Es ist schon drei Tage her, da ist der Architekt des letzten Super Bowl-Triumphes der Packers von uns gegangen. Ted Thompson starb am 20. Januar und damit ein Mann, der die Packers über ein Viertel Jahrhundert prägte. Aber auch jemand, welcher der Liga über 45 Jahre verbunden war. Ein Rückblick auf das Leben, des Sportlers, Scouts und Funktionärs.

Als Undrafted Free Agent in die Liga

Die Karriere von Ted Thompson begann in seiner Heimat Texas. Für den SMU Mustangs startete er drei Jahre als Linebacker und war ein Jahr Kapitän des Teams. Doch für den Draft reichte es nicht. Den Sprung in die NFL schaffte der 22-Jährige Thompson dennoch. Die Houston Oilers holten ihn als Back-Up für den Top-Pick Robert Brazile und Gregg Binham. Und zur Überraschung vieler hielt sich Thompson für zehn Jahre in der Liga. Zwar war er nie die große Nummer, kommt aber auf 146 Spiele – alle für die Oilers. Ein einziges Spiel verpasste er in dieser Zeit. Sein persönliches Highlight aus dieser Zeit: in der 1980er Saison verwandelte vier Extrapunkte als „Aushilfskicker“ im Spiel gegen die Giants.

Die erste Zeit in Green Bay

1992 kehrte Ted Thompson in die Liga zurück. Der legendäre GM Ron Wolf holte ihn als Scout ins Team und über die Jahre erarbeitete er sich das Vertrauen von Trainer Mike Holmgren. Gemeinsam mit Wolf bauten sie ein Team auf, dass 1995 in den Super Bowl einzog und diesen 1996 gewann. „Den ersten, den Mike Holmgren mit nach Seattle nehmen wollte, war Thompson“, so der ehemalige Packers-Chairman Bob Harlan. Und so folgte Thompson dem abgewanderten Headcoach 2000 zu den Seahawks, um dort als „Vice President of Football Operations“ die Geschicke zu leiten.

Grundstein für Seattles Super Bowl-Run

Am Pazifik war Thompson für die Scoutingabteilung zuständig und praktisch der Chef, wenn es um den Draft ging. Unter seiner Ägide wurden Spieler wie der spätere MVP Shaun Alexander, der fünffache All-Pro Steven Hutchinson oder der langjährige Cornerback Marcus Trufant gedraftet – neben einigen anderen Startern. Dank dieser Arbeit gelang den Seahawks 2005 erstmals der Einzug in den Super Bowl, den sie aber unter gütiger Mithilfe der Schiedsrichter gegen die Steelers verloren. Diesen Triumphzug erlebte Ted Thompson nicht mehr mit, denn vor dieser Saison wechselte er zurück nach Green Bay.

Tabularasa nach Ankunft

Thompson kehrte zu einer Zeit zurück, als die Packers Dauergast in den Playoffs waren. Zwischen 1993 und 2004 hatte Green and Gold nur zweimal die KO-Runde verpasst. Allein: zwischen 2000 und 2004 reichte es unter Headcoach Mike Sherman nie für den großen Wurf. Sherman, der gleichzeitig GM war, hielt zu oft an altgedienten Akteuren fest. Und so war die Nichtverlängerung der Verträge von Marco Rivera, Mike Wahle und Darren Sharper ein großes Zeichen. Im Draft holte Thompson ohne Wissen des Headcoaches Aaron Rodgers. Später kam mit Nick Collins ein weiterer wichtiger Baustein dazu. Die Saison 2005 endete dann im Desaster und Sherman musste Ende 2005 gehen.

Architekt von Super Bowl XLV

Im Sommer 2005 installierte Thompson Mike McCarthy als Headcoach und gemeinsam bauten sie ein Team auf, dass 2010 endlich wieder die Lombardi nach Titletown holte. Der Weg war zwar holprig, doch am Ende von Erfolg gekrönt – der fast nahtlose Übergang von Favre zu Rodgers mit dem resultierenden Titel ist auch ein Vermächtnis von Thompsons Arbeit. 19 von 22 Startern im Super Bowl XLV wurden von Thompson geholt, 49 von 53 Spielern im Roster gehen auf seine Verpflichtungen zurück. Und das er auch auf dem Free Agent Markt zu schlagen beweist sicherlich die Verpflichtung von Charles Woodson.

Dominanz in der NFC North

Dass es am Ende bei diesem einen Super Bowl bleiben sollte, ist wohl ein Ärgernis der Geschichte. Denn eigentlich hatten die Packers in den 2010er Jahren immer ein Team, dass ganz vorne mitspielen konnte. Die acht Playoff-Teilnahmen in Folge (2009 bis 2016) sind der viertbeste Wert der NFL-Geschichte und die vier NFC-North-Trophäen am Stück (2011-2014) sind bis heute Rekord. Doch gegen Ende der Amtszeit verpassten die Packers gleich zweimal die Playoffs und so wurde Ted Thompson 2018 ein wenig „weggelobt“. Als Senior Advisor of Football Operations hatte er auf dem Papier zwar eine wichtige Rolle, doch das Tagesgeschäft ging auf seinen Nachfolger Brian Gutekunst über. Auf diesem Posten blieb Thompson, bis er vor wenigen Tagen kurz nach seinem 68. Geburtstag starb.

Kontrovers diskutiert

Was bleibt also vom Erbe Ted Thompsons? Nun, zunächst muss man festhalten, dass wohl kaum ein GM in den Jahren 2015-2018 soviel Gegenwind in der Öffentlichkeit bekam wie er. Ohne Frage sind manche Entscheidungen durchaus fragwürdig gewesen. Viele Spieler wurden nach ihren Rookieverträgen nicht verlängert (man denke an Micah Hyde), andere Spieler bekamen fragwürdige Deals (Beispielsweise Martellus Bennett). Und auch die Treue, an Mike McCarthy und vor allem an Dom Capers festzuhalten, wird ihm häufig negativ ausgelegt. Doch es lohnt sich ein genauer Blick…

Das Vermächtnis

Vor allem ein Blick auf den aktuellen Kader lohnt dabei. Neben Rodgers sind noch fünf weitere Spieler im Kader, die von Thompson gedraftet wurden. Namentlich: David Bakhtiari, Corey Linsley, Mason Crosby, Kenny Clark und Davante Adams. Und wenn man die Liste der Spieler durchgeht, die in seiner Amtszeit generell gedraftet wurden (Jennings, James Jones, Nelson, Cobb, Matthews u.a.), dann weiß man, was Thompson für ein Händchen hat. Und last but not least: das Erbe wird auch von Brian Gutekunst weitergeführt. Denn der aktuelle GM hat von Thompson gelernt. Nicht nur ein oder zwei Jahre lang, sondern mehr als zwölf. Ab und an sieht man das an den Moves, die Gutekunst macht.

Denken wir also daran, Thompson nicht nur auf seine letzten beiden Jahre zu reduzieren. Denn er hat die Packers mit in die Position gebracht, in dieser aktuell sind – auf dem Sprung in den Super Bowl! Wir gedenken Ted Thompson und sind mit den Gedanken bei seiner Familie. Und wir sind uns sicher: die Packers gewinnen für ihn den Super Bowl und er schaut aus der himmlischen Ehrenloge zu.