Dies ist Teil 1 von zwei Interviews mit Seahawkern – zuerst Tobias vom Inside Zone Blog und heute Nachmittag Max von den Seahawkers Germany e.V.!

Frage: Danke Tobias, dass du hier mitmachst! Wenn man sich die Analytics anschaut (EPA/Play, DVOA und weitere Statistiken) gibt es zwei Teams, die besser performen als sie eigentlich sollten: Die Seahawks und die Packers. Aber: In den Playoffs kann alles passieren. Die Seahawks haben jetzt schon die “Erfahrung” eines Playoff-Spiels und die Packers haben den Heimvorteil. Welches Team hat denn deiner Meinung nach die Favoritenrolle?

Inside Zone: Für mich ist das Spiel eine enge Geschichte, die ich mich kaum traue zu prognostizieren. Die Packers haben den Heimvorteil, der nicht nur das Heimrecht beinhaltet, sondern auch die gewohnte Witterung bei angesagten Minus 10 Grad. Die Seahawks haben viele Spiele auf dem Papier knapp gewonnen, die sie hätten klarer gewinnen müssen, das letzte Beispiel gab es zuletzt in der Wildcard-Round gegen die Philadelphia Eagles. Aber auch einen weiteren Trend konnten die Seahawks bei den Eagles bestätigen: Die Seahawks sind unglaublich stark auswärts (7-1 Record in der Regular Season). Wie so oft ist die Frage: Wie sehr lässt der Coaching Staff Russell Wilson von der Leine? Denn dieses Spiel steht und fällt, wie so oft, mit den Leistungen der Quarterbacks, bei der Wilson aus einer sehr starken Saison kommt und Rodgers, bei allem Respekt, ein eher durchwachsenes Jahr hinter sich brachte. Wird Wilson nach seinen Stärken und vor allem häufig eingesetzt und das Laufspiel der Seahawks nicht wie im letzten Spiel zum Erliegen gebracht (Lynch und Homer brachten es auf 1,2 und 1,1 Yards per Carry) sehe ich den leichten Vorteil bei den Seattle Seahawks.

Frage: Auf Wilson bin ich auch extrem gespannt, denn wenn er die Defense der Packers bezwingt, sehe ich schwarz für uns. Allerdings haben wir seit dem letzten Aufeinandertreffen, wo Wilson den Pass Rush ausgetrickst und die Coverage auseinandergenommen hat, mit ZaDarius und Preston Smith personell derart aufgerüstet, dass ein 3-man rush oft auch reichen könnte. Wie gut “fühlt” sich die O-Line der Seahawks denn an?

Inside Zone: Trotz der Ausfälle von Duane Brown und Mike Iupati, der gesamten linken Seite der O-Line, hat man in der Pass-Protection einen guten Job machen können. Die Schwachstelle der Angriffslinie ist Center Joey Hunt, der Backup vom lange verletzten Starter Justin Britt, der vor allem in Hälfte Eins von Fletcher Cox ein ums andere Mal düpiert wurde. Und im Run-Blocking sah die gesamte O-Line nicht gut aus. Brown und Iupati könnten am Sonntag aber wieder ins Aufgebot zurückkehren, was ein Upgrade darstellen sollte. Und hoffentlich reicht das, um das Smith-Tandem in Schach zu halten. Dazu müssen die unnötigen Strafen durch False Start dringend vermieden werden, um der Packers-Defense durch derartige Raumverluste nicht noch mehr Raum zur Entfaltung des Pass-Rush zu geben. Weiterhin würde ich gerne viele Rollouts, Read-Option und Play-Action-Plays sehen, um Wilsons Stärken voll zu entfalten und dabei Druck von ihm zu nehmen.

Frage: Klingt so, als könnten die Seahawks einen Plan entwickeln, um der Packers Defense ordentlich Dampf zu machen. Wie siehts denn bei den Seahawks mit der Redzone Offense aus?

Inside Zone: Die Redzone-Offense-Percentage der Seahawks ist mit etwa 64% (nur Touchdowns) auf Platz 9 der gesamten NFL. Mit Chris Carson fehlt in der Red Zone ein erstklassiger Contact-Runner, der von Lynch aktuell jedoch ordentlich vertreten wird. Offensive Coordinator Brian Schottenheimer, oft unterschätzt und belächelt, hat vor allem zu Beginn der Saison einige erstklassig designte Red-Zone-Plays gecallt und hat mit Russell Wilson auch den Quarterback, um diese Plays umzusetzen. Hier darf man gespannt sein, ob Schottenheimer noch das ein oder andere interessante Play für die Playoffs aufbewahrt hat. Mit Jacob Hollister, DK Metcalf und Tyler Lockett hat hier Wilson auch ausreichend Waffen, die sich bisher bewährt haben. Und wenn es eng wird ist Russell Wilson noch immer athletisch genug, um selbst den Weg Richtung Endzone zu wagen.

Frage: Schauen wir mal auf die Defensive der Seahawks. Die Zeiten von der Legion of Boom sind ja schon lange vorbei, die Seahawks sind nur 18. im defensiven DVOA. Was glaubst du, wie könnte der defensive Gameplan aussehen und ist Aaron Rodgers oder Aaron Jones die größere Bedrohung für euch?

Inside Zone: Für mich klar Aaron Rodgers. Den Lauf können die Seahawks meist passabel verteidigen, auch wenn ich Aaron Jones als starken Running Back sehe. Interessanter wird hier zu sehen sein, wie man Jones als Anspielstation durch die Luft verteidigt, denn rund ein Drittel seiner gesamten Yards hat er nach empfangenen Pässen erzielt. In der Passverteidigung offenbaren sich leider immer wieder Schwächen. Gründe dafür gibt es mehrere: Es wird zu großen Teilen an der Base-Formation festgehalten und die langsameren Linebacker (Drei an der Zahl) müssen immer wieder in Coverage gehen, dadurch entstehen Mismatches. Würde man hier mehr auf beispielweise eine Nickel-Formation mit Slot-Cornerback setzen könnte man einigen Problem aus dem Weg gehen. Dazu ist man vor allem über unseren Cornerback Nummer 2, Tre Flowers, immer wieder angreifbar. Er lässt im Vergleich zu seinem Pendant Shaquill Griffin viel mehr zu. Eine weitere Problematik sind Pass-Interference-Penalties, die sich Flowers immer wieder dadurch einhandelt, dass er vor allem bei langen Pässen nie zum Ball schaut und den Wide Receiver schlicht behindert. Das dürfte ein gefundenes Fressen für einen erfahrenen Mann wie Aaron Rodgers und eine Schwachstelle in der Seahawks-Defense sein, die auch immer wieder attackiert werden wird. Der Gameplan muss es sein, Rodgers in der Pocket zu halten und zu schnellen Würfen zu zwingen. Dazu bedarf es einer Leistungssteigerung in der Secondary und eine Wiederholung des doch ordentlichen Pass-Rushs durch die Defensive Line im letzten Spiel gegen die Eagles (7 Sacks). Mein letzter Eindruck von Rodgers beim Spiel gegen die Lions war es, dass er auch mit wenig oder ohne Druck ziemlich ungenau geworfen hat. Und genau an diesen Punkt muss man Rodgers erneut kriegen. Denn die gesamte Offense kann bei einem behäbigen Passspiel nicht allein durch Aaron Jones getragen werden.

Frage: Vielen, vielen Dank! Ein letztes noch: Wie ist dein Tipp?

Inside Zone: Ich habe zu danken! 21-24 für die Seahawks in einem bis zum Schluss engen Spiel. Auf ein schönes und faires Spiel!