Am Freitag wurde JJ Watt von den Houston Texans entlassen und ist damit wohl eine der heißesten Personalien der diesjährigen Offseason. Denn der dreifache Defensive Player of the Year dürfte bei einigen Teams auf dem Wunschzettel stehen. Mit in der Verlosung sind auch die Packers. Kein Wunder, bei Watts Historie, Wünschen und Herkunft. Doch ist eine Verpflichtung des Defensive End überhaupt realistisch?

Der Ist-Zustand

Justin James Watt wurde von den Houston Texans entlassen – quasi ein Entgegenkommen der Franchise für die langen Verdienste von Watt bei einer weitestgehend erfolglosen Franchise. 136 Spiele, 559 Tackles, 181 Tackle for Loss, 107 Sacks, 25 Forced Fumbles – die 10 Jahre in Texas lesen sich von der Stats-Seite sehr eindrucksvoll. Hinzu kommen die persönlichen Auszeichnungen (3x DPOY, 1x Walter Payton, 5x All-Pro und und und), die Watt zu einem der besten Defensivspieler der letzten Dekade machen. Dass er sich dann, obwohl zu Anfang ungeliebt, um die Community in Houston verdient gemacht hat, kommt noch hinzu. Das Entgegenkommen der Texans ist daher sicherlich als Auszeichnung zu verstehen, zumal sie ja gleichzeitig 17,5 Millionen an Cap einsparen. Nun hat der 31-Jährige die Qual der Wahl und diese Wahl wird sicherlich gut überlegt sein. Zusammenspiel mit den Brüdern in Pittsburgh, Rückkehr in die Heimat Wisconsin, ein Deal mit einem Super-Bowl-Runner oder nochmal ein fetter Vertrag – alles scheint möglich.

Was spricht für die Packers?

Mit in der Verlosung sind sicherlich die Packers und die sozialen Medien spielen seit Freitag verrückt. Und dass JJ Watt nun mal aus Pewaukee, einem Vorort von Milwaukee, kommt, macht dies natürlich noch attraktiver. Dazu hat er am College für die Badgers gespielt und aus seiner Sympathie für die Packers auch nicht immer einen Hehl gemacht. Ferner sind die Packers (aktuelle Cap-Probleme hin oder her) irgendwie im Championship Fenster. Das macht Green Bay natürlich zusätzlich attraktiv. Und sollten die Packers die prognostizierten Cuts von Dean Lowry und Preston Smith vornehmen, wäre mehr als ein Spot in der D-Line/als Edge Rusher vakant. Da würde Watt natürlich wie die Faust auf das Auge passen. Ebenso wäre er sicherlich ein sehr guter Mentor für Rashan Gary. Der hat zwar eine kleine Leistungsexplosion erlebt, ist aber noch immer ein etwas ungeschliffener Edelstein. Da würde Watt mit seiner Erfahrung und als Leader sicherlich noch etwas tun können. Es gibt also einige Punkte, die für die Packer sprechen würden.

Was spricht gegen die Packers?

Es gibt aber auch Punkte, die sicherlich gegen die Packers sprechen. Allen voran ist da natürlich der Capspace zu nennen. Johannes hatte es schon geschrieben: Brian Gutekunst hat viel Arbeit vor sich und wird sich auch ohne Watt strecken müssen. Im Umkehrschluss: sollte JJ zurück nach Hause kommen wollen, wird er einen extrem teamfreundlichen Vertrag in Kauf nehmen müssen. Weiterhin: der JJ Watt 2020 ist nicht mehr der JJ Watt von 2015. Dass er nochmal in Richtung DPOY ist eher unwahrscheinlich. Das liegt sicherlich an seiner Verletzungshistorie der letzten Jahre (30 verpasste RS-Spiele in den letzten fünf Jahren), aber auch an seiner zurückgegangenen Produktion. Damit ist Watt nicht mehr absolute Elite und auch aufgrund des Alters (zum Saisonstart ist Watt 32 Jahre alt) ein wenig risikoreich. Ergänzend muss man anfügen; die Probleme in der Run-Defense wird Watt nicht beheben können. Das hat die letzte Saison durchaus gezeigt. Daher könnten die Packers von einer Verpflichtung absehen. Ferner: Watt wird sich in der halben Liga umschauen können und andere Teams könnten da per se attraktiver für ihn sein. Colts oder Bucs, mit Abstrichen auch die Bills, könnten ihm ein gutes Team und etwas mehr Geld bieten. Oder er will tatsächlich mit seinen Brüdern zusammenspielen, dann wäre die Steelers der Favorit.

Der Blick in die Glaskugel

Jetzt ist die große Frage: was macht Justin James Watt? Wenn ich das zu 100 Prozent sagen könnte, würde ich wohl mein Geld als Spielerberater oder Ian Rapoport 2.0 verdienen. Dem ist aber nicht so. Was man aber wohl ausschließen kann: Watt wird sich wohl nicht einem Team im Umbau oder Tabellenkeller anschließen. Hätte er Kohle haben wollen, hätte er einfach seinen Vertrag in Houston „aussitzen“ können. Daher wird es ihm darum wohl kaum gehen.
Bleiben also noch Steelers, Packers und die Teams im Championship-Modus. Wenn es ihm darum geht, mit seinen Brüdern zusammenzuspielen, dann wird JJ Watt die Kohle egal sein und er geht zu den Steelers (sofern diese den Minimum Capspace freimachen können). Nachteil: Pittsburgh ist jetzt nicht unbedingt im Titelfenster. Für die Packers würden die Nähe zur Heimat und die Chance auf einen guten Playoff-Run sprechen. Allerdings wäre der Vertrag ähnlich wie in Pittsburgh Richtung Minimum anzusiedeln. Da hätten also Teams wie die bereits erwähnten Colts oder die Bucs größere Chancen, weil sie ein gutes Team zusammenstellen könnten und gleichzeitig einen vergleichsweise guten Vertrag zahlen könnten. Allerdings fehlt da so ein wenig die „gefühlstechnische Komponente“.
Zusammengefasst: drei mögliche Wege könnte es für Watt geben, welchen er beschreitet werden wir wohl erst im Laufe der kommenden Wochen sehen. Ich persönlich finde ja Watt in Green and Gold sehr nice.