Volker (Twitter @PackersDE) hat einen Gastbeitrag zur Zukunft von Aaron Rodgers geschrieben, den wir gerne auf unsere Homepage veröffentlichen. Vielen Dank an Volker für den Artikel. Schaut gerne mal bei Volker auf Twitter vorbei und lasst uns eure Meinung zu diesem Thema wissen.

Die Feierlichkeiten der Tampa Bay Buccaneers auf dem heiligen Rasen des Lambeau Field waren noch im vollen Gange, als wenige Meter entfernt Packers Quarterback Aaron Rodgers nach der bitteren 26:31 Niederlage im NFC Championchip Game das obligatorische Zoom-Meeting betrat und etwas sagte, was das Gesprächsthema in der NFL für die kommenden Monate sein wird.

“A lot of guys’ futures that are uncertain, myself included“ – Aaron Rodgers

Es sind Worte des designierten MVP der Saison 2020, die im Zeitalter von Twitter und täglichen TV- und Radio-Shows sofort für erhöhte Betriebsamkeit sorgten. Es ist ein gefundenes Fressen für eine Medienmaschinerie, die 12 Monate im Jahr Content produziert. Aber schauen wir uns das Thema doch einmal etwas genauer an.

Der Vertrag

Aaron Rodgers besitzt einen Vertrag mit einer Laufzeit bis einschließlich der Saison 2023, also noch 3 Spielzeiten. Nun ist es so, dass die Verträge in der NFL oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind und nur in ganz seltenen Fällen wirklich über die gesamte Länge laufen. Entscheidendes Kriterium ist häufig das Verhältnis zwischen Cap Hit und Dead Money. Cap Hit ist der Anteil, den der Vertrag von Rodgers am gesamten Cap der Packers ausmacht, Dead Cap ist der Anteil am gesamten Cap der Packers, wenn sie Rodgers entlassen oder traden. Werfen wir bei „Over the Cap“ einen Blick auf die Zahlen. 

Sollten die Packers Aaron Rodgers mit in die Spielzeit 2021 nehmen, beträgt der Cap Hit $37.072.200. Würde man Rodgers vor dem 1. Juni 2021 traden, wäre das Einsparpotenzial mit $5.516.600 sehr gering, $31.556.000 würden als Dead Money zu buchen stehen. Zudem zahlen die Packers Rodgers einen Roster Bonus von $6.800.000, welcher am 3. Tag des neuen Football-Jahres, also am 19.03.2021. Für die Packers macht es also schon alleine finanziell keinen Sinn, Aaron Rodgers bereits in der Offseason 2021 ziehen lassen.

Bei einem Trade nach dem 1. Juni 2021 sieht es etwas anders aus, denn dort könnten die Packers das Dead Money in Höhe von $31.556.000 auf die restliche Vertragslaufzeit aufteilen und sich somit einen finanziellen Spielraum verschaffen. Aber zum einen dürfen nur zwei Spieler überhaupt als „Post-June-1-Cut“ angegeben werden, zum anderen stellt sich auch hier die Frage, welchen Sinn es ergibt, $31.556.000 Dollar für einen Spieler in den Büchern stehen zu haben, der nicht mehr auf deinem Roster ist. Zudem steht auch hier die Frage im Raum, warum die Packers ihrem Quarterback erst $6.800.000 Roster Bonus zahlen sollten, nur um ihn dann doch zu traden.

Wird Aaron Rodgers einen Trade erzwingen?

Grundsätzlich kann man so etwas niemals ausschließen, dafür kennen wir Aaron Rodgers nicht gut genug. Aber es macht von außen betrachtet nicht den Eindruck, als sei Rodgers grundsätzlich super unglücklich in Wisconsin. Auch kokettiert er nicht, wie Brett Favre, mit dem Karriereende. Zudem bieten ihm die Packers vermutlich immer noch die beste Perspektive auf den zweiten Ring. Er kennt Trainer, Playbook und Team, selbst wenn bei letzterem einige Spieler in der Offseason die Packers verlassen werden. Bei jedem anderen Team müsste er das Playbook neu lernen, die Abläufe trainieren etc.pp. Hat bei Brady in Tampa geklappt, muss aber keine Blaupause sein.

Welchen Vorteil hätte in Trade für die Packers?

Keinen. Die Packers würden ihren Leader, den designierten dreifachen MVP verlieren und Jordan Love, der ja in dieser Saison bei keinem Spiel „active“ war, in eine Situation schicken, die zum Scheitern verurteilt ist. Darüber hinaus ist das Dead Money derart hoch, dass es vermutlich kein Team geben wird, welches auch nur annähernd den Preis zahlen will, den man an der 1265 Lombardi Avenue aufrufen dürfte.

Warum säht Rodgers dann Zweifel seiner Zukunft?

Aaron Rodgers ist dafür bekannt, seine Worte mit Bedacht zu wählen und sich stets über die Auswirkungen bewusst zu sein. Aber Rodgers zeigte sich nach der Niederlage gegen die Bucs ungewohnt niedergeschlagen, daher kann man durchaus der Ansicht sein, dass die Aussagen nicht ganz so überlegt waren und er von seinen Emotionen geleitet war.

Eine andere Sichtweise ist aber, dass Rodgers wird ziemlich genau weiß, wie seine Situation bei den Packers aussieht und das er in der kommenden Saison mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit den Helm mit dem G tragen wird. Und er will erneut ein Team um sich haben, mit dem er die Chance auf den zweiten Ring hat. Er erhöht damit den Druck auf GM Gutekunst und Co, ihm ein entsprechendes Team hinzustellen. Green Bay aktuell einen viel zu hohen Cap, zum anderen sehr viele Free Agents (z.B. Corey Linsley, Kevin King, Aaron Jones, Jamaal Williams, Robert Tonyan, Christian Kirksey, Lane Taylor). Es wird also eine große Aufgabe sein für das Front Office, das Team entsprechend gut aufzustellen. Jedoch eine Aufgabe, die mitunter noch wichtig werden könnte im Hinblick auf die Spielzeiten nach 2021. Wenn Love im kommenden Jahr nicht zeigt, dass er bereit ist für die NFL (und das wird er wohl nur im Training Camp und in der Preseason zeigen können solange sich Rodgers nicht verletzt), ist man fast schon gezwungen, den Vertrag von Rodgers zu restructuren. Das klappt aber nur, wenn Rodgers sieht, dass das Front Office ihm das Titelfenster offen hält.

Es steht uns somit eine sehr spannende Offseason ins Haus, auch wenn es dabei nicht direkt um die Zukunft von Aaron Rodgers geht.