Nachdem die Wildcard-Round hinter uns liegt, steigen auch die Packers in die Playoffs ein. Durch den überraschenden Sieg der Vikings bei den Saints wurde der Gegner der Packers im Spiel zwischen den Seahawks und Eagles ermittelt. Am Ende konnten die Seahawks gegen extrem personalgeschwächte Eagles die Oberhand behalten, sodass es am kommenden Sonntag mal wieder ein Playoff-Spiel gegen die Seahawks geben wird. In der zweigeteilten Vorschau auf das Spiel, schauen wir uns zunächst das Matchup Packers Defense vs. Seahawks Offense genauer an.

Saison der Seahawks

Die Regular Season beendeten die Seahawks mit einer Bilanz von 11-5 und belegten damit den zweiten Platz in der NFC West hinter den 49ers. Die mehr als knappe Niederlage gegen die 49ers im letzten Spiel und die überraschende Niederlage gegen die Cardinals im vorletzten Regular Season Spiel, sorgten am Ende dafür, dass man die Krone der Division den 49ers überlassen musste. Bis Woche 13 war man auf Kurs Bye Week gewesen, ehe hinter einer verletzungsbedingten schwächeren OLine auch Russell Wilson zusehends Schwierigkeiten bekam. 1-3 aus den letzten 4 Spielen war dann am Ende einfach zu wenig.

Durchaus eine Erwähnung wert ist es auch, dass die Seahawks zehn der elf Siege mit einem Score oder weniger gewonnen haben. Auch das Playoff-Spiel gegen die Egales wurde lediglich mit einem Score Unterschied gewonnen. Das zeigt, dass die Seahawks in dem ein oder anderen Spiel sicher auch mit etwas Glück gewonnen haben. Noch viel mehr zeigt es aber auch, dass das Team die Nervenstärke hat in knappen Spielen die Oberhand zu behalten. Man hat einen Quarterback, der in der Crunch-Time keine Fehler macht und auf den sich das Team verlassen kann. Diese Eigenschaft ist in den Playoffs zweifelsfrei Gold wert!

Apropos Russell Wilson. Wilson spielt mal wieder eine überragende Saison und hat einen maßgeblichen Anteil an der guten Saison der Seahawks. Wäre da nicht ein gewisser Lamar Jackson in Baltimore, wäre Wilson ein sehr heißer Kandidat auf den diesjährigen MVP-Award. 4110 Passing Yards bei 66% Completions, 31 Touchdowns und lediglich 5 Interceptions stehen am Ende zu Buche.

Ways to win – Packers Defense vs. Seahawks Offense

X-Factor Russell Wilson

Oberste Prämisse für die Packers Defense muss es sein Russell Wilson in der Pocket zu halten. Wenn Wilson aus der Pocket scrambelt ist er in der Lage jeder Defense der Liga extrem weh zu tun. Er trifft dann extrem kleine Fenster oder bekommt leichte Completions, weil die Coverage nicht lange genug standhalten kann. Des Weiteren ist er außerhalb der Pocket auch als Runner extrem gefährlich.

Wie kann die Packers Defense also Russell Wilson in der Pocket halten? Wie das funktionieren kann, haben wir bereits beim letzten Matchup mit den Seahawks bestaunen dürfen. Hier hat Mike Pettine oft Kyler Fackrell als QB-Spy eingesetzt, der Wilson nicht aus den Augen ließ und schnell reagieren konnte falls dieser die Pocket verließ.

Zweifelsfrei haben die Packers mit Za´Darius Smith und Preston Smith ein gefährlicheres Pass Rush Duo aufzubieten, als noch beim letzten Matchup mit den Seahawks. Da Fackrell die Rolle damals bereits exzellent gespielt hat – übrigens vielleicht sein bestes Spiel im Packers Jersey überhaupt – könnten die Packers ihn in gleicher Funktion wieder einsetzen.

Auch der wieder zur Verfügung stehende Raven Greene könnte hin und wieder in diese Rolle (QB-Spy) schlüpfen. Greene ist zwar gelernter Safety bringt aber ähnliche Tackling Qualitäten mit wie ein Linebacker und dürfte im Open Field sogar noch stärker sein.

Deep Threat D.K. Metcalf I

Der zweite Ansatzpunkt für die Packers Defense sollten die Wide Receiver der Seahawks sein. Metcalf, der gegen die Eagles ein überragendes Spiel hatte glänzte mit sieben Receptions, 160 Yards und einem Touchdown. Damit hatte der Rookie just im wichtigsten Spiel seiner jungen Karriere sein bisher bestes Spiel. Insbesondere Downfield ist er eine extrem gefährliche Waffe und muss entsprechend von der Defense respektiert werden. Im Route Running hat der Rookie jedoch noch Schwächen.

In den folgenden Bildern ist dargestellt, wie die Seahawks Metcalf sehr effektiv als deep threat eingesetzt haben.

Die Eageles haben hier versucht die Seahwaks zu täuschen. Die Aufstellung der Defense sieht nach einer Standard Cover-to-Man Defense aus. Metcalf ist hier der zweite Receiver am unteren Bildrand.

Was spielen die Egales jedoch stattdessen? Die pre Snap Motion von Tyler Lockett entlarvt die Eagles Defense als Zone Defense (kein Verteidiger reagiert auf seine Motion). Die Seahwaks attackieren diese Zone Defense mit lediglich zwei tiefen bzw. mitteltiefen Routen.

Ein Safety spielt eine tiefe Zone, der andere Safety kommt nach vorne und spielt eine Flat-Zone. Metcalf bekommt dadurch ein sehr gutes Matchup gegen den hier mit lila Pfeil markierten Cornerback (Avonte Maddox), der vermutlich eine zweite tiefe Zone spielen sollte. Maddox hat jedoch keine Chance mit dem Speed von Metcalf mitzuhalten. Metcalf schlägt ihn ganz einfach mit seiner Geschwindigkeit und ist für eine relativ leichte Completion offen zum Touchdown.

Deep Threat D.K. Metcalf II

Ein weiteres Beispiel ist das letzte Play des Spiels. Die Egales müssen riskieren, um nochmal an den Ball zu kommen. Sie stellen die Box voll, um den möglichen Lauf früh stoppen zu können.

Statt jedoch den Ball zu laufen und das Ergebnis zu verwalten, legt Schottenheim (OC) das Spiel in die Hände von Russell Wilson und Metcalf. Durch die aggressive Spielweise der Eagles bekommt Metcalf abermals ein vorteilhaftes Matchup, bei welchem er mit seinem Speed den Defender schlagen kann. Wilson bringt den tiefen Ball auf Metcalf an und die Seahawks gewinnen das Spiel.

Safety-Hilfe gegen Metcalf

Wie kann man diese Big Plays auf Metcalf verhindern? Ihr habt es der Überschrift schon entnommen – Cornerbacks benötigen tiefe Safety Hilfe. Wenn man sich die beiden hier gezeigten Plays nochmal anschaut, hat genau das den Eagles hier gefehlt. Im eins gegen eins ist Metcalf mit seiner Geschwindigkeit kaum zu verteidigen.

Stellt man dem jeweiligen Cornerback jedoch einen tiefen Safety zur Hilfe, welcher diese tiefen Routen abdeckt, ist Metcalf jedoch schon vieles seiner Stärken genommen. Dafür benötigt es natürlich entsprechende Kommunikation zwischen Cornerback und Safety sowie intelligentes Spielverhalten beispielweise bei Play Action Spielzügen, um die tiefen Routen nicht doch zu ermöglichen.

Weiterhin ist es dabei natürlich vorteilhaft, wenn man den Passrush so gestalten kann, dass man mit vier Passrushern genügend Druck auf Wilson ausüben kann. Gegen den Blitz ist Wilson nämlich sehr stark und kann dann die entstehenden eins zu eins Duelle seiner Receiver sehr effektiv ausnutzen (siehe die oben gezeigten Beispiele). Die Cardinals haben das in Woche 16 gegen die verletzungsgeplagte Seahawks OLine schon nahezu perfekt gezeigt. Auch Pettine dürfte und sollte vermehrt auf den 4-Man Pass Rush setzen.

An dieser Stelle der Hinweis, dass ihr euch morgen auf einen noch detailierteren Artikel freuen dürft, der sich mit dem Matchup Seahawks WR (Lockett/Metcalf) vs. Packers CB (King/Allexander) beschäftigt.

Laufspiel der Seahawks

Oben beschriebene Vorgehensweise gegen Metcalf sorgt zwangsläufig dafür, dass man weniger Spieler in die Nähe der Line of Scrimmage stellen kann. Dies wiederum öffnet Möglichkeiten für das Laufspiel der Seahawks. Ist das Respektieren der tiefen Routen auf Metcalf also doch keine so gute Idee?

Dazu schauen wir uns das Laufspiel der Seahawks einmal genauer an. Auf der Position des Runningbacks mussten die Seahawks nach den Verletzungen von Chris Carson, Rashaad Penny und C.J. Prosise zwangläufig kurz vor Ende der Regular Season nochmal aktiv werden. Die Seahawks verpflichteten zwei alte Bekannte: Marshawn Lynch und Robert Turbin kehrten nach Seattle zurück und sorgten bei vielen Fans für Jubelstürme.

Klar ist jedoch auch, dass die beiden im Prinzip Notlösungen und kein adäquater Ersatz für die o.g. Spieler sind. Beide waren lange ohne Team und ihre NFL-Zeit eigentlich abgelaufen. Beide kennen jedoch die Franchise und die meisten Coaches noch aus ihrer Zeit in Seattle, sodass sie in der heißen Phase der Saison auch sehr schnell einsatzbereit sind.

Auch beim Blick auf die Stats wird klar, dass das Rungame der Seahawks stark limitiert ist. Lynch beispielweise verzeichnete lediglich 1,2 Yards pro Run gegen die Eagles. Auch Travis Homer brachte es auf lediglich 1,1 Yard pro Run. Umso erstaunlicher, dass Schottenheimer fast krampfhaft immer wieder Laufspielzüge callte.

Passverteidigung > Laufverteidigung

Bei diesen Zahlen wird auch klar, dass die Packers den Fokus defensiv auf dem Passspiel der Seahawks haben sollten. Klar ist, dass das Laufspiel mit Sicherheit auch durch die Verletzungen in der OLine der Seahawks limitiert war. Auch haben die Eagles bekanntermaßen eine gute Rundefense. Trotzdem sollte das an der grundsätzlichen Ausrichtung der Packers Defense nichts ändern.

Mike Pettine ist sowieso jemand der den Fokus auf die Passverteidigung legt. Der ein oder andere Raumgewinn am Boden wird dabei im Kauf genommen. Trotzdem ist insbesondere gegen einen Marshawn Lynch natürlich das Tackling Verhalten der Defense sehr wichtig! Hier heißt es richtig zuzupacken, bis der Run tatsächlich gestoppt ist.

Fortsetzung folgt…