In zwei Tagen beginnt die Free Agency und die Packers haben sich kurz zuvor für vier weitere Jahre die Dienste von Aaron Jones gesichert. Für viele kam das überraschend, aber die Packers haben in den letzten Wochen immer wieder durchblicken lassen, dass sie mit Jones gerne weitermachen würden. Bei vielen Experten und Fans stößt die Vertragsverlängerung nicht nur Freudenschreie aus. Ein paar Gedanken zu dieser Vertragsverlängerung…

Bisherige Karriere

Aaron Jones wurde im Jahr 2017 von den Packers in Runde 5 des Drafts gepickt. Nur die wenigsten Optimisten glaubten wohl an diese Karriere. Mittlerweile gehört Jones zu den besten Runningbacks der NFL und steht seinen Positions-Kollegen (u.a. Delvin Cook und Christian McCaffrey), die im gleichen Jahr in Runde 1 gepickt wurden, in nichts nach. 3364 Rushing Yards und 37 Rushing Touchdowns konnte Jones in seiner NFL Karriere schon erzielen. Dazu ist er auch im Passing Game ein wichtiger Bestandteil der Offense (1057 Receiving Yards und sechs Touchdowns).

Trotz extrem angespannter Cap Situation haben die Packers ihrem besten Runningback der vergangenen Jahre einen langfristigen Vertrag gegeben. Jones wird in den kommenden 4 Jahren 48 Mio Dollar verdienen können und kassiert einen Signing Bonus von 13 Mio Dollar. Durchschnittlich sind das also 12 Mio Dollar pro Jahr. Damit verdient Jones immer noch deutlich weniger als die Top Runningbacks in dieser Kategorie. Zudem scheint der Vertrag wohl leistungsgebunden zu sein und das durchschnittliche Gehalt könnte sich demnach auch nur auf 10 Mio Dollar ergeben.

Wäre der Franchise Tag dann nicht günstiger gewesen?

Der Franchise Tag für Aaron Jones hätte die Packers wohl knapp 8 Mio Dollar an Cap gekostet. Jones kostet jetzt im Schnitt 12 Mio Dollar pro Jahr. Das klingt zunächst, als wäre der Tag tatsächlich günstiger gewesen. Aber der langfristige Vertrag gibt den Packers die Möglichkeit den Cap Hit über die Vertragsjahre ungleichmäßig zu verteilen. Angesichts der angespannten Cap Situation für 2021 wird der Cap Hit für Jones damit für das Jahr 2021 wohl eher in Richtung 5 Mio Dollar gehen (Details des Vertrages bisher noch nicht bekannt).

Runnigback Situation 2021

Die Packers haben mit Aaron Jones und Aj Dillon nun ein Runninback Duo, welches sich perfekt ergänzt. Jones als Matchup Waffe im Passspiel und als flexibler Runninback für fast jede Spielsituation. Dillon dagegen der Power Back mit den Monster Oberschenkeln und der Möglichkeit, auch gegen volle Boxen zu laufen oder auch mal mehrere Tackles zu brechen. Ergänzen könnte man das Duo beispielsweise nun um einen späten Tag 3 Pick im Draft und man geht insgesamt mit einer guten Runninback Gruppe in die Saison.

Draft 2020

Im Nachhinein wirft der Draft 2020 nun weitere Fragen auf: Warum investiert man einen Zweitrunden-Pick in einen Runningback und gibt ein Jahr darauf noch einen dicken Vertrag für einen Runningback aus? Der Draft 2020 hatte auf die 2020er Saison keinen signifikanten Einfluss und möglicherweise werden die Nachwirkungen dieses Drafts erst später zu spüren sein. Die Packers werden aber ohnehin auf kurz oder lang einen mehr oder weniger größeren Umbruch mit dem Abgang von Rodgers einleiten müssen. Eine Rechtfertigung für den Draft 2020 ist das wohl aber eher nicht.

Positional Value

Ja, die Packers haben Jones gegenüber ihrem 2020er Center priorisiert. Mit der Vertragsverlängerung von Jones sinken gleichzeitig die Chancen für Linsley immer weiter – falls diese nicht eh schon gegen Null tendierten. Die Packers hatten in 2020 eine der besten OLines der NFL und verlieren den nach PFF Grades besten Center der letzten Saison. Stattdessen verlängern sie mit einem Runningback. Das kann und muss man kritisch hinterfragen!

Ein Erklärungsversuch: In der vergangenen Offseason hat man bereits viele Picks in die OLine investiert und auch im Jahr davor mit Elgton Jenkins die OLine adressiert. Die Picks im vergangenen Jahr waren allesamt in Runde 6. Dafür wählte man aber gleich drei Spieler aus. In der laufenden Saison hat dann Jenkins gezeigt, dass er auf Center übernehmen kann. Mit Lucas Patrick und Jake Hanson gibt es zudem weitere Optionen für diese Position. Außerdem trennen sich die Packers eher zu früh als zu spät von ihren OLinern. Das hat die Vergangenheit bereits gezeigt.

Die Packers haben Bakhtiari bezahlt, Turner ist nicht billig und perspektivisch wird Jenkins wohl bezahlt werden. Jenkins übernimmt die Rolle von Linsley auf Center und die Guard Positionen sind in einer OLine weniger wichtig als Tackle und Center. Jenkins auf Guard zu halten und Linsley mit einem teuren Vertrag auszustatten, wären aus Sicht der Packers wohl verschwendete Ressourcen gewesen.

Jones over Linsley?

Mit Bakhtiari, Jenkins, Patrick und Turner steht das Grundgerüst der OLine. Lediglich der Left Guard Spot scheint zum aktuellen Zeitpunkt vakant. Mit Runyan, Stepaniak oder Lane Taylor, den die Packers vermutlich sehr günstig verlängern könnten, gibt es hier aber Alternativen und die Packers können sich die beste aussuchen. Draft Picks oder Free Agents sind natürlich ebenfalls denkbar.

Wie sah es dagegen auf Runningback aus? Bis Sonntagabend gab es hier AJ Dillon und dahinter lange nichts. Dexter Williams hat mehrfach bewiesen, dass er den Sprung zum NFL-Runningback wohl eher nicht schaffen wird. Hier gab es also einen großen Need. Größer wird der Need aus Packers Sicht, wenn man bedenkt, welche Bedeutung das Run Game für die La Fleur Offense hat.

Die Packers wären gezwungen gewesen, ein Free Agent-Signing oder einen Draft Pick zu investieren. Das Ganze mit dem Risiko, den Wunschspieler nicht zu bekommen (Draft) oder im Wettbieten mit den anderen Team den Wunschspieler nicht nach Green Bay locken zu können (Free Agent). Man hat den Need nun mit der Vertragsverlängerung deutlich reduziert oder sogar komplett beseitigt.

Meine persönliche Meinung

Das ist ein Versuch von mir, die Denkweise des Front Offices nachzuvollziehen. Ich persönliche hätte Jones diesen Vertrag nicht gegeben. Genauso wenig hätte ich aber auch Linsley nicht verlängert. Für mich wären andere Positionen wichtiger gewesen. Gerne hätte ich Geld in einen Wide Receiver gesteckt, um Rodgers eine weitere zuverlässige Anspielstation zu liefern und um Adams zu entlasten. Um einen neunen Runningback hätte ich mich an Tag zwei des Drafts gekümmert.

Trotzdem freue ich mich, dass Aaron Jones bei den Packers bleibt, auch wenn ich ihm als GM diesen Vertrag nicht gegeben hätte. Man muss erwähnen, dass Jones woanders wohl auch deutlich mehr Geld hätte bekommen können. Er wollte anscheinend selbst sehr gerne ein Packer bleiben. Auf Runingback sind die Packers nun sehr gut aufgestellt und man kann sich nun auf die anderen Needs im Draft konzentrieren.