Im Zuge des eröffneten Tampering Windows (das Zeitfenster vor der eigentlichen Free Agency, in dem die Teams mit den kommenden Free Agents verhandeln dürfen), haben die Packers bereits zugeschlagen. Die Packers haben Ex-Cleveland Browns-Linebacker Christian Kirksey gesignt. Da Kirksey von den Browns entlassen wurde und somit ein “Street Signing” ist, durfte er schon vor Beginn des neuen Liga-Jahres unter Vertrag genommen werden. Da es ein “Street Signing” ist, zählt sein Signing nicht gegen die Vergabe der Compensatory Picks für den NFL Draft 2021. Das Signing wurde am Dienstag von den Packers offiziell vermeldet – Kirksey wird bei den Packers die #58 tragen.

Christian Kirkseys Vertrag

Kirksey bekommt bei den Packers mit zwei Jahren nur einen kurzen Vertrag. Über beide Jahre zusammen beinhaltet der Vertrag $13mio, wobei der Cap Hit zu ⅔ auf die Saison 2021 gelegt wurde. Kirksey bekommt einen Signing Bonus von $4mio, die sich anteilig zu je $2mio pro Saison auf den Cap Space auswirken. Dazu kommen in beiden Jahren jeweils $250.000 Workout-Bonus. Er erhält 2020 einen Roster Bonus von $1mio, wenn er nach den “finalen” Roster Cuts zum Saisonbeginn einen Platz im 53 Mann-Roster hat. 2021 bekommt er $1mio, wenn er am 3. Ligatag des Jahres noch im Kader steht und einen weiteren Bonus in Höhe von $1.75mio, wenn er es wieder in den 53 Mann-Roster schafft. Dazu kommt ein Basisgehalt von 2020 $1.75mio und 2021 $3mio. Das ergibt einen Cap Hit von $5mio (2020) sowie $8mio (2021). Daten laut Spotrac.com

Die Reise beginnt…

Kirksey wurde am 31. August 1992 in St.Louis, Missouri, geboren. Später besuchte er die dortige Hazelwood East High School und spielte dort für die Hazelwood East Spartans. Schon damals spielte er als Inside Linebacker. Nebenher nahm er außerdem für seine High School als Athlet im Weitsprung sowie Dreisprung teil.

2010 begann Kirksey seine College-Laufbahn und wechselte nach Iowa, wo er bereits in seiner Rookie-Saison 6 Spiele (hauptsächlich als Special Teamer) machte. In seiner Sophomore Season startete er richtig durch. Mit 110 Tackles (5 Tackles for Loss, 1 Sack, 2 Forced Fumbles) sowie 3 Passverteidigungen (1 Interception) machte Kirksey früh auf sich aufmerksam. In seiner Junior-Saison wurde er von seinen Mannschaftskollegen zum Teamcaptain gewählt. Neben 95 Tackles (3.5 for Loss, 2 Sacks) konnte Kirksey 2 Interceptions für zusammen 86 Yards zu 2 Touchdowns zurücktragen. In seiner Senior-Saison 2013 führte er die Hawkeyes aus Iowa erneut als Teamcaptain aufs Feld und konnte 104 Tackles (5 for Loss, 2.5 Sacks) bei 2 Forced Fumbles und einer Passverteidigung sammeln.

Er spielte vor dem Draft 2014 im Senior Bowl und wusste schon dort in der Trainingswoche zuvor seine Skills unter Beweis zu stellen. Seine Einladung zum NFL Combine 2014 nahm er zwar wahr, macht jedoch nur bei seinen Paradedisziplinen mit. 16 Bench Press Reps, ein 32″ Vertical Jump sowie ein 122″ Broad Jump waren durchaus in Ordnung. Bei seinem Pro Day lieferte er noch einen 4.58s 40 Yard-Dash und die anderen Kategorien nach.

NFL Draft – Kirksey ein Brown

70 Picks lang musste sich Christian Kirksey gedulden, beim 71. Pick war es dann so weit. Nach CB Justin Gilbert, QB Johnny Manziel und OT Joel Bitonio nahmen die Browns mit ihrem vierten Draft Pick 2014 Christian Kirksey, Linebacker, Iowa.

Unter dem heutigen Packers-Defensive Coordinator Mike Pettine (damals Head Coach der Cleveland Browns) ging Kirksey in seine Rookie-Saison. In 16 Spielen startete Kirksey 8 mal und konnte neben 2 Passverteidigungen insgesamt 81 Tackles (5 for Loss, 4 QB Hits, 1 Forced Fumble) bei 2 Sacks verbuchen als Inside Linebacker verbuchen. In den zwei Folgejahren seines Rookievertrages spielte er alle 32 Spiele (2015 5 Starts, 2016 16 Starts) und konnte dort insgesamt 6 Sacks und 1 Forced Fumble sammeln. Mit 63 Tackles (5 for Loss, 5 QB Hits) war seine zweite NFL-Saison etwas schwächer, passte sich damit aber der Leistung des gesamten Teams an – nach einer 3-13-Saison musste Mike Pettine bei den Cleveland Browns gehen. Unter dem neuen Head Coach Hue Jackson wurde zwar die allgemeine Teamleistung nicht besser (1-15), aber Kirksey lieferte die besten Statistiken seiner Karriere ab. 148 Tackles (11 for Loss, 7 QB Hits) bei 3 Passverteidigungen sind durchaus starke Statistiken für einen Inside Linebacker und so verdiente er sich schon vor Ablauf seines Rookie-Vertrags eine Verlängerung.

Pleiten, Pech und Pannen

Betrachtet man Kirkseys Statistiken von 2017, würde man gar nicht vermuten, dass die Teamleistung noch schlechter als 1-15 geworden ist – eine 0-16 Saison war das Ergebnis. Doch Kirkseys Statistiken mit 138 Tackles (6 for Loss, 6 QB Hits) bei 3.5 Sacks, 2 Forced Fumbles und 5 Passverteidigungen können sich durchaus sehen lassen. Als die Browns in Woche 7 gegen die Tennessee Titans (9-12 Niederlage) am knappsten an einem Sieg vorbeirutschten, leistete Kirksey mit 17 Tackles, einer Passverteidigung und einem Forced Fumble durchaus einen mächtigen Anteil daran, dass die schwache Offense-Leistung halbwegs kompensiert werden konnte, doch auch das reichte nicht.

In der 2018er Saison, in der man erneut Hue Jackson als Head Coach vertraute, ging dann das persönliche Pech Kirkseys los. Bereits beim Unentschieden gegen die Steelers in Woche 1 verletzte sich Kirksey, sodass er in Woche 3 den ersten Sieg der Browns seit Ewigkeiten verpasste. Ab Woche 4 war er dann wieder dabei und so konnte er zum zweiten Sieg in Woche 5 gegen die Baltimore Ravens 12 Tackles beitragen. Doch die Freude hielt nicht lange an. Nach drei Niederlagen in Folge flog Hue Jackson schlussendlich doch und der kleine Aufschwung der Browns begann – 5 Siege aus 9 Spielen konnte man ohne Jackson sammeln. Das bekam Kirksey jedoch nur noch von der Zuschauertribüne und im Fernsehen mit, denn eine Achillessehnenverletzung eine Woche vor Jacksons Entlassung führt zu einem frühzeitigen Saisonende.

2019 sollte dann alles besser werden. Der Umbruch war vermeintlich geschafft, die Browns waren neu aufgestellt und starteten in eine Saison, in der sie von manchen Experten sogar als Super Bowl-Kandidat gehandelt wurden. Doch die Saison startete ernüchternd. Bei 7 Tackles von Kirksey lies die Defense 43 Punkte zu und man verlor gegen die Titans. Beim ersten Saisonsieg gegen die Jets sammelte Kirksey zwar nur 4 Tackles, trotzdem konnte man die New York Jets bei 3 Punkten halten. Doch für Kirksey war erneut Schluss: Eine Brustverletzung warf ihn schon nach Woche 2 aus dem Roster der Browns und auf die Injured Reserve-Liste. Nach zwei großen Verletzungen und einem doch recht ordentlichen Vertrag wurde Kirksey von den Cleveland Browns Anfang 2020 schließlich entlassen. Die Browns reduzierten damit den Cap Hit von $10.6mio auf $2.4mio Dead Cap.

Was kann Kirksey?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mir etwas Hilfe bei den German Browns Backers (@browns_germany auf Twitter) geholt. Christian Kirksey sei das Herzstück des Browns-Teams gewesen. Kirksey sei sozial sehr engagiert und ein sehr begabter Musiker gewesen – rundum ein super Typ! Er sei “Herz und Seele der Defense” und habe selbst während der zwei Pleitensaisons (zusammen 1-13-Record) die Moral hochgehalten.

Die “Tackling Maschine” sei sehr gut gegen sowohl Run als auch Pass, einzig seine Pass Rush-Qualitäten seien nicht herausragend – aber als Pass Rusher wird Kirksey bei den Packers vermutlich nur selten in Blitz Packages zum Einsatz kommen. Seine Instinkte seien bei ihm als Stärke hervorzuheben. Laut Browns Backers sei Kirksey kein Gamechanger, aber das kennen wir ja von Martinez schon. Kirksey sei allerdings ein guter und verlässlicher Anker im LB-Team und als Leader sehr wichtig für das Team gewesen.

Vor allem der Mehrwert im Locker Room ist die Begründung der Backers, wieso sie auf die Frage, ob sie Kirksey zum Packers-Vertrag ebenfalls nochmal genommen hätten, mit Ja antworteten. Sein Cut sei den zwei größeren Verletzungen geschuldet gewesen, außerdem sei sein Vertrag etwas zu teuer gewesen (10.6mio Cap Hit, s.o.) und Kirksey verweigerte einen Paycut. Zum Abschluss geben sie noch die Empfehlung, dass die Cleveland Browns 2018 bei Hard Knocks zu sehen waren und es 2019 die Youtube-Serie “Building the Browns” gab. In beiden Serien gibt es einiges über Kirksey zu erfahren.

Ein Fazit zu Kirksey

Zunächst war ich bei der Meldung des Signings nur wenig beeindruckt. Verletzungsanfällig, teuer (zunächst wurden $16mio auf 2 Jahre kolportiert) und von einem Pleitenteam wie den Cleveland Browns gecuttet. Doch wenn ich mir das alles genauer durch den Kopf gehen lasse, sieht das doch ziemlich gut aus. In einer schwachen Saison war Kirksey in der Pettine-Defense trotzdem gut und er kennt das Scheme (bei der aktuellen Virenlage könnte die Offseason verkürzt sein, das ist also um so wichtiger), er ist ein Leader (sowohl bei den Browns als auch bei den Iowa Hawkeyes und in der Highschool) und sein Cap Hit ist vor allem 2020 noch im Rahmen. Bis auf seine Verletzungshistorie in den letzten 2 Jahren gibt es nichts, was mich an dem Signing abschreckt. Für das Geld, das er bekommt, muss er kein Allrounder sein, er muss nicht alles machen und erstrecht muss er kein Bombenupgrade zu Blake Martinez sein. Das alles wird er nicht sein, aber das ist auch nicht der Anspruch, den man an ihn haben sollte.

Willkommen bei Green & Gold, Christian Kirksey!