Das 2020er League Year ist gestartet und so wären ein paar Packers-Spieler Free Agents geworden. Doch die Packers haben einige Spieler resignt (TE Marcedes Lewis) oder mit einem Tender belegt (WR Allen Lazard, CB Chandon Sullivan, TE Robert Tonyan, DT Tyler Lancaster, WR Jake Kumerow). Ihr habt entschieden, das Resigning-Profil bekommt Allen Lazard.

Allen Lazards Tender-Vertrag

Da Lazard erst eine Saison in der NFL gespielt hat, zählt er zu den sogenannten Exclusive Rights Free Agents (ERFA). Ein ERFA hat 2 oder weniger angesammelte Saisons (mindestens 6 Spiele im Game Day-Roster). Für einen ERFA hat das Team – wie der Name schon sagt – die exklusiven Rechte und so muss der Spieler jeden Vertrag annehmen, den das Team ihm aushändigt und darf nicht mit anderen Teams verhandeln. Die Packers haben ihm laut Spotrac.com einen Einjahresvertrag zum Minimalgehalt angeboten. Während Lazard mit demselben Minimalvertrag letzte Saison nur $495.000 verdient hat, wurde dieses mit dem neuen CBA-Deal erhöht und Lazard erhält $675.000 im kommenden Jahr, vorausgesetzt er schafft es in den finalen Roster und spielt. Er erhält keinen Signing Bonus und auch keine anderen Boni wie einen Workout oder Roster Bonus. Nach dem abgelaufenen Jahr wäre Lazard erneut ein ERFA.

Lazards Jugend und High School

Allen Lazard wurde am 11. Dezember 1995 in Urbandale, Iowa, geboren. Bereits in seinen jungen Jahren war Lazard ein herausragender Athlet und Sportler, so spielte er schon an der Urbandale High School Football, dabei startete er sowohl in der Offense als auch in der Defense. Außerdem spielte er Basketball und nahm an mehreren Athletikwettbewerben teil. Schon an der High School begann Lazard, einige Preise abzuräumen. Neben der Wahl zum USA Today All American wurde er außerdem drei Mal zum All-State-Spieler gewählt und vom Des Moines Register 2012 zum Defensive sowie 2013 zum Offensive Player of the Year gewählt. Außerdem spielte Allen Lazard 2014 im U.S. Army All-American Bowl, einer Art Senior Bowl für High School-Spieler, an dem unter anderem auch schon Spieler wie Andrew Luck oder Odell Beckham Jr. teilnahmen. Andere bekannte Spieler, die 2014 mit Lazard im All-American Bowl standen, waren die Georgia-Runningbacks Nick Chubb und Sony Michel (heute Browns und Patriots) sowie der spätere Stanford-Absolvent und heutige NFL-Star Christian McCaffrey (Panthers).

Als 4 Star-Recruit kam Lazard aus der High School und hatte so eine relativ freie Auswahl. Er hatte wohl Angebote von namhaften Colleges wie Notre Dame oder Stanford, jedoch hat er sich dafür entschieden, in die Familien-Fußstapfen zu treten und ging an die Iowa State University. Schon sein Vater Kevin Lazard spielte in den 90ern als Defensive Back für die Iowa State Cyclones und war damals sogar Mannschaftskapitän. Auch Allens Bruder Anthony ging 2012 zu den Cyclones und spielte dort von 2013 bis 2016 als Linebacker. Allen Lazard ein Cyclone – eine Familientradition. Sein Vater Kevin Lazard ist auch nach seiner Spielerkarriere noch im Football-Geschäft aktiv, so coachte er unter anderem an der Urbandale High School seine beiden Söhne Allen und Anthony. Sein Vater sei sehr footballverliebt gewesen und habe keine Möglichkeit ausgelassen, seinen Söhnen etwas über Football beizubringen. “Er hat viele kleine Dinge getan, wo es damals nicht wirklich viel zu sein schien, aber vieles summierte sich über die Zeit”, wird Lazard auf der Homepage der Cyclones zitiert.

Eine Menge Preise in der College-Karriere

Als True Freshman spielte Lazard schon 2014 eine größere Rolle bei den Cyclones. Er war zweiter Receiver in sowohl Catches (45) als auch Yards (593). Sein Quarterback bei Iowa State war kein geringerer als Sam Richardson. Ja genau – wer? Bei den Cyclones spielte Lazard zwar in einem Division I College, jedoch in keinem besonders großen oder bekannten Football-Programm. So erreichte er alles vor allem durch harte Arbeit mit einem schwächeren Team, er hatte keinen Star-Quarterback oder Wide Receiver-Kollegen, die regelmäßig die Aufmerksamkeit der gegnerischen Defense auf sich zogen – dieser Spieler war Lazard schon ab seiner Sophomore-Saison für das restliche Team. Die bekanntesten Spieler der Cyclones, die mit Lazard zusammen aufliefen, sind der heutige Bears-Runningback David Montgomery sowie der Cardinals-Wide Receiver Hakeem Butler, der während Lazards College-Zeit nur die Nummer 2 war und erst nach Lazard Weggang seine Leistungsexplosion hatte.

Doch trotz der schwierigen Bedingungen konnte Lazard auf sich aufmerksam machen. Bereits in seinem Freshman-Jahr sammelte er Preise wie den “Dury Moss Outstanding Newcomer” oder eine Honorable Mention bei den Big 12 All-Freshmans. 2015 konnte er seine Touchdown-Anzahl verdoppeln. Statt wie im Freshman-Jahr 3 fing er 6 Touchdowns, dafür brauchte er 56 Catches und erzielte damit 808 Yards für Iowa State. Als leading Receiver der Cyclones bekam er eine Honorable Mention für’s All-Big 12-Team der Coaches, er wurde von ESPN ins Second Team All-Big 12 gewählt und bekam den Team-MVP der Cyclones verliehen.

Den Team-MVP konnte er sich auch 2016 erarbeiten. Doch zuvor wurde ihm noch eine große Ehre zuteil: Wie sein Vater Kevin 25 Jahre zuvor durfte Allen die Cyclones als Team-Captain aufs Feld führen. “Ich habe keine Zweifel, dass er sich der Wichtigkeit bewusst ist und weiß, wie er damit umgehen muss”, so Vater Kevin auf der Cyclones-Website. Und dieses Vertrauen zahlte Lazard zurück. 69 Catches, 1018 Yards und 7 Touchdowns verbuchte er in seinem Junior-Jahr für die Cyclones. In seiner nach Yards besten College-Saison fand er eine Leistungsexplosion zum Ende der Saison, so konnte er in den letzten 5 Spielen gleich 4 100+ Yards-Spiele verbuchen und fing in der Zeit 3 Touchdowns. Erneut wurde er mit Lob überschüttet. Neben dem Team-MVP wurde er von den Coaches ins First-Team All-Big 12 gewählt und bekam eine Auszeichnung als “Ray Scott Outstanding Offensive Skill Player”.

Auch den Weg zum Erfolg der Cyclones ebnete Lazard bedeutend mit, denn 2017 konnten die Iowa State Cyclones dar erste Mal seit langem wieder an einem Bowl Spiel teilnehmen. 71 Catches für 941 Yards und ganze 10 Touchdowns trug Lazard dazu bei – und er explodierte erneut in der Prime Time. Im Bowl-Game gegen Memphis hatte Lazard sein Career Game: Lazard fing den Ball 10 mal und erzielte damit 142 Yards und einen Touchdown – die Cyclones gewannen 21:20 gegen die Memphis Tigers und Lazard gewann sowohl den MVP als auch den Offensive Player of the Game im 2017er Liberty Bowl. Lazard schrieb College-Geschichte bei Iowa State, so war seine erneute Wahl ins First-Team All-Big 12 der Coaches erst das zweite Mal in der Universitätsgeschichte, dass ein Spieler dies mehrfach schaffte. Seine 10 Touchdown-Catches waren ein Single Season-Rekord für die Cyclones. Seine 941 Yards brachten ihm einen geteilten fünften Platz in der High School-Historie und so trug er sich nach seinem Junior-Jahr mit 1018 Yards gleich zwei Mal in die Top5 der Schule ein. Er wurde von der amerikanischen Presse ins Second Team All-Big 12 gewählt, er bekam eine Honorable Mention im All-American-Team von SB Nation, eine Einladung zum Senior Bowl und – natürlich – wurde er erneut Team-MVP der Cyclones.

Ein unnötig langer Weg in die NFL

Während Lazard die ersten zwei Tage des 2018er NFL Drafts noch alleine daheim verbrachte, bekam Lazard am dritten Tag eine Menge Besuch nach Hause. Als von Lance Zierlein für die fünfte bis sechste Runde eingestufter Spieler war er ein klarer Kandidat für den dritten Drafttag. Doch es wurde nichts. Alle waren erstaunt, als nach dem 256. Pick immer noch kein Team Lazards Namen eingereicht hatte. “Ich hatte offensichtlicherweise gedacht, dass ich gedraftet werde, und hatte die Hoffnung und den Traum dafür”, so Lazard. Aber das wurde nichts, und so galt es für Lazard einmal mehr “I have to go get it myself”. Doch schon vor dem letzten Pick hatte Lazard eine Übereinkunft mit den Jacksonville Jaguars getroffen, um dort seine NFL-Karriere mit unnötiger Verspätung zu starten. Ein Dreijahresvertrag über $1,7mio klingt zwar zunächst nicht nach einem schlechten Deal für jeden normalen Bürger, jedoch bekam er davon nur $7.500 als Signing Bonus und somit garantiert. Als er am 1. September 2018 dann den finalen Roster Cuts zum Opfer fiel, hatte er nur eben genau das eingenommen – $7.500 und keinen Cent mehr. Doch die Jacksonville Jaguars sahen etwas in Lazard und signten ihn ins Practice Squad, wo er dann tatsächlich das erste größere Geld verdiente – bis zum 17. Dezember 2018 hatte er $114.000 ausgezahlt bekommen. Eine Chance, sich nochmal im aktiven Roster zu beweisen, bekam er von den Jaguars nicht.

Aaron Jones’ Verletzung als Beginn der Erfolgsstory

Doch Lazard wurde von den Jaguars nicht etwa erneut entlassen, diesmal ging es in die andere Richtung – wenn auch nur einen kleinen Schritt. Die zweite Pleitensaison in Folge für die Packers endete ohne Mike McCarthy – und ohne Aaron Jones. Denn “AJ” wurde auf die Injured Reserve-Liste gesetzt und so war ein Platz im 53er Kader der Green Bay Packers frei – und den füllten sie mit Allen Lazard. Während er in Woche 16 noch nicht aktiv war, feierte er in Woche 17 gegen die Detroit Lions sein NFL-Debut. Das Ergebnis (0-31) war zwar schrecklich, doch mit seinem ersten NFL-Catch in seinem einzigen Offensive Snap wird das für Lazard nur zweitrangig gewesen sein.

In der folgenden Preseason konnte sich Lazard eine kleine Chance auf einen Platz im 53er Kader erhalten, der nicht nur in der Garbage Time der Saison auf Verletzungen der Stammspieler basierte. So fing Lazard in den ersten 3 Preseason-Spielen 6 Pässe für 114 Yards und einen Touchdown. “Er reißt sich den Arsch auf. Er ist, was du willst, und er hat nichts einfach gegeben bekommen”, lobt WR-Coach Alvis Whitted Lazard noch in der Preseason. Doch Lazard, der zu dieser Zeit eine Freundschaft mit Kevin King entwickelt hatte und am Cutdown-Day bei eben diesem war, musste erneut einen Rückschritt in Kauf nehmen, denn er musste sich bei den finalen Cuts zunächst Darrius Shepherd geschlagen geben. Nachdem kein Team einen Waiver Claim für Lazard eingereicht hatte, bekam er aber erneut eine Chance in Green Bay – Brian Gutekunst bot ihm einen Platz im Practice Squad der Packers an. Und auf den Schritt nach vorne musste er nicht lange warten. Erneut war es eine Verletzung eines anderen Spielers, die ihm einen Platz eröffnete – Rookie-Tight End Jace Sternberger wurde auf die Injured Reserve-Liste gesetzt und Lazard konnte schon 3 Tage nach seinem Practice Squad-Signing einen Platz im 53er Kader der Packers einnehmen.

Die UDFA-Story: Über die Special Teams zum WR2

Im engen Season Opener gegen die Chicago Bears, das die Packers 10-3 gewannen, stand Lazard noch keinen einzigen Offensive Snap auf dem Feld. Stattdessen musste er in den Special Teams ran. Auch wenn sich in den kommenden Spielen mehrere Offensive Snaps in die Statistik schummelten (in Woche 4 gegen die Eagles stand er mit 14 Snaps sogar 18% der Offensive Snaps auf dem Feld), bekam er keinen Pass zugeworfen.

In Woche 6 war es dann soweit: Lazards erste Passfänge. Und es war kein anderer als Aaron Rodgers, der ihm diese Chance ermöglichte. Berichten zufolge war es der Star-Quarterback der Packers, der gezielt nach Lazard fragte: “Vielleicht habe ich hier und da ein gutes Wort eingelegt, um ihm im 4. Quarter ein paar Chancen zu geben.” Und das Vertrauen zahlte Lazard zurück: In den finalen zwei Drives sorgte Lazard mit 4 Catches für 65 Yards und einen Touchdown nicht nur für wichtige 7 Punkte in der Aufholjagd, er war auch Teil der Offense, die Mason Crosby letztlich das Game Winning Field Goal zum 23-22 Sieg ermöglichten, denn Lazard fing im Game Winning-Drive 3 Pässe für 2 First Downs.

Und schon war er da: Der Underdog Allen Lazard. Am folgenden Spieltag gegen die Oakland Raiders stand Lazard in der Startaufstellung – noch 7 Wochen zuvor wurde er kurzfristig von den Packers entlassen. Ein steiler Aufstieg, der mit sehr viel Arbeit und Selbstdisziplin zu tun hat. Und mit einer Freundschaft, wie man sie selten schließt: Mit Aaron Rodgers. Nichts als lobende Worte kommen aus dem Mund des Quarterbacks. Mit seinem Sitznachbarn in den Meetings habe Rodgers eine wirklich gute Freundschaft entwickelt. “Was mich [an Lazard] gepackt hat, war – was man als Quarterback liebt – dass er ein Receiver ist, der zu einem kommt und einem sagt, dass er den Ball haben und welche Route er dafür laufen will”, erzählt Rodgers, “Wenn ein junger Spieler so was macht, wie kann man da kein Vertrauen in ihn haben?”

Rodgers: “Ich hatte wirklich Angst, dass ihn jemand claimt”

Rodgers mochte Lazard wohl schon während der Preseason, denn nach seinem Cut habe er Angst gehabt, dass ein anderes Team Lazard vom Waiver claimt. Er sei dementsprechend froh gewesen, als Lazard wieder bei den Packers unterschrieb. Und so startete eine Erfolgsgeschichte, die einem die Gänsehaut auf die Arme treibt. In Woche 7 spielte Lazard in Abwesenheit des verletzten Davante Adams mit 45 Offensive Snaps (85%) die meisten Snaps aller Wide Receiver und setzte so ein klares Statement in Richtung seiner Kollegen: Mit Lazard war nun zu rechnen!

Am Ende der Saison steht ein Platz als Wide Receiver 2 der Green Bay Packers und 35 Catches für 477 Yards und 3 Touchdowns in der Regular Season. Beeindruckende Statistiken von einem Spieler, der vor der Saison noch befürchten musste, dass seine Football-Karriere möglicherweise zu Ende ist. Die Playoffs begannen für Lazard dann schwierig – in der Divisional Round stand er nur 20 Offensive Snaps (32%) auf dem Feld und wurde dabei kein einziges mal angeworfen, einzig bei einem End Around-Lauf konnte er 5 Yards verbuchen. Doch in der bitteren Niederlage gegen die San Francisco 49ers war Lazard wieder am Start: 3 Catches für 36 Yards bei 58 Offensive Snaps (92%) zeigten erneut, was Lazard mittlerweile für einen Stellenwert im Team der Green Bay Packers hat.

Was die Zukunft bringt

Das Receiving-Corps der Packers steht vor einem Umbruch bzw. einer Erneuerung, denn ein Grund, weshalb dieser enorme Aufstieg Lazards möglich war, war die Schwäche seiner Teamkollegen. Während Marquez Valdes-Scantling immer wieder schwächelte, keine Separation kreierte oder wichtige Pässe fallen lies, konnte Geronimo Allison (jetzt Free Agent) die Erwartungen des WR2 nicht erfüllen und auch Fan-Liebling Jake “Touchdown-Jesus” Kumerow brauchte lange, um einen (geringen) Impact zu haben. Zusammen mit einem schwachen Darrius Shepherd und der Season Ending-Verletzung von EQ St. Brown schon in der Preseason wollte keiner den Job als WR2 annehmen, den Lazard sich dann erkämpfte.

In der kommenden Saison wird das anders sein. Die NFL-Insider verkündeten, die Packers haben eine Übereinkunft über einen Vertrag mit Ex-Panther Devin Funchess getroffen, dieser wird bestimmt einen Anspruch auf diesen WR2-Posten erheben wollen, und außerdem ist die 2020er Draft Class bis oben hin voll mit guten Wide Receivern, von denen die Packers vermutlich ebenfalls einen auswählen werden. Mehr Konkurrenz bedeutet für Lazard also, dass er vermutlicher weniger Play Time sehen wird. Trotzdem mache ich mir gar keine Sorgen, dass er eventuell gecuttet werden könnte – dafür war seine 2019er Saison zu beeindruckend und seine Verbindung zu seinem guten Freund Aaron Rodgers ist zu wichtig. Ich hoffe, dass Lazard sich weiter steigern und mindestens um den WR3 wenn nicht sogar den WR2 mitkämpfen kann – ich wünsche ihm alles Gute dafür!

Welcome Back, Allen Lazard! #GoPackGo

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