Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt, sowohl das Ranking, als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Quarterbacks. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten drei Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde. Die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Nach der qualitativ überschaubaren Quarterback Klasse des Vorjahres, kann man dieses Jahr definitiv von einem starken Jahrgang sprechen – vor allem in der Spitze. Bei der Quarterback Situation der Packers scheiden sich seit Jahren bereits die Geister jeglicher Experten und Fans. Die einen blicken mit Rodgers noch einige Jahre in die Zukunft und sind dagegen, jetzt schon wertvolles, frühes Draft Kapital für einen Quarterback zu investieren. Für andere ist es bereits seit mehreren Jahren Zeit, lieber früher als später Rodgers Nachfolger zu holen und ein paar Jahre hinter ihm lernen zu lassen. Bisher schließt sich das Front Office der Packers offensichtlich der ersten Meinung an, was sich aber – gerade bei der diesjährigen Klasse – umgehend ändern könnte.

 

Joe Burrow (23, LSU)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 221 lbs (100 kg); Armlänge: 30 7/8″ (79 cm); Handspanne: 9″ (23 cm)
Nicht an den Combine Drills teilgenommen

An diesem Namen ist man während der College Saison 2019 und der Vorbereitung auf den Draft nicht vorbei gekommen. Joe Burrow ist in meinen Augen (mit Abstand) der beste Quarterback dieser Klasse und das beste Prospect der gesamten Draft Klasse 2020 (ja, besser als Chase Young). Er spielte in der abgelaufenen Saison die vielleicht beste College Saison eines Quarterbacks jemals. 5671 Passing Yards, 60 Touchdowns bei 6 Interceptions, eine Completion-Percentage von 76,3% und schließlich ein National Championship Titel sprechen für sich.

Burrow ragt in den zwei wichtigsten Fähigkeiten für Quarterbacks heraus – Accuracy und Field Vision. Er besitzt einen unfassbar talentierten Arm, der alle drei Level des Feldes aus jeder erdenklichen Position genau bedienen kann. Der Touch und die Antizipation bei tieferen Würfen auf seine Outside WR ist elite. Seine Accuracy wird so gut wie gar nicht davon beeinflusst, ob er aus der Pocket wirft oder aus dem Lauf. Sein Football IQ und Decision-Making ist exzellent. Schaut man sich sein Tape an, erkennt man sehr schnell, dass er das Spiel langsamer sieht, als alle anderen Spieler auf dem Feld. Er geht schnell und flüssig durch seine Progression und bleibt nicht zu lange an einem Read hängen. Dabei trifft der Heisman Trophy Gewinner nahezu immer die richtigen Entscheidungen. Das gilt für seine Würfe, sowie für sein Gespür, wann er die Pocket verlassen muss. Er verlängert konstant Plays außerhalb der Pocket und besitzt dazu die nötige, überdurchschnittliche Athletik, um eine Gefahr als Runner darzustellen. Trotz seiner nicht unriskanten Spielweise mit vielen Deep Throws produziert er enorm wenig Turnover. Seine Ball Security ist unter Anbetracht seiner gleichzeitig sehr hohen Zahl an Big Plays herausragend.

In Burrows Tape wirkliche Schwächen zu finden, war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Einige Kleinigkeiten kann man dennoch bemängeln. Seine Armstärke beispielsweise ist eher durchschnittlich, aber immer noch solide genug, dass es keine wirkliche Schwäche darstellt. Trotzdem gibt es einige Quarterbacks in dieser Draft Klasse, die Burrow im Bereich Armstärke überlegen sind. Dazu erreicht er nicht die höchste Wurfgeschwindigkeit. In der NFL könnte das teilweise zu Problemen bei tiefen Out Routes oder Comebacks führen. Eine Sache, die einem beim Tape gucken etwas Bauchschmerzen macht, ist Burrows Eigenschaft immer wieder unnötige Hits einzustecken. Das betrifft sowohl sein Verhalten innerhalb, als auch außerhalb der Pocket. In der NFL muss er sich diese immer wieder auftretende Nachlässigkeit umgehend abgewöhnen. Insgesamt muss man sicher auch beachten, dass Burrow hinter einer extrem guten Offensive Line – die den Joe Moore Award (Auszeichnung für die beste O-Line im College Football) erhalten hat – stand und herausragende Waffen (alleine aus dieser Draft Klasse: Justin Jefferson, Thaddeus Moss und Clyde Edwards-Helaire) hatte. Außerdem profitierte er natürlich sehr von Joe Bradys (heute Offense Coordinator der Panthers) Play Designs und Schemes, die auf absolutem Topniveau waren. Das von wenigen angeführte Argument “One Hit Wonder” ist für mich absolut zusammenhangslos. Sein aktuelles Tape spricht eine eindeutige Sprache und deshalb ist es irrelevant, wie gut er vor zwei Jahren war.

Bezogen auf die Packers kann man kurz und knapp sagen: Sie werden mit Burrow nichts zu tun haben am Draft Day. Alleine die Wahrscheinlichkeit, dass er nach Pick 1 (Bengals) noch auf dem Board ist, ist verschwindend gering.

 

Tua Tagovailoa (22, Alabama)

Größe: 6’0″ (1,83 m); Gewicht: 217 lbs (98 kg); Armlänge: 30 4/8″ (72 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
Nicht an den Combine Drills teilgenommen

Es kann sich so viel ändern in einem Jahr. Vor einem Jahr gab es eigentlich gar keine Diskussionen mehr darüber, wer 2020 das erste Overall Pick wird: Tua. Eine überirdische Saison von Joe Burrow und eine schwere Verletzung Tuas später sieht die Welt ganz anders aus. In neun Spielen 2019 produzierte Tua 2840 Passing Yards, eine Completion-Percentage von 71,4% und 33 Touchdowns bei nur 3 Interceptions.

Die größte Stärke des Hawaiianers ist seine unglaubliche Accuracy. Wie Burrow kann er aus jeder möglichen Position das ganze Feld bedienen. Hervorragend ist auch seine Fähigkeit, den Ball bei kurzen Pässen genau so zu platzieren, dass die Yards after Catch Chancen seiner Receiver maximiert werden. Damit einher geht eine Antizipation und ein Timing seiner Würfe, welches ich in der Qualität fast noch nie gesehen habe. Er zerlegt Zone Coverages konstant. Ein weiterer sehr positiver Aspekt seines Spiels ist sein Verhalten gegen Druck und Blitzes. Er hat keinerlei Probleme, Blitz Packages in Sekundenbruchteilen zu erkennen und die Lücke zu lokalisieren und attackieren. Das resultiert unter anderem aus Tuas sehr guter Mobilität, durch die er konstant Pressure entkommt und die Pocket verlässt, um eigentlich tote Plays zu verlängern. Auch als Runner ist er gefährlich und trotz seiner kleinen Körpermaße nicht leicht zu tacklen, weil er deutlich physischer läuft, als man es erwartet. Er hat keine Angst vor Kontakt und steckt Hits ohne Bedenken ein. Das ist in der NFL in der Form aber auf keinen Fall aufrecht zu erhalten, gerade bei seinem Gewicht. Des Weiteren wurde Tua in seiner Collegekarriere mehrfach öffentlich von Coaches und Mitspielern für seine Führungsqualitäten gelobt, was für die Evaluierung seines Charakters sicher Gewicht hat.

Der unumstritten größte Anlass für Bedenken bei den NFL Teams bietet aber seine Verletzungshistorie. Er wurde bereits an der Hüfte und am Knöchel operiert. Seine langfristige Durability in der NFL ist extrem fraglich. Dazu ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Franchise, die ihn draftet, viel auf seine Fähigkeiten als Runner zurückgreift und das Verletzungsrisiko somit erhöht. Das nimmt ihm eine seiner Stärken. Aber auch bezogen auf seine On-Field-Fähigkeiten gibt es mehr Bedenken als bei Burrow. Tua warf in ziemlich hoher Frequenz High-Risk Pässe – vor allem bei Deep Balls. Aufgrund der immensen Qualität seiner Receiver bei Alabama (unter anderem Henry Ruggs und Jerry Jeudy) endete dies meist positiv, da sie die 50/50 Bälle in der Regel für sich entschieden. In der NFL ist das, unabhängig davon wo er am Ende spielt, nicht umsetzbar. Er muss lernen das Risiko besser zu kalkulieren und deutlich schneller Check-Down Pässe zu wählen. Auch hatte er im College wenig Spiele mit viel Pressure wegen der durchgehend starken Offensive Line und eines Offense Schemes, was sehr auf Yards after catch ausgelegt war. Vergleichsweise viele Pässe wurden hinter der Line of Scrimmage geworfen. Zuletzt ist zu bemängeln, dass Tua oft deutlich zu lange an seinem ersten Read klebt und den Ball zu lange hält.

Auch hier kann man sich ziemlich sicher sein, dass die Packers nichts mit dem Thema Tua Tagovailoa zu tun haben werden. Trotz seiner fraglichen gesundheitlichen Situation – erst Recht momentan – ist sein Floor voraussichtlich Pick 5 (Dolphins). Für mich liegt Tuas Draft Stock deutlich unter dem von Burrow, aber auch deutlich über dem meines Quarterback 3.

 

Justin Herbert (22, Oregon)

Größe: 6’6″ (1,97 m); Gewicht: 236 lbs (107 kg); Armlänge: 32 7/8″ (84 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,68 s; Vertical Jump: 35,5″; Broad Jump: 123″; 3 Cone: 7,06 s; 20 Yard Shuttle: 4,46 s

Wie für die meisten Experten, ist Justin Herbert für mich das drittbeste Quarterback Prospect der Draft Klasse. Wie bereits erwähnt, sehe ich ihn jedoch ein gutes Stück hinter Tua Tagovailoa und noch weiter hinter Joe Burrow. In seiner finalen Saison bei Oregon erzielte er sehr starke Statistiken: 3471 Passing Yards, eine Completion-Percentage von 66,8%, sowie 32 Touchdown Pässe bei 6 Interceptions.

Herberts physisches Profil zaubert wohl jedem Scout ein Lächeln ins Gesicht. Er ist fast zwei Meter groß, hat einen wahnsinnig starken Arm und ist dazu äußerst mobil. Er hat durch sämtliche überragende Würfe bereits bewiesen, dass er theoretisch in der Lage ist, jeden Wurf auszuführen. Seine Velocity (Wurfgeschwindigkeit) ist herausragend und seine Accuracy im High-End ebenfalls. Herbert hat ein wahnsinniges Vertrauen in seinen Arm, was man eindrucksvoll daran sieht, dass er absolut keine Angst vor irgendeinem Wurf hat. Vor allem bei seinen Deep Shots ist dies bemerkbar. Am stärksten ist Herbert für mich jedoch in der Intermediate Range (10-25 Yards). Trotz seiner Größe ist er in der Lage, Plays mit seinen Beinen zu verlängern. Sein Throw on the run ist dabei solide bis gut. Zugute halten muss man ihm definitiv, dass sein Supporting Cast bei Oregon – vor allem im Gegensatz zu den beiden bisher genannten – sehr unterdurchschnittlich war. Sehr viele gut platzierte und fangbare Bälle wurden wiederholt nicht gefangen. Auch Seperation wurde nicht viel kreiert. Herbert war also im Prinzip selbst dafür verantwortlich, seine Receiver durch seine Würfe in die Lage zu bringen, ihn zu fangen. Auch als Scrambler kann er sicher in der NFL Schaden anrichten. Er ist kein Cam Newton, aber auf jeden Fall für einzelne Option Concepts benutzbar.

Bei Herbert gibt es leider auch eine beachtliche Kehrseite der Medaille. Vor allem was das Quarterback Play im Kopf angeht, ist er noch extrem unausgereift. Beispielsweise hat er enorme Probleme mit Pressure, sowohl pre-snap, als auch post-snap. Dadurch verschuldet er selbst viele Sacks durch mangelnde Awareness, wobei er auch noch Fumble-Probleme hatte. Außerdem geht er langsam durch seine Progression Reads und guckt lange auf seinen ersten Read. Dabei leidet sein Decision-Making, aber auch seine Accuracy sehr, wenn sein erster Read nicht frei wird und er ihn nicht anwerfen kann. Er ist ein klassischer First Read & Run Quarterback. Das ist unter anderem ein Grund dafür, dass Oregon 2019 eine der höchsten Screen Quoten im gesamten College Football hatte – um Herberts Decision-Making gen Null zu reduzieren. Auch sein Arm ist jedoch noch nicht perfekt. Wie bereits erwähnt, ist seine Accuracy im High-End sehr stark. Leider ist dieses High-End bei ihm nicht die Regel. Die Varianz und Inkonstanz in seinen Würfen ist beachtlich.

Der Grund dafür, dass Herberts Draft Stock trotzdem so hoch ist und er bei so gut wie jedem Mock Draft in der Top 10 gedraftet wird, ist sein enorm hohes Ceiling. Und in den letzten Jahren hat sich immer wieder bewiesen, dass Ceiling – gerade auf der Quarterback Position (Daniel Jones) – NFL Teams dazu führen kann, Prospects deutlich über ihrem eigentlichen Value zu draften. Aus diesem Grund ist auch bei Herbert davon auszugehen, dass er nicht ansatzweise bis in die Reichweite der Packers fällt. Sollte es aus jeglichen Gründen trotzdem passieren, würde ich aus Packers Sicht nicht zweimal überlegen. Hochtraden würde ich für Herbert aber definitiv nicht.

 

Jordan Love (22, Utah State)

Größe: 6’4″ (1,91 m); Gewicht: 224 lbs (102 kg); Armlänge: 32 5/8″ ( 83 cm); Handspanne: 10 4/8″ (27 cm)
40 Yard Dash: 4,74 s; Vertical Jump: 35,5″; Broad Jump: 118″; 3 Cone Drill: 7,21s; 20 Yard Shuttle: 4,52s

Nach seiner statistisch überragenden Sophomore Season 2018 waren die Erwartungen an Jordan Loves Junior Jahr sehr hoch. Leider folgte nicht der erwartete, weitere Schritt nach vorne. In bestimmten Bereichen verschlechterte er sich sogar zum Vorjahr. Seine Statistiken zeigen dies: 3402 Passing Yards, eine Completion-Percentage von 61,9% und 20 Touchdowns bei 17 Interceptions sind definitv keine eindrucksvollen Zahlen – gerade für College Verhältnisse. Love ist mein QB4 mit einem deutlichen Abstand zur Topgruppe. Mit ihm beginnt im Prinzip auch die einigermaßen realistische Reichweite an Quarterbacks für die Packers.

Seine grundsätzlichen Merkmale ähneln Justin Herberts Profil als “Lite Version”. Auch er kann theoretisch jeden Wurf ausführen und mit seinem talentierten Arm das gesamte Feld bedienen. Sein physisches Profil ist ebenfalls genau das, was man von einem NFL Quarterback erwartet: Er ist groß, athletisch und hat einen starken Arm. Eine der größten Stärken von Love ist seine Fähigkeit, Plays zu verlängern und aus dem Nichts Off-Schedule etwas zu kreieren. Sein Throw on the run ist extrem präzise. Aus der Pocket ist er vor allem im short Passing Game stark. 2019 hat er aber bereits deutlich mehr Willen gezeigt, konstanter tief zu attackieren. Deutlich erkennbar in seinem Tape ist zudem, dass er es klar vorzieht, Pässe zwischen den Nummern zu werfen (im Gegensatz zu Rodgers z.B.). Sein Release ist gut. Love weist eine sehr gute Mobilität auf, was darin resultiert, dass er Pressure konstant mit den Beinen entkommt und sehr viele Plays lange am Leben hält. Dazu wurde er bei Utah State bereits regelmäßig für Option Plays eingesetzt, wird in der NFL demnach definitiv auch als Scrambler Gefahr ausstrahlen.

Was Love jedoch deutlich von Herbert distanziert, ist seine enorm eingeschränkte Field Vision. Sein Decision-Making ist in regelmäßigen Abständen haarsträubend und er hat extreme Schwierigkeiten, die Defense post-snap zu lesen, was in der NFL ein noch viel größeres Problem darstellen wird. Darauf lässt sich auch der größte Teil seiner vielen Turnover 2019 zurückführen. Dazu kommt, dass Love gegen Pressure teilweise sehr panisch wirkte und infolgedessen schwache Entscheidungen traf. Ebenfalls ist seine Accuracy leider nicht konstant genug, auch aus sauberer Pocket heraus sind immer wieder grobe Fehlwürfe dabei. Sehr wackelig ist seine Accuracy insbesondere im Deep Passing Game, wo er regelmäßig Receiver über- und unterwirft.

Seine Schwächen zeigen eindeutig, dass es ein großer Fehler wäre, Jordan Love als Impact Starter einzuplanen. Das Team was ihn draftet sollte sich bewusst sein, dass er eher ein Projekt ist, welches allerdings eine extrem hohe Upside hat. Das ist auch der Grund, warum ich Love über meinem QB5 sehe. Upside gewinnt im Draft in der Regel.
Es ist unwahrscheinlich, dass Love am Draft Day bis 30 fällt, aber es ist auch nicht unmöglich, wie bei den ersten drei. Sollte es wirklich so kommen, steht das Packers Front Office vor einer schweren Entscheidung. An 30 stellt er definitiv einen guten Value dar und vor allem hätte er genau die Umstände, die für seinen Start in die NFL ideal wären – er muss nicht starten und kann seine Game Processing Schwächen von einem der besten QBs der NFL aufbessern lassen. Die Frage ist und bleibt natürlich, ob die Packers ein mögliches Elite Talent und einen Impact Starter, den sie wohlmöglich an 30 bekommen würden, für ein zukünftiges Projekt aufgeben wollen.

 

Jake Fromm (21, Georgia)

Größe: 6’2″ (1,87 cm); Gewicht: 219 lbs (99 kg); Armlänge: 31 1/8″ (79 cm); Handspanne: 8 7/8″ (22,5 cm) 40 Yard Dash: 5,01 s; Vertical Jump: 30″; Broad Jump: 111″; 3 Cone Drill: 7,27 s; 20 Yard Shuttle: 4,51 s

Jake Fromm ist der Prototyp eines “Du weißt, was du bekommst”-Prospects. Seit seiner Freshman Season ist er bereits Starter bei Georgia und legte in allen drei Jahren konstant gute Statistiken auf. In seiner Junior Season 2019 warf er für 2860 Yards, mit einer Completion-Percentage von 60,8%, bei 24 Touchdowns und 5 Interceptions.

Fromm stellt das Gegenteil von Jordan Love dar. Sein Kopf ist absolut NFL-ready. Er weist einen bemerkenswert hohen Football-IQ auf und man erkennt eindeutig, dass er sowohl pre-snap, als auch post-snap eine umfassende Field Vision hat. Dazu geht er schnell und flüssig durch seine Progression Reads. Die Offense in Georgia ähnelt außerdem in vielen Bereichen schon NFL Offenses, was ihm die Eingewöhnung grundsätzlich leichter machen sollte. Seine Accuracy in der short und intermediate Area des Feldes ist konstant gut, insbesondere durch die Mitte des Feldes. Er findet leicht Lücken in Zone Coverages. Bei tieferen Würfen auf seine Outside Receiver sind vor allem seine Backshoulder Würfe stark. Eine seiner stärksten Eigenschaften ist unbestritten sein Decision-Making. Er produziert eigentlich nie vermeidbare Turnover und wirft generell nur sehr wenig Turnover-worthy-Plays. Seine Ball Security ist auf einem Level mit den Top Quarterbacks der Klasse.

Was seinen Draft Stock dennoch enorm zurückhält, sind seine nicht geringen physischen Limitierungen. Sein Armtalent ist absolut kein hohes Draft Pick wert – seine Base Line ist auf einem hohen Niveau und das hält er konstant, ihm fehlt jedoch jegliches High-End Play (im Gegensatz zu Love oder Herbert). Er hat selten selbst seine Targets freigeworfen. Viele 50/50 Bälle wurden durch die Dominanz seiner starken Receiver gewonnen. Zudem besitzt er keinerlei Mobilität und hat keine Fähigkeit, Pressure zu entkommen und Plays zu verlängern. Sein Pocket Movement ist auch eher unterdurchschnittlich. Er ist definitiv ein Pocket Passer und wird in der NFL auf eine gute Pass Protection angewiesen sein. Sein Deep Passing Game ist außerdem sehr mangelhaft. Ihm fehlt jegliche Armstärke oder Velocity, um tiefere Würfe anzubringen. Seine Deep Throws sind lange in der Luft und geben Defensive Backs viel Zeit zu reagieren. Ebenfalls fehlt ihm Antizipation, was darin resultiert, dass er seine tiefen Targets konstant unterwirft.

Aufgrund seiner fast nicht vorhandenen Upside kann ich Fromm einfach nicht Love vorziehen, auch wenn sein Floor deutlich höher ist. Ich bezweifle, dass ein NFL Team willig ist, ein First Round Pick für Fromm zu investieren. Das einzige Szenario wäre ein Team, was in der Offense bereits ziemlich gute Umstände hat und dessen Scheme nur solides Quarterback Play erfordert (Patriots, Saints nach Brees). Für mich ist Fromm ein High-End Backup in der NFL, der Schwierigkeiten haben wird, sich einen Starting Job zu sichern. Ich sehe seinen Fit zu den Packers deshalb nur sehr gering.

 

Jalen Hurts (21, Oklahoma)

Größe: 6’1″ (1,86 cm); Gewicht: 222 lbs (101 kg); Armlänge: 31 6/8″ (81 cm); Handspanne: 9 6/8 (25 cm) 40 Yard Dash: 4,59 s; Vertical Jump: 35″; Broad Jump: 125″

Jalen Hurts spielte bei Oklahoma 2019 als Nachfolger von Kyler Murray, nachdem er bei Alabama zuvor von Tua Tagovailoa als Starter verdrängt wurde. Seine Statistiken in den drei Jahren als Starter sind herausragend. 2019 sorgte er für 3851 Passing Yards, eine Completion-Percentage von 69,7% und warf 32 Touchdowns bei 8 Interceptions.

Die größte Gefahr strahlt Hurts jedoch nicht durch seinen Arm aus. Er ist (mit Abstand) der gefährlichste und produktivste Rushing Quarterback der Klasse. Seine 2019 Rushing Stats sind astronomisch – 1298 Rushing Yards und 20 Touchdowns! Er ist optimal für eine Option Offense in der NFL geeignet – durch seinen sehr hohen Game Speed und starke Open Field Moves. Man kann aber nicht erwarten, dass es ein Ausmaß wie bei Lamar Jackson haben wird. Logischerweise ist er auch in der Pocket mobil und hat zudem eine gute Pocket Awareness, was ihm möglich macht, erfolgreich Plays zu verlängern. Sein Arm ist stärker, als man es erwartet. Im Passing Game ist er durch die Mitte in der Intermediate Range definitiv am stärksten. Bereits mehrfach positiv ins Licht gerückt ist Hurts durch seine Führungsqualitäten und seinen Charakter. Er soll ein herausragender Leader sein und ist auch mit seiner Situation bei Alabama sehr vorbildlich umgegangen.

Seine Accuracy ist grundsätzlich nicht besonders hoch. Er wirft selten Targets frei, die meisten seiner Big Plays sind Ergebnis des Schemes gewesen und nicht seiner Playmaking Fähigkeiten als Passer. Auch fehlt seinem Arm das Gefühl für Velocity teilweise komplett. Zahlreiche Screen Pässe sind viel zu langsam unterwegs gewesen, sodass das Play im Prinzip schon vorbei war, bevor der Ball beim Receiver angekommen ist. Seine mangelnde Velocity bemerkt man auch daran, dass er bei seinen Deep Balls eher versucht, den Ball zu schleudern, was klar auf mangelnde Armkraft hinweist. Ein Punkt, der in der NFL problematisch werden kann, ist seine Eigenschaft, in kritischen Momenten im Spiel (3rd Downs oder Red Zone) die Lösung mit den Beinen zu suchen, statt mit seinem Arm. Das hat im College zwar meist gut funktioniert, ist gegen NFL Defenses aber nicht umsetzbar. Außerdem verlässt er bei Pressure deutlich zu schnell die Pocket und präferiert auch hier die Lösung durch sein Run Game. Er hat zudem sowohl bei Alabama, als auch bei Oklahoma nicht viel Verantwortung an der Line of Scrimmage getragen. Er war weder für Protection Calls noch viel für Audibles zuständig.

Ich sehe Hurts’ Draft Stock deutlich höher als die meisten Experten, wo er teilweise nicht mal in der Top 10 der QBs landet. Ich habe weniger Bedenken bezüglich seiner Accuracy und sehe ihn als Rusher dazu deutlich stärker als der Durchschnitt. Wenn er in eine Offense mit guten Umständen kommt und lernt, seinem Arm mehr zu vertrauen, kann ich mir vorstellen, dass er Chancen hat, auf Dauer Starter zu sein. Ich habe ihm schließlich ein Medium – Late Second Round Grade gegeben. Für die Packers ist er aber absolut ungeeignet, da er überhaupt kein Scheme Fit in LaFleurs Offense ist.

 

Jacob Eason (22, Washington)

Größe: 6’6″ (1,97 m); Gewicht: 231 lbs (105 kg); Armlänge: 32 7/8 (83,5 cm); Handspanne: 9 4/8 (24 cm) 40 Yard Dash: 4,89 s; Vertical Jump: 27,5″; Broad Jump: 110″; 3 Cone Drill: 7,5 s; 20 Yard Shuttle: 4,75 s

Jacob Eason verlor 2017 seinen Starting Job bei Georgia wegen einer Verletzung an Jake Fromm. Aufgrund dessen wechselte er nach der Saison zur University of Washington, weshalb er die Saison 2018 gesperrt war und erst in der vergangenen Saison wieder spielte. Dabei warf er 3132 Yards, mit einer Completion-Percentage von 64,2% und 23 Touchdowns bei 8 Interceptions.

Das physische Anforderungsprofil eines NFL Quarterbacks erfüllt Eason durch seine Größe und seine Armstärke auf jeden Fall. Seine Velocity und Throw Power sind extrem stark. Er trifft konstant enge Fenster, auch durch die Mitte des Feldes. Der Ball verlässt seine Hand mit extrem hoher Geschwindigkeit. Diese Stärken zeigen sich in seinem Deep Passing Game. Zu seiner enormen Armstärke hat er eine starke Antizipation, wo sein Target sich bei Eintreffen des Balls befinden wird. Seine grundsätzliche Accuracy befindet sich auf einem soliden bis guten Level. Bemerkenswert bei seinem Tape war eine sehr hohe Anzahl an QB Sneaks, die insgesamt auch sehr erfolgreich ausgeführt wurden.

Eason hat jedoch auch zahlreiche Einschränkungen. Sein Decision-Making und seine Field Vision sind sehr unausgeprägt. Er wirft häufig in Double Coverages oder übersieht underneath Verteidiger komplett. Dazu geht er ziemlich langsam durch seine Progression Reads. Eason guckt sehr lange auf seinen ersten Read und forciert ihn teilweise, wodurch die Gefahr von underneath Verteidigern steigt. Seine Eye Manipulation ist quasi nicht vorhanden. Seine Pocket Presence ist unterdurchschnittlich. Seine Footwork in der Pocket und bei seiner Wurfbewegung sind extrem mangelhaft und benötigen gutes Coaching in der NFL. Zusätzlich ist er nicht mobil und hat als Scrambler überhaupt keinen Einfluss. Auch gegen Pressure hat er einen deutlichen Accuracy Drop-Off und seine Vision schränkt sich noch weiter ein. Auch das muss ihm durch Coaching ausgetrieben werden.

Anhand seines Tapes wäre Eason wohl nicht mehr als ein Day 3 Pick. Da NFL Teams aber sehr schnell für einen guten und starken Arm reachen, ist nicht auszuschließen, dass Eason eventuell sogar in Runde 2 geht. Ich würde ihn niemals vor Runde 3 draften, da er bis auf sein Deep Passing Game, seine Armstärke und QB Sneaks noch nichts mitbringt. Den Hype, den er in den letzten Wochen bekommen hat, kann ich nicht verstehen. Für die Packers sollte er eigentlich kein Thema sein, da auch er kein Scheme Fit darstellt. Falls er wirklich bis Day 3 fällt, könnte man es aufgrund des geringen Risikos mit einem niedrigen Pick aber probieren, ihn (lange) hinter Rodgers lernen zu lassen.

 

Anthony Gordon (Washington State)

Größe: 6’2″ (1,87 cm); Gewicht: 205 lbs (93 kg); Armlänge: 31″ (79 cm); Handspanne: 9 6/8″ (25 cm);
Nicht an den Combine Drills teilgenommen

Anthony Gordon stammt aus der selben Air Raid Offense von Mike Leach, aus der auch Gardner Minshew letztes Jahr kam. Infolgedessen legten beide Quarterbacks ziemlich beeindruckende Werte auf. Gordon produzierte in seiner Junior Season 5579 Passing Yards, eine Completion-Percentage von 71,6% und 48 Touchdowns bei 17 Interceptions.

Gordons Stärken ähneln denen von Gardner Minshew. Er hat einen sehr schnellen Release, was in einer Air Raid Offense natürlich das A und O ist. Dazu zählt auch die Fähigkeit, schnell und flüssig durch seine Progression Reads zu gehen. Auch diese Box checkt Gordon. Er geht schnell von seinem ersten Read weg, wenn dieser nicht frei wird. Dazu besitzt er eine gute Pocket Awareness, indem er Pressure durch kleine Schritte und Moves effektiv ausweicht. Des Weiteren hat er ein starkes Antizipationsgefühl und wirft seine Targets oft durch gutes Ball Placement selber frei. Seine Accuracy ist im Short und Underneath Passing Game gut – auch typische Merkmale der Air Raid Offense.

Im Vergleich zu Minshew hat Gordon jedoch deutlich signifikantere Schwächen. Seine Armstärke lässt sehr zu wünschen übrig, was generell für sein Deep Passing Game gilt. Es mangelt ihm an Accuracy und Armstärke bei Pässen über 25 Yards downfield. Außerdem ist sein Decision-Making und seine Field Vision teilweise schlimm, wenn er Linebacker unerklärlicherweise komplett übersieht. Dazu ist seine Ball Security sehr ausbaufähig. Zu seinen Interceptions kommen auch viel zu häufig Fumbles. Sicher muss man bei Gordon anmerken, dass seine extreme Produktivität auch durch das Offense Scheme zustande kam. Beispielsweise hatte er 2019 von allen College Quarterbacks die meisten Screen Yards im ganzen Land. Als Letztes gibt seine Mobilität nicht viel her. Er hat keine, Fähigkeiten Plays zu verlängern und viel Off-Script zu kreieren.

Aus Anthony Gordons Skillset ergibt sich für mich ein ganz klassisches Early Day 3 Grade. Ein Viertrundenpick kann man ohne Zweifel investieren und ihm die Chance geben, zu zeigen, ob er in einer wenig vertikal ausgerichteten Offense in der NFL ähnlich produktiv sein kann, wie in Washington. Für die Packers ist Gordon eventuell sogar eine Option. Er müsste zwar ein ziemlich neues Offense Scheme lernen und viel häufiger under Center spielen, als ihm lieb ist, aber sein Skillset kann ich mir in LaFleurs Offense grundsätzlich vorstellen.