In der ersten Halbzeit hiu – in der zweiten Halbzeit pfui. 28 Punkte in Halbzeit eins stehen 3 Punkte in Halbzeit zwei gegenüber. Die schwache Leistung der Packers Offense in Halbzeit zwei, war damit am Ende maßgeblich für die knappe Niederlage gegen die Colts verantwortlich. Grund genug sich in der aktuellen Ausgabe von Green 18 mit einigen Schlüsselszenen der Packers Offense in der zweiten Halbzeit zu beschäftigen.

Defense falsch gelesen

Nachdem die Packers im ersten Drive der zweiten Halbzeit mit einem 3&out wieder schnell vom Feld mussten, droht in ihrem zweiten Drive ebenfalls ein schnelles 3&out. Die Packers stehen noch tief in der eigenen Hälfte und haben im 3. Versuch noch 1 Yard zu gehen.

Die Colts spielen diesen dritten Versuch sehr aggressiv. Nur ein tiefer Safety sichert tief ab. An der Line of Scrimmage stehen fünf Spieler zum blitzen bereit. Schlüsselspieler sind der Defensive End und der Linebacker der Colts (rot eingekreist). Rodgers geht davon aus, dass die fünf an der Line postierten Colts Spieler blitzen. Für ihn ergeben sich dadurch fünf eins gegen eins Duell auf dem Feld. Rodgers hat Jones aus dem Backfield als sein Target ausgemacht, der gegen den Linebaker ein gutes Matchup hat.

Nach dem Snap ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Der Defensive End, eigentlich als Blitzer ausgemacht, geht in Coverage gegen Jones und nicht wie vermutet der Linebacker in der Mitte des Feldes. Bakthiari hat dadurch keinen Colts Spieler den er blocken kann. Die anderen vier OLiner der Packers haben jeweils einen Gegenspieler. Der Linebacker kommt dadurch ungeblockt zu Rodgers durch und zwingt ihn so den Ball sehr schnell loszuwerden. Zu schnell, denn niemand kann sich in der kurzen Zeit freilaufen. Incompletion und die Packers müssen punten.

Auffällig war, dass es bei diesem Spielzug keine Motion vor dem Snap gab, welche die gestellte Falle der Colts vermutlich aufgedeckt hätten, oder die Colts zum Umstellen der Coverage hätte bewegen können.

Statt neuem First Down – 4th & short

Das nächste Beispiel stammt aus den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit. Die Packers benötigen ein Field Goal zum Ausgleich und sind bereits in der Hälfte der Colts. Nachdem zunächst Williams ein First Down erlaufen hatte, geht’s nach einer Holding Strafe wieder zurück. Die Packers schaffen es einige Yards zurückzugewinnen, haben aber beim dritten Versuch noch 9 Yards zu gehen.

Die Colts überladen die rechte Seite der Packers OLine mit 3 Leuten und spielen dahinter eine Zone Coverage, die hauptsächlich darauf bedacht ist, den First Down Marker abzudecken. Die Packers schicken alle fünf berechtigen Passempfänger auf Passrouten.

Rodgers visiert Tonyan an der linken Außenlinie an. Dieser hat zu seinem Verteidiger einige Yards Seperation und in der Theorie ein relativ sicheres neues First Down. Auf der anderen Seite (unterer Bildrand) hätte Rodgers ebenfalls zwei Option mit Williams und Lazard gehabt, die frei gewesen wären. Lazard vermutlich sogar zum Touchdown.

Stattdessen der Wurf auf Tonyan. Der Pass gerät jedoch etwas zu kurz und Tonyan bleibt ein halbes Yard hinter dem First Down Marker. LaFleur muss sich entscheiden: 50 Yards-Field Goal Versuch oder den vierten Versuch ausspielen…

Er geht dafür

Er entscheidet sich dafür den vierten Versuch auszuspielen.

Die Packers kommen im 13-Personnel aufs Feld mit zunächst allen Tight Ends rechts der OLine aufgestellt. Tonyan kommt in Motion und gibt Rodgers das Signal für Man Coverage, denn ein Verteidiger spiegelt die Motion von Tonayn zur gegenüberliegenden Seite.

Für die Colts soll es so aussehen, dass die Packers den Ball mit Williams laufen wollen. Die Packers spielen jedoch einen Playaction Spielzug, der in der Flat eine einfach Completion auf Williams ermöglichen soll. Adams und Tonyan sollen auf dieser Seite lediglich die Verteidiger mit ihren tiefen Routen aus dem Weg ziehen.

Die Colts wissen aber offensichtlich genau was kommt und springen auf die Playaction überhaupt nicht an. Williams wird an der Line of Scrimmage von seinem Gegenspieler abgefangen und gecovert. Williams hat zu keinem Zeitpunkt eine realistische Chance auf einen Catch. Rodgers hat zudem relativ schnell Druck und muss den Ball letztendlich überhastet loswerden. Turnover on Downs! Mit nur noch drei Minuten auf der Uhr und drei Punkten Rückstand.

Takeaway

Die Packers hätten in der zweiten Hälfte mehr Punkte erzielen müssen! Erst mit nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr gab es das Field Goal zum Ausgleich und damit die ersten Punkte im zweiten Durchgang. Die drei gezeigten Spielzüge aus zwei Drives im zweiten Durchgang zeigen die Probleme der Offense den Ball zu bewegen. Die Colts haben defensiv sicher einen guten Job gemacht. Die Packers müssen sich trotzdem an die eigene Nase fassen, denn sowohl die Ausführung der Spielzüge als auch das Play Calling in den jeweiligen Situation, war nicht gut.