Diese Steckbriefe sind eine fortlaufende Serie an Beiträgen. 53 Tage vor Saisonstart (sofern er denn stattfindet) beginnen wir mit unseren Top 53 Spielern und stellen sie euch kurz vor. Heute: Josiah Deguara

Daten und Fakten

Größe: 6’3’’ (ca. 1,92m)
Gewicht: 238 lbs (ca. 108kg)
NFL-Erfahrung: Rookie
Bisherige Teams: University of Cincinnati (“Bearcats”)

College-Zeit

Josiah Deguara (ausgesprochen Duh-gwa-ruh) wurde in Folsom (Kalifornien) geboren und spielte dort vor seiner College-Zeit auch an der Folsom High School bereits Football. Bekannt ist Folsom übrigens wegen des ortsansäßigen Gefängnisses in dem Johnny Cash zwei Konzerte vor Häftlingen spielte (musikalischer Link). An der High School war er als Tight End eingesetzt und als Hybrid Back, was schon seinerzeit seine Vielseitigkeit unterstrich.

Landesweit war Deguara vor seinem Gang ans College einmal als 2- und als 3-star recruit eingestuft worden – kurz: er gehörte nicht zu den begehrtesten Neuankömmlingen. Letztlich hatte er zwei ernsthafte Interessenten: die University of Cincinnati und die Universität der Air Force Falcons.

Deguara entschied sich im Jahr 2015 für Cincinnati, trat dort aber nach einem ersten Red Shirt-Jahr erst 2016 etwas in Erscheinung. Er agierte in allen 12 Spielen für die Bearcats auf dem Feld, zumeist aber nur im Special Team. Er konnte dementsprechend nur vier Pässe für 47 Yards fangen. Eine leichte Steigerung auf 98 Yards bei elf gefangenen Pässen in nur sieben Spielen konnte er dann 2017 vorweisen, aber ein echter Durchbruch war das natürlich noch nicht.

Richtig in Erscheinung trat Deguara dann 2018. Am Saisonende wurde er in das Second All-Star-Team der All-American Athletic Conference (All-AAC) gewählt, nachdem er der zweitproduktivste Receiver der Bearcats war. Mit 38 Receptions konnte er 468 Yards erzielen und den Ball fünf Mal in die Endzone befördern.

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2019er Saison

Den endgültigen Durchbruch und Beachtung auf nationaler Ebene erhielt Josiah Deguara dann im Jahr 2019. Am Saisonende erhielt er den teaminternen Most Valuable Player-Award und wurde natürlich auch wieder ins All-Star-Tam der All-AAC gewählt, aber diesmal auch ins First Team.

Um diese Lobpreisungen zu erhalten, muss man natürlich auch liefern und das tat Deguara, der auch zum Teamcaptain ernannt wurde. Er führte das Team bei den Receptions mit 39 an und fing auch die meisten Touchdowns (7). Mit 504 gefangenen Yards belegte er hier teamintern Platz zwei. Auffällig: sein Route Running, gerade im vertikalen Bereich, wird als erstklassig eingestuft und Deguara brach hier einige Male mit Big Plays für die Bearcats durch. Im Schnitt erzielte er pro Reception 12.9 Yards (Highlight-Zusammenschnitt).

Zusammenfassend hatte Deguara eine der besten Saisons eines Tight Ends in der Geschichte der University of Cincinnati. Mehr Touchdowns fing zuletzt beispielsweise 2012 Travis Kelce, der 8 Bälle in der Endzone fing. Kelce ist neben Deguara auch der einzige Tight End, der jemals mehr als 500 Yards in einer Saison gefangen hatte. Auch die Karrierebilanz von Deguara liest sich positiv mit insgesamt 1117 Yards. Besser war in der Schulgeschichte zuvor nur ein Tight End mit Brent Celek, der 1135 Yards einsammeln konnte. Celek und Kelce sind letztlich beide in der NFL gelandet und haben dort in ihren Teams eine tragende Rolle eingenommen bzw. gehören noch zur absoluten Tight End-Elite.

Nach dem Saisonende der Bearcats nahm er auch am Senior Bowl 2020 teil, wurde darüberhinaus in die “Athletic Legion of Excellence” der University of Cincinnati aufgenommen und nahm an der Combine teil, um sich entsprechend für den Draft 2020 zu präsentieren. Viel und heißdiskutiert wurde die Wahl der Packers Deguara in Runde 3 (Position 94) im Draft auszuwählen, da er – in den Augen der Scouts – eher nur eine durschschnittliche Physis für einen Tight End an den Tag legte und keine wirkliche Stärke offenbaren konnte.

Erwartungen an die 2020er Saison

Die klassischen Tight End-Rollen sind mit Marcedes Lewis (als Blocker) und Jace Sternberger (als Receiver) im Regelfall schon belegt. Rob Tonyan, als ehemaliger Wide Receiver, ist sicherlich eine Wild Card und kann nur schwer eingeschätzt werden, da er zu oft unter Verletzungen litt, aber in seinen aktiven Phasen teils gute Ansätze zeigte. Wo ist hier nun Platz für Deguara?

Die Erwartungen an Deguara sind manigfaltig. Im Nachgang des Drafts wurde zu Deguara viel schon geschrieben und oft auf den Coaching Tree von Kyle Shanahan verwiesen, dem Matt LaFleur entsprungen ist. Shanahan nutzt seinen Fullback Kyle Juszczyk teils als Vorblocker, Blocker (Tight End-änhlich), Ballträger und Receiver. Juszczyk wird auch entsprechend aktiv im Playbook über das gesamte Feld bewegt und auch “in motion” gesetzt. Hat LaFleur mit Deguara ähnliche Dinge vor?

Hier kommt nun der Rückgriff auf die High School-Zeit von Deguara, der bereits dort als Tight End und Hybrid Back genutzt und auch in Cincinnati enstprechend flexibel eingesetzt wurde. Gelistet wird Deguara zwar als Tight End, wenn man aber bedenkt, dass Matt LaFleur auch Jace Sternberger letztes Runde bereits als H-Back eingesetzt hat, dann ist der Rückschluss nicht all zu fern, dass Deguara bei den Packers womöglich auf einigen Positionen zum Einsatz kommen könnte. Passend hierzu werden die Stärken von ihm aus dem College wiefolgt beschrieben: ein ausgeglichenes Skillset als Blocker und Receiver; immer hochgradig engagiert in allen Phasen des Spiels; ein absoluter Teamplayer, der sich auch aufopfert und undankbare Aufgaben wahrnimmt; liebt den Wettkampf und ist vielfältig im Spiel involviert (mit und ohne Ball).

Fazit: Von einem Tight End kann man im ersten Jahr, in der Regel, kein immenses Feuerwerk an Stats erwarten. Typisch wäre für einen jungen Tight End, dass er nur selten aktiv auf dem Feld steht und im ersten Jahr nach dem Draft hauptsächlich lernt und die Leistungskurve erst in Jahr 2 überhaupt zu sehen ist. Bei der Ausgangslage rund um Deguara kann aber gefühlt alles passieren. Sollte er wirklich absolut flexibel, in diversen Rollen von LaFleur eingeplant und auch eingesetzt werden, dann ist eine Stat-Line mit manigfaltigem Einfluss auf das Spiel denkbar. Dann könnte man ihn als Blocker, als H-Back, als Tight End mit vertikalen Routes und vielen weiteren Rollen sehen.

Diesbezüglich ist Deguara einer der spannensten, wenn nicht gar der spannenste Spieler im Roster der Packers!