Die Verteidigung gegen den Lauf war im bisherigen Saisonverlauf alles andere als eine Stärke der Packers Defense. In Woche 16 gastierten die Tennessee Titans mit Derrick Henry bei den Packers und es war zu befürchten, dass die Titans und Henry die Defense der Packers überrollen würden. Doch es kam anders! Mike Pettine hatte einen passenden Gameplan! Er passte seine Defense in einem Maße an, wie wir es diese Saison noch nicht gesehen haben. Die Packers konnten Henry zwar nicht komplett aus dem Spiel nehmen (knapp 100 Rushing Yards), doch es war insbesondere in der ersten Halbzeit klar ersichtlich, dass die Titans Mühe hatten ihr ansonsten dominantes Laufspiel aufzuziehen. In der heutigen Ausgabe von Green 18 schauen wir uns ein wenig genauer an, wie die Packers Defense die Offense der Titans limitiert hat.

Die Box zustellen

Die Titans kommen zu Beginn des Spiels in vielen engen Formationen auf Feld. Ihr Gameplan war es offensichtlich früh im Spiel den Ball viel zu laufen. Die Packers antworten darauf indem sie die Mitte des Feldes eng halten. Sie stellen die Box mit acht Spielern zu. Außerdem befinden sich alle Spieler der Packers innerhalb von zehn Yards und neun sogar innerhalb fünf Yards. Gegen die beiden Wide Receiver der Titans spielen Alexander und King eine Man Coverage. Savage sichert tief die Mitte des Feldes ab (Cover-1). Amos (8) als zweiter Safety spielt hier quasi den dritten Linebacker.

Diese Coverage sorgt dafür, dass die Mitte des Feldes dicht ist. Trotzdem birgt sie das Risiko, dass bei einem Pass die Cornerbacks außen ihr eins gegen eins verlieren und der Gegner dadurch relativ leicht und schnell viel Raumgewinn erzielen kann. Das Risiko wird hier aber bewusst in Kauf genommen, denn Priorität hat hier die Verteidigung des Laufs.

Die OLine der Titans blockt nach links. Außen haben Za´darius Smith (oberes Ende der Line) und P. Smith (unteres Ende der Line) die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Henry nicht außen an ihnen vorbei läuft („Set the Edge“). Die Linebacker hinter der DLine können sich nämlich dann darauf konzentrieren die Lücken (Gaps), die die OLine versucht zu öffnen, wieder zu schließen. Das gelingt hier und Henry kann keinen Raumgewinn erzielen.

Cover-1

Noch ein zweites Beispiel ohne das Play im Detail aufzuschlüsseln. Ein Play aus dem zweiten Quarter mit der identischen Grundausrichtung Cover-1 Man. Wieder spielt Amos neben Barnes auf dem Linebacker Level. Auch Savage ist zu Beginn des Snaps auf Linebacker Level und wechselt erst mit dem Snap in eine tiefere Position. Barnes und Amos bewegen sich mit dem Snap eher Richtung Line of Scrimmage und schießen nach vorne sobald sie erkennen, dass Henry den Ball übergeben bekommen hat.

Bear Front

Die Titans versuchen im Laufe der ersten Hälfte weiter ihr Laufspiel zu etablieren und setzen nun vermehrt auf deutlich lauflastigere Formationen. Hier zwei Beispiele:

Die Titans kommen im 13-Personnel auf Feld und besetzen mit acht Spielern die Line. Die Packers antworten mit vier Lineman und P.Smith am oberen Ende der Line und R.Gary am unteren Ende der Line. Die Packers bringen also sechs Spieler an die Line of Scrimmage. Diese Formation wird „Bear-Front“ gennant. Die Defense macht die Mitte mit vier Lineman (Keke, Lowry, Clark und Lancaster) dicht. Gary und Smith haben wieder die Aufgabe Henry innen zu halten.

Barnes sichert als einziger Linebacker hinter der Line noch ab. Savage und Alexander stehen zwar neben Barnes auf dem Linebacker-Level, müssen aber zunächst abwarten was passiert und gegenfalls die Titght Ends in Coverage nehmen, falls diese auf Passrouten gehen. Die Titans laufen zwar in dieser Spielsituation, die Packers haben aber wieder das Risiko mit ihrer auf den Lauf ausgerichteten Formation durch die Luft geschlagen zu werden. Bei einem Playaction-Spielzug beispielsweise, könnte sich folgende Situation ergeben. Es zeigt das gleiche Play mit der defensiven Grundausrichtung, falls die Titans hier einen Pass spielen würden.

Wieder Cover-1 mit Barnes in der Mitte der Derrick Henry übernehmen würde. Pettine vertraut seinen Spielern in Coverage und spielt diese Cover-1 Looks konsequent, um eben mehr Spieler an der Line bzw. in der Box gegen den Lauf zu haben. Wer Erfolg hat, hat bekanntlich Recht und Henry läuft hier lediglich für drei Yards.

Bear Front gegen 22-Personnel

Auch hier ein zweiter Spielzug mit vier Lineman der Packers:

Bear-Front mit Cover-1 gegen 22-Personnel der Titans. Barnes hat Henry in Man Coverage. P.Smith übernimmt den Tight End am oberen Ende der Line. Alexander hat keinen direkten Gegenspieler auf seiner Seite und sichert hinter P.Smith gegen den Tight End ab.

Auch hier: Der Erfolg gibt Pettine Recht. Die Titans spielen hier tatsächlich Playaction aber Savage hat Jonnu Smith gut gecovert und kann den Pass zu ihm verteidigen!

Blitz Pakete

Die gut verteidigten Läufe und der größer werden Rückstand bringen die Titans im Laufe des Spiels immer öfters in offensichtliche Passing Downs. Auch hier hat die Packers Defense jedoch gute Antworten, wie die zwei folgenden Beispiele zeigen.

Third Down bei noch sechs Yards zum neuen First Down. Die Titans kommen mit drei Receivern zur linken Seite aufs Feld. Die Packers spielen in dieser Situation mit drei nominellen Safeties. Scott sichert tief die Mitte des Feldes ab. Amos steht am oberen Bildrand an der Line of Scrimmage. Savage steht zunächst neben Barnes in der Mitte des Feldes. Die Packers überladen die rechte Seite der Titans-Line und deuten über diese Seite einen Blitz an.

Stattdessen kommt der Blitz aber von der anderen Seite. Rashan Gary lässt sich in Coverage zur Mitte des Feldes fallen. Barnes läuft aus der Mitte zur linken Spielfeldhälfte (aus Titans Sicht) und Savage kommt vom Linebacker-Level geblitzt.

Der Spielzug der Packers kommt für die Titans unerwartet und Savage kommt ungeblockt zu Tannehill durch. Die Titans OLine, inklusive dem zusätzlichen Runningback in Pass Protection, konzentrieren sich auf die rechte Seite. Die drei Routen der Receiver auf der linken Seite benötigen zu lange um sich zu entwickeln und Tannehill muss den Ball wegwerfen. Die Packers erzwingen den Punt.

Corner Blitz

Ein zweites Beispiel für die Blitz Pakete von Mike Pettine ist die Interception von Savage im zweiten Quarter. Wieder haben die Packers durch die gute Run Defense die Titans in ein Third Down gezwungen. Wieder erkennen wir einen Cover-1 Look mit Scott tief in der Mitte des Feldes. Alle anderen spielen Man Coverage. Doch es ist nicht so offensichtlich wie es scheint. Sullivan, der im Slot direkt AJ Brown (zweiter Receiver am oberen Bildrand) gegenübersteht, verteidigt nicht gegen ihn, sondern blitzt. Der viel tieferstehende Savage übernimmt Brown.

Auch dieser Blitz funktioniert. Zwar kommt Sullivan nicht wie Savage zuvor ungeblockt durch, aber Rashan Gary hat dadurch gegen seinen Verteidiger ein eins gegen eins und kann Tannehill unter Druck setzen. Der wird zwar den Ball noch los, doch Savage hat das Play die ganze Zeit vor Augen und kann die Route von Brown unterlaufen und abfangen. Interception!

Takeaway

Mike Pettine hat alle überrascht und gezeigt, dass er in der Lage ist die Defense anzupassen und auf die gegnerische Offense auszurichten. Warum nicht schon früher in der Saison, darf man sich zurecht fragen. Sicherlich hat auch das Wetter eine Rolle gespielt. Die Titans haben dem Passspiel bei diesen Wetterbedingungen offensichtlich nicht so vertraut, wie das die Packers getan haben. Anders als sonst hat es Pettine drauf angelegt, sich durch die Luft schlagen zu lassen. Die gezeigten Cover-1 Looks bringt Pettine ansonsten eher selten. Die Packers haben ihren Gegner damit eindimensional gehalten und die Titans waren nicht in der Lage dies auszunutzen.

Nach der ganzen Kritik war das von der Defense ein Ausrufezeichen zur rechten Zeit. Diese Leistung ist auch für die Moral der Truppe äußerst wichtig und die Formkurve der Defense zeigt mit Blick auf die Playoffs steil nach oben!