Neben den einzelnen Spieler-Scoutings und dem großen Mock Draft sind für uns natürlich nicht nur die Erstrundenpicks interessant – auch die Picks aus den Runden 2-7 wollen wir bearbeiten. Dafür habe ich mich mit Chris zusammengesetzt und wir haben mit Hilfe von mehreren Mock Draft-Simulatoren und unserer eigenen Einschätzung einen realistischen Mock Draft über die vollen 10 Picks der Green Bay Packers zusammengestellt. Dabei haben wir versucht, nur Spieler zu wählen, die bei den Picks möglicherweise oder vermutlich noch da sein werden – quasi die besten Picks, ohne unrealistische Szenarien zu bekommen.

Runde 1 Pick 30: Kenneth Murray (LB, Oklahoma)

Kenneth Murray ist der Lieblingspick vieler Packers-Fans und auch wir mögen Murray hier sehr gerne. In letzter Zeit häufen sich die Gerüchte, dass Murray deutlich früher gehen könnte, ich sehe aber auch realistische Möglichkeiten, dass er bis 30 fällt. Mit Kenneth Murray bekommen die Packers einen Leader allererster Klasse in die Defense. Er ist ein echter Sideline-to-Sideline Linebacker und perfekt dafür gemacht, um der Nachfolger und gleichzeitig ein Upgrade von Blake Martinez zu werden. Murray ist ein richtig guter Rundefender und – was bei den Packers selten vorkommt – ein echt guter Tackler! Weiteres zu Murray im LB-Artikel.

Runde 2 Pick 62: Brandon Aiyuk (WR, Arizona State)

Aiyuk bekommt in letzter Zeit sehr viel Erstrunden-Hype, weil viele NFL-Insider ihm nachsagen, er sei ein sehr intelligenter Footballer und die Coaches würden ihn sehr mögen. Er ist ein Speedster und YAC-Wide Reciever, der definitiv eine gute Nummer 2 im Wide Receiver-Corps der Packers sein kann. Während er eine Menge Stärken hat, hat er aber auch Schwächen, die ihn unserer Meinung nach zu einem realistischen Kandidaten für Pick 62 machen. Aiyuk ist als Route Runner “nur” solide und physisches Spiel ist gar nicht sein Ding. Aiyuk ist jemand, der über Separation Pässe fängt, mit 50-50-Balls sollte man es bei ihm möglichst gar nicht versuchen. Aiyuk kann sich bei verlängerten Plays noch Platz schaffen, aber er ist kein Spieler, dem man den Ball zuwirft und er kümmert sich dann darum, dass er den Ball kriegt. Auch seine Einschränkungen im bisherigen Route Tree und seine Fake-Moves, um Routes zu verschleiern, brauchen noch einiges an Arbeit. Trotzdem ist Aiyuk an 62 ein echt guter Pick, mit dem ich sehr zufrieden wäre! Weiteres zu Aiyuk im WR-Artikel.

Runde 3 Pick 94: DaVon Hamilton (DT, Ohio State)

Hamilton in der dritten Runde ist möglicherweise ein bisschen gereacht – je nachdem, wie man ihn bewertet. In einem Simulator war er schon gepickt, in zwei anderen wäre er ein Spieler für die nächsten 20 Picks gewesen und im dritten Simulator war er nicht mal unter den nächsten 40 Prospects, die verfügbar waren. Mit Hamilton bekommt man aber einen Spieler, der genau dem Need entspricht und zusammen mit Murray einen enormen Impact in der Run Defense der Packers haben wird. Er ist kein natürlicher Pass Rusher, er drückt mehr die Pocket etwas zusammen, was genau passt, da das wiederum unseren starken Edge Rushern erlaubt, den Quarterback zu jagen und zu Boden zu bringen, ohne dass dieser in der Pocket Schutz suchen kann. Allgemein ist er mehr ein Nose Tackle-Style Spieler, der Double Teams bekommen wird und so seinen Nebenmännern etwas Platz verschafft. Während seine Power und auch sein Tackling sehr stark sind, bekommt Hamilton seine eigentlich starken Arme (33 Bench Reps!) noch nicht so gut eingesetzt. Insgesamt ist Hamilton etwas inkonstant und vor allem wenn er ein Big Play kommen sieht, verliert er oft seine bisher guten Anstrengungen und patzt dann. Hamilton würde sehr davon profitieren, eine reine Runstopping-Rolle als Nebenmann von Clark zu bekommen – und andersrum würde Clark davon profitieren, wenn Hamilton das Doubleteam bekommt und er 1on1 mit einem OLiner stehen kann. Ein Match made in Heaven für die Packers! Alternativ hätte man hier den dringend benötigten Offensive Tackle der Zukunft draften können – Ben Bartch wäre eine beliebte Option gewesen. Ich selbst bin aber kein Fan von Bartch. Zwischenzeitlich hatten wir über einen zweiten Wide Receiver nachgedacht, aber auch hier war der Value der Optionen nicht so gut, wie wir es uns gewünscht hätten – Tyler Johnson (Minnesota) oder K.J. Hill (Ohio State) wären hier die besten Spieler gewesen.

Runde 4 Pick 136: Saahdiq Charles (OT, LSU)

Ein Tackle in der vierten Runde ist etwas später, als man sich das eigentlich wünscht. Mit Saahdiq Charles bekommt man aber einen sehr guten Athleten, aus dem man noch einiges machen kann. Er hat viele Traits, die man gerne sieht. Vor allem als reaktiver Blocker macht man ihm nichts vor – er arbeitet gut gegen Counter Moves und er erkennt Blitzes und DLine-Stunts sehr gut. Er hat eine gute Footwork und insgesamt wirkt er einfach wie ein sehr gut ausgebildeter Spieler. Ihm fehlt jedoch noch eine Menge Masse und Kraft, um auf NFL-Level zu bestehen – gute Power Rusher werden ihn in seinem aktuellen Zustand komplett auseinandernehmen. Das kommt dann wiederum natürlich mit den üblichen Bedenken, was mit der Athletik passiert, wenn er die zusätzlichen Kilos hat. Charles ist definitiv ein Projekt, das aber einen guten Erfolg bringen könnte – die Packers haben sich in der Vergangenheit bei vielen Offensive Linemen als gute Ausbilder ausgezeichnet. David Bakhtiari war ursprünglich selbst mal Viertrundenpick.

Runde 5 Pick 175: Reggie Robinson II (CB, Tulsa)

Robinson ist eigentlich ein Packers-Late Round Pick, wie er im Buche steht und hat Gutekunst nahezu auf der Stirn stehen. Er hat einen 9.63er RAS (Relative Athletic Score) und bringt mit seiner enormen Athletik eine riesige Upside. Zusätzlich zu seiner starken Geschwindigkeit und Agilität hat er außerdem eine gute Field Vision und genug Stärke und Technik in den Armen, um auch in der Press Coverage an der Line of Scrimmage zu überzeugen. Wie viele Spieler aus einer kleineren Universität ist er technisch leider noch nicht so gut ausgebildet. Seine Footwork in der Coverage ist ausbaufähig und auch mit den Händen wird er etwas grabby, wenn es in Richtung der Passverteidigung geht. Robinson hat noch viel zu lernen, für einen Fünftrundenpick ist das aber normal. Ich bin schon länger Fan von Robinson und hatte ihn zu Beginn immer als später Pick an bspw. 209 für einen Day3-Cornerback eingesammelt, momentan steigt er aber auf vielen Draft Boards und so könnte es sogar sein, dass er hier schon nicht mehr verfügbar ist. Draft-Experte Daniel Jeremiah hat ihn beispielsweise als Prospect Nummer 84 in seiner Top-150-Rangliste stehen. Weiteres zu Robinson im CB-Artikel.

Runde 6 Pick 192: Ke’Shawn Vaughn (RB, Vanderbilt)

Vaughn ist ein sehr interessanter Late Round-Runningback. Er hat nicht so viel Upside wie Aaron Jones (der auch wegen seiner Verletzungsbedenken etwas weiter gefallen ist), aber trotzdem bringt er eine gute Upside mit, um in der NFL mal etwas zu werden. Seine Geschwindigkeit ist gut und er hat eine gute Field Vision. Seine Stärke ist sein starker Frame, außerdem bringt er ein gutes Pass Blocking aus dem College mit, was definitiv ein Vorteil ist. sein Decision Making ist leider nicht gut und auch seine Beschleunigung ist mangelhaft, was in Kombination dann zu vielen unnötigen Tackles führt, die ihn Yards kosten. Wenn man ihn in der sechsten Runde kriegt, wäre ich sehr zufrieden – ich würde ihn sogar in der fünften Runde schon als Option ansehen, in unserem Durchlauf war Vaughn aber in allen Simulatoren an 192 noch da. Weiteres zu Vaughn im RB-Artikel.

Runde 6 Pick 208: Tyrie Cleveland (WR, Florida)

Cleveland ist ein typischer Late Round-WR. Gutekunst sagte vor kurzem noch über Wide Receiver “so groß, schnell und stark wie möglich” (oder ähnlich), das trifft auf Cleveland fast zu. Er ist groß und schnell und zumindest nicht schwach, wenn es ihm auch an Handwork-Technik gegen Press Coverage mangelt bisher. Der Topspeed ist nicht grandios, aber in Ordnung – seine Beschleunigung dahin ist gut. Cleveland ist mehr ein Slot-Receiver und gerade da mag Gutey seine großen Spieler. Er ist ein Hand- und kein Bodycatcher, was schon ein sehr guter Schritt ist. Außerdem bietet Cleveland sehr gute Qualitäten als Special Teamer. Punt Returns sind nicht unbedingt seine Stärke (das kann aber noch werden), dafür ist er ein sehr guter Gunner und auch als Kick Returner kann Cleveland einiges – mit 24,8 Yards pro Return hat er da in 2019 durchaus was gezeigt. Special Teamer mit Upside – das sind Spieler, wie man sie spät holen will.

Runde 6 Pick 209: Jakob Breeland (TE, Oregon)

Dass Breeland so spät immer wieder noch auf dem Board ist, wundert mich jedes Mal wieder. Breeland ist kein Highlight-Tape-Tight End und seine Knieverletzung ist durchaus auch etwas, was man im Kopf behalten sollte, aber generell hat er von mir eine 3rd Round Grade bekommen. In der NFL sehen das sehr viele anders – und generell drückt die sehr gute Wide Receiver-Klasse die Tight Ends noch weiter nach hinten. Ich habe in Runde 6 nicht gezielt nach Breeland gesucht, aber da er in allen Simulatoren noch verfügbar war, haben Chris und ich uns dafür entschieden, ihn zu nehmen. Breeland bringt eine enorme Upside als Blocker und könnte hier der Nachfolger des alternden Marcedes Lewis werden. Als konvertierter Wide Receiver kann er im Blocking noch einiges mehr lernen, obwohl er das schon sehr gut macht – und auch als Receiver hat er immer noch einiges zu bieten, auch wenn das definitiv nicht seine Stärke ist (es hatte Gründe, wieso er kein Wide Receiver mehr ist). Als Late Round-Pick würde mir Breeland enorm gut gefallen und er würde unsere Tight End-Gruppe perfekt ergänzen. Weiteres zu Breeland im TE-Artikel.

Runde 7 Pick 236: Jake Hanson (OL, Oregon)

In der siebten Runde gibt es normalerweise nahezu keinen Spieler mehr, mit dem man tatsächlich plant, hier holt man also Spieler, wo man einfach mal ausprobiert, was sie können – und wohin man sie vielleicht entwickeln kann. Das ist auch der Punkt, wo ich vom Großteil der Spieler nicht mal mehr die Namen kenne. Jake Hanson ist jedoch ein Guard, der eine gute Upside anbietet und durchaus mal ein guter Backup werden könnte. Wird Hanson mal ein OLine-Star? Definitiv nicht. Aber auch ein guter Backup ist in Runde 7 schwer zu finden. Getreu dem Motto “the best qualitiy is availability” (die beste Qualität ist Verfügbarkeit) ist Hanson kein schlechter Pick, denn er hat kein einziges College-Spiel bei Oregon verpasst. Er hat eine enorme Stärke im Oberkörper und in den Armen. Hanson passt nicht unbedingt ins athletische Profil von Gutekunst, sein RAS ist nicht gerade stark, er hat aber beim Combine auch nur den 40 Yard Dash (5,5 Sekunden) und die Bench Reps (33) absolviert, weshalb das nicht unbedingt aussagekräftig ist. Im Spiel zeigt er für einen Spieler mit seinem Frame eine gute Athletik, aber nichts herausragendes. Als Siebtrundenpick gefällt mir Hanson doch sehr gut.

Runde 7 Pick 242: Blake Ferguson (LS, LSU)

Für seinen letzten Long Snapper-Pick hat Gutekunst sehr viel Kritik einstecken müssen – vor allem, weil er keine konstant gute Leistung bringt. Blake Ferguson ist der beste Long Snapper der Klasse und wenn man Hunter Bradley wirklich richtig gute Konkurrenz ins Trainingscamp schicken will, dann holt man Ferguson. An der Position kriegt man sowieso selten noch brauchbare Spieler (zum Vergleich: Die letzten Picks der Packers waren zuletzt Ty Summers, Kendall Donnerson und Malachi Dupre – außer Special Teams-Value von Summers war davon keiner relevant) und ein guter Long Snapper könnte J.K. Scott dabei helfen, endlich konstante Leistungen abzuliefern, wenn er nicht mehr durch Misssnaps aus dem Rhythmus kommt. Viele werden den Pick nicht mögen, man kann hier nahezu jeden anderen Spieler vom Board picken und hoffen, dass er was wird – der Value ist meiner Meinung nach bei Ferguson am höchsten.