Es war ein enges Spiel, aber ein ganz anderer Spielverlauf als sich alle gedacht und viele gehofft haben. Und am Ende muss man einsehen, dass es einfach nicht reichte. Die Packers verloren das NFC Championship Game gegen die Tampa Bay Buccaneers mit 26:31 (10:21). Das große Comeback blieb aus, der Traum von der 14. Meisterschaft ist damit ausgeträumt.

1st Quarter

Das Spiel begannen die Bucs, wie man es erwarten durfte. Mit einer Mischung aus Laufspiel und langen Pässen auf die Receiver. Und dies führte zum schnellen Erfolg. Weil sich Kevin King verschätzte, packte Mike Evans zu und brachte das Brady-Team in Führung. Die Antwort der Packers blieb zunächst aus, Aaron Rodgers konnte nur einen guten Pass auf Marcedes Lewis anbringen. Allerdings passte die Defense auf. Ein Sack von Kenny Clark gegen Tom Brady und ein Tackle for Loss von King waren die Keyplays im zweiten defensiven Drive der Packers. Und die Packers antworteten in Drive Nummer zwei. Trotz eines Sacks von Jason Pierre-Paul und viel Druck des Pass Rushes befreite sich Aaron Rodgers sehenswert mit zwei Granatenpässen auf Lazard und Adams.

2nd Quarter

In Höhe der Mittellinie begannen die Packers das zweite Viertel und Rodgers packte ein langes Brot aus. Er fand auf der rechten Seite Marques Valdes-Scantling und dieser lief zum Ausgleich in die Endzone. Doch vorbei war es mit der Herrlichkeit. Erst versuchte Darnell Savage etwas spektakuläres, was Evans zu einem Catch von 52 Yards nutzte. Dann verpasste gefühlte die gesamte Verteidigung das Tackle gegen Leonard Fournette, welcher die Bucs wieder in Führung brachte. Die Packers-Antwort war „nur“ ein Field Goal, da Rodgers den freistehenden Lazard übersah. Mason Crosby traf aber sicher und verkürzte. Da man den Drive danach stoppte, hätte Green and Gold sogar mit einer Führung zum Pausentee gehen dürfen. Doch erst war Rodgers eine Interception genau in die Arme von Murphy-Bunting, dann verpasste Will Redmond gleiches auf der Gegenseite. Das Resultat: Sekunden vor der Pause fand Brady Scott Miller, der freistehend erhöhte. Mit 21:10 zur Pause sah es nicht gut aus.

3rd Quarter

Doch es sollte noch schlimmer kommen: im Eröffnungs-Drive fumblete Aaron Jones das Ei. Devin White trug es in die Redzone der Packers zurück. Der Rest war Formsache. Brady fand den völlig freien Cameron Brate zum 28:10. Der Drops war damit gelutscht. Oder doch nicht? Die Packers antworteten mit Wut im Bauch. Mit einem schnellen Drive überquerten die Packers das Feld und Rodgers fand „Big Bob“ in der Endzone. Robert Tonyan griff zu und verkürzte. Die Hoffnung war wieder da. Und sie fand weitere Nahrung. Brady versuchte einen langen Pass auf Evans. Doch in Doppel-Coverage griff Adrian Amos zu und holte den Ballbesitz schnell wieder zurück. Und wieder legten die Packers einen tollen Drive hin. AJ Dillon mit einem tollen Lauf, super Pässe auf MVS und Jamaal Williams brachten die Packers in die Red Zone. Diesmal machten sie es besser und Davante Adams fing das Ei. Die Two-Point-Conversion ging allerdings schief, da EQ St. Brown einen Flutschfinger-Anfall hatte.

4th Quarter

Zum Start ins letzte Viertel sah es also wieder großartig aus. Und jetzt kamen die Auftritte von Jaire Alexander. Hatte der beste Cornerback der Liga in dieser Saison selten Big Plays initiieren können, so griff er im Schlussabschnitt gleich zweimal zu. Erst fing er einen Pass auf Evans ab, welcher etwas zu hoch angesetzt war. Dann sprang er erneut in ein langes Brot auf eben jenen Mike Evans, wobei der Pass dank eines hervorragenden Blitzes von Savage ungenau wurde. Allein: es nutzte nichts, weil die Offense nicht lieferte. So durfte Ryan Succop knapp fünf Minuten vor dem Ende auf 31:23 erhöhen. Den Folgedrive brachten die Packers aber erneut nicht in die Endzone. Konservatives Playcalling bei 4th and Goal führte zum zweiten Field Goal des Abends von Crosby. Drei Penalties im Schlussdrive brachen den Packers das Genick und die Bucs ziehen in den Super Bowl ein.

Fazit

Ich habe lange überlegt, warum die Packers gegen erneut sehr biedere Bucs nicht gewinnen konnten. Und je mehr man drüber nachdenkt, desto mehr Faktoren findet man für die Niederlage. Da wäre eine schwache Schiedsrichterleistung zu nennen (mehr dazu unten), doch selbst wenn man diese ausklammert, hat man alle Chancen, diese Partie zu gewinnen. Um es kurz zu machen: unfassbar schwache Man-Coverage in der ersten Halbzeit, viele Drops bei Big Plays (EQ, Redmond), ein ganz schwaches Laufspiel und im Playcalling Angst vor der eigenen Courage. Dazu eine O-Line mit zwei dicken Problemzonen. Auch die Pass-Auswahl von Rodgers war nicht astrein. In der Summe sind das so viele Faktoren, dass du eigentlich vom Hof geschossen werden musst. Dass die Packers trotzdem fast bis zum Ende im Spiel waren zeigt, wie bieder und schwach die Bucs waren. Die ausführliche Analyse folgt wie immer in unserem Podcast und in „Green18“ vom Kollegen Johannes.

Spieler des Spiels

Bester Spieler auf dem Platz war sicherlich Jaire Alexander. Und nein, auch dieser spielte nicht fehlerfrei. Allerdings: die Big Plays der Bucs liefen dann doch zumeist über King und Savage. Mit zwei Interceptions hat er die Packers gemeinsam mit Adrian Amos (mit einer zusätzlichen INT) fast im Alleingang im Spiel gehalten. Er hat nachdrücklich gezeigt, warum er (Ramsey als All-Pro hin oder her) der aktuelle beste Cornerback der Liga ist. Und konnte dies endlich auch mal in sichtbare Stats ummünzen – aber wahrscheinlich dürfte er die zwei INTs gegen einen Sieg tauschen.

Ebenfalls gut: etwas überraschend die Special Teams, MVS mit einem fehlerfreien Spiel im Receiving (4/6, 115 Yards, 1 TD) und Kenny Clark (8 Tackles, 1 QB-Hit, 1 TFL, 1 Sack).

Schiedsrichter-Schelte

Als ich heute Nacht das Handy beiseite legte, fing der Shitstorm auf die Referees schon an. Und im ersten Moment konnte ich mich nicht so wirklich identifizieren. Klar, die Linie war großzügig, aber für mich nicht zwingend spielentscheidend – sieht man von der nichtgegebenen DPI gegen Lazard und der gegebenen für die Bucs mal ab. Doch dank des Kollegen Tobias (folgt ihm auch gerne auf Twitter) muss ich mein Urteil revidieren. Das war schon echt unschön, was da laufen gelassen wurde. Erneut gegen die Packers (das scheint in entscheidenden Spielen ein Fluch zu sein) und mal wieder für Brady (ein Schelm der Böses dabei denkt). Das Spiel wäre sicherlich anders gelaufen, wenn nur drei oder vier der elf handgezählten Fehlentscheidungen korrekt gepfiffen worden.
Dennoch und das hier ganz fett: vorrangig muss sich Green and Gold an die eigene Nase fassen.

Alle Bilder der Galerie sind Screenshots aus dem Gamepass.