Nur sechs Spieler haben bisher die Heisman Trophy am College gewonnen und wurden als NFL MVP ausgezeichnet. Doch nur einer dieser Spieler schaffte Ersteres mit einem negativen Rekord. Und dieser Spieler war auch der Erste, welcher es überhaupt zu beiden Ehren brachte. Dank ihm brachen in Green Bay goldene Zeiten. Doch nun muss man sagen: „The Golden Boy is gone.“ Wie die Louisville Sports Commission bekannt gab, starb Packers-Legende Paul Hornung am heutigen Tage – wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag.

Legende bei Notre Dame

Paul Vernon Hornung wurde am 23. Dezember 1935 in Louisville, Kentucky geboren. Wie viele spätere NFL-Stars der 1960er Jahre war er schon in jungen Jahren ein Multi-Sport-Talent. Die größte Aufmerksamkeit bekam Hornung aber beim Football und hatte gleich zwei Stipendien zur Auswahl. Doch statt in der Heimat und beim legendären Coach Paul „Bear“ Bryant zu spielen, ging es für im Alter von 18 Jahren nach Indiana. Bei den Fighting Irish der University of Notre Dame war er in seiner ersten Saison zunächst Back-Up als Fullback. Doch ab 1955 war Paul Hornung Stammspieler, wurde zweimal All-American und gewann 1956 die Heisman-Trophy. Und dies, obwohl die Fighting Irish 1956 eine desaströse Saison spielten und die College-Saison mit 2-8 beendeten. Doch Hornung bekam die Trophäe denn – zu herausragend waren seine Leistungen, denn er war Teamleader im Rushing, Passing, Receiving, bei Returns (sowohl Kickoff wie Punt) und Punting. Dazu war auch in den relevanten Defensivstatistiken mindestens die Nummer zwei seines Teams. Aus dieser Auszeichnung erklärt sich sein berühmter Spitzname: The Golden Boy.

Becoming a NFL-Legend

Kein Wunder also, dass die Packers 1957 an erster Stelle im Draft zuschlugen. Hornung war damit der Erste von später neun (!) Hall of Famern des legendären 57er Jahrgangs. Die ersten beiden Jahre bei den Packers waren eher mau, doch mit der Beginn der Lombardi-Ära 1959 ging es auch für Hornung bergauf. Zwar bekam er weniger Rushes als sein kongenialer Fullback-Partner Jim Taylor, machte aber mehr Punkte. 176 sollten es in seiner Rekord-Saison 1960 sein – ein wilder Mix aus Touchdowns, Field Goals und PATs. Denn Hornung bliebt auch in der NFL genau das, was er am College war: enorm vielseitig. Und so ist die erste Meisterschaft der 1960er Jahre untrennbar mit Hornung verbunden, denn er wurde im selben Jahr auch MVP der Liga. Und neben anderen Legenden wie Starr, Taylor, Adderley, Wood oder Davis war „The Golden Boy“ der herausragende Akteur dieser Zeit. Zwar büßte er nach seiner Sperre (1963, unten mehr) etwas von seiner Klasse ein, doch er war noch immer ein überdurchschnittlicher Spieler. Unvergessen sind seine fünf Touchdowns gegen die Colts 1965. Ohne dieses Spiel wären die Packers 1966 kein Meister geworden und nicht in den ersten Super Bowl eingezogen. Diesen verpasste Hornung verletzungsbedingt und sollte später auf Grund dieser Nackenverletzung seine Karriere beenden müssen. Die Packers schützten ihn im Expansion Draft 1967 nicht, so dass er zu den Saints ging – dort aber nicht mehr auflief. Nach vier Titeln, einem MVP-Award, zwei Nominierungen für das First-team All-Pro (1960,61) und zwei Pro Bowls verließ „The Golden Boy“ den Football-Rasen im Alter von 31 Jahren.

Ein „seltsamer“ Wehrdienst, Ärger mit der Steuer und eine Sperre

Auf dem Feld war Hornung ein Star, neben dem Feld sorgte er für Unterhaltung. Eher amüsant ist, dass er 1961 seinen Wehrdienst ableisten musste und dennoch weiter Football spielte. Eine Freundschaft zwischen Coach Lombardi und John F. Kennedy machte es wohl möglich, so die Legende. Auch in den Bereich „nette Anekdote“ fällt Hornungs Ärger mit der Steuer. Nach dem Championship-Game 1961 bekam er als Spieler des Spiels ein Auto zugesprochen, das er aber erst 1962 in Empfang nehmen konnte. Da dieses Auto weder 1961 noch 1962 versteuert wurde, kam es zu einem Gerichtsverfahren (Hornung vs. Commissioner) vor dem höchsten Finanzgericht der USA. Zwar bekam Hornung keine Strafen aufgebrummt, doch das Gericht entschied, dass Prämien aus Auszeichnungen als Einkommen versteuert werden müssen. Richtig Probleme bekam Hornung dann aber 1963. Er war gemeinsam mit Alex Karras von den Lions in einen Wettskandal verwickelt und wurde vom damaligen Commissioner Peter Rozelle auf unbestimmte Zeit gesperrt. Nur der Initiative Lombardis war es zu verdanken, dass Hornung 1964 wieder auf das Feld durfte.

Lob, Lob, Lob und nochmal Lob

Ungeachtet der Probleme abseits des Feldes waren Trainer und Teamkollegen voll des Lobes über Paul Hornung. „Er war der beste Spieler, den ich je trainierte“, sagte Coach Lombardi und der kürzlich verstorbene Cornerback Herb Adderley meinte: „Er hätte der erste von uns sein müssen, der in die Hall of Fame gewählt wird.“ Jerry Kramer führte an: „Er war immer der Star des Teams. Auch als er nicht mehr der beste Spieler des Teams war.“ Und selbst die Erzrivalen fanden große Worte, so wie Bears-End Doug Atkins: „Er konnte passen. Er konnte laufen. Er konnte fangen. Er konnte blocken. Einige sagten: ‘Er kann nicht so gut laufen wie xy. Er konnte das nicht.’ Und ich antwortete: ‘Wer zur Hölle konnte alle diese Dinge?’ Paul konnte wie verrückt laufen und konnte all die anderen Dinge in wichtigen Situationen tun.“

Nach der Karriere

Dem Football bliebt Paul Hornung Zeit seines Lebens verbunden. „The Golden Boy“ wurde Kommentator und Analyst im Radio sowie beim Fernsehen. Erst bei den Vikings, dann in der WFL und USFL, aber auch für CBS in der NFL. Lange Jahre kommentierte er College-Spiele, unter anderem für LSU. Ansonsten engagierte er sich speziell für die Akzeptanz farbiger Sportler, was allerdings auch zu Kontroversen mit seiner Alma Mata führte. Seit 2010 wird der Paul Hornung Award vergeben, jeweils ausgewählt von der Louisville Sports Commission für den College-Spieler, der aber variabelsten einsetzbar ist. Erwähnenswert ist seine Autobiografie „The Golden Boy“, die 2004 erschien und einen Blick wert ist. Nun ist Paul Hornung aber von uns gegangen. Nach langer Krankheit und fortschreitender Demenz starb er im Alter von 84 Jahren. Wer noch mehr über „The Golden Boy“ erfahren möchte, dem sei der Nachruf der LSC ans Herz gelegt.