Derzeit steigt das Interesse an den Green Bay Packers – ist ja schön. Aber wie es derzeit steigt, ist einfach nur unfair den Spielern, Coaches und dem Staff gegenüber. Einseitige Berichterstattung führt immer wieder zu schlechter Meinungsbildung und das Darstellen von „falschen Fakten“ oder „Meinungen als Fakten“ gibt dem Ganzen noch einen enormen Tritt hinterher. Die meisten Leute, die sich jetzt negativ äußern – bezüglichem wem auch immer, haben nicht mal ansatzweise alles mitbekommen, was in Green Bay abgelaufen ist. Ihr habt recht: Ich auch nicht! Deshalb schaue ich darauf, was es an Fakten und Aussagen von offizieller Seite gibt, anstatt wild und rücksichtslos verbal auf alles einzutreten, was einem gerade vor die Nase kommt.

Faktencheck: Aaron Rodgers hat Waffen gefordert

Immer wieder kursiert die Aussage, Aaron Rodgers habe Waffen für sich gefordert, die er im Draft nicht bekommen habe. Das ist in dieser Form nicht korrekt, denn Rodgers hat mit keinem Wort jemals gesagt, dass er von GM Brian Gutekunst erwartet/fordert oder es sich auch nur wünscht, dass dieser in Runde 1 einen Wide Receiver draftet.

„We haven’t picked a skill player in the first round in 15 years, so that would be kind of cool.“

Das ist die Aussage, die von Rodgers immer wieder zitiert wird – sie wird aber aus dem Kontext gerissen und im falschen Licht dargestellt. Aaron Rodgers wurde in der Pat McAfee Show darauf angesprochen, was er davon hält, einen Wide Receiver in Runde 1 zu draften. Welcher Quarterback spielt nicht gerne mit Elite-Talenten? Würdet ihr als Quarterback es verneinen oder als schlecht bezeichnen, wenn euch Spieler wie bspw. WR Jerry Jeudy (Alabama, gedraftet von den Broncos) in Aussicht gestellt werden? Natürlich nicht! Aaron Rodgers wurde gefragt, ob er es mögen würde – und er sagte, es wäre cool. Das ist keine Forderung, kein Versprechen und nicht einmal ein Wunsch. Es ist die Aussage, dass er es cool finden würde, mit einem Firstround-Talent als neuem Wide Receiver zu spielen. Man kann in diese Aussage reininterpretieren, was man möchte, aber dann macht das bitte als Interpretation kenntlich – Aussagen wie „Aaron Rodgers wurden Waffen versprochen“ oder „Aaron Rodgers hat öffentlich einen Wide Receiver gefordert“ sind schlechtweg gelogen.

Faktencheck: Gutekunst ist dumm, weil er Rodgers keine Waffen zur Verfügung stellt

Das Team soll angeblich keine Waffen für Rodgers bereitstellen, er müsste mit Davante Adams und sonst nichts spielen oder auch „The Packers are wasting Rodgers’ prime“ sind Aussagen, wie man sie erstrecht nach diesem Draft am laufenden Band anhören muss. Aber stimmt das wirklich?

1) Brian Gutekunst hat letztes Jahr während der Saison mit diversen Teams Trade-Gespräche geführt. Wenn ein Wide Receiver auf dem Trade-Markt war, wurden immer wieder die Packers als Trade-Kandidat genannt. Ganz konkret wurde es scheinbar bei WR Emmanuel Sanders (jetzt bei den Saints), der nach 7 Saisonspielen von den Denver Broncos zu den San Francisco 49ers getradet wurde. Der Trade von Sanders beinhaltete einen Dritt- sowie Viertrundenpick zu den Broncos, für den die 49ers einen Fünftrundenpick zurückbekamen. Hätten die Packers das nicht zahlen können? Möglicherweise. Doch wie schon beim Khalil Mack-Trade geht bei solchen Trades auch die vermutete Position der Draftpicks mit dem Spieler ein. Die Packers haben immer relativ hohe Picks, d.h. dass ein Dritt- und Viertrundenpick der Packers möglicherweise weniger Wert ist als der eines anderen Teams. Gutekunst hätte also noch mehr bezahlen müssen. Dass er das nicht gemacht hat, ist nicht dumm, sondern konsequent – er lässt sich nicht über den Tisch ziehen. Das kann man in diesem generellen Szenario schlecht finden, ist erstmal aber eine gute Sache.

2) In der Offseason 2020 war wenig Free Agent-Material auf dem Markt, dazu hat das wenige Potential (WR Robby Anderson, jetzt Panthers) sich selbst total überschätzt. Gutekunst soll bei ihm zwar Vorstöße versucht haben, Berichten zufolge habe er anfangs aber ca. $15mio pro Jahr gefordert – eine Summe, die er zum einen nicht wert ist und die die Packers zum anderen gar nicht haben. Nun – letzteres ist tatsächlich Gutekunsts Schuld, denn er hat das Geld ja ausgegeben, die Signings der Smith Bros, Amos und Turner wurden von ihm erledigt. Doch sie waren wichtig. Turner hat nicht die vermutete Leistung erbracht, aber man gewinnt eben nicht immer – dafür zahlen wir ZaDarius Smith nicht annähernd so viel, wie er es verdient. Dass man einen Robby Anderson also nicht geholt hat, war erneut konsequent – und meiner Meinung nach richtig.

3) Die Packers waren nicht abgeneigt, im Draft einen Wide Receiver zu holen, haben jedoch einfach den Value nicht gesehen. Nur weil Medien einen Spieler in der ersten Runde vermuten, muss er bei den Packers nicht auch eine Grade für die erste Runde bekommen haben. Nachdem an Pick 25 schon 6 Wide Receiver (Ruggs, Jeudy, Lamb, Reagor, Jefferson, Aiyuk) vom Board waren, hatten die Packers möglicherweise einfach keinen First Round Wide Receiver mehr auf dem Board – zumindest keinen, dessen Value man über dem von Quarterback Jordan Love gesehen hat (mehr dazu später). In Runde 2 ging dann ein Higgins sehr schnell vom Board – einzig Denzel Mims (Baylor, gedraftet von den Jets) fiel sehr weit. Hätte man in ihm einen Value-Spieler gesehen, der das Team verbessert, hätte man versuchen können, hochzutraden. Jedoch muss man dazu auch noch einen Tradepartner finden, der dann wiederum bereit ist, einem seinen Pick zu überlassen. Laut Gerüchten sollen potentielle Trade-Partner zusätzliche Picks aus 2021 gefordert haben, die Gutekunst nicht bereit gewesen sein soll, abzugeben. Vielleicht hat man auch gehofft, dass Mims bis an 62 fällt und sich schlichtweg verzockt – das wissen wir nicht. Ich persönlich wäre für Mims hochgetradet, ich bin aber auch nicht General Manager der Green Bay Packers. Danach, und da stimme ich Gutekunst zu (auch wenn ich wiederum sehr hoch bei K.J. Hill war, was außer mir scheinbar sonst keiner so gesehen hat), war der potentielle Impact der vorhandenen Wide Receiver schlichtweg nicht gut genug – noch mehr Wide Receiver, die Potential haben, aber nicht den vakanten WR2-Spot füllen können, bringen die Packers auch nicht weiter.

Es wurde also sehr wohl darüber nachgedacht, mehr Spieler mit großem Kaliber zu holen, die die Gesamtsituation verbessern – man war aber nicht bereit, die geforderten Preise zu zahlen. Außerdem sieht man laut Gutekunst und LaFleur genug Potential in den vorhandenen Spielern wie beispielsweise Allen Lazard, Marquez Valdes-Scantling und dem Verletzungsrückkehrer Equanimeous St. Brown, die sich allesamt genug entwickeln könnten, um die offene Stelle zu besetzen. Und nicht zuletzt hat man mit Devin Funchess einen Free Agent unter Vertrag genommen, der bei den Panthers ebenfalls schon einmal als guter WR2 gespielt hat. Der Need ist also in den Augen von Gutekunst nicht groß genug, um dafür Spieler zu Preisen über deren Wert (seien es Picks oder Cap Space) zu holen. Die Meinung muss man nicht teilen, aber auch diese ist konsequent.

Faktencheck: Jordan Love: „Ein Schlag ins Gesicht“

Nicht nur die fehlenden Waffen für Rodgers werden kritisiert, auch das Draften seines potentiellen Nachfolgers wird sehr heiß diskutiert. Als „Schlag ins Gesicht“ wurde es bezeichnet. Ein „Wegwerfen der kommenden Jahre mit Rodgers“ wurde vermutet. Zuletzt habe ich sogar gelesen, Matt LaFleur sei unzufrieden mit Rodgers und wolle ihn loswerden, ihm „das Messer auf die Brust“ und ihn „vor die Tür“ setzen. Ganz entgegen dieser Behauptungen haben sich sowohl General Manager Brian Gutekunst als auch Head Coach Matt LaFleur sehr klar dazu geäußert, dass Rodgers weiterhin die nahe Zukunft der Packers ist. LaFleur sagte sogar, er hoffe, dass Rodgers noch so lange bei den Packers Quarterback sei, wie er das wolle.

Jordan Love ist kein Ersatz für Aaron Rodgers, Jordan Love ist als dessen Nachfolger geplant. Jeder erdenkliche Offizielle (außer vielleicht Präsident/CEO Mark Murphy)  hat sich dazu geäußert, dass Jordan Love ein Investment in die Zukunft ist. Man hat klar gesagt, dass man in Love sehr viel Upside sieht, er aber noch seine Zeit braucht und man ihm diese geben will.

Ja, man ist für Jordan Love sogar hochgetradet, aber ist das denn schlimm? Jedes Team würde mit Kusshand einen 1st + 4th für ihren Franchise Quarterback bezahlen. Ist Love das derzeit? Definitiv nicht – er ist die Nummer 2. Aber er hat eine Menge Potential und wenn er das erfüllen kann, wird er der zukünftige Franchise Quarterback der Green Bay Packers sein. Ist das früh? Natürlich, aber zum einen halte ich es mit Aaron Naglers Aussage „Der schlechteste Zeitpunkt, nach einem Quarterback zu suchen, ist, wenn du einen brauchst:“ und zum anderen ist es nicht jedes Jahr der Fall, dass ein potentieller Franchise Quarterback an Position 26 noch auf dem Markt ist. Man muss eben manchmal auch schauen, wie das Board fällt. Hatten die Packers keinen weiteren Spieler mit einer First Round Grade, so gibt man gerne einen Viertrundenpick ab, um diesen Spieler noch zu bekommen. Laut Draft Pick Value Charts (die man natürlich nicht alleine ohne Kontext und verbleibendem Board anwenden sollte, Berechnung hier mit dem Value Chart von Drafttek) haben die Packers in dem Trade sogar gewonnen, denn sie haben beim Erstrundenpick 80 Value-Punkte mit dem Uptrade gewonnen, während der zusätzliche Viertrundenpick nur 38 Punkte wert war. Am Trade gibt es also absolut nichts auszusetzen.

Mehr noch: Der Pick war sogar sehr wertvoll. Denn natürlich wird man an das alte Szenario erinnert, in dem die Packers Aaron Rodgers drafteten, obwohl man Brett Favre hatte usw. – ihr kennt die Geschichte. Brian Gutekunst sagte in seiner Pressekonferenz nach dem Draft, dass die Entwicklung von Aaron Rodgers der Grund gewesen sei, wieso man sich bereit fühlte, ohne Favre weiter zu machen – Rodgers habe in den 3 Jahren hinter Favre bewiesen, dass er übernehmen kann. Und genau das treffe jetzt auch auf Love zu – um der nächste Franchise Quarterback der Packers zu werden, müsse Love dasselbe beweisen. Solange Love also nicht zeigt, dass er absolut bereit ist, ist ein Austausch mit Rodgers nicht mal eine Diskussion in der 1265 Lombardi Avenue.

Faktencheck: Die Beziehung zwischen Rodgers und LaFleur

Die Beziehung zwischen Aaron Rodgers und Matt LaFleur ist mittlerweile ein leidiges Thema. Schon beim Signing von LaFleur – ja sogar allgemein gehalten schon davor – wurde von einigen Medien die Frage aufgeworfen, ob Aaron Rodgers, der angeblich mit Mike McCarthy in einem Zwist gestanden und indirekt für seinen Abschied veranwortlich gewesen sein soll (so die Gerüchte), sich denn einem neuen Head Coach unterordnen würde – und das erstrecht, wenn der Head Coach möglicherweise noch ein junger Coach ist und damit etwa in der Altersklasse von Rodgers. Spätestens nachdem der nur 4 Jahre ältere Matt LaFleur als Head Coach verpflichtet wurde, brodelte das Thema enorm. Aaron Rodgers sei ein schlechter Mensch, er habe keinen Respekt vor LaFleur, er mache nur sein Ding – und allgemein wird die Beziehung zwischen den beiden bestimmt super schlecht, wenn LaFleur sich Rodgers nicht unterordnet.

Was ist geschehen? Aaron Rodgers wie Matt LaFleur haben sich positiv zueinander geäußert und angefangen zu arbeiten. Doch eine Offseason dauert lange und liefert wenig Gesprächsstoff – also kochten die Gerüchte weiter. Zu jeder Gelegenheit wurde das Thema hervorgeholt, dazu haben dann die üblichen Verdächtigen wie Greg Jennings (ehemaliger WR der Packers) und Mike Florio (Autor bei ProFootballTalk und seinerseits Chicago Bears-Fan) ihren Senf abgegeben und die Sache noch weiter aufgeheizt.

Gegenstimmen von anderen Mitspielern von Rodgers haben scheinbar keinen interessiert. „Aaron Rodgers ist der böse“ lässt sich schlichtweg viel einfacher und besser verkaufen, als einfach mal nachzuforschen, was los ist – und dann das zu schreiben, was wirklich los ist: Absolut nichts. Rodgers und LaFleur haben ganz normal zusammengearbeitet.

Zum Saisonstart ging es dann wieder nur darum, wie schlecht Rodgers und LaFleur zusammenpassen und wie schlecht das laufen muss. Doch es lief grandios – die Packers holten Sieg nach Sieg und konnten sich über die Saison hinweg beweisen, die Kritiker der Beziehung verstummten.

Die Leistung der Packers sowie die Aktionen auf dem Feld zeigen das Gegenteil. Immer wieder geht Rodgers zu LaFleur, um mit ihm zu feiern, sie machen Witze gemeinsam, sie muntern sich auf. Beim 42-24-Sieg über die Oakland Raiders witzeln die beiden miteinander, Rodgers sagt „Ich will heute 5 [Touchdowns werfen]“ und LaFleur antwortet „Ich will 6!“ – sieht das nach einer Beziehung zwischen zwei Personen aus, die sich nicht leiden können?

Das „schlechteste 13-3-Team aller Zeiten“ gewann das erste Playoff-Spiel und zog ins Conference Championship-Spiel ein – und hier wurde das Feuer wieder lauter. Nach einer vernichtenden Niederlage wurde bei den Packers alles kritisiert. Gutekunst, LaFleur, Pettine, die Spieler. Einfach jeder war einmal der Böse, wegen dem die Packers verloren haben. Und so kam auch wieder Feuer in das Thema, wie gut Rodgers und LaFleur zusammenpassen – schließlich habe man zum zweiten Mal hoch gegen die 49ers verloren.

Brian Gutekunst entfachte dann das Feuer so richtig, denn auf die Frage, ob er sich in dieser Offseason schon nach einem Quarterback umsehe (es gab schon zum Draft 2019 Gerüchte, man würde einen Quarterback draften), sagte Gutekunst, dass er es nicht ausschließt und wenn der richtige Spieler zu ihnen fällt, sie diesen auch nehmen würden.

Aaron Rodgers wurde sogar gefragt, was er davon hält, dass Gutekunst scheinbar mit einem Quarterback liebäugeln würde, woraufhin Rodgers sagte, dass die Packers das ruhig machen können, er plane aber, weiterhin Starting Quarterback zu bleiben. „Ich bin realistisch. Ich weiß, wo wir als Organisation stehen und an welchem Punkt ich in meiner Karriere bin”, sagte Rodgers ESPN, “Ich hatte immer das Gefühl, dass es egal ist, mit wem sie ankommen, sie werden nicht in der Lage sein, mich zu schlagen.” Das heißt zwar nicht, dass er begeistert von einem Quarterback-Pick wäre – aber auch nicht, dass er Gutekunst und LaFleur dafür hassen würde, wenn sie es täten – er könne es sogar verstehen.

Und trotzdem lies der Jordan Love-Pick erneut Gerüchte hochkommen, dass Matt LaFleur seinen derzeitigen Quarterback nicht mögen würde, er wolle ihn aus dem Team haben, die beiden würden nicht zusammen funktionieren und vieles mehr. Matt LaFleur – der Rodgers angeblich aus dem Team drücken will – hatte sich noch in der Pressekonferenz nach dem Draft klar für Aaron Rodgers ausgesprochen: „Meiner Meinung nach ist Aaron Rodgers mit Abstand der beste Quarterback, mit dem ich jemals gearbeitet habe. Ich denke, dass er der Beste ist, der jemals gespielt hat. Ich hoffe, er kann hier so lange spielen, bis er sich entscheidet, dass er nicht mehr spielen möchte.“  Ähnlich äußert sich auch GM Gutekunst „Wir haben einen der besten Quarterbacks, der jemals die Footballschuhe geschnürt hat. Wir schießen so lange nach Championships, wie er hier ist. Jordan hat noch eine Menge zu lernen.“

Faktencheck: Aaron Rodgers hasst Rookies und wird Love hassen

Ein anderes Statement, das ich mir immer wieder anhören musste, ist, dass Rodgers Rookies hasse. Er könne mit ihnen nichts anfangen. Außerdem sei er ein Gegner von Jordan Love und werde mit Sicherheit nicht mithelfen, seinen Ersatz zu entwickeln und sich selbst überflüssig zu machen. Doch woher kommt diese Aussage eigentlich?

Aaron Rodgers wird immer wieder als ein Quarterback beschrieben, der Vertrauensprobleme habe. Er brauche lange, um Rookies (und auch Veterans – das interessiert bei diesem Thema aber keinen) zu vertrauen und problemlos mit ihnen zu spielen. Das ist richtig und falsch – er hat keine Probleme damit, es ist bei ihm schlichtweg so. Dass man sich sein Vertrauen erarbeiten muss, ist meiner Ansicht nach durchaus nachvollziehbar, außerdem ist es nicht unmöglich, wie wir an mehreren Beispielen gleich sehen werden.

Aaron Rodgers hasst nämlich keine Rookies – dieses Statement ist haltlos und nicht richtig. So war es doch Aaron Rodgers, der für Rookie Allen Lazard (technisch gesehen war er kein Rookie, er hat schon eine Saison im Practice Squad verbracht und im Saisonfinale 2018 dann schließlich sogar einen Snap mit Quarterback DeShone Kizer auf dem Feld gestanden) ein gutes Wort bei Matt LaFleur eingelegt hat. Rodgers ist der Grund, wieso Lazard mehr Snaps spielen durfte – und diese Chance dann nutzen konnte.

Ähnlich sah es mit EQ St. Brown aus, der zum Ende seiner Rookie-Saison scheinbar den Rhythmus mit Rodgers gefunden hatte und sich immer weiter gesteigert hat. In der Preseason zur Saison 2019 lobte Rodgers ihn sogar ausdrücklich. „Ich denke, dass EQ ein richtig gutes Camp hatte“, so Rodgers, „Ich denke, dass er sehr konstant war. Wir haben nicht viel über ihn gesprochen, was in diesem Fall positiv ist. Es ist ein bisschen wie ‚Ja, gut, er ist im finalen Roster‘ Er war so gut.“ Klingt das nach jemandem, der seine jungen Teamkollegen nicht wertschätzt?

Außerdem wird das direkt auf Quarterback Jordan Love bezogen. Laut Love selbst habe Rodgers mit ihm gesprochen und ihm zu seinem Draft gratuliert – mehr ist zur Beziehung der beiden nicht bekannt. Doch wieso sollte Aaron Rodgers Love schlecht behandeln oder gar manipulieren? Gerade Aaron Rodgers, der mit Brett Favre selbst erfahren hat, wie es sich anfühlt, wenn ein Veteran sich gegen den Rookie stellt und ihn im Stich lässt, sollte doch daran gelegen sein, diese schlechte Erfahrung nicht weiterzugeben.

Dazu kommen Äußerungen von (ehemaligen) Teamkollegen, die meine obigen Aussagen stützen. James Jones (Ex-Tamkollege und guter Freund von Rodgers) beispielsweise sprach sich klar für seinen ehemaligen Quarterback aus. Laut Jones habe Rodgers ihm erzählt, dass er auf die Chance warte, ein Leader zu sein. Rodgers wolle laut Jones der Welt zeigen, dass er ein Anführer sein kann und einem jungen Quarterback helfen möchte. Außerdem sagte er auch, Rodgers werde „alles tun, was er kann, um dem Jungen zu helfen und ihre Beziehung wird unglaublich sein!“

Auch TE Jace Sternberger fand klare Worte als Antwort auf einen Tweet von SiriusXM-Radioreporter Geoff Schwartz, der sagte, dass Rodgers Love kein guter Mentor sein würde und ihm nicht helfen möchte: „Es ist ein fairer Punkt, dass du nicht in unserem Locker Room bist, deshalb hast du ‚KEINE‘ Ahnung, wie 12 [Aaron Rodgers] unsere jungen Spieler wie mich behandelt. Er motiviert uns immer, noch mehr zu lernen. Er fordert Perfektion.“

Und General Manager Brian Gutekunst, auf dessen Aussage sich Schwartz bezog, sagte auf die Frage, ob er Streit zwischen Rodgers und Love erwarte, ganz klar: „Ich glaube nicht. Er [Rodgers] war schon immer ein richtiger Profi und ein richtig, richtig guter Teamkollege. Ich weiß, was seine Ziele sind, also wird es dazu nicht kommen.“

Tl;dr: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird

Während jeder jetzt seine Meinung dazu abgibt und dabei den populärsten Standpunkt vertritt, sollte man ruhig bleiben und erstmal die Fakten betrachten. Es ist in Ordnung, mit dem Draft unzufrieden zu sein, trotzdem sollte man erstmal abwarten, wie sich alles entwickelt.