Letztes Jahr haben Chris und Nik einen gemeinsamen Erstrunden-Mock Draft gemacht, das wollen wir so beibehalten – diesmal haben wir uns aber noch Markus in die Gruppe dazugeholt. Wir picken nicht wie andere Gruppen immer abwechselnd, wir möchten unser gemeinsames Wissen zusammenbringen und besprechen dafür jeden Pick einzeln. Das führt zu langen Diskussionen unter uns, an denen wir euch natürlich auch indirekt teilhaben lassen. Es wird immer eine Person den Draft Pick erklären und wenn jemand von uns eine andere Meinung hatte, schreibt er sie noch zusätzlich darunter – einzig zum Packers-Pick wird jeder seine Meinung abgeben. Da Trades sehr weitreichend sind und mit drei Personen wohl nur selten Einigkeit herrschen wird, werden wir im Mock Draft auf Trades verzichten, wir picken also mit der offiziellen Draft-Reihenfolge Stand Mittwoch, 22.04.20. Wenn ihr noch mehr zu den Prospects lesen wollt, schaut am Besten direkt in unsere Position Scouting-Berichte:
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Was ist ein Mock Draft?

Ein Mock (engl. “Pseudo-/Schein-“) Draft ist einfach ein simulierter Draft. Man geht die Picks durch und versucht, vorherzusagen, was die Teams tun könnten oder sollten. Hierbei gibt es selten richtig oder falsch, denn allzu viele Treffer wird kaum ein Mock Draft haben – dafür ist der Draft zu unausrechenbar. Ein unvorhergesehener Trade  oder auch nur ein Pick aus der Reihe kann den ganzen Mock Draft zum Einstürzen bringen. Deshalb seht diesen Mock Draft bitte als das, was er ist: Eine Spielerei, die als Start für eine Diskussion zum Draft genutzt werden kann.

Pick 1: Cincinnati Bengals – Joe Burrow (QB, LSU)

Joe Burrow ist der klare Nummer 1-Pick des 2020er NFL Drafts. Die Bengals picken als erstes und wollen nicht traden – es gibt also keinen Grund, wieso sie ihr Vorgehen verschleiern sollten. Und das tun sie auch nicht – bereits jetzt nutzen die Bengals jede Möglichkeit, um mit Burrow zu reden und sich über ihn zu informieren. Ein anderer Pick als Burrow, so interessant manche Szenarien auch sein mögen, wäre wohl für jeden eine Überraschung.

Pick 2: Washington Redskins – Chase Young (EDGE, Ohio State)

Mit Pick Nummer 2 ist das etwas anderes. Angeblich sind die Redskins offen für einen Trade und es gibt auch noch vereinzelte Stimmen, die hier einen Quarterback sehen. Wir sind aber alle eher dafür, jungen Quarterbacks mehr als nur ein Jahr Zeit zu geben, bevor man sie abschreibt – außerdem ist Chase Young einfach zu gut, um ihn ziehen zu lassen. Dazu kommt, dass er auch noch einen Need erfüllt – nicht den größten der Redskins, aber es ist kein Pick, der keinen anderen Spieler mit Starting-Kaliber auf die Bank verdrängen würde. Außerdem kann man nie genug gute Edge Rusher haben – erstrecht nicht, wenn ihnen von den Medien jetzt schon eine goldene Jacke (Hall of Fame) angedichtet wird.

Pick 3: Detroit Lions – Jeffery Okudah (CB, Ohio State)

Die Lions haben mit Darius Slay ihren Nummer 1-Cornerback abgegeben und für zwei Jahre Desmond Trufant als Nachfolger geholt. Danach sieht es auf der Position sehr dünn aus. Für ein Team, welches seine Defensive vor allem über die Coverage aufbaut, ist das kein gutes Setup. Zumal der Pass Rush der Lions auch nicht so überragend ist, dass er Schwächen in der Coverage verstecken kann. Daher holen die Lions mit Okudah den als Gesamtpaket besten Spieler auf dieser Position im Draft und können endlich zwei sehr gute Corner auf das Feld bringen.

Pick 4: New York Giants – Jedrick Wills (OT, Alabama)

Die Wahl der Giants wird zwischen Isaiah Simmons und einem Offensive Tackle fallen, aus denen sie an der Stelle noch freie Wahl hätten. Die O-Line spielte in der vergangenen Saison, trotz relativ namenhafter Besetzung, unterhalb der Erwartungshaltung aller. Vor allem Nate Solder (LT) und Mike Remmer (RT) enttäuschten und erschwerten zum einen das Run Game erheblich, gehörten beide zusätzlich aber auch zum unteren Ligadrittel in Pass Protection. Dave Gettleman muss Daniel Jones, nachdem sein Pick an #6 hart kritisiert wurde, in seinem zweiten NFL Jahr einen besseren Supporting Cast bereitstellen, um einen weiteren Schritt in Jones’ Entwicklung zu erreichen. Jedrick Wills wäre auf der rechten Seite ein klares Upgrade zum abgewanderten Mike Remmers und dem FA-Ersatz Cameron Flemming, bringt jedoch auch Blind Side Erfahrung mit (RT bei Alabama, mit Tua als left-handed QB), falls er langfristig auf LT übernehmen soll.

Pick 5: Miami Dolphins – Tua Tagovailoa (QB, Alabama)

Am Ende geschieht, was im Prinzip seit über einem Jahr bereits feststeht. Tua Tagovailoa wird ein Dolphin und das sogar, ohne dass die Franchise hochtraden muss. Zwar halten sich seit Wochen die Gerüchte, dass die Draft Stocks von Tua und Herbert in den Front Offices der NFL ähnlich hoch gesehen werden, am Ende ist Tuas Tape aber einfach zu deutlich besser als Herberts. Dementsprechend nehmen die Dolphins das Restrisiko bezüglich seiner Verletzungshistorie in Kauf und draften ihren neuen Franchise QB, der notfalls noch etwas hinter Fitzpatrick sitzen kann, welcher letzte Saison zum Schluss noch einmal eindrucksvoll beweisen konnte, dass er eine Starter-Rolle durchaus rechtfertigen kann.

Pick 6: Los Angeles Chargers – Justin Herbert (QB, Oregon)

Die Gerüchte werden immer lauter, dass Justin Herbert bei Dolphins und Chargers schon der zweite Quarterback hinter Burrow sein könnte. Vor allem bei den Chargers wurde zuletzt klar gesagt, dass man gesunde Spieler bevorzugt – das kann aber natürlich auch das übliche Verbreiten von Gerüchten vor dem Draft sein. Hier haben die Chargers nur die Auswahl zwischen Herbert oder kein QB – und dann ist die Frage klar. Justin Herbert hat eine enorme Upside, ist aber eventuell kein Day1-Starter. Ein ähnliches Konzept mit Tyrod Taylor wie zuletzt bei den Cleveland Browns (Taylor startet die Saison und Herbert übernimmt, wenn er bereit ist – oder Taylor verletzt) ist hier denkbar. Taylor ist aber niemals die langfristige Lösung, hier muss ein Franchise Quarterback her. Alternativ könnte man auch mit Andrew Thomas einen Franchise Left Tackle draften und hätte zusammen mit Bulaga ein Elite-Tackle-Duo, dann müsste man aber später nach einem Quarterback suchen – und da Quarterback die wichtigste Position im Football ist, fängt man lieber hier an.

Pick 7: Carolina Panthers – Isaiah Simmons (LB, Clemson)

Die Panthers haben vor der Saison ihr Coaching Staff ausgetauscht und Luke Kuechly (retired) verloren. Wenn dann an Position 7 der beste Spieler dieses Drafts zu ihnen fällt, der noch dazu auch MLB spielen kann, liegt nichts näher, als diesen Ausnahmespieler zu holen, um um ihn herum eine neue gefährliche Defensive aufzubauen.

Pick 8: Arizona Cardinals – Derrick Brown (DT, Auburn)

Die Cardinals haben ihren Bedarf an WR mit dem Hopkins-Trade gedeckt. Nun ist die Frage: Wie wollen sie ihr Team weiter verstärken? Die OLine könnte Hilfe brauchen, aber auch auf der defensiven Seite des Balls könnte man Unterstützung gebrauchen. Als direkte Gegner der LA Rams wissen sie, wie effektiv ein sehr guter DT sein kann, und zum Glück liegt der beste DT des Drafts direkt vor ihnen. Und so draften sie ein Mittel gegen das Laufspiel der 49ers und Seahawks – Derrick Brown.

Pick 9: Jacksonville Jaguars – Andrew Thomas (OT, Georgia)

Die Jaguars haben viele Needs, darauf gibt es im Draft aber nur wenige Antworten. Während ein Trade zurück bei den Jaguars im realen Draft wohl eine interessante Option sein wird, haben wir hier überlegt, welchen Need der Jaguars wir füllen könnten. Kinlaw, Henderson, Jeudy oder Chaisson waren in der Diskussion – wir haben uns aber letztendlich für Andrew Thomas entschieden. Auf meinem Board (Nik) ist Thomas der beste Offensive Tackle und neben dem Treffer auf eine Need-Position auch der Best Player Available. Wenn man es wirklich mit Gardner Minshew probieren möchte, ist ein Franchise Left Tackle niemals falsch – und auch einem zukünftigen neuen Quarterback wird Thomas als Blindside-Beschützer weiterhelfen. Dazu wird Thomas das Laufspiel wiederbeleben, das zuletzt trotz Runningback Fournette abgenommen hatte.

Pick 10: Cleveland Browns – Mekhi Becton (OT, Louisville)

Nach einer insgesamt sehr aggressiven Free Agency bleibt für die Browns der dringende Need auf LT. Kaum vorstellbar, dass an dieser Stelle eine andere Position adressiert wird. Hier hätte man die Wahl zwischen Mekhi Becton und Tristan Wirfs. Auch wenn wir uns einig sind, dass Wirfs’ Draft Stock grundsätzlich höher ist als Bectons, haben wir uns am Ende für Letzteren entschieden. Er stellt schließlich einfach die sicherere Variante dar, weil Wirfs in Iowa RT gespielt hat und es somit ein kleines Projekt wäre, ihn in der NFL umgehend auf die linke Seite der Line zu stellen. Außerdem ist Bectons Tape schlichtweg konstanter. Die Browns sehen sich offensichtlich in einem Super Bowl Window und wollen dieses jetzt aggressiv attackieren, deshalb sollte Bectons hoher Floor hier Wirfs’ Upside schlagen.

Pick 11: New York Jets – CeeDee Lamb (WR, Oklahoma)

Sam Darnold kommt bereits in sein drittes Jahr in der NFL und die Jets haben es bisher geschafft, sein Supporting Cast von Saison zu Saison zu verschlechtern. Die Ergänzung eines echten X-Receivers, der die WR1-Rolle einnimmt, sollte diese Aussage für die kommende Saison jedoch vorerst entkräften – zumindest auf dem Papier. Lamb bietet ein Downfield-Threat und eine Dominanz am Catch Point, die Darnold noch nicht ansatzweise zur Verfügung stand. Zudem hat der QB konstant bewiesen, dass er Würfe in enge Fenster nicht scheut und sie riskiert, was Lambs Skillset extrem zugute kommen würde.

Pick 12: Las Vegas Raiders – Jerry Jeudy (WR, Alabama)

In ihrem ersten Jahr in Las Vegas brauchen die Raiders Spieler, die Zuschauer anziehen und für Highlights sorgen können. Zugleich besteht auf der WR-Position Bedarf an einer richtigen Nummer 1 – Jeudy ist beides. Mit seinen Fähigkeiten ist er bereits aus dem College heraus ein Nummer 1-WR in der NFL und er kann für besondere Momente auf dem Feld sorgen.

Pick 13: San Francisco 49ers – Javon Kinlaw (DT, South Carolina)

Das ist der Pick, den die 49ers von den Colts für DeForest Buckner erhalten haben. Demnach würde hiermit umgehend dessen Nachfolger gedraftet werden, der insgesamt sogar ein ähnliches Skillset mitbringt, jedoch eine deutlich höhere Upside hat. Kinlaws unglaubliche Kombination aus Frame, Length und Athletik macht ihn zu einem perfekten Fit für die dominante D-Line der Niners, die durch seine Ergänzung noch gruseliger aussähe als letzte Saison. Zudem bringt er die Versatility mit, die Robert Saleh (Defensive Coordinator der 49ers) sehr gerne sieht – er könnte bei Early Downs beispielsweise durchaus als Edge spielen. Mit Sicherheit käme hier auch ein WR in Betracht, gerade weil Henry Ruggs noch auf dem Board ist.

Pick 14: Tampa Bay Buccaneers – Tristan Wirfs (OT, Iowa)

Die Buccaneers haben gerade einen 42-jährigen Pocket Passer unter Vertrag genommen und statten ihn mit einer Menge Waffen aus. Ganz neu ist Gronkowski un-retiret und zu den Bucs getradet worden – im Draft müssen sie jetzt noch die Offensive Line verstärken. Tristan Wirfs ist an dieser Stelle der Best Player Available und trifft einen Need. Auch wenn Wirfs nicht der perfekte Fit ist, da er vor allem Right Tackle gespielt hat, traue ich ihm einen Left Tackle-Spot definitiv zu und Brady wird sich freuen, dass man ihm den Rücken freihält. Wirfs ist der logische Pick für die Buccaneers bei diesem Board.

Pick 15: Denver Broncos – Henry Ruggs III (WR, Alabama)

Letztes Jahr haben die Broncos mit Drew Lock einen jungen QB geholt, um mit diesem neu anzugreifen. Mit Gordon hat man das Laufspiel verstärkt, damit Lock nicht die gesamte Last tragen muss. Doch neben Sutton fehlt ein zweiter WR, der eine Gefahr darstellt – zum Glück gibt es dieses Jahr genau dafür einen Spezialisten: Henry Ruggs III. Ein Speedster, der das Spielfeld vertikal stretchen, aber auch kurze Pässe mit YAC in Big Plays verwandeln kann.

Pick 16: Atlanta Falcons – C.J. Henderson (CB, Florida)

Die Falcons haben Desmond Trufant abgegeben und stehen nun mit vielen Fragezeichen auf der Cornerback Position da. Aber sie haben Glück, dass der beste reine Cover-Corner dieses Drafts zu ihnen an Position 16 fällt. So bekommen sie die Lücke auf der Nummer 1 gelöst und können schauen, ob Oliver sich als Nummer 2 entwickelt.

Pick 17: Dallas Cowboys – A.J. Epenesa (EDGE, Iowa)

In der Defense der Cowboys gibt es mehrere große Baustellen – Cornerbacks, Safeties und Edge Rusher. Da wir hier für keinen Safety der Klasse den Value sehen und Henderson einen Pick vorher gedraftet wurde, entscheiden sich die Cowboys hier für Robert Quinns Ersatz auf der Gegenseite von Lawrence. Epenesa geht somit als zweiter Edge vom Board, vor allem weil er in der Cowboys Defense einen sehr guten Scheme Fit darstellt. Bei Third Downs kann er nach innen rücken, wo den Cowboys ebenfalls Pass Rush-Talent fehlt.

Pick 18: Miami Dolphins – K’Lavon Chaisson (EDGE, LSU)

K’Lavon Chaisson ist bei mir (Nik) eigentlich der zweitbeste Edge Rusher der Klasse und ein Top15-Prospect. Da der Run auf Wide Receiver und Tackles ihn aber hat fallen lassen und bei den Cowboys ein besserer Scheme Fit für Epenesa bestand, fällt er noch einen Pick weiter – und dann nehmen die Dolphins, die eigentlich überall Needstellen haben, Chaisson als Best Player Available für die Zukunft. Eigentlich will man einen Franchise-Quarterback – vor allem einen, der aus einer dicken Verletzung kommt – am liebsten mit dem besten Spielermaterial beschützen oder ihn mit Waffen versorgen. Sowohl die Tier 1-Tackles als auch die Tier 1-Wide Receiver sind aber bereits vom Board gegangen und ein Reach für Josh Jones war uns hier zu früh. Man kann niemals genug gute Edge Rusher haben.

Pick 19: Las Vegas Raiders – A.J. Terrell (CB, Clemson)

Die Raiders brauchen unbedingt einen zweiten guten Cornerback. Letztes Jahr wurde Trayvon Mullen aus Clemson in der zweiten Runde geholt, dieses Jahr hat man keinen Pick in der zweiten Runde, aber dafür einen zweiten Pick in der ersten. Mit Terrell ist der Partner von Mullen aus dem College vorhanden, der auch noch gut genug ist, um einen Pick in der ersten Runde rechtfertigen. Daher wird man nicht lange überlegt und stopft das Loch. Zumal Raiders-GM Mike Mayock großer Fan von allem ist, was aus Clemson kommt.

Pick 20: Jacksonville Jaguars – Kristian Fulton (CB, LSU)

Mit ihrem ersten Pick haben die Jaguars durch Andrew Thomas ihre OLine adressiert. Nun ist die Defense an der Reihe – und auch wenn Ngakoue Jacksonville ziemlich sicher verlassen wird, ist der Need auf CB für uns hier noch deutlich höher als auf Edge gegenüber von Josh Allen. Mit Fulton geht hier schon der vierte Cornerback vom Board, der aber genau in Todd Washs Man Coverage hineinpasst. Dazu kommen Fulton auch seine Fähigkeiten in Press Coverage entgegen. Nach den Abgängen von Ramsey und Bouye haben die Jaguars hier möglicherweise im kleinen Umbruch ihren neuen CB1 gefunden.

Pick 21: Philadelphia Eagles – Justin Jefferson (WR, LSU)

Sogar ohne einen Trade tritt für die Eagles in diesem Szenario, in unseren Augen, der Best Case ein. In letzter Zeit hört man immer wieder, dass Jefferson wohl die favorisierte Option der Eagles an 21 ist. Die Eagles erhalten einen sehr starken Slot WR, der Wentz zusätzlich zu seinen beiden Tight Ends eine zuverlässliche Waffe bietet. Fraglich ist, ob Jefferson irgendwann in der Lage sein wird, als Outside WR zu spielen, was seinen Value natürlich enorm erhöhen würde. Diese Frage wird sich aber erst beantworten, wenn er in der NFL konstant Press Coverage ausgesetzt wird. Die Eagles beginnen hier also mit dem ersten WR des zweiten Tiers.

Pick 22: Minnesota Vikings – Jeff Gladney (CB, TCU)

Mit ihrem ersten First Round Pick entscheiden die Vikings sich für ihre größte Lücke im Roster und gegen den Stefon Diggs-Ersatz. Alle drei Starting CBs der letzten Saison (Xavier Rhodes, Trae Waynes, Mackensie Alexander) sind nicht mehr im Roster. Gladney ist für mich (Chris) der drittbeste CB der Klasse und bringt hier demnach einen sehr guten Value mit. Aus Scheme-Sicht ist dieser Pick zudem ein Match made in Heaven. Gladney ist ein extrem williger und fähiger Run Supporter und hat sehr gute Skills in Press Man Coverage – Fähigkeiten, die in Mike Zimmers Defense einen hohen Stellenwert haben.

Pick 23: New England Patriots – Jordan Love (QB, Utah State)

Ein logischer Pick: Für die Patriots gibt es keinen Grund, mit diesem Pick Loves Upside zu passen. Sollte Love tatsächlich bis 23 fallen, wie in diesem Szenario, dann kann ich (Chris) mir nicht vorstellen, dass Bellichick lange zögert. Die Roster Spots werden aktuell von Jarrett Stidham und Brian Hoyer besetzt und auch wenn mehrfach durchgedrungen ist, dass die Patriots bereit sind, mit Stidham als Starter in die Saison zu gehen, ist das definitiv kein Anlass, um ihn als geplanten Franchise QB anzusehen. Dazu kommt, dass die Patriots in naher Zukunft gezwungen sind, einen Umbruch einzuleiten, weshalb sich das Risiko des Picks auch wieder relativiert.

Zweitmeinung (Nik): Ich bin kein Fan von diesem Pick. Ja, die Upside bei Jordan Love ist groß und die Patriots werden meiner Ansicht nach definitiv einen Quarterback in den früheren Runden nehmen, sie haben in letzter Zeit aber immer mehr Wert auf ihre Defense gelegt – und da ist ein sehr dringender Need bei anderen Positionen. Gerade fallende Spieler wie S Xavier McKinney oder richtig gute Need-Füller wie LB Kenneth Murray passen für mich hier besser hin. Bellichick ist der Coach, dem ich am ehesten zutraue, einen Spieler wie Love zu entwickeln, ich kann mich aber nicht erinnern, dass BB jemals im Draft so ein Risiko eingegangen ist. Er musste es nicht, weil er immer einen Franchise Quarterback hatte, aber auch für andere Positionen hat er es nicht gemacht. Ich verstehe den Gedankengang und finde es auch nicht generell schlecht, ich hätte mich jedoch anders entschieden.

Pick 24: New Orleans Saints – Patrick Queen (LB, LSU)

Die Saints haben neben Demario Davis Bedarf auf der Linebacker-Position und die freie Auswahl zwischen Queen und Murray. Wen also nehmen? Nun, für die Saints ist die Situation relativ klar: Der 193 km (120 Meilen) nordwestlich von New Orleans aufgewachsene Queen hat als Linebacker für die LSU gespielt und bringt das gesuchte Skillset mit, man geht also mit der Louisiana-Love Story.

Pick 25: Minnesota Vikings – Tee Higgins (WR, Clemson)

Patriots und Saints haben beide keinen Spieler genommen, der auf dem Board der Vikings interessant gewesen wäre, man kann also damit fortfahren, wo man an Pick 22 aufgehört hat. Den Cornerback haben wir zuerst genommen, die Vikings haben aber sogar immer noch Need auf der Cornerback-Position. Wir haben uns aber entschieden, die Offense aufzupeppen – da wäre einmal Cesar Ruiz eine Option für die interior Offensive Line, außerdem natürlich ein Wide Receiver für den getradeten Stefon Diggs. Da mit Diggs ein Deep Threat ging, stand bei uns die Auswahl zwischen Higgins und Mims, welche der große Clemson-Receiver mit seinem enormen Catch Radius für sich entscheidet. Mit seinem guten Long Speed und seiner Stärke für 50-50-Balls könnte er in Minnesota eine echte Waffe sein.

Pick 26: Miami Dolphins – Josh Jones (OT, Houston)

An 18. Stelle war mit K’Lavon Chaisson noch ein Spieler da, der zu gut ist, um ihn ziehen zu lassen – jetzt ist das nicht mehr unbedingt der Fall. Der 26. Pick ist für Josh Jones zwar ein (sehr) kleiner Reach, aber das ist durchaus in Ordnung, denn Offensive Tackles sind eine Position, auf der man gerne mal reacht, da sie so wichtig sind – außerdem muss Tua beschützt werden. Man könnte überlegen, Tua mit Reagor oder Mims noch eine Waffe mit auf den Weg zu geben, bei seiner Verletzungsgeschichte ist der Beschützer aber wichtiger – und da waren wir uns schnell einig, dass Josh Jones hier ein guter Pick wäre.

Pick 27: Seattle Seahawks – Cesar Ruiz (OL, Michigan)

Die Seahawks haben seit Jahren eine der schwächeren OLines in der NFL, trotzdem konnten sie dank Russel Wilson immer irgendwie mithalten. Sie haben in der Free Agency BJ Finney mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet (welcher effektiv nur ein Einjahresvertrag ist) und mit Mike Iupati verlängert, um der Offensive Line zu helfen. Doch wie dieser Draft fällt, können sie der Oline noch ein richtiges Upgrade verpassen, mit dem Namen Cesar Ruiz. Dieser kann auf jeder Position der interior Oline spielen und nach einem Jahr für Finney im Zentrum übernehmen.

Pick 28: Baltimore Ravens – Kenneth Murray (LB, Oklahoma)

Und hier geht Kenneth Murray – der Wunschpick vieler Packersfans. Viele Needs haben die Ravens nicht, ein Inside Linebacker gehört aber definitiv dazu. Da Patrick Queen schon vom Board ist, muss hier auch keine “Wer ist der bessere Linebacker”-Diskussion mehr geführt werden. Als Alternative zu Murray war Denzel Mims ganz vorne – ein großer, physischer Wide Receiver mit sehr gutem Catch Radius würde Lamar Jackson eine weitere Waffe geben, für die er nicht allzu akkurat werden muss. Bei ähnlich guten Spielern siegt aber der Need auf Inside Linebacker. Eine kurze Überlegung war es noch, die Ravens mit einem neuen Runningback zu versorgen, den man mit Ingram ins Backfield stellen könnte – Jonathan Taylor ist ein perfekter Scheme Fit und kennt es schon, in einer Run First-Offense zu spielen. Hier gewinnen dann aber Position Value, Player Value und erneut Position Need.

Pick 29: Tennessee Titans – Lucas Niang (OT, TCU)

Die Titans waren überraschenderweise ganz knapp vor dem Super Bowl und wollen jetzt zuschlagen. Man hat in der Offseason Right Tackle Jack Conklin über die Free Agency verloren und braucht hier jetzt einen Nachfolger. Viele sehen Austin Jackson sehr hoch und er wäre hier auch definitiv eine Option, wir sehen aber Lucas Niang als den besseren Tackle an. Niang ist gelernter Right Tackle, eher ein Day1-Starter und allgemein passt er sehr gut in die Offense der Titans. Man könnte noch einige andere Baustellen füllen, an dieser Stelle gibt es aber keinen klaren First-Rounder mehr, den man auf einer Need-Position holen könnte. Ein Cornerback oder ein Defensive Tackle wären hier eine Überlegung, außerdem könnte Edge Gross-Matos oder sogar mit Jonathan Taylor der erste Runningback vom Board gehen – Taylor ist wie für die Titans gemacht, der Fit wäre perfekt. Die Tackle-Position ist aber wichtiger und Niang passt hier einfach super.

Pick 30: Green Bay Packers – Jaylon Johnson (CB, Utah)

Chris: Das Board ist insgesamt extrem ungünstig gefallen – mein Lieblingsspieler (Murray) und einer meiner anderen Favoriten (Niang) für 30 sind unmittelbar vor der Nase der Packers weggeschnappt worden. Alle vier WR, mit denen ich an 30 zufrieden wäre, sind bereits vom Board gegangen und für die restlichen WR auf dem Board stimmt entweder der Value nicht (Reagor und Aiyuk) oder ich sehe sie nicht als Fit (Higgins und Mims). Auch in der interior DLine sehe ich hier für keinen verbleibenden Spieler auf dem Board den richtigen Spot. Demnach sind wir mit diesem Pick nach dem Prinzip “Best Player Available” gegangen, haben dabei aber trotzdem etwas die Needs im Auge behalten – Cornerback ist ein sneaky Need der Packers. Die Wahl hätte man hier aus Johnson, Diggs, Igbinoghene und Bryce Hall. Als Zone Cornerbacks mit mäßiger (Diggs) und wenig (Hall) Upside in Man Coverage fallen bereits zwei für mich heraus. Johnson ist aktuell bereits deutlich weiter als Igbinoghene, der noch ein ziemlich roher Spieler mit einem hohen Ceiling ist. Die Wahl zwischen den beiden ist für mich Geschmackssache und fällt aufgrund der aktuellen Qualität auf Johnson. Das ist aber in keiner Weise ein Pick, der mich glücklich macht. Sollte das Board am Draft Day tatsächlich so fallen, dann bete ich, dass die Packers für einen Downtrade sorgen.

Markus: Die Packers scheinen 2018 mit Alexander ihre Nummer 1 auf CB gefunden zu haben. Kevin King hatte zum ersten Mal eine Saison, die er komplett durchspielen konnte, doch seine Leistung war von einem stetigen Auf und Bb geprägt. Da  meine Wunschspieler für die Packers alle weg sind (und ich Chris und Nik nicht für Dobbins begeistern konnte) und ein Trade nicht möglich ist, nehmen sie mit Blick auf die Zukunft den Corner, der am besten zu ihnen passt: Jaylon Johnson.

Nik: Alle Spieler, die hier richtig interessant werden und einen akuten Need bedienen würden, sind bereits vom Board gegangen. Während ich kein Fan von einem Wide Receiver in der ersten Runde bin (die WR-Klasse ist extrem breit und wir suchen keinen WR1 – einen guten WR2 bekommen wir auch noch an 62 und evtl sogar an 94), wäre Mims hier trotzdem ein sehr interessanter Pick gewesen – und wir hätten einen meiner Lieblingsspieler eingesammelt. Jalen Reagor ist mir hier zu früh, er hat von mir eine frühe 2nd Round-Grade. Der nächste Linebacker wäre Zack Baun und das wäre an 30 definitiv zu früh – zumal ich ihn eher in einer 4-3-Defense sehe, wenn er als Off Ball-Linebacker spielen soll. Mit Niang ist an 29 sogar mein Notfall-Tackle schon vom Board gegangen, der nächste Tackle (bei mir Cleveland) wäre ein enormer Reach und kein guter Fit. Ein Cornerback ist vor allem bei Packers-Fans äußerst unbeliebt, da wir so viele davon in letzter Zeit gepickt haben, jedoch ist es ein etwas versteckter Need. Ein Upgrade zu Kevin King würde mich definitiv nicht stören, außerdem läuft dessen Vertrag nach der Saison aus. Mit Jaylon Johnson bekommen wir einen Cornerback, der unter allen von mir gescouteten Cornerbacks der Drittbeste nach Okudah und Henderson ist – was ein Pick! Leider kommt Johnson mit Verletzungsbedenken, aber ansonsten hält ihn nichts davon ab, der zweite Mann neben Jaire zu sein, den wir uns alle wünschen. Johnson ist ein perfekter Scheme Fit und sehr variabel einsetzbar, er könnte im kommenden Jahr auch erstmal den Slot-Cornerback besetzen. Kein Pick, bei dem ich mich richtig freue, an der Position aber der meiner Meinung nach Bestmögliche.

Pick 31: San Francisco 49ers – Denzel Mims (WR, Baylor)

Die 49ers sind vielleicht einer der Gewinner des Drafts. Während man die Entscheidung an Pick 13 noch kritisieren könnte, keinen Wide Receiver zu nehmen, fällt ihnen an 31 schließlich ein Wide Receiver in den Schoß, der auf meinem Board (Nik) den vierten Platz unter den Receivern belegt. Mims ist eine perfekte Ergänzung zu Deebo Samuel und ein echt starker Pick an 31. Hier wäre außerdem ein Cornerback eine Möglichkeit, am Ende war aber der bessere Spieler auf einer Need-Position die Wahl, die wir getroffen haben – und da waren wir uns auch relativ schnell einig. Niners-Fans, die aus der ersten Runde mit Kinlaw und Mims rausgehen, dürfen mehr als nur zufrieden sein.

Pick 32: Kansas City Chiefs – Xavier McKinney (S, Alabama)

Die Chiefs sind in der seltenen Position, als Super Bowl-Sieger keinen Starter (50+% Snaps) ersetzen zu müssen. Daher können sie gezielt nach den besten Spielern im Draft suchen und das ohne Einschränkungen. An Position 32 ist McKinney genau das – der beste noch verfügbare Spieler. Juan Thornhill kommt von einem Kreuzbandriss zurück und wird mit McKinney um den Spot neben Mathieu kämpfen, zum Glück galt Thornhill als sehr variabel einsetzbar und hat noch dazu ein etwas anderes Skill Set als McKinney. Mit diesem Pick haben die Chiefs daher einen klassischen Strong Safety mit McKinney und Mathieu/Thornhill werden variabel auf dem Feld eingesetzt.