Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt. Sowohl das Ranking, als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der interior Defensive Line. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten drei Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde. Die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte. Das angegebene Alter bezieht sich auf das Alter zum Zeitpunkt des Drafts.

Die Position der interior Defensive Line zählt für mich zu den größeren Needs der Packers im Vorfeld des Drafts. Kenny Clark spielt in der kommenden Saison unter seiner 5th Year Option, die Verhandlungen mit den Packers für seine Vertragsverlängerung laufen aber schon lange. Dean Lowry hat seinen Vertrag während der abgelaufenen Saison um drei Jahre verlängert, während Kingsley Keke in seiner zweiten NFL Saison eventuell eine größere Rolle in der Line einnehmen wird. Dahinter bieten Tyler Lancaster und Montravious Adams Optionen für die Tiefe, die jedoch beide in ihr letztes Vertragsjahr kommen bzw. nur einen Einjahres-Tender erhalten haben. Die Schwächen der Packers im Run Stop hingen im letzten Jahr auch mit mangelnder Dominanz an der Line of Scrimmage zusammen. Ich gehe stark davon aus, dass die Packers im Draft versuchen werden, eine weitere physisch dominante und gegen den Run konstante Ergänzung zu Clark zu finden. Lowry ist in meinen Augen eine gute Nummer 3 im Depth Chart, für eine Nummer 2 bringt er mir aber zu wenig Qualität in der Spitze mit. Die interior DLine-Klasse hat nach den zwei Elite-Proscpects einen enormen Drop-Off, wobei Tier 2 dafür in der Breite ziemlich gut aufgestellt ist.

Derrick Brown (22, Auburn)

Größe: 6’5″ (1,95 m); Gewicht: 326 lbs (148 kg); Armlänge: 34 1/4″ (87 cm); Handspanne: 9″ (23 cm);
40 Yard Dash: 5,16 s; Bench Press: 28 Reps; Vertical Jump: 27″; Broad Jump: 108″; 3 Cone Drill: 8,22 s; 20 Yard Shuttle: 4,79 s

Brown ist das beste interior DLine-Prospect der Klasse – wenn auch nur knapp vor Platz 2. Er hat sich, seitdem er 2017 Starter geworden ist, durch in allen drei Saisons konstante Production auf hohem Level als einer der dominantesten Spieler im College Football etabliert. Seine Senior Season 2019 beendete er mit 54 Tackles, 11.5 Tackles for Loss und 4 Sacks.

Brown hat viele Fähigkeiten, die ihn für mich zum Elite-Prospect machen. Die herausragendste ist jedoch seine unglaubliche Power und Stärke, sowohl im Ober-, als auch im Unterkörper. Er kreiert so gut wie immer Vertical Push und wird selbst von Double Teams nicht hinter seine Seite der Line of Scrimmage geschoben. Das macht ihn unter anderem zu einem sehr dominanten Run Defender mit 2-Gap-Ability. Läuft ein Runningback durch seine Gap, ist der Spielzug in der Regel beendet. Oft reicht ihm dabei auch seine enorme Armlänge, womit er einige Runningbacks bereits stoppt. Gegen den Run bindet er außerdem fast durchgehend Double Teams und sorgt so für bessere Matchups seiner Mitspieler, vor allem der Linebacker.
Auch als Pass Rusher ist Brown eine eine Macht. Ihm bereiten 1vs1 Duelle, aufgrund der Kombination aus Length, starker Handwork und enormer Power (Top Punch), keinerlei Probleme. Dazu kommt ein unfassbar schneller Get-Off, bei dem er eine extreme Explosivität aus seinem Stance zeigt und Center regelmäßig überfordert, weil er den Snap antizipiert. Ebenfalls profitiert er in allen Spielbereichen davon, dass seine Change of Direction-Skills und Lateral Quickness für seinen Frame sehr überdurchschnittlich sind. Das erkennt man vor allem immer wieder in seinem Tape, wenn er sehr agil von seinem Gap ins nächste springt.
Auch an seinem Effort ist nichts auszusetzen. Er streckt seine Hände in die Luft, wenn er bei Passing Downs nicht durchkommt, um den Pass eventuell zu abzufangen oder abzulenken. Dazu läuft Brown dauernd das Feld mit herunter, um Tackles zu setzen und beispielsweise Screens zu stoppen. Sein Motor ist extrem stark, gerade in Anbetracht seiner penetranten Spielweise. Zuletzt ist er auch sehr vielseitig einsetzbar, da er bei Auburn in jeder Position in der Line zum Einsatz kam – von 0-Tech bis 7-Tech. Er stellt bei allen Downs eine Matchup-Waffe dar, am stärksten wird er in der NFL aber wohl in seinen Lineups als 0-Tech bis 3-Tech sein.

Auszusetzen gibt es an Brown relativ wenig, aber sein noch ziemlich eingeschränktes Repertoire an Pass Rush Moves bietet zweifelsfrei den größten Anlass für Bedenken. Er macht im Prinzip alles durch seine Power und hat oft Probleme, wenn sein erster Move nicht klappt, da er keine gute Counter Moves auf Lager hat. Außerdem hat er eine mangelhafte Play Recognition, wodurch er teilweise deutlich zu lange braucht, um Play Actions oder Fake Handoffs zu erkennen. Er lässt sich generell noch sehr von den Bewegungen und Blocks der O-Line täuschen. Manchmal kann man sein zu hohes Pad Level noch kritisieren, was aber ein geringes Problem bei ihm darstellt.

Ich war nach Browns Tape wirklich kurz geschockt, wie gut er tatsächlich ist. Meine Erwartungen waren deutlich niedriger. Letztendlich ist er für mich ein Top 10-Talent und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die NFL Teams das so sehen. Für die Packers wäre Brown neben Clark natürlich ein Traum und so ziemlich das beste intDL-Duo der NFL – leider wird es aber wohl bei diesen Träumereien bleiben müssen.

Javon Kinlaw (22, South Carolina)

Größe: 6’5″ (1,95 m); Gewicht: 304 lbs (147 kg); Armlänge: 34 7/8″ (88,5 cm); Handspanne: 10 1/2″ (26,5 cm);
Nicht am Combine teilgenommen

Kinlaw hat seinen hohen Draft Stock durch sehr starke Leistungen in den Pratices der Senior Bowl Woche erneut bestätigt und restliche Bedenken größtenteils beseitigt. Er gehört für mich ein kleines Stück hinter Brown, aber ein sehr großes Stück vor den Rest der Klasse. Kinlaw ist das zweite Elite-Prospect der Positionsgruppe und erhält zudem meine zweite und letzte First Round-Grade der interior D-Liner. Seine Statistiken in der vergangenen Saison lassen sich definitiv sehen: 35 Tackles, 6 Tackles for Loss, sowie 6 Sacks stehen zu Buche.

Wie bei Brown ist Kinlaws wichtigstes Merkmal seine enorme Power und Stärke am Point of Attack, initiiert durch einen kraftvollen Ober- und Unterkörper, der immer Vertical Push kreiert. Rushing Lanes und Run-Pläne zerstört er oft sofort und vernichtet damit alleine einzelne Plays der gegnerischen Offense. Das resultiert aus einer unfassbaren Kombination aus Frame, Length (sehr lange Arme) und Explosivität, durch die Kinlaw eigentlich allen interior O-Linern physisch überlegen ist. Dazu kommt noch ein extrem schneller Get-Off aus seinem Stance. All das macht ihn zu einem guten Run Stopper, der ebenfalls eine solide 2-Gap-Ability mitbringt und ein sicherer Tackler ist.
Außerdem ist Kinlaw besonders für einen interior D-Liner ein hervorragender Pass Rusher. Er hat schon eine sehr starke Handwork und einige Pass Rush Moves im Repertoire, wobei er meistens durch seinen starken Bull Rush, aber auch über die Edge der O-Liner gewinnt. Im College hat Kinlaw für seinen Spielstil eigentlich zu viel Nose Tackle gespielt, was sich in der NFL bestenfalls ändern wird. Er kann zwar sicher dort spielen, sein bestes Spiel wird er aber als 1-Tech und 3-Tech zeigen.

Was Kinlaw schließlich leicht hinter Brown geraten lässt, ist seine Inkonstanz. Er lässt sich als Run Defender immer wieder überraschend 1vs1 aus seiner Gap drücken. Zudem hat er im Vergleich zu Brown einen deutlichen schwächeren Motor und weist in seinem Tape weniger Hustle Plays (z.B. Downfield-Tackles) auf und wird zum Ende von Drives oder des Spiels immer inaktiver.
Außerdem ist auch seine Game Recognition nicht besonders gut, er sieht Double Teams nicht kommen und hat dadurch wiederholt Probleme in seiner Balance. Auch Aktionen im Backfield liest er zu oft falsch und verpasst somit eigentlich sichere Tackles for Loss. Seine Change of Direction und Foot-Quickness sind, auch logischerweise durch seinen Frame bedingt, eher unterdurchschnittlich.

Auch Kinlaw wird letztlich ziemlich sicher in der Top 15 vom Board gehen – also klar außerhalb der Range der Packers. Sollte etwas unerwartetes geschehen und Kinlaw fällt aus jeglichem Grund bis 30, dann sollten die Packers, mit dem Hintergrund des Needs auf der Position, natürlich ohne zu zögern zuschlagen.

Neville Gallimore (23, Oklahoma)

Größe: 6’2″ (1,88 m); Gewicht: 304 lbs (138 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24,5 cm);
40 Yard Dash: 4,79 s; Bench Press: 23 Reps; 3 Cone Drill: 7,97 s; 20 Yard Shuttle: 5,01 s

Mit Gallimore beginnt für mich klar das zweite Tier der Klasse. Ab hier bringt die Positionsgruppe viel Value für Tag 2 des Drafts mit und dabei stellt der 23-jährige meiner Meinung nach den besten Spieler nach den beiden Top-Prospects dar. Er ist seit seiner Freshman Season Starter in Oklahoma gewesen und bringt damit schon vier volle Jahre an Erfahrung und konstanter Production mit. In seiner finalen Saison am College sorgte er für 29 Tackles, 6 1/2 Tackles for Loss und 4 Sacks.

Gallimore glänzt in erster Linie durch exzellente Footwork und starke Change of Direction-Skills. Seine Lateral Quickness ist für seinen Frame außergewöhnlich, weshalb er viele Duelle an der Line bereits durch seine schnellen Füße für sich entscheidet. Resultierend daraus hat er sich als Pass Rusher in der vergangenen Saison enorm gesteigert. Seine Vielfalt an Moves hat stark zugenommen, einen besonderes Bull Rush hat er aber zumindest nicht. Er gewinnt seine Duelle 1vs1 konstant durch gute Footwork sowie solide Handwork. Dazu kommt ein starker Get-Off, basierend auf seiner immensen Kraft in den Beinen.
Hervorzuheben ist auch sein Effort, denn Gallimore hört erst auf zu spielen, wenn der Pfiff ertönt, und ist extrem unangenehm als Gegenspieler. Außerdem konnte er einige Hustle Plays verzeichnen. Als Letztes ist seine solide Play Recognition positiv anzumerken, durch die er Fake Handoffs, Play Action-Fakes oder O-Line Bluffs schnell identifiziert.

Auszusetzen ist leider Gallimores mangelnde Stärke und Power, durch die er konstant im 1vs1 als Run Stopper dominiert wird und Probleme hat, seine Gap zu verteidigen. Ergänzend hat er auch große Probleme gegen Double Teams, wobei er schnell den Blick ins Backfield verliert und seinen Kopf herunter nimmt. Hier ist er oft extrem chancenlos.
Zusätzlich lässt sein Motor zum Ende des Spiels nach, was sich 2019 im Vergleich zu den Vorjahren allerdings bereits gebessert hat. Dennoch muss er konditionell definitiv noch nachlegen. Die Konstanz bei seiner Handwork lässt in vielen Momenten außerdem zu wünschen übrig, da er O-Liner regelmäßig zu leicht in seine Brust kommen lässt.

Gallimore ist in meinen Augen zwar der Spieler mit dem höchsten Draft Stock in Tier 2, für die Packers sollte er aber eher kein Thema sein. Er bringt nicht das Skillset mit, was ich mir von einem interior D-Line Draft Pick dieses Jahr erwarte und was den Packers fehlt. Dafür dürften seine Mängel im Run Stop zu signifikant sein, auch wenn seine Upside als Pass Rusher verlockend ist. Er erfüllt schließlich aber einfach nicht das Profil, nach dem die Packers suchen bzw. suchen sollten und wird an 62 wahrscheinlich ohnehin nicht mehr auf dem Board sein. Sein Value liegt für mich Anfang der zweiten Runde.

Jordan Elliot (22, Missouri)

Größe: 6’4″ (1,93 cm); Gewicht: 302 lbs (137 kg); Armlänge: 32 3/8 (82 cm); Handspanne: 10 1/4 (26 cm);
40 Yard Dash: 5,02 s; Bench Press: 24 Reps; Vertical Jump: 27,5″; 20 Yard Shuttle: 4,73 s

Elliot ist ein Spieler, der seine Production mit jedem weiteren Jahr am College verbessert hat. Seit seinem Wechsel von Texas nach Missouri 2018 schlug seine Karriere die richtige Richtung ein und er lieferte in seiner Sophomore, sowie Junior Season ab. 2019 brachte er 44 Tackles, 8.5 Tackles for Loss und 2.5 Sacks auf sein Stat Sheet.

Elliot zeichnet sich in seinem Tape vor allem durch seine Fähigkeiten als Run Stopper aus. Er zerstört oft schnell die Pocket und damit bereits früh Rushing Lanes, dazu ist er als Tackler sehr zuverlässig. Auch gegen Double Teams bleibt er sehr aktiv und gewinnt sogar teilweise gegen Double Team Blocks durch Leverage und Quickness. Diese Quickness verleiht ihm seine gute Footwork, ausgezeichnet durch sehr schnelle Füße und Change of Direction-Skills. Vor allem Stunts haben dementsprechend in hoher Anzahl gut funktioniert, was auch an seiner guten Athletik liegt. Seine Sideline-to-Sideline-Range ist beachtlich für seinen Frame. Insgesamt kontrolliert er seine Gaps, stoppt aber auch immer wieder Runs im Backfield. Er kann die Pocket damit sowohl kontrollieren als auch attackieren.
Auf der anderen Seite bringt Elliot aber auch sehr viel Power am Point of Attack mit. Er spielt mit guter Leverage und einem sehr guten Get-Off, wodurch er interior O-Liner 1vs1 oft durch Kraft dominiert. Sein Bull Rush ist dementsprechend gut.
Als Pass Rusher hat Elliot definitiv Potential gezeigt, was seine Upside in diesem Bereich belegt. Er verfügt über einen soliden Spin Move, sowie einen guten Swim Move und seine Füße sind oft schlichtweg zu schnell für interior O-Liner. Als Letztes kann man seine Eigenschaft als mögliche Matchup-Waffe entlang der ganzen Line anführen, da er, abhängig von Down & Distance, jede Technik von 0-Tech bis 5-Tech bekleiden kann.

Was seinen Draft Stock leider etwas zurückhält, ist seine enorme Inkonstanz. Vor allem als Pass Rusher hat er Probleme, regelmäßig einen Impact auf das Spiel zu generieren, was in erster Linie mit seiner wenig ausgeprägten Handwork zusammenhängt. Diese ist insgesamt noch sehr ausbaufähig, weshalb er einfach 1vs1 noch deutlich zu oft unter Kontrolle gebracht wurde. Dazu wird er ein wenig durch seine Length und Frame limitiert (relativ kurze Arme), was sich negativ auf seinen Tackle-Radius auswirkt. Außerdem ist sein Pad Level oft nicht optimal, wodurch er teilweise sofort nach dem Snap das Leverage-Battle leicht verliert.
Eine weitere Schwäche in Elliots Spiel ist sein Game Processing. Er verliert seine Augen sehr schnell aus dem Backfield und liest den Runningback nicht. Seine mentalen Fähigkeiten sind noch sehr roh.

Durch seine Stärken in der Run Defense ist Elliot der erste Spieler der Positionsgruppe, den ich den Packers als Fit zuordnen würde. Dazu kommt seine, in meinen Augen, beachtliche Upside als Pass Rusher. Sein Value liegt für mich ungefähr in der Mitte der zweiten Runde, dementsprechend zufrieden wäre ich mit ihm auf jeden Fall an 62.

Ross Blacklock (21, TCU)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 290 lbs (132 kg); Armlänge: 32 3/8″ (82 cm); Handspanne: 9 3/4″ (24,5 cm);
40 Yard Dash: 4,9 s; Vertical Jump: 29″; Broad Jump: 107″; 3 Cone Drill: 7,77 s; 20 Yard Shuttle: 4,67 s

Nach seiner vielversprechenden Freshman Season 2017 verpasste Blacklock die gesamte Saison 2018 aufgrund einer Verletzung an der Achillessehne. In seinem Comeback-Jahr 2019 zeigte er allerdings wieder, warum in Folge seiner ersten College-Saison so große Stücke auf ihn gehalten wurden. Er produzierte in seiner Junior Season 40 Tackles, 9 Tackles for Loss und 3.5 Sacks.

Anfangen kann man bei Blacklock mit einem idealen physischen Skillset für die NFL. Zu seinem guten Frame besitzt er eine starke Athletik und ist gerade für einen DT sehr schnell. Hinzu kommen gute Change of Direction-Skills und Agilität sowie ein Körper, der keinen Gramm Fett zu viel enthält. Diese Merkmale machen ihn vor allem als Pass Rusher gefährlich, was durch seine sehr gute, aktive Handwork verstärkt wird. Sein Hand Placement ist solide und er verfügt bereits über gute Pass Rush Moves, insbesondere sein Arm-Over und Rip-Move sind auffällig gut. Er profitiert dabei zudem von einem sehr starken Motor, durch den er zum Ende von Spielen teilweise sogar besser wird, sowie einem insgesamt starken Effort. Downfield-Tackles und andere Hustle Plays sind bei ihm regelmäßig zu sehen, was auch dafür gilt, dass er erst aufhört zu spielen, wenn der Pfiff ertönt.
Blacklock ist ziemlich explosiv aus seinem Stance und ein absoluter Pocket-Disruptor, resultierend aus einem guten Antritt und auffällig starker Short-Area-Quickness. Gegen Double Teams mindert sich sein Impact auch nicht wirklich, er lässt sich nur selten komplett dominieren, was ihm gegen den Run einen Vorteil verschafft. Ebenfalls profitiert er von seinem großen Tackle Radius und einem guten Tackling Burst sowie einem guten Tackling insgesamt. Blacklock bringt daher für mich für die NFL 2-Gap-Ability mit.
Auch seine Play Recognition ist überdurchschnittlich, was man im Tape leicht daran erkennt, dass Fake Handoffs oder Bluffs der O-Line ihn nur wenig beeinflussen.

Technisch muss der 21-jährige jedoch noch sehr viel lernen und wird sich in der NFL Scheme-technisch umstellen müssen. In der Defense bei TCU wurde extrem viel mit Stunts und Slants in der Line gearbeitet, als das in der NFL der Fall sein wird. Er muss also auch lernen, sich in Stellung zu bringen und Plays zu machen, ohne vom Scheme zu profitieren.
Außerdem hat er als Run Stopper schlichtweg noch nicht genug Impact. Er wird 1vs1 sehr oft aus seiner Gap geschoben, da seine Handwork und sein Pad Level viel zu oft nicht ideal sind. Auch Versatility bringt Blacklock in keinem besonderen Maße mit, er wurde fast nur als 1-Tech oder 3-Tech genutzt im College und sein Skillset ist im Prinzip auch ziemlich darauf zugeschnitten für die NFL.

Blacklocks Draft Stock befindet sich für mich nur leicht unter Elliots, ich sehe seinen Value ab Mitte bis Ende der zweiten Runde, da er als Pass Rusher viel zu bieten hat, was in der NFL grundsätzlich hoch gewichtet wird. Für die Packers bietet er in meinen Augen aber, ähnlich wie Gallimore, nicht das unbedingt benötigte Skillset, weshalb ich eher davon absehen würde, Blacklock an 62 zu draften.

Justin Madubuike (22, Texas A&M)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 293 lbs (133 kg); Armlänge: 33 1/2″ (85 cm); Handspanne: 9″ (23 cm);
40 Yard Dash: 4,83 s; Bench Press: 31 Reps; 3 Cone Drill: 7,37 s

Justin Madubuike war eines der Prospects, was aufgrund einer starken Vorsaison mit sehr hohen Erwartungen in die Saison 2019 ging. Diesen konnte er zweifelsohne standhalten. Er verbesserte die Production in seiner Junior Season sogar noch einmal und lieferte 45 Tackles, 11.5 Tackles for Loss und 5.5 Sacks sowie eine Interception. Ich sehe ihn nur ein kleines Stück hinter Blacklock und Elliot, aber ein gutes Stück vor meinem Platz 7.

Madubuike glänzt in erster Linie durch seine gute Lateral Agility und Quickness und dazugehörigen Redirection-Skills, die sich durch sehr schnelle Füße und einen guten Antritt zusammensetzen. Seine Combine-Werte bestätigen den Eindruck auf Tape noch einmal. Hinzu kommt, dass Madubuike einen ziemlich kräftigen Körperbau hat und das meiste in seinem Spiel durch seine Power bewältigt. Sein Anchor ist zudem stark und er spielt durchgehend mit niedrigem Pad Level. Auch gegen Double Teams bleibt Madubuike aktiv und hält sich im Spiel. Als Resultat aus all diesen Eigenschaften ergibt sich ein guter Run Defender, der fast immer seine Gap-Responsibility erfüllt und einen soliden Tackle Radius umfasst. Oft reicht bei ihm auch das bloße Ausstrecken seines Arms, um den Runningback zu stoppen.
Ein weiterer Pluspunkt für Madubuike ist die Vielseitigkeit, wie man ihn einsetzen kann. Er kann sowohl als 3-Tech in der B-Gap, als auch direkt über dem Offensive Tackle spielen und ist deshalb in verschiedenen Defensive-Front-Schemes einsetzbar. Den größten Erfolg wird er in der NFL aber wohl in der B-Gap haben. Hervorheben muss man sicher auch noch seine solide Handwork, wo vor allem seine Handstärke (Grip) heraussticht.

Seine Technik hingegen ist eher nicht auf der positiven Seite seiner Traits einzuordnen, was insbesondere für seine Pass Rush Moves gilt, die noch gar keine Vielseitigkeit enthalten. Leider ist Madubuike außerdem ein enorm inkonstanter Spieler, der innerhalb eines Spiels, aber auch einzelner Drives, schnell Kondition verliert und dadurch einen sehr wechselhaften Effort aufweist – sein Motor ist ziemlich schwach.

Limitiert wird er zudem in gewisser Weise auch durch sein Frame und seine Length, die ihn eher nicht als 2-Gaper in der NFL qualifizieren. Des Weiteren ist Madubuikes Get-Off aus seinem Stance in der Regel nicht besonders explosiv, er hat keinen First Step, der O-Liner überrolt.

Madubuike erhält von mir ein Late Second Round-Grade, was ihn für die Packers an 62 theoretisch interessant machen könnte. Das wäre für mich der klassische Fall von „Es haut mich nicht vom Hocker, aber ich kann damit leben“. Der Value ist an der Stelle angemessen und er würde sinnvoller ins Team passen, als beispielsweise Blacklock oder Gallimore, aber deutlich schlechter als Elliot.

Raekwon Davis (22, Alabama)

Größe: 6’6″ (1,98 m); Gewicht: 311 lbs (141 kg); Armlänge: 33 7/8″ (86 cm); Handspanne: 11″ (28 cm);
40 Yard Dash: 5,12 s; Bench Press: 24 Reps; Vertical Jump: 28″; Broad Jump: 111″; 3 Cone Drill: 7,95 s; 20 Yard Shuttle: 4,86 s

Nach seinen statistisch überragenden Sophomore und Junior Seasons bei Alabama entschied Davis sich für ein weiteres Jahr am College. Seine Production nahm stark ab und so fiel ein Prospect, was in der öffentlichen Wahrnehmung Anfang der College-Saison noch als sicherer First Round Pick galt, innerhalb eines Jahres signifikant ab. 2019 sorgte er für 47 Tackles, 3 Tackles for Loss und einen halben Sack. Davis‘ Draft Stock liegt für mich ein relativ klares Stück hinter Madubuikes, er bringt dennoch einige, vor allem für die Packers, interessante Traits auf den Platz.

Primär ist Davis ein sehr guter Run Stopper, der einfach extrem stark darin ist, seine Gap zu kontrollieren. Dies gelingt ihm durch seine starke Length, einen dementsprechend großen Tackle Radius und einen guten Anchor. Dazu ist seine Lateral Quickness und Explosivität überraschend gut, was man in seinem Tape immer wieder sieht, wenn er sehr schnell ins nächste Gap springt. Er bringt ohne Zweifel 2-Gap-Ability mit für Odd-Fronts. Ebenfalls etwas überraschend sind seine für seinen Körperbau vergleichsweise schnellen Füße und Change of Direction-Skills.
Am Point of Attack ist er sehr stark und bringt viel Power durch seinen Oberkörper, was durch eine meist solide Leverage und ein niedriges Pad Level begünstigt wird. Eine weitere Stärke stellt seine gute Play Recognition dar, durch die Davis konstant Screens und Run-Pläne früh erkennt. Oft wirkt es sogar so, als wüsste er schon vor dem Snap, wie das Play der Offense aussehen wird.
Seine Lineup-Möglichkeiten sind relativ breit gefächert. Er kann ziemlich frei in der Line herumgeschoben werden und für Early Downs teilweise auch als Edge spielen. Sein Effort fällt immer wieder positiv auf, beispielsweise bei Screens, die er regelmäßig verfolgt und Downfield aufhält.

Die Kehrseite der Medaille sind allerdings seine sehr unausgereiften Pass Rush Skills. Er verliert sehr oft 1vs1 und spielt grundsätzlich ohne richtigen Rush-Plan oder Go-To Move, was insgesamt in mangelhafter Technik und Handwork resultiert.
Außerdem muss man bei Davis damit leben, dass er kein wirklicher Pocket Penetrator ist und wenig Vertical Push kreiert oder die Pocket zerstört, sondern eher in seinen Gaps bleibt und sie kontrolliert. Viel zu oft ist er bereits zufrieden damit, an seinem Block zu bleiben, was auch mit einem schwächeren Motor zusammenhängt (vor allem zum Spielende). Für die NFL ist er aufgrund dieser Schwächen aktuell somit eher ein 2-Down-Player, der durch seine Athletik und seinen Frame jedoch eine solide Upside diesbezüglich mitbringen.
Anmerken muss man leider auch, dass es sicher bedenklich ist, dass seine Production seit seiner Sophomore Season von Jahr zu Jahr regressiert ist.

Raekwon Davis ist von allen interior D-Linern, die ich gescoutet habe, mit relativ großem Abstand derjenige, der dem Anforderungsprofil der Packers am meisten entspricht. Ich sehe seinen Value ungefähr Anfang der dritten Runde, man kann sich aber Hoffnung machen, dass er sogar etwas weiter fällt, weil nicht viele NFL Teams bereit sind, einen Early Round Pick (Runden 1-3) für einen Spieler zu investieren, der primär Run Stopper ist. An 94 wäre Davis in meinen Augen aktuell das Best-Case-Szenario, da sowohl der Value stimmt, als auch gleichzeitig ein Need effektiv bedient wurde.

Marlon Davidson (21, Auburn)

Größe: 6’3″ (1,90 m); Gewicht: 303 lbs (137 kg); Armlänge: 33″ (84 cm); Handspanne: 10″ (25,5 cm);
40 Yard Dash: 5,04 s; Bench Press: 21 Reps

Davidson ist ein 4 Year-Starter aus Auburn, der bereits seit seiner Freshman Season produktiv war. In jeder seiner vier Saisons können sich seine finalen Statistiken sehen lassen, sein bestes Spiel hat er sich aber für seine Senior Season aufbewahrt. 2019 beendete er schließlich mit 48 Tackles, 11.5 Tackles for Loss sowie 6.5 Sacks. Davidsons Evaluierung auf Tape ist insoweit relativ schwierig, dass er bei Auburn fast ausschließlich als Edge Rusher gespielt hat, sein Skillset sich jedoch klar besser für einen interior D-Liner eignet.

In seinem Tape fällt sofort seine aktive und starke Handwork auf, ausgezeichnet durch ein gutes Hand Placement und einen starken Punch. Er hat sehr viel Kraft im Oberkörper, insbesondere in seinen Armen. Dazu spielt er mit viel Power am Point of Attack und hat einen guten Anchor, der es ihm ermöglicht, seine Gap konstant zu kontrollieren. Überraschend stark sind in dem Zusammenhang auch sein First Step und sein Get-Off an der Line of Scrimmage.
Einen Vorteil gegenüber den meisten anderen Prospects bietet ihm seine vielseitige Lineup-Erfahrung am College. Er hat quasi überall in der D-Line gespielt, sollte sich in der NFL aber eher darauf fokussieren, seine Stärken innen weiter zu verbessern und auszuspielen. Dementsprechend viel Erfahrung bringt er auch bereits mit, was verschiedene Stances angeht, denn er hat sowohl upright, als auch mit beiden Händen am Boden gespielt.
Als Letztes sollte man definitiv noch hervorheben, dass Davidson 2019 ganze drei Kicks geblockt hat und damit auch im Special Team regelmäßig Impact hatte.

Die negative Seite ist bei ihm jedoch leider auch beachtlich. Sein Block Shedding hat sich 2019 zwar verbessert, es ist aber immer noch unterdurchschnittlich, weshalb das gegnerische Run Game regelmäßig durch seine Gaps lief. Fraglich ist definitiv, wie gut er in der NFL anfangs bei Early Downs überhaupt eingesetzt werden kann, da seine Effektivität gegen den Run sehr gering ist. Das wird weiter verstärkt durch eine nicht besonders gute Short Area Quickness und Balance, da er oft sehr upright spielt und Probleme hat, schnell in andere Gaps zu springen. Athletisch ist Davidson grundsätzlich einfach sehr limitiert.
Als Pass Rusher fehlt ihm hingegen jegliche Bending-Ability, weshalb er als Speed Rusher über die Outside Shoulder eines OTs nur sehr selten gewinnen kann. Zusätzlich fehlt ihm nach seinem ersten Pass Rush Move die Fähigkeit, durch Counter Moves zu gewinnen. Auch Combo Moves hat er also nicht im Repertoire. Sein Game Processing ist definitiv auch noch eine Schwäche, die ins Gewicht fällt. Er hat keinerlei Instinkte für die Blocking Schemes der O-Line oder Tackling Angles. Dazu nimmt er seinen Blick oft herunter, wer in Blocks beschäftigt ist. Abschließend kann man noch anmerken, dass er keine besonders gute Length hat (kurze Arme) und für die interior D-Line noch etwas Masse zulegen muss.

Davidsons Tape war für mich aufgrund seiner riesigen Schwierigkeiten im Block Shedding nur wenig überzeugend. Trotzdem gibt es Punkte, die seinen Draft Stock noch etwas höher halten, weshalb ich ihn schließlich ab Mitte der dritten Runde vom Board gehen sehen kann. Für die Packers ist er meiner Meinung nach absolut ungeeignet und erfüllt in keiner Weise die Anforderungen, die an eine Verstärkung für die interior D-Line bestehen sollten.