Auf diese Frage gibt es sicherlich viele Antworten. Den meisten kommt bei dieser Frage vermutlich sofort das Playcalling von Matt LaFleur in den Sinn und sicherlich ist das einer der, wenn nicht sogar der Hauptgrund für die bessere und effektivere Packers Offense in diesem Jahr. Auch an Statistiken lässt sich die Produktivität der Offense messen. Die Erfolgsquote der Packers bei Third Downs ist von 37,6% im letzten Jahr auf 49,7% in diesem Jahr nach oben geschossen. Spitzenwert in der NFL! Nur die Raiders sind hier mit glatten 50% noch einen Ticken besser. Auch gegen die Lions spielten die Packers in Third Down Situationen super effektiv. 8 von 11 Versuchen konnten die Packers in ein neues First Down umwandeln. Grund genug um uns drei dieser Third Downs im Detail noch einmal anzuschauen.

Rodgers schlägt die Zone Coverage

Erster Drive in der zweiten Halbzeit. Nach einer Holding Strafe bei First Down gegen die OLine und wenig Raumgewinn anschließend bei First und Second Down, sieht sich die Packers Offense einem 3rd & 14 gegenüber. An der 42 Yard-Line der Lions, also noch außerhalb der Field Goal Range, benötigen die Packers noch mindestens fünf Yards, um zumindest in Field Goal Range zu gelangen. Die Lions spielen hier eine ziemlich softe Zone Coverage mit drei tiefen Zonen (Cover 3). Sie sind darauf bedacht hier das Big Play (neues First Down) zu verteidigen.

Die Lions rushen mit vier Spielern. Tonyan und Williams bieten kurze Checkdown-Routen, die zumindest das Field Goal sichern sollen. Adams und Lazard laufen außen jeweils zwei tiefe Routen. MVS läuft eine Route zur Mitte des Feldes und attackiert die Linebacker in der Mitte des Feldes, bzw. setzt sich zwischen die Zone des tiefen Safety in der Mitte des Feldes und eben die Zonen der Linebacker.

Außen sind Lazard und Adams gut verteidigt. Williams und Tonyan sind für den Checkdown komplett offen. Rodgers nimmt aber den Wurf auf MVS, der sich hinter die Linebacker setzt. Rodgers hat nur ein relativ kleines Passfenster. Die Pocket ist aber sauber und er kann den Pass auf MVS anbringen. Statt hier nur mit einem Fieldgoal-Versuch rauszukommen, behalten die Packers den Ball und stehen kurz vor der Redzone der Lions.

Keine Receiver frei

Das nächste Play stammt aus dem gleichen Drive. Beim dritten Versuch and Goal, kommen die Packers in folgender Formation aufs Feld:

Drei Receiver zur linken, Jones im Backfield und Adams alleine am oberen Bildrand. Die Lions rushen wieder mit vier Spielern und haben entsprechend viele Spieler in der Coverage. Adams hat hier ein eins gegen eins und scheint das erfolgversprechendste Matchup zu sein.  Mit noch sechs Yards zu gehen, erscheint der 50/50-Ball auf Adams jedoch zu viel Risiko. Einen vierten Versuch und sechs Yards zu gehen, hätten die Packers hier vermutlich eher nicht ausgespielt. Rodgers Blick geht bei diesem Play daher auch eher zu seiner Linken mit der Erwartung, dass durch die Routen-Kombinationen von MVS, Lazard und Tonyan einer der drei eine einfach Completion ermöglicht.

Nichts dergleichen passiert hier jedoch. Die Lions haben alle gut gecovert. Rodgers hat jedoch wieder eine saubere Pocket, kann einen Schritt in die Pocket reinmachen und dann nach links rauslaufen und sich Zeit erkaufen. MVS bricht seine Route am unteren Bildrand auf Höhe der Goalline ab und läuft stattdessen in die Mitte des Feldes. Er zieht seinen Verteidiger mit und Rodgers hat freie Bahn und kann den Ball selbst zum Touchdown in die Endzone laufen.

Aggressiv auf das neue First Down

Es sind nur noch wenige Sekunden auf der Uhr. Die Packers sind ein First Down von der Victory Formation entfernt. Die Lions haben kein Timeout mehr und die einzige Möglichkeit nochmal in Ballbesitz zu kommen ist es die Packers hier zu stoppen. Die Packers sind bei First und Second Down zweimal gelaufen und haben so die Uhr weiter runterticken lassen. Auch im folgenden Third Down kommen die Packers in einer sehr engen Formation im 12-Personnel auf Feld.

Alles deutet auf einen Lauf hin und entsprechend stellen die Lions die Box zu. Matt LaFleur legt das Spiel hier jedoch in Rodgers Hände und callt einen Playaction Spielzug. Nur Adams am unteren Bildrand und Tonyan laufen eine Passroute. Die OLine blockt nach links und Jones täuscht den Lauf nach links an. Adams zieht mit seiner tiefen Route die Aufmerksamkeit des Cornerback und des tiefen Safety auf sich. Tonyan läuft entgegen der Blockrichtung der OLine eine Route in die Flat.

Rodgers rollt nach rechts raus und Tonyan ist in der Flat Mutterseelen alleine und hat kein Problem das First Down zu erlaufen. Sein eigentlicher Gegenspieler (gelb eingekreist) in der Mitte des Spielfeldes kommt hier deutlich zu spät und kann das Play nicht verhindern. Diese offen geschemeten Routen der Tight Ends, die hinter der OLine entlang gelaufen kommen, sind Kernbestandteil der Packers Offense und hatten wir hier im Green 18 auch schon häufiger gezeigt.

Nach dem hier erzielten First Down kniet Rodgers noch zweimal ab und das Spiel ist beendet.

Takeaway

Viel des Erfolges der Offense ist auf die Effektivität bei Third Downs zurückzuführen. Durch diese Third Downs hält man Drives am Leben, hält die gegnerische Offense vom Feld und erzielt tendenziell mehr Punkte, weil man seltener ein Field Goal nehmen muss. Grundlage ist, dass sich die Offense in einfache, weil kurze, Third Downs bringt. Dazu kommt dann die Erfahrung und das Selbstvertrauen eines Quarterbacks, der in solchen Situationen die Ruhe behält, weiß was zu tun ist und im Notfall den Ball auch mal selbst über den First Down Marker laufen kann. Dazu kommt ein Coach der die entsprechenden Plays callt und hier keinesfalls auf Sicherheit geht, auch mit dem Gedanken im Hinterkopf einen möglichen vierten Versuch ebenfalls auszuspielen.