Ist euch aufgefallen, dass die Packers in der laufenden Saison deutlich häufiger Fourth Downs ausspielen? Es ist ein Trend der sich bereits seit längerem in der NFL andeutet und durch Analytics vorgeben wird. Die Packers gehen diesen Trend nicht nur mit, sondern sind eines der Teams, welche besonders häufig einen vierten Versuch ausspielen. Auch gegen die Bears gab es drei 4th Downs, in welchen die Packers dafür gegangen sind, statt zu punten oder ein Fieldgoal zu kicken.

Adams im Backfield

Im zweiten Quarter haben sich die Packers bereits tief in die Hälfte der Bears gespielt. An der Bears 28-Yard Line entscheidet sich Matt LaFleur einen vierten Versuch bei noch zwei Yards zu gehen auszuspielen, statt ein Field Goal mitzunehmen. Die Packers kommen in einer ziemlich ungewöhnlichen Formation aufs Feld. Davante Adams ist im Backfield aufgestellt und Jamaal Williams links der OLine. Das sorgt für ordentlich Verwirrung bei den Bears, die bis zum Zeitpunkt des Snaps in Bewegung sind und kommunizieren.

Ziel des Plays ist es eine einfach Completion auf Williams zu ermöglichen, der eine Slant-Route läuft. Die einfache Completion soll durch Tonyan ermöglicht werden, der die gleiche Route von der anderen Seite läuft und den Linebacker in Man Coverage gegen Williams an seinem Laufweg hindern soll. Ein sog. Pick-Play.

Dazu kommt es aber nicht. Durch die Kommunikationsprobleme in der Bears Defense kommt der Linebacker Williams überhaupt nicht hinterher (gelb eingekreist). Rodgers hat Williams, aber auch Adams (beide lila markiert) für ein First Down offen. Der Wurf geht letztendlich aber zu seinem dritten Read. Der Gegenspieler von Tonyan wird durch Roquan Smith (#58, gelb eingekreist) irritiert und lässt Tonyan 1-2 Yards Seperation.

Die Packers können nicht nur die fehlenden zwei Yards überwinden, Tonyan packt auch noch ordentlich Yards after Catch dazu und geht erst an der Bears 15-Yard Line zu Boden.

Tight End und Wide Receiver als Blocker

Das nächste Fourth Down stammt aus dem dritten Quarter. Die Packers führen mit 34:10 und statt auf 37 Punkte durch ein Field Goal zu erhöhen, will Matt LaFleur hier auf die Vorentscheidung gehen und den Drive mit einem Touchdown beenden.

Den Packers fehlt in dieser Situation lediglich ein Yard. Jamaal Williams ist wieder der Runningback bei diesem Play. Entscheidend sind in der Situation Marcedes Lewis und EQ, die Williams durch ihre Blocks das First Down ermöglichen. EQ ist zunächst als klassischer Wide Out aufgestellt und wechselt anschließend an die Line und stellt sich hinter Lewis auf.

Die gesamte OLine blockt nach links, Lewis und EQ blocken nach rechts und damit den Weg frei für Williams zum First Down. Entscheidend für das Play sind hier Billy Turner auf Right Tackle (#77) der seinen Gegenspieler innen halten muss und die bereits erwähnten EQ und Lewis, die ihre Gegenspieler außen halten müssen. Der Rest ist für Williams dann nur Formsache. Ein Play später läuft Williams zum Touchdown in die Endzone.

Deckel drauf

Das dritte Fourth Down stammt aus dem vierten Quarter mit nur noch drei Minuten auf der Uhr. Matt LaFleur entscheidet sich den vierten Versuch an der 39 Yard-Line der Bears auszuspielen und den Bears damit die Chance zu nehmen, noch einmal in Ballbesitz zu kommen.

Die Packers spielen hier einen Playaction Spielzug wieder mit Jamaal Williams im Backfield. Die Bears blitzen hier mit fünf Spielern. Rodgers erkennt die Man Coverage der Bears und hat den gelb eingekreisten Linebacker gegen Tonyan. Rodgers ignoriert bewusst, dass über die linke Seite ein freier Blitzer durchkommt. EQ stellt zur Mitte einen Block.

Tonyan läuft hinter EQ in die Flat und hat keinen direkten Gegenspieler der in daran hindern kann. Obwohl die Bears einen freien Blitzer auf Rodgers haben, geht der Ball so schnell raus, dass auch der Blitz verpufft. First Down und kurze Zeit später Victory Formation für die Packers.

Takeaway

Dass die Packers ihre Fourth Downs ausspielen, hat sicherlich auch mit der eigenen schwachen Defense zu tun. Wenn man selbst die Punkte des Gegners nicht verhindern kann, muss die eigene Offense halt mehr punkten. Die Packers haben eine Offense mit der sie das machen können. Die Bears konnten beispielweise offensiv den Ball durchaus gut bewegen. Mit dem hier gezeigtem Fourth Down (1. Beispiel) beim Stand von 13:3 aus dem ersten Quarter, erhöhten die Packers den Druck auf die Bears Offense und auf einen wackeligen Mitch Trubisky. 20:3 statt 16:3 nach dem Drive sorgten letztendlich vielleicht auch dafür, dass Trubisky im anschließenden Drive prompt den nächsten Turnover produzierte!

Zum Abschluss noch ein paar Zahlen:

Bis einschließlich Woche 12 haben die Packers bereits 18 mal Fourth Downs ausgespielt und liegen damit auf Rang fünf. In der gesamten 2019er Saison gab es nur 14 ausgespielte vierte Versuche der Packers. Auch die Erfolgsquote hat sich von 50% auf knapp über 60% verbessert. Mit dieser Erfolgsquote liegt man auf Rang sechs, also ebenfalls Ligaspitze. Auch die folgende Statistik zeigt, dass die Packers aus Analytics Sicht vieles richtig machen in Fourth Down Situationen.

https://twitter.com/benbbaldwin/status/1333854268286263304