Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt, sowohl das Ranking als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Offensive Tackles. Generell werden die Offensive Tackle-Prospects, die auch bei der NFL als Tackles geführt werden, hier betrachtet. Ob sich Tackles eventuell besser als Guards eignen, wird hier nicht bewertet. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten 3 Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde, die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Mit Bryan Bulaga haben die Packers den langjährigen Starting-Right Tackle in der Free Agency verloren. Mit Rick Wagner kam eine kurzfristige Lösung (2 Jahre Vertrag, Cut-Möglichkeit nach einem Jahr) für den Übergang, trotzdem fehlt es auf der Right Tackle-Position definitiv an einer Zukunftsausrichtung und bei Wagners Verletzungsanfälligkeit auch an einer Notfalloption, auch wenn diese durch RG Billy Turner (Lane Taylor könnte dann RG spielen) möglicherweise gegeben ist. Die Left Tackle-Position ist mit David Bakhtiari perfekt besetzt, hier läuft jedoch nach der Saison 2020 der Vertrag aus. Auch wenn man Bakhtiari vermutlich resignen wird, sollte man das zumindest im Kopf behalten. Dahinter hat man mit Conway, Leglue, Nijman und Light eine gute Breite mit Hoffnungen für die Zukunft.

Andrew Thomas (21, Georgia)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 315 lbs (143 kg); Armlänge: 36 1/8″ (92 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,83sec; Bench Presses: 21; Broad Jump: 109″ (2,77 m)

Andrew Thomas ist ein Power-Monster. Thomas ist ein enorm guter Runblocker, meiner Meinung nach der beste dieser Klasse. Er kann mit seiner Kraft die gegnerischen Linemen quer übers Feld schieben, so hatte er gegen den diesjährigen Rookie-OLB-Star der Jaguars Josh Allen einen Block, der an Michael Oher aus “Blindside” erinnerte, bei dem er Allen ca. 30 Yards das Feld hinab geschoben hat. Thomas hat so enorm viel Kraft in den Beinen und drückt am Point of Contact nochmal die letzten Kraftreserven in den Gegenspieler, so kann er jeden Gegenspieler aus dem Weg schieben.
In der Pass Protection ist Thomas meiner Meinung nach nicht der beste der Klasse, kommt bei mir aber als Nummer 2 auch sehr gut weg. Thomas ist ein enorm starker und technisch gut ausgebildeter Handfighter, er hat einen starken First Punch und ein sehr gutes Hand Placement. Seine langen Arme sind bei Fehlern auch schnell mal ein Rettungsanker und so kann er die Spieler doch noch genug wegdrücken, damit der Quarterback nicht in Gefahr ist.
Andrew Thomas ist allgemein ein sehr intelligenter Spieler, er erkennt Blitzes und DLine Stunts sehr gut und kann frühzeitig dagegen arbeiten. Außerdem ist bei ihm sehr schön anzusehen, dass er seine Plays immer bis zum Ende durchzieht – “Finishing Plays” ist eine ganz wichtige Eigenschaft. Thomas ist zum Ende seiner College-Karriere Left Tackle gewesen, er hat früh im College aber auch Right Tackle gespielt und kann das ebenfalls sehr gut.

Thomas hat mit der ganzen Kraft etwas Probleme mit der Agilität, weshalb sein Sidestepping in der Pass Protection zwar technisch gut ist, aber in der Ausführung noch etwas mangelhaft. Das führt dazu, dass Thomas ab und an Probleme mit Speedrushes und Countermoves hat. Meistens schafft er es, sich durch seine langen Arme zu retten, manchmal wird er dann aber etwas grabby. Seine Geschwindigkeit auf dem Weg zum 2nd Level Block ist etwas langsam, durch seine große Blocking-Range fällt aber auch das kaum auf, da er seine Ziele trotzdem immer erreicht. Selten ist bei Thomas ein Power-Overengagement im Runblocking zu sehen, wo er dann eine Lücke in der Line hinterlässt, die der Gegenspieler seines Nebenmannes nutzen kann.

Insgesamt ist Andrew Thomas der Traum eines Offensive Tackles. Ich persönlich würde ihn aufgrund der Stärke im Rungame lieber auf Right Tackle sehen, er wird aber auch als Left Tackle Erfolg in der NFL haben. Er kommt mit Georgia aus einem sehr guten College. Er wird in jedem Offensive Scheme funktionieren, evtl. mit kleinen Einschränkungen im Outside Zone Scheme, weil ihm die Geschwindigkeit fehlt. Für mich ist er ein Top 10-Prospect.
Ich glaube nicht, dass Thomas auch nur annähernd in die Range der Packers fallen wird – wenn doch, dann flehe ich Gutekunst an: Tu es!

Tristan Wirfs (21, Iowa)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 320 lbs (145 kg); Armlänge: 34″ (86 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,72sec; Bench Presses: 24; Broad Jump: 121″ (3,07 m)

Mit Tristan Wirfs bekommen wir den einzigen Tackle, der in der Pass Protection an Thomas vorbeikommt, wenn auch nur knapp. Wirfs hat eine nahezu perfekte Footwork, gutes Sidestepping, ein gutes Punch-Timing (der Punch könnte etwas mehr Power haben, ist aber ausreichend) und ist ein grandioser Arm Wrestler im 1on1, da gewinnt man gegen ihn eher selten, denn Wirfs hat eine Arm Strength wie ein Monster. Er ist beweglich genug, um auch Speedrusher abzufangen, ohne dabei für Countermoves anfällig zu werden.
In Runblocking funktioniert Wirfs sehr gut in Zone-Schemes, vor allem ein Outside Zone Scheme liegt ihm sehr gut. Er hat eine gute Power und Geschwindigkeit für 2nd Level Blocks und kann gegnerische Verteidiger im Block halten. Wirfs ist kein so spektakulärer Runblocker wie Thomas, er leistet aber durchaus gute Arbeit.
Wirfs war im College Right Tackle, hat jedoch teilweise mitten im Spiel vereinzelt Left Tackle gespielt, wenn der dortige Starter verletzt war, ohne an Leistung einzubüßen, auch wenn mir seine Bewegungen rechts besser gefallen haben – das kann aber auch nur Gewöhnung sein.

Schwachstelle von Wirfs ist definitiv Power-Runblocking, hierfür ist er nicht geeignet. Er kann in einem Power Scheme zwar die Verteidiger aufhalten, aber Rushing Lanes wird er keine kreieren. Im direkten Release ist er hier nicht so stark. Wie bereits angesprochen ist seine Punch-Power nicht perfekt, das könnte aber auch an den etwas kürzeren Armen liegen. Tristan Wirfs hat ein großes Manko: Er ist echt inkonstant. Eigentlich ist er technisch in allen Bereichen sehr gut ausgebildet, doch trotzdem leistet er sich in vielen Gebieten immer mal wieder Errors – das muss er abstellen! Ich glaube aber, dass er das definitiv kann.

Als bester Passblocking-OT im Draft und durchaus guter Runblocker im richtigen Scheme gilt für ihn eine ähnliche Einschätzung wie für Thomas. Top10-15 sollte seine Range sein.
Auch Wirfs wird nicht im Ansatz zu den Packers fallen, aber wie geil wäre denn “Tristan Wirfs, Iowa” bitte?

Jedrick Wills Jr. (20, Alabama)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 312 lbs (142 kg); Armlänge: 34 1/4″ (87 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
10 Yd Split: 1,81sec; No Bench Press; Broad Jump: 113″ (2,87 m)

Jedrick Wills ist in Sachen Skills nicht unbedingt schlechter als seine Vorgänger. Wills hat eine Power, die der von Thomas ähnlich ist, und ist so ein ähnlich guter Runblocker. Man sieht von Wills zwar selten Blocks, die man auf ein Highlight Tape setzen würde, aber trotzdem kreiert er am laufenden Band Rushing Lanes. Wills ist im 2nd Level sehr beweglich und kann so auch in diversen Rushing-Schemes erfolgreich sein.
In der Pass Protection ist vor allem seine gute Footwork anzumerken, damit gewinnt er viele Matchups und hat auch genug Beweglichkeit, um bei verlorenen Duellen trotzdem noch in Position zu kommen oder auf Counter Moves zu reagieren. Wills hat einen guten Punch, mit dem er schon einige Battles gewinnen kann. Im 1vs1 ist Wills in der Pass Protection nur schwer zu besiegen.
Wills war bei Alabama ausschließlich Right Tackle, ist aber ein “Blindside-Right Tackle”, da er mit Tua (Linkshänder) zusammengespielt hat. Er ist es also gewohnt, alleine gegen den starken Edge Rusher zu spielen, weshalb er vermutlich mit etwas Training auch Left Tackle spielen könnte.

Leider scheint Wills nicht den besten Football-IQ zu besitzen, denn er trifft am laufenden Band schlechte Entscheidungen. Hat er kein 1vs1 vor sich stehen, ist er regelmäßig hilflos, er hilft seinen Teammates nicht und hinterlässt durch sein Verhalten eher Löcher, die seine Nebenmänner ebenso zu verteidigen haben. Allgemein tendiert Wills dazu, sehr selbstzentriert zu spielen und den Verbund der Offensive Line zu verlassen, was zu Lücken führt, denn Wills overextendet sowohl im Pass, als auch im Runblock regelmäßig. Gerade in der Pass Protection wird Wills hier regelmäßig Probleme mit der “Illegal Receiver Downfield”-Regel der NFL bekommen, wenn er das nicht abschalten kann, denn anstatt wie im College 5 Yards, die die Offensive Line sich nach vorne bewegen darf, ist es in der NFL nur ein einziges Yard. Außerdem negativ anzumerken ist, dass Wills sehr wenig Effort zeigt, wenn es nicht nötig ist. Denkt er, das Play ist vorbei, beendet er seinen Block – und auch sonst kann man an seiner Arbeit erkennen, ob ein Lauf in seine Richtung kommt oder nicht.
Wills’ Handwork ist ok, aber nicht grandios. Er hat häufiger ein schwaches Hand Placement, was dazu führt, dass er etwas grabby wird, womit er in der NFL definitiv Probleme mit bekommen wird.

Mit der etwas schwächeren Power an der Line of Scrimmage wird Wills eher nicht in einem Power Run-Scheme daheim sein, könnte dort aber durchaus auch funktionieren. Seine Blindside-Erfahrung auf der rechten Seite kommt ihm definitiv zu Gute. Mich persönlich stören die Football-IQ-Themen sehr, weshalb er für mich hinter Thomas und Wirfs fällt, auch wenn er von seinen Skills durchaus auf dem Level der beiden ist. Ich denke, Wills geht in den Top15, die Top20 ist mein Ceiling.

Mekhi Becton (21, Louisville)

Größe: 6’7″ (2,01 m); Gewicht: 364 lbs (165 kg); Armlänge: 35 5/8″ (90 cm); Handspanne: 10 3/4″ (27 cm)
10 Yd Split: 1,77sec; Bench Presses: 23; No Broad Jump

Mekhi Becton erhielt einen riesigen Hype nach seinem Combine, da er mit seinen 360 Pfund eine 5,1 im 40 Yard-Dash gelaufen ist. Allgemein hat Becton einen Monster-Frame – er ist riesig und schwer, er hat eigentlich alles, was man an einem Offensive Tackle liebt, verliert dabei aber auch nicht seine Athletik, was sehr bewundernswert ist. Im Runblocking wird keiner an ihm vorbei kommen und durch seinen großen und breiten Frame ist es auch schwierig, hinter ihm aus dem Block zu kommen und den Runningback zu tacklen.
Becton hat eine richtig starke Handwork, sein Punch entspricht der Stärke seines Frames und wird auch den kräftigsten Rusher stören. Seine langen Arme bringen außerdem eine gute Range, um gegen Speed Rusher zu arbeiten oder allgemein den ersten Handkontakt zu bekommen. In Handfights ist er zwar nicht so gut, das macht ihm aufgrund der Stärke seiner Arme aber wenig aus.
In Louisville spielte Becton ausschließlich als Left Tackle und das ist aus gleich folgenden Gründen auch die richtige Position für ihn.

Denn so athletisch Becton für seinen Frame ist, so ist es trotzdem für einen Offensive Tackle nicht genug. Trotz seiner schnellen 40 Yard-Zeit – er wird nie im Spiel 40 Yards laufen – war sein 10 Yard-Split nur durchschnittlich in der Klasse, er hat etwas Mühe, direkt vom Snap an Kraft nach vorne aufzubauen, um Rushinglanes zu kreieren. Im 2nd Level geht es für Becton ausschließlich geradeaus, so verpasst er wendige Linebacker und bei Rushes, die von ihm weg führen, spielt er ausschließlich Cut/Chop Blocks, um seine Gegenspieler sofort zu Fall zu bringen, da er athletisch seitwärts schlichtweg nicht mitkommt.
Selbiges gilt auch für die Pass Protection, denn seine Seitwärtsbewegung ist durch die Masse sehr eingeschränkt und langsam. Das bedeutet, dass Becton anfällig gegen Speed Rushes, gegen Counter Moves und vor allem gegen Blitzes und DLine-Stunts ist, da sein Körper es ihm nicht erlaubt, schnell darauf zu reagieren. Sein sehr starker Punch bringt zwar nahezu jeden Gegner ins Straucheln, wenn er diesen jedoch nicht perfekt auf die Brust bringt, verliert er selbst manchmal leicht die Balance, was es dann wiederum dem Rusher einfacher macht, darauf zu reagieren. Wie sein Punch ist auch die restliche Handwork etwas inkonstant.

Durch seinen Combine wird er von vielen als bester Offensive Tackle der Klasse gesehen, das ist er meiner Meinung nach (mit Abstand) nicht. Ich vermute, dass Becton in den Top20 gehen wird, es würde mich aber auch nicht wundern, wenn er weiter fällt.
Becton wird der erste Tackle sein, der in Richtung der Packers fallen könnte – und gleichzeitig ist er der erste Tackle, der wenig in unser Scheme passt. Ich sehe Becton in einem Inside Zone Scheme, vielleicht in einem Power-Scheme, wenn er an seiner Explosivität arbeitet – aber definitiv nicht in einem Outside Zone Scheme. Wenn Becton an 30 noch da sein sollte, kann man darüber nachdenken, aber er ist definitiv kein Kandidat, für den die Packers hochtraden sollten, sollte er weiter fallen als gedacht.

Josh Jones (22, Houston)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 319 lbs (145 kg); Armlänge: 33 7/8″ (86 cm); Handspanne: 10 1/8″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,81sec; Bench Presses: 24; Broad Jump: 109″ (2,77 m)

Josh Jones ist sehr athletisch und hat sehr schnelle Hüften sowie Beine. Seine Footwork ist echt gut, vor allem seine “Kick ‘n’ Slide”-Technik für die seitwärts-Bewegung in der Pass Protection ist sehr gut. Dazu kommt, dass Jones ein guter und vor allem aktiver Handfighter ist, was ihm auf dem College-Level viele Erfolge eingebracht hat. Die Kombination aus aktiven Handfights und sehr guter Beinarbeit macht ihn im Pass Rush schwer zu schlagen, wenn Jones auf seinem Level spielt.
Im Runblocking ist Jones noch sehr roh. Er hat eine gute Power am Point of Contact, ist aber kein Mauler wie Andrew Thomas beispielsweise. Im 2nd Level ist er dafür umso besser, er hat eine sehr gute Kombination aus Speed, Power und Vision, um auch kräftige wie wendige Linebacker aus dem Spiel zu nehmen und die tiefen Läufe der Runningbacks zu ermöglichen.
Josh Jones hat im College ausschließlich Left Tackle gespielt und da seine Stärken in der Pass Protection liegen, würde ich ihn auch in der NFL hier sehen. Ich zweifle aber nicht daran, dass er auch Right Tackle spielen könnte. Jones hat sich in seiner Senior-Saison nochmal enorm verbessert und hat für 2019 laut PFF mit 93.2 die beste Offensive Tackle-Grade der Klasse und die beste Grade eines Offensive Tackles, der nicht in der Power Five Conference spielte, seit PFF Noten erstellt werden.

Generell bei Jones ist das größe Negativargument, dass er noch sehr roh ist, was seine Technik angeht. Abseits seines Side-Steppings ist die Footwork noch ausbaufähig, er setzt seine Beine noch etwas schwach und so fehlt es ihm im Pass wie im Runblocking etwas an Stabilität gegen die Kraft seines Gegenspielers. Das schwache Setting der Füße führt zu einer Anfälligkeit gegen Bullrushes der Passrusher. Während er ein aktiver Handfighter ist, ist aber auch hier seine Technik etwas schwach ausgeprägt. Sein Punch ist schwach und sein Hand Placement ist sehr inkonstant. Während er sehr gut darin ist, sich schnell und flüssig an die Stellen zu begeben, wo er hin will, trifft er hier teilweise schlechte Entscheidungen und findet sich dann in einer schlechten Position wieder.

Josh Jones bringt sehr viele Basics und eine gute Athletik mit, um im College mal ein richtig guter Tackle zu werden, derzeit ist er das aber noch nicht. Er braucht noch einiges an Arbeit und ist somit als Projekt zu bezeichnen. Trotzdem ist er so gut, dass er einen Pick in der ersten Runde Wert wäre – jedoch eher gegen Ende bei der sowieso starken Tackle-Klasse.
Für die Packers ist Josh Jones derzeit ein guter Fit, da er dem Anforderungsprofil entspricht und noch 1-2 Jahre hinter Rick Wagner lernen könnte. Seine fehlende Erfahrung auf Right Tackle und seine noch fehlende Technik schrecken mich jedoch etwas davon ab, ihn sicher als Bulaga-Ersatz zu holen, möglich wäre es jedoch definitiv.

Lucas Niang (21, TCU)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 315 lbs (143 kg); Armlänge: 34 1/4″ (87 cm); Handspanne: 10 1/2″ (27 cm)
No Combine (Hüftverletzung)

Lucas Niang ist eine Art Andrew Thomas-lite. Niang hat eine enorme Physis und Kraft, so kann er im Runblocking einfach aus dem Nichts eine Rushinglane öffnen und so Big Plays vorbereiten. Sehr positiv fällt im Tape dabei die Koordination von Arm- und Bein-Streckung auf, denn darin ist er richtig gut und so baut er am Point of Contact nochmal zusätzliche Power auf, da beide Kräfte gleichzeitig auf den DLiner wirken.
In der Pass Protection glänzt Niang durch eine gute Handwork, hier ist er auch technisch sehr gut ausgebildet. Eine seiner Stärken ist das Erkennen und Arbeiten gegen DLine-Stunts, so arbeitet er so gut im Übergeben und Übernehmen der Liner, dass er seinem Nebenmann das Leben sehr viel einfacher macht und nahezu alleine beide Gegenspieler aus dem Spiel nimmt – das sollte man gegen ihn nicht versuchen.
Im College hat er ausschließlich Right Tackle gespielt. In Sachen Scheme könnte er überall funktionieren, ein Power oder Inside Zone Run-Scheme wird ihm aber besser liegen als Outside Zone.

Was hier leider noch deutlicher auffällt als bei Thomas sind seine steifen Hüften und seine sehr eingeschränkte Beweglichkeit, auch wenn man dazu erwähnen muss, dass Niang die Saison 2019 mit einer Hüftverletzung gespielt hat, welche nach der Saison operiert wurde, was den athletischen Rückschritt in 2019 erklären würde. Seine fehlende Agilität und durchschnittliche Footwork macht ihn wie Thomas anfällig gegen Speed Rushes – da seine Arme nicht ganz so lange sind, fehlen hier ab und zu die letzten Zentimeter, um noch zu gewinnen. Im Gegensatz zu Thomas’ Spielweise muss er hier definitiv dran arbeiten. Bei aller guten Handwork hat Niang keinerlei Punch (oder nutzt das zumindest nicht), was sich ebenso darauf auswirkt, dass er Speed Rusher wenig aus der Balance bringen kann.

Insgesamt ist Niang eine gute Option, wenn man Thomas sucht, aber keinen hohen Pick hat. Er hat ein ähnliches Skillset mit ähnlichen Schwächen und könnte sich nach seiner Hüftverletzung auch in diesen Schwächebereichen verbessern – auch wenn die Verletzung in der aktuellen Situation ohne Team-Medical Checks einen Drop in der Draftposition bewirken könnte. Ich sehe ihn als Spieler für das Ende der ersten Runde.
Und genau da sind die Packers dran – und ich denke, dass Niang definitiv eine gute Option ist, in Sachen realistischer Optionen ist Niang sogar mein Lieblings-Offensive Tackle für den 30. Pick. Niang kann bei uns in Ruhe seine Hüftverletzung vollständig auskurieren und an seiner Footwork arbeiten, um dann 2021 als Starting-Right Tackle zu übernehmen.

Ezra Cleveland (Boise State)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 311 lbs (141 kg); Armlänge: 33 3/8″ (85 cm); Handspanne: 9″ (23 cm)
10 Yd Split: 1,73sec; Bench Presses: 30; Broad Jump: 111″ (2,82 m)

Ezra Cleveland hat sowohl in Sachen Foot- als auch Handwork eine gute Grundlagentechnik, auf die man definitiv aufbauen kann. Sein Side-Stepping gefällt und gegen Bullrushs kann er gut seine Füße setten. Verliert er mal einen Handfight, hat er eine gute Athletik, um sich zu fangen und das Duell doch noch zu gewinnen. Allgemein war Cleveland mit einem 9.93er Relative Athletic Score der beste Offensive Lineman des Combines.
Im Runblocking kommt Cleveland ebenfalls seine Athletik zugute, jedoch hat er einfach insgesamt etwas zu wenig Power. Er ist hier noch relativ roh und kann in jedes Scheme eingebaut werden, am besten wird er aber in Schemes funktionieren, wo er vor dem Block Schwung aufbauen kann – entweder in Outside Zones oder wenn er ins 2nd Level blocken kann. Im College war Cleveland Left Tackle, mit seiner Athletik sollten aber beide Seiten absolut kein Problem sein.

So viel Talent und Technik wie Cleveland hat, so sehr mangelt es ihm aber auch an Power. Er hat 30 Bench Reps geschafft, das passt aber absolut nicht zur Stärke im Spiel, denn er spielt sehr soft und nach dem Schauen des Tapes habe ich mir “schwache Arme?” aufgeschrieben. Allgemein hat er für seinen großen Frame relativ wenig Masse und Power, hier wird er mit größeren DLinern seine Probleme bekommen. Obwohl er gute seine Füße setten kann, wird er häufig von Power-Rushern im Bullrush weggeschoben. Sein First Punch ist so schwach, dass er selbst kleinere Edges damit nicht aus der Balance bringt. Allgemein bricht er seine Blocks viel zu früh ab, “Finishing Blocks” ist ein großes Problem. Teilweise sieht es aus, als hätte Cleveland gar keine Lust auf Football, so unmotiviert spielt er. Es ist echt frustrierend, wenn er ein Duell eigentlich gewonnen hat, aber dann einfach das Blocken einstellt und das Play aufgibt.

Insgesamt hat Cleveland das Potential, mal ein richtig guter NFL-Tackle zu werden, wenn er denn mehr Effort zeigt und etwas mehr ins Gym geht – und dort dann vielleicht mehr als nur Bankdrücken macht. Insgesamt ist das ein interessanter Frame. Cleveland ist der erste Spieler, den ich definitiv nicht in der ersten Runde sehe – Anfang bis Mitte 2. Runde wäre meine Einschätzung.
Für die Packers passt er zwar anhand des bombigen RAS super, aber mit seinem Spielstil kann ich ihn mir nicht in Green Bay vorstellen. Gutekunst bevorzugt Spieler, die im Locker Room gute Stimmung verbreiten, mit seinem fehlenden Effort wirkt Cleveland nicht wie so jemand.

Austin Jackson (20, USC)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 322 lbs (146 kg); Armlänge: 34 1/8″ (87 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,73sec; Bench Presses: 27; Broad Jump: 115″ (2,92 m)

Austin Jackson ist ein weiterer athletischer Tackle in dieser Klasse voller Athletik-Freaks. Jackson hat in der Pass Protection eine gute Footwork, was sich definitiv auf seine Qualitäten als Passblocker auswirkt. Viele Snaps gewinnt er ausschließlich durch gutes Positioning und die richtigen Steps zum spiegeln der Moves seines Gegenspielers. Seine sehr beweglichen Hüften tragen da definitiv zu einem enormen Vorteil der Feldposition bei. Wenn seine Hände platziert sind, ist Jackson außerdem ein ganz guter Armwrestler und auch so relativ erfolgreich.
Die gute Footwork-Technik zeichnet sich bei Jackson auch im Runblocking ab, wo er seine Füße gut setzt und dann etwas mehr Power aufbringen kann. Auch hier bringt ihm seine Athletik wieder eine gute Beweglichkeit zusammen mit Speed im 2nd Level, wodurch er dort auch mit Power blocken kann. Als sehr starker Bender wird er einige Runblocks gegen starke DLiner halten können.
Austin Jackson hat am College beide Tackle-Positionen gespielt und ist somit frei einsetzbar und hat einen gewissen Wert als Swing Tackle.

Seine Handwork ist enorm schwach. Er hat keinen guten First Punch, sein Hand Placement dauert entweder zu lange oder ist schlecht und auch seine Handfights gewinnen ihm wenige Passblocking-Snaps. Leider verlässt sich Jackson trotzdem zu häufig auf seine Handwork und wird dann davon enttäuscht, anstatt konstant mit seiner guten Footwork weiterzuarbeiten. Insgesamt ist seine Vision auf dem Feld sehr schwach, er erkennt Blitzes und DLine-Stunts nicht und ist generell ohne klar zugeordneten Gegenspieler etwas aufgeschmissen.
Im Runblocking arbeitet er zwar gut mit den Füßen, verbindet das aber schlecht mit seinen Armen und bringt so trotz 27 Bench Presses sehr wenig Power wirklich beim Gegner an, was dazu führt, dass er selten wirkliche Impact Blocks im Rungame hat.

Insgesamt wird alleine seine Swing Tackle-Option ihm einen wichtigen Platz als OT3 in einem Roster sichern – ob es für mehr reicht, wenn er an seiner Handwork gearbeitet hat, bleibt abzuwarten. Er ist kein Day 1-Starter und auch sonst hat er viel an sich zu arbeiten, ich würde in der Mitte der zweiten Runde über ihn nachdenken.
Ist er an 62 noch da, würde ich hier definitiv zuschlagen. Sein RAS sowie sein junges Alter sollten sehr gut zum Anforderungsprofil der Packers passen – an 30 wäre es mir jedoch viel zu früh. Vielleicht traden die Packers von 62 etwas hoch, sollten sie in der ersten Runde noch keinen Offensive Tackle geholt haben (auch wenn man mit Hochtraden in der zweiten Runde für einen athletischen Tackle mit schwach ausgebildeter Technik bisher keine guten Erfahrungen gemacht hat – Jason Spriggs).

Isaiah Wilson (21, Georgia)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 350 lbs (159 kg); Armlänge: 35 1/2″ (90 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,79sec; Bench Presses: 26; Broad Jump: 110″ (2,79 m)

Bei Isaiah Wilson ist man mit “Andrew Thomas-lite” relativ gut in der Beschreibung, auch wenn es einige Unterschiede gibt. Wilson hat einen größeren und schwereren Frame, ohne dabei an Athletik oder Beweglichkeit zu verlieren. Wilson ist ebenfalls ein typischer Mauler. Im Runblocking macht er mit seinen Gegnern, was er will, denn Wilson bringt die gesamte Power aus knapp 160kg gut am Point of Contact an. Diese Kraft bei allen möglichen Formen von Blocks (Inside, Outside, Vertical, …) ist beeindruckend. Im Rungame stehen Wilson alle Tore offen – “The Sky is the Limit”, wie man so schön sagt.
In der Pass Protection hat Wilson für seinen Frame eine relativ gute Seitwärtsbewegung und eine gute technische Ausbildung in Sachen Hand Placement und Punch bekommen. Seine langen Arme machen seine Fehler wie bei Thomas mehr vergessen, da er Speed Rusher einfach um den Quarterback herum schieben kann, wenn er mal verlieren sollte. Zusätzlich ist er relativ gut darin, verspätet seine Füße noch unter Kontrolle zu bringen, um den Rusher doch noch aufzuhalten, falls er das ursprüngliche Battle wie auch immer verloten hat. Wilson ist sehr gut, wenn er proaktiv in den Passblock gehen darf – das passierte im College vor allem bei Play Action-Spielzügen, wenn er einen Runblock vorgetäuscht hat.

Im Runblocking gibt es so gut wie keine Negativpunkte, denn Wilson macht nichts wirklich schlecht. Er ist für seine Size auch für Zone Runs noch brauchbar, wenn auch natürlich nicht der schnellste in der Bewegung. Der einzige große Kritikpunkt ist sein Power-Overengagement von Zeit zu Zeit – er will zu viel aus dem Gegner rausholen und verpasst es, mit dem Rest der Offensive Line ein Team zu bilden und gemeinsam einen Laufweg offen zu halten.
In der Pass Protection sieht man seinen Unterschied zu Thomas dann doch relativ deutlich. Bei ähnlichen Problem mit Speed Rushern (kommt mit seinen Beinen nicht hinterher) hat er teilweise noch Probleme mit Counter Moves, vor allem ein Counter-Bull Rush bringt ihn häufiger in Verlegenheit, da er einige Zeit braucht, um seine Füße zu setten und Gegendruck aufzubauen. Zugegeben schafft er es häufig noch, sich vor dem Sack zu retten, die Pocket wird da aber doch öfter eng, als man es sich wünscht. Allgemein ist seine Footwork noch sehr roh – auch DLine Stunts bereiten ihm Sorgen, da er sich mit seinen Bewegungen sehr auf seinen aktuellen Gegenspieler fokussiert und dann vom neuen Gegenspieler überrascht wird (das gilt nicht für Blitzer und Support-Blocks, da hat er eine sehr gute Vision!). Außerdem ist Wilson kein sonderlich guter Handfighter, weshalb er sein eigentlich gutes Hand Placement nicht immer durchsetzen kann – und dann hat er häufiger schnell verloren. Seine Länge und sein Körper retten ihn da zwar zeitweise, ein guter Rusher in der NFL wird das aber ausnutzen.

Insgesamt ist Isaiah Wilson noch ein sehr roher Spieler (redshirt-Sophomore) und hat noch einiges vor sich. Eigentlich würde ich ihm noch ein Jahr am College empfehlen, dort könnte er nach dem Abgang von Thomas wohl auch nochmal Left Tackle spielen und in der technischen Entwicklung könnte er hier ebenfalls noch viel lernen. Wilson hat sich aber entschieden, schon dieses Jahr in die NFL zu gehen und so müssen die Teams sein Potential draften, das sehr hoch ist. Mit seinem Frame und seinen bisherigen Traits kann er mit den Top Prospects der OT-Klasse definitiv mithalten, was es verlockend machen wird, für ihn zu reachen. In der aktuellen Situation ist er aber keinesfalls NFL-ready und sein Floor ist damit auch deutlich niedriger. Während ich ihm eine High 3rd Round-Grade geben würde, schätze ich, dass er aufgrund der enormen Upside Mitte der zweiten Runde vom Board gehen wird.
Für die Packers wäre Wilson an sich gut geeignet, wenn man glaubt, dass man ihm die nötige Technik beibringen kann, damit er ein ganz großer wird. Hier könnte er von Bakhtiari lernen und hat im Training mit den Smith Bros enorm starke Gegner, um sich abzurackern. Der Fit gefällt mir, wenn auch seine Athletik nicht perfekt in ein Outside Zone-Scheme passt, denn auch ein alternder Aaron Rodgers könnte Wilsons Anfälligkeiten in der Pass Protection durch gutes Pocket Movement kaschieren – und im besten Fall ist Wilson da deutlich besser geworden, bevor er seinen ersten Start bekommt.

Prince Tega Wanogho (22, Auburn)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 308 lbs (140 kg); Armlänge: 33 1/2″ (85 cm); Handspanne: 10 3/8″ (26 cm)
No Combine (Knieverletzung)

Auch Prince Tega Wanogho ist ein Tackle der athletischen Sorte. Zusätzlich zu seiner guten Athletik kann er eine gute Footwork vorweisen, bei der er gegen jede Art von Moves eine passende Bewegung beisteuern kann. Gerade Speed Rusher sollten für Wanogho wenige Probleme darstellen. Auch seine Handwork ist in Ordnung, wenn auch definitiv noch ausbaufähig, so hat er einen guten First Punch und kann auch danach noch mit 1-2 Hits nachlegen und gewinnt so Kontrolle über den Gegenspieler und seine Balance.
Natürlich funktioniert auch das Runblocking von Wanogho gut in Zone Schemes oder im 2nd Level, wenn auch nicht so gut wie bei einigen Kollegen. Er ist ein guter Bender und gewinnt so den Großteil seiner Runblocks.
Wanogho ist eigentlich Left Tackle, bei Auburn spielte er aber in einigen Sets als zusätzlicher Blocker rechts neben der Line (nominell dann Tight End), wobei seine Leistung dort abnahm – das kann an den Plays liegen, kann aber auch darauf hindeuten, dass er links bleiben sollte.

Wanogho fehlt es definitiv an Power. Wanogho findet selbst im 2nd Level wenig Power und an der Line of Scrimmage ist erst recht wenig Power zu finden. Er kann seine Beweglichkeit nicht in Kraft ummünzen, so ist er in allen Schemes kein sonderlich guter Runblocker. Gleichzeitig hat Wanogho etwas Probleme mit Bull-Counterrushes, da hier seine Fußpositionierung selten perfekt ist und er dann einfach nicht genug Masse hat, um dem Bullrush standzuhalten.
Das Hand Placement ist leider sehr inkonstant und führt vor allem im Rungame immer wieder dazu, dass er sein gutes Bending nicht durchführen kann und er seinen Block verpasst. Durch das schlechte Hand Placement und seine allgemein etwas kürzeren Arme hält er den Gegenspieler nur selten im Block und so können sich viele Verteidiger von ihm lösen und spätestens direkt hinter Wanogho den Tackle setzen. Sowohl im Pass- als auch im Runblock ist seine Vision sehr schwach, er findet nicht die richtigen Gegenspieler zum Blocken und verpasst es auch so, aus seiner Athletik im Second Level etwas mitzunehmen.

Insgesamt beeindruckt Wanogho wirklich nur durch seine gute Footwork und seine Athletik, was leider zu wenig ist, um aus ihm einen wirklich guten Spieler zu machen, jedoch hat er einiges an Potential, in Zukunft mal ein guter Tackle zu werden. Dafür muss er aber definitiv noch einige Kilos an Muskeln zulegen und an seiner Blocking-Technik arbeiten. Mit einem Pick in der zweiten Runde könnte es bei Wanogho schon schwer werden.
Wanogho sah auf der rechten Feldseite doch deutlich schwächer aus, weshalb ich ihn als LT-only einschätze, somit ist er für die Packers eher nichts.

Ben Bartch (21, St. Johns)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 309 lbs (140 kg); Armlänge: 32 7/8″ (84 cm); Handspanne: 9″ (23 cm)
No Combine

Ben Bartch bekam während seines Combines sehr großen Hype, obwohl er an den Drills gar nicht teilgenommen hat. Bartch, der ein konverierter Tight End ist und noch nicht lange als Offensive Tackle spielt, zeigte live seinen Power-Shake aus sieben Rühreiern, einem Becher Hüttenkäse, Grütze, Bananen, Erdnussbutter und (rotem) Gatorade, den er für die Gewichtszunahme verwendet.
Doch neben dieser Showeinlage hat Bartch nicht allzu viel zu bieten. Auch er ist dank seiner Tight End-Vergangenheit sehr athletisch mit guten Slide-Bewegungen in der Pass Protection. Bartch ist ein aktiver Handfighter und damit auch relativ erfolgreich. Sein Punch ist nicht besonders stark, reicht ihm aber im Division III-College aus, vielleicht könnte er hier also noch nachlegen, wenn es nötig wäre.
Im Runblocking kann Bartch durchaus einiges an Kraft aufwenden, wenn er seinen Gegenspieler zum richtigen Zeitpunkt zu fassen kriegt – dieser liegt selten in der Bewegung, sondern meist in der guten Koordination der Streckung von Armen und Beinen, da entwickelt Bartch dann doch einiges an Power, die man seiner Masse nicht unbedingt zutraut.

Doch neben seiner Aktivität in Handfights hat er mit seinen Händen sonst wenig zu bieten. Der angesprochene schwache Punch wird ergänzt von mangelhaftem Hand Placement und schwachem Arm Wrestling. Das wirkt sich auch auf den Runblock aus, denn außer der angesprochenen explosiven Kraft bei der Streckung aus dem Dreipunktstand sehe ich bei ihm viel zu wenig Power im Spiel – und selbst die kann er dann nur bedingt aufrecht erhalten. Neben einem eher schwachen Auge für Blitzes und DLine-Stunts wirkt auch seine Positionierung noch sehr unausgereift und unerfahren. Des Weiteren muss man bei der Sichtung seines Tapes definitiv auf einzelne Traits schauen und darf sich nicht von seinem hohen Erfolg blenden lassen, da er eben nur an einem Division III-College spielte. Im Senior Bowl-Training hatte er zwar vereinzelt auch gute Snaps gegen Division I-Edge Rusher, jedoch war das auch nicht die Topgruppe der Klasse und einzelne Snaps sind wenig aussagekräftig.

Insgesamt ist Bartch noch ein sehr rohes und unausgereiftes Prospect mit einer Menge Upside – die Frage ist hier allerdings, wie hoch diese Upside eigentlich ist. Mit ihm muss man sehr viel Geduld haben und ihn möglicherweise auch zwei Saisons aufbauen, weshalb er definitiv keinen Erst- oder Zweitrundenpick wert ist, da will man in der Regel Spieler haben, die in relativ kurzer Zeit einen Impact machen können. In der dritten Runde könnte seine Zeit gekommen sein, in dieser starken Tackle-Klasse könnte Bartch aber auch schnell untergehen und keiner will sich seiner annehmen, um ihn aufzubauen – Warten bis Tag 3 ist also kein unrealistisches Szenario.
Für die Packers empfinde ich Bartch als zu hohes Risiko für die ersten zwei Tage. Wagner ist nicht für seine 16 Spiele-Saisons bekannt und allgemein sucht man spätestens in 2 Jahren einen Ersatz – eigentlich eher schon fürs kommende Jahr, so viel Zeit ist allerdings nicht da. Wenn er an Tag 3 noch da ist, könnte man ihn als Projekt holen, ansonsten sehe ich ihn aber nicht in Wisconsin.