Seine Karriere war kurz: ganze acht Saisons spielte dieser Safety in der NFL, alle für die beste Franchise der Welt. Allerdings waren es acht Jahre, in denen die Packers erfolglos waren. Und doch steht sein Rekord bis heute. 61 Jahre nach seinem Karriereende und ein knappes halbes Jahr nach seinem Tod bekommt er nun die höchsten Ehren, die es für einen Football-Spieler gibt. Er gehört zur Hall of Fame-Class 2020 und dies völlig zu recht. Er hätte es sicherlich gerne erlebt, nun müssen wir uns für Bobby Dan Dillon freuen.

Nickname: The Hawk

Bobby wer? Die Frage werden sich viele Packers-Fans stellen, doch bereits 1974 wurde Dillon in die Packers Hall of Fame aufgenommen. Doch der Reihe nach: Bobby Dillon wurde am 23. Februar 1930 in Temple, Texas, geboren. Über seine Jugend ist wenig bekannt – einzig, dass er nach zwei Unfällen schon mit zehn Jahren ein Glasauge bekam. Trotz seines Handycaps machte am College nachhaltig auf sich aufmerksam. Sowohl als Leichtathlet wie auf dem Football-Feld wusste er zu überzeugen. Bei den Texas Longhorns wurde Dillon All-American, gehörte zu den besten Spielern im Jahre 1952. Er meldete zum Draft und die Packers griffen an 28. Stelle (damals dritte Runde) zu. Und schnell hatte Dillon seinen Spitznamen inne: the Hawk!

Franchise Records

Schon in seiner Premieren-Saison griff der Adler zu. Vier Interceptions waren in der passarmen Liga der 50er Jahre ein starker Wert. Und es sollten weitere Folgen. 52 abgefangene Pässe waren es bis zu Dillons Karriereende 1952. Zu diesem Zeitpunkt war nur ein Mann in der Liga besser. Emlen Tunnell, der seine Karriere 1959 bis 1961 bei den Packers ausklingen ließ, hatte 79. Doch zurück zu Dillon: seine 52 Interceptions sind bis heute Franchise-Rekord, ebenso die dazugehörigen 976 Return-Yards. Hinzu kommt der geteilte Franchise-Rekord (vier INTs gegen die Lions 1953) und fünf Pick-6. Statistiken, von denen viele Cornerbacks auch heute nur träumen können. „Dillon und Willie Wood (Packer von 1960 bis 1971) waren die zwei besten Safeties, die wir je hatten“, sagte später Dave Hannan, selbst Pro-Bowler und langjähriger Defensivcoach bei Green and Gold.

Der beste Back der Liga?

Die Reputation hatte Dillon also und das schlägt sich auch in seinen persönlichen Nominierungen wieder. Viermal stand er im Pro Bowl, sechsmal war er ein All-Pro. Weiterhin war er in sieben seiner acht Saisons Interception-Leader der Packers und brachte es dreimal fertig, in neun von zwölf Saisonspielen den Ball wegzufangen. Und dies zu einer Zeit, in der die Packers eine echte Gurkentruppe hatten. So sollte Dillon nur 1959 eine Winning-Season mit seinem Team bestreiten. Und dennoch (oder gerade deshalb) waren seine Trainer voll des Lobes. Dillon sei einer der wenigen Spieler in der Liga gewesen, der auch einen perfekt geworfenen Ball hätte fangen können – so wird sein Coach Lisle Blackburn zitiert. Und Vince Lombardi soll gesagt haben, dass „The Hawk“ der beste Defense Back der Liga war.

Bobby Dillon mit seiner 44

Dillon und Lombardi

Apropos Lombardi: die Saison 1959 hatte Bobby Dillon schon abgehakt und wollte sich ganz auf seine berufliche Karriere konzentrieren. Doch Lombardi, der Dillon als unersätzlich ansah, instruierte Manager Jack Vainisi, dass er den Safety unbedingt halten sollte. Doch Vainisi baute Mist. Zwar kam er mit Dillon zu einer Einigung und Ende August sollte dieser zum Team stoßen. Doch „the Hawk“ sollte für jeden Tag Abwesenheit 100 Dollar bezahlen. „Ich sagte danke zu Jack und legte auf“, so Dillon später. Doch Lombardi griff erneut zum Telefon, stellte Dillon einen Scheck aus und dieser zahlte diesen in die Mannschaftskasse. So konnte der Coach sein Gesicht waren ( „I can say, I fined you“) und Dillon musste so gesehen kein Geld abdrücken. Eigentlich undenkbar, galt Lombardi doch als kompromisslos.

Karriereende und danach

1959 wurde aber seine letzte Saison. Er verpasste aufgrund einer Verletzung zwei Spiele und entschied sich die Karriere an den Nagel zu hängen. 92 Spiele (nicht wie in vielen Statistiken angenommen 94) absolvierte er für die Packers und war 90mal Starter. Vor allem sein Gefühl für den Pass und sein Football-IQ sind bis heute outstanding. Dass Bobby Dillon trotz eines Glasauges fast perfekt die Pässe erahnte, dürfte im Sport einzigartig sein.
Nach der Karriere kehrte Dillon in seine texanische Heimat zurück und arbeite als Verkaufsleiter für eine Plastikfirma. Viel ist über sein weiteres Leben nicht bekannt. Er wurde Mitglied in der Hall of Fame der Packers und der Longhorns. Heute wäre sein 90. Geburtstag, doch Bobby „The Hawk“ Dillon starb am 24. August 2019 mit 89 Jahren in seiner Heimat.