Diese Woche führt in der Kolumne kein Weg an der Run Defense der Packers vorbei. Wer hat Schuld am Desaster gegen die Vikings? Die Antwort kann hier nur lauten: Die Run Defense. Wie genau haben die Vikings die Packers am Boden kontrolliert? Waren die Packers so schwach, oder die Vikings einfach so gut? Ist Dalvin Cook der derzeit beste Runnigback der NFL? Eine Analyse der desolaten Packers Run-Defense.

Gut designt oder schlecht verteidigt?

Starten wir mit dem ersten Play. Es ist der erste Touchdown der Vikings – oder sollte man bessere sagen: der erste Touchdown von Dalvon Cook? – zum zwischenzeitlichen 7:7 Ausgleich. Es heißt 1st &10 an der Packers 21-Yard Line. Die Vikings kommen im 22-Personell (je zwei Tight Ends und Runningbacks) aufs Feld.

Beide Tight Ends sind zunächst rechts der Line aufgestellt. Der äußere Tight End geht in Motion. Die Packers DLine reagiert darauf und verschiebt sich nach rechts. Auf dem folgenden Bild ist zu erkennen, welcher Verteidiger welches Gap zu spielen hat.

Preston Smith und Za´darius Smith haben die Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Runningback nicht um die Line herumkommt, sondern gezwungen wird zwischen den Tacklen zu laufen.

Der Tight End bewegt sich wie beschrieben zunächst links zur Line (siehe Bild 1). Mit dem Snap läuft er hinter der Line zurück und blockt Preston Smith, der hier noch ungeblockt ist (Bild 3). Wie man gut erkennt, ist in der Mitte für Cook alles dicht. Die beiden offenen Gaps werden von Kamal Martin (links) und Kyrs Barnes (rechts) gut gedeckt. Links um die Line ist ebenfalls kein Platz. Hier sichert Savage den Run um die Line herum ab.

Das Play ist aber designt um nach rechts zu gehen. Keke bekommt vom Right Tackle und zweiten Tight End ein Double Team und wird Richtung Mitte geblockt. Der zweite Tight End (blau eingekreis) kommt für Dalvin Cook als Vorblocker und schaltet Preston Smith aus, der sich hier von einem Tight End (!) viel zu leicht aus dem Spiel nehmen lässt. Doch auch andere Dinge laufen hier aus Packers Sicht schlecht. Amos am oberen Bildrand bewegt sich in die völlig falsche Richtung. Jaire Alexander reagiert hier ebenfalls viel zu spät. Er steht hinter Preston Smith und muss auf den Block des Tight Ends reagieren und Smith zur Hilfe kommen. Er ist jedoch viel zu weit entfernt vom eigentlichen Play und kommt zu spät. Dabei ist auf der rechten Seite der Vikings weit und breit keinen den er sonst verteidigen müsste.

Adjustments zur Halbzeit?

Trotz dass die Packers bereits vor der Halbzeit zwei lange Drives mit Touchdowns von Dalvin Cook kassiert haben ist zur Halbzeit noch nichts entschieden. Die Vikings bekommen nach der Halbzeit den Ball und starten an der eigenen 15-Yard Line mit folgendem Play.

Wieder ist viel schweres Personal bei den Vikings auf dem Feld (nur zwei Wide Receiver). Diesmal ein einfacher Lauf durch die Mitte, den die beiden jungen Packers Linebacker völlig falsch und überhastet spielen.

Nach dem Snap gewinnt in der Mitte Keke sehr schnell sein Duell gegen den Center der Vikings und ist ungeblockt im Backfield. Sowohl Martin als auch Barnes schießen zusätzlich in das A-Gap (Gap zwischen Center und Guard). Der Blick von hinten auf die Situation macht es ziemlich deutlich, wie viel Platz Cook anschließend hat.

Die Bewegung von Cook nach rechts ist zu schnell für Keke, der hier insgesamt aber nicht gut aussieht. Einer der Linebacker hat hier das Play zu stark forciert und beide stehen sich quasi auf den Füßen ohne eine Chance zu haben Cook zu stoppen. Cook hat mit einem Cut nach rechts viel Platz vor sich und läuft hier für 35 Yards. Vermutlich ist Barnes hier derjenige der im falschen Gap steht. Der Pfeil deutet an wo er stehen könnte. Auch in diesem Beispiel lässt sich Preston Smith von einem Tight End viel zu leicht nach außen blocken!

Wie bringe ich meinen Gegner wieder in gute Feldposition?

Nach einem schönen Punt vom J.K. Scott innerhalb der gegnerischen 10-Yard Line packen die Vikings das gleiche Play wie aus Beispiel 1 aus. Die Packers haben diesmal jedoch eigentlich eine bessere Position um Cook zu stoppen. Wieder kommt der Tight End in Motion um mit dem Snap zurück zu laufen und Preston Smith nach Außen wegzublocken.

Auf den ersten Blick fällt hier auf, dass sowohl Savage als auch Josh Jackson in guter Position sind, um das Tackle gegen Cook zu setzen. Jackson ist hier aber nach dem Snap schlicht zu weit weg und damit zu spät dran, um Cook zu stoppen. Er reagiert zu spät auf die Bewegung des Tight Ends hinter der OLine entlang, analog zu Jaire Alexander aus dem ersten Beispiel.

Savage verpasst das Tackle gegen Cook ebenfalls und es gibt ein neues First Down für die Vikings. Dabei bringt sich die Defense selbst um die gute Feldposition und verpasst die Chance der eigenen Offense wieder den Ball in die Hand zu geben. In dem Beispiel sind die verpassten Tackles von Jackson und insbesondere Savage als Ursache auszumachen.

Takeaway

Die drei Beispiele zeigen, dass es an mehreren Stellen in der Defense der Packers hapert. Das Tackling-Verhalten war über die ganze Saison schon eher mangelhaft und bleibt von Jahr zu Jahr ein Team für die Defense der Packers. Weiterhin spielen einzelnen Spieler aktuell gegen den Run nicht das, was sie schon gezeigt haben. Beispielsweise ist hier Preston Smith zu nennen, der sich in allen drei hier gezeigten Beispielen von einem Tight End komplett aus dem Spiel nehmen lässt. Das wäre ihm letztes Jahr so nicht passiert. Zusätzlich stehen zwei unerfahrene Linebacker der Packers in der Startformation, die dieses Jahr ihre ersten Snaps in der NFL gesehen haben und denen man auch Fehler zugestehen sollte. Möglicherweise gibt es hier mit der Rückkehr von Kirksey wieder ein kleines Upgrade.

Moves in Richtung der Trade-Deadline die die Run Defense möglicherweise verbessern, halte ich persönlich für verschwendet. Die Gründe für die schlechten Leistungen sind zu tiefgründig und lassen sich mit einem Spieler kaum ausbessern. Stattdessen einen neuen Defesive Coordinator? Auch das halte ich für unwahrscheinlich. Es war nach letzter Saison bekannt wie Pettine Defense spielt und dass seine Defense gegen den Run anfällig ist. Trotzdem hat sich Matt LaFleur für seinen Verbleib entschieden.

Aber Pettine beweget sich mittlerweile auf dünnem Eis. Letztendlich ist er als Defensiv Coordinator für all das oben gezeigte verantwortlich. Die Chance, dass wir ihn nächstes Jahr in Green Bay wieder sehen, tendiert aktuell wohl gerade gegen Null. Jetzt kommt mit den 49ers eben jenes Team, welches in der vergangenen Saison zweimal über die Packers gewalzt ist. Ein guter Zeitpunkt für Pettine um zu zeigen, dass er den Run doch stoppen kann!