Der NFL Draft 2020 steht bevor und auch dieses Jahr wollen wir euch wieder die Prospects vorstellen und euch mitteilen, was wir bei unserem Scouting so alles gesehen und herausgefunden haben. Der Menge wegen haben wir die Artikel aufgeteilt, sowohl das Ranking als auch die Einschätzung zu den Spielern ist also die Meinung des einzelnen Autors dieses Artikels. Viel Spaß!

In diesem Artikel geht es um die Positionsgruppe der Edge Rusher. Das beinhaltet die Outside Linebacker in einer 3-4-Defense, wie sie die Packers spielen, und die Defensive Ends in einer 4-3-Defense. Der Artikel enthält alle Spieler, denen der Autor einen Pick in den ersten 3 Runden zuteilt, danach ist in der Menge nicht mehr jeder Spieler abdeckbar, weshalb nur einzelne ausgewählte Spieler erwähnt werden. Die Reihenfolge der genannten Spieler ist auch gleichzeitig ein Ranking, wie der Autor die Spieler sortieren würde, die Anforderungen der Teams unterscheiden sich aber natürlich, weshalb dieses Ranking mit Bedacht zu betrachten ist und nicht für jedes Scheme gilt. Die genannten Maße und Werte sind die offiziellen Combine-Werte.

Die Green Bay Packers haben für die Position der Edge Rusher derzeit Za’Darius Smith, Preston Smith und Rashan Gary zur Verfügung. Somit sind vermutlich die beiden Starter-Positionen sowie der erste Backup gesetzt. Die Packers könnten im Draft Ausschau nach einer neuen Nummer 4 halten, nachdem Kyler Fackrell das Team verlassen hat und Rashan Gary vermutlich aufrücken wird. Ein Need ist hier jedoch nicht vorhanden, da die Packers auch noch diverse Practice Squad-Spieler haben, die als Nummer 4 den Schritt nach vorne machen könnten. Da Pettine gerne mit Edge Rushern an der Line spielt, ist es aber auch kein Ding der Unmöglichkeit, dass die Packers hoch einen Edge holen – in der ersten Runde halte ich das jedoch für sehr unwahrscheinlich.

Chase Young (21, Ohio State)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 264 lbs (120 kg); Armlänge: 33 3/4″ (86 cm); Handspanne: 10″ (25 cm)
No Combine

Chase Young ist der Edge-Star dieses Drafts – und das absolut zurecht. Seine Beweglichkeit ist auf einem Elite-Level, das mich sehr beeindruckt hat. Zusammen mit seiner echt guten Snap Anticipation ist Young häufig schon neben dem Offensive Tackle, bevor der sich gesettet hat. Dazu kommt, dass Young sehr gut frühzeitig die Hände der Tackles attackiert, um sich nicht durch Punches am Speed Rush hindern zu lassen. Aufgrund seiner sehr guten Beweglichkeit sind vor allem Fake Moves unglaublich effektiv, da er einfach schneller ist als ein Tackle. Aber auch sein purer Speed Rush ist extrem gut, da er durch seine gute Hüftbeweglichkeit problemlos Rushes flattet und den Quarterback seitlich von hinten attackiert. Dabei versteht es Young sehr gut, einzuschätzen, ob er an den Quarterback kommt oder nicht – und im Notfall den Wurfarm zum Ziel zu machen, sodass er den Wurf behindert und seinen Defensive Backs einfache Interceptions ermöglicht. Young ist außerdem ein sehr guter Tackler – wer mal in seiner Range ist, kommt nicht an ihm vorbei. In Pass Coverage hat er einige kurzen Zonen gesehen, wirklich zu sehen gab es da aber wenig.

Doch das Problem bei Young ist eher, was er nicht kann – meiner Meinung nach ist er nämlich nicht das „Generational Talent“, als der er von vielen gehandelt wird. Young ist ein unterdurchschnittlicher Run Defender. Das kommt zum einen daher, dass er häufig komplett auf den Quarterback zielt und er, bis er erkennt, dass gerade ein Run passiert (wenn er es überhaupt merkt), schon um den Tackle herumgelaufen ist – gegen einen Inside Run ist er also selten ein Faktor. Dazu fehlt es ihm auch einfach an Kraft, um sich gegen OLiner zu behaupten, die schieben ihn problemlos 1-2 Meter aus dem Weg und nehmen ihn raus. Allgemein ist seine Field Awareness sehr schwach – Play Action-Spielzüge verwirren ihn komplett und auch bei (Fake-)End Arounds oder Jet Sweeps verliert er komplett die Sicht auf den Ball und jagt dann wieder und wieder dem falschen Spieler hinterher.
Dazu hat Young im Pass Rush neben seiner starken Athletik nicht ganz so viel zu bieten, wie man es sich wünschen würde. Er hat wenige Pass Rush-Moves in seinem Repertoire, seine Arme sind weder besonders stark, noch besitzt er ein sonderlich gutes Hand Placement, um die Tackles hier zu schlagen und allgemein fehlt es ihm für einiges auch einfach an Power. Insgesamt ist sein Setting der Füße noch ausbaufähig, wenn er Kraft aufbauen will.

Insgesamt ist Young einfach richtig gut und das, was er gut kann, macht er definitiv auf einem NFL-Level. Aber er macht halt einige Sachen nicht. Er ist der beste Edge Rusher seines Draftjahrgangs und auch insgesamt wird er sich wohl bei den besseren Edge Rushern in der NFL einsortieren, ich sehe aber derzeit noch nicht, dass er seinen ehemaligen Teamkollegen Nick Bosa oder andere Elite-Rusher wie Khalil Mack, Myles Garrett oder Von Miller überholen wird. Durch seine Athletik sollte er sowohl als Defensive End als auch als Outside Linebacker problemlos in der NFL spielen können, im College lag ihm der 3 point stance als DE aber besser.
Wäre er kein Top3-Prospect, würde er mir bei den Packers sehr gut gefallen. Da besteht aber wohl keinerlei Chance, dass das passieren wird.

K’Lavon Chaisson (21, LSU)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 254 lbs (115 kg); Armlänge: 32 1/4″ (82 cm); Handspanne: 9 7/8″ (25 cm)
No Combine

K’Lavon könnte abgesehen von der Athletik nicht unterschiedlicher zu Chase Young sein – und trotzdem ist er noch richtig gut. Seine Athletik ist herausragend, auch wenn sein Get Off nicht annähernd so stark ist, wie der von Young. Stattdessen glänzt Chaisson mit Technik, denn seine Handwork ist sehr beeindruckend, er setzt seine Hände gut und versucht, mit frühen Punches schon einen Vorteil zu bekommen. Außerdem hat er einige Pass Rush Moves, die überzeugen – vor allem sein Spin Move sorgte im College für einige Sacks. Während sein Get Off nicht herausragend ist, kann er aber nach dem ersten Schritt trotzdem stark beschleunigen, flattet dabei aber seine Speed Rushes so gut, dass er viele weniger athletische Tackles damit vollkommen aus der Bahn wirft und sich freie Wege zum Quarterback erkämpf. Hier fehlt es ihm zwar etwas an Masse, seine gute Körperbalance macht das aber wieder wett, sodass er selbst bei nachschiebenden Tackles gerade noch die Balance behält, um sich dem Quarterback in die Beine zu werfen. Besonders stark funktioniert das alles in Kombination: Er macht einen Schritt, setzt seine Hände und verhindert frühe Handwork der Tackles, dann duckt er sich zum Outside Rush weg und wenn der Tackle zu viel Raum nach außen einnimmt, nutzt er seinen Spin Move, um den Gegner einfach zu überrollen und frei vor den Quarterback zu kommen.
In der Run Defense ist Chaisson ebenfalls sehr beeindruckend, denn er liest das Spiel sehr gut und versteht die Plays der Gegner schnell. So lässt er Plays in seine Richtung sich genau bis zum perfekten Zeitpunkt entwickeln, um dann reinzuschießen und das Play zu machen, anstatt übermotiviert draufzugehen und eventuell auf einen Fake reinzufallen. Seine Beweglichkeit hilft ihm auch in der Run Defense, denn ihn zu umlaufen, ist sehr schwierig – Chaisson macht Cuts der Runningbacks einfach mit und setzt zum Tackle an. Hier ist er zwar nicht der physischste Tackler, bringt Gegner aber durchaus konstant zu Boden.
Highlights von Chaisson sind auch immer wieder in der Coverage zu sehen, denn für einen Edge – auch für einen 3-4-OLB – hat er eine Menge Snaps in Coverage verbracht. Er covert Runningbacks und Tight Ends problemlos – auch wenn sie sich als WR aufgestellt haben, nahm er regelmäßíg eine Art Slot Corner-Rolle ein und machte das gut. Mit seiner etwas höheren Physis gegenüber Cornerbacks verhindert er so schon frühzeitig Screen Plays. Wide Receiver wird er nicht 1on1 covern, aber in Zone Coverage und diesen besonderen Situationen ist Chaisson durchaus sehr gut.

Negativ ist bei Chaisson definitiv die fehlende Physis. Bei all seiner Beweglichkeit und der vielen Qualitäten, die Geschwindigkeit benötigen, ist er nicht gut darin, seine Füße zu setzen und seine Geschwindigkeit in Kraft umzuwandeln. Auch aus seinem Körper kommt zusätzlich dann nicht genug Power. Gerade für gute Runblocking OLiner wird er hier kein Problem darstellen. Anstatt seine eigentlich gute Handwork dann zu nutzen, versucht er zu häufig, durch seinen Frame gegen die Tackles anzukommen, was ihm natürlich nicht gelingt.
Im Pass Rush fehlt ihm ebenfalls das Power-Element komplett. Er hat keinerlei Qualitäten, um den Tackle durch Power zu stören (außer einem guten Punch durch gutes Placement, nicht durch Kraft) und auch wenn er für seinen Frame an sich eine gute Balance behält, ist er nicht „natürlich stabil“ durch einen starken Körper. Hat ein Tackle bei ihm einmal die Hände an seine Brust bekommen, kann er dagegen nicht mehr allzu viel ausrichten – und wenn er mal frei kommt, reicht ein kleines Ziehen (jeder OLiner zieht von Zeit zu Zeit, nicht alles ist eine Strafe), um Chaisson zu stoppen.
Auf der Negativseite zumindest anmerken muss man seine Verletzungen – 2018 hatte er einen Kreuzbandriss und im Sommer 2019 hatte er mit einer unbekannten Knieverletzung zu kämpfen, ehe er ihm September 2019 zwei Spiele mit einer Knöchelverletzung verpasste.

Insgesamt ist Chaisson zwar nicht auf einem Level mit Young, aber ich würde ihn definitiv nicht als Tier 2 bezeichnen –Tier 1,5 vielleicht. Es würde mich wundern, wenn Chaisson aus der ersten Hälfte des Drafts fällt, er könnte sogar ein Top 10-Pick werden. Er hat eigentlich keinen Missfit – außer dass er in 4-3-Defenses kein Edge sondern OLB wäre. Ich glaube, dass er hier sehr gut werden könnte, eine Rolle ähnlich der von Kyle van Noy bei den Patriots würde ihm gut stehen.
Für die Packers wäre Chaisson ein perfekter Fit, um neben klaren Rushern wie Z Smith, Gary und eigentlich auch Preston Smith den „Do-it-all“ zu spielen und die Coverage-Aufgaben zu übernehmen. An 30 wird Chaisson aber mit Sicherheit schon weg sein.

A.J. Epenesa (21, Iowa)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 275 lbs (125 kg); Armlänge: 34 1/2″ (88 cm); Handspanne: 10 1/8″ (26 cm)
40 Yard Dash: 5,04sec; Bench Presses: 17; 3 Cone Drill: 7,34sec

Im Gegensatz zu Chaisson ist Epenesa ein klarer Defensive End und könnte das in einer 4-3- wie in einer 3-4-Defense spielen. Epenesa ist groß und hat enorm lange Arme, die ihm einen enormen Vorteil gegenüber seinen Gegenspielern geben. Zusammen mit einem guten Punch und auch gutem Hand Placement ist Epenesa ein sehr guter Technik-Rusher. Er hat bereits eine große Auswahl an Pass Rush Moves, mit denen er gewinnen kann, was ihn besonders unausrechenbar macht. Auch wenn seine Bench Reps das nur bedingt wiederspiegeln, hat Epenesa sehr starke Arme, mit denen er auch gegen gute Handfighter gewinnen kann. Besonders gefällt mir ein Move, bei dem er eine Art Rip Move macht, um sich dann darunter durchzuducken, um dem Tackle keine Angriffsfläche zu geben. Besonders in den ersten beiden Schritten kommt dazu eine Explosivität, die man eigentlich nicht bei ihm erwartet – man spricht immer davon, dass derjenige von OT und Edge, der den zweiten Schritt macht, einen enornen Vorteil hat – und Epenesa erringt diesen Vorteil sehr oft. Epenesa kann auch Inside Rusher spielen, hier ist er besonders gefährlich, da er mit seiner Armlänge und den starken Moves ein enormes Missmatch gegen einen Guard erzeugt.
In der Runverteidigung kommen Epenesa erneut seine langen Arme zur Hilfe, denn durch den großen Abstand, hängt er selten im Block fest und kann sich befreien, um den Runningback zu tacklen – mal davon abgesehen, dass seine enorme Spannweite ihm auch viel Fläche gibt, die er abdeckt.

Epenesas größte Schwäche ist eigentlich seine Geschwindigkeit sowie seine Beweglichkeit. Er hat nach den sehr schnellen ersten zwei Schritten nicht mehr genug Speed, um einen richtigen Speed Rush durchzuführen – und auch wenn er das Duell gegen den Tackle mit den ersten Schritten eigentlich schon gewonnen hat, mangelt es ihm an Beweglichkeit, um seinen Speed Rush zu flatten und an den Quarterback zu kommen. Er ist ein klassischer „Go through the Tackle“-Rusher. Die fehlende Geschwindigkeit macht sich auch bemerkbar, wenn er gegen beweglichere Quarterbacks spielt, da diese seinem Pressure öfter ausweichen können – allgemein sind gewonnene Matchups gegen den OLiner bei ihm nicht immer ein garantierter Sack, weil er einfach zu lange braucht, um zum Quarterback zu kommen. Außerdem mangelt es Epenesa noch etwas an Power aus den Beinen heraus, wenn es um das Gegenhalten gegen Power oder eventuell sogar Doppelblocks geht. Insgesamt ist es vor allem seine Beinarbeit, die er verbessern muss – kräftiger, schneller, besser – Epenesa gewinnt noch zu viel mit den Händen, das wird auf NFL-Level in der Form nicht mehr unbedingt funktionieren.

Epenesa ist ein sehr interessanter Spieler, weil er technisch schon sehr gut ausgebildet ist. Wenn er seine komplette Arbeit der Beine (Power, Speed, Agility) verbessert, könnte er mal einer der Top Rusher der NFL werden – dass er das schafft, ist aber unwahrscheinlich, da es ihm da wirklich an vielen Punkten fehlt. Trotzdem ist Epenesa ein guter und verlässlicher Rusher, der sofort starten und einen Impact haben kann. Ich denke, dass seine Zeit irgendwann in der zweiten Hälfte der ersten Runde kommen wird. Je nach Scheme Fit sehe ich ihn so zwischen 15 und 25.
Für die Packers ist Epenesa nicht unbedingt ein klassischer Fit, seine Stärke auch als 3-4-Defensive End machen ihn jedoch zu einer ähnlichen Waffe wie etwa Z Smith. Eine Line mit Preston-Z-Clark-Epenesa-Gary wäre ein wahres Pass Rush-Monster. Ob man dafür den 30. Pick dieses Jahr verwenden wird? Ich bezweifle es.

Yetur Gross-Matos (22, Penn State)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 266 lbs (121 kg); Armlänge: 34 7/8″ (89 cm); Handspanne: 9 3/4″ (25 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Presses: 20; No 3 Cone Drill

Schonmal einen Runstopping-Edge Rusher gesehen? Ich bisher auch nicht. Gross-Matos ist aber genau das. Er hat sehr lange und starke Arme. Er arbeitet im Pass Rush sehr viel und relativ effektiv mit Chops, Stabs und Power Moves (alles „Punches“ gegen den OLiner), bei denen er nicht in einen Block engagiert und somit frei verfügbar ist. Das zusammen mit einem sehr guten Block Shedding führt dazu, dass er sehr selten von OLinern weggeblockt wird und immer bereit ist, den Runningback zu tacklen. Gross-Matos ist außerdem sehr beweglich, hat eine gute Balance beim Kontakt und im Open Field vor allem einen guten Burst, um Plays zu machen – ob es Sacks oder normale Tackles sind. Durch seine starken Arme können nur wenige Tackles ihn lange halten, weshalb er selten durch reine Handwork daran gehindert wird, einen Counter Move auszuführen. Seine Beweglichkeit zusammen mit seinem Burst funktionieren sehr gut bei DLine Stunts, welche er sowohl aus der DE- als auch der DT-Position erfolgreich ausführen kann.

Leider hören seine Qualitäten dann auch schon auf und vieles wird nur Potential. Seinen enorm großen Frame kann Gross-Matos nur selten nutzen, denn neben seinen Punching Moves hat er keinerlei Pass Rushing-Technik in seinem Repertoire. Während die Stärke seiner Arme theoretisch sehr gut ist, spielt er insgesamt einfach viel zu soft und setzt diese Stärke selten ein. Außerdem muss er noch deutlich schneller werden. Schaut man sich sein Tape an, so sind teilweise alle 8 Liner (5 OLiner, 3 DLiner) schon aus dem 3-point stance aufgestanden und am fighten, da sind seine Arme noch auf dem Boden – das kostet ihn wertvolle Zeit, die ihn den Vorteil seiner langen Arme kostet, da der OLiner frühzeitig in den Handfight einsteigen kann. Von Zeit zu Zeit wird zwar auch etwas Power sichtbar, in der Regel fehlt das aber komplett – er spielt wie gesagt sehr soft. Bei seinem Frame müsste er ein Technik-Power-Rusher sein, seine Beweglichkeit öffnet die Möglichkeit zu Speed-Power-Kombinationen, aber er kann das einfach nicht ausführen.

Insgesamt ist Gross-Matos ein sehr guter Run Defender, aber ein sehr schwacher Pass Rusher. Und als Edge ist letzteres in der Regel das, was Teams von dir sehen wollen. Da er eine Menge als interior DLiner gespielt hat, sieht man gut, dass er hier ebenfalls nicht an der richtigen Stelle ist. In wenigen Snaps aus dem 2-point stance gefiel mir das alles besser – da ist die Sample-Size aber minimal, weshalb es schwer zu bewerten ist. Bei Gross-Matos draftet man vor allem Potential aufgrund seines Körpers. Für mich eigentlich ein Kandidat für die zweite Runde, wenn das Premium-Material ausgegangen ist und man sich trotzdem mit potentiell zukünftigen Stars ausstatten will – da es auf der Edge-Position dieses Jahr wenig Premium-Material gibt, könnte er aber auch bis in die erste Runde rutschen, wenn ein Team mit Edge-Need reacht.
Für die Packers ist Gross-Matos absolut ungeeignet, auch wenn Run Stop erstmal gut klingt. Wenn man glaubt, dass er aus dem 2-point stance wirklich besser spielen kann und man den Run Stop liebt, könnte man sich für Gross-Matos entscheiden, aber niemals an 30 (kein Need) und ich glaube nicht, dass er an 62 noch auf dem Board sein wird.

Terrell Lewis (21, Alabama)

Größe: 6’5″ (1,96 m); Gewicht: 262 lbs (119 kg); Armlänge: 33 7/8″ (86 cm); Handspanne: 9 7/8″ (25 cm)
No 40 Yard Dash; No Bench Presses; No 3 Cone Drill

Terrell Lewis ist ein Handfighter – und darin ziemlich gut. Seine Pass Rush Moves beschränken sich größtenteils auf Punches, die sind aber sehr stark. Wenn er einmal einen Stab auf die Brust gesetzt hat, hat er genug Drive, um seinen Gegner damit bis in den Quarterback zu schieben. Auch sein Chop funktioniert gut. Diese starken Armen führen dazu, dass er sich durch einen Punch auch sehr gut aus Blocks der OLiner lösen kann, um das Tackle gegen den Runningback zu machen – er hängt selten in einem Block fest. Insgesamt ist Lewis auch ein guter Tackler. Besonders beeindruckend ist seine Play Awareness. Ein Play Action wird ihn nicht aus dem Konzept bringen und er verfolgt immer den richtigen Spieler. Wenn er beim Tackle durchrutscht und der Runningback ihn nicht blockt, bemerkt er sofort die Screen Pass-Gefahr und fällt in die Coverage zurück, um den Runningback abzudecken. Er weiß immer, wo der Ball ist und trifft sehr gute Entscheidungen. In der Coverage ist er sehr erfahren und kann trotz beachtlicher Größe auch relativ gut diverse Zonen covern.

Im Gegenzug zur Zone Coverage sah man ihm in der Man Coverage seine Größe und Masse an, denn er war relativ unbeweglich und hatte auch mit Runningbacks seine Probleme (wobei er es da auch beispielsweise mit Clyde Edwards-Helaire zu tun hatte). Die fehlende Beweglichkeit sowie Körperkontrolle lässt sich leider auch im Pass Rush bemerken. Während er kein Spieler ist, der mit einem natural Bend gesegnet wurde, ist er auch sonst nicht besonders gut, Battles an der Line of Scrimmage durch seine Footwork zu gewinnen. Wenn sein Punch mit anschließendem Drive nicht erfolgreich war, hat er wenig zum Pass Rush beizutragen. Dazu fehlt es ihm an Burst und Balance, um bei gewonnenem Handfight dann auch sein Play abzuschließen – immer wieder sackt er auf dem Weg zum Quarterback zusammen, weil der Tackle ihm von der Seite nochmal einen mitgibt, oder er schafft es einfach nicht, rechtzeitig zum Quarterback zu kommen. Die fehlende Balance kostet ihn auch das ein oder andere (eigentlich gute) Tackling. Diese Schwächen kommen hauptsächlich von schlechter Footwork, an welcher man möglicherweise noch arbeiten könnte. Allgemein kommt von seinen Beinen auch eher weniger Power, das könnte sich dadurch ebenfalls verbessern. Ein gezieltes Training der Unterkörpermuskulatur könnte viele seiner Problemstellen beheben – und dann ist er eine Bombe. Leider bestehen bei Lewis auch Verletzungsbedenken, er verpasste die 2017er zu großen Teilen (10 Spiele) aufgrund einer Oberarmverletzung und 2018 verpasste er mit einem Kreuzbandriss im rechten Knie komplett.

Die Sample Size ist gering und der große Leistungssprung, den viele Spieler im Junior-Jahr am College durchmachen, steht ihm möglicherweise noch bevor. Insgesamt bietet Lewis aber eine echt gute Basis an, um damit zu arbeiten. Seine Upside wird ihn möglicherweise bis in die zweite Runde katapultieren – generell sehe ich ihn aber irgendwo zu Beginn der 3. Runde.
Zu den Packers würde Lewis ansich sehr gut passen, wenn man bereit ist, mit einem Day 2-Pick einen Edge zu nehmen. Er spielt vor allem als OLB aus dem 2-point stance und ist da sehr vielseitig, außerdem würde er vor allem bei Early Downs gegen den Run eine Verbesserung darstellen – wenn auch nicht von Beginn an, da er noch an seinem Unterkörper arbeiten muss.

Zack Baun (23, Wisconsin)

Größe: 6’2″ (1,89 m); Gewicht: 238 lbs (108 kg); Armlänge: 32 3/4″ (83 cm); Handspanne: 9 5/8″ (24,5 cm)
40 Yard Dash: 4,65sec; Bench Press: 24; 3 Cone Drill: 7,00sec

Zack Baun hat eine Sonderstellung in diesem Artikel. Baun spielte bei den Wisconsin Badgers als 3-4-Outside Linebacker, dafür ist er aber undersized und auch seine Skills passen deutlich besser zu einem klassischen Linebacker als zu einem Edge Rusher, weshalb er genauer im Linebacker-Artikel beleuchtet wird. Als Pass Rusher ist Baun zwar sehr athletisch und auch intelligent, jedoch ist seine Handwork nicht besonders gut, er hat wenige funktionierende Pass Rush Moves im Repertoire und seine Armreichweite ist auch nicht ausreichend. Dafür ist er beweglich und hat Geschwindigkeit, er tacklet gut und kann einen Quarterback lesen.

Als Edge Rusher würde ich Zack Baun gegen Ende der dritten Runde einsortieren, seine Linebacker-Grade von Markus liegt in der Mitte der zweiten Runde.
Zu den Packers würde er aufgrund seiner Vielseitigkeit sehr gut passen. Pettine könnte ihn überall in der Defensive Front einsetzen und ihn alles machen lassen – das ist sehr viel wert und macht Pettines Defense aus. Als puren Edge würde ich ihn nicht draften – dafür würde er in Green Bay aber ja auch eigentlich gar nicht benötigt werden. Dazu kommt, dass er mit 23 schon recht alt ist – die Packers bevorzugen eher junge Spieler.

Julian Okwara (21, Notre Dame)

Größe: 6’4″ (1,93 m); Gewicht: 252 lbs (114 kg); Armlänge: 34 3/8″ (87 cm); Handspanne: 10 1/4″ (26 cm)
No 40 Yard Dash; Bench Presses: 27; No 3 Cone Drill

Während Okwaras Frame eigentlich nichts besonderes für einen Edge Rusher ist, hat er dafür echt lange Arme, die ihm dabei helfen Abstand vom Tackle zu halten. Er setzt gute Punches und hat dabei ein sehr gutes Hand Placement, das Tackles häufig trifft, bevor sie ihre Hände an Okwara bekommen haben. Um danach aus diesem Vorteil etwas zu machen, hat Okwara einen guten Bend, er bewegt sich schnell und gut um den Tackle herum und kann seine Routes dann auch flatten. Wenn er einmal freie Bahn hat, hat er einen guten Burst und eine generell gute Athletik, um dann zu finishen. Sehr beeindruckend ist auch seine Balance, wenn der Tackle mal den ersten Punch gesetzt hat. Dazu bringt Okwara zwar eine kleinere Auswahl an Pass Rush Moves mit, die wenige – vor allem der Spin Move – sind aber gut.

Leider kommen Okwaras Stärken auch mit einer enorm schlechten Technik in Bezug auf seine Footwork. Er setzt seine Füße schlecht und kann so bei Rushing Plays vom Tackle mehrere Yards weggeschoben werden. Auch seinem Bullrush fehlt es an gut gesetzten Füßen, mal ganz abgesehen von der niedrigen Power. Bei seinem Frame wünscht man sich mehr Kraft und Muskeln, da muss er für ein gutes NFL-Level definitiv etwas mehr den Fitnessraum aufsuchen. Das gilt sowohl für seine Beine als auch für seine Arme und Hände, denn sein eigentlich echt guter Punch ist etwas schwach und er ist ein schwacher Armtackler, was ihn auch mal einen Sack kostet. Zusammen mit seiner Footwork schwächelt auch sein Get-Off. Er startet trotz 4-3-Defense selten aus dem 3-point stance, sondern mehr aus einer „Track Position“ mit einem Arm auf dem Knie. Um sich dann in Position zu bringen, braucht er zunächst einen total unnötigen First Step, was ihn eine Menge Zeit kostet – da muss er definitiv dran arbeiten (das ist aber in der Regel ein einfach zu behebendes Problem). Nach einer guten 2018er Saison fiel seine Production 2019 massiv ab, denn Okwara ist in allem, was er kann, auch sehr inkonstant. Dazu brach er sich das Wadenbein, was seine Saison vorzeitig beendete.

Okwara hat ein paar gute Traits und seine langen Arme werden viele Defensive Coaches mögen. Mit einem Jahr Coaching kann er durchaus mal ein solider Starter werden, zu mehr fehlt mir ein bisschen das Potential. Die 27 Bench Reps zeigen, dass er während seines Wadenbeinbruchs vermutlich häufiger seinen Oberkörper trainiert hat und wenn er das für seine Beine nachholt, könnte er einen wichtigen Schritt in Richtung NFL bereits gemacht haben. Ich denke, dass er in der dritten Runde vom Board gehen könnte, das wäre aber definitiv ein Traits-based Pick – es würde mich auch nicht wundern, wenn er länger warten muss.
Zu den Packers passt Okwara ganz gut, aber er ist eben auch noch sehr roh. Was Pettine nicht besonders gefallen wird, ist dass er relativ festgelegt auf eine Edge-Position ist. Er ist nicht herausragend in der Coverage und zu schwach für Inside Positionen.

Bradlee Anae (21, Utah)

Größe: 6’3″ (1,91 m); Gewicht: 257 lbs (117 kg); Armlänge: 32 1/8″ (82 cm); Handspanne: 10 1/8″ (25 cm)
40 Yard Dash: 4,93sec; Bench Presses: 25; 3 Cone Drill: 7,44sec

Anae ist ein super interessanter Spieler. Es macht enorm viel Spaß, Anae-Tape zu schauen, weil er einfach extrem physically gifted ist. Er hat einen starken Burst und Get-Off. Allgemein bewegen sich seine Beine sehr schnell und bleiben niemals stehen, was dazu führt, dass er eine enorme Kraft entwickelt und immer wieder Schritte nachlegt, um OLiner nach hinten zu schieben. Anae hat einen „Motor“, wie man ihn selten sieht – und das zeigt er das komplette Spiel lang. Zusätzlich zu seiner Kraft aus den Beinen kann er auch mit seinen Armen einiges bewegen. Anae hat in seinem Tape einige Pass Rush Moves gezeigt. 13 Sacks in seinem Senior-Jahr zeigen die Richtung, in die es für Anae geht.

So stark wie er physisch ist, so wenig Ahnung scheint er von seiner Position zu haben. Anae spielt, als hätte er keine Ahnung, was er da eigentlich tut. Er nutzt verschiedene Pass Rush Moves, macht aber nichts daraus – ein erfolgreicher Spin Move bewegt sich dann mal vom Ballträger weg oder auf einen erfolgreichen Chop Move folgt ein Bullrush in den OLiner rein, anstatt einfach den geschaffenen Freiraum zu verwenden.  Das wirkt alles so, als hätte er das mal im Fernsehn gesehen und will das jetzt anwenden – einfach weil er es kann – aber er weiß nicht, wie.
Anae fehlt es außerdem etwas an Geschwindigkeit, dafür hat er jedoch andere Stärken. Insgesamt muss Anae einfach technisch noch alles lernen. Er kann ein paar Moves, muss aber lernen, wann und wie er sie anwendet. Er muss lernen, seine Füße besser in den Boden zu setzen, um noch mehr Kraft auswirken zu können. Sein Frame ist leider ebenfalls nicht unbedingt der Prototyp eines Edge Rushers, da er relativ klein ist und insgesamt dadurch auch keine sonderlich langen Arme.

Bei Anae von einem Rohdiamant zu sprechen, ist eigentlich schon zu weit fortgeschritten – er ist quasi noch der Kohlenstoff, aus dem der Diamant noch gepresst werden muss. Er hat eine Menge Traits, die man sich sehr gerne von seinen Spielern wünscht, aber muss den Sport selbst noch lernen. Je nachdem, wie viel sich ein Coaching Staff hier zutraut, wird auch seine Grade sein – ich persönlich denke, dass er irgendwann Ende des zweiten Draft Tages genommen werden könnte, spätestens in der frühen vierten Runde werden seine Traits die Teams überzeugen, ihn als Projekt zu holen.
Für die Packers ist Anae nur bedingt geeignet, da seine Traits perfekt zu einem 4-3-DE passen, wie wir ihn nicht haben – er ist aber gleichzeitig auch so roh, dass man ihm alles andere bestimmt auch beibringen kann. Er wäre eigentlich ein perfekter Day 3-Pick, um ihn als Edge 4 aufzubauen –wenn er so weit fällt. Da er aber die nächsten 1-2 Jahre kaum spielen wird, ist er für die Packers bei hohen Picks wohl nicht interessant.