Zum Start in die Playoff-Woche gibt es heute ein Interview mit dem Rams Germany. Was macht die Rams Defense so stark? Wie steht es um die angeschlagenen Spieler der Rams? Wie bewerten die Rams Germany die Saison unserer Packers und vieles mehr könnt ihr im folgenden Interview erfahren.

Stellt euch uns kurz vor! Wer seid ihr, wie seid ihr organisiert und warum sind die Los Angeles Rams euer Team?

Hallo liebe Packers-Germany! Vielen Dank, dass wir an eurem Interview teilnehmen dürfen. 

Wir von Rams-Germany (Ramily) sind ein (noch) inoffizieller Fanclub der Los Angeles Rams. Die Idee hierzu ist Ende 2018 bei einem Fantreffen in Frankfurt entstanden, da es bis dato noch keine zentrale Anlaufstelle für Rams Fans in Deutschland gab. So haben wir Anfang 2019 begonnen, erste Ideen und Konzepte für einen LA-Rams Fanclub zu entwickeln. Im Laufe der Zeit konnten wir über 90  inoffizielle Mitglieder, sowie sechs freiwillige Organisatoren, die sich um alle administrativen Themen kümmern, verbuchen. Außerdem wurde der Podcast „Ramily Radio“ ins Leben gerufen. Aktuell arbeiten wir darauf hin, einen eingetragenen Verein zu gründen und warten hier schon gespannt auf Feedback vom Finanzamt. Im Zuge dessen wird auch bald unsere Homepage online gehen.

Da wir noch kein eingetragener Verein sind, kann man bei uns auch noch nicht offiziell Mitglied werden, dennoch freuen wir uns immer über neue Gesichter in unseren Reihen. Falls ihr Lust habt, ein Teil von uns zu werden dürft ihr gerne in unsere WhatsApp Gruppe und/oder unserem Discord Server beitreten. In letzterem findet man uns regelmäßig an Spieltagen im Voicechat, unserer Meinung nach eine gute Alternative in Corona Zeiten, da persönliche Treffen ja aktuell nicht möglich sind. Die Links zu der WhatsApp Gruppe, dem Discord Server, unserem Twitter-Account, sowie unserem Podcast findet ihr hier: https://linktr.ee/RamsGermany

Die Begeisterung für die Rams hat natürlich auch in unseren Reihen vielfältige Ursprünge. So wurden die älteren von uns damals von Kurt Warner und der “Greatest Show on Turf” für die Rams begeistert, während andere durch einen Stadionbesuch in St. Louis/LA zu den Rams gekommen sind. Natürlich gab es durch den Umzug nach LA und den Erfolgen in der jüngeren Zeit einen regen Zuzug in unseren Reihen. 

Vor fünf Jahren sind die Rams von St.Louis nach Los Angeles umgezogen. Wie bewertete man als Fanbase in Europa solche Entscheidungen?

Der Hype zum Umzug der Rams war natürlich groß: Nachdem die Franchise in Cleveland gegründet wurde, verbrachte man fast 50 Jahre in Los Angeles, bis die Stadt den Bau eines neuen Stadions verwehrt hat. Nach 20 Jahren St. Louis und einem Besitzerwechsel, folgte 2016 der erneute Umzug nach LA. Dies hatte natürlich mehrere Gründe, insbesondere den größeren Markt im Vergleich zu St. Louis. Viele Fans in Europa haben den Move begrüßt, da LA eine grandiose Stadt ist, und man außerdem den Bau eines neuen Stadions zugesichert bekommen hat. Dies hatte außerdem zur Folge, dass einige neue NFL Fans ins Deutschland, aufgrund der Hingabe zur Stadt LA, die Rams als ihr Lieblingsteam auserkoren haben. 

Seit knapp vier Jahren ist Sean McVay nun der Headcoach der Rams. Mit 30 Jahren war er zu diesem Zeitpunkt der jüngste Headcoach der NFL Geschichte. Damals eine mutige Entscheidung, aber wohl ein absoluter Glücksgriff. Wie bewertet ihr die ersten vier Jahre unter McVay und was macht ihn als Headcoach aus?

Nach den ersten vier Jahren McVay fällt das Fazit absolut positiv aus. Wie ihr schon gesagt habt, McVay ist ein Glücksgriff, welcher der Grundstein für einen absoluten Turnaround der Franchise war. Nach vielen Seuchen Jahren unter Fisher, hat McVay das Team komplett umgekrempelt und ihm eine neue Identität gegeben. McVays Stärken liegen natürlich, als ehemaliger OC, auf der offensiven Seite des Balles. Er beeindruckt immer wieder mit eindrucksvollen Play-Designs und ist ein grandioser Playcaller. Gerade offensiv war ja vor der McVay Ära mächtig Sand im Getriebe. Auf der defensiven Seite des Balles konnte er damals DC Wade Phillips für sich gewinnen. Gute Koordinatoren zu den Rams zu lotsen war zu Fisher Zeiten ein großes Problem, da viele vielversprechende Kandidaten nicht unter ihm coachen wollten. Mit Phillips hat man hier jedoch einen absoluten Experten gewinnen können, welcher ebenfalls einen großen Anteil am Turnaround der Rams hatte. 

Die Rams beendeten die Regular Season mit einem Record von 10-6 auf dem zweiten Platz in einer starken NFC West. Wie zufrieden wart ihr mit der Regular Season? Was waren eure Erwartungen zu Saisonbeginn?

Die Saison der Rams war im Vorfeld mit einigen Fragezeichen durchzogen. Aufgrund dem Abgang von diversen Leistungsträgern (Littleton, Fowler, Weddle…), sowie neuem OC und DC, haben viele Fans und Experten erwartet, dass man in einer starken NFC-West den letzten Platz belegen wird. Dass man nach 17 Spielen in der Divisional Round steht, kommt sehr überraschend, aber freut uns natürlich sehr. Die Regular Season verlief entsprechend positiv. Natürlich haben wir einige Spiele unnötig verloren (Miami, New York etc.), allerdings gab es auch mehrere sehr starke Auftritte, wie z.B. im Spiel gegen die Buccaneers. Die größte Überraschung war hier natürlich unsere Defense. Staley hat hier eine beeindruckende Unit geformt, welche jeder Offense Probleme machen kann. Bauchschmerzen bleiben jedoch bei unserem QB Jared Goff: Nach zwei starken Saisons in 2017 und 2018 hat er sich zurückentwickelt und sieht gerade unter Druck nicht sonderlich gut aus. 

In Woche 15 gab es eine peinliche Niederlage gegen die bis dato sieglosen Jets. Jetzt steht man nach einem überzeugenden Auftritt gegen die Seahawks in der Divisional Round. Größer könnten die Gegensätze quasi nicht sein. Wo geht die Reise noch hin?

Sehr gute Frage. Wie ihr schon gesagt habt, das Team hatte dieses Jahr zwei Gesichter und sah gerade in Spielen, in denen man der vermeintliche Favorit war, nicht gut aus. Unsere Defense kann man hier wenig vorwerfen. Auch bei Niederlagen hat die Truppe um Donald und co. einen grandiosen Job gemacht. Der limitierende Faktor dieses Jahr war in großen Strecken die Offense, insbesondere QB Jared Goff. Dieser führt die Liga seit 2019 in Turnovern an und hat sich leider in manchen Spielen ziemlich unglücklich präsentiert. Grundsätzlich kann man sagen: Wenn die offensiven Play-Designs funktionieren und man das Feld ohne Fehler hinunter marschieren kann, können wir es mit jedem Gegner aufnehmen. Funktioniert dies nicht, kann auch die #1 Defensive nicht immer alles richten. 

Mit Blick auf das Spiel am Samstag schaut man natürlich insbesondere auf die angeschlagenen Spieler. Goff, Wolford, Donald, Kupp und Edwards wären sicherlich alles herbe Verluste. Abgesehen von Goff sind alle anderen Day to Day Entscheidungen. Welcher Ausfall wäre am schmerzhaftesten und welchen könnte man am ehesten kompensieren?

Der schmerzhafteste Verlust wäre ganz klar Aaron Donald. Weil man ihn einfach nicht ersetzten kann und zu jeder Zeit im Spiel ein Gamechanger sein kann. Laut aktuellen Informationen hat er sich einen Rippenknorpel gerissen, kann aber am Samstag auflaufen. 

Cooper Kupp hat ja bereits das letzte Saisonspiel gegen die Cardinals aufgrund einer Covid Erkrankung gefehlt und wurde dort durch Rookie Van Jefferson ersetzt. Klar ist Cooper Kupp immer ein Faktor aber dieses Jahr hat seine Produktivität ein wenig nachgelassen. Dies könnte am Abgang von Brandon Cooks liegen, welcher normalerweise tiefe Routen lief und somit Räume für Kupp underneath geschaffen hat.

Die Quaterback Frage ist natürlich wieder die spannendste. Auch in unseren Reihen scheiden sich hier die Geister: Während das Wolford Lager seine Mobilität als größte Stärke sieht, berufen sich die Goff-Anhänger vor allem auf seine bereits vorhandene Playoff Erfahrung. Für beide Spielmacher gibt es daher Argumente. Hier wird McVay wieder bis kurz vor dem Kickoff warten um zu sagen wer starten wird. Falls Goff zu 100% fit ist, wird dieser vermutlich starten. 

Die Rams überzeugen insbesondere mit ihrer Defense. Kein Team hat weniger Punkte pro Spiel zugelassen als die Rams. Was macht die Defense der Rams so stark?

Großen Anteil daran hat natürlich der neue DC Brandon Staley, der erst seit Anfang dieser Saison bei den Rams im Coaching Staff ist. McVay hat ihn sich bewusst ausgewählt. McVay meinte am Anfang der Saison was für die Entscheidung von Staley ausschlaggebend war, “Für mich war es am schwersten gegen eine Defense von Vic Fangio zu spielen”. Staley war, bevor er zu den Rams kam, Linebacker Coach bei den Broncos. Headcoach ist da Vic Fangio. Dort hat Staley dann natürlich die Defense von Fangio aufsaugen können und so war der Schritt zum DC bei den Rams geebnet.

Schematisch setzt man hier überwiegend auf Zone Coverage, bis auf Jalen Ramsey, welcher meistens in der “Star Rolle” den #1 WR des Gegners in Man-Coverage deckt. Oft wird mit “Disguised Coverage” gearbeitet, sodass gegnerische Quarterbacks vor dem Snap Probleme haben, die Coverage zu identifizieren. Aber auch der Rest der Secondary macht einen hervorragenden Job. Routinier John Johnson ist einer der besten Safetys der Liga, CB #2 Darrious Williams lässt gerade mal ein 63,9er Passer Rating in seine Richtug zu und Troy Hill hat dieses Jahr bereits 3 Defensive TDs erzielt. 

Der Pass-Rush profitiert natürlich klar von Aaron Donald. Dieser zieht oft bis zu drei O-Liner auf sich, sodass andere Pass-Rusher einfachere Matchups haben. Außerdem sticht hier Leonard Floyd hervor, welcher dieses Jahr einen persönlichen Rekord an Sacks und Pressures aufgestellt hat und auch gegen den Lauf hervorragende Arbeit leistet. Insbesondere gegen mobile Quarterbacks ist dies ein Vorteil, da er es nicht zulässt, dass diese über die EDGE aus der Pocket scramblen. 

Warum kann diese Defense einer des besten Offenses der Regular Season stoppen?

Die Defense ist eine talentierte Unit, welche extrem wenig Fehler macht, sehr diszipliniert ist und natürlich auch schematisch immer eine Antwort auf gegnerische Play-Designs hat. Daher kann diese jede Offense vor enorme Probleme stellen. Da insbesondere die Secondary dieses Jahr glänzt ist es für gegnerische Offenses schwierig, Big Plays durch die Luft zu generieren, was ja dieses Jahr eine der größten Stärken der Packers ist. So müssen Offenses geduldig sein und lange Drives hinlegen um in die Endzone zu kommen.

Wie bewertet ihr die Saison der Green Bay Packers?

Vor der Saison sorgte ja zum einen der Pick von Jordan Love im Draft für viel Wirbel und zum anderen warum man keinen Receiver gedraftet hat. Das der Pick von Jordan Love sich noch als Glücksgriff und Motivationsschub für Aaron Rodgers herausstellen würde, wusste da natürlich noch keiner. Die Offense angeführt von Aaron Rodgers ist in dieser Saison natürlich sehr stark und die Connection Rodgers/Adams hat viele Touchdowns eingebracht. Die Stärke der Packers ist ganz klar die Offense. Mit einem Record von 13-3 steht man sehr positiv da und konnte den #1 Seed der NFC ergattern. Ihr gehört zurecht zu einem der Favoriten auf den Superbowl. 

Was erwartet ihr vom Spiel am Samstag. Wo können die Rams ansetzen und wo die Packers?

Natürlich geht ihr als klarer Favorit ins Rennen. Eure Offense ist momentan schwer zu stoppen und genau da müssen die Rams als erstes Ansetzen. Ramsey hat sein bislang wohl schwerstes Matchup diese Saison, denn sein Gegenspieler Adams hat sich dieses Jahr auch von Doppeldeckungen nicht beindrucken lassen. Um gegen die explosive Offense triumphieren zu können, muss dieser Adams weitestgehend aus dem Spiel nehmen, um Rodgers zu zwingen, auf seine 2nd und 3rd Reads auszuweichen. Währenddessen muss die D-Line konstant Pressure bringen, nur so hat man die Chance, den wohl aktuell besten QB der NFL zu stoppen. 

Offensiv können die Rams versuchen, den Ball zu laufen, um lange Drives hinzulegen und Rodgers auf der Bank zu halten. Hier hätte natürlich John Wolford seine Stärken, da dieser mobiler als Goff ist und auch über den Lauf Gefahr bringt.  Auch gegen Seattle konnte man den Ball gut laufen, hier wird man wieder ansetzen. Sofern die Packers dann die Box zu stellen ist unser QB gefragt, das Feld durch ein effektives Play-Action Passing Game zu spreaden. Natürlich darf man sich hier keine unnötigen Turnover leisten.

Die Packers hingegen können defensiv auf altbewährte Erfolgskonzepte zurückgreifen: Druck auf Jared Goff. Es ist kein Geheimnis, dass Goffs Leistungen under Pressure extrem abfallen, daher muss eure D-Line alles daran setzen, diesen permanent auszuüben. Wenn dann noch das Laufspiel weggenommen wird, habt ihr so gute Chancen, die Offense zu limitieren. 

Eure Offense hingegen hat wohl hier eindeutig das schwerere Matchup. Die #1 Defense wird alles daran setzen, Big Plays durch die Luft zu limitieren. Auch gegen den Lauf sieht die Rams Defense weitestgehend stark aus. Eine Möglichkeit hier wäre, die Linebacker im Passspiel zu attackieren. Diese sind nicht ganz so stark in Coverage und könnten ein möglicher Faktor sein. Ansonsten müssen die Packers WR ihre Matchups gewinnen, insbesondere Adams gegen Ramsey. Wenn Ramsey Probleme mit Adams bekommt, wird man ihm eventuell einen Safety zur Hilfe stellen, was der Defense Flexibilität nimmt und für offene Räume im Passspiel für andere WR sorgt.  

Am Samstag sind Minustemperaturen von bis zu 10°C gemeldet. Ein Heimvorteil für die Packers oder kein Problem für die Rams?

Klar ein Heimvorteil für die Packers, da sie diese Temperaturen gewöhnt sind. Vor Allem für Goff könnten die kalten Temperaturen ein Problem werden, wenn sein Daumen bis dahin nicht wirklich geheilt ist und die Schrauben die ihm eingesetzt wurden weiter in der Wurfhand sind. Wir alle wissen wie unangenehm Kälte an den Händen ist, und unter diesen Voraussetzungen noch einen Football zu werfen ist schon klar ein Nachteil. Bislang hat Goff 5 Spiele mit Minustemperaturen bestritten. In diesen hat er nur 34 seiner 72 Pässe angebracht und ganze fünf Interceptions, sowie keinen Touchdown geworfen. 

Was ist euer Tipp?

Obwohl wahrscheinlich die meisten Buchmacher von einem Packers Sieg ausgehen und ihr selbstverständlich als Favoriten in die Partie geht: Wir hoffen natürlich auf einen knappen Sieg der Rams. Prediction: 24:21

Das sehen wir natürlich ein bisschen anders ;-)! Wir danken euch für das tolle Interview und wünschen euch und uns ein spannendes Playoff-Spiel am kommenden Samstag!