Der Blick geht in der heutigen Kolumne auf einen Spielzug, der unter Matt LaFleur bereits im vergangenen Jahr vermehrt Einzug in Green Bay gefunden hat. Der Jet Sweep. Die Packers haben den Jet Sweep mehrmals sehr erfolgreich gegen die Vikings eingesetzt.

Was ist der Jet Sweep?

Der Jet Sweep zählt zu den Runnigplays. Ein Receiver läuft von seinem Platz (meist Wideout) parallel zur Line of Scrimmage hinter der OLine entlang. Der Quarterback übergibt den Ball dann an diesen Receiver der mit viel Geschwindigkeit um die OLine herumläuft. Im ersten Beispiel aus dem Vikings-Spiel ist Lazard derjenige der den Jet Sweep ausführt.

Lazard ist zunächst links der OLine aufgestellt. Auf Signal von Rodgers läuft Lazard den aufgezeigten Weg und bekommt von Rodgers den Ball übergeben. Die OLine selbst täuscht mit ihren Blocks einen Laufspielzug nach links an. Rodgers faket dazu zusätzlich die Ballübergabe an Jones. Auf der rechten Seite der OLine täuscht Tonyan den Block nach links nur an und blockt dann auf dem zweiten Level den Linebacker. MVS blockt den Cornerback (oberer Bildrand).

Lazard kommt mit viel Tempo um die OLiner herum. Die Linebaker und DLiner der Vikings müssen den Lauf respektieren und diesen verteidigen und beißen daher auf den Fake komplett an (viel Platz am oberen Bildrand). Nur Smith (roter Kreis) kann als Safety den Überblick behalten und Lazard am Ende stoppen. Trotzdem erzielt Lazard hier ordentlich Raumgewinn (ca. 10 Yards).

Zweites Beispiel:

Im zweiten Beispiel kommen die Packers im 21-Personell (2 Runningbacks, 1 Tight End) aufs Feld. Lewis der zunächst als Wideout aufgestellt ist, wechselt Pre Snap seine Position links des Left Tackles (grüner Pfeil). Außerdem stehen auch die beiden Wide Receiver (Lazard und Turner) nah an der OLine. Die Vikings stellen entsprechend die Box relativ zu, um auf einen Run durch die Mitte vorbereitet zu sein.

Die Packers faken im Folgenden wieder den Laufspielzug nach links. Rodgers täuscht die Ballübergabe an Williams an und die OLine plus Tuner (WR am oberen Bildrand) blocken nach links. Zeitgleich läuft Lazard hinter der OLiner entlang, bekommt den Ball von Rodgers und sticht in den Freiraum auf der rechten Seite. Deguara (blau eingekreist) hat in diesem Play eine entscheidende Rolle.

Als Fullback aufgestellt täuscht er zunächst ebenfalls den Block nach links an, um dann blitzschnell nach rechts auszubrechen und für Lazard als Vorblocker unterwegs zu sein.

Deguara nimmt in diesem Beispiel mit einem Monsterblockgleich gleich zwei Vikingsverteidiger aus dem Spiel! Lazard hat dadurch quasi keinen Gegenspieler mehr und kann 20 Yards Raumgewinn erzielen. Smith (rot eingekreist) muss eine weite Strecke zurücklegen, um Lazard am Ende out of Bounds zu schieben und das Play zu beenden.

Drittes Beispiel:

Auch im dritten Beispiel eine ähnliche Ausgangslage. Wieder kommen die Packers im 21-Personell aufs Feld. Tyler Ervin (nominell Runningback) stellt sich zunächst als Wideout auf. Wieder machen die Vikings mit ihrer Formation die Mitte des Feldes dicht.

Anders als im zweiten Beispiel geht der Jet Sweep diesmal zur Strong Side. Abermals blockt die OLine in die entgegengesetzte Richtung (nach rechts) des eigentlichen Spielzuges (nach links). Ervin (blauer Kreis) kommt mit Speed um die Line herum. In dem Fall haben es die Vikings aber besser verteidigt und stehen hier mit einer Überzahl in Ballnähe eigentlich gut dar.

Holton Hill, der Cornerbacks der Vikings, bezahlt hier allerdings Lehrgeld (4 NFL Starts bisher) und macht einen Schritt genau in die falsche Richtung in die Mitte des Spielfeldes anstatt Ervin außen zu halten und ihn zu stoppen.

Den Defensive End direkt vor sich schlägt Ervin mit seinem Speed. Hill macht mit seinem Fehler den Rest. Ervin hat plötzlich unerwartet viel Platz vor sich und weiß diesen zu nutzen.

Takeaway

Die drei hier gezeigten Plays sind nur ein Beispeil, wie kreativ die Offense unter Matt LaFleur bereits geworden ist. Es muss nicht immer ein Laufspielzug durch die Mitte sein, auch wenn viele darauf hindeutet. Die Gegner der Packers haben den Jet Sweep nun entsprechend zu respektieren und müssen ihre Defense gegeben falls darauf anpassen. Daraus ergeben sich in Zukunft diverse Möglichkeiten eben diesen Jet Sweep anzutäuschen. Nicht unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten Wochen aus den exakt gleichen Situationen einen tiefen Play-Action Pass sehen oder eben doch der Runnigback den Ball bekommt.

Damit solche Plays generell funktionieren braucht es mehrere Dinge. Man braucht Spieler mit dem entsprechenden Speed. Weiterhin Spieler die im offenen Feld blocken können. Matt LaFleur legt z.B. sehr viel Wert darauf, dass nicht nur die Tight End´s gut blocken können, sondern auch die Wide Receiver. Zusätzlich haben die Packers insbesondere mit Ervin und Deguara zwei Spieler die extrem flexibel einsetzbar sind. Der Gegner kann sich nie sicher sein, ob sie nun als Tight End, Wideout oder Runnigback aufgestellt werden, was die Auswahl des defensiven Personals für den jeweiligen Spielzug erschwert.