Das neue Liga Jahr steht bevor und das Frontoffice der Packers hat bis dorthin noch einiges an Arbeit zu erledigen. Das Problem der Packers: Aktuell liegt man knapp 21 Mio Dollar über dem prognostiziertem Salary Cap. Die Packers müssen Geld einsparen und dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche wir euch mit dem heutigen Artikel näher bringen möchten.

Spieler entlassen

Das ist die einfachste und schnellste Möglichkeit Cap Space einzusparen. Der entsprechende Spieler wird entlassen. Damit spart man das Basisgehalt, welches in den noch vorhandenen Vertragsjahren gezählt worden wäre. Sitzen bleibt man allerdings auf den garantierten Summen des Vertrages, die ebenfalls Teil der Verträge sind. Die garantierten Summen eines Vertrages verbleiben als sog. „Dead Cap“ und belasten ebenfalls den Cap. Die Packers können und werden von der Möglichkeit Spieler zu entlassen mit Sicherheit Gebrauch machen. Wen könnte es treffen?

Rick Wagner

Erst in der vergangenen Offseason verpflichtet, könnte Wagner ein Cut-Kandidat sein. Sein Cap Hit in 2021 würde 6 Mio betragen. Bei einem Cut verblieben 1,75 Mio an Dead Cap. Ersparnis bei einem Cut wären demnach 4,25 Mio Dollar. Wagner war zum Ende der abgelaufenen Saison der Starting Right Tackle der Packers. Hier hat er einen soliden Job gemacht. Mit dem Kreuzbandriss von David Bakthiari könnten die Packers zumindest zu Beginn der Saison auf Tackle dünn aufgestellt sein.

Christian Kirksey

Auch Kirksey kam erst in der vergangenen Offseason zu den Packers. Er war zunächst der Starting Linebacker und trug den Kommunikationshelm der Defense. Kirksey verletzte sich in Woche 3 und kehrte erst in Woche 11 zurück. Kyrs Barnes ersetzte ihn und nach der Verletzung von Raven Greene nahm Kirksey vermehrt dessen Hybrid-Rolle in der Defense ein und hatte deutlich weniger Snaps als zu Beginn der Saison.

Gerade mit Blick auf seine Rolle ist sein Cap Hit im kommenden Jahr kritisch zu sehen. Kirksey würde nächste Saison die Packers 7,6 Mio kosten. Bei einem möglichen Cut würden lediglich 2 Mio Dead Cap verbleiben. Mögliche Einsparungen wären bei Kirksey also 5,6 Mio.

Billy Turner

Tuner kam in der 2019er Offseason zu den Packers und unterschrieb einen 4-Jahres Vertrag. Zu Beginn der abgelaufenen Saison hatte er lediglich die Rolle als Backup. Sein großes Plus ist es, dass er extrem flexibel einsetzbar ist. Er spielte in der abgelaufenen Saison sowohl auf Right Guard, Right Tackle und ersetzte letztendlich David Bakhtiaria auf Left Tackle. Seine Flexibilität macht ihn für die Packers wichtig. Auch seine Leistungen waren in Ordnung, wenn gleich er auf Left Tackle letztendlich vielleicht der größte Schwachpunkt der OLine war.

Da sein Vertrag noch zwei Jahre läuft ist sein Dead Cap bei einem möglichen Cut mit 4,5 Mio auch etwas höher als bei Kirksey und Wagner, deren Verträge beide im nächsten Jahr schon auslaufen. Tuner hätte einen Cap Hit von 8 Mio was demnach eine Einsparung von 3,5 Mio ergeben würde. Die Packers werden vermutlich jedoch nicht Turner und Wagner cutten.

Preston Smith

Der Name der in dieser Debatte wohl schon am häufigsten genannt wurde. Nach einer guten Saison 2019 hat er in der 2020er Saison deutlich abgebaut. Im Pass Rush war Preston Smith kein Faktor mehr und auch gegen den Run spielte er nicht sonderlich gut. Rashan Gary hat ihm im Laufe der Saison immer mehr den Rang abgelaufen. Gary lieferte in weniger Snaps mehr Sacks ab und war auch insgesamt der bessere Spieler in vielen weiteren Kategorieren über die Saison betrachtet.

Auch der Vertrag von Preston Smith läuft noch zwei Jahre. Er hätte einen Cap Hit von 16 Mio in 2021. Bei einem Cut würden jedoch auch 8 Mio an Dead Cap verbleiben, was trotz des enormen Cap Hits also nur 8 Mio an Einsparungen liefern würde.

Dean Lowry

Bekam in der Offseason 2019 eine Vertragsverlängerung, die für viele zu diesem Zeitpunkt überraschend war. Lowry konnte das ihm entgegengebrachte Vertrauen jedoch nie wirklich zurückzahlen. Mit seinen Leistungen blieb er hinter dem zurück, was sich die Packers sicherlich damals erhofft hatten. Lowry hätte einen Cap Hit von 6,3 Mio und es würden 3 Mio Dead Cap bei einem Cut verbleiben. In der DLine haben die Packers ohnehin bereits viele auslaufende Verträge. Das könnte Lowry entgegen kommen und er könnte trotz des Einsparpotenzials eine weitere Chance bekommen.

Verträge umstrukturieren

Wer mitgerechnet hat wird feststellen, dass selbst mit den genannten Entlassungen nur knapp 25 Mio an Cap Space generieren könnten. Entlassung alleine reichen also nicht. Eine weitere Möglichkeit Geld zu sparen sind bestehende Verträge umzustrukturieren. Warum lässt sich damit Geld sparen? Beim Umstrukturieren geht es grundsätzlich darum, den kurzfristigen Cap Hit nach unten zu drücken. Da sich die Gesamtsumme des Vertrags aber nicht ändert, wird ein Großteil des Cap Hits in die fernere Zukunft geschoben. Grundsätzlich ist das also ein Instrument, was insbesondere bei noch länger laufenden Verträgen zum Einsatz kommt.

Hintergrund ist, dass der Cap Space von Jahr zu Jahr ansteigt. Die NFL generiert durch neue TV Deals oder einem zusätzlichen Regular Season Spiel höhere Einnahmen, die dann den Teams zur Verfügung stehen. Mit Umstrukturierungen spekuliert man genau darauf. Allerdings kann niemand mit Gewissheit sagen, wie hoch der Cap Space in den nächsten Jahren tatsächlich wird. Welche Verträge eignen sich aus Packers Sicht also für solche Anpassungen?

David Bakhtiari

Dieser Artikel war quasi schon geschrieben, als die News zur Umstrukturierung des Vertrages von Bakhtiari veröffentlicht wurden. Der beste Left Tackle der vergangenen Saison hat sich mit seinen Leistungen über die letzten Jahre eine Vertragsverlängerung verdient. Während der laufenden Saison konnten sich die Packers mit Bakhtiari einigen und ihn bis einschließlich der Saison 2023 an die Packers binden.

Bakhtiari hätte mit diesem Vertrag einen Cap Hit von knapp 20 Mio im nächsten Jahr bedeutet. Die Packers haben nun einen Bonus von 11 Mio, der nächste Saison fällig gewesen wäre, auf die restlichen Vertragsjahre aufgeteilt. Damit sinkt sein Cap Hit für nächste Saison auf 11 Mio, steigert aber seinen Cap Hit für alle weiteren Vertragsjahre mit dem dicken Ende zum Schluss. Bakhtiari würde im Jahr 2023 die Packers über 30 Mio an Cap kosten. Das werden selbst mit steigendem Cap über 10% des dann zur Verfügung stehenden Cap Hits sein. Das zeigt, welche zukünftigen Restriktionen man sich mit einem kurzfristig geringerem Cap Hit erkauft.

Davante Adams

Für viele der beste Wide Receiver der vergangenen Saison. Adams hatte trotz seiner Verletzung zu Beginn der Saison einen maßgeblichen Anteil an der guten Saison der Packers. Adams steht nur noch in der kommenden Saison unter Vertrag. Zweifelsfrei werden die Packers alles daran setzen ihn zu halten. Statt Adams dieses Jahr unter seinem alten Vertrag spielen zu lassen und in anschließend zu verlängern, könnten die Packers eine Vertragsverlängerung bereits in dieser Offseason anstreben.

Adams hat mit seinem laufenden Vertrag einen Cap Hit von 16,8 Mio. Ein neuer Vertrag könnte so ausgestaltet sein, dass der Cap Hit für die kommende Saison deutlich niedriger wäre. Insgesamt wird eine Vertragsverlängerung von Adams jedoch nicht günstig. Gerade nach dieser Saison hat sich Adams einen guten Vertrag verdient. Niedriger Cap Hit für 2021 bedeutet demnach dann auch einen entsprechend höheren Cap Hit über die Folgejahre.

Za´Darius Smith

Auch Za´Darius Smith kam in der 2019er Offseason und ist seitdem der beste Pass Rusher der Packers. Nach Rodgers hat er für die kommende Saison (aktuell) den größten Cap Hit mit 21,5 Mio. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre. Auch wenn sich der Gedanke eines Cuts aufgrund seiner Leistungen eigentlich verbietet, könnten die Packers bei einem Cut knapp 10 Mio an Cap einsparen.

Aufgrund seiner Leistungen erscheint aber eine Umstrukturierung seines Vertrag und vielleicht sogar eine Vertragsverlängerung ähnlich wie bei Adams deutlich realistischer. 21,5 Mio Cap Hit sind angesichts der Cap Situation für die Packers ein Ansatzpunkt. Allerdings bietet sich bei nur noch zwei Jahren Vertragslaufzeit auch eine Umstrukturierung nicht wirklich an. Vorstellbar wäre eine Vertragsverlängerung von 2 Jahren, um somit den Cap über die nächsten 3-4 Jahre strecken zu können.

Aaron Rodgers

Die Packers draften den vermeintlichen Nachfolger von Rodgers und Rodgers selbst antwortet mit einer MVP-Saison. Nach einer schwächeren Saison 2019 hat er gezeigt, dass er immer noch zu den besten Quarterbacks der NFL gehört. Wie lange kann er dieses Niveau noch aufrechterhalten? Das ist für die Packers die entscheidende Frage. Diskussionen wann Jordan Love übernimmt verbieten sich solange Rodgers auf diesem Niveau spielt.

Planen die Packers noch längerfristig (mehr als zwei Jahre) mit Rodgers, würde sich eine Umstrukturierung seines Vertrages anbieten. Rodgers hat einen Cap Hit von 37,5 Mio für die 2021er Saison. Dieses Jahr kommen die Packers ohnehin kaum aus dem Vertrag raus. Nächstes Jahr würde das allerdings anders aussehen und eine Entlassung von Rodgers könnte dann 22 Mio an Cap sparen.

Strukturiert man den Vertrag um und reduziert den Cap Hit für die kommenden Saison, sorgt man zeitgleich dafür, dass man aus dem Vertrag in den kommenden Jahren quasi nicht rauskommt. Plant man, dass Love ab 2022 oder 2023 das Zepter von Rodgers übernimmt, lässt man den Vertrag von Rodgers besser unangetastet.

Zusammenfassung

Die Packers müssen Geld sparen und an den hier gezeigten Beispielen ist ersichtlich, dass das alles andere als leicht wird. Wie in der Einleitung erwähnt, fehlen noch knapp 21 Mio. nach der Umstrukturierung von Bakhtiari´s Vertrag. Faktisch müssen die Packers aber deutlich mehr einsparen. Auch die kommenden Draftpicks müssen Verträge unterschreiben. Auch diese kosten Geld  und zählen gegen den Cap. Weiterhin braucht man auch für die Saison einen gewissen Puffer, um auf Verletzungen in der Saison reagieren zu können und Verpflichtungen während der Saison tätigen zu können.  Außerdem möchte man vielleicht noch den ein oder anderen auslaufenden Vertrag von Offense– und Defense Spieler verlängern.

Spieler zu entlassen ist relativ einfach und die jeweiligen Einsparungen lassen sich leicht ermitteln. Die Packers müssen sich in dieser Offseason zwei generelle Fragen stellen.

1. Glaubt man, dass man in der nächsten Saison nochmal die Chance hat um einen Super Bowl mitzuspielen?

2. Wenn ja, ist man bereit sich in der mittelfristigen Zukunft in einen krassen Umbruch zu begeben?

Wenn sich das Frontoffice diese beiden Fragen mit „Ja“ beantwortet, dann werden die Packers einige Verträge umstrukturieren. Im Fokus dürfte dann der Vertrag von Rodgers stehen. In der nächsten Offseason bringt man sich damit aber zwangläufig in ähnliche Situationen wie die Saints oder die Eagles in diesem Jahr. Dann wäre auch klar, dass viele Leistungsträger die Packers langfristig verlassen müssten. Sollen die Packers All-In gehen oder ihren üblichen Ansatz “weit oben mitspielen, schauen was geht, aber das jedes Jahr” fortführen?