Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt. Sowohl das Ranking, als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Linebacker. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten drei Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde. Die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Die diesjährige Linebacker-Klasse hat einen der besten Spieler aller Zeiten in ihren Reihen, LB-Safety Hybrid (oder wie ich ihn nenne Defensive Player) Isaiah Simmons. Danach schauen wir mal, wie sich diese Klasse so entwickelt. Die Packers hatten letztes Jahr schon Bedarf auf der Position des Linebackers und haben mit Ty Summers ein Projekt geholt. Leider lief es bei ihm nicht, wie man es sich hätte erhoffen können. Nach dem Abgang von Blake Martinez hat man mit Christian Kirksey ( https://www.packers-germany.de/2020/03/free-agent-signing-profil-lb-christian-kirksey/) einen Veteranen geholt, der den Übergang gestalten soll. Aktuell sind mit Oren Burks, Ty Summers und Curtis Bolton drei Special Teamer/ Backups in den Reihen. Bisher hat keiner von ihnen die Rolle eines Startes gefährden können, obwohl bereits letztes Jahr dringender Bedarf auf dieser Position bestand. Zum Glück sind dieses Jahr einige Spieler dabei die vielleicht mal ein Nummer 1 LB sein können, etwas, was die Packers seit Clay Matthews nicht mehr hatten. Letztes Jahr haben die Packers die Position neben Martinez meist mit einem Safety ausgefüllt, allgemein spielt Pettine sehr gern mit 5 DBs auf dem Feld, darauf werde ich bei den Safeties eingehen. Es wird also ein echter Nummer 1 LB gesucht und/ oder ein LB der ein wenig in Richtung Safety tendiert um Raven Greene zu ersetzen..

Isaiah Simmons (21, Clemson)

Größe: 6´4″ (1,95 m); Gewicht: 238 lbs (108 kg); Armlänge: 33 3/8″ (85 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24,5 cm)
40 Yard Dash: 4,39u sec; No Bench Press; No 3 Cone Drill; Vertical Jump (VJ): 39″; Broad Jump (BJ): 132″

Einige nennen ihn Safety, einige Linebacker, es ist egal. Der Junge ist unfassbar gut. Deep Safety, Nickelback, Off-Ball Linebacker, Edge Rusher, er hat alles gespielt und war überall verdammt gut. Er ist Derwin James in groß und besser. Eine seiner besten Rollen ist als QB Spy, wo er in der Mitte des Feldes bleibt und einfach machen darf und dann liefert er ab. Mir gehen wirklich die Superlative aus, um ihn zu beschreiben. Es gibt Szenen, wo die Clemson Defense eine Cover 3 spielt mit ihm als Deep Safety, wo startet er? An der LoS. Trotzdem ist er rechtzeitig in seinem zugewiesenem Bereich. Sollte er in die AFC North, kommen wird Lamar Jackson aber so überhaupt keinen Spaß mehr haben, denn Simmons frisst Option Plays einfach. Tyreek Hill könnte ihm in der Man Cover davonlaufen, aber alles was danach kommt wird ihm nicht entkommen, no way, dafür ist er zu schnell.

So ganz perfekt ist er aber doch nicht, denn laut Lance Zierlein hat er immernoch Schwierigkeiten als inside Linebacker, seine (vermutlich) fest zugewiesenen Assignments zu lesen und adäquat darauf zu reagieren. Mir ist aufgefallen, dass er ein wenig Probleme damit hat, auf schnelle Richtungswechsel zu reagieren, da wirkt er etwas stacksig. Auch passiert es ihm, dass er an Gegenspielern vorbeifliegt, weil er zuviel Speed aufbaut und einen falschen Winkel zum Ballträger nimmt.

Insgesamt ist Simmons der beste Safety, der beste Linebacker und der beste Spieler dieser Klasse, seine Variabilität kommt aber auch mit einem Preis: Er muss richtig eingesetzt werden. Sollte er zu einem Team kommen, welches nicht kreativ genug ist, um ihn sich entfalten zu lassen, könnte ihm ein Schicksal wie Minkah Fitzpatrick drohen. Vermutlich sollte er sich auch auf bestimmte Bereiche konzentrieren und dafür die anderen in ihrem jetzigen Zustand lassen. Deshalb habe ich ihn auch bei den Linebackern einsortiert, hier muss er noch ein, zwei Sachen lernen und könnte von der LB Position aus in verschiedene Matchups geschickt werden oder als Blitzer/QB Spy den QB unter Druck setzen. Aber genauso gut könnte man ihn als Safety spielen lassen und wie James in bestimmten Situationen nach vorne holen, dann hätte man den Vorteil, die Schwächen, die Simmons als LB hat, nicht angehen zu müssen und er wäre noch freier in seiner Aufgabenwahl.
Zu den Packers würde Simmons unfassbar gut passen, okay in der Theorie passt er zu jedem Team, aber er wird leider lange, bevor die Packers dran sind, gedraftet werden. Ich nehme es hier schon mal vorweg: Wenn ihr euch fragt, wie ein Safety sein muss, um in Pettines Schema als zweiter Linebacker aufzulaufen: Simmons ist der Idealzustand.

Kenneth Murray (21, Oklahoma)

Größe: 6’2″ (1,89 m); Gewicht: 241 lbs (109 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 9 1/2″ (24 cm)
40 Yard Dash: 4,52sec; Bench Press: 21; No 3 Cone Drill; VJ: 38″; BJ: 129″

Kenneth Murray ist ein Leader auf Feld. Ich habe lange überlegt, ob ich Queen oder ihn an Position zwei hinter Simmons setze. Entschieden habe ich mich für Murray, weil er der etwas klassischere Middle Linebacker im Vergleich zu Queen ist. Er spielt mit einer Einstellung, die beeindruckend ist. Seine Speed auf dem Feld ist richtig stark, er hat überhaupt keine Probleme, das Feld Sideline-to-Sideline abzudecken. Seine Tackles sind stark, er kann jedes Tackling machen und mit seinen langen Armen auch mal einen Spieler von den Füßen holen, der eigentlich schon weg ist. Seine Kontrolle ist sehr sehr gut, egal ob gegen den Lauf oder als Blitzer – immer wieder duckt oder dreht er sich an der Oline vorbei und stoppt den Ballträger mit einer Wucht, die Spuren hinterlässt. Hierbei hilft ihm auch sein Burst, egal ob aus dem Stand oder in Bewegung, wenn er sich entscheidet “Jetzt muss ich”, holt er eine Beschleunigung raus, die Gegner immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt.

Was beim Anschauen von ihm auffällt ist, dass seine Speed ihn aber auch gerne mal am Gegner vorbeiträgt. Gegnerische Offensiven hatten einigen Erfolg, ihn mit Play Action in die falsche Richtung zu schicken. Auch hat er wenig in Man Coverage gezeigt, er ist zwar schnell, aber mehr auch nicht. Hier muss man aufpassen sollte er in ein Matchup mit einem halbwegs mittelmäßigen Route Runner kommen, wird er es verlieren. Zum Schluss: Er hat ein Problem, Blocker von sich fernzuhalten, aufgrund seiner Speed/Körperkontrolle schafft er es im College einfach, die Blocker stehen zu lassen, sobald er in den Handfight muss, gehen ihm aber sehr schnell die Mittel aus und er verliert auch gegen nicht ganz so gute Spieler.

Alles in allem ist er meine Nummer zwei in dieser Draftklasse, er hat seine Stärken eindeutig in der Box und gegen den Lauf, ihn sollte man auf keinen Fall in Manndeckung schicken und auch nicht allzu tief in eine Zone. Er hat definitiv noch Dinge, die verbessert werden müssen, aber seine Erfahrung aus dem College (laut Brugler von “The Athletic” hat er die Calls für Oklahoma gemacht) und seine Mentalität, mit der er auf dem Platz steht, machen ihn zu einem echten Nummer 1 LB.
Zu den Packers würde er sehr gut passen, auch liegen die Packers mit Platz 30 ziemlich nah an meiner Note für ihn ( Runde 1-2). Murray wäre jemand, der sofort übernehmen könnte und wir hätten ein dickes Upgrade in der Mitte unserer Defensive (im Vergleich zu Martinez und Kirksey).

Patrick Queen (20, LSU)

Größe: 6″ (1,83 m); Gewicht: 229 lbs (104 kg); Armlänge: 31 5/8″ (80 cm); Handspanne: 10″ (25,4 cm)
40 Yard Dash: 4,5sec; Bench Press: 18; No 3 Cone Drill; VJ: 35″; BJ: 125″

Die 2b in dieser LB Klasse ist Queen. ich weiß, warum ihn einige höher ranken als Murray, und ich denke, man macht mit keinem der beiden in der ersten Runde etwas falsch. Queen ist noch ein bisschen athletischer und flüssiger in den Bewegungen als Murray. Im Grunde trifft vieles, was auf Murray zutrifft, auch auf ihn zu. Wo sie sich unterscheiden, ist bei Queens Stärke gegen das Passspiel, er ist dort einfach besser als Murray. Queen kann ohne Probleme in die Manndeckung geschickt werden und man muss sich keine Sorgen machen. Auch in der Zonenverteidigung ist er mit einem tollen Instinkt ausgestattet, der es ihm erlaubt, immer wieder Pässe abzufangen. Viele große Draft-Experten bescheinigen ihm einen extrem hohen Football IQ.

Wo liegen seine Schwächen bzw warum hab ich ihn dann trotzdem unter Murray? Zum einen ist sein Tackling nicht so stark wie das von Murray (aber immernoch besser als viele viele andere), er hat eine offensichtlich Schwäche gegen Stiff Arms und seine Winkel bei der Verfolgung sind selten gut. Er kann sich wie Murray nicht gut wehren, wenn ein Blocker an ihm dran ist, beide sind es gewohnt, um die Blocker drumrum zu laufen, als sie mit ihren Händen zu besiegen und er ist dort nochmal schlechter als Murray. Zum Schluss muss man noch erwähnen, dass er es nicht geschafft hat, Anfang 2019 Michael Divinity als Starter zu verdrängen, obwohl er die letzten Spiele der 2018er Saison gestartet ist (Quelle Marino, TDN) und er erst Starter wurde, als dieser wegen Regelverstößen nicht spielen durfte. Divinity ist dieses Jahr auch im Draft, hat aber Glück, wenn er überhaupt ausgewählt wird.

Zusammenfassend kann man sagen: Queen ist der bessere LB, wenn es gegen den Pass geht, Murray gegen den Lauf und er hat meiner Meinung nach die bessere (“bösere”) Präsenz auf dem Platz. Upside dürfte dann wieder knapp Queen vor Murray sein. Beide sind aber deutlich die besten Linebacker in diesem Draft, wenn man Simmons auslässt. Beide haben die gleiche Note von Runde 1-2 während der nächste Linebacker eine Note von Anfang Runde 3 bekommen hat.
Zu den Packers würde Queen als Nummer 1 LB definitv passen, auch wenn er Zeit bräuchte, um besser gegen den Lauf zu werden. Am Anfang wäre er wohl ein winziges Stück schlechter als Martinez gegen den Lauf, aber dafür um Welten besser gegen den Pass.

Markus Bailey (23, Purdue)

Größe: 6″ (1,83 m); Gewicht: 235 lbs (106 kg); Armlänge: 32 1/2″ (82,5 cm); Handspanne: 9 3/8″ (24 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Press: 15; No 3 Cone Drill; No Jumps

Die Wildcard im Draft. Er hat eine gute Agilität, Change of Direction bereitet ihm selten Probleme. Er spricht sehr viel mit seinen Nebenleuten, auch während eines Spielzugs. Er hat regelmäßig in Manndeckung gegen Tight Ends gespielt und hat das ganze gut gelöst. Auch in der Zonendeckung war er immer gut. Seine Tackles sind ebenfalls auf gutem Niveau. Er hat die Sideline to Sideline-Range definitv, trotzdem versteht er den Sinn von zugewisenen Gaps und spielt seine Gaps sehr konsequent. Er vermeidet niemals Kontakt, aber ist smart genug, um Blocker zu antizipieren und ihnen auszuweichen.

Grundsätzlich ist er gut in der Passverteidigung, aber er hatte in Manndeckung gegen WR teilweise deutliche Probleme und seine periphäre Sicht ist nicht so, wie man es sich wünschen würde, er dreht zuviel den Kopf und verliert dadurch Gegner aus den Augen. Auch hat er keinen soliden Handfight, sprich gegen Blocker oder im Pass Rush kann er sich nicht mit seinen Händen vom Gegner lösen und an diesem vorbeikommen. Was auffällt, ist ein merkbar Abfall seiner Reaktionsgeschwindigkeit von seinen Freshman/Sophomore Jahren zu seinen Spielen in der Senior Saison. Auch hat er zwar Speed, er ist aber nicht explosiv.

Insgesamt wäre Bailey eigentlich nach Queen und Murray der dritte Linebacker im Draft und der einzige mit einer glatten Runde 2 Note. ABER seine ersten Saison im College hat er als Redshirt verbracht, da er sich das linke Kreuzband gerissen hat. Nach seiner Junior Saison wurde er an der Hüfte operiert und seine Senior Saison war nach drei Spielen beendet, weil er sich das rechte Kreuzband gerissen hat. Grundsätzlich ist er das Komplettpaket, welches man in der heutigen NFL sucht, seine Verletzungen sind ein aber, ein richtig richtig großes ABER. Deswegen wird er im Draft fallen, ich tippe auf mindestens zwei Runden. Es sei denn ein Team konnte ihn medizinisch durchchecken und ist sich sicher mit ihm. Dann landet dieses Team mit ihm den Steal dieses Drafts (wenn er gesund bleibt).
Ich würde ihn sehr gern in Green Bay sehen, weil sein Skillset ideal ist, um bei den Packers den Nummer 1 Linebacker zu geben. Die Frage ist: Geht man dieses Risiko ein und wenn ja, wann? Sollte er in Runde 5 noch da sein muss man meiner Meinung nach hochtraden ihn zu holen, aber Runde 4 ist definitiv diskutabel.

Zack Baun (23, Wisconsin)

Größe: 6’2″ (1,89 m); Gewicht: 238 lbs (108 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24,5 cm)
40 Yard Dash: 4,65sec; Bench Press: 24; 3 Cone Drill: 7 sec; VJ: 32.5″; BJ: 115″

Baun spielt bei Wisconsin eigentlich als Edge, aber im Draftprozess wurde immer wieder aufgeführt, er könnte bei den Profis eine Umschulung zum Linebacker durchlaufen. Die Gründe dafür sind: Er droppt bereits viel in Coverage und macht das auch auf einem ansprechendem Niveau. Er hat einen extrem hohen Football IQ und kann diesen auch sehr gut auf das Feld bringen. In Kombination mit seiner sehr guten Beschleunigung und sehr guten Agilität kann er auf Entwicklungen im Spiel schnell reagieren und sich öffnende Lücken und Wege schließen. Ebenfalls gut ist, wie er mit seinen Händen und seiner Armlänge arbeitet, um Blocker von sich fernzuhalten und eine Seite der Oline zuzumachen. Im Pass Rush hat er ein-zwei Methoden, um Gegner zu schlagen, aber im Allgemeinen ist er am erfolgreichsten, wenn er durch Lücken Rushen kann und sich nicht am Gegner vorbeiarbeiten muss. Ein weiterer positiver Faktor ist sein Motor, der permanent bei 200% Leistung zu liegen scheint.

Eine Sache, wo es bei ihm hapert, ist, wenn er gegen die Oline arbeiten muss, er kann sie auf Abstand halten, aber wenn sie dran sind, ist es für ihn meist vorbei. Er hat kaum Mittel, sich mit seinen Händen zu befreien. Auch hat er einen Hang dazu, von Blockern auf den Boden befördert zu werden. Allgemein wirkt seine Athletik eher durchschnittlich und auch seine Physis ist auf der Minus-Seite von durchschnittlich (gemessen für Edge Rusher). Allgemein wirkt sein Passrush nicht sehr überragend und er holt viel raus, wenn er durch Lücken stößt.

Insgesamt wird es interessant zu sehen, wo er letztendlich landet und wie er dort eingesetzt wird. Ich denke, er bräuchte auf jeden Fall ein kreativen Koordinator, der weiß, wie er ihn einsetzt (Patriots wären zum Beispiel sehr passend), Pettine traue ich dies aber auch zu. Leider hatte er auch schon zwei schwere Verletzungen, er hat sich nämlich zweimal den linken Fuß gebrochen, daher ist auch hier ein Restrisiko, welches in aus der zweiten Runde herausfallen lassen könnte. Oben habe ich geschrieben Bailey ist der einzige LB mit einer glatten Runde 2 Note, dies stimmt nur teilweise, denn auch Baun bekommt eine glatte Runde 2 als Note, er ist aber noch ein Edge, der aber von einer Umschulung profitieren könnte.
Zu den Packers würde Baun passen, denn als Linebacker in Pettines System bekommt er immer wieder Möglichkeit, aus der Mitte heraus Druck auf den Quarterback zu machen, und er hat das Spielfeld vor sich und könnte so mit seinem Burst und Football IQ Lücken stopfen. Mit ihm hätte man auch eine gewisse Variabilität, was den Nebenmann angeht, da Baun auch ausreichende Qualitäten gegen das Passspiel mitbringt.

Troy Dye (23, Oregon)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 231 lbs (105 kg); Armlänge: 32 1/4″ (82 cm); Handspanne: 9 3/8″ (24 cm)
No Combine

Die konvertierte Safety (als Safety/WR von der Highschool gekommen, aber in Oregon sofort umgeschult worden) hat mich insbesondere mit seiner “Playmaking Ability” überzeugt, man sieht ihm seinen Hintergrund an, er bewegt sich unheimlich geschmeidig und schnell. Gerade wenn es Richtung Seitenlininen geht, kann er immer wieder Big Plays machen. Sein Tackling ist hervorragend, er nutzt seinen ganzen Körper und seine langen Arme, um die Ballträger zu stoppen, dank seiner Geschwindigkeit auch noch tief nach der LoS. Sein Gefühl für Zonen in der Passverteidigung ist herausragend, auch in Manndeckung kann er sich behaupten. Er kommuniziert sehr gut und Extravaganzen der Offensive liest und erkennt er schnell. Er ist auch intelligent genug, um adäquat darauf zu reagieren. Auch wie er sich auf dem Feld verhält, ist vorbildsmäßig.

Was beim Anschauen von Dyes Tape sofort auffällt, ist die fehlende Physis. Er kommt über Athletik und Speed. Er hat einen sehr schmalen (muskulösen) Körperbau und verhältniswenig Masse. Er hat immer wieder Probleme, wenn er gegen massige/kräftigere Gegner spielen muss. Auch gegen Blocker hat er noch kein probates Mittel gefunden, er bleibt zu lange an ihnen kleben. Seine Erkennung von Gaps ist noch zu inkonstant.

Insgesamt ist Troy Dye für mich einer der besseren Passverteidiger LB in diesem Draft. Er hat definitiv noch Potential nach oben, insbesondere gegen den Lauf. Er wäre aber absolut passend, um die zweite Position, die standardmäßig von Greene abgedeckt wird, mit einem Linebacker zu füllen. Andererseits müsste man, wenn man ihn als Nummer 1 aufstellt, am Anfang einen LB zur Seite stellen, der seine Stärke gegen den Lauf hat. Im zweiten oder dritten Jahr dürfte er aber alleine starten können.
Wann Dye gedraftet wird, daran scheiden sich die Geister. Ich habe bei ihm eine Note Anfang Runde 3/Ende Runde 2 gegeben. Sprich: Wenn er an 62 noch da, ist muss er genommen werden, bis zur 94 wird er wahrscheinlich nicht fallen. Mit Kirksey hätte man einen Veteranen mit ähnlichem Skillset, der ihm bestimmt gut helfen könnte, sein Spiel an die NFL anzupassen. Auf der anderen Seite hat man mit Burks bereits einen gleichen LB-Typ im Kader, nur ist Dye mindestens eine Klasse besser. Für mich persönlich wäre er ein Traumpick in Green Bay, wenn man in der ersten Runde mit einem Offensive Tackle geht. Ich sage aber: Auch mit einem Dye-Pick sollte man später noch einen Run Stopper holen (LB oder Defensive Line).

Jordyn Brooks (22, Texas Tech)

Größe: 6″ (1,83 m); Gewicht: 240 lbs (109 kg); Armlänge: 32 7/8″ (83,5 cm); Handspanne: 9 1/8″ (23 cm)
40 Yard Dash: 4,54sec; No Bench Press: ; No 3 Cone Drill; No Jumps

Als QB Spy schafft er es sehr gut, diesen zu spiegeln und seine Augen im Backfield zu lassen. Wenn er blitzt, schafft er es, sollte er nicht durchkommen, sehr gut seine Arme nach oben zu bringen, wenn der Pass kommt. Mit seiner guten Beschleunigung ist er erfolgreich als verzögerter Blitzer. Wenn er ein gutes Tackling macht, dann ist es sehr gut und mit sehr viel Pop. Sein Motor steht außer Frage, der läuft immer auf Anschlag.

Er hat ein Problem, Spielzüge zu lesen, und versucht trotzdem, erst zu lesen und dann auf den Ballträger zu reagieren, statt den Laufweg zu antizipieren und die richtige Gap nimmt er trotzdem nicht immer. Ihm fehlt es an Top-Speed für eine Sideline to Sideline Range. Tackling ist ziemlich durchschnittlich und kaum konstant. Sobald Blocker an ihm dran sind, braucht er ewig und drei Tage, um sich von diesen zu lösen. Er navigiert ziemlich schlecht durch den Verkehr, um zum Ballträger zu gelangen. Auch seine Agilität bzw Wendigkeit ist sehr mies.

Als Note hat er von mir eine Runde 3 mit Tendenz nach unten bekommen. Allgemein wirkt er im Spielfluss ein wenig besser, als er es hier in der Beschreibung tut. Er wird Abnehmer finden, die einen Runstopper in der Mitte suchen, der nebenbei auch noch blitzen kann.
Zu den Packers würde er theoretisch passen, denn auch Pettine nutzt seine Linebacker sehr gern, um aus der Mitte heraus Druck zu bringen. Brooks würde sich aber weniger als Staubsauger hinter der Dline eignen, da seine Neigung, nach vorn durch eine Lücke zu schießen, zu groß sein wird. Auch bräuchte man dann einen Nebenmann, der die Passverteidigung übernimmt.

Malik Harrison (22, Ohio State)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 247 lbs (112 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
40 Yard Dash: 4,66sec; Bench Press: –; 3 Cone Drill: 6.83 sec; VJ: 36″; BJ: 122″

Was bei ihm auffällt ist, wie gut er von Blockern wegkommt. Egal ob an der LoS oder irgendwo auf dem Feld, Blocker schaffen es selten, ihn lange zu beschäftigen. Beim Tackling hat er eine sehr effektive Methode, die Gegner zu Boden zu ringen. Er bleibt auch sehr diszipliniert, was seine Rollenverteilung angeht. Er hat bereits viel Erfahrung als Linebacker und auch in Coverage.

Was mir bei ihm nicht gefällt, ist die fehlende Übersicht. Er macht seine Aufgabe, aber reagiert nicht auf das, was um ihn herum passiert. Er ist sehr anfällig für Trickspielzüge und seine Entscheidungsfindung ist auch langsam und dazu nicht immer richtig. Seine Coverage ist leider nur mittelmäßig, in Manndeckung sollte er am besten gar nicht geschickt werden. Seine Athletik ist auch tendenziell schlecht, seine Blitzes ein ständiges Auf und Bb.

Keiner für die Packers, grundsätzlich wirkt er auf dem Feld wie ein später Day 2 Pick, aber ich sehe ihn eher in einer 4-3 Defensive, wo er zwei Nebenmänner hat, die für ihn die Coverage abdecken und er sich voll auf die Laufverteidigung konzentrieren kann.

Akeem Davis Gaither (22, Appalachian State)

Größe: 6’1″ (1,86 m); Gewicht: 224 lbs (101 kg); Armlänge: 32 1/8″ (81,6 cm); Handspanne: 9 1/2″ (24 cm)
Nur Bench Press: 21

Sehr geschmeidig in den Bewegungen, seine Top Speed und Beschleunigung sind sehr gut. Er hat eine gute Agilität und kann auch entsprechend auf Richtungswechsel reagieren. Er kann richtig gute Tacklings abliefern. Seine Manndeckung wirkt schon gut, er hat trotzdem noch viel Potential nach oben. Er hat bereits einen sehr guten Instinkt für den Ball gegen den Pass. Dank seiner Körperkontrolle schafft er es sehr gut, Blockern auszuweichen und an ihnen vorbeizuschlüpfen.

Was beim Anschauen von ADG auffällt, ist seine Physis, die eigentlich eher Safety als Linebacker schreit. Dementsprechend muss man schauen, ob sein Platz in der NFL wirklich noch in der Front Seven ist. Er hat noch ein wenig Probleme, seinen Speed anzupassen und es trägt ihn manchmal an Gegnern vorbei, ohne dass er etwas ausrichten kann. Er hat auch keine Mittel, um Gegner in Handfights zu besiegen. Sein Tackling ist noch zu inkonstant und er könnte in der NFL Probleme bekommen, Gegner mit mehr Power zu stoppen. Es kann ihm passieren, dass er im Verkehr umhergeschubst wird, dort muss noch einen Weg finden, effektiv durchzukommen.

Insgesamt ist Akeem Davis-Gaither ein Projekt, er hat eine sehr gute Athletik, wenn es um Geschwindigkeit und ähnliches geht, aber ihm fehlen Masse und Power. Er hat einige Traits, die ihn vielversprechend machen, aktuell ist er einfach nur eine größere Version von Greene.
Zu den Packers würde ADG als Projekt passen, wenn man an dem Konzept eines richtigen Linebackers in Kombination mit einem Coverage Spieler treu bleiben will. Als Note hat er als letzter gerade noch so eine Runde 3 bekommen.

Jacob Phillips (21, LSU)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 229 lbs (103 kg); Armlänge: 32 3/8″ (82 cm); Handspanne: 10″ (25,4 cm)
40 Yard Dash: 4,66sec; Bench Press: –; 3 Cone Drill: 7.38sec; VJ: 39″; BJ: 126″

Der Partner von Queen ist leider deutlich sichtbar ein Stück schlechter als dieser. Trotzdem hat er seine Qualitäten. Er wirkt grundsätzlich sicher, wenn er in eine Zone droppt. In Manndeckung fehlt ihm ein wenig die Wendigkeit. Seine Tacklings sind durchschnittlich gut. Er ringt seine Gegner sehr effektiv zu Boden. Sobald er einen Ballträger ins Auge gefasst hat, kann dieser im Grunde das Play aufgeben, denn Phillips wird ihn sich mit seiner Geschwindigkeit holen.

Trotz seiner Speed und seiner Qualität, den Gegner gerade aufzunehmen, hat er erstaunlich wenig “Boom” in seinen Tacklings. Allgemein fehlt es ihm an Beweglichkeit, um auf Cuts, Fakes oder allgemein Tricks zu reagieren, dort spielt auch sein langsamer Football IQ mit rein. Es dauert teilweise ewig, bis er Playfakes mitbekommt und sich adjustiert.

Man muss sagen: Phillips wirkt im Vergleich zu Queen doch deutlich schlechter und das spiegelt sich auch in der Note (Runde 5) wieder. Er hat einige Qualitäten, auf denen man aufbauen könnte, aber dies wird Zeit brauchen. Einige Scouts sind der Meinung, er wäre aber eine gute Addition zu den Special Teams, aufgrund seiner Straight Line Abillity.
Die Packers müssten schauen, ob sie ein weiteres Projekt aufnehmen wollen, als Ergänzung zu einem frühen LB-Pick wäre er eine Überlegung wert, aber auf keinen Fall als einiziger LB-Pick.

TJ Brunson (22, South Carolina)

Größe: 6´1″ (1,86 m); Gewicht: 230 lbs (104 kg); Armlänge: –; Handspanne: —
No Combine

Ich finde, er navigiert gut durch den Verkehr in der Box. Außerdem hat er eine gute Beschleunigung und kann dieses in Tackles ummünzen, sein Tackling ist auf der guten Seite von durchschnittlich. Ebenso sein Handfight, wo er sich gegen einige durchsetzen kann, aber eben nicht gegen die guten. Aufgrund seiner Übersicht kann er immer wieder gute Angles in der Verfolgung nehmen. Seine Coverage ist in beiden Bereichen limitiert gut, definitv nicht im Top Bereich, aber für seinen Draftstatus schon gut.

Wo er sich verbessern muss ist bei Play Fakes, damit konnte ihn jeder komplett aus dem Spielzug rausnehmen. Ihm fehlt leider zum einen ein wenig Physis für die Linebacker Position und ihm fehlt Top Speed. Seine Tacklings sind zwar gut, aber verpasst leider viel viel viel zu viele. Auch hat er kaum Mittel, Blockern etwas entgegen zu setzen.

Insgesamt ist er für einen mittleren Tag 3 Pick (Note: Runde 6) ganz in Ordnung. Trotzdem wirkt er auf dem Feld noch bei weitem nicht auf dem Niveau, um in der NFL als Starter zu fungieren.
Zu den Packers würde generell schon passen, er hat solide Ansätze gegen Pass und gegen den Lauf hat er vielversprechende Ansätze. Aber er wäre wieder jemand, der Zeit braucht, und deswegen würde ich eher sagen, er wird nicht von den Packers gedraftet.