Es war mal wieder eine wilde Nacht zum Auftakt des Drafts. Spätestens die Miami Dolphins mit Waddle an Position sechs bringen das Draftboard komplett durcheinander. Die Bears verkaufen Haus und Hof für Justin Fields, Jamin Davis taucht in den Top 20 auf und es gab einen kleinen Run auf die Edges. Und die Packers? Die bleiben an 29 und ziehen einen Spieler, den man da so nicht zwingend erwartet hatte. Und es bleibt die Frage: ist der Pick von Eric Stokes nun ein Bad Move oder mal wieder unglaublich Smart?

Das Cornerback-Roulette

Ein Run auf Cornerbacks war in vielen Mockdrafts erwartet worden und es sollte sich zumindest in Teilen bewahrheiten. Jaycee Horn und Patrick Surtain II waren schon vor Platz zehn vom Board. Blieben also von den besten Vier noch Greg Newsome und Caleb Farley. Beide fielen immer weiter in Richtung der Packers, so dass man vielleicht einen Uptrade der Packers erwarten konnte. Am Ende blieben die Packers aber an 29, Farley ging an 22 und Newsome an 26. Ob die Packers-Angebote nicht angenommen wurden oder ob es schlicht keins gab, ist noch nicht bekannt.

Kein BPA

Also entschieden sich die Packers an 29 für Eric Stokes und gingen etwas überraschend vom Prinzip „Best Player Available“ ab. Immerhin waren noch Spieler wie Teven Jenkins, wie Azeez Ojulari, Jeremiah Owusu-Koramoah oder Trevon Moehrig auf dem Board. Auch Asante Samuel Jr. Wurde immer wieder in den Bereich um Position 28-32 geworfen, von einigen Receivern wie Terrace Marshall oder Elijah Moore ganz zu schweigen. Und doch entschieden sich die Packers für ihr Cornerback-Need, besetzten dieses mit Eric Stokes.

Stokes Kurzbiographie

Eric Stokes wird damit „erstmals“ Georgia als sportliche Heimat verlassen. Dort wurde der 22-Jährige geboren, dort ging er zu High School und dort spielte er in den letzten vier Jahren für die Georgia Bulldogs. In drei Jahren machte er 35 Spiele, sammelte 78 Tackles, zwei Sacks und in seinem finalen Jahr vier Interceptions (eine Pick-6). Solide Statistiken, die ihn 2019 und 2020 ins 2nd bzw. ins 1st Team der SEC brachten.

Unheimlicher Athlet mit Schwächen

Was fällt auf, wenn man sich Stokes ansieht? Er hat körperlich die idealen Voraussetzungen, um Cornerback zu spielen. Mit 6’1” Größe und 185lbs auf den Rippen passen die körperlichen Maße fast schon ideal auf diese Position. Als ehemaliger Sprinter ist er ungemein explosiv, kann so auch mit den kleinen „Speedstern“ ganz gut mithalten. Sein RAS ist mit 9,37 sehr gut, was ihn für die Packers, welche diesen Wert gern zum Draften heran ziehen, wertvoll macht. Dazu verfügt Stokes über eine gute Antizipation und kann gut die Spielzüge lesen. Dies vermerkte Sebastian bereits in seinem Scouting-Report über die Cornerbacks. Allerdings hat Eric Stokes auch unübersehbare Schwächen. Auf engem Raum fehlt etwas Beweglichkeit, so dass er in Man-Coverage eher weniger zu gebrauchen ist. Die Konstanz ist auch nicht immer vorhanden. Manchmal hat man das Gefühl, dass sich Stokes auf dem Feld versteckt. Aber er hat definitiv das Zeug, ein solider Corner und ein Upgrade zu King zu werden.

Stokes passt gut zu Alexander

Vielfach wurde Asante Samuel als möglicher Pick an 29 gehandelt. Ein Spieler der durchaus möglich gewesen wäre. Allerdings ist Samuel vom Typ her sehr ähnlich zu Jaire Alexander (auf einem niedrigeren Niveau!), nicht nur was das Körperliche angeht. Daher passt Stokes, der fast sechs Zentimeter größer als Samuel oder Alexander ist, besser zum besten Cornerback der Liga. Mit seiner Größe, seinem Speed und einen Stärken in der Zone Coverage ist er bei positiver Entwicklung eine fast optimale Ergänzung.

Bewertung des Picks

Ich muss gestehen, ich hatte Stokes an 29 nicht unbedingt auf dem Schirm. Aber die Packers machen halt Packers-Dinge, tun nicht das, was man von Ihnen erwarten würde. Aber das macht Eric Stokes eher zu einem guten Pick und smarten Move. Durch die Vertragsverlängerung von King kann sich Stokes mindestens ein Jahr in Ruhe entwickeln und muss im Normalfall nicht direkt funktionieren. Und dennoch kann man ihm zutrauen, zumindest die Rolle als Nummer-2b-Corner auszufüllen. Das macht den Pick unglaublich interessant und für mich auch smart. Die Packers haben wieder perspektivisch gepickt, ohne dabei die Saison 2021 außen vorzulassen. Dass man dazu auch ein Need erfüllt, ohne Picks abgeben zu müssen, ist dann noch die Kirsche auf der Sahnetorte.