Wieder tragen die Packers Trauer. Wieder ist einer der Großen aus der Mannschaft der 1960er Jahre gegangen. In diesem Fall trauern die Green Bay Packers ein der, wenn nicht vielleicht DEN, besten Defensive End der damaligen Ära. Er schrieb in mehrfacher Hinsicht Geschichte. Doch nun ist Willie Davis von uns gegangen und schlief im Alter von 85 Jahren friedlich ein.

Aufgewachsen in Arkansas

Geboren wurde William Delford „Willie“ Davis am 24. Juli 1934 in Lisbon, Louisiana. Seine Mutter zog ihn in Arkansas alleine groß, brachte ihn und seine zwei Geschwister als Kleinfarmerin durch das Leben. Schon früh entwickelt der kleine Willie ein Sporttalent, spielte Basketball, Baseball und später Football. Letzteres gegen den Willen der Mutter. Doch Willie Davis war große Klasse und erhielt 1952 ein Stipendium an der Grambling State University in Louisiana. Bei den State Tigers entwickelte er sich zu einem echten Modellathleten für die O- und D-Line, wurde Mannschaftskapitän und All-American. Im 1956er Draft, einem der unausgeglichensten Drafts der Geschichte, wurde er an Position 181 von den Cleveland Browns gezogen.

Unvergessen: die Nummere 87 der Packers

Kein Glück bei den Browns

Sein Debüt gab er allerdings erst in der Saison 1958. Zuvor musste Willie Davis seinen Wehrdienst absolvieren. Glücklich wurde er in Ohio aber nicht. Der legendäre Coach Paul Brown wusste mit dem mittlerweile 243 Pfund schweren End nichts anzufangen. So kam Davis auf nur acht Spiele als Starter und musste dazu als Tackle aushelfen. Dennoch beeindruckte seine Leistung vor allem Einen – Vince Lombardi! Der legendäre Packers-Coach war von seiner Schnelligkeit angetan und eiste den 26-Jährigen bei den Browns los.

Lombardi holt ihn zu den Packers

Davis wurde Defensive End und dominierte fortan die Liga. Er war der Anker der Defensive Line und sollte in den folgenden zehn Saisons alle 138 Spiele machen. In 136 stand er als Starter auf dem Feld. Er reihte sich damit als Führungsspieler neben anderen Legenden wie Jim Taylor, Bart Starr oder Paul Hornung ein. Mehr noch: William Davis wurde der erste dunkelhäutige Mannschaftskapitän von Green and Gold. Die Geschichte der Packers in den 1960ern ist ja bekannt: fünfmal wurden sie NFL-Champion, zweimal gewannen sie den Super Bowl.

(verhinderte) Rekorde von Davis

Und auch Willie Davis heimste persönliche Auszeichnungen ein. Fünfmal stand er im Pro Bowl, fünf im First-team All-Pro und wurde später Teil des NFL 1960s All-Decade Teams. Die Aufnahme in die Pro Football Hall of Fame folgte 1981. Wahrscheinlich wäre Davis auch All-Time-Sacks-Leader der Packers, wenn diese Statistik in der damaligen Zeit geführt worden wäre. „Möglicherweise hat er mehr als 120 Sacks geliefert“, meint der Football-Journalist John Turney, doch erwiesen ist es nicht. Auch Davis glaubt, dass er zumindest die 100er Marke erreicht hat: „Ich spielte zehn Jahre und hatte jedes Jahr zweistellige Sack-Zahlen.“ Da aber nicht alle Spiele damals im TV stattfanden, ist es schwer diese Zahlen nachzuvollziehen. Doch in den Statistikbüchern stehen 22 recoverte Fumbles, ein Touchdown und zwei Safeties – auch keine schlechten Werte für einen Mann, dessen Karriere erst mit 26 so richtig begann.
Doch was machte Davis so stark? Es war vor allem die Explosivität! Seine 110kg, verteilt auf 1,90m Größe, die ihn gefährlich machte. Und er hatte den gewissen Football-IQ, um immer für ein Big Play zu sorgen, wie Phil Bengtson, der Defensive Coordinator dieser Jahre, sagte. Vom späteren Vikings-Headcoach Jerry Burns, der 1966 als Assistent zu den Packers stieß, ist überliefert, dass er Davis für den besten Football-Spieler aller Zeiten hielt.

Späteres Leben

Nach der Saison 1969 war dann Feierabend für William Delford Davis. Seine Footballschuhe gingen an den berühmten Nagel und der 36-Jährige startete erfolgreich im Geschäftsleben durch. Noch während seiner aktiven Karriere hatte er den Master of Business Administration gemacht und war danach in den Vorstandsetagen bzw. im Aufsichtsrat bekannter Firmen anzutreffen. K-Mart, Dow Chemical oder die MGM-Studios sind nur ein paar Firmen, bei denen Davis aktiv mitwirkte. Auch im Radio-Business war er zu Hause. Gemeinsam mit seiner Frau hat er zwei Kinder. Sein Sohn Duane Davis ist Schauspieler in Hollywood, sein Enkel Wyatt Davis spielt als Offensive Guard für die Ohio State Buckeyes und ist aktueller First-Team-All-American.

Doch zurück zu Willie Davis: nun ist er gestorben, im Alter von 85 Jahren. Er hat nicht nur eine Football-Ära geprägt, sondern auch den Weg für Schwarze in Führungspositionen geebnet – auf dem Football-Feld und im Wirtschaftsleben. Gemeinsam trauern wir mit seiner Familie und den Packers.