Der neutrale Football-Fan dürfte am gestrigen Topspiel seine helle Freude gehabt haben. Tolle Spielzüge, ein völlig verrückter Spielverlauf und als Kirsche auf der Sahne noch eine Overtime. Doch für die Packers war die Niederlage bei den Indianapolis Colts völlig unnötig. Trotz einer 28:14-Halbzeitführung verlor Green and Gold die Partie mit 31:34. Wahrscheinlich mussten die Flutschfinger einfach bestraft werden.

1st Quarter

Die Partie begann denkbar schlecht: Rodgers fumblete den Ball und verlor in an Darius Leonard. Doch die Colts konnten das auch: Pass auf Alie-Cox und Raven Greene sorgte für den Ballverlust, den Darnell Savage aufnahm. In der Summe: zwei Fumbles nach zwei Drives und keine Punkte. Es war ein Vorgeschmack auf den verrückten Spielverlauf in noch folgenden 57 Minuten. Dann folgte der erste schöne Drive der Packers. Abgeschlossen wurde dieser mit einem schönen Pass auf Robert Tonyan zum 7:0. Die Antwort der Colts war aber ähnlich eindrucksvoll. Erst gelang ihnen bei 3rd and 13 das 1st Down (Sullivan hatte geschlafen). Dann war Pittman zu schnell für Kirksey und lief zum Ausgleich in die Endzone. Der Rest des ersten Viertels war dann eine etwas negative Rodgers-Show. Erst wurde er gesacked, dann unterlief im kurzen vor Viertelende eine Interception. Rock Ya-Sin war übersehen worden, der dies aber auch stark machte.

2nd Quarter

Allerdings: auch sein Gegenüber Philip Rivers war noch nicht im Flow, so dass auch dessen Drives erst einmal verpufften. Glück für die Packers war dann auch, dass Rodrigo Blankenship aus 50 Yards nur das „Doing“ schaffte. Das Ei landete auf der Latte. Nun war es wieder an den Packers. Zwei tolle Plays von Adams und St. Brown, kombiniert mit einer Strafe und ein paar kurzen Läufen, brachten die Packers an zwei Yard-Linie. Den Rest besorgte Aaron Jones zum 14:7. Und die Offense sollte nur Sekunden später die Chance zum Nachlegen bekommen: Winn tippte einen Pass von Rivers und Christian Kirksey holte seine erste Interception im schönsten Trikot der Erde. Perfekte Field Position für Rodgers und Co. und der Drive wurde am Ende von Davante Adams veredelt – 21:7! Packers-Herz was willste mehr? Die Antwort der Colts hieß dann Trey Burton. Nach einem langen Drive fing der Tight End den Pass und verkürzte. Der letzte Drive gehörte aber den Packers und Rodgers warf ein langes Ding auf Valdes-Scantling. Ya-Sin war bei ihm und sorgte für eine Strafe – so wurden aus 55 Yards nur noch deren Vier. Den Rest besorgte Rodgers mit einem Pass rechts raus auf Jamaal Williams zur 28:14-Pausenführung.

3rd Quarter

Nach dem Seitenwechsel begannen die Colts mit einem langen Drive und immer wieder gelangen ihn Raumgewinne um sieben bis neun Yards. Trotz eines Sacks gegen Rivers von Clark, sowie eines Tackle for Loss (Preston Smith und Kirksey) kam Indianapolis in Field Goal-Range. Diesmal traf Blankenship und verkürzte. Den folgenden Drive konnten die Colts abwehren, so dass sie wieder in Ballbesitz kamen. Erneut gelang es den Packers nicht, die mittellangen Pässe zu verhindern. Zwar wurde ein Touchdown-Pass von Rivers zurückgenommen, doch im zweiten Anlauf fand er Jack Doyle und dieser zählte dann. Anschließend verwerteten die Colts auch noch die Two-Point-Conversion, so dass es nur 28:25 aus Sicht der Packers stand. Das Viertel war offensiv gebraucht. Als Beispiel sei noch ein False Start von Ramsey genannt – in der Punt Formation!

4th Quarter

Die Gastgeber hatten folglich auch zu Beginn des Schlussabschnitts Ballbesitz und begannen den Drive in Höhe der Mittellinie. Zwei gute Plays gelangen den Colts dabei, am Ende war es dann aber ein Field Goal von Blankenship zum Ausgleich. Die Antwort der Packers? Es gab keine, denn Sheperd produzierte einen Fumble und die Colts kamen an der Packers-28 in Ballbesitz. Glück im Unglück: dank einer Strafe konnte Indianapolis das Ganze nur versilbern. Blankenship traf zum 31:28. Aber der folgende Drive der Packers blieb wieder erfolglos, das 4th and 1 an der IND-34 wurde nicht verwertet. 186 Sekunden vor dem Ende schien die Partie gelaufen. Doch die O-Line der Colts wollte noch etwas Spannung. Zwei Penalties sorgten für ein 3rd and 26, so dass Rivers werfen musste. Za’Darius Smith kam durch, sackte und verhinderte die Entscheidung. 85 Sekunden waren noch auf der Uhr und die sollte Rodgers nutzen. Drei schöne Pässe auf Adams und Valdes-Scantling für 79 Yards brachten die Packers in die Red Zone. Hier fehlte dann aber die Anspielstation, doch mit dem Field Goal von „Mr. Zuverlässig“ Crosby ging es zumindest in die Overtime.

Overtime

Die begannen die Packers glücklicherweise mit Ballbesitz, doch wieder unterlief ihnen ein Fumble. Diesmal passte Valdes-Scantling nicht richtig auf und das Ei wanderte auf die Seite der Colts. Diese liefen dreimal und ließen dann Blankenship zum 34:31-Sieg kicken.

Fazit

Nachdem sich das Herz nun beruhigt hat, kann man das ganz nüchtern betrachten. Klar, die Partie war verrückt und hatte für den neutralen Football-Fan alles, was das Herz begehrt. Doch die Packers müssen sich sagen: man hätte einen wichtigen Schritt in Richtung Playoffs machen können. Und bei 28:14 zur Pause muss man cleverer spielen. Doch wenn man drei Fumbles produziert, dann darf man sich nicht wundern, dass die Partie wieder kippt. Natürlich: wenn du 34 Punkte kassierst, dann hat es auch defensiv wieder nicht gestimmt. Andererseits: du kannst das Spiel dennoch gewinnen, ja vielleicht musst du es sogar. Wenn man nicht immer diese Flutschfinger hat…

Spieler des Spiels

Hier gibt es gleich zwei: sowohl Davante Adams (7 Receptions, 106 Yards, 1 TD) wie auch Robert Tonyan (5 Receptions, 44 Yards, 1 TD) zeigten wieder, dass sie perfekte Ziele für Rodgers sind. Damit konnten sie sich (mal wieder) vom Rest des Receiving Corps absetzen. Ebenfalls erwähnenswert sind die Leistungen Christian Kirksey (11 Combined Tackles, 1 PD, 1 INT) sowie Raven Greene (8 Combined Tackles, 1 FF)