Woche 14 der Regular Season steht bevor. Wir beginnen die Woche mit unserer Rubrik “Enemy Territory” und haben diese Woche mit Tim einen eingefleischten Lions Fan im Interview. Wir blicken natürlich auf das bevorstehende Matchup und spekulieren ein wenig über die Zukunft unseres Division Rivalen. Viel Spaß mit dem Interview!

Stell dich uns kurz vor! Wer bist du und wie sind die Detroit Lions dein Team geworden?

Ich bin Tim, 33 Jahre und Autist (mehr dazu auf meinem Blog diagnosenormal.wordpress.com). Man findet mich auf Twitter unter @TimMinden oder, wenn es um Football geht, unter @OnePrideDE. Zu den Lions kam ich durch meine Lieblingssitcom “Hör mal wer da hämmert”, die in Detroit spielt und immer wieder Fanutensilien der Teams aus Motor City zeigt. Die Lions waren also schon mein Team bevor ich mir Footballspiele ansah.

Bisher ist es eine eher enttäuschende Saison der Lions, die hinter den Erwartungen vieler zurückgeblieben ist. Mit welchen Erwartungen bist du in die Saison gestartet?

Ehrlich gesagt: Meine Erwartungen waren gering. Der Kader, insbesondere die Offense, waren zwar auf dem Papier nicht schlecht, aber das Coaching war unter Matt Patricia eine ziemliche Katastrophe.Natürlich hofft man, dass alles perfekt läuft und die Verantwortlichen aus ihren Fehlern der Vergangenheit lernen. Dennoch hielt ich eine Entlassung von Patricia für wahrscheinlicher als eine Playoffteilnahme.

Theoretisch sind auch die Playoffs für die Lions noch möglich. Erstrebenswertes Ziel für den Rest der Saison oder lieber doch den besseren Pick im Draft?

Gute Frage! Ich würde mich für die Playoffs entscheiden, denn das würde einen schnelleren Umbruchaufgrund der Veränderungen im Coaching Staff wahrscheinlicher machen. An die besten QBs kommst du so oder so nicht mehr ran und ob du dann an 6 oder 16 pickst, macht, glaube ich, nicht den extremen Unterschied aus. Playoffs bleiben aufgrund der schlechten Defense und des Restprogramms aber ein unrealistisches, wenn in der NFC auch nicht gänzlich auszuschließendes, Szenario für Detroit.

Nach der Klatsche im Thanksgiving Game gab es die Entlassung von Matt Patricia. Von außen betrachtet konnte Patricia nie das zeigen, was man von ihm erwartet hat. Wie fällt dein Urteil zu Matt Patricia aus?

Vernichtend (bricht einen Bleistift in der Mitte durch – Anm. d. Red.)

Als Division Rivale interessiert uns natürlich auch, wie es langfristig für die Lions weitergeht. Wer könnte perspektivisch neuer Headcoach werden?

Viele Fans dürften zunächst an den Offensive Coordinator der Chiefs, Eric Bieniemy, denken. Inwieweit ein alternder Quarterback eines in den letzten Jahren schlechten Teams für diesen, bei all den Alternativen (Texans, Jets, Jaguars), interessant ist, muss erst noch geklärt werden. Spannend ist die Frage, ob die Lions zuvor einen neuen GM vorstellen. Für diesen Fall sind die Verbindungen zwischen dem entsprechenden GM und Coaches von Belang. Einer der Favoriten auf den Posten des Head Coaches unter den Fans ist 49ers Defensive Coordinator Robert Saleh, der im Großraum Detroit aufgewachsen ist.

Meine persönlichen Kriterien an den neuen Head Coach: Er sollte Ahnung von Menschenführung haben, authentisch sein, Zeitmanagement verstehen und bis elf zählen können. Eventuell kommt die Lösung auch aus dem eigenen Hause und Bevell macht seine Sache im Locker Room und auf dem Feld so gut, dass er den Posten über diese Saison hinaus behält und lediglich bei den Coordinators Veränderungen anstehen. Die Organisation tut gut daran, keine übereilten Entscheidungen zu treffenund wirklich alles, den kompletten Umbruch ohne Stafford inkludiert, zur Debatte auf den Tisch zu legen. Womöglich gibt es dann sogar den Überraschungskandidaten, den kein Experte aus dem Lions-Umfeld auf dem Schirm hatte. Time will tell. Nur Patriotsbezug sollte er nach Möglichkeit nicht haben.

Stafford hat noch drei Jahre Vertrag in Detroit. Das grundsätzliche Talent im Team ist ebenfalls vorhanden. Was fehlt aus sportlicher Sicht noch, für eine bessere Saison im nächsten Jahr und in den folgenden Jahren?

Ein guter Headcoach und eine Defense, die diesen Namen verdient.

Blicken wir nun auf das Matchup am Sonntag. Wie bewertest du die bisherige Saison der Packers?

Das überlasse ich lieber den Experten und euch. Nur soviel: Aaron Rodgers spielt meiner Meinung nach eine ziemlich gute Saison und was man in Detroit nach den Worten von Rodgers über Matthew Stafford in der “Pat McAfee Show” mit Erschrecken feststellt: Es wird schwerer ihn unsympathisch zu finden. ;-) Mit Davante Adams und Aaron Jones habt ihr zudem geniale Waffen in der Offense. Die Packers können jedes Team schlagen, können aber an einem schlechten Tag auch gegen jedes Team verlieren. Die guten Tage überwiegen aber bislang in der Ära LaFleur.

Was sind deine Erwartungen und dein Tipp für das Spiel am Sonntag?

Meine Erwartungen sind gering. Die Lions spielen die verbleibenden Spiele hoffentlich mit dem Herz in der Hand. Wenn die Offense da weitermacht, wo sie gegen die Bears aufhörte [Stafford warf wieder häufiger tief und hatte am Ende eine Statistik von 27/42 Completions für 402 Yards (Avg 9.6 Yards) und 3 Touchdowns], können das noch ganz nette Partien werden. Klar, mit den Titans, Vikings,Bucs und Packers warten auf die Defense der Lions noch brutale Matchups. Wenn die Offense (mit Golladay, so er nochmal fit wird, Swift und Hockenson hat Stafford großartige Anspielstationen hintereiner soliden O-Line) an ihr Optimum kommt, sollten die Lions aber durchaus in der Lage sein, in einem Shootout bis zum Ende mitzuhalten. Überraschungen sind dementsprechend nicht ausgeschlossen, ob das aber diese Woche gegen Green Bay der Fall ist? Ich rechne mit einer Niederlage der Lions.Packers 42-27 Lions

An dem Ergebnis hätten wir sicherlich nichts auszusetzen :). Vielen Dank Tim für das Interview. Auf ein spannendes und faires Match!