Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt. Sowohl das Ranking, als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Wide Receiver. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten drei Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde. Die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Die diesjährige Wide Receiver-Klasse zählt zu den besten aller Zeiten, laut mancher Experten und Analysten ist sie sogar die beste. In der Spitze sind Elite-Talente vorhanden, vor allem ist jedoch die Breite der Klasse einfach überragend. Für die Packers ist ein Wide Receiver im Draft, zusammen mit einem Inside Linebacker, meiner Meinung nach das größte Team Need. Letzte Saison gab es zur Trade Deadline schon zahlreiche Spekulationen darüber, dass die Packers einen WR2 holen wollten, letztendlich wurden sie jedoch nicht tätig. Allen Lazard hat sich zum Saisonende in seiner Rolle ohne Zweifel bewährt, ist als WR2 hinter Adams aber definitiv keine langfristige Lösung. Auch in der Free Agency wurden die Packers nicht tätig (ich plane Funchess nicht als WR2). Es ist deshalb extrem wahrscheinlich, dass das Front Office in den ersten zwei Runden (endlich) hohes Draft Kapital in einen Playmaker für die Offense investiert.

 

Jerry Jeudy (21, Alabama)

Größe: 6’1″ (1.85 m); Gewicht: 193 lbs (88 kg); Armlänge: 32 1/8″ (82 cm); Handspanne: 9 4/8 (24 cm);
40 Yard Dash: 4,45 s; Vertical Jump: 35″; Broad Jump: 120″; 20 Yard Shuttle: 4,53 s

Jeudy sichert sich in meinem WR-Ranking knapp die Top-Platzierung. Seit 2018 war er Starter in Alabama und empfing Pässe von Tua Tagovailoa. Er kam mit hohen Erwartungen in seine Junior Season 2019 und konnte diesen absolut standhalten. 77 Catches, 1163 Receiving Yards mit einem Schnitt von 15,1 Yards pro Catch und 10 Touchdowns konnte Jeudy letztlich verzeichnen.

Der Grund dafür, dass Jeudy in dieser extrem starken Wide Receiver-Klasse in meinen Augen die Nummer 1 darstellt, ist sein Elite-Route Running. Für mich ist Separation die oberste Priorität, wenn ich WR-Tape schaue. Er beherrscht den gesamten Route Tree und kreiert bei so gut wie allen Routen konstant Seperation. Seine Separation Quickness (Geschwindigkeitswechsel/-steigerung am Ende seiner Route, bevor der Ball kommt) und Footwork sind herausragend. Das gilt ebenfalls für seinen Release an der Line of Scrimmage. Press Coverage bereitet ihm keine Probleme.
Jeudys andere große Stärke sind seine Yards After Catch-Skills. Er ist aufgrund von unglaublicher Elusiveness/Agilität und Joystick-artigen Moves im Open Field eine Waffe mit dem Ball in seinen Händen. Ein guter Long Speed trägt noch mehr dazu bei. Zudem sind seine Hände beim Catching stark und sicher. Sein Ball Tracking ist top.
Als Run Blocker ist er trotz seines geringen Gewichts noch überdurchschnittlich, wobei er seinen physischen Nachteil durch gute Technik kompensiert. Jeudy hat in der Alabama Offense sowohl Outside, als auch im Slot gespielt. Aus dem Slot war er insgesamt sogar am gefährlichsten. Er ist nicht auf ein bestimmtes Scheme festgelegt, da seine Spielweise ihn extrem vielseitig einsetzbar macht. Den größten Schaden hat er in der Intermediate Range angerichtet (10-25 Yards).

Anlass für Bedenken bietet Jeudys mangelnde Power und Stärke. Sein Körperbau ist nicht optimal und für die NFL fehlt ihm eigentlich etwas Masse. Das resultiert darin, dass er am College teilweise Probleme mit physischen Defensive Backs und Linebackern hatte. Insgesamt vermeidet er weitestgehend Kontakt und kompensiert es mit Speed und Moves. Dazu ist Jeudys Catch Radius noch ein Fragezeichen. Er hatte wenige Situationen, in denen er sein Contested Catching oder seine Jump Ball Skills unter Beweis stellen konnte. Außerdem ist er anfällig für Concentration Drops, wo er die Augen zu früh vom Ball nimmt und sich nicht mehr auf den Catch fokussiert.

Für die Packers wäre Jeudy grundsätzlich ein Traumfit. Er kreiert Separation, wodurch sich junge Wide Receiver Rodgers’ Vertrauen am schnellsten sichern. Sollten die Packers sich aber nicht bis in die Top 15 hochtraden, besteht wohl keine Chance, Jeudy nächste Saison in Green Bay zu sehen.

 

CeeDee Lamb (21, Oklahoma)

Größe: 6’1 5/8 (1,86 cm); Gewicht: 198 lbs (90 kg); Armlänge: 32 2/8 (82 cm); Handspanne: 9 2/8 (23,5 cm);
40 Yard Dash: 4,5 s; Bench Press: 11 Reps; Vertical Jump: 34,5″; Broad Jump: 124″

Knapp hinter Jeudy kommt für mich CeeDee Lamb, obwohl er ein komplett unterschiedliches Skillset besitzt. Lamb startete seit 2017 in der Offense der Sooners und hat bereits Pässe von Baker Mayfield, Kyler Murray und Jalen Hurts gefangen. Seine Production hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert. 2019 fing er 62 Bälle für 1327 Yards mit 21,4 Yards pro Catch (!) und 15 Touchdowns.

Lamb ragt durch seine Elite-Handskills heraus. Er fängt jeden Pass sehr sicher und hat bei schwierigen Catches durch seine Handstärke keine Probleme. Auch seine Concentration am Catch Point ist sehr stark, wodurch er einige getippte Bälle noch über der Grasnarbe gefangen hat. Auch sein Contested Catching ist exzellent. Lambs Ball Tracking ist top und seine Dominanz am Catch Point ist beachtlich. Er nutzt seinen Körper perfekt und fängt ständig Bälle, die eigentlich überhaupt nicht in seiner Range sind. Defensive Backs im direkten Duell zu schlagen ist für ihn normal.
Genau wie Jeudy ist er eine Yards After Catch-Waffe, jedoch auf eine ganz andere Weise. Lamb spielt extrem physisch mit dem Ball in den Händen und hat keinerlei Angst vor Kontakt, wodurch er konstant Tackles bricht. Seine Contact Balance und Body Control während und nach dem Catch sind außergewöhnlich. Dazu besitzt er eine starke Field Vision und weiß stets genau, wo auf dem Feld er sich befindet. Das zeigt sich auch darin, wie er sich regelmäßig gegen Zone Coverage genau in Lücken setzt und seinem Quarterback das Leben leichter macht. Sein Football IQ ist ziemlich hoch.
Als Run Blocker ist er solide, hat aber teilweise Effort-Probleme. Sein Release an der Line of Scrimmage gegen Press Coverage ist stark. Lambs Route Running ist solide, er kreiert gegen Man Coverage aber nicht konstant Separation, was für seine Spielweise jedoch auch zweitrangig ist.
Auch ist er vielseitig, was Scheme-Fits und Lineups angeht. Oft wurde er als Motion Spieler hinter der Line of Scrimmage benutzt oder im Slot aufgestellt, am stärksten ist er aber Outside.

Negativ muss man bei Lamb sicher anmerken, dass er nicht besonders elusive ist und sehr selten Gegenspieler 1vs1 mit Moves oder Cuts aussteigen lässt. Sein purer Long Speed ist ebenfalls eher leicht unterdurchschnittlich, was sein 40 Yard-Dash beim Combine belegt. Außerdem bestehen, wie oben angeschnitten, häufiger Probleme, sich konstant Separation durch Route Running und Explosivität zu erarbeiten. Für Quick Passing-Offenses ist er deshalb eher nicht geeignet.

Grundsätzlich gilt für Lamb das Gleiche wie für Jeudy: Er wird nach der Top 15 nicht mehr auf dem Board sein. Nur durch einen Trade wäre er ein Thema.
Als Ergänzung zu Adams wäre er eventuell aber genau der physische Receiver, der den Packers als WR2 fehlt. Er zieht das Feld zwar nicht durch Speed in die Länge – was den Packers eigentlich fehlt – tut dies aber durch seine Contested Catching-Qualitäten.

 

Henry Ruggs III (21, Alabama)

Größe: 5’11” (1,80 m); Gewicht: 188 lbs (85 kg); Armlänge: 30 4/8 (77,5 cm); Handspanne: 10 1/8 (26 cm);
40 Yard Dash: 4,27 s; Vertical Jump: 42″; Broad Jump: 131″

Mit Henry Ruggs endet für mich das erste Tier der WR-Klasse. Auch er stellt einen anderen Spielertypen dar als Jeudy und Lamb. Die letzten zwei Saisons bei Alabama zeichnete sich ab, dass Ruggs sehr hoch im Kurs stehen wird. Dazu trug sein Junior-Jahr 2019 bei: 40 Catches, 746 Receiving Yards, 18,7 Yards pro Catch und 7 Receiving (+ 1 Rushing) Touchdowns konnte er verzeichnen. Die meisten kennen Ruggs als den potentiellen Rekordbrecher im 40 Yard Dash, was ihm aber leider nicht gelungen ist. Doch er hat deutlich mehr als nur Speed zu bieten.

Dennoch sind sein unfassbarer Antritt, seine Explosivität und sein Long Speed das, was ihn auszeichnet und zum frühen First Round Prospect machen. Er ist ein absolutes Home Run-Threat bei jedem einzelnen Catch, was eine immense Gefahr für Defenses bei Screens und Pässen hinter der Line of Scrimmage darstellt. Seine Yards After Catch-Fähigkeiten werden weiter maximiert durch eine sehr gute Field Vision als Ballcarrier. Was ihn jedoch von anderen bekannten Speed-Stars unterscheidet, die in der ersten Runde gedraftet wurden (John Ross, Corey Coleman), ist sein zusätzlich gutes Route Running. Er kreiert vor allem in der Intermediate Range konstant Separation und setzt sich gegen Zone Coverage in Soft Spots.
Dazu kommen sehr sichere Hände und ein gutes Ball Tracking. Seine Elusiveness und seine Quickness sind solide, was auch für seine Change of Direction-Skills gilt. Er kann Gegner durch Cuts 1vs1 besiegen, tut dies aber nicht regelmäßig.
Sogar als Run Blocker ist er als Resultat von viel Effort und guter Technik, trotz schwacher Physis, auf jeden Fall brauchbar. Was Vielseitigkeit angeht, ist er nicht zu übertreffen. Ruggs hat Outside, im Slot, im Backfield und als Punt- und Kick-Returner fungiert. Kreative Offense Coordinator werden mit ihm extrem viel Schaden anrichten.

Bemängeln kann man primär seine fehlende Physis in vielen Situationen. Er ist definitiv kein Contested Catcher und wird in der NFL bei Jump Balls auch keinen Erfolg haben. Auch sein Catch Radius ist logischerweise nicht besonders groß.
Seine mangelnde Physis macht sich auch gegen Press Coverage bemerkbar, da er zu oft versucht, den Cornerback zu umlaufen, und damit von seiner Route abweicht.

Auch Ruggs wird nicht aus der Top 15 herausfallen. Es hört sich mittlerweile sogar mehr und mehr danach an, dass er bei den meisten NFL Teams sogar höher im Kurs steht als Jeudy und Lamb und eventuell als erster Wide Receiver vom Board gehen wird.
Als Fit wäre er ein Traum für die Packers. Er bringt den Speed, den man so sehr in der Offense vermisst, und hat darüber hinaus alle weiteren Qualitäten, die man von einem WR2 erwartet.

 

Tee Higgins (21, Clemson)

Größe: 6’3 5/8 (1,91 m); Gewicht: 216 lbs (98 kg); Armlänge: 34 1/8 (87 cm); Handspanne: 9 2/8 (23,5 cm);
Nicht an Combine Drills teilgenommen

Mit Tee Higgins beginnt bei mir die realistische Reichweite der Packers an 30. Ab hier beginnt in meinen Augen auch das zweite Tier der Klasse. Für mich beginnt dieses mit Higgins, im Gegensatz zu sämtlichen Experten und Analysten, die ihn teilweise nicht mal in der Top 10 sehen. Higgins hat die letzten zwei Jahre bei Clemson beachtliche Zahlen produziert. Seine 2019 Junior Season beendete er mit 59 Catches, 1167 Receiving Yards mit 19,8 Yards pro Catch (!), sowie 13 Touchdowns.

An seinem Yards pro Catch-Wert erkennt man, dass Higgins vor allem als Deep Threat gefährlich ist. Fast alle seiner tiefen Catches resultieren aus Contested-Situationen. Er besitzt eine unglaubliche Alpha-Mentalität bei Jump Balls und 50/50-Bällen. Seine Body Control ist herausragend und es behindert ihn keineswegs, wenn er während des Catches gehittet wird und Kontakt hat. Ich habe selten so eine perfekt eingesetzte und dominante Physis eines Wide Receivers am Catch Point gesehen wie bei Higgins. Sein Catch Radius und – damit einhergehend – sein Body Frame sind absolut Elite.
Seine Hände sind extrem gut ausgeprägt und seine Concentration, vor allem bei getippten Würfen, sowie sein Ball Tracking sind stark. In der Red Zone ist er aufgrund seiner Spielweise eine Waffe. Fades und Slants sind für Conerbacks bei seinem Frame und seiner Größe nur schwer zu verteidigen.
Sein Frame macht ihn bereits zu einem guten Run Blocker, seine Technik und sein Effort sind solide.
Zudem ist sein Route Running solide, vor allem in der Intermediate und Deep Range, jedoch hat er bei Short Routes Probleme, Separation zu kreieren. In einer vertikalen Offense, die ihren Playmakern etwas Zeit gibt, um ihre Routen zu entwickeln, ist er definitiv besser aufgehoben.

Man darf von Higgins auf keinen Fall erwarten, dass er mit dem Ball in seinen Händen viel durch Elusiveness oder Change of Direction-Skills produziert. Er braucht offene und freie Running Lanes. Aussteigen lässt er niemanden im Open Field. Auch sein Speed und seine Acceleration (Antritt)/Explosivität sind eher schwach. Sein Long Speed ist am Ende jedoch überraschend schnell.
Was die meisten vielleicht nicht erwarten, ist, dass er Probleme an der Line of Scrimmage gegen Press Coverage hat. Er hat keine gute Handwork und sieht gegen physische Cornerbacks trotz seiner eigenen starken Physis oft ziemlich schwach aus. Außerdem ist er teilweise anfällig für Concentration Drops. Das muss er sich für die NFL abgewöhnen, da sichere Hände für seine Spielweise essentiell sind.

So hoch wie ich Higgins auch persönlich sehe, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn in der Packers Offense sehen möchte – zumindest mit Pick 30. Ich kann mir vorstellen, dass Rodgers und er aufgrund seines Spielertyps Probleme haben könnten, schnell Chemie und Vertrauen miteinander aufzubauen. Das Element des physischen Downfield Threats würde er aber zweifellos in die Packers-Offense bringen.

 

Laviska Shenault (21, Colorado)

Größe: 6’0 5/8 (1,84 m); Gewicht: 227 lbs (103 kg); Armlänge: 31 7/8 (81 cm); Handspanne: 9″ (23 cm);
40 Yard Dash: 4,58 s; Bench Press: 17 Reps

Laviska Shenault ist ein extrem interessanter Spieler. Einen Runningback/Wide Receiver-Hybrid in dem Umfang habe ich bisher selten gesehen. Nach seiner Sophomore Season 2018 ist man davon ausgegangen, dass er 2019 noch einen weiteren Schritt nach vorne macht und in der absoluten Spitzengruppe landen wird. 2019 lief von der Produktivität jedoch leider nicht ab wie geplant. Die Statistiken lassen sich dennoch sehen: 56 Catches/23 Runs, 764 Receiving Yards/161 Rushing Yards, 13,6 Yards pro Catch und 6 Scrimmage Touchdowns (4 Receiving, 2 Rushing).

Shenault lebt als Proscpect vor allem von seiner Versatility, die ihn auf jeder erdenklichen Position zu einem Missmatch auf dem Feld macht. In der Colorado Offense wurde er im Prinzip überall aufgestellt, außer in der OLine. Er spielte als Outside WR, Slot WR, stand im Backfield als Halfback oder Fullback, spielte als In-Line Tight End direkt an der O-Line oder stand in Wildcat Formationen als QB auf dem Platz. Auch zahlreiche Screens und Runs liefen über ihn.
Im Receiving Game ist insbesonder als Deep Threat gefährlich. Er hat ein sehr gutes Ball Tracking und ist ein guter Contested Catcher – auch unter Druck und mit Kontakt. Seine Hände sind sehr verlässlich und dazu extrem stark außerhalb seines Frames. Er dropt kaum Bälle. Auch wenn sein 40 Yard Dash sehr enttäuschend war, ist sein Game Speed, vor allem Straight Line, deutlich höher. Für Defensive Backs ist es schwer, ihn wieder einzuholen, wenn er einen Vorsprung hat.
Seine zweite riesen Stärke ist seine Power und Physis. Er ist für seine Größe extrem schwer und hat einen sehr muskulösen Körperbau. Diesen setzt er gut nach dem Catch ein, weshalb er sehr viele Tackles bricht und bei Jump Balls erfolgreich ist. Er holt konstant Yards After Contact und nimmt den Kopf runter, um Kontakt zu suchen. Seine Spielweise als Ballcarrier sowie sein Körperbau erinnern mehr an einen Runningback als an einen Wide Receiver. Sein Football IQ ist zudem bemerkenswert. Er sagte Mitspielern in seiner Offense regelmäßig wo sie im Lineup zu stehen haben und wann sie in Motion gehen müssen. Er findet außerdem immer wieder Soft Spots in Zone Coverages. In Colorado wurde er auch relativ erfolgreich als Kick Returner benutzt.

Betrachtet man Shenault jedoch als Wide Receiver, sind seine Schwächen beachtlich.
Sein Route Running beispielsweise ist nicht gut ausgeprägt, was sich durch seine vielen verschiedenen Lineups begründen lässt, wodurch er nicht ausreichend WR Basics trainiert hat. Seine Breaks und Cuts bei seinen Routen sind nicht besonders explosiv.
Dazu hat er keinen guten Release, was sich aus wenig Hand- und Footwork ergibt. Er versucht Press Coverage durch Speed zu schlagen und den Cornerback zu umlaufen und weicht so oft zu sehr von seiner Route ab.
Für einen Runningback wiederum ist seine Elusiveness bei weitem nicht gut genug. Seine Füße sind nicht schnell, seine Cuts sind langsam. Er kompensiert dies eben durch seine Physis. Als Run Blocker müsste er als Folge seines Frames eigentlich deutlich besser sein. Er wirkt meistens extrem unmotiviert und nicht willig zu blocken.

Shenault ist extrem schwer zu greifen anhand seines Tapes. Ich verstehe die Kritiker, weil es mehr als genug Gründe gibt, ihn nicht hoch auf dem Board zu haben. Man sollte aber nicht unterschätzen, was solche Spieler in Offenses möglich machen können, die einen kreativen Head Coach oder Offense Coordinator haben. Shenaults Vielseitigkeit sollte ihn ziemlich sicher in der ersten Runde gehen lassen.
Unklar ist, wie LaFleur solche Spieler in seiner Offense zu nutzen weiß. In seiner Rookie Season waren eher wenig Elemente an Trick Plays oder Wildcat Formationen zu sehen. Als WR2, den die Packers brauche, wäre Shenault nicht die Impact-Lösung, die sich die meisten Fans wünschen.

 

Denzel Mims (22, Baylor)

Größe: 6’2 7/8″ (1,89 m); Gewicht: 207 lbs (94 kg); Armlänge: 33 7/8″ (86 cm); Handspanne: 9 3/8″ (24 cm);
40 Yard Dash: 4,38 s; Bench Press: 16 Reps; Vertical Jump: 38,5″; Broad Jump: 131″; 3 Cone Drill: 6,66 s; 20 Yard Shuttle: 4,43 s

Denzel Mims hatte 2017 bereits sein Breakout Jahr in Baylor und konnte seitdem konstant starke Zahlen produzieren. Er war im Passing Game Dreh- und Angelpunkt der Baylor Offense, die von Matt Rhule (heute Panthers Head Coach) geführt wurde. 2019 fing Mims 66 Bälle für 1015 Yards mit 15,4 Yards pro Catch und 12 Touchdowns. Durch seine starken Leistungen in der Senior Bowl Woche ist er richtig ins Rampenlicht der ersten Runde gerückt.

Mims’ Markenzeichen ist seine Dominanz bei Jump Balls und Contested Catches. Er hat eine unglaubliche Body Control und Extension am Catch Point und besiegt Defensive Backs konstant in der Luft. In seinem Tape sind zahlreiche absurde und spektakuläre Catches zu sehen, die seine Elite-Fähigkeiten als Contested Catcher und Deep Threat unterstreichen. Zudem hat Mims starke Hände, was sich vor allem bei Catches bemerkbar macht, die eigentlich außerhalb seines Frames sind.
Seine Athletik hat er beim Combine eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit einem 4,38er 40 Yard Dash war er deutlich schneller, als so ziemlich jeder erwartet hat. Das führte auch dazu, dass sein Draft Stock seit dem Combine enorm in die Höhe geschossen ist. Auch im Tape sieht man aber bereits vor allem seinen extrem starken Burst und seine Explosivität.
Auch als Ballcarrier spielt Mims mit der gleichen physischen Power, wie bei seinen Jump Balls. Er hat keine Angst vor Kontakt. Mims’ Profil und seine konstante Leistung in Baylor machen ihn zu einem High Floor-Prospect, das zumindest sicher nicht als Bust abgestempelt wird.

Kritisiert werden muss bei Mims vor allem sein enormes Drop Problem. In den letzten zwei Saisons hatte er insgesamt eine Drop-Rate von 12,9% – ein sehr hoher Wert. Im einen Play gewinnt er einen scheinbar unmöglichen Jump Ball und sichert ihn stark mit seinen Händen, im nächsten dropt er einen einfachen Slant.
Außerdem ist sowohl sein Route Tree, als auch sein Route Running an sich extrem ausbaufähig. Mehr als die Hälfte seiner Yards 2019 kamen entweder aus Slant- oder Go-Routes. Das ist in der NFL definitiv nicht umsetzbar und muss erweitert werden. Jedoch ist dies auch auf die sehr eindimensionale Offense bei Baylor zurückzuführen. Im Senior Bowl beeidruckte Mims zahlreiche Scouts durch seinen gut ausgeführten Route Tree, was einige Bedenken diesbezüglich gemindert hat. Sein Route Running ist aber nicht quick genug, seine Breaks sind nicht explosiv genug und er ist für Defensive Backs oft viel zu früh zu lesen. Die Route Technik muss komplett aufgebessert werden.
Außerdem könnte es für manche ein Kritikpunkt sein, dass er sich seit seiner 2017er Saison nicht mehr gesteigert hat, sondern immer auf dem selben Production Level geblieben ist.

Mims ist für mich eine abgeschwächte Version von Tee Higgins, die noch etwas mehr gutes NFL Coaching benötigt. Er bringt einer Offense einen Prototyp-X-Receiver. Für den Fit zu den Packers gilt für Mims Ähnliches, wie für Higgins. Solche Receiver werden etwas Zeit brauchen, um Rodgers Vertrauen zu erlangen, einfach aufgrund ihrer Spielweise. Als Deep Threat könnte Mims aber genau die Kombination aus Speed und Physis bringen, die die Packers dringend benötigen.

 

Justin Jefferson (20, LSU)

Größe: 6’1 2/8″ (1,85 m); Gewicht: 202 lbs (92 kg); Armlänge: 33″ (84 cm); Handspanne: 9 1/8″ (23 cm);
40 Yard Dash: 4,43 s; Vertical Jump: 37,5″; Broad Jump: 126″

Justin Jefferson war 2019 ein wichtiger Bestandsteil der historischen LSU Offense rund um Joe Burrow. Nachdem er 2018 größtenteils Outside gespielt hat, kamen in der vergangenen Saison über 99% seiner Snaps aus dem Slot. Davon hat vor allem seine Production profitiert, was man anhand seiner astronomischen Stats sieht. Er verbuchte 111 Catches, 1540 Receiving Yards, 13,9 Yards pro Catch und 18 Touchdowns.

Jefferson beeindruckt in mehreren Aspekten seines Spiels. Einer davon sind seine extrem starken Handskills. Drops sind in seinem Tape so gut wie nicht zu finden, was auch aus einem sehr guten Ball Tracking resultiert. Er hat die für den Slot nötige Härte und hat auch keine Probleme mit Hits und Kontakt beim oder direkt nach dem Catch. Er hält alles fest.
Außerdem ist der erst 20-jährige ein gut ausgeprägter Route Runner. Seine Technik in der Short und Intermediate Range ist beeindruckend. Seine Route Breaks und Cuts sind explosiv und er hat sämtliche Körpertäuschungen im Repertoire (Head Fakes, Hip Fakes usw.). Sein hohes Football IQ und seine Field Vision bemerkt man vor allem daran, dass er konstant Lücken in Zone Coverage findet und seine Route dementsprechend anpasst. Auch als Ballcarrier profitiert er von seiner Vision. Dazu läuft er physisch und mit Power, dabei nimmt er Hits an und scheut sie nicht.
In Jeffersons Tape gibt es nicht viele Möglichkeiten, seine Fähigkeiten bei Jump Balls zu bewerten, da er fast nur Underneath Pässe fängt. Bei den wenigen, die er jedoch bekommen hat, sah er durchaus stark aus. Vor allem seine Body Control ragte dabei mehrfach heraus. Auch als Run Blocker (als Slot WR wichtiger als auf Outside) machte er eine gute Figur. Sowohl Effort, als auch Technik waren solide bis gut.

Ein großer Fragezeichen bezüglich Jefferson ist sein Release. Im Slot ist er viel um Press Coverage herum gekommen. Man sieht bei seinem Route Running aber bereits, dass er mit Physis große Probleme hat. Sein Burst ist dementsprechend nicht besonders gut. Außerdem hat er es im College deutlich häufiger mit Linebackern oder Safeties zu tun getan habt, was ihm leichte Missmatches beschafft hat. In der NFL wird er jedoch so gut wie immer (guten) Slot Cornerbacks gegenüber stehen.
Des Weiteren entspricht seine Athletik im Tape nicht der, die er bei seinem starken Combine gezeigt hat, was für viele überraschend war. On-Field sieht er bei weitem nicht so explosiv und schnell aus, wie seine Werte es aussehen lassen. Auch seine Foot Quickness und Change of Direction-Skills sind eher unterdurchschnittlich. Als Ballcarrier lässt er selten 1vs1 Gegenspieler durch Cuts aussteigen.
Der größte Teil Jeffersons Production 2019 entstand gegen Zone Coverage und durch das Offense Scheme. Gegen Man Coverage war öfter bemerkbar, dass er Probleme hat, Separation zu kreieren. Zudem ist fraglich, wie vielseitig er in der NFL einsetzbar ist, da er bei LSU in seiner starken Saison so gut wie ausschließlich aus dem Slot agierte. Die große Frage ist, ob Jefferson Outside spielen kann. Die Frage wird sich beantworten, sobald man weiß, ob sein Release NFL-ready ist. Am stärksten wird er aber immer aus dem Slot sein.

Ein weiteres Prospect des extrem großen Tier 2 der WR-Klasse. Infolge des Combines ist Jeffersons Draft Stock noch einmal etwas in die Höhe geschossen. Mittlerweile gehe ich ziemlich sicher davon aus, dass er in der ersten Runde vom Board gehen wird. Für die Packers wäre Jefferson in meinen Augen perfekt. Er liefert nicht das nötige Deep Threat. Dafür wäre der Slot überragend besetzt und vor allem hätte die Offense einen Spieler mehr, der schnell frei wird. Die meisten der WR der Packers sind keine guten Route Runner und brauchen Zeit, um Separation zu kreieren. Außerdem ist Jeffersons Floor bereits sehr hoch und es ist ein ziemliches Low Risk-Pick.

 

Brandon Aiyuk (22, Arizona State)

Größe: 5’11 5/8″ (1,81 m); Gewicht: 205 lbs (93 kg); Armlänge: 33 4/8 (85 cm); Handspanne: 9 6/8 (25 cm);
40 Yard Dash: 4,5 s; Bench Press: 11 Reps; Vertical Jump: 40″; Broad Jump: 128″

Aiyuk ist Nummer 8 in meinem Wide Receiver Ranking und damit höher als die Menge ihn sieht. Er kommt aus seiner einzigen produktiven College-Saison. Als WR1 bei Arizona State, einem kleineren College, legte er gute Statistiken auf. 65 Catches, 1192 Receiving Yards, 18,3 Yards pro Catch und 8 Touchdowns stehen schließlich zu Buche.

Aiyuks größte Stärke sind seine Yards After Catch-Abilities. Er hat eine gute Field Vision und sein Fokus liegt bei jedem Play darauf, in die Endzone zu kommen. Er ist extrem zielstrebig, wodurch jeder Catch ihn für die Defense zu einem Home Run-Threat macht. Dabei bricht er immer wieder Tackles. Aiyuk verfügt sowohl über einen explosiven Antritt, als auch über einen soliden Long Speed. Sein Game Speed ist deutlich schneller als seine Combine Zahlen vermuten lassen.
Aiyuks Ball Tracking bei tieferen Over-The-Shoulder Würfen ist exzellent und seine Handskills sind insgesamt solide bis gut, er hatte jedoch insgesamt auch nicht viele Contested Catches.
Aiyuks Route Running ist ebenfalls solide. Er hat nicht die explosivsten Route Breaks und Cuts, ist dafür technisch relativ gut ausgeprägt (Head Fakes und Fake Steps). Hervorheben muss man zudem seine Footwork an der Line of Scrimmage, die seinen Release ziemlich stark macht.
An Vielseitigkeit und Einsatzmöglichkeiten mangelt es Aiyuk definitiv nicht. Er hat sehr viele Screens gefangen und war zudem in allen drei Levels des Feldes aktiv, am gefährlichsten jedoch in der Deep Area.
Zusätzlich ist er als Kick- und Punt-Returner solide und für Special Teams generell gut geeignet.

Was Aiyuk hingegen fehlt, ist Physis. Er gewinnt keinerlei Jump Ball oder Catches mit Kontakt oder Hits am Catch Point. Zudem hat er Probleme gegen Press Coverage, was bei ihm eindeutig an mangelnder Handwork liegt. Er ist außerdem nicht besonders elusive und hat im Open Field kein Repertoire an Moves oder Cuts, um 1vs1 Duelle zu gewinnen. Aiyuk fängt nicht viele Pässe außerhalb seines Frames – sein Catch Radius ist ziemlich eingeschränkt.
Als Letztes zeigt er wenig Effort als Blocker. Seine Technik ist ebenfalls unterdurchschnittlich.

Ab Aiyuk beginnt für mich der Teil der WR Klasse, die ich nicht gerne an 30 sehen würde, da ab hier jeder Spieler in meinen Augen ein Reach ist.
Sollte Aiyuk an 62 noch auf dem Board sein (und sollten die Packers noch keinen WR an 30 gedraftet haben), würde ich ihn ohne zu zögern draften. Sein Grade liegt bei mir am Ende Anfang bis Mitte Runde 2, weshalb er an 62 ein Steal wäre. Dazu gibt er den Packers auch die Gefahr als Deep Threat, die so sehr vermisst wird.

 

Jalen Reagor (21, TCU)

Größe: 5′ 10 5/8 (1,79 m); Gewicht: 206 lbs (93,5 kg); Armlänge: 31 3/8″ (80 cm); Handspanne: 9 4/8 (24 cm);
40 Yard Dash: 4,47 s; Bench Press: 17 Reps; Vertical Jump: 42″; Broad Jump: 138″; 3 Cone Drill: 7,31 s; 20 Yard Shuttle: 4,46 s

Jalen Reagors Junior Season 2019 war mit extrem hohen Erwartungen verbunden, nachdem seine Saison 2018 herausragend war. Seine Produktivität verschlechterte sich leider deutlich in seinem finalen Jahr am College, in dem er nur 43 Catches, 611 Yards, 14,2 Yards pro Catch und 5 Touchdowns verzeichnen konnte. Reagor und Aiyuk sind ähnliche Spielertypen und Reagors Draft Stock kommt für mich auch nur ganz knapp hinter Aiyuks.

Was Reagor auszeichnet, ist seine außergewöhnliche Explosivität, sein Antritt und sein Breakaway Speed, auch wenn seine Combine Zahlen etwas enttäuscht haben in dem Bereich. Seine Athletik gepaart mit gutem Route Running in allen 3 Levels machen ihn zu einem Top Deep Threat. Seine Double Moves sind Elite. Zusätzlich ist sein Release an der Line of Scrimmage gegen Press Coverage gut, vor allem seine Footwork.
Reagors Yards After Catch-Fähigkeiten sind außerdem sehr gut. Er hat eine starke Vision, gute Open Field-Moves im 1vs1 und ist sehr agil. Hat er den Ball in den Händen, besteht immer Big Play-Gefahr für die Defense.
Man muss ihm sicherlich noch positiv anmerken, dass das QB-Play bei TCU unterirdisch war und er deshalb auch nur eingeschränkt die Möglichkeit hatte, sich konstant zu beweisen. Zudem ist Reagor sowohl als Kick- als auch als Punt-Returner stark.

Ähnlich wie Aiyuk ist er definitiv kein physischer Spieler. Er hat Probleme im Playing trough Contact und ist normalerweise leicht zu tacklen. Seine Hand Skills verschlechtern sich merklich, wenn sich Kontakt am Catch Point anbahnt und er ihn spürt. Dementsprechend eingeschränkt ist er auch als Contested Catcher. Er hat bei Jump Balls Probleme, sich durchzusetzen, gewinnt nicht viele 50/50 Bälle und hat einen kleinen Catch Radius. Außerdem hat er hin und wieder Probleme beim Ball Tracking und ist anfällig für Concentration Drops. Als Blocker ist er ziemlich schwach. Das gilt für seinen Effort, sowie für seine Technik.

Für Reagor gilt im Prinzip genau das Gleiche, wie für Aiyuk. Auch seinen Draft Stock sehe ich Anfang-Mitte Runde 2 und er hätte einen guten Value an 62. Er würde starkes Tempo und Explosivität in die Packers Offense bringen. An 30 ist aber auch er zu sehr gereacht in meinen Augen. Ich würde ihm Ayiuk ganz leicht vorziehen in der zweiten Runde, wäre aber auch mit Reagor an 62 sehr zufrieden.

 

K.J. Hamler (20, Penn State)

Größe: 5’8 5/8 (1,73 m); Gewicht: 178 lbs (81 kg); Armlänge: 30 6/8″(78 cm); Handspanne: 9 3/8″ (24 cm);
Bench Press: 15 Reps

K.J. Hamler hat sich nach seiner vielversprechenden Saison 2018 noch einmal verbessert und in seinem Junior-Jahr 2019 noch bessere Statistiken aufgelegt. Mit ihm beginnt für mich das nächste Tier der WR Klasse, wobei man bei ihm auch in Betracht ziehen muss, dass 89% seiner Snaps aus dem Slot kamen. 2019 fing er 56 Pässe für 904 Yards, 16,1 Yards pro Catch (sehr viel für Slot WR) und 8 Touchdowns.

Hamlers Profil wird in der NFL einige Teams interessieren. Er ist für einen Slot Receiver extrem explosiv und besitzt seltene Yards After Catch-Fähigkeiten. Seine überragende Open Field Vision, Elusiveness und Agilität, sowie seine starken Change of Direction-Skills machen ihn zu einer Elite-Waffe mit dem Ball in seinen Händen. Er hat einen enormen Antritt und einen soliden Long Speed.
Sein Route Running ist im Top-Level der Draft Klasse. Er kreiert ohne Probleme konstant Separation durch sehr schnelle, flüßige Cuts und technische Fertigkeiten (vor allem Head Fakes). Zudem verfügt Hamler über solide Catch Concentration, Ball Tracking Fähigkeiten und Hände. Seine Catch Technik ist aber noch sehr inkonstant. Stark ist seine Body Control bei Catches knapp über der Grasnarbe.
Als Run Blocker ist er überraschend positiv im Tape aufgefallen. Er blockt mit sehr viel Effort, wenn seine Mitspieler den Ball in den Händen haben, und läuft immer bis zum Pfiff mit. Dazu hat er bei Penn State Punts und Kicks returnt. In der NFL dürfte er eher nur als Punt Returner produktiv sein.

Was Hamlers Draft Stock leider sehr zurückhält, sind seine Limitierungen durch seinen Play Style und Alignment. Er ist mit seinem Skillset und Körper definitiv nur im Slot einsetzbar und hat keine Chance, sich in der NFL als Outside WR zu etablieren. Aufgrund seines geringen Gewichts und seiner Größe ist Hamler außerdem sehr leicht zu tacklen. Auch bei Jump Balls macht sich seine schwache Physis natürlich bemerkbar. Er schlägt keine Defensive Backs am Catch Point.
Auffällig war in seinem Tape, dass er durch sein Slot Alignment am College extrem wenig Erfahrung mit Press Coverage gemacht hat. In der NFL könnte das anfänglich zu großen Problemen führen.

Hamlers Value liegt für mich ab dem letzten Drittel der zweiten Runde. Für die Packers wäre er auf jeden Fall eine Option, die mich nicht unzufrieden machen würde. Ich kann mir vorstellen, dass Hamlers Skillset in LaFleurs Offense ziemlich gut aufgehoben wäre. Das Problem des mangelnden Downfield-Threats würde er aber nicht unbedingt lösen.

 

K.J. Hill (22, Ohio State)

Größe: 6’0″ (1,83 m); Gewicht: 196 lbs (89 kg); Armlänge: 29 1/8″ (74 cm); Handspanne: 9 1/4″ (23,5 cm);
40 Yard Dash: 4,6 s; Bench Press: 17 Reps; Vertical Jump: 32,5″; Broad Jump: 114″

K.J. Hill verbrachte die vergangenen fünf Jahre bei Ohio State und legte mit verschiedenen Quarterbacks über die Jahre immer verlässlich solide Statistiken auf. Wie Hamler ist er auch Slot Receiver. 2019 verbuchte Hill 59 Catches, 636 Receiving Yards, 11,2 Yards pro Catch und 10 Touchdowns.

Hervorstechend ist Hills Route Running. Auch er befindet sich in diesem Bereich auf Top-Niveau der Klasse. Er hat keinerlei Probleme, Separation zu kreieren. Vor allem Underneath ist er extrem stark. Seine Route Technik ist bereits extrem ausgeprägt. Seine Handskills beim Catching sehen sehr natürlich und sicher aus. Er hat die Bälle schnell sicher unter Kontrolle. Dazu ist sein Ball Tracking gut, was seine sicheren Catch Skills weiter stärkt.
Eine weitere Stärke ist sein, aufgrund seines Körperbaus, unerwartet physischer Spielstil. Er spielt mit solider Power als Ballcarrier und bricht Armtackles immer wieder, da sein Unterkörper ziemlich kräftig ist.

Eine große Schwäche, die sich über die Jahre bei Hill immer wieder bemerkbar gemacht hat, sind regelmäßige Concentration Drops. Sein Long Speed ist ebenfalls bestenfalls durchschnittlich, was sein Combine nur nochmal bestätigt hat. Er ist bei Ohio State so gut wie keine Downfield Routes gelaufen und strahlt keine Gefahr als Deep Threat aus. Sein geringer Catch Radius trägt auch dazu bei.
Dementsprechend war sein Route Tree im College relativ reduziert auf Underneath Routes und ist auf jeden Fall noch ausbaufähig in der NFL.
Außerdem muss er in der NFL noch seine Fähigkeit beweisen, Press Coverage konstant zu schlagen. In der abgelaufenen Saison hatte er insgesamt nur 46 Snaps gegen Press Coverage und konnte sich deshalb nicht wirklich beweisen. Sein Run Blocking ist auch eher unterdurchschnittlich.

K.J. Hills Draft Stock liegt bei mir noch etwas unter dem von K.J. Hamler. Beide sind Slot Only Receiver, die ihre Stärken darin haben, schnell Separation zu kreieren. Was Hill im Gegensatz zu Hamler jedoch fehlt, ist Downfield-Präsenz, was in der NFL grundsätzlich einen hohen Wert hat. Hill wäre mir an 62 etwas zu früh gedraftet für seinen Value, in der 3. Runde würde ich ihn aber gerne nehmen.

 

Abschließend kann ich sagen, dass in meinem Ranking definitiv noch einige gute Prospects fehlen. Aus Zeitgründen (auch andere Positionen müssen noch gescoutet werden) habe ich mich aber auf die oben aufgeführten Spieler beschränkt, die für mich die besten 11 Prospects der Wide Receiver Klasse sind.