Passend zur anstehenden Trade Deadline beginnt heute mit “What would you do?” eine neue kleine Kolumne auf packers-germany.de , die in unregelmäßigen Abständen erscheinen wird.

In dieser Kolumne wird immer eine Frage gestellt, die dann mehrere Schreiberlinge ohne inhaltliche Absprache untereinander individuell beantworten. Eine Version als Podcast ist für die Zukunft angedacht.
Lasst uns gerne Feedback zur Idee als natürlich auch inhaltlich da. Nun aber zur aktuellen Frage…

Die Trade Deadline steht vor der Tür. Sollen die Packers nochmal im Bereich der Receiver tätig werden und wenn ja, wer wäre ein realistisches und sinnvolles Ziel?

Johannes:
Ja, die Packers sollten sich aktiv nach einem Wide Receiver umschauen. Der bisherige Saisonverlauf zeigt, dass man um die Playoffs mitspielen wird. Mit dem Cap am Limit und diversen Vertragsverhandlungen vor der Brust, sind die Packers im Win-Now Mode. Neben Adams und Lazard – der nach seiner Verletzung auch erstmal wieder zurückfinden muss – fehlt es aber momentan an einem dritten zuverlässigen Receiver. MVS scheint nicht die Lösung zu sein. Seine Leistungen sind einfach nicht konstant genug. EQ kommt von einer sehr langen Verletzung zurück und Taylor und Shepherd sind auch maximal Ergänzungsspieler.
Die bisherigen Ergebnisse stimmen zwar und offensiv haben die Packers im zweiten Jahr unter Matt LaFleur einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Die Fixierung von Rodgers auf Adams wie in Woche 1 gegen die Vikings und in Woche 7 gegen die Texans muss aber nicht immer funktionieren. Gerade die zwei Picks gegen die Bucs zeigen das aus meiner Sicht eindrucksvoll.
Gerüchte, dass die Packers sich nach einem Receiver umhören, machten letzte Woche die Runde. Man sollte sicher keine Wunderdinge erwarten. Es geht nicht darum Rodgers einen zweiten Devante Adams an die Seite zu stellen, sondern Rodgers eine verlässliche Alternative an die Hand zu geben.
Der Spieler muss ins System passen und bezahlbar sein. Mit dem Cap am Limit könnte es auch notwendig sein, einen bestehenden Vertrag anzupassen. Keine leichte Aufgabe für Gutekunst und genau an den Randbedingungen könnte es am Ende auch scheitern. Grade im Hinblick auf nächste Saison müssen Ressourcen (Draft Picks), die man möglicherweise investiert, gut überlegt sein. Müsste ich tippen, würde deshalb aktuell davon ausgehen, dass kein Trade zu Stande kommt.

Sebastian:
Die Packers müssen sich fast schon nach einer weiteren Alternative umschauen. Die Qualitäten von Davante Adams sind unbestritten, aber dahinter wird das Feld schon sehr überschaubar. Allen Lazard überzeugt, wenn er fit ist, was aktuell aber leider nicht der Fall ist. Alle weiteren Receiver haben entweder stete Probleme im Bereich ihrer Verfügbarkeit (St.Brown) oder Zuverlässigkeit (MVS). Malik Taylor und Darius Shepherd sind klassische End-of-Roster Spieler, die kurzzeitig für etwas Entlastung sorgen, aber ein Spiel nicht (mit-)tragen können. Mit einem kurzen oder längerfristigen Ausfall eines Leistungsträger, und davon haben die Packers auf der Receiver-Position nur Adams und Lazard, muss man aber in der NFL rechnen und entsprechende Optionen im Roster haben.
Um konkret zu werden: eine interessante Option könnte hier Curtis Samuel von den Carolina Panthers sein, der dort etwas ins Hintertreffen geraten und hinter DJ Moore und Robby Anderson nur der dritte Receiver ist. 2019 hat Samuel auch seine Klasse bereits nachgewiesen und in Lauf- und Passspiel kombiniert 750 Yards und sieben Touchdowns erzielt. Aktuell überzeugt Samuels, trotz gesunkener Zeit auf dem Feld, dennoch mit 86% Prozent an gefangenen Würfen, was gerade im Hinblick auf die aktuelle Nummer drei, MVS, ein deutliches Upgrade wäre.
Der 24jährige Samuel agiert für die Panthers aber nicht nur als Receiver, sondern auch aus dem Backfield als Ballträger und würde demnach sicherlich auch in LaFleur’s Offensive Scheme Verwendung finden können. Mit rund 650.000$ restlichem Salary für die 2020er Spielzeit wäre er auch relativ leicht für die Packers zu integrieren. Nach der Saison würde Samuel Free Agent und würde den Cap für die Folgespielzeit erstmal nicht belasten. Eine Verlängerung wäre bei entsprechender Leistung aber wohl möglich.
Das Alter, die mögliche Zukunftsperspektive und die Passung zu LaFleur’s Scheme würde das Investment eines Draftpicks hier möglicherweise rechtfertigen. Letztlich gibt es sicherlich einige Varianten, aber klar ist, dass die Packers nach gutem Saisonstart hier nachlegen müssen, um ihre hohen Ansprüche auch mit mehr Qualität im Bereich der Receiver zu untermauern.

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Curtis Samuel – eine mögliche Verstärkung für die Packers?

Markus:
Für alle mit wenig Zeit hier die kurze Antwort: Sollten -> Nein. Im Kader stehen mit AJ, Jamal Williams und Tyler Ervin drei Running Backs, die alle in der Lage sind eine solide Rolle im Passspiel einzunehmen. Dazu haben wir zwei junge Tight Ends, die sich im Laufe der Saison noch entwickeln können. Damit hätten wir schonmal fünf wechselnde Ziele für AR. Dazu kommt mit Adams ein klarer Nummer 1 Passempfänger und wenn Lazard in zwei Wochen wiederkommt und sein Leistungsniveau hält haben wir auch eine solide Nummer 2. Dahinter kämpfen fünf weitere plus Neuzugang Seth Roberts um Spielzeit, bis auf Roberts sind die alle jung und können sich noch verbessern.
Wozu also wertvolle Draftpicks verschwenden? Zumal die Packers diese Draftpicks sicher benötigen werden ( man denke nur an die Cap Hits von AR, KC und von den Jungs die verlängert werden müssen). Außerdem für einen WR, der eine wirkliche, echte Verstärkung ist, müssten die Packers mindestens einen Drittrundenpick hinlegen und das ist es einfach nicht wert. Letztendlich haben die Packers dringendere Probleme als Punkte zu produzieren, nämlich unsere Laufverteidigung, insbesondere im Hinblick auf die DLine. Das ist zwar nicht sexy, aber wichtiger als ein Nummer 3 Passempfänger.