Nach Christian Kirksey haben die Packers noch einen zweites “Street Signing” perfekt gemacht. Der von den Detroit Lions entlassene Offensive Tackle Rick Wagner wurde als Right Tackle-Ersatz/-Nachfolger für Bryan Bulaga verpflichtet, der sich den Los Angeles Chargers angeschlossen hat. Wie auch Kirksey gilt Wagner aufgrund der Entlassung nicht für die Berechnung der Compensatory Picks für den 2021er NFL Draft. Das Signing wurde am Dienstag offiziell von den Packers vermeldet und Wagner wird die #71 tragen.

Rick Wagners Vertrag

Rick Wagner bekommt bei den Packers einen kurzen Zweijahresvertrag, was aufgrund seines Alters (Wagner ist bereits 30) nicht verwunderlich ist. Insgesamt beinhaltet der Vertrag $11mio, wovon $3,5mio als Signing Bonus ausgezahlt wurden. In beiden Jahren bekommt Wagner einen Bonus von $250.000, wenn er an den Offseason Workouts teilnimmt. Wenn er es im Sommer in den “finalen” 53-Mann Roster schafft, bekommt er einen Bonus über $562.500. Ist er am dritten Ligatag der Saison 2021 noch im Roster der Packers, bekommt er einen auf $1mio dotierten Bonus und für den erneuten Einzug in den 53er Roster 2021 gibt es dann nochmal $750.000. In beiden Jahren erhält Wagner $2,25mio Basisgehalt. Das ergibt einen Cap Hit von $4.812.500 im Jahr 2020 und $6mio im Jahr 2021. Sollte sein Signing nicht zünden, könnte man ihn nach der Saison 2020 entlassen und hätte ausschließlich einen Dead Cap von $1,75mio.

Sweet Home Wisconsin

Rick “Ricky” Wagner wurde am 21. Oktober 1989 in West Allis, Wisconsin geboren – sein Signing bei den Packers ist also quasi eine Heimkehr, auch wenn er noch nicht direkt bei uns gespielt hat. Er besuchte die Nathan Hale High School in West Allis, wo er ursprünglich als Wide Receiver auf dem Footballfeld stand. Das große Ziel seiner Kindheit war es, Basketball zu spielen, weshalb er auf einer Position spielen wollte, wo er mit seiner Athletik punkten kann, die Verletzungsgefahr aber nicht allzu hoch ist.

Dies änderte sich aufgrund hoher Gewichtszunahme kurz vor Ende der High School, weshalb er sich für Football entschied. Als er aufgrund einer Sperre in seinem High School-Senior Jahr kein Stipendium bekam, wechselte er als sogenannter “Walk-On”-Spieler (ein Spieler ohne Stipendium, der einfach so ein College besucht und dann nebenher noch Football spielt) an die University of Wisconsin. Da er durch seine Masse und Physis kein normaler Wide Receiver war, bot er den Badgers seine Dienste als Tight End an. Wagner schulte bei Wisconsin jedoch zum Offensive Tackle um, was mit einem (für Walk-Ons nicht unüblichen) Redshirt-Jahr einherging. Als sog. Redshirt-Freshman gab er sein Debut als Wisconsin Badger im zweiten Saisonspiel 2010, nachdem er das erste mit einer kleinen Verletzung verpasst hatte. Danach spielte er in allen Spielen der Badgers-Saison als Backup.

Die Verletzung des Starting Right Tackles brachte ihm in seiner Sophomore-Saison dann die Chance – im 3. Saisonspiel 2010 konnte er sein erstes College-Spiel als Starter absolvieren, fortan startete er alle restlichen Spiele (insg. 10) der laufenden Saison, gewann mit den Badgers die Big Ten und bekam eine honorable mention bei der “All-Big Ten”-Wahl. 2011 wechselte Wagner die Seite der Offensive Line und spielte als Blindside-Blocker für den heutigen Seahawks-Star Russel Wilson. Nach Starts in allen 14 Spielen und einem erneuten Division-Sieg in der Big Ten bekam Wagner erneut eine honorable mention bei der “All-Big Ten”-Wahl. In seiner Redshirt-Senior-Saison konnte er 2012 13 von 14 Spielen als Starting-Left Tackle bestreiten.

Rick und Z – alte Bekannte

Während seine Vorgänger auf den Tackle-Positionen der Badgers beide in der ersten Runde gedraftet wurden, dauerte es bei Wagner etwas länger. In der 5. Runde entschieden sich schließlich die Baltimore Ravens, Rick mit dem 168. Pick zu sich zu lotsen. Laut übereinstimmenden Medienberichten habe Wagner sich in der Senior Bowl-Woche nicht gut präsentiert und dort eine Menge an Draft Stock verloren. Erneut gab ihm die Verletzung eines Konkurenten einen Anschub und so konnte er aufgrund von einigen Verletzungen schon im ersten Saisonspiel 58 Offensive Snaps (65%) spielen. Danach kam er auf sporadische Einsätze als Backup oder in “Heavy Downs” als Extra-Blocker (nominell Tight End).

Nachdem sich der Star des Hollywood-Films “Blindside” Michael Oher bei den Ravens über die Free Agency verabschiedete, konnte sich Wagner den Platz als Starting Right Tackle an der Seite von Marshall Yanda, dem Star-Guard der Ravens, erkämpfen. In den folgenden drei Saisons der Baltimore Ravens verpasste Wagner ausschließlich einen Start verletzt. Und Wagner trifft bei den Packers auf einen alten Bekannten, denn ZaDarius Smith, unser Defensive Captain der vergangenen Saison, wurde 2015 von den Baltimore Ravens gedraftet und so trainierten die beiden zwei Jahre lang regelmäßig direkt 1on1 gegeneinander.

Mit dem Geld kommen die Probleme

Gute Leistungen bei den Baltimore Ravens führten schließlich dazu, dass die Detroit Lions sich in der Free Agency 2017 dazu entschieden, Wagner als Nachfolger für den abgewanderten Riley Reiff zu verpflichten. Er bekam einen dicken neuen Vertrag, der ihm in 5 Jahren $47,5mio einbringen sollte. Während Wagner in seinen Saisons bei den Baltimore Ravens eher als Runblocker zu überzeugen wusste, glänzte er bei den Detroit Lions eher in der Pass Protection, was zwar generell wünschenswert ist, jedoch kein perfekter Fit für die Offense war, die die Lions spielen wollten.

Bereits in der ersten Saison in Detroit verletzte sich Wagner in Woche 12 gegen sein Ex-Team aus Baltimore am Knöchel, weshalb er den Rest dieses sowie die folgenden 3 Spiele verpasste. Ein weiteres gutes Jahr 2018 wurde erneut durch eine Verletzung unterbrochen: Gegen die Arizona Cardinals zog sich Wagner eine Concussion zu, welche ihn abermals 1,5 Spiele kostete.

Das Lowlight seiner Karriere fand dann aber schließlich in der letzten Saison statt. Während Wagner im Gegensatz zu den Vorjahren in seiner gesunden Zeit nicht gut spielte, sondern einige Fehler machte und zurecht enorm kritisiert wurde, hielt auch die Verletztenmisere im letzten Saisondrittel an. Eine Concussion in Woche 10 kostete ihn erneut 1,5 Spiele und eine Knöchelverletzung in Woche 14 bedeutete für ihn das Saisonaus. Er blieb zwar im Active Roster und war in Woche 17 unter der Woche nur noch “Questionable”, er spielte jedoch trotzdem nicht. Aufgrund der anhaltenden Verletzungsprobleme und der doch schwachen Leistung (3 erlaubte Sacks, 4 erlaubte QB-Hits, 32 erlaubte Pressures in nur 467 Pass Blocking-Snaps laut PFF) in seinem 3. Vertragsjahr bei den Detroit Lions entschieden sich die Detroit Lions schließlich, Wagner zu entlassen. Von den ursprünglichen $47,5mio bekam Wagner in seinen 3 Saisons $29,5mio ausgezahlt. Bei den Lions hinterlässt er einen Dead Cap von $5,8mio.

Was kann Rick Wagner?

Für eine Einschätzung von Wagner unterstützt uns Lions-Fan Martin Senfter (@msenfter auf Twitter):

Rick Wagner ist sicherlich ein besserer Pass- als Run-Blocker, was insofern interessant ist, da er bei seinem ersten NFL-Team (Baltimore Ravens) noch als besserer Run-Blocker galt. Vor allem in seinen ersten beiden Spielzeiten bei den Lions zeigte er durchschnittliche bis ordentliche Leistungen. Seit 2016 spielte Wagner 3456 Snaps, kam auf 15 Penalties und 20 zugelassene Sacks. Im vergangenen Jahr folgte ein Einbruch nach unten, was auch auf Verletzungen bzw. eine Gehirnerschütterung zurückzuführen ist. Achtung: Wagner verpasste in den drei Lions-Jahren mindestens drei Spiele pro Saison (2019 konnte er an vier Partien nicht teilnehmen).

Gutekunst und sein Team scheinen einen sehr großen Wert auf Persönlichkeit zu legen, hierzu hat Martin zumindest “nichts negatives” zu sagen. Wagner könne, wenn gewünscht, im Locker Room bestimmt eine größere Rolle einnehmen. Außerdem, so Martin, sorge das Spielen in seinem Heimatstaat bestimmt für eine Portion Extramotivation. Das Signing von Wagner zu den obengenannten Vertragsbedingen mache “aus Packers-Sicht schon Sinn”.

Ein Fazit zu Wagner

Ich vermute, dass mir die meisten zustimmen werden, wenn ich sage, dass Rick Wagner im Vergleich zu dem Bryan Bulaga, den wir in 2019 gesehen haben, definitiv ein Downgrade ist. Außerdem wurde mein persönlicher Wunsch nach Ex-Titan Jack Conklin (zurecht, er bekommt bei den Browns $42mio in 3 Jahren) nicht erfüllt, weshalb ich erstmal etwas traurig auf dieses Signing geschaut habe. Weiterhin ist Wagner mit seinen mittlerweile 30 Jahren auch nicht mehr im “besten Footballer Alter”, mit dem Gutekunst im letzten Jahr so erfolgreich war – das erinnert eher an Jimmy Graham, mit dem die Packers geflopt sind. Wenn ich mir die Details genauer anschaue, klingt das jedoch alles etwas besser als auf den ersten Blick. Der kurze Vertrag, der sich problemlos nach einer schwachen Saison mit wenig Dead Cap beenden ließe, gibt uns etwas mehr Zeit, einen Nachfolger für Bryan Bulaga zu finden (evtl schon in diesem Draft?) und ihn hinter Wagner aufzubauen. Während er 2019 stark abgebaut hatte, hat er in seinen sonstigen 6 Jahren in der NFL gute bis sehr gute Leistungen abrufen und es bleibt zu hoffen, dass er diese Leistungen diese Saison bei uns weiter fortführen kann. Wenn Wagner an diese Leistungen anknüpft, war es ein sehr starkes Signing zu diesem Preis. Wenn er seine Leistungen von 2019 wiederholt, dann hat man bei wenig Einsatz auch wenig verloren. Ein Signing, das hoffen lässt!

Willkommen bei Green & Gold, Rick Wagner, daheim bist du ja schon!