Der Football hat viele großartige Spieler gesehen. Er hat auch viele großartige Defensiv Backs gesehen, geniale Cornerbacks, geniale Ballhawks und grandiose Verteidiger gegen den Pass. Das Lambeau Field hat davon wahrscheinlich überdurchschnittlich viele gesehen. Bobby „The Hawk“ Dillon (okay, der war Safety), Willie Buchanon, Mark Lee, Hank Gremminger, Bob Jeter, Charles Woodson – großartige Spieler, die diese Position ausgefüllt und teils neu interpretiert haben. Doch über allen schwebt einer, der bis heute als der wohl beste Corner aller Zeiten gilt. Nun ist er von uns gegangen. Im Alter von 81 Jahren starb Herb Adderley am gestrigen Tage. Rest in Peace, Number 26.

Runningback in Michigan

Herbert Anthony Adderley wurde am achten Juni 1939 in Philadelphia geboren und war, wie viele junge Athleten damals, ein Allround-Talent. Football, Basketball und Baseball war es in seinem Fall, die ihn Stadtbekannt machten. Und so kam Adderley 1959 ans College. Bei den Michigan State Spartans war er der Leader der Offensive. Seine Statistik sind eigentlich unfassbar: 27 Spiele in drei Jahre, 198 Rushes für 807 Yards (knapp vier Yards pro Lauf). Dazu 28 Catches für 519 Yards und alles in allem acht Touchdowns. Dass es für die Spartans in jenen Jahren nicht zu großen Erfolgen reichte, dürfte nicht an Adderley gelegen haben. Das dachten sich auch die Packers und zogen den Modellathleten (1,83m, 93kg) im 1961er Draft an 12. Stelle.

Eigentlich Backup im Offensiven Backfield

Die Fans unter euch, die sich auch für die ferne Packers-Geschichte interessieren, werden stutzen: „Warum ziehen die Packers einen Runningback, wenn mit Paul Hornung und Jim Taylor zwei Stars mitten in ihrer Prime sind?“ Nun, diese Entscheidung steht und fällt natürlich mit Vince Lombardi. Zum Einen setzte der legendäre Headcoach seine Stars gerne mal unter Druck, zum Anderen war er von der Physis Adderleys beeindruckt: „He was the best pure athlet that I have ever seen.“ Ob die Worte von Coach Lombardi exakt so waren, lässt sich nicht verifizieren, doch die Physis und Athletik beeindruckten auch die Teamkollegen wie den späteren Hall of Famer Willie Wood: „Er war athletischer als alle anderen im Team.“ Und doch: es dauerte bis Woche elf, ehe Adderley sein Debüt für Green and Gold gab.

Der Star unter den Cornerbacks

An Thanksgiving 1961 wurde Herb Adderley im zweiten Viertel des Spiels gegen die Lions in der Defensive eingewechselt – ein Schock für den damals 22-Jährigen, der aber keine Zeit zum Nachdenken hatte: „Ich schüttelte mich vor Nervosität. Ich konnte niemanden etwas fragen, ich wusste nicht, was ich tun sollte.“ Und am Ende tat er doch instinktiv das Richtige. Seine Interception im vierten Spiel brachte die Packers endgültig auf die Siegerstraße und war wohl der endgültige Fingerzeig, dass die Meisterschaft 1961 nur über die Packers führen konnte. Der Rest von Adderleys Karriere bei den Packers ist dann Geschichte – mit ihm gewann Green and Gold fünf NFL-Meisterschaften und zwei Super Bowls. Seine 39 Interceptions und sieben Pick-6 sind bis heute von keinem Packers-Cornerback erreicht wurde. Und doch trennten sich 1969 die Wege, Adderley ging zu den Cowboys. Auch dort war er erfolgreich, ein weiterer Ring kam 1971 hinzu. Als der mittlerweile 33-Jährige Adderley 1973 zu den Rams getradet werden sollte, beendete er seine Karriere.

Auszeichnungen und Respekt

Nicht nur mit seinen Teams war Herb Adderley erfolgreich, auch seine persönlichen Statistiken waren herausragend. 53 Interceptions (inklusive Playoffs), insgesamt acht Touchdowns und 15 Fumble Recoveries stehen in den Büchern. So hagelte es in der Folge Auszeichnungen: Fünf Pro Bowls, vier First-team All-Pro, drei weitere Male im Second-team – mehr dürfte kein kein Cornerback in der NFL-Geschichte erreicht haben. Auch nach der Karriere gab es Auszeichnungen mit der Aufnahme in die Pro Football Hall of Fame, ins 1960s All-Decade Team und in die Packers Hall of Fame. Doch mehr noch als die Auszeichnungen war es der Respekt aus der gesamten Liga, der Adderley stolz machte. „Herb war eine Klasse für sich. Ich muss nicht drüber nachdenken – er war der Beste“, sagte Johnny Morris von den Bears und Tommy McDonald, einer der ersten Hall of Fame-Receiver, meinte: „Adderley ließ mich nie nach außen gehen und er zwang mich jedes Mal „Underneath“-Routen zu laufen. Andere versuchten das auch, aber er war der Einzige, der tough und schnell genug war, dies zu schaffen.“ Und sein Nebenmann Willie Wood sagte: „Da war eine Menge Killerinstinkt in ihm.“

Best Cornerback of All Time

Sicherlich gibt es in der Geschichte der NFL Spieler, die mehr Interceptions gefangen haben. Andere haben auch mehr Defensive Touchdowns. Doch Adderley hat den folgenden Generationen den Weg gewiesen und hat aufgezeigt, welche Wichtigkeit seine Position im Allgemeinen und die Skills im Besonderen bekommen müssen. Und damit ist er zumindest für mich der beste Corner aller Zeiten – Deion Sanders oder Charles Woodson zum Trotz!

Karriere nach der Karriere

Nach seiner Football-Karriere kehrte Herb Adderley zurück nach Philadelphia. Er baute eine Firma auf, die Kabel entwickelte und vertrieb, war Kommentar bei Football-Übertragungen der Eagles und der Temple University und assistierte seinem alten Kumpel Willie Wood als Coach in der World Football League. Nun ist er von uns gegangen, hat die ewigen Football-Jagdgründe erreicht. Rest in Peace, Herb, und ärgere die Quarterbacks im Himmel weiter. Dein Name wird hier unten, unter uns Jüngern der Packers, immer unsterblich sein. Und wenn der Enkel deines Cousins nur halb soviel Talent hat wie du, dann wird man in 20 Jahren auch über Nasir Adderley nur Gutes sagen. Wir genießen erstmal deine Highlights!