Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt, sowohl das Ranking als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der interior Offensive Line. Hier werden sowohl Guards als auch Center aufgezählt. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten 3 Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde, die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Die Green Bay Packers haben keinen akuten Bedarf in der Mitte der Offensive Line, aber Center Corey Linsleys Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Zum Zeitpunkt dieses Artikels haben die Packers mit Taylor, Turner und Jenkins drei Spieler mit Startererfahrung auf den Guard Positionen im Roster und mit Lucas Patrick einen soliden Backup-Center. Man würde also einen perspektivischen Starterersatz auf der Centerposition suchen oder jemanden, der den Platz als dritten Guard von Taylor übernimmt, sollte dieser aufgrund der Cap-Situation noch entlassen werden. In der aktuellen Situation rechne ich nicht mit einem Pick vor der fünften Runde. Auch ist anzumerken, dass kein Spieler eine Runde 1-Note bekommen hat.

Cesar Ruiz (20, Michigan)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 307 lbs (139 kg); Armlänge: 33 1/8″ (84 cm); Handspanne: 11″ (28 cm)
10 Yd Split: 1,77sec; Bench Presses: 28; Broad Jump: 113″ (2,87 m)

Cesar Ruiz ist der beste Spieler im Draft dieser Gruppe. Physisch ist er einfach beeindruckend, bei ihm ist alles vorhanden: Kraft, Masse, Balance, Mobilität und Speed. Was er gut macht, ist sein Progress vom Gegner in der DLine zum nächsten im Second Level (First Level: DLine/Edge, Second Level: LB, Third Level: CB/Safety). Wenn er sein erstes Duell gewinnt, kommt er auch dort zu einem schnellen und effektiven Block. Aufgrund seiner sehr guten Mobilität, ist es für ihn ein Leichtes, als Center bei Screens oder ähnlichen Spielzügen nach dem Snap dem RB oder WR den Weg freizuräumen.

So gut sein Progress im Verlauf des Spielzugs auch sein kann, wenn er dieses erste Duell nicht gewinnt, bekommt er einen Tunnelblick und sieht nur noch diesen einen Gegner vor sich. Auf Entwicklungen und die anderen Spieler im Feld reagiert er dann gar nicht mehr. Er hat auch ein Problem, wenn er gegen Spieler antreten muss, die wissen, wie sie ihre Hände einsetzen, um die Blocker zu schlagen. Dann ist sein Limit sehr schnell erreicht. Dort spielt auch seine Armlänge mit rein, denn diese ist vergleichsweise kurz und dies merkt man deutlich gegen lange DTs. Diese haben ein Leichtes, ihn mit ihren Armen auf Distanz zu halten. Was man merkt und mich stört, ist seine phasenweise Verweigerung, Technik zu benutzen. Er bevorzugt es einfach, mit seiner Kraft/Masse/Athletik-Kombination den Gegenspieler aus dem Weg zu räumen.

Insgesamt ist Cesar Ruiz ein solider Spieler, der auch in der NFL für die nächsten Jahre ohne Probleme starten dürfte, egal ob das Team ihn als Center oder Guard sieht. Auch schematisch wird es für ihn keine Probleme geben, er hat die Masse und Kraft für ein Gap/Power Schema und ist dabei mobil genug, um in einem Zone Schema zurecht zu kommen. Als sehr junger Spieler, der in die NFL kommt, kann sein aufnehmendes Team ihn auch noch formen und vielleicht einige Sachen ausbügeln. Für die Packers würde er schon passen, aber man müsste ihn vermutlich mit dem 30. Pick nehmen und das ist für ihn ein kleines bisschen zu hoch.

Tyler Biadasz (Wisconsin)

Größe: 6’4″ (1,95 m); Gewicht: 314 lbs (142 kg); Armlänge: 32 1/4″ (81,9 cm); Handspanne: 10″ (25,4 cm)
Kein Combine

Von vorne bis hinten Wisconsin-typisch gut ausgebildet. Nach vier Jahren als Starter auf der Center Position gibt es wenig, was er noch nicht gesehen hat. Man bekommt mit ihm jemanden, der das Feld sehr gut im Blick behält und weiß, wie er seine Line und sich selbst koordiniert. Seine Armextension ist gut und er kann die Gegner gut auf Distanz halten und dirigieren, wie er es haben will. Seine Handtechnik wird selten geschlagen und mit seinem Punch kann er sich häufig in gute Positionen bringen. Seine Fußarbeit ist sehr gut, er weiß, wie er sich bewegen muss und wo er seine Füße setzt. Er hat genügend Speed, um zu recovern, wenn er mal geschlagen wurde. Im Second Level leistet er meist gute Arbeit, dank seiner Übersicht setzt er seine Blocks klug und auch Stunts und Fakes der DLine sind kein Problem für ihn. Seine Double Team Blocks sind top, er weiß sehr gut, wie und wann er welchem Nebenmann helfen muss.

Was man bemerkt, ist seine limitierte Athletik. Er macht viel über seine Technik wett, aber sie ist deutlich sichtbar. Sei es wenn er auf Gegner trifft, die ihn schlicht überpowern und er bei Pulls oder Blocks im Second Level einfach einen Schritt zu langsam ist, um seine Blocks zu setzen. Auch schafft er es nicht immer, einen Anker in der Pass Pro zu setzen, was zusammen mit seiner Kraftlimitierung zu gefährlichen Situationen führt. Vor 2019 hatte er eine Hüft OP, kam zurück und spielte alle Spiele. Nach der 2019 Saison hatte er eine arthroskopische Operation am Schultereckgelenk ( https://www.posmc.com/specialties/shoulder-surgery/arthroscopic-acromioclavicular-ac-joint-separation-repair/ ).

Er hatte mal Erstrunden Hype, gerade nach seinem 2018er Tape, welches besser ist als das 2019. Dies wird vor allem auf seine Verletzung vor der 2019er Saison geschoben. Von dem, was man im 2019er Tape sieht, ist er ein Zweitrunden-Pick mit geringer Upside. Aufgrund der Kombination der Regression von 2018 zu 2019 und den Verletzungen, müsste ich ihn eigentlich 1-2 Runden tiefer einstufen, als ich ihn hier einordne. Wenn ein Team an ihn glaubt und sofort Hilfe auf Center braucht, ist er einen Pick in Runde 2 wert. Es kann aber gut sei, dass er bis in Runde 4 fällt. Vom Skill ist er einer für die Packers, ABER die Packers dürfen ihn nicht nehmen. Er muss ein Plug and Play Pick sein, denn ich befürchte, seine Karriere könnte von nicht allzu langer Dauer sein.

Lloyd Cushenberry (22, LSU)

Größe: 6´3” (1,92 m); Gewicht: 312 lbs (141 kg); Armlänge: 34 1/8″ (86,7 cm); Handspanne: 10 3/8″ (26,3 cm)
10 Yd Split: 1,83sec; Bench Presses: 25; Broad Jump: —

Joe Burrows Center besticht durch einen sehr guten Punch, der seine Hände immer wieder in die richtige Position bringt. Seine Balance ist ein weiteres Plus. Er setzt einen guten Anker, der ihm gegen stärkere Gegner hilft, seine Position zu halten. Sein Bend in den Knien und an der Hüfte bleibt schön tief. Seine Fußarbeit wirkt sehr kontrolliert und sicher. Er weiß, wo er seine Füße setzt und das gibt ihm Sicherheit. Er bewegt sich auch im Second Level kontrolliert und kann gute Blocks setzen. Gegen schwächere DLiner sowie die meisten Linebacker kann er auch vertikalen Push erzeugen.

Was mir nicht gefällt, ist seine seitliche Beweglichkeit. Diese wirkt limitiert und das nicht aufgrund von technischer Schwächen, sondern aufgrund seiner Hüfte. Seine Power an der LoS ist schwach, er braucht Hilfe, um seine Gegner von der LoS wegzuschieben. In Folge dessen passiert es ihm, dass er in Gegner reinspringt, um sich einen Vorteil zu schaffen. Ein Verhalten, welches im College funktioniert, aber in der NFL bestraft wird. Er muss auch darauf achten, seine Füße während eines Spielzuges nicht zu vergessen, wodurch er aus der Balance gerät und seine Gegner ein Leichtes haben, seitlich an ihm vorbeizukommen. Sollte er mal beim Snap geschlagen werden, ist es vorbei für ihn, er hat keinerlei Möglichkeiten sich neu zu positionieren und den Gegner noch zu stoppen.

Cushenberry ist meines Erachtens nach noch nicht auf dem Level, auf dem sich Biadasz und Ruiz befinden, aber er hat auf jeden Fall mehr Upside als Biadasz. Es könnte aber einige Zeit brauchen, um herauszufinden, wo und wie er am besten eingesetzt wird, denn er lässt sich keinem Schema zu 100% zuordnen. Er befindet sich irgendwo in der Grauzone. Sein Skillset und wie er auf dem Feld wirkt, würde ich mit einer Zweitrunden-Note mit Tendenz zur dritten Runde bewerten.
Zu den Packers würde Cushenberry schon passen, es kommt darauf an, ob man langfristig mit Linsley plant oder nicht.

Shane Lemiuex (22, Oregon)

Größe: 6’4″ (1,95 m); Gewicht: 310 lbs (140 kg); Armlänge: 32 1/4″ (81,9 cm); Handspanne: 9 1/2″ (24 cm)
10 Yd Split: 1,83sec; Bench Presses: –; Broad Jump: 107″ (2,72 m)

Der “Academic Standout” hat bis auf ein Spiel alle Spiele am College für die Ducks gestartet. Er soll einen sehr hohen Football IQ haben und man merkt dies auf dem Feld, gerade im Second Level, wenn er climben kann, hat er einen Zielsucher, um die Gegner zu blocken und zu finishen. Er hat sich darauf spezialisiert, seine Gegner zur Seite zu blocken, was er sehr effektiv macht. Er kann mit seinem Punch Gegner stunnen und dann zur Seite finishen. Blitzer erkennt er schnell und reagiert effektiv, wenn sie ankommen.

Er ist leider relativ steif in der Hüfte und auch seine Fußarbeit zur Seite und allgemein in der Pass Pro ist ein Manko. Es gibt Momente, wo er es im Griff hat, aber gerade wenn er länger blocken muss, bekommt er Probleme und der Gegner braucht im Grunde nur zu warten, bis er innen an ihm vorbei kann. So groß sein Plus im Space ist, so schnell geht ihm leider auch die Puste aus. Aufgrund seiner Armlänge hat er auch Probleme gegen Gegner mit langen Armen, hier hat er leider kaum Mittel, sich zu wehren, denn seine Technik mit den Händen ist maximal Durchschnitt. Das Positive zur-Seite-Blocken hat er sich angewöhnt, um seine fehlende vertikale Kraft zu kaschieren.

Schwierig zu sagen, wo er am besten eingesetzt wird.Ihm könnte ein wenig die Kraft für ein Power Schema fehlen und für ein Zone Schema fehlt ihm definitiv die Ausdauer. Auch sollte er besser zu einem Run First Team kommen, denn sonst wird es für den Quarterback ungemütlich. Er wird Arbeit brauchen, um in der Pass Pro auf das benötigte Level zu kommen, aber im Laufspiel könnte er nach einem Jahr zu einem Starter werden. Für die Packers sehe ich aus den obigen Gründen kein Fit.

Matt Hennessy (22, Temple)

Größe: 6’4″ (1,95 m); Gewicht: 307 lbs (139 kg); Armlänge: 32 1/4″ (81.9 cm); Handspanne: 10″ (25,4 cm)
10 Yd Split: 1,80sec; Bench Presses: 23; Broad Jump: 110″ (2,79 m)

Bei ihm habe ich lange überlegt was ich im “Pro” Teil schreibe, denn ein wirklich deutliches Pro gibt es bei ihm nicht. Er ist der personifizierte Durchschnitt. Sein Bend könnte man herausgreifen, aber das war es auch schon. Er wurde von seinem Team mit einem “Single-Digit Practice Jersey” ausgezeichnet, als einer der fleißigsten und “toughsten” Spieler im Team. Auch seine akademischen Leistungen sollen sehr gut gewesen sein, ebenso wird er als kultureller Leader des Teams bezeichend.

So durchschnittlich er auch ist, er hat leider ein paar negative Aspekte, angefangen bei seiner Power, die spürbar unterdurchschnittlich ist. Auch sein Sichtfeld scheint eingeschränkt, denn es gibt immer wieder Momente, wo er Gegner aus den Augen verliert. Auch späte Blitzer bereiteten der Temple Line große Probleme.

Man weiß, was man mit ihm bekommt, man wird aus ihm kaum mehr als einen durchschnittlichen Starter machen, aber den hat man von Anfang an. Er sollte sich bei jedem Team gut einfinden und auch Schema übergreifend wird er keine Probleme haben (eventuell ein wenig bei Power Schemas). Ich denke kein Team macht ein Fehler, wenn es ihn draftet, auch die Packers nicht.

Jonah Jackson (23, Ohio State)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 306 lbs (138 kg); Armlänge: 33 1/2″ (85 cm); Handspanne: 10 1/2″ (26,7 cm)
10 Yd Split: 1,84sec; Bench Presses: 28; Broad Jump: 98″ (2,49 m)

Das beste an ihm sind seine Blitzpickups, er kann sehr gut antizipieren, wo und wann die Blitzer ankommen. Allgemein hat er eine gute Übersicht und ist bereits sehr erfahren auf der Position Guard. Er hat aber auch auf Center gespielt und war auch dort auf einem guten Niveau. Seine Maße sind NFL Standard und laut der Draft Reporter soll seine Arbeitsmoral bereits auf NFL Niveau sein. Auch war er sehr bliebt in den Locker Rooms seiner College-Teams (Rutgers und Ohio State).

Was mir nicht gefällt ist, wie hoch aufgerichtet er spielt, er ist dadurch sehr einfach aus der Balance zu bringen. Er hat keine gute Handtechnik und weiß auch nicht so recht, wie er seine Armlänge einsetzen soll. Wenn er ins Second Level vorstößt, um zu blocken, passiert es ihm häufig, dass er zu schnell ist und am Gegner vorbei schießt. Er könnte mit seinem initialen Punch durchaus ein Werkzeug haben, aber dafür müsste er ihn sinnvoll einsetzen und nicht einfach nur nach vorne stoßen und hoffen, dass der Gegner gerade vor ihm steht. Allgemein wirken seine Athletik und Power sehr durchschnittlich, was in wenig generiertem Movement an der LoS mündet und ihn zu einem Stalemate ( = Patt Situation) Blocker macht. Er schafft es zwar schon, Gegner in Bewegung zu bringen, leider verlässt er sich dabei auf seine Kraft im Oberkörper und schiebt nicht aus den Beinen, was die Menge an Gegnern, die er verschieben kann, reduziert.

Er ist definitiv eine interessante Option für ein Team, welches einen Pass Protector mit Upside sucht, ob er zu einem Starter wird, muss man in einigen Jahren sehen. Aufgrund seiner Variabilität und seinem Skill Set wäre er sicherlich einer, der in den Kader der Packers passt, er könnte aber nicht agil genug für das Schema der Packers sein.

Nick Harris (21, Washington)

Größe: 6’1″ (1,85 m); Gewicht: 302 lbs (136 kg); Armlänge: 32 1/8″ (81,6 cm); Handspanne: 9 3/4″ (24,7 cm)
10 Yd Split: 1,76sec; Bench Presses: 20; Broad Jump: 103″ (2,61 m)

Wenn er es mal schafft, einen Anker in der Pass Pro zu setzen, dann steht er wirklich sicher und kann viele Gegner stoppen. Besonders in Zusammenarbeit mit seinen Nebenmännern auf den Guard-Positionen schafft er es als Center immer wieder, sehr gute Kombinationsblocks hinzulegen. Er wirkt deutlich besser, wenn er keinen direkten Gegner vor sich hat und sich seinen Gegner aussuchen kann.

Was mir nicht gefällt ist: Sein reine Power auf dem Feld ist nur durchschnittlich, er setzt auch seinen ansich guten Anker zu inkonstant. Er hat ein deutliches Problem gegen DLiner mit langen Armen. Er spielt mit relativ wenig Bend in der Hüfte, was zu einem Ungleichgewicht führt. Seine Fußarbeit ist mehr hektisch als schnell, was dazu führt, dass er keine sichere Basis hat. Aufgrund seines Kraftdefizits ist er mehr Stalemate Blocker als Road Grader.

Für Nick Harris wird es wichtig, in welches Schema er gedraftet wird. Er braucht ein Zone Schema, um erfolgreich zu werden, denn für alles andere fehlt ihm die Power auf dem Feld. Da er sowohl Guard als auch Center gespielt hat, denke ich, er könnte beides spielen, am besten aber Center. Da er noch Zeit braucht, um einige Schwächen in seinem Spiel auszumerzen, dürfte er irgendwann in der Mitte des Drafts gehen. Grundsätzlich würde er zu den Packers passen, aber er müsste wohl über die 4. Runde hinaus fallen, damit sie ihn holen.

Netane Muti (21, Fresno State)

Größe: 6’3″ (1,92 m); Gewicht: 315 lbs (142 kg); Armlänge: 31 3/4″ (80,6 cm); Handspanne: 10 5/8″ (27 cm)
10 Yd Split: –; Bench Presses: 44; Broad Jump: —

Man sieht: ihm macht das blocken Spaß, er hat definitv die richtige Einstellung, um in der Line zu spielen. Er hat durchaus Momente, bei denen er es schafft, die Gegner komplett abzuräumen, dafür muss aber viel passen, insbesondere sein Winkel zum Gegner. Er wirkt auch sehr athletisch, ist nicht kraftvoll, aber er bewegt sich sehr flüssig und schnell. Auch seine Fußarbeit ist ein Plus, er bewegt sich gut nach hinten und kann sich gerade gegen wendige Gegner gut zur Wehr setzen.

Er hat Probleme auf dem Feld zu bleiben, 2016 und 2018 war es die Achillessehne, die ihn gestoppt hat, und 2019 hatte er eine Lisfranc-Fraktur des Mittelfußes ( https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/verletzungen,-vergiftungen/frakturen/luxationsfraktur-des-mittelfu%C3%9Fes-lisfranc-verletzung). Er spielt als Blocker mit wenig Bend und damit sehr aufrecht, was dazu führt, dass er wenig Kraft generiert und seine Gegenspieler fast immer an seine Brust herankommen lässt und sie das Spiel diktieren. Auch hat er keinerlei technische. Mittel, um die Gegner mit seinen Händen zu stoppen. Er neigt dazu, in den Gegner reinzuspringen, um wenigstens manchmal Power an der LoS zu haben – ein Verhalten, welches am College noch zu Erfolg führt, in der NFL aber sehr schnell ausgenutzt und gekontert wird. Seine Entscheidungsfindung ist leider auch nicht okay, sobald er mehrere Gegner zur Auswahl hat (egal ob Blitzer oder im Second Level), dauert es ewig, bis er sich entscheidet und dann sind diese leider meist schon an ihm vorbei. Dort spielt auch mit rein, dass er sehr statisch in seinen Blocks wirkt und sich dadurch limitiert.

Insgesamt ist Netane Muti jemand, der von den Pro Days sehr profitiert hätte, denn mit seiner Verletzungsgeschichte dürfte er trotz eines Gesamteindrucks, der ihn irgendwo in die vierte Runde befördert hätte, weitaus tiefer gezogen werden (ähnlich zu Biadasz). Grundsätzlich würde er sehr gut in ein Zone Blocking Schema passen, aber bei ihm sollten die Packers besser passen.

Ben Bredeson (22, Michigan)

Größe: 6’5″ (1,98 m); Gewicht: 315 lbs (142 kg); Armlänge: 31 1/8″ (79 cm); Handspanne: 10 1/8″ (25,7 cm)
Kein Combine

Der nächste Spieler von Michigan in dieser Liste, auch bei ihm merkt man eine gute Schule. Während des gesamten Spielzugs sieht man ihn immer wieder das Feld scannen und nach Gegnern suchen, bei denen es sich lohnt, sie zu blocken. Auch bei Pulls oder Screens sucht er immer wieder neue Gegner, um seinen Mitspielern den Weg freizuräumen. Er hat nicht die längsten Arme, aber er kann sie durchaus effektiv einsetzen. Sein initialer Punch ist in Ordnung, aber ein gutes Stück von den Besten entfernt. Wenn er seine Hände aber an die Gegner bekommt, kann er die meisten Duelle gewinnen.

Was auffällt, ist seine athletische Limitierung. Außerdem verliert er immer wieder seine Balance. So gut seine Übersicht auch ist, er verpasst es leider immer wieder, adäquat auf das zu reagieren, was er sieht. Auch sein Einsatz der Armlänge ist zu inkonstant.

Nach vier Jahren als Starter am College dürfte er bereits sehr weit fortgeschritten sein in seiner Entwicklung. Die Frage wird sein, wie seine athletische Limitierung von den Teams gewertet wird. Rein technisch wird er überall rein passen, ich vermute aber, dass ihm für ein Zonen System in der NFL die Athletik fehlt. Damit ist eigentlich auch schon klar: Er ist keiner für die Packers.

Damien Lewis (23, LSU)

Größe: 6’2″ (1,88 m); Gewicht: 327 lbs (148 kg); Armlänge: 33″ (83,8 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,83sec; Bench Presses: 27; Broad Jump: 108 (2,74 m)

Damien Lewis ist ein Mauler. Er hat viel Kraft und Masse und weiß, wie er diese einsetzen muss. Vertikal kann er sehr viel Bewegung erzeugen, aber nur eine kurze Zeit lang. In der Pass Pro kann er mit seiner Masse und seinem Körperumfang einen ausreichenden Anker setzen und Power Rusher absorbieren. Wenn er die Möglichkeit bekommt, enden seine Gegner im Staub. Er ist dafür bekannt, auch durch Verletzungen zu spielen und das Feld, wenn überhaupt, nur auf einer Trage zu verlassen.

Durch seine Masse ist seine Bewegungsreichweite leider sehr eingeschränkt und er bewegt sich auch nicht besonders schnell. Er weiß leider gar nicht, wie er seine Arme und Hände vernünftig einsetzen soll, in Verbindung mit seiner vergleichsweise kurzen Armlänge stellt ihn das vor Probleme. Auch sieht man immer wieder, dass seine Hände außen am Gegner sind und nicht innerhalb dessen Arme an der Brust. Gerade wenn er pullen oder bei Screens helfen soll, merkt man nicht nur seine athletische Limitierung, auch weiß er teilweise nicht, wie er sich positionieren soll. Auch bekommt er Balanceprobleme, sobald seine Füße einmal in Bewegung geraten sind.

Wenn man in der Offensive ein Schema läuft, in dem vom Guard eine einzige Sache verlangt wird, nämlich “schieb deinen Gegner so weit wie möglich weg von der LoS”, bekommt man mit Lewis den perfekten Mann dafür. Viel mehr kann er leider nicht. In einem Power System wird er Erfolg haben, die Packers sollten die Finger von ihm lassen.

Logan Stenberg (23, Kentucky)

Größe: 6’6″ (2,01 m); Gewicht: 317 lbs (143 kg); Armlänge: 32 1/2″ (82,5 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
10 Yd Split: 1,86sec; Bench Presses: –; Broad Jump: 104″ (2,64 m)

Er ist ein echter Finisher sobald er Momentum aufgebaut hat und mit seinen Händen an dem Gegner dran ist. Sein Erfolg kommt meist durch seine Kraft und Masse. Er setzt seine Arme effektiv ein um die Gegner von der LoS wegzuschieben oder um sich mit seinem Punch einen Vorteil zu erarbeiten. Auch seine Mentalität und sein Auftreten auf dem Feld sind exzellent.

Was ihm fehlt ist zum einen die Gesamtathletik, er hat Kraft und Masse, mehr nicht. Er spielt extrem aufrecht, seine Hüfte ist so steif sie erlaubt kaum seitliche Beweglichkeit oder Bend. Aufgrund des nicht vorhandenen Bends ist sein Schwerpunkt sehr hoch, wodurch es schwächeren Gegnern ermöglicht wird die Position gegen ihn zu halten. Auch hat er Probleme wenn er einmal in Bewegung gekommen ist wieder zu bremsen. Wendige Gegner haben ein leichtes Spiel mit ihm , er versucht zwar Holdings ( die er relativ gut versteckt) dagegen, aber in der NFL wird ihm dies wohl weggepfiffen.

Wie Damien Lewis ist auch Stenberg ein Mauler, welcher seine technischen Defizite mit Kraft und Massen wettzumachen sucht, wie Lewis ist er auf ein Schema limitert. Kommt er in dieses und wird dort technisch ein wenig aufpoliert könnte er in einiger Zeit einen Teil beitragen. Allerdings könnte ihm seine Limitierung in der Hüfte da einen Strich durch die Rechnung machen. Für die Packers ist er absolut nichts.

Ein Wort zum Schluss noch: Dieses Jahr sieht es mit den interior Offensvie Linemen ein wenig mau aus, es gibt drei Jungs bei denen man sicher sein kann sie gehen an Tag zwei. Ruiz muss man schon sehr mögen oder einen SEHR dringenden Bedarf haben um ihn höher als Pick Nummer 30 zu nehmen. Alle anderen gehen in den Runden 4 bis 7, ich habe euch die meiner Meinung nach besseren hier aufgeschrieben.