erst in seinem letzten Jahr richtig produktiv war und sich hier auch innerhalb des Jahres sehr gesteigert hat – man könnte also von einem One Hit-Wonder sprechen.

Insgesamt bringt Ojulari spannende Traits und eine gute Basis, um ein starker Edge Rusher in der NFL zu werden, aufgrund seines Frames wird er aber vermutlich zumindest kein Defensive End, auch wenn er am College gut mit der Hand am Boden gespielt hat. Ich sehe in ihm einen 3-4-OLB, der im ersten Jahr vor allem in frühen Downs gegen den Run viel spielen kann, in Passing Downs dann aber abgelöst werden sollte, bis er seine Pass Rush Moves ausgearbeitet hat und konstant anbringen kann. Ojulari ist der einzige Edge Rusher, den ich in der ersten Runde nehmen würde, genauer würde ich ihn Mitte der ersten Runde nehmen.
Für die Packers wäre Ojulari ein spannender Spieler, da er das bestehende Edge-Trio um einen weiteren (fehlenden) Spielertyp erweitern würde. Er könnte Preston Coverage-Arbeit abnehmen und die Laufverteidigung unterstützen. Fraglich ist jedoch, ob Ojulari bis in die Range der Packers fallen wird.

Jaelan Phillips (21, Miami)

Jaelan Phillips ist ein interessanter Spieler, weil er im College teilweise sehr dominant aufgetreten ist. Phillips spielt sehr physisch und bringt vor allem aus dem Oberkörper, aber auch aus den Beinen, eine enorme Kraft mit. Seine physische Spielweise kreiert von alleine Rushing Lanes zum Quarterback, da viele College-Tackles technisch noch nicht gut genug ausgebildet sind, um sie zu verteidigen. Phillips hat nicht viele, aber dafür sehr gute Pass Rush Moves, vor allem sein Swim Move ist beeindruckt, den er vor allem Inside (aber auch Outside) sehr erfolgreich angewendet hat. Seine Explosivität lässt ihn dann am Offensive Tackle vorbeischießen, bevor dieser überhaupt realisiert hat, was passiert. Auch sein Punch ist durchaus stark und bringt Offensive Tackles aus dem Gleichgewicht.
In der Laufverteidigung bringt seine enorme Kraft viel Beständigkeit an der Line of Scrimmage, er ist nicht einfach wegzuschieben. Wenn er eine Lücke findet, ist er schnell auch mal hinter der Line und ringt den Runningback zu Boden. Des Weiteren ist sein Effort hervorzuheben – Phillips ist in jedem Spielzug solange auf dem Weg zum Ball, bis der Schiedsrichter pfeift. Wenn ein Gegenspieler in seiner Reichweite ist, tacklet er sehr durch seine starken Arme und Hände sehr sicher.

Ein großes Manko ist, dass Phillips häufig das gleiche macht – seine Pass Rush Moves sind sehr vorausschaubar und haben keinerlei Variabilität. Wenn ein Offensive Tackle seine erste Attacke abgewehrt hat, bietet er keine Counter Moves mehr. Da sein Swim Move häufig funktioniert, spielt er diesen auch viel – deshalb spielt er aber sehr aufrecht mit seinem Körper, er kann kein niedriges Pad-Level halten und sich so einen Vorteil gegen den Offensive Tackle erarbeiten, obwohl er eigentlich physisch auch bspw. im Bull Rush gut sein müsste.
Gegen den Lauf hat er vor allem mit beweglichen Läufern Probleme – er hat zwar Explosivität nach vorne, ist aber nicht sonderlich beweglich und verpasst so den ein oder anderen Tackle gegen agile Runningbacks. An der Line of Scrimmage arbeitet er ausschließlich mit Kraft, nicht mit guter Fußarbeit gegen Tackles – physisch dominante Tackles oder Double Teams schieben ihn also problemlos aus dem Weg.
Das größte Problem für mich ist, dass er seine dominanten Leistungen erst im Laufe der Saison 2020 entwickelte und ausbaute – er hat quasi nur eine halbe Saison auf sehr hohem Level gespielt. Dazu kommt, dass sein Teamkollege Rousseau dauerhaft die Blind Side bespielt hat, weshalb er fast ausschließlich gegen Right Tackles zum Einsatz kam, die im College in der Regel deutlich schwächer (oder vor allem jünger) sind. Seine Competition war überschaubar.

Ein Thema, das bei mir nicht in die Evaluation eingeht, aber durchaus wichtig ist, ist seine Verletzungsgeschichte. Er hatte größere Verletzungen am Knöchel und Handgelenk, außerdem hatte er mehrere Gehirnerschütterungen und hatte deshalb 2019 ursprünglich seine Karriere frühzeitig beendet, sich dann aber 2020 zu einem Comeback entschieden. Wie schwerwiegend das ist, müssen die NFL-Ärzte entscheiden, es sollte aber niemanden wundern, wenn Phillips möglicherweise enorm weit fällt. Von wo fällt Phillips? Ich sehe ihn als frühen Zweitrundenpick – wie bereits erwähnt wird der Edge-Need ihn vermutlich in die erste Runde befördern.
Zu den Packers passt Phillips eher nicht so gut. Er ist relativ eindimensional ein 4-3-DE und „Rush only“-Edges haben die Packers mit Z Smith und Gary schon zwei sehr gute.

Ronnie Perkins (21, Oklahoma)

Ronnie Perking ist der nächste athletische undersized Edge Rusher – zumindest auf Tape. Hier sieht man eine seltene Kombination aus Athletik und Physis, die ihm für sich viele gewonnene Rushes bringen wird. Er hat noch keine ausgereiften Pass Rush Moves, aber kann ein paar Ansätze vorweisen, was in dieser Klasse schon viel ist. Sein First Punch ist sehr stark und bringt viele Gegenspieler aus dem Gleichgewicht. Dazu flattet er seine Rushes sehr stark, durch sein niedriges Pad-Level umläuft er Offensive Tackles problemlos, nachdem er sie mit einem Punch getroffen hat. Dieser Punch ist so stark, dass er sogar Oklahoma State-OT Teven Jenkins richtig Probleme gemacht hat, obwohl der selbst ein Kraftpaket ist. Seine Athletik bringt dann einen beeindruckenden Closing Speed mit, um den Quarterback zu Fall zu bringen.
Seine Athletik hilft Perkins auch gegen den Lauf, er hat nicht wie andere starke Edges Beweglichkeits-Probleme. Er kämpft immer bis zum Pfiff und kann so das ein oder andere starke Play vorweisen.

In der Pass Protection muss Perkins wie viele noch gut an den Pass Rush Moves arbeiten, eine gute Grundlage ist aber da. Die technisch gute Ausbildung hat eine kleine Schwachstelle in seiner Fußarbeit, viel seiner Production kam durch seine Stärke und seine Athletik dahinter. Wenn er sich da noch etwas besser sortieren kann, wird er auch selbst weniger anfällig für Moves der Offensive Tackles sein, was derzeit noch klar der Fall ist. Perkins kann kaum Counter Moves anwenden – wenn der OT das erste Duell gewonnen hat, ist Perkins also verloren.
Im Runblocking fehlt ihm vor allem Masse – Perkins ist undersized und durch seine schlechte Fußtechnik wird das noch schlimmer. Er kann an der Line einfach weggeschoben werden und auch die Umwandlung seiner Bewegung in Kraft, die sich zusätzlich zu seiner natürlichen Stärke auf einen Oliner wirkt, wenn man im Lauf aufeinandertrifft, ist eher schlecht. Perkins muss noch einiges an Masse zulegen, um als 4-3-DE gegen den Lauf brauchbar zu werden.
Ein rote Flagge wedelt auch, wenn man sich seinen Pro Day anschaut – seine athletischen Tests waren unterirdisch im Vergleich zu dem, was man im Tape sieht. Nach wiederholtem Schauen bleibe ich bei der Einschätzung, dass Perkins athletisch (sehr) gut ist, man sollte es aber im Hinterkopf haben.

Gerade mit seinen athletischen Tests hat Perkins nicht beeindruckt und sein Draft Stock ist derzeit eher am Fallen – viele Experten sehen ihn nicht so weit vorne wie ich. Ich mag aber, was er an Traits mitbringt, und glaube, dass seine bereits vorhandenen Skills in Kombination mit mehr Masse und besserer Fußarbeit zu einem guten bis sehr guten Edge Rusher in der NFL führen werden – und das in einer schwachen Edge-Klasse. Seine Upside macht ihn zu einem frühen Pick der zweiten Runde.
Wenn die Pro Day-Tests nicht wären, könnten die Packers ihn sehr mögen – Jung, athletisch, physisch, stark. Mit diesen Werten kann man Perkins aber fast streichen, da die Packers dafür bekannt sind, eher die athletischen Freaks zu bevorzugen.

Kwity Paye (22, Michigan)

Kwity Paye wird von vielen als bester Edge Rusher der Klasse gesehen – und das auch zurecht, wenn man ausschließlich die Upside betrachtet. Paye hat eine unfassbare Athletik, spielt dabei mit einer guten Stärke und konnte damit am College alle überzeugen. Im Pass Rush überzeugt Paye neben seiner Athletik vor allem mit einem guten Punch, den er sehr schnell an den Mann bringt. Er explodiert von der Line, puncht den Tackle und gewinnt damit sein Play. Er funktioniert gut in DLine Stunts. Hevorzuheben ist auch, dass Paye niemals aufgibt. Wenn er auch keine guten Counter Moves hat, findet er häufig noch Wege, sich bei einem verlorenen frühen Duell nochmal zu fangen und dem Offensive Tackle Probleme zu machen.
Gegen den Lauf kann er überzeugen, er macht gute Tackles und hilft dabei, die Außenseite abzusichern. Genauso wie er sich in Pass Rushes immer wieder fängt, wird er auch gegen den Lauf seine Blocker los und kann dem Runner nachjagen.
Gerade im Vergleich der Draft Class ist Paye DER athletische Freak, der dabei keine Einschränkungen in der Größe und Masse hinnehmen muss – er bringt den Frame für einen starken Edge mit und ist trotzdem Athletik.

Leider ist Paye unfassbar unkonstant – er bringt seine Skills nicht regelmäßig aufs Feld. Generell passiert bei ihm viel zufällig, er geht in den Pass Rush ohne einen Plan. Im Rush sieht man bei ihm öfter Momente, wo er komplett zögert, weil er einfach nicht weiß, was sein Plan ist. Generell ist sein Game Sense zu bemängeln – das Michigan State-Spiel ist mir hier besonders negativ hängen geblieben. Seine Bewegungen sind zwar explosiv, er braucht beim Snap aber sehr lange, um darauf zu reagieren, sodass sein Vorteil häufig schon dahin ist. Neben dem guten Punch hat er wenig Handarbeit anzubieten – besonders seine Pass Rush Moves sind einfach nicht vorhanden. Paye puncht zu Beginn und versucht dann, sich so durchzuarbeiten, weil er Gegenspieler athletisch dominieren kann. Wenig verwunderlich ist viel seiner Produktion das Ergebnis von athletisch starken Leistungen oder DLine Stunts, bei denen die Offensive Line einfach nicht schnell genug reagiert.
In der Laufverteidigung nimmt er schlechte Tackle-Positionen ein, weshalb er häufiger mal Tackles unnötig verpasst. Insgesamt macht er auch hier einiges richtig, kann das aber einfach nicht konstant aufs Feld bringen.

Ich sehe bei Paye aufgrund der Unkonstanz keinen Starter im ersten Jahr. Seine enorme Upside macht aber vieles möglich. Während ich ihn eigentlich nicht früher als Anfang der zweiten Runde sehen würde, lässt die schlechte Edge-Klasse bei seiner Upside enorm viel Reach-Potential zu. Wenn ich reachen muss, mache ich das eher, wenn ich die Hoffnung habe, dass mal ein sehr guter bis Elite-Spieler rauskommt – und dieses „Boom or Bust“-Potential hat Paye. Wundert euch also nicht, wenn er als Edge 2 nach Ojulari vom Board geht – durchaus realistisch. Seine bisherigen Leistungen lassen mich aber sehr stark zweifeln, es ist noch echt sehr viel zu erledigen und ich würde ihn nicht unbedingt haben wollen.
Paye ist ein Spieler, wie ihn die Packers mögen würden – nicht umsonst wird er häufiger auch mit Rashan Gary verglichen. Wenn man mit Z Smith nicht verlängern möchte, könnte man Paye holen und als seinen Nachfolger ausbilden – generell sehe ich aber nicht, dass die Packers erneut in der ersten Runde ein Edge-Projekt holen werden. Gutey wird ihn mögen, einen Paye-Pick halte ich aber für unrealistisch.

Jayson Oweh (22, Penn State)

Oweh ist vor allem eins – schnell. Er ist schnell beim Snap und schnell um den Tackle herumgelaufen. Während viele die Ausmaße seiner Schnelligkeit anzweifelten, bewies Oweh ihnen beim Pro Day das Gegenteil – ein 4,37s 40 Yard Dash ist unfassbar schnell! Das verbindet er mit einer sonst auch sehr guten Athletik, vor allem seiner starken Beweglichkeit, und man bekommt einen athletic freak. Er flattet seine Rushes gut, kann also nicht nur nach vorne explodieren, sondern sich auch einfangen und zum QB kommen. Er hat an seiner Körperhaltung gearbeitet und nutzt ein niedriges Pad-Level richtig gut, um seine Geschwindigkeit in Kraft umzuwandeln, die sich auf den Offensive Tackle überträgt. Speed-to-Power Pass Rush Moves funktionieren bei ihm gut.
Mit seinen langen Armen macht er selbst während er geblockt wird noch Tackles gegen vorbeilaufende Runningbacks. Auch hier kommt ihm seine Explosivität zugute, die er beim Tacklen stark einsetzt.

Der größte Kritikpunkt – gerade im Pass Rush – ist sein fehlender Ertrag für seine guten Leistungen. In 7 Spielen 2020 konnte Oweh keinen einzigen Sack verbuchen. Und auch in den zwei Saisons zuvor kommt er nur auf 7 Sacks in 17 Spielen. Das liegt daran, dass seine komplette Handwork mieserabel ist und er dadurch sehr einfach aus dem Weg zu räumen ist – er spielt zu 100% mit seiner Athletik und in der kann man ihn leicht stören, da er sich nicht verteidigt. Er spielt mit einer offenen, angreifbaren Brust für OT-Hits, wenn er seine Arme einsetzt, sind die für Tackles leicht zu verteidigen und wenig gefährlich und auch die Koordination seiner Füße braucht noch Arbeit. Sein Pass Rush in 2020 war definitiv nicht „0 Sacks“-schlecht, aber man kann sehen, dass er zwischen 2019 und 2020 hauptsächlich an seiner Runverteidigung gearbeitet hat. Oweh muss lernen, sich selbst zu verteidigen und seine Skills zu nutzen.
In der Laufverteidigung kommt das nicht ganz so häufig zu tragen, hier kann er gute Kraft aufbauen und hat sich gerade zu 2020 nochmal ordentlich verbessert. Viele Problemstellen (zu leicht wegzuschieben bspw.) hat er in 2020 abstellen können – es ist aber durchaus zu bezweifeln, ob diese Probleme wieder entstehen, wenn er sich wieder auf den Pass Rush konzentriert.
Generell habe ich Sorgen um seinen Football-IQ. Er verliert den Ball aus den Augen und manchmal habe ich das Gefühl, dass er einfach Basics des Spiels nicht versteht oder das Spielgeschehen nicht schnell genug verarbeiten kann. Er legt sich keinen Plan zurecht, mit dem er im Pass Rush arbeiten will und hat auch keinerlei Waffen außerhalb seiner Athletik.

Oweh ist ein riesiges Projekt mit viel Upside. Seine ordentlich verbesserte Runverteidigung macht ihn in Jahr 1 einsetzbar, weshalb er für mich mit dieser Upside gerade noch in die Range der frühen zweiten Runde mit Potential für einen Erstrunden-Reach hat. Oweh ist aber nicht gerade ein Spieler für ein Team, das Pass Rush-Präsenz als Need auf der Liste stehen hat, das wird er im ersten Jahr wohl eher weniger bringen.
Für die Packers könnte er als perspektivischer Spieler interessant sein, seine Athletik wird das FrontOffice begeistern. Ich glaube aber nicht daran, dass Oweh ein Spieler ist, der in das Suchprofil der Packers passt – außerhalb der athletischen Anforderungen. Nachdem man die letzten 2 Jahre viele Projekte gedraftet hat, könnte jetzt mal an der Zeit sein, einen weiteren Spieler zu holen, der in Jahr 1 schon wirklich weiterhilft.

Joe Tryon (20, Washington)

Joe Tyron wird seinen Coaches sehr viel Freude bereiten. Er ist sehr arbeitswillig und gibt niemals auf. Das kombiniert er dann mit einem sehr guten Frame. Er ist groß und kräftig, hat lange Arme und ist gleichzeitig athletisch. Auch wenn er noch viel zu lernen hat, würde ich ihn nicht als „roh“ bezeichnen, denn er hat bei nahezu allem schon die Basics gelernt – ein Spieler, der von einem guten Coach zu allem gemacht werden kann, was er möchte.
Tyron hat eine gute Auswahl an Pass Rush Moves, auch wenn er davon nur den Bull Rush auf einem richtig guten Level beherrscht. Er ist ein mittelmäßiger Handfighter, hört aber niemals auf. Wenn der eine Move nicht klappt, setzt er halt noch einen anderen hinterher. Und wenn gar nichts klappt, schiebt er einfach den Tackle zurück in die Pocket und kreiert so Räume für seine Mitspieler.
In der Rundefense kann Tryon ebenfalls einen guten Impact haben. Er schießt super in Gaps und kann so Tackles im Backfield machen. Auch an der Line of Scrimmage hatte er gute Plays.
Tryon hat außerdem Erfahrung in Coverage. Er hat sowohl Zone als auch Man Coverage aus einer OLB-Position heraus gespielt. Teilweise wurde er sogar in einzelnen Snaps als Slot-CB gegen Tight Ends eingesetzt.

Der größte Kritikpunkt bei Tyron ist, dass er eben bisher vieles nur etwas kann und bei nichts wirklich gut ist. Man bekommt eine gute Basis, bisher aber nicht mehr. Ansonsten gibt es Kritiken, da er relativ wenig Erfahrung hat – in seiner ersten Saison hat er kaum gespielt, in der zweiten Saison war er kein Vollzeit-Starter und 2020 hat er via Opt Out nicht gespielt. Eine Saison 2020 hätte seiner Weiterentwicklung bestimmt gut getan, der genaue Entwicklungsstand ist derzeit einfach nicht bekannt. Ansonsten gibt es zu kritisieren, dass er noch etwas Masse zulegen müsste, um als Defensive End zu spielen, ich sehe ihn aber sowieso eher als Outside Linebacker.
Spielerisch konkret könnte man jetzt alles aufzählen, was er mittelmäßig macht, ich beschränke mich aber auf die konkreten Problemzonen: Tryon tacklet und rusht häufig mit dem Kopf voraus – dadurch verliert die Übersicht über das Feld vor ihm. Dadurch verliert er den Quarterback, den Ball oder auch Runningbacks aus den Augen. Dadurch fällt er gerne mal auf Playfakes rein.

Tryon ist sehr spannend. Seine Arbeit mit seinen vielen Basics macht in attraktiv, seine fehlenden Elite-Traits aber definitiv nicht zu einem Top-Prospect. Ich denke, dass Tryon im ersten Jahr in der Rotation schon mitarbeiten kann und auf lange Sicht ein solider bis guter Edge Rusher werden wird, dessen Draftposition ich Ende der zweiten bis Anfang der dritten Runde sehe.
Tryon als Prospect gefällt mir gut und ich denke, dass er den Packers einige fehlende Elemente auf Edge mitbringen könnte. An 29 ist er definitiv zu früh, aber an 61 halte ich ihn durchaus für einen guten Fit.

Gregory Rousseau (21, Miami)

Rousseau ist groß, hat Masse und lange Arme – ein guter Frame für einen Edge Rusher. Er bringt eine ordentliche Athletik mit und kann mit einem brauchbaren Swim Move und Bull Rush auch etwas an Pass Rush Moves mitbringen. Er hat eine gute Kraftverteilung im Körper und bringt auch eine gute Athletik mit. Er behält während Rushes dauerhaft den Quarterback im Auge und ist so nicht anfällig für Playfakes und findet einmal im Backfield angekommen immer den Quarterback. Er hat einen „Motor“, der ihn immer weiterlaufen lässt und einige Hurries hervorbringt.
Generell ist seine Kraft ein großer Pluspunkt, der ihn auch in der Runverteidigung ordentlich macht. Er bringt viel Willen und Aufwand in sein Spiel mit ein und macht so vieles sonstiges wieder gut.
Rousseau hatte 2019 eine unfassbar starke Saison mit 16,5 Sacks und 19,5 Tackles for Loss, von denen sein Draft Stock heute noch lebt. Er hatte diese Monstersaison und eine riesige Upside, fast so groß wie die von Paye.

Was er aber nicht hat, ist alles andere. Er hat einen schlechten Get Off. Am schlimmsten ist die bisher absolut nicht vorhandene Ausbildung, was daher kommt, dass Rousseau ein am College konvertierter Wide Receiver ist. Er hat in seiner Redshirt-Saison 2018 aufgrund einer Knöchelverletzung nur ein Spiel gemacht, 2019 hatte er sein Explosionsjahr und 2020 hat er durch den Opt Out „verpasst“ – er hat vermutlich seine 2019er Leistung in den Draft konservieren wollen. Er hat aber keinerlei Pass Rush Moves, die wirklich gut sind – und fängt hier bei Swim und Bull auch gerade erst an. Er ist kein guter Handfighter und hat Probleme im Bending und Armwrestling. Generell ist seine Play Strength noch sehr fragwürdig – da müsste er eigentlich am College noch so viel lernen und sich daran gewöhnen, was ihm jetzt in der NFL noch komplett fehlen wird. Auch seine Fußarbeit ist schlecht. Generell hat er noch einen sehr eigenartigen Ansatz, was ihm manchmal auch hilft, gute Tackles werden sich davon aber nicht täuschen lassen.
In der Rundefense fehlt ihm ebenfalls die Stärke im Spielverlauf, er nimmt schlechte Positionierungen beim Tackling ein. Er erzeugt trotz seines Frames kaum Kraft an der Line und wurde häufiger weggeschoben, was jedoch auch daran lag, dass er viele Snaps interior gespielt hat und dort gegen die „Heavy Guys“ der Oline ran musste.
Generell kam vieles seiner Produktion aus Stunts, Cleanups für seine Mitspieler oder von Inside Rushes, obwohl er definitiv kein Defensive Tackle ist. Wirklich gewonnene Edge-Snaps gibt es von ihm nur wenige. Wer Rousseau draftet, draftet einen Körper, der technisch noch nichtmal die High School abgeschlossen hat.

Upside schön und gut – Rousseau bringt nahezu keinerlei Ausbildung für sofort mit. So gerne ich für Upside reachen würde, Rousseaus Floor ist „absolut unbrauchbar auf NFL-Level“. Und solche Spieler würde ich definitiv nicht in der ersten Runde nehmen. Rousseau ist kein Spieler für ein Team, das sofort Edge Need hat, da man ihn noch lange ausbilden muss – gleichzeitig gibt es aber Edge-Klassen, in denen sich bessere Spieler holen lassen, wenn man Zeit hat. Rousseau ist quasi ein Jordan Love der Edges – man würde ihn holen, um ihn danach erstmal 2 Jahre aufzubauen. Rechnet man den Position Value ab, stehe ich bei Rousseau Ende der 2. Bis Anfang der 3. Runde.
Wenn die Packers seinen Frame sehr mögen und denken, dass sie aus ihm einen starken Spieler rausbekommen, könnten sie eventuell in der zweiten Runde zuschlagen – einen Pick an 29 halte ich jedoch für unfassbar falsch.

Carlos Basham Jr. (23, Wake Forest)

Carlos “Boogie” Basham ist ein anderer Typ Spieler als seine Konkurrenten der diesjährigen Klasse. Er spielt deutlich schwerer als andere Edges, behält dabei aber eine starke Explosivität. Besonders eindrucksvoll ist jegliche Art von Handarbeit, die er am OLiner anlegt. Er hat einen starken Punch und ist ein sehr guter Handfighter, womit er sich viele Vorteile verschaffen kann. Sein Swim Move zur Innenseite funktioniert oft und durch seine Explosivität bekommen der Offensive Tackle oft gar nicht erst in die Nähe seines Körpers. Wehren Tackles seine Handfights ab, kann er einen ordentlichen Spin Move als Counter nachlegen. Er bringt seine Explosivität auch gut an den Mann, wenn er sich in den OLiner reinlegt und ihn nach hinten in die Pocket drückt.
Das funktioniert manchmal auch in der Laufverteidigung gut, wenn er unter seinen Gegenspieler kommt und Runlanes schließen kann, hier fehlt es einzig an der Konstanz.

Im Pass Rush verlässt sich Basham aber zu häufig auf seine guten Handfight-Skills. Hat er den initialen Handfight nicht nur verloren, sondern der Tackle auch seine Arme an seinen Körper gebracht, spielt Basham mit hohem Pad-Level, offener Brust und viel Angriffsfläche. Er schafft es dann selten, sich aus dem Griff des Tackles zu lösen und einen Einfluss auf das Spielgeschehen zu bekommen. Außerdem hat er große Probleme, seine Explosivität zu kontrollieren und seine Rushes zu flatten, er kommt zwar tief an Tackles vorbei, jedoch nicht nach innen zum Quarterback. Seine etwas abwartenden Rushes machen ihn zwar häufig zum Sieger des Handfights, er verliert dabei aber wichtige Zeit, um zum Quarterback zu kommen, weshalb die Auswirkungen seiner Dominanz selten erkennbar werden.
Seine Rundefense hatte wenig positive Punkte – und das ist auch richtig so. Denn Bashams Laufverteidigung ist ein einziges Problem. Er hat zwar gute Kraft im Unterkörper, bringt diese aber viel zu selten in den richtigen Momenten zum Einsatz. Er ist seitwärts absolut unbeweglich und verpasst am laufenden Band seine Tackles, da bewegliche Gegenspieler ihm einfach davonlaufen. Wie im Pass Rush ist er auch in der Laufverteidigung sehr anfällig dafür, sich von einem Tackle vereinnahmen zu lassen – hat ein Tackle ihn erstmal unter Kontrolle, hat er keinerlei Fähigkeiten, wieder frei zu kommen oder auch nur Tackles an Runningbacks zu machen, die nah an ihm sind.
Dazu kommt, dass in 2020 sehr überspielt und nicht fit wirkte, sein Ertrag hat enorm abgebaut. Gerade gegen gute Teams mit mindestens mittelmäßigen Offensive Tackles war Basham nahezu wirkungslos – Clemson lässt grüßen.

Insgesamt ist Basham ganz spannend im Pass Rush, aber auch nur da. Wenn man ihm beibringt, seinen Körper besser zu kontrollieren, könnte er durchaus ein Kandidat für das Ende der zweiten Runde sein – hier sehe ich ihn aber langfristig eher als 3-4-Defensive End. Basham hat schon ein nettes Potential und auch ein solides Base Level, ist derzeit aber sehr eindimensional ausschließlich für Passing Downs geeignet. Ich sehe ihn Anfang bis Mitte der 3. Runde.
Für die Packers ist Basham eher nicht interessant. Auch wenn seine athletischen Werte für seinen Körper gewaltig sind, werden auf Tape diverse athletische Defizite klar, die dem Front Office nicht gefallen werden.

Payton Turner (Houston)

Payton Turner hat einen sehr interessanten Frame. Er ist groß und hat mit 35“ sehr lange Arme. Diese setzt er auch gut ein, er hat einen starken Punch und einen großen Tackle Radius, der es für Quarterbacks sehr schwer macht, ihm zu entkommen, wenn er mal im Backfield ist. Trotz seiner Größe ist er nicht der schwerste Spieler und bringt eine gewisse Athletik mit. Er hat mit seinem Bull Rush, Rib Move und mehreren Inside Countern mehrere Go-To-Moves bereits ausgeprägt, mit denen er gerne arbeitet, aber zeigt auch hier immer mal Abwechslung. Er hat eine nette Explosivität, die er jedoch sehr unkonstant zeigt.
Payton Turner ist durch seine langen starken Arme ein guter und sicherer Tackler. An der Line kann er an allen Positionen zumindest standhalten und empfiehlt sich so als vielseitiger Spieler für diverse Defensive Line-Positionen. Am besten geeignet wäre er wohl für einen 3-4-Defensive End, aber auch 4-3-Defenses werden mit ihm einen guten und talentierten Spieler auf End bekommen. Wenn er sich in einen Block reinarbeiten kann, bringt er seine Kraft auch gut in den Gegenspieler und schiebt auch schwerere OLiner mal in die Runlane und schließt so Lücken.

Turners guter Punch ist etwas langsam und kann daher nur unkonstant eingesetzt werden, hier schaden ihm vermutlich seine längeren Arme etwas. Generell kommt er beim Snap häufig langsam weg – nicht, weil er nicht explosiv wäre, sondern weil seine Reaktion einfach langsam ist. Wenn er früher vom Snap loskommen würde und lernt, seine Punchbewegung direkt zu starten, sollte das kaschierbar sein. Aufgrund mehrere Verletzungen an Beinen und Füßen wurde seine Fußarbeit immer wieder in der Entwicklung zurückgeworfen, was man klar erkennt – er hat häufig seine Füße nicht unter Kontrolle. Das führt dazu, dass er immer wieder Probleme bei der Balance durch den Kontakt hat, gerade wenn er seine Explosivität nicht einbringen kann. Sein Körper mit vielen Muskeln im Oberkörper macht es ihm auch nicht unbedingt einfacher.
In der Laufverteidigung kommen bei ihm ähnliche Bedenken. Er bekommt seine Beine nicht sortiert und es ist immer ein bisschen Zufall, ob er jetzt dominiert oder komplett dominiert wird. Mal schiebt er den Gegenspieler in die Runlane, mal wird er 3-4m aus dem Weg geschoben.
Ein großes Manko ist außerdem, dass er all seine Erfolge nur gegen schwache Gegenspieler erreicht hat. Der einzige anspruchsvolle Gegner (Brady Christensen, BYU) hat ihn ein ganzes Spiel lang dominiert. Es ist also sehr fraglich, ob sich seine Leistungen auf die NFL übertragen können.

Turner hat einiges zu bieten und wird definitiv eine gute Chance haben, eine gute Karriere zu haben – aber die nicht nachgewiesene Leistung gegen Top-Gegner macht es dann schwierig, zumal er sowieso schon sehr unkonstant spielte. Wer Hoffnung hat und noch einen Edge braucht, der möglicherweise im ersten Jahr ein bisschen Impact haben kann, dafür aber Upside aufgibt, könnte Turner in der dritten Runde nehmen.
Sein Frame und seine Vielseitigkeit werden vielen Teams gefallen. Gerade die Packers, die in der Vergangenheit sehr gerne variabel in der Line auftraten, könnten Gefallen an ihm finden. Er hat am Pro Day nur sehr eingeschränkt teilgenommen, seine Schwachstellen also vermutlich verbergen wollen – vielleicht nicht unbedingt ein Packers-Favorit.