Update 15.04.2020: Spätestens seit die Free Agency etwas abgeflacht ist und die meisten Sportarten weltweit aufgrund der COVID-19-Pandemie zum Erliegen gekommen sind, fiebern viele NFL Fans dem diesjährigen Draft entgegen. Ursprünglich sollte Commissioner Roger Goodell auf einer Bühne mitten in den berühmten Brunnen des Bellagio Casinos in Las Vegas stehen wenn er verkündet “The Cincinnati Bengals are now on the clock”. Stattdessen wird er im Keller seines prunkvollen Anwesens in New York sitzen und die Team-Picks der ersten Runde verkünden – denn der Draft wird dieses Jahr komplett virtuell stattfinden. Spieler und Experten werden lediglich zu Wort kommen wenn sie live zugeschaltet werden. Auch Brian Gutekunst und die restlichen Verantwortlichen der NFL Teams, die den Draft in den eigenen vier Wänden verbringen müssen, werden nur über digitale Kanäle miteinander kommunizieren können. Zudem werden die Teams ihre Picks online via verschlüsseltem Draft Channel machen.
Hoffen wir also, dass die Internetverbindung in Green Bay vom 23.04.-25.04.2020 gut sein wird!


Hinweis: Punkte, die so nur für den Draft 2020 gelten, habe ich in blauer Farbe markiert und hervorgehoben, da darüber oder darunter ggfs. die Standard-Vorgehensweise beschrieben ist.

Der NFL Offseason ist lange – sehr lange. Nach dem Super Bowl gibt es erst einmal wenig auf das man sich freuen kann. Die Hardcore-Fans unter euch, werden sicherlich den NFL Scouting Combine verfolgt haben. Kurz danach geht es in den ersten Tagen der Free Agency noch einmal richtig zur Sache – wobei wir Packers unter der “Regentschaft” von Ted Thompson größtenteils außen vor waren. Der NFL-Draft wird allerdings den meisten Fans bereits ein Begriff sein. Das liegt auch daran, dass aktuell fast jeder der einen PC, ein Tablet oder ein Handy bedienen kann stolz seine Mock Drafts präsentiert. Doch insbesondere die Neulinge unter euch werden sich fragen: Was ist der Draft? Wie funktioniert er? Wie kommt die Reihenfolge zu stande? Welche Möglichkeiten haben die Teams? Oder wie erfolgt eigentlich die Spielerwahl? Aus diesem Grund wollen wir in unserem “Packers Lexikon” die wichtigsten Punkte zum Draft erklären.

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Wann ist der NFL Draft und wo wird er übertragen?

Der diesjährige Draft findet zwischen dem 23. und 25.04.2020 statt.
In den vergangenen Jahren ist die NFL dazu übergegangen den Draft i. d. R. jährlich in einer anderen Stadt auszutragen, nachdem dieser vorher Dauergast in New York war. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass nicht nur Millionen von Zuschauern vor ihren Fernsehgeräten sitzen, sondern (normalerweise) auch eine Vielzahl von Fans zum Austragungsort pilgert um live beim Geschehen dabei zu sein und ihre Unterstützung zu zeigen.
Wenn ihr Interesse habt den Draft live zu verfolgen, könnt ihr das auch in Deutschland.

Der NFL Gamepass – und damit auch die Draft Coverage – ist bis zum 31.07.2020 kostenlos. Einfach mit beliebigen Daten (müssen nicht echt sein) auf folgender Seite registrieren: https://www.nflgamepass.com/de/subscribe/account
Der Zugang erlischt automatisch nach dem 31.07.2020. Eine Kündigung oder eine Eingabe von Zahlungsdaten ist nicht notwendig.

RundenDatum und UhrzeitÜbertragung
1. Runde 24.04.2020, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 2 Uhr ProSieben MAXX, ran.de, NFL Network (auch über DAZN)
2. – 3. Runde 25.04.2020, in der Nacht von Freitag auf Samstag ab 1 UhrNFL Network (auch über DAZN)
4. – 7. Runde 25.04.2020, Samstag ab 18 Uhr NFL Network (auch über DAZN)

Der NFL Draft – Sinn & Reihenfolge

Der NFL Draft oder auch Player Selection Meeting wurde im Jahr 1936 eingeführt, um mögliche Ungleichgewichte in der Liga ein Stück weit auszugleichen. Der Hintergrund ist, dass gute Spieler i. d. R. ein vermeintlich stärkeres Team präferieren würden um ihre Chancen auf einen Titel zu erhöhen. Dies hätte eine Dominanz einzelner Teams zur Folge wie sie beispielsweise im Fußball jedes Jahr zu erleben ist. Auch wenn in den folgenden Jahren und Jahrzehnten einzelne Aspekte des Drafts überarbeitet wurden, blieb die grundlegende Idee dahinter stets dieselbe.

In insgesamt 7 Runden dürfen die 32 NFL Teams in umgekehrt chronologischer Reihenfolge hinsichtlich ihrer Platzierung in der Vorsaison einen – zunächst also insgesamt 224 – Spieler auswählen. Das heißt: alle Mannschaften, die in der jeweiligen Vorsaison nicht die Playoffs erreicht haben, werden entsprechend ihrer Platzierung einsortiert. Das Team mit dem schlechtesten Record darf als erstes einen Spieler wählen, das Team mit dem der zweitschlechtesten Bilanz als zweites. Dieses Schema wird für die ersten 20 Teams weitergeführt, bis die Teams dran sind, die in den Playoffs um den Titel als Super Bowl-Champion kämpfen durften. Hier wird berücksichtigt welche Teams wann ausgeschieden sind.

Beispiel 2019: Nach dem besten Nicht-Playoff-Team (Steelers) durften die 4 Teams einen Spieler auswählen, die Anfang des Jahres in den Wild Card Games ausgeschieden sind – 2019 waren das Ravens (10-6), Texans (11-5), Seahawks (10-6), Bears (12-4). Da alle Teams in derselben Runde ausgeschieden sind, gilt als “Tiebreaker” dann die Bilanz der Teams in der Regular Season. Folglich durften nach den Steelers die Ravens und die Seahawks ran. Da beide wiederum denselben Record hatten, wird als nächstes geprüft wie stark die Gegner der jeweiligen Teams waren. Da die Gegner der Seahawks weniger Spiele gewonnen haben als die Gegner der Ravens geht man davon aus, dass die Seahawks bei gleichem Record wie die Ravens das schwächere Team sind – folglich durften die Seahawks als 21tes Team einen Spieler wählen, die Ravens als 22ter. Anschließend folgen die Verlierer der Divisional Playoffs, der Championship Games, gefolgt vom Verlierer des Super Bowl. Zu guter Letzt darf der Super Bowl Sieger abschließend als 32er seinen Spieler auswählen. Die Liste der “Tiebreaker” geht noch ein gutes Stück weiter und kann auf folgender Seite nachgelesen werden: Die NFL-Draft-Regeln (Englisch)

Unter Berücksichtigung dieser Regelung würde sich für das Jahr 2020 folgende Regelung ergeben:

  1. Cincinnati
  2. Washington
  3. Detroit
  4. NY Giants
  5. Miami
  6. LA Chargers
  7. Carolina
  8. Arizona
  9. Jacksonville
  10. Cleveland
  11. NY Jets
  12. Las Vegas
  13. Indianapolis
  14. Tampa Bay
  15. Denver
  16. Atlanta
  17. Dallas
  18. Pittsburgh
  19. Chicago
  20. LA Rams
  21. Philadelphia
  22. Buffalo
  23. New England
  24. New Orleans
  25. Minnesota
  26. Houston
  27. Seattle
  28. Baltimore
  29. Tennessee
  30. Green Bay
  31. San Francisco
  32. Kansas City

Die Experten unter euch werden jetzt zurecht protestieren und darauf hinweisen, dass die Reihenfolge falsch ist. Und ihr habt natürlich recht. Es gibt verschiedene Punkte, die abgesehen vom Record einen Einfluss auf die Reihenfolge haben. Dazu gehören bspw. “Compensatory Picks”, Trades, Strafen, der “Supplemental Draft” oder auch Vertrags-“Tender”

Schauen wir uns im folgenden also kurz die einzelnen Punkte an.

Einflüsse auf die Draft Reihenfolge

Compensatory Picks:
Verliert ein Team in der Free Agency viele wichtige Spieler, die bei ihrem Team zudem noch gute Leistungen abliefern und viel Geld verdienen, bekommen die abgebenden Teams von der NFL zusätzliche Draft Picks für den Draft in der Folgesaison spendiert. Die Compensatory Picks folgen auf die normalen 32 Picks jeweils am Ende der dritten bis siebten Runde des Drafts. In Abhängigkeit von den genannten Faktoren erhalten die Teams bestenfalls zusätzliche Picks am Ende der dritten Runde. Maximal werden 32 Compensatory Draft Picks auf die Teams aufgeteilt, sodass im Draft maximal 256 Spieler ausgewählt werden können. Auf diesem Weg hatten die Patriots für den 2019er Draft 4 zusätzliche Picks erhalten, zwei davon in der dritten Runde.

Trades:
Was ein Trade ist sollte den meisten von euch ein Begriff sein. Im Gegensatz zu den Compensatory Picks, erhalten die Teams keine zusätzlich geschaffenen Draft Picks, sondern tauschen ihre eigenen Picks für Spieler oder andere Draft Picks. Picks sind folglich eine Art Währung in der NFL, von der man nicht genug haben kann!

Zur Veranschaulichung des Werts von Draft Picks folgt ein kurzer Exkurs: Im Jahr 2017 wollten die Texans Brock Osweiler inkl. 16 Mio. $ garantierten Gehalts loswerden. Damit die Browns Brock Osweiler nehmen, haben die Texans noch einen 2018 second-round pick und einen 2017 sixth-round pick draufgelegt, um die 16 Mio. $ aus ihren Büchern zu bekommen. Im Gegenzug haben sie lediglich einen 2017er fourth-round pick erhalten. Die Browns haben also bereitwillig 16 Mio. $ und einen 4th rounder für einen 2nd und 6th rounder abgegeben.

Zurück zum Thema: Zwei Beispiele für Trades aus der jüngeren Packers-Vergangenheit sind beispielsweise der Trade von Ha Ha Clinton-Dix zu den Washington Redskins und die Trades mit den New Orleans Saints im 2018er Draft.
Ersteres ist recht einfach erklärt: wir haben unseren Safety an die Redskins abgegeben und als Gegenleistung den 118ten Pick im 2019er Draft erhalten.
Der Trade mit den Saints bestand aus einem Tausch aktueller bzw. zukünftiger Draft Picks: die Saints haben unseren 14ten Pick im 2018er Draft erhalten. Im Gegenzug erhielten wir die First Round Picks der Saints in den Jahren 2018 und 2019 sowie eine Fünftrundenauswahl im Jahr 2018.

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Der Wert eines Draft Picks ist nicht wirklich objektiv bestimmbar, da sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Trotzdem gibt es viele Versuche die Werte von Draft Picks zu bestimmen. Jimmy Johnson war einer der ersten, der einen Chart erstellt hat, in dem die jeweiligen Picks einen Wert zugewiesen bekommen. Wer Interesse hat, kann sich den Chart hier anschauen: Jimmy Johnson Trade Value Chart (Pro Football Reference)

Strafen:
Bei manchen Regeln ist die NFL recht lasch unterwegs, andere werden wiederum rigoros durchgesetzt. So kann es passieren, dass Teams mit dem Abzug von Draft Picks bestraft werden, wenn sie sich nicht an die unzähligen Regeln der NFL halten. So passiert ist das beispielsweise den Patriots nach dem berühmten “Deflate Gate”. Für diesen Regel-Verstoß wurde den Patriots ein 2016er First Round Pick und ein 2017er Fourth Round Pick aberkannt.

Supplemental Draft:
Der “ergänzende Draft” existiert – wie der Name schon verrät – ergänzend zum normalen NFL Draft. In dieser eher unbekannten Spielerauswahl können Talente ausgewählt werden, die sich nicht zum regulären Draft gemeldet haben, aber den Sprung in die NFL schaffen wollen – insbesondere weil sie aus irgendeinem Grund in der kommenden Saison nicht mehr im College spielen dürfen (bspw. Bezahlung im College, Verpflichtung eines Agenten, …). Die Teams nutzen den Zusatz-Draft in der Regel eher selten (vor 2018 wurde 2015 das letzte Mal ein Spieler ausgewählt), da sie für die Auswahl eines Spielers mit einem Pick des kommenden Drafts “bezahlen” müssen. Wer sich mehr mit dem Supplemental Draft auseinandersetzen möchte, kann das hier tun: Erklärung Supplemental Draft (Englisch)

Vertrags-Tender:
NFL-Teams können ihre Restricted Free Agents (RFA) mit einem Tender (Angebot) belegen. Dabei gibt es verschiedene Tender (First Round, Second Round, Original Round), die dem jeweiligen Spieler ein unterschiedliches Gehalt in Aussicht stellen. Kommt der Spieler nun auf die Idee das Angebot eines anderen Teams in Anspruch zu nehmen, erhält das abgebende Team als Entschädigung den jeweiligen Pick für den kommenden Draft. In Abhängigkeit von dem genutzten Tender, erhält das Team ensprechend einen First oder Second Round Pick bzw. einen Pick in der Runde in der der RFA ursprünglich ausgewählt wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Teams genau in der umgekehrten Reihenfolge ihrer Platzierung Spieler auswählen geht also gegen Null!
Berücksichtigt man nun alle Faktoren (möglicherweise habe ich noch welche in der Aufzählung vergessen) ergibt sich die folgende Reihenfolge für die erste Runde des 2020er Drafts:

  1. Cincinnati
  2. Washington
  3. Detroit
  4. NY Giants
  5. Miami
  6. LA Chargers
  7. Carolina
  8. Arizona
  9. Jacksonville
  10. Cleveland
  11. NY Jets
  12. Las Vegas
  13. San Francisco f/IND
  14. Tampa Bay
  15. Denver
  16. Atlanta
  17. Dallas
  18. Miami f/PIT
  19. Las Vegas f/CHI
  20. Jacksonville f/LAR
  21. Philadelphia
  22. Minnesota f/BUF
  23. New England
  24. New Orleans
  25. Minnesota
  26. Miami f/HOU
  27. Seattle
  28. Baltimore
  29. Tennessee
  30. Green Bay
  31. San Francisco
  32. Kansas City

https://www.cbssports.com/nfl/draft/news/2020-nfl-draft-order-all-seven-rounds-255-picks/

Wir, die Green Bay Packer, haben genau wie im 2019er Draft auch dieses Jahr 10 Draft Picks für den Draft vom 23.-25.04.2020.
Hier die Übersicht:
Round 1, pick 30
Round 2, pick 62
Round 3, pick 94
Round 4, pick 136
Round 5, pick 175
Round 6, pick 192 (from Raiders)
Round 6, pick 208 (from Titans)
Round 6, pick 209
Round 7, pick 236 (from Browns)
Round 7, pick 242 (from Ravens)

Die Komplettübersicht aller Picks ist lediglich eine Momentaufnahme. Vor und während des Drafts wird es noch eine Vielzahl von Trades geben, die die tatsächliche Reihenfolge noch einmal ordentlich über den Haufen werfen wird. Ein Beispiel ist oben mit dem Trade zwischen den Packers und den Saints bereits aufgeführt. Ob wir selbst tätig werden oder lediglich die Teams um uns herum steht in den Sternen und kann nicht wirklich prognostiziert werden. Angesichts von Gutekunst Spielereien in den letzten beiden Drafts, kann es aber durchaus passieren.

Draft Eligibility

Nachdem wir wissen welches Team wann seine Auswahl treffen darf, macht es Sinn zu schauen, welche Spieler überhaupt im Draft verfügbar sein werden bzw. welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, dass sie im Draft wählbar sind!

  1. Man muss ein College besuchen / besucht haben
  2. Der High School Abschluss muss mindestens 3 Jahre her sein (4 Jahre wenn man nie College Football gespielt hat)

Erfüllt ein Spieler diese beiden Voraussetzungen spricht in der Regel nichts dagegen, dass sich ein Spieler für den NFL Draft anmeldet. Zu beachten ist, dass Spieler, die ihren Abschluss gemacht haben, nur in dem darauffolgenden Draft teilnehmen können. Das Organ NFL Player Personnel prüft allerdings für jeden einzelnen Bewerber, ob dieser zum Draft zugelassen wird. Laut eigenen Angaben werden etwa 3.000 College Spieler pro Jahr überprüft.

Da es allerdings keine zwingende Voraussetzung ist, dass man seinen College Abschluss gemacht hat um sich für den Draft anzumelden, steigt fast jedes Jahr die Anzahl der “underclassmen” (Spieler, die noch im College spielen könnten), die sich zum Draft anmelden. Grund dafür ist bspw., dass die Spieler im College kein Geld erhalten, aber auch, dass die Verletzungswahrscheinlichkeit natürlich nicht zu vernachlässigen ist. Hat man also gute Leistungen im College gezeigt und hat ein gutes Standing bei den Experten, versuchen viele Spieler den Sprung in die NFL zu schaffen, obwohl sie noch Erfahrung am College sammeln könnten.

Underclassmen können sich bis zu 7 Tage nach dem National Championship Game zum NFL Draft anmelden. Die Spieler erhalten allerdings eine Art “Galgenfrist” in der sie vom NFL Draft Advisoty Council eine Note erhalten – eine Einschätzung wie wahrscheinlich es ist, dass sie im Draft ausgewählt werden. Entscheiden sich Spieler im Anschluss an die Notenvergabe gegen eine Teilnahme am Draft, können sie ihre Anmeldung zurückziehen und im Jahr darauf weiter College Football spielen (sofern sie in der Zwischenzeit nicht schon einen Agenten verpflichtet haben).

Das Gehalt in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Auswahl

Die NFL ist bekanntermaßen ein Geschäft, das Milliarden von Dollar pro Jahr umsetzt. Da die Spieler in den meisten Fällen vor dem Draft schon jahrelang Football gespielt haben, wollen sie endlich für ihre Dienste bezahlt werden. Und entsprechend des Leistungsgedanken erhalten die Spieler, die früh im Draft ausgewählt werden ein weit höheres Gehalt, als diejenigen, die erst am Ende ein Team finden.

Wie stark dieses Gefälle – schon in der ersten Runde – ist, wollen wir im Folgenden zeigen. Dargestellt wird das Gehalt der Rookies im ersten Jahr in Abhängigkeit davon an welcher Stelle sie von einem Team ausgewählt wurden. Die Gehälter sind jeweils Schätzungen für das Jahr 2019, die auf www.overthecap.com veröffentlicht wurden.

Auch wenn die Gehälter geschätzt wurden, sind sie bereits relativ fix, da den Teams ein “Rookie Pool” – ein Topf für Gehälter – zur Verfügung steht, das sie an alle ausgewählten Rookies verteilen dürfen / müssen. Der Verhandlungsspielraum ist somit recht gering und beläuft sich somit i. d. R. auf die Garantien.

Schaut man sich die Übersicht etwas genauer an, erkennt man, dass der 1st overall pick im ersten Jahr etwa das 3,5-fache des 32ten Picks erhält. Die absolute und prozentuale Differenz zwischen den Gehältern sinkt je weiter man in der Übersicht nach hinten wandert. Das heißt für die Spieler ist es unglaublich lukrativ zu den ersten ausgewählten Spielern im Draft zu gehören.

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Wie beschrieben ist in der Übersicht lediglich das 1st year Gehalt dargestellt. Wie in der wirklichen Arbeitswelt, steigt das Gehalt (hoffentlich) mit der Erfahrung, sodass die Spieler in den folgenden Jahren jeweils mit Gehaltssteigerungen rechnen dürfen. Der Vertrag des 2018er first overall picks Baker Mayfield zeigt das recht deutlich:

JahrGehalt
20185,942 Mio. $
20197,427 Mio. $
20208,914 Mio. $
202110,399 Mio. $
Gesamt32,683 Mio. $

Dass das mit dem Cap ein kompliziertes Thema ist, wisst ihr spätestens wenn ihr fleißig unsere Artikel im Packers Lexikon durchforstet habt, wo der Artikel “Cap Space & Co. – Ein Erklärungsversuch” auf euch wartet. In dem wir versuchen wir euch einiges zu diesem Thema zu erklären. Tatsächlich hat Mayfield bereits 21,85 Mio. $ bei Vertragsunterschrift erhalten. Der Rest wird teilweise über die Jahre bezahlt. Für das Team allerdings zählt jeweils der o.g. Betrag gegen den Cap.

Die Draft Vorbereitung

Die Teams

Während man früher insbesondere aufgrund von Gerüchten, Hörensagen und Zeitungsartikeln seine Picks ausgewählt hat, hat sich der Draft inzwischen zu einem landesweiten bzw. internationalen Spektakel entwickelt, über das bereits Monate vor dem großen Event berichtet wird. Inzwischen besitzt jedes Team der NFL professionelle Scouting Abteilungen mit Experten für einzelne Spielergruppen und verschiedene Regionen des Landes. Die Aufgabe der Scouts besteht darin einzelne Spieler, Spielergruppen oder Teams zu beobachten, interessante Spieler zu finden, Hintergrundwissen aufzubauen und Berichte über die entsprechenden Spieler zu verfassen. Diese werden den Verantwortlichen – bspw. in Green Bay – zur Evaluation zur Verfügung gestellt. Neben internen Scouts existiert ein riesiges Geflecht an externen Scouts, Experten und Agenturen, auf deren Dienste die Teams zurückgreifen können. Aufgrund der mittlerweile endlosen Masse an Daten und Statistiken ist es im Gegensatz zu den Anfängen des Drafts vergleichsweise einfacher die Spieler sportlich aber auch charakterlich einzuschätzen. Folglich beginnt die Vorbereitung der Teams schon viel früher – manche Spieler werden sicherlich schon jahrelang beobachtet.

Zusätzlich zu dem bereits existierenden Berichten und dem Game Tape können sich die Verantwortlichen beim NFL Combine und den Pro Days der College ein Bild von den Draft Prospects machen. Neben den sportlichen Fähigkeiten stehen dabei insbesondere auch Charaktereigenschaften der Spieler im Fokus. Unter anderem wird geprüft, inwiefern die Spieler charakterlich ins Team passen, welchen Background sie haben oder wie sie mit Drucksituationen umgehen können. Die Spieler berichten oftmals von abstrusen Interviews mit Team-Verantwortlichen – dahinter ist in den meisten Fällen ein tieferer Sinn verborgen. Gefällt ein Spieler oder will man noch mehr über ihn erfahren, haben die Teams die Möglichkeit diese zu einem Local Visit oder zu einem Private Visit vor Ort einzuladen. Private Visits sind dabei auf 30 Spieler pro Team begrenzt. Eine Einladung muss dabei nicht immer auf ein Interesse hindeuten, da die Verantwortlichen die Gelegenheit gerne nutzen um anderen Teams ein vermeintliches Interesse vorzutäuschen, um den Draft ein Stück weit zu beeinflussen.

Auf https://walterfootball.com/ findet man eine Übersicht der Spieler, die bei irgendeiner Gelegenheit mit den Packers-Verantwortlichen Kontakt hatten.
Dabei gibt es dieses Jahr aufgrund der Pandemie die Besonderheit, dass keine Pro Days oder persönliche Meetings stattfinden konnten. Stattdessen werdet ihr hinter dem Namen oft “VIR” lesen, was bedeutet, dass man sich in einem virtuellen Meeting unterhalten hat.

McTelvin Agim, DE/3-4OLB, Arkansas (EW)
Jet Anderson, RB, TCU (COM)
Essang Bassey, CB, Wake Forest (COM)
Ross Blacklock, DT/3-4DE, TCU (COM)
Antoine Brooks Jr., S, Maryland (COM)
Quintez Cephus, WR, Wisconsin (COM)
Nevelle Clarke, CB, Central Florida (COM)
Ezra Cleveland, OT, Boise State (COM)
Darrion Daniels, DT/NT, Nebraska (SR)
Michael Danna, DE, Michigan (EW)
Kevin Davidson, QB, Princeton (EW)
Quartney Davis, WR, Texas A&M (COM)
Kristian Fulton, CB, LSU (COM)
Jeff Gladney, CB, TCU (VIR)
Javelin Guidry, CB, Utah (COM)
Lavert Hill, CB, Michigan (COM)
Noah Igbinoghene, CB, Auburn (COM)
Anfernee Jennings, 3-4OLB/OLB/ILB, Alabama (SR)
Jaylon Johnson, CB, Utah (COM)
Brandon Jones, S, Texas (COM)
Josh Jones^, OT, Houston (COM, VIR)
Solomon Kindley, G, Georgia (COM)
Terrell Lewis, DE/3-4OLB, Alabama (COM)
Jordan Love, QB, Utah State (VIR)
Kamal Martin, OLB, Minnesota (COM)
Zack Moss, RB, Utah (COM)
Dante Olson, ILB, Montana (EW)
Dezmon Patmon, WR, Washington State (EW)
Patrick Queen^, LB, LSU (COM, VIR)
Jalen Reagor, WR, TCU (COM)
Reggie Robinson, CB, Tulsa (COM)
Bravvion Roy, DT, Baylor (EW)
Stanford Samuels, CB, Florida State (COM)
Laviska Shenault Jr., WR, Colorado (COM)
Tommy Stevens, QB, Mississippi State (EW)
Darrell Taylor, 3-4OLB/OLB, Tennessee (COM)
Levonta Taylor, CB, Florida State (VIR)
Josh Uche, 3-4OLB/OLB, Michigan (COM)
Ke’Shawn Vaughn, RB, Vanderbilt (COM)
K’Von Wallace, S, Clemson (COM)
Antoine Winfield Jr., S, Minnesota (COM)

Die verschiedenen Abkürzungen am Ende sind dabei wie folgt zu deuten:

SR – Senior Bowl meeting.
EW – East-West Shrine meeting.
COM – Combine meeting.
INT – Interested.
VINT – Very Interested.
PRO – Pro Day or campus meeting/workout.
LOC – Local visit. Prospect making a local visit.
PRI – Private visit. Prospect making an official 30 visit.
WOR – Private Workout. Members of an organization working out a player in private.
STM – Some Type of Meeting.
VIR – Virtual Meeting.
% – indicates more than one meeting at an event.
^ – has met with team at more than one event.
# – indicates meeting set up outside of the 2020 Senior Bowl or the 2020 East-West Shrine Game

Der ein oder andere genannte Spieler wurde bereits in unseren Draft Scouting Berichten unter die Lupe genommen. Die könnt ihr euch über die folgenden Links anschauen: Quarterbacks, Running Backs, Wide Receiver, Tight Ends, Offensive Tackles, Interior Offensive Line, Interior Defensive Line, Linebacker
Weitere Scouting-Berichte zu den restlichen Positionsgruppen folgen in den nächsten Tagen bis zum Draft.

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Am Draft Day selbst schließen sich Brian Gutekunst und sein Team in ihrem “War Room” ein (wie oben Ted Thompson und Mike McCarthy im Jahr 2006) um die Auswahl der anderen Teams zu beobachten, das eigene Draft Board zusammenzustreichen, sich Trade-Angebote anzuhören und natürlich die eigene Spielerauswahl vorzunehmen. Hat man sich für einen Spieler entschieden wird der Spieler in den meisten Fällen bereits telefonisch kontaktiert um ihm die Entscheidung mitzuteilen. Außerdem wird die NFL innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits (s.u.) über die Entscheidung einen Spieler auszuwählen oder den Pick zu traden informiert. Verstreicht die Frist, ohne dass man einen Pick oder einen Trade bekannt gegeben hat, ist das nächste Team an der Reihe und der eigene Pick kann erst im Anschluss durchgeführt werden (siehe Ravens 2011 oder Vikings 2003). Es besteht folglich die Gefahr, dass einem der Wunschspieler vor der Nase weggeschnappt wird.

Die Zeitlimits für die Abgabe der Picks wird im Laufe der Runden etwas kürzer und teilt sich wie folgt auf:

RundeZeitlimit
1. Runde10 Minuten
2. Runde7 Minuten
3. – 6. Runde5 Minuten
7. Runde4 Minuten

Besonderheiten im Jahr 2020:
Wie oben bereits erwähnt müssen Brian Gutekunst und Co. dieses Jahr leider zuhause bleiben und sich über die digitalen Kanäle mit ihren Mitarbeitern und anderen GMs austauschen. Die Pick-Abgabe erfolgt anders als normalerweise ebenfalls online. Zudem bekommt jedes Team nach aktuellen Stand einmal die Möglichkeit sein Zeitlimit zu verlängern.

Die Spieler

Ähnlich wie für die Teams beginnt auch für die Spieler die Vorbereitung auf den Draft schon lange im Voraus. Die meisten College-Spieler haben logischerweise das Ziel möglichst bald in der NFL zu spielen. Aus diesem Grund geht es bei den Spielen nicht nur darum den Sieg für das eigene Team einzufahren, sondern auch sich selbst möglichst gut zu präsentieren, denn auf den Rängen werden sich insbesondere an den namhaften Colleges eine Vielzahl von Scouts tummeln. Aber auch neben dem Feld gilt es eine gute Figur zu machen, denn Negativschlagzeilen sind ein No Go für den eigenen Draft Stock (vermeintlicher Wert eines Spielers). Spätestens mit dem Entschluss sich zum NFL Draft anzumelden beginnt die Vorbereitung für den NFL Combine bzw. den Pro Day. Zudem verzichten viele Spieler freiwillig auf Bowl Games um unnötige Verletzungen vor dem Draft zu vermeiden. Eine Vielzahl von Spielern – sofern sie sich es leisten können – engagieren private Coaches oder machen in Vorbereitungs-Camps mit. Dabei stehen wiederum nicht nur die physischen Aspekte im Vordergrund sondern auch die Vorbereitung auf Interviews.

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Die Spieler die vermeintlich sicher in der ersten Runde des NFL Drafts von einem Team ausgewählt werden, erhalten eine Einladung den ersten Tag / die erste Nacht des NFL Drafts live vor Ort zu verbringen. Die restlichen Spieler sitzen zuhause vor dem Fernseher und hoffen auf einen Anruf bzw. den eigenen Namen im Fernsehen zu hören oder lenken sich anderweitig ab.

Besonderheiten im Jahr 2020:
Der eigentliche Plan bestand darin alle First Round Picks mit einem Boot zur Bühne zu fahren, wo sie wie gewohnt ein Trikot und eine Kappe ihres Teams erhalten hätten.
Stattdessen werden maximal 58 Spieler per Live-Schaltung ins Studio geschaltet um auf ihren Pick zu reagieren. Die ausgewählten Spieler findet ihr hier:

Warum die Draft-Tage insbesondere für die Spieler so besonders sind und wie stark in den Jahren zwischen High School- und College-Jahren in Richtung NFL ausgesiebt wird, zeigt dieses Info-Board:

Möglichkeiten der Spieler

Last but not least, wollen wir uns noch anschauen welche Möglichkeiten eigentlich die Spieler haben zu beeinflussen welches Team sie auswählt bzw. bei welchem Team sie zukünftig spielen.

In der Regel werden sich die ausgewählten Spieler natürlich darüber freuen, dass sie ausgewählt wurden und voraussichtlich ihr Können in der NFL zeigen dürfen. Trotzdem ist es so, dass die meisten Spieler Präferenzen haben was ihr zukünftiges Team angeht. Genauso wie wir – haben sie ein Lieblingsteam oder Teams, für die sie eher ungern spielen würden. Auch wenn jeder Spieler die Möglichkeit hat sich in den Interviews und Treffen zu dieser Thematik zu äußern, haben sie tatsächlich zunächst keine Möglichkeit zu beeinflussen welches Team sie auswählt.

Was kann ein Spieler nun tun, wenn die Abneigung gegenüber dem Team so groß ist, dass man absolut nicht für es spielen will oder sonstige Gründe (z. B. wenn das Team den Plan hat den Spieler auf einer Position aufzustellen, die er nicht spielen will) dagegen sprechen? Da das Team, das den Spieler gedrafted hat die exklusiven Rechte hält den Spieler unter Vertrag zu nehmen, gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: den Vertrag nicht unterschreiben. In diesem Fall kann folgendes passieren:

  1. die exklusiven Rechte werden zu einem anderem Team getradet (das sich vorher natürlich zusichern lässt, dass der Spieler unterschreiben wird), oder
  2. der Spieler sitzt die Saison aus und nimmt im darauf folgenden Jahr erneut am Draft teil

Insbesondere ersteres ist in den vorherigen Jahren durchaus das ein oder andere Mal geschehen (John Elway, Eli Manning, Rich Gannon, Ernie Davis, …). Die zweite Möglichkeit – nämlich erneut am Draft teilzunehmen – hat hingegen Bo Jackson genutzt.

Wir hoffen ihr konntet einen Überblick über das gewinnen, was in den nächsten Tagen die ganze Football-Welt beschäftigen wird. Fragen, Anregungen etc. sind wie immer über jegliche Kanäle sehr gerne gesehen.

Wir wünschen allen Spielern viel Erfolg beim anstehenden Draft und eine verletzungsfreie Karriere. Zudem wünschen vor allem Brian Gutekunst und seinem War Room ein glückliches Händchen bei der Spielerauswahl!