Die Packers tragen Trauer. Gestern verstarb erneut ein Mitglied der legendären Mannschaft aus den 1960ern. Wenige Monate nach Bart Starr ist mit dem ehemaligen Safety Willie Wood wieder ein ganz Großer des Footballs von uns gegangen. „Die Packers-Familie verlor heute eine Legende“, schrieb Packers-CEO Mark Murphy auf der Vereinshomepage: „Willies Erfolgsstory, der Aufstieg von einem ungedrafteten Rookie-Free Agent in die Pro Football Hall of Fame, ist eine Inspiration für Generationen von Football Fans.“ Willie Wood wurde 83 Jahre alt. Zuvor schrieb er aber in mehrfacher Hinsicht Football-Geschichte.

Erster schwarzer Quarterback bei den Trojans

Seine Story ist sehr besonders, der der am 23. Dezember 1936 in Washington D.C. William Vernell Wood Senior spielte College Football am anderen der USA. Am Coalinga Junior College (1956) und später bei den USC Trojans (1957-60) war er als Quarterback aktiv. In der damaligen Pacific Coast Conference (heute Pac-12) war Wood der erste afro-amerikanische Quarterback der Geschichte. Verletzungen an der Schulter bremsten ihn sowohl 1958 (komplette Saison) wie auch 1959 (mehrere Spieler) aus. Beim Draft 1960 wurde er nicht gezogen.

Ein Brief, der die Welt verändert

Doch Wood gab nicht auf. Er meldete sich beim NFL Büro nochmal und parallel schrieb Bill Butler, ein Polizeitrainer aus seiner Heimat Washington, einen Brief an Vince Lombardi. Der Brief war datiert auf den 10. Dezember 1959, exakt zehn Tage nach dem Draft. Die Packers bekamen Interesse und William Wood einen Try-Out-Vertrag. Im Camp zeigte er sein Können und nach dem sich Joe Francis verletzte, wäre er als 3rd Quarterback in den Kader gerutscht. Doch elf Tage nach Beginn des Camps änderte Coach Lombardi seine Meinung und machte aus Wood einen Defensivspieler. Der Rest ist Legende.

Lobeshymnen

Im sechsten Spiel der Saison 1960 gab er sein Debüt und war fortan aus der Packers-Defense nicht mehr wegzudenken. „Er hat eine großartige Reaktionsfähigkeit und kann springen wie ein Känguruh“, sagte beispielsweise DB-Coach Norb Hecker 1963. Und Coach Lombardi ergänzte: „Willie war der beste Tackler der gesamten Liga!“ Auch vom Gegner gab es Lob, so beispielsweise von Bears-Tight End-Legende Mike Ditka: „Er hat mich viele Male zu Boden gebracht.“


Titel, Titel, Titel

Aber Wood war auch ein fantastischer Ballhawk. Seine 48 Interceptions (zwei Touchdowns) sind bis heute die Zweitmeisten nach Bobby Dillon in der Geschichte der Green Bay Packers. Vor allem Super Bowl I blieb dabei in Erinnerung. Bei 14:10-Führung für die Packers fing Wood einen Pass von Chiefs-Quarterback Len Dawson ab und trug diese zur fünf Yard-Linie zurück. Dieses Play und der anschließende Touchdown von Elijah Pitts entschieden das Spiel. Überhaupt war Woods Karriere überaus erfolgreich. Fünf NFL-Championships und zwei Super Bowls stehen in seiner Vita. Fünfmal (1964-67, 1969) stand er im All-Pro First Team, viermal im Second Team. Achtmal wurde er in den Pro Bowl gewählt und war 1962 mit neun Interceptions League Leader. Von 1960 bis zu seinem Karriereende trug er nur das Trikot in Grün und Gold und stand in 176 Partien auf dem Feld. 164mal war William Wood Starter.

Nach der Karriere

Nach seiner aktiven Karriere war er als Coach aktiv. Bei den Chargers war er Defensive Back-Coach (1972-1973), bei den Philadelphia Bell in der WFL (1975) und den Torono Argonauts in der CFL (1980-81) Headcoach. Sonderlich erfolgreich war er nicht, dennoch setzte Willie Wood Meilensteine. Bei den Bell war er der erste afroamerikanische Headcoach der Modern Era des Football und bei den Argonauts der Erste der CFL.

Seine letzten Jahre

Über Woods Wirken nach 1981 ist wenig bekannt. Die persönlichen Ehrungen kamen aber dennoch: Er wurde Mitglied des 1960s All-Decade Team und 1989 erfolgte die Aufnahme in die Pro Football Hall of Fame. Zuvor war Wood schon Mitglied der Packers Hall of Fame geworden. 2012 wurde Block der N Street NW in DC in „Willie Wood Way“ umbenannt. Apropos DC: er zog zurück in die Heimat und lebte dort bis zu seinem Tod, zuletzt in einem Pflegeheim. Trotz fortschreitender Demenz und der Tatsache, dass er an den Rollstuhl gefesselt war, war er immer wieder gerngesehener Gast im Lambeau Field. Und dies, obwohl er laut NY Times-Journalist Bill Pennington vergessen hatte, dass er jemals im Super Bowl spielte oder in einem NFL-Roster stand.

Wir werden ihn nie vergessen, genau wie ihn die Packers nie vergessen werden. Rest in peace, William Vernell Wood, und bring die großen Receiver im Himmel zur Verzweiflung. In Gedanken sind die Packers Germany bei deinen Kindern.