Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt, sowohl das Ranking als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Runningbacks. Es wird ausschließlich um den klassischen Halfback/Tailback gehen, die Fullbacks werden ihren Platz im Artikel über Specialists finden. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten 3 Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde, die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Die Green Bay Packers haben bei den Runningbacks derzeit mit Aaron Jones eine klare Nummer 1 im Roster. Mit Jamaal Williams ist außerdem eine Nummer 2 vorhanden. Matt LaFleur sagte, dass man zur kommenden Saison noch eine Nummer 3 brauche – er schloss nicht aus, dass die schon im Roster vorhandenen Dexter Williams oder der resignte Returner Tyler Ervin diese Rolle einnehmen könnten. Da aber die Verträge von Aaron Jones sowie Jamaal Williams nach der kommenden Saison auslaufen, könnte man auch perspektivisch nach einem RB1 oder 2 im Draft suchen.

D’Andre Swift (21, Georgia)

Größe: 5’8″ (1,73 m); Gewicht: 212 lbs (96 kg); Armlänge: 29 7/8″ (76 cm); Handspanne: 9″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,48sec; No Bench Press; No 3 Cone Drill

D’Andre Swift ist ein wahrer 3 Down Back. Er ist sowohl im Rushing als auch im Receiving Game eine echte Waffe, denn für einen Runningback hat er sehr gute Hände und außerdem ein guter Route Runner – hier bringt er sowohl eine ordentliche Auswahl an Routes mit als auch die Fähigkeit, ein Missmatch gegen Linebacker darzustellen.. Wenn er keine Route laufen soll, ist er stets dazu bereit, einen Checkdown-Pass zu empfangen und nach dem Catch noch ein paar Yards gut zu machen. Mit dem Ball in der Hand beeindruckt Swift durch eine sehr gute Field Vision – er hat das Auge für vorhandene oder entstehende Löcher, so ist er oft einen Schritt schneller als der Verteidiger, der auf ihn reagieren muss, um das Loch zu schließen. Allgemein ist Swift ein relativ intelligenter Runningback, er kann Linebacker-Plays relativ gut lesen und seine Bewegung so frühzeitig anpassen. Seine schnellen Füße gehen mit sehr schnellen Richtungswechseln einher, was es gerade für etwas unbeweglichere Verteidiger sehr schwer macht, ihn zu fassen zu kriegen. Kommt er in Kontakt, ist sein Spin Move eine beeindruckende Möglichkeit, um dem Tackle zu entgehen. Selbst bei Kontakt mit dem Verteidiger hat Swift noch eine gute Balance, um seinen Lauf weiterzuführen. Swifts Wendigkeit ist ganz besonderes und in dieser Draft Class bei keinem anderen Runningback zu finden.

Was beim Anschauen von Swifts Tape sofort auffällt, ist die fehlende Physis. Er ist kein Power Runner und er wird außer kleineren Defensive Backs auch keine Verteidiger umrennen. Wenn er einem Spieler nicht durch seine Wendigkeit oder seinen Spin ausweichen kann, liegt er sicher am Boden – und fällt dabei meist nach hinten. Schwierig ist bei Swift auch die Pass Protection, denn die Sample Size ist minimal. In diesen wenigen Snaps sah er aber nicht gut aus, was darauf deuten lässt, dass er das schlichtweg nicht kann und es deshalb auch nicht machen sollte. Selbst ein blitzender Defensive Back würde ihn vermutlich überlaufen, weshalb er es gar nicht probiert – stattdessen kompensiert er das durch die genannte Checkdown-Bereitschaft. Das ist zwar eine Alternativlösung, gute Pass Protection wäre aber natürlich wünschenswerter. Im Open Field ist Swift kein natürlicher Sprinter, was dazu führt, dass er von schnellen Defensive Backs auch mal eingeholt wird und die Big Plays nicht zu Touchdowns umwandeln kann.

Insgesamt ist D’Andre Swift für mich der beste Runningback der Draft Class. Er wird sich in einem Zone Running Scheme (egal ob Outside oder Inside Zone) sehr gut zurecht finden und wird von Beginn an sofort einen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Er ist ein echter Playmaker trotz seiner etwas mangelhaften (aber immer noch überdurchschnittlichen) Geschwindigkeit. Swift wird sich wohl am besten in einer unkonventionellen Offense zurechtfinden, wo er aus Receiver-Positionen Missmatches gegen Linebacker kreieren kann. Eine Deep Passing-Offense, bei der der Runningback öfter gefragt ist, mal den ein oder anderen Verteidiger auf dem Weg zum Quarterback zu blocken, ist offensichtlicherweise weniger passend – wobei er bestimmt auch in einer solchen Offense eine gute Rolle finden würde. Swift ist für mich ein klarer First Round-Runningback. Hier wird er vermutlich nicht sehr früh gehen – er ist kein generational Talent wie bspw. Barkley – aber im letzten Drittel der ersten Runde sollte man ihn etwa auf dem Schirm haben.
Zu den Packers würde Swift als dritte Variante neben Aaron Jones und Jamaal Williams sehr gut passen – vor allem, da die beiden anderen Runningbacks ihre “schwächste” Facette im Receiving Game haben, wenn man da bei Aaron Jones überhaupt von schwach reden kann. Außerdem wäre es eine Möglichkeit, dass man ihn als Nachfolger von Aaron Jones aufbaut. Als Ersatz für Jamaal Williams ist er eher nicht geeignet, da Williams eher die physische Komponente im Runninggame der Packers ist. Ein Scheme-Fit zur Outside Zone-Offense von LaFleur wäre definitiv gegeben. Ich vermute aber, dass er schon vor dem ersten Pick der Packers weg sein könnte – und selbst da sollten die Packers sich vermutlich auf andere Positionen konzentrieren.

Jonathan Taylor (21, Wisconsin)

Größe: 5’10” (1,78 m); Gewicht: 226 lbs (103 kg); Armlänge: 31 1/8″ (79 cm); Handspanne: 9 1/2″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,39sec; Bench Presses: 17; 3 Cone Drill: 7.01sec

Jonathan Taylors größe Stärke ist seine Explosivität, wenn er eine Lücke vor sich sieht. Taylor hat einen so grandiosen Burst, dass Lücken in der Defensive Line nur ganz kurz offen sein müssen, um das Second Level zu erreichen. Da er eine Menge Kraft in den Beinen hat und so eine Menge Power in die Lücken mitnimmt, reichen ihm auch kleinere Lücken für dieses Ergebnis – er ist also für die Defense nahezu immer gefährlich. Seine Field Vision ist nicht ganz so gut wie die von anderen Runningbacks der Draft Class, aber trotzdem noch überdurchschnittlich gut, er sieht sich öffnende Lücken relativ gut und kann so seine Stärken gut unter Beweis stellen. Bei Wisconsin ist er in einer sehr runlastigen Offense gewesen, er wurde also sehr selten im Receiving Game eingesetzt – wenn er dort aktiv wurde, sah das aber durchaus nicht schlecht aus. Taylors Cuts lassen jeden Verteidiger mal aussteigen und machen ihn so immer gefährlich, selbst wenn das Play schon verloren scheint. Jonathan Taylor ist ein sehr guter Contact Runner – er durchläuft Verteidiger einfach, anstatt ihnen mit Moves auszuweichen. Dabei behält er eine gute Balance, seine Füße bewegen sich immer weiter und so bricht er einige Tackles.Taylor ist kein natürlicher Blocker in Passing Downs, aber trotzdem leistet er hier durchaus gute Arbeit, auch wenn das Tape dazu wie bei Pässen beschränkt ist. Sein Chop Block als Unterstützung für Offensive Linemen kann sich durchaus sehen lassen.

Das größte Manko an Taylor ist definitiv Ball Security. Taylor hat sehr viel Stärke in seinen Beinen, dafür scheinen seine Arme und Hände das nicht bieten zu können – 15 Fumbles in seinen 3 Saisons sprechen eine klare Sprache. Außerdem hat Taylor schon eine Menge Hits gesehen. Obwohl er erst ein Junior ist, hat er in der Runheavy-Offense der Wisconsin Badgers schon über 900 Rushing Attempts hinter sich. Getreu einigen Theorien, dass Football Spieler eine gewisse maximale Hit-Zahl vertragen, bevor die Körper schlapp machen, bringt Taylor hier schon eine hohe Vorbelastung mit. Das ist nicht generell ein Negativpunkt, wer dieser Theorie jedoch folgt, wird von Taylor vielleicht eher Abstand nehmen wollen. Aus spielerischer Sicht ist vor allem seine Agilität anzuzweifeln. Auch wenn er auf gerade Strecken durchaus Geschwindigkeit hat und eine enorme Explosivität nach vorne, ist seine Seitwärtsbewegung sehr langsam und Taylors Hüften wirken etwas steif. Seine Körperbewegungen locken in der Regel keine Linebacker in falsche Gaps, er erzeugt also selten Lücken. Zusätzlich zu den vielen Hits ist Jonathan außerdem ein Spieler, der ein bisschen zu oft mit dem Kopf durch die Wand will – anstatt die Lücken abzuwarten, will er lieber seine Power nutzen und verliert deshalb mögliche Yards.

Taylor ist ein enorm guter Runner in verschiedenen Schemes. Seine gute Ausdauer erlauben es ihm, ganze Spiele nahezu ohne Pause durchzulaufen. Wenn er eine Lücke gefunden hat, ist er sehr schwer zu stoppen und wird den ein oder anderen langen Touchdown in der NFL erlaufen. Taylor wird sich in einer Workhorse-Rolle sehr wohl fühlen, in der er eine Menge an Läufen bekommt. Wenn er an seiner Technik in der Pass Protection arbeitet und seine Fumble-Probleme in den Griff bekommt, könnte Taylor ein richtig guter Runningback werden. Ich erwarte, dass Taylor früh in der zweiten Runde das Board verlässt. Es würde mich aber auch nicht wundern, wenn beispielsweise die Kansas City Chiefs mit Pick 32 schon in der ersten Runde zuschlagen.
Für die Packers wäre Taylor ein guter Fit, da man mit ihm einen weiteren Allrounder einsammelt, der gut mit Matt LaFleur harmonieren wird. Er bekäme ein Jahr Zeit, um an seiner Technik im Passblock, seinen Receiving-Fähigkeiten sowie den Fumble-Problemen zu arbeiten und könnte dann 2021 für Aaron Jones und/oder Jamaal Williams einen Platz in der direkteren Rotation übernehmen. Wenn er bei Pick 62 noch da ist, könnte ich ihn mir sehr gut bei den Packers vorstellen – ist aber eher unwahrscheinlich.

Zack Moss (22, Utah)

Größe: 5’9″ (1,75 m); Gewicht: 223 lbs (101 kg); Armlänge: 31 1/4″ (79 cm); Handspanne: 9 1/4″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,65sec; Bench Presses: 19; No 3 Cone Drill

Zack Moss ist ein echter Kontaktsportler. Körperkontakt ist sein Ding und genau da liegen auch seine Stärken. Moss ist ein Power-Runner und splittet dadurch auch mal Lücken zwischen Defensive Linemen auf und kreiert sie so selbst. Moss ist ein echter Tackle Breaker – für jeden Defensive Back ist es die Hölle, Moss zu tacklen. Zusätzlich zu seinem starken Laufen durch den Kontakt hat er außerdem einen sehr guten Stiff-Arm, um sich die Verteidiger schon vorher vom Leib zu halten. Seine Balance während des Kontakts ist sehr selten. Moss hat sehr sichere Hände, er hat also weder Probleme mit Fumbles noch mit Drops, er ist ein guter Receiver, wenn auch nicht grandios. Das Highlight bei Zack Moss ist jedoch seine Pass Protection. Moss sieht Blitzes sofort, er erkennt schnell, wenn OLiner Probleme haben und rettet seinen Quarterback so häufiger vor harten Hits. Auch in Sachen Handwork und Bending ist seine Pass Protection durchaus gut.

Viel Kraft und Power gehen aber auch meist mit fehlender Agilität und Quickness einher, so auch bei Moss. Seine Beine können der Kraft seines Körpers nicht mithalten und so ist er sowohl in der Beweglichkeit als auch im Fullspeed eingeschränkt. Er wird nichtmal Linebackern im Open Field wegrennen können, ein Second Level Speed ist nahezu nicht vorhanden, auch wenn man dazu sagen muss, dass seine 40-Zeit beim Combine während einer Hamstring-Verletzung entstanden ist und er bei einem privaten Workout mit Videoaufnahme eine die 40 Yards in 4.52 Sekunden gelaufen ist, aufs Spielfeld überträgt sich das aber eher nicht. Vor allem in der Fuß-Technik bei der Pass Protection hat er außerdem auch noch einiges zu verbessern, so sind Bullrushes von größeren Verteidigern häufig ein Problem. Insgesamt sind seine Beine außer roher Kraft etwas überfordert mit dem Rest seines Frames, der durchaus sehr bullig ist. Seine in der Pass Protection noch so starke Vision lässt aber mit dem Ball in der Hand nach, er sieht teilweise Lücken nicht und wird in Zone Schemes wohl allgemein nur sehr eingeschränkt funktionieren.

Insgesamt ist Moss kein herausragender Runningback, auf dem man seine Offense aufbaut, aber er hat eine Menge guter Eigenschaften, die ihn im richtigen Scheme sehr erfolgreich machen können. Moss holt nicht regelmäßig Big Plays raus, dafür ist er ein sehr konstanter Short Yardage-Runner. Bei 3&Short oder Goal Line-Situationen ist Moss ein Cheat Code. Mannschaften, die nach dem nächsten Playmaker für ihre Offense suchen, sind bei Moss falsch – alle anderen, die einen konstanten, guten Back für jede Lebenslage suchen, werden bei Moss eine richtig gute Option finden. Ich sehe Zack Moss in der zweiten Runde, das fehlende Star-Potential könnte ihn aber durchaus auch im Draft etwas fallen lassen, sodass er in der dritten Runde noch verfügbar ist.
Im Scheme der Packers ist Moss kein sonderlich guter Fit, jedoch wäre das nicht schlimm. Moss könnte die Rolle von Jamaal Williams übernehmen, der viel bei Passing Downs und kurzen Distanzen das Feld betritt, das würde durchaus funktionieren. Gerade seine starke Pass Protection gefällt mir bei einem alternden Rodgers sehr gut – hier ist er die klare Nummer 1 der Runningback-Klasse.

J.K. Dobbins (21, Ohio State)

Größe: 5’9″ (1,75 m); Gewicht: 209 lbs (95 kg); Armlänge: 29 3/4″ (76 cm); Handspanne: 9 1/2″ (24 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Presses: 23; No 3 Cone Drill

J.K. Dobbins ist ein grandioser Athlet. Mit einer ähnlichen Athletik wie Swift zeigt Dobbins in alle Richtungen und zu jeder Zeit eine sehr gute Quickness, die ihn vor allem bei schnellen Bewegungsänderungen besser macht, als es Wisconsins Jonathan Taylor bspw. ist. Sein Burst wiederum kommt nicht ganz an die von Taylor ran, ist aber immer noch als gut bis sehr gut einzuordnen. Dobbins hat außerdem eine gute Field Vision für sich öffenende Lücken, dabei bleibt er stehts geduldig und überhastet nichts. Das kostet ihn zwar vereinzelt mal 1-2 Yards, eröffnet aber auch das Potential für regelmäßige Big Plays. Wenn Dobbins erstmal den Ball in der Hand und etwas Platz vor sicht hat, wird es sehr schwer, ihn bei seiner Athletik zu stoppen, was ihn zu einem gefährlichen Ziel für Screen Plays und kurze Angle Routes hinter die Defensive Line macht. Bemerkenswert sind bei Dobbins aber auch einige Statistiken: Er hat in seiner College-Laufbahn kein einziges Spiel verpasst – selbst bei Verletzungen hat er trotzdem gespielt und seine Leistung abgeliefert. Außerdem ist Dobbins sehr gut in Sachen Ball Security, er leistet sich kaum Fumbles und sorgt so dafür, dass seine Big Plays ihren Wert nicht verlieren.

Doch leider kommen alle positiven Aspekte bei Dobbins auch jeweils mit etwas negativem Beigeschmack. So athletisch er ist, er hat dazu passend etwas weniger Masse und auch Power. Das führt dazu, dass er in der Pass Protection zwar Blitzes erkennt, diese aber häufig nicht aufnehmen kann, weil ihm entweder die Kraft oder die Technik dafür fehlt. Manchmal wirkt es auch so, als würde ihm die komplette Motivation fehlen, es überhaupt zu versuchen, stattdessen steht er dann in der Pocket und nimmt seinem Quarterback noch Raum zum Bewegen weg. Die eigentlich gute Ruhe und Geduld beim Warten auf Lücken hat auch seine negativen Seiten, denn durch seine fehlende Physis wartet er manchmal zu lange und verpasst so Chancen, auf gute Läufe, weil er sich die Lücken nicht zutraut – oder sie vielleicht auch nicht sieht, was mich jedoch wundern würde, weil er generell eigentlich eine gute Field Vision zeigt. Seine guten After Catch-Qualitäten werden dadurch ausgebremst, dass er häufiger als andere unnötige Drops verursacht, weil er sich nicht lange genug auf den Ball konzentriert. Was mich auch etwas stutzig macht, ist, dass ich bei ihm kaum einen Fortschritt zwischen der Sophomore- und der Junior-Saison erkennen konnte. Das Potential und die Athletik ist immer noch dieselbe, aber seine Technik und seine Football-Reife bleiben unverändert.

Insgesamt hat Dobbins ein hohe Potential, in der richtigen Offense zu glänzen. Ein Zone Running Scheme (bevorzugt Outside Zone) wird ihm perfekt passen, wo er nicht den Kontakt suchen muss, sondern auf die Lücke warten kann. Hierbei könnte wichtig sein, dass er in eine Offense kommt, die gerne mit ihm den Ball laufen möchte und ihn nicht als Spielzeug für den Quarterback in einer Pass-heavy Offense sieht. Während er definitiv athletischer ist als Taylor und vor allem als Moss, mangelt es ihm leider an einigen Qualitäten, die man ihm noch beibringen muss. Dobbins ist kein Spieler, den ich gerne von Woche 1 an starten lassen würde, weshalb er bei mir etwas weiter fällt. Irgendwann an Tag 2 wird seine Zeit sein – wann genau, lässt sich aufgrund des hohen Potentials und mehreren Problemstellen schwer einschätzen.
Zu den Packers würde Dobbins durchaus sehr gut passen. Er erinnert mich in vielen Bereichen an Aaron Jones, als dieser aus dem College gekommen ist, auch wenn der etwas mehr Physis besaß. Ich kann mir aber vorstellen, dass Dobbins einen ähnlichen Werdegang geht, wenn er bereit ist, hart an seinen Schwachstellen zu arbeiten. Da die Verträge von Aaron Jones und Jamaal Williams auch erst in einem Jahr auslaufen, wäre Dobbins eine schöne Option für die dritte Runde, um hier perspektivisch einen Nachfolger zu draften und ihn ein Jahr lernen zu lassen.

Anthony McFarland (22, Maryland)

Größe: 5’8″ (1,72 m); Gewicht: 208 lbs (94 kg); Armlänge: 30 3/8″ (77 cm); Handspanne: 8 7/8″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,44sec; No Bench Presses; No 3 Cone Drill

Anthony wer? McFarland als 5. Runningback ist für viele eine Überraschung, doch meiner Meinung nach gehört er genau hier hin. McFarland ist ein echter Home Run-Hitter in Sachen Geschwindigkeit, denn sowohl Beweglichkeit als auch Beschleunigung und Top Speed sind auf Elite-Level für einen Runningback – nicht ohne Grund war McFarland einer der Spieler, bei denen beim Scouting Combine einer oder mehrere Scouts nach einem Wide Receiver-Workout gefragt haben. Seine Hände sind gut, er kann ganz ordentlich Routes laufen und nach dem Catch ist er durch seine Geschwindigkeit immer für ein Big Play gut. Besonders sein Ball Tracking und seine Route Adjustments sind hier hervorzuheben – dank zwei sehr mittelklassigen Quarterbacks hatte er hier viel Übung. McFarland setzt sehr harte Cuts, welche relativ oft gut funktionieren. Diese Qualitäten funktionieren auch bei Screen Plays sehr gut. Im Gegensatz zu einem Jonathan Taylor beispielsweise hat McFarland nahezu gar nicht auf dem Feld gestanden. Er ist ein Redshirt-Sophomore und in diesen zwei aktiven Jahren hat er sich den Starting Platz am College geteilt, weshalb er auf nur 245 Runs kommt, er ist also noch sehr frisch und nach der bei Taylor genannten Theorie hat er noch viele Hits vor sich. Seine Qualitäten könnten sich außerdem gut zum Returner eignen, da war im College jedoch nur ein einziger Kick Return zu finden, den er 40 Yards zurücktragen konnte. Für einen “Speed Guy” ist McFarland ein erstaunlicher guter Pass Protector, der Blitzes erkennt und diese zumindest kurzfristig aufnehmen kann.

Das ist aber auch gleichzeitig ein Manko – denn “erstaunlich gut” ist es eben nur für diesen Speedster-Typ – da fehlt es ihm einfach an Masse und Kraft. Im Vergleich zu bspw. Zack Moss ist er kein guter Pass Blocker und Linebacker werden ihn da ordentlich in den eigenen Quarterback schieben, wenn dieser die halbe Bonussekunde nicht zu nutzen weiß, die ihm McFarland verschaffen kann. Diese fehlende Power ist auch im restlichen Spiel zu sehen. Anstatt vor dem Tackling des Verteidigers nochmal den Kopf runter zu nehmen und Extra-Yards zu erkämpfen, gibt er sich relativ schnell auf, wenn er dem Verteidiger nicht durch seine Agilität entkommen kann. Selbst wenn er in den Tackle reingeht, hat er dabei keinen Erfolg. Während seine Cuts generell gut funktionieren, hat er hier doch teilweise etwas technische Probleme, denn er rutscht hier häufiger aus. Das passt zu seinen Schwierigkeiten, seine Füße in der Pass Protection zu setten. Bei einem eigentlich guten Cut und viel Raum vor sich kann das doch frustrierend sein. Ebenfalls an seiner Fußarbeit arbeiten muss er in Sachen Geschwindigkeitskontrolle. Bei McFarland gibt es nur eine Geschwindigkeit: Full Speed. Das führt aber zu schwächerer Separation in Routes und es ist relativ einfach, abzuschätzen, wie man ihn tacklen muss – die richtig guten Runner arbeiten mit verschiedenen Geschwindigkeiten, damit die Verteidiger ihre Tackling-Winkel anpassen müssen und hoffentlich verpassen.

Am besten funktioniert McFarland in einem Inside Zone-Scheme: Immer nach vorne und dabei möglichst wenig Kontakt. Er wird aber auch in einem Outside Zone-Scheme funktionieren – lediglich alles mit Kontakt sollte man bei ihm vermeiden. Bei Lineups als Wide Receiver in Kombination mit Sweeps oder End Arounds ist er ebenfalls eine Waffe, denn mit einem Linebacker kann man ihn nicht covern. Mit seiner starken athletischen Begabung ist die Upside enorm hoch und Spiele mit 100+ Yards werden bei ihm keine Seltenheit sein, da er schon bei einzelnen Plays mal problemlos die 50 Yards knackt. Spiele wie 2018 gegen Ohio State, wo er nur mit 2 fehlenden Yards an der 300 Yards-Marke (+ 2 Touchdowns) scheiterte, wird er in der NFL zwar vermutlich nicht bekommen, aber da ist einiges an Potential da. Ähnlich wie bei Dobbins macht ihn das etwas unberechnbar, was die Draftposition angeht. Wenn ein Team sich in ihn verliebt hat und ihn dementsprechend nutzen will, könnte ich mir einen Pick in der zweiten Runde vorstellen – realistisch sehe ich McFarland aber zu Beginn der 3. Runde.
Bei den Packers könnte McFarland eine Menge Speed in die Offense bringen, ähnlich wie Tyler Ervin das zum Ende der letzten Saison stellenweise getan hat. Ob man ihn unbedingt holen muss, nachdem man mit Tyler Ervin ja schließlich einen ähnlichen Spieler resignt hat, ist fraglich – aber definitiv eine Möglichkeit. Er wird gut in unser Scheme passen, eine weitere Waffe bringen und da er etwas unter dem Radar fliegt, könnte er auch definitiv noch verfügbar sein, wenn die Packers bereit sind, einen Runningback zu draften. McFarland würde mir in der Packers-Offense sehr gut gefallen.

Clyde Edwards-Helaire (21, LSU)

Größe: 5’7″ (1,70 m); Gewicht: 207 lbs (94 kg); Armlänge: 29″ (74 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,6sec; Bench Presses: 15; No 3 Cone Drill

Clyde Edwards-Helaire ist sehr klein und läuft daher mit einem sehr niedrigen Schwerpunkt. Das erlaubt es ihm, Armtackles einfacher zu brechen und gleichzeitig eine bessere Balance zu behalten. CEH läuft aufgrund seiner kurzen Beine mit sehr schnellen Füßen, dadurch kann er viel schneller und plötzlicher Cuts und Bewegungsänderungen vollziehen als die größeren Linebacker. Doch CEH ist als Receiver noch viel besser als als purer Runner. Sowohl aus dem Backfield als auch aus verschiedenen Wide Receiver-Spots ist CEH gefährlich, da er ein guter Route Runner ist und auch (für einen Runningback sehr) gute Hände hat. Besonders nach dem Catch ist CEH mit seiner Quickness und einem sehr guten Spin Move gefährlich. Sein gutes Route Running überträgt sich auch auf das Rushing Game, denn seine Fähigkeiten, Geschwindigkeiten zu kontrollieren und variieren, erlauben es ihm, Linebacker und Safeties komplett aus ihrem Tacklingwinkel zu werfen. Alle drei College-Jahre bei LSU war Edwards-Helaire außerdem ein guter Kick Returner.

Das offensichtlichste zuerst: Mit seiner Größe und Masse ist CEH kein Powerback. Trotzdem funktioniert er am besten bei Inside Zone Runs, wo er seine Quickness einsetzen kann. Outside Zone Runs sind bei ihm keine Stärke, da es ihm schlichtweg an Geschwindigkeit fehlt. Sowohl der Outside Run-Speed als auch der Second Level Speed ist sehr niedrig, er erzeugt also nichtmal Missmatches gegen Linebacker. Seine Größe wirkt sich außerdem auf seinen Catch Radius aus, weshalb er definitiv eher Runningback bleiben sollte als zum Wide Receiver umzuschulen, denn seine sehr kurzen Arme machen ihn zu einem schwachen Contested Catcher. Sehr schwach machen die fehlende Kraft und Größe auch seine Pass Protection, denn es fehlt ihm hier auch an Technik und somit kann CEH hier nahezu gar nichts beitragen.

Man sollte Edwards-Helaire als Runner definitiv nicht unterschätzen, denn obwohl er eher ein Receiving Back im Style von Tarik Cohen oder James White ist, hat er 23 seiner 24 College-Touchdowns bei Läufen erzielt. In einem Inside Zone Scheme, das viel mit Screen Plays arbeitet und einen Quarterback hat, der sich nicht scheut, mal einen kurzen Pass auf den Runningback zu werfen, sollte er sich gut zurecht finden. Etwas unkonventionelles Play Calling, bei dem er sich häufiger auch mal als Route Runner aus dem Slot aufstellen darf, wird ihm ebenso helfen, auf NFL-Level produktiv zu sein. Ich denke, er wird Mitte der 3. Runde gepickt werden.
Für die Packers ist Edwards-Helaire eher nichts, da ihm die Geschwindigkeit fehlt und er nicht unbedingt ins Scheme passt. Seine Qualitäten als Receiver wären mit Aaron Rodgers gepaart zwar sicherlich interessant, dennoch sehe ich hier keinen Fit.

Cam Akers (20, Florida State)

Größe: 5’10” (1,78 m); Gewicht: 217 lbs (98 kg); Armlänge: 30 5/8″ (78 cm); Handspanne: 9″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,47sec; Bench Presses: 20; No 3 Cone Drill

Cam Akers ist insofern ein sehr interessanter Spieler, weil er die Athletik und die Tools hat, um einer der Top-Runningbacks dieser Klasse zu sein. Er ist ein sehr wendiger und trotzdem nicht schwacher Runner, er hat sehr schnelle Füße und einen enormen Burst, wenn er eine Lücke in der Offensive Line entdeckt hat. Im Open Field ist er ein sehr guter Runner, er hat einen schönen Spin Move, einen guten Stiff Arm und allgemein hilft ihm seine Quickness enorm weiter, um Big Plays zu erzeugen. Sein Top Speed ist gut und somit ist er definitiv ein Play Maker. Seine Footwork ist in vielen Bereichen beeindruckend – bei seinen Runs macht er sehr gute Cuts, sein Route Running ist ok und auch in der Pass Protection kann Akers gut seine Füße setzen, um Kraft aufzubauen. Allgemein sind bei ihm die Grundtraits eines Runningbacks sehr gut ausgebildet – es gibt weder zur Beweglichkeit, noch zur Geschwindigkeit oder der Balance negatives zu sagen, aber…

Akers mangelt es schlichtweg an Football IQ. Seine Vision ist in allen Bereichen mangelhaft. Er sieht nicht das ganze Feld vor sich, sondern nur einen kleinen Teil – wenn er eine Lücke einmal entdeckt hat, ist er All Over It und will dort reinlaufen, ohne darauf zu achten, ob diese sich wieder schließt oder sich eventuell eine bessere Möglichkeit auftut. Selbiges gilt auch für die Pass Protection – er hat zwar theoretisch gute Anlagen, um zumindest mittelmäßig gut zu blocken (und wenn ihm gesagt wird, dass er einen Spieler gezielt blocken oder einem OLiner helfen soll, kann er das auch), aber er sieht Blitzes nicht, er stellt sich in der Pocket eher in den Weg, als wirklich eine Hilfe zu sein – und am Ende fehlt ihm dann noch etwas Kraft, um seine Blocks langfristig zu halten, wenn es denn mal dazu gekommen ist. Dazu ist er ein schwacher Catcher, er hat viele Drops und wird so extrem unproduktiv als Backfield-Receiver, obwohl er das von seinen Tools her eigentlich gut könnte. Allgemein mangelt es ihm an Motivation, ohne den Ball in der Hand viel zu machen – weder im Route Running, noch in der Pass Protection geht er All In.

Seine guten Tools könnten dazu führen, dass er überdraftet wird und vor Spielern weggeht, die das deutlich bessere Spielverständnis haben. Hier muss man sich überlegen, worauf es einem ankommt. Es gibt Coaches, die wollen einfach nur, dass der Runningback macht, was sie sagen, andere wollen, dass der Runningback mitdenkt und seine Lücken selbst findet. Beides kann funktionieren. Nicht ohne Grund sind Runningbacks mit einem durchschnittlichen Score im Wonderlic Test von 16 (20 Punkte sind NFL-Durchschnitt über alle Positionen hinweg) die schwächste Positionsgruppe der NFL – ich persönlich bevorzuge Runningbacks mit Spielintelligenz, die Blitzes frühzeitig sehen und erkennen, wo sich Rushing Lanes öffnen. Ich sehe ihn am Ende der 3. Runde.
Zu den Packers passt Akers absolut nicht. Seine Skills wären zwar beeindruckend, aber bei einem alternden Quarterback, der bei seinen Pässen auf sichere Passcatcher vertrauen will und spielintelligente Runningbacks wie Aaron Jones bevorzugt, wäre Akers eine Fehlbesetzung. Wenn LaFleur glaubt, dass er ihm das beibringen kann, dann kann ich mir einen Day3-Pick hier vorstellen, aufgrund der Tools wird Akers aber vermutlich nicht mehr da sein, wenn die Packers bereit wären, dieses Projekt zu holen.

Eno Benjamin (21, Arizona State)

Größe: 5’9″ (1,75 m); Gewicht: 207 lbs (94 kg); Armlänge: 31 1/4″ (79 cm); Handspanne: 8 5/8″ (22 cm)
40 Yard Dash: 4,57sec; Bench Presses: 12; 3 Cone Drill: 6,97sec

Eno Benjamin ist ein athletischer Spieler mit vielen Stärken. Benjamin hat sehr schnelle Füße und sowohl seine Cuts als auch seine Beweglichkeit sind beeindruckend. Gleichzeitig verliert er aber nicht seine Power am Point of Contact. Benjamin fühlt sich sehr wohl in Traffic, wenn er um die Gegenspieler rumtanzen kann – das gilt sowohl für Inside als auch für Outside Zone Runs. Auch wenn er sich öffnende Lücken nicht immer gut sieht, kann er mit seiner Quickness gut Vorstöße vortäuschen und so Linebacker manipulieren. Durch seine Wendigkeit und gleichzeitig Kraft bleiben bei Benjamin nahezu nie negative Yards nach dem Lauf stehen. In der Pass Protection ist Benjamin ein sehr intelligenter Spieler und so steht er häufig richtig, wenn er jemanden blocken soll.

Benjamins größte Schwäche ist vermutlich sein eigenes Ego. Ich kann seine Persönlichkeit wenig einschätzen, aber auf dem Feld überschätzt er seine eigenen Fähigkeiten doch häufig wie es aussieht. Seine Field Vision ist mittelmäßig und so trifft er häufiger Entscheidungen, die wichtige Yards kosten könnten. Bei all seiner Beweglichkeit lässt sich bei Benjamin weder mit dem Burst noch mit dem Top Speed viel anfangen, denn das ist beides mangelhaft für einen NFL-Runningback. W#hrend seine PassPro Vision gut ist, ist seine PassPro-Technik leider schwach. Er kann gut chippen, um wirklich Blitzes aufzunehmen, ist er aber derzeit noch nicht geeignet. Bei all seiner Quickness, die ihn zu einem erfolgsversprechenden Screen-Runner machen sollte, sind seine Hände sehr schlecht und Benjamin lässt

Benjamin ist ein interessanter Spieler als Workhorse in einer Offense, die mehrere gute Runningbacks hat. Dort kann er die ersten Downs problemlos spielen und übergibt von Zeit zu Zeit bei 3rd Downs, in denen Pass Protection und Receiving Skills gefragt sind. Es würde mich wundern, wenn Benjamin mit dem technischen Entwicklungsstand vor dem dritten Tag gehen würde, dort könnte er jedoch aufgrund seiner Quickness relativ schnell weg sein.
Benjamin ist ein guter Zone Runner, was zum Runningstyle der Packers passt. Seine PassPro Vision ist ebenfalls sehr positiv. Seine fehlenden Skills in der Pass Protection sowie seine vielen Drops bei Pässen passen jedoch nicht zu den Packers, weshalb ich Benjamin nicht in Wisconsin sehe.

A.J. Dillon (21, Boston College)

Größe: 6’0″ (1,84m); Gewicht: 247 lbs (112 kg); Armlänge: 31 5/8″ (80 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,53sec; Bench Presses: 23; 3 Cone Drill: 7.19sec

Dillon ist der Inbegriff eines Power-Monsters. Dillon läuft auf dem Footballfeld mit einer Kraft, wie ich sie lange nicht von College Spielern gesehen habe. Dillon liest zwar gut, wo in der Line sich Löcher ergeben, jedoch kann er bei fehlenden Löchern sich auch selbst welche schaffen. Die typischen 3&Short- oder Goalline-Szenarien, bei denen man einfach nur garantierte 1-2 Yards will, sind Dillons Steckenpferd, denn Tackles von Linebackern machen ihm sehr wenig aus – diese Kraft nimmt er auf und läuft weiter, ohne dabei auch nur ansatzweise die Balance zu verlieren. Besonders beeindruckend sind seine Power-Runs aus der I-Formation. Er ist extrem gut, genau am Point of Contact eine massive Kraft nach vorne auszuüben, was es sehr schwer macht, ihn früh zu tacklen. In der Pass Protection gewinnt sein Frame natürlich einige Duelle gegen Blitzes, seine Technik dazu ist ebenfalls in Ordnung – damit ist er schon erfolgreicher als einige andere.

Dagegen stehen aufgrund seines Frames aber auch einige Probleme. Er hat sogar für seine Größe noch recht langsame Füße, seine Bewegungsänderungen sind langsam und eingeschränkt. Genauso beschleunigt er sehr langsam, wenn es zu Outside Runs oder ins Open Field geht – dafür hat er jedoch trotzdem einen soliden Top Speed, wenn er mal in Fahrt gekommen ist; nicht grandios, aber in Ordnung für einen Power Runner. Allgemein ist zu sehen, dass auch seine Field Vision besser ist, wenn er in der Mitte des Feldes bleibt, wo er alles vor sich hat – bei Outside Runs nimmt er häufig Rushing Lanes, die nicht frei sind. Insgesamt ist A.J. Dillon einfach ein Short Yardage-Runner, von dem nicht viel mehr zu erwarten ist. Im Passing Game ist er ebenfalls nicht unbedingt brauchbar – er rennt keine guten Routes, er setzt keine guten Cuts und konnte auch als Passfänger nicht positiv auffallen.

Trotz seiner fehlenden Big Play-Qualitäten sehen seine Statistiken beeindruckend aus, was meist daran liegt, dass er eine große Menge an Runs hatte und auch nahezu nie verletzt war. Dillon ist einfach kein aufregender Spieler, weshalb er trotz seiner vielen Qualitäten deutlich weiter fallen wird, als man denkt. Ich vermute, dass Dillon ein früher Pick an Tag 3 sein wird – Ende 4. bis Anfang 5. Runde.
Für die Packers passt Dillon schlichtweg nicht ins Scheme. Outside ist gar nicht sein Ding und auch sonst passt er nicht in unsere Offense.

Ke’Shawn Vaughn (22, Vanderbilt)

Größe: 5’10” (1,78m); Gewicht: 214 lbs (97 kg); Armlänge: 30 7/8″ (78 cm); Handspanne: 8 7/8″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,51sec; No Bench Presses; No 3 Cone Drill

Vaughn ist ein Runningback, der einiges an Potential anzubieten hat. Vaughn ist im Second Level durchaus schnell, seine 4,51 beim 40 Yard Dash wirkt auf dem Feld schneller. Mit dieser Geschwindigkeit findet er auch im gespielten Outside Zone Scheme eine gute Anwendung, denn er erreicht Lücken und somit das Open Field relativ schnell. Seine Cuts sind gut und allgemein ist seine Beweglichkeit für seinen Körper durchaus in Ordnung. Als Passfänger ist er verlässlich. Sein Highlight ist die Stärke in seinem Oberkörper – Vaughn hat einen richtig guten Stiff Arm, der so einige Arm Tackles bricht. Außerdem kommt ihm seine Kraft auch in der Pass Protection zu Gute, denn das ist sein Steckenpferd: Er blockt alle möglichen Verteidiger und erkennt Blitzes frühzeitig, sodass er sie gut blocken kann.

Insgesamt fehlt es Vaughn als Runner leider an Burst. Seine Beschleunigung kann nicht mit seiner Maximalgeschwindigkeit mithalten, was ihn vor allem dann Probleme macht, wenn er durch Löcher durch ist, aber nicht schnell genug von den Tackles wegkommt, die ihn einfangen. Für seinen Frame ist die Running Power auch nur sehr eingeschränkt, er ist also klar kein Short Yardage-Guy. Auch seine Routes im Passing Game sind nur selten richtig gut, gegen einen Linebacker bringt er aber durchaus mal Gefahren. Seine Technik in der Pass Protection ist zwar schon gut, aber trotzdem ausbaufähig. Er trifft einige komische Entscheidungen, was seine Rushing Lanes angeht – da er aber generell keine schlechte Field Vision besitzt, würde ich das auf die Konzentration oder die schwächere OLine vor sich schieben, man sollte es aber im Kopf behalten.

Insgesamt gefällt mir Vaughn beim zweiten Mal schauen besser als beim ersten, er bringt eine Menge Upside mit und ist auch jetzt richtig eingesetzt schon ein sehr interessanter Spieler. Er hat nicht so viel Upside wie Aaron Jones in der fünften Runde, trotzdem denke ich, dass man mit ihm in der 5. Runde ein gutes Paket an Skills und Upside bekommt, mit dem ein gutes Coaching Staff arbeiten kann.
Für die Packers ist der Fit ziemlich gut, gerade sein gutes Pass Blocking macht ihn als potentiellen Nachfolger für Jamaal Williams interessant, auch wenn ihm die Power fehlt, die Jamaal bringt – das könnte man ihm aber noch beibringen. Ich würde mich freuen, Vaughn in Green & Gold zu sehen.

Lamical Perine (22, Floridate)

Größe: 5’11” (1,81 m); Gewicht: 216 lbs (98 kg); Armlänge: 31 5/8″ (80 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
40 Yard Dash: 4,62sec; Bench Presses: 22; 3 Cone Drill: 7.13

Lamical Perine ist der typische Allround-Back, der aber in nichts grandios ist. Perine bounct gut von Tackles ab und kann so noch einige Yards gutmachen, er ist beweglich und kann auch mal einen Tackle eines Linebackers brechen. Seine Geschwindigkeit ist in Ordnung, aber nicht grandios. In Sachen Field Vision ist “in Ordnung” wohl ebenfalls die beste Beschreibung. Er sieht offene Löcher gut, hat aber nicht unbedingt ein Gefühl dafür, wie sich das Blocking in der Line entwickelt und wo Löcher frei werden könnten, bevor sie entstanden sind. In Sachen Pass Protection ist er zwar technisch nicht gut ausgebildet, aber er zeigt die Bereitschaft, sich in Linebacker wie DLiner reinzuwerfen und seinem Quarterback so viel zeit wie möglich zu verschaffen. Er ist ein verlässlicher Pass Catcher und schafft auch Contested Catches. Am beeindruckendsten an Perine ist seine enorme Bereitschaft, an sich zu arbeiten und immer Vollgas zu geben, die durchaus spürbar wird. Er läuft Routes konsequent zuende, er bricht Runs nicht ab, er blockt auch überlegene Gegner und allgemein hat er die Einstellung, die sich jeder Coach wünscht – zusammen mit seinem guten Frame und Athletik-Fähigkeiten, die durchaus gut sind, steckt da das Potential dahinter, mal ein durchschnittlicher bis guter NFL-Runningback zu werden.

Dasselbe könnte man jetzt jeweils wieder hier auffüren. Er ist nicht super agil, schnell oder kräftig. Er ist kein enorm guter Route Runner sowohl in den Cuts, der Geschwindigkeitskontrolle als auch dem Top Speed. Perine ist ein gutes Beispiel für einen Allrounder, der halt in nichts hervorragend ist, aber auch in nichts wirklich schlecht. An seiner Technik in der Pass Protection sollte er definitiv arbeiten.

Perines Upside ist nicht hoch, dafür bekommt man mit ihm einen sehr motivierten Spieler, der eine Menge Anlagen zeigt, diese aber noch nicht ganz umsetzen kann. Ich denke, dass man mit ihm in der Mitte des dritten Drafttages (Runde 5-6) wenig falsch macht.
Bei Florida spielte er ein Inside Zone Scheme, er könnte jedoch auch gut in das Outside Zone Scheme der Packers passen. Wenn der Plan der Packers ist, dass man mit Aaron Jones verlängert und nur einen Spieler sucht, der ab 2021 dann die neue Nummer 2 ist, wird man mit Perine vermutlich einen guten Spieler ziehen können – man sollte aber keine allzu großen Erwartungen an ihn stellen.

Darius Anderson (22, TCU)

Größe: 5’10” (1,78 m); Gewicht: 208 lbs (94 kg); Armlänge: 30 1/2″ (77 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,61sec; Bench Presses: 19; No 3 Cone Drill

Beim Tape von Reagor (WR) und Niang (OT) ist mir immer wieder ein Spieler aufgefallen – die Nummer 6, Darius Anderson. Anderson hatte einige Highlight Plays, die mich beeindruckt haben. Anderson ist ein sehr agiler Runner in einem starken Frame. Mit seinen schnellen Füßen ist er schwierig zu tacklen und durch seine starke Physis kann er auch ohne Probleme den Kontakt suchen, welchen er durch seine starken Beine auch häufiger mal gewinnt. Diese Kombination aus Physis, Beweglichkeit und einem guten Spin Move macht ihn sehr gefährlich. Dazu ist er in der Pass Protection durchaus brauchbar, er braucht hier jedoch noch einiges an Training. Als Bonus on Top bekommt man bei Anderson außerdem noch einen guten Kick Returner, der auch auf NFL Level erfolgreich sein könnte.

Ein großes Manko bei Anderson ist sein Top Speed. Auch wenn es auf Tape manchmal schneller aussieht, ist sein 4,61er 40 Yard Dash bezeichnend. Insgesamt mangelt es ihm vor allem an richtigem Coaching – während seine Field Vision in Ordnung ist, trifft er trotzdem öfter mal schlechte Entscheidungen, die ihm dann heftigere Tackles für Minusyards einbringen. Seine Footwork bei Cuts ist ausbaufähig genau wie seine Technik in der Pass Protection. Auch in Sachen Geschwindigkeitskontrolle könnte er noch dazulernen. In der Pass Protection könnte seine Vision sich noch verbessern, hier verpasst er doch ab und zu Pickups, die für ihn durchaus möglich gewesen wären. Nach einem starken Start in sein Senior-Jahr ging es gegen Gegner wie Texas, Baylor oder Oklahoma nur noch sehr mau weiter, das lag aber nicht nur an ihm.

Insgesamt zeigt Anderson sehr viele gute Traits, um in der NFL mal was zu werden, benötigt aber noch einen größeren Reifungsprozess von mindestens einem Jahr. Danach könnte er in diversen Schemes ein interessanter Spieler werden, er ist einfach noch roh und muss geformt werden. Ich würde ihn in etwa in der 6. Runde sehen.
Für die Packers wäre Anderson ein guter Fit, wenn auch nichts besonderes – da ist aber Potential vorhanden. Ähnlich wie Dexter Williams wäre er keine sofortige Nummer 3 sondern mehr ein Projekt, das gut ausgehen kann oder eben nicht – ein klassischer Late Round Pick.