Schön war das nicht, was die Fans in Lambeau und vor den TV-Geräten gestern sahen, aber am Ende ist das Ergebnis das, was zählt. Und dieses Ergebnis zeigt den zehnten Saisonsieg für die Packers. Nach weitestgehend zähem Ringen zittern sich Green and Gold zum 20:15 (14:6)-Heimerfolg gegen die Washington Redskins. Damit bleiben die Packers auf Rang eins in der NFC North und übernehmen sogar Rang zwei in der Conference, da die Saints gegen die 49ers verloren.

1st Quarter: Blitzstart Packers

Das erste Viertel war vielleicht das Beste, was die Packers bisher zeigten. Von Beginn an waren sie hellwach, schon früh sorgten Kenny Clark und Kyler Fackrell im Verbund für einen Sack gegen Rookie-Quarterback Dwayne Haskins. So kam Aaron Rodgers früh in Ballbesitz. Dank eines schönen Passes auf Jimmy Graham über 20 Yards und eines eigenen Scrambles über weitere 13 ging es gut in Richung Endzone. Den Rest besorgte Aaron Jones, der ab durch die Mitte die restlichen vier Yards überwinden konnte – 7:0 Packers (PAT Crosby).

Auch der zweite Drive der Redskins verpuffte schnell. Adrian Amos schaffte im ersten Versuch einen Sack und schon war die Luft raus. Allerdings musste auch Rodgers dran glauben, so dass der Ballbesitz in der Folge zweimal wechselte. 3:40 vor Ende des Quarters kamen die Packers aber wieder in selbigen. Erneut war es ein langer Pass (25 Yards) auf Graham, der den Reigen eröffnete. Jones marschierte ebenfalls zum 1st Down und dann war es Robert Tonyan, der mit seinem ersten Saison-Touchdown auf 14:0 stellte (Crosby weiter perfekt beim PAT).

2nd Quarter: Redskins laufen sich ins Spiel zurück

Die Redskins, die mit einem Sieg das kleine Fünkchen Playoff-Hoffnung am Leben hätten halten könnten, besannen sich dann auf ihre Stärke – das Laufspiel. Allerdings schafften es die Packers zunächst, den Gegner fern der Endzone zu halten. Preston Smith gelang dabei der dritte Sack des Abends. Doch die Akzente waren gesetzt. Adrian Peterson und Derrius Guice fanden Lücken und so brachte AP den Ball über die finalen zwei Yards ins Ziel. Zum Glück prügelte Dustin Hopkins den PAT rechts am Gestänge vorbei. Mit der 14:6-Führung im Rücken ging es in die Halbzeit. Rodgers sorgte dabei für einen Schreckmoment, als er einen Fumble produzierte und den Ball auch verlor. Doch Adrian Amos packte danach zu und fing den Pass von Haskins ab, bügelte so den Fehler seines Quarterbacks aus.

3rd Quarter: Defensiv hui, offensiv pfui

In der zweiten Halbzeit sorgte Aaron Jones im Alleingang dafür, dass die Packers in Richtung Endzone kamen. Allein 38 Yards waren seine ersten beiden Läufe (einer nach einem kurzen Rodgers-Pass) wert, so dass Green Bay tief ins gegnerische Territorium kam. Mehr als ein Field Goal war es aber nicht wert, Crosby verwandelte zum 17:6.

Die Offensive hatte (abgesehen von Jones) mächtig Sand im Getriebe, die Defensive hielt. Im dritten Viertel ließen sie keine Big Plays zu, Clark gelang sogar ein weiterer Sack. Dennoch konnten die Redskins nochmal verkürzen. Hopkins traf aus 52 Yards zum 17:9 aus Sicht der Packers.

4th Quarter: unnötiges Zittern

Doch das Zittern begann, weil vor allem Rodgers keine guten Entscheidungen traf. Wenn dann noch die O-Line einmal nicht gut mitspielt, dann steht man halt bei 3rd and 14 an der eigenen 7 Yard-Linie. Aber Rodgers und Jones zaubern dann doch einen raus, befreien die Packers aus der misslichen Lage. Mit etwas Glück kämpft man sich durch, ein Allison-Fumble wird (korrekterweise) nicht gegeben und zum Abschluss darf Mason Crosby kicken – 20:9, 2:34 vor dem Ende. Die vermeintliche Entscheidung war also gefallen.

Dachte sich auch die Packers-Defense und überließ die Initiative. Haskins nahm dankend an, fand sein Lieblingsziel Terry McLaurin und der beste Redskins-Receiver verkürzte auf 20:15. Die Two-Point-Conversion, welche Haskins in die Endzone laufen wollte, wurde rechtzeitig gestoppt. Washington setzte alles auf eine Karte, probierte den Onside-Kick, doch Davante Adams griff zu und sicherte den Packers den Sieg. Zittern erfolgreich!

Fazit

Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss – kann man so sehen, muss man aber nicht. Sicherlich hat man gerade defensiv gut gespielt und auch das Laufspiel der Redskins in Grenzen gehalten. Aber die offensive Produktion war (mit Ausnahme von Jones) eine Farce. Gegen eine der schwächsten Pass-Verteidigungen der Liga war das ganz schön mager, was die Offensive produzierte. Zum Glück war es nur Washington, so dass es zum zehnten Sieg reichte. Bleibt zu hoffen, dass alle so selbstkritisch wie Bryan Bulaga sind – mit oder ohne Tequila.

 

 

Flops

Aaron Rodgers: Ja, ich weiß, das ist Majestätsbeleidigung, was ich schreibe. Aber Rodgers hat mir gar nicht gefallen. Die O-Line hat ihm zumeist viel Zeit verschafft, dennoch fand er selten offene Receiver. Dazu traf er einige schlechte Entscheidungen, die einem gegen bessere Teams teuer zu stehen kommen. Aber gut, auch ARod darf mal eine Gurkenpartie abliefern.

Receiver: Natürlich steht und fällt eine Partie auch damit, wie sich die Receiver freilaufen. Doch mit Ausnahme von Adams und Graham war das nichts, was die Jungs da zeigten. Klar, Lazard war wie immer bemüht, aber Allison und der Rest war (leider mal wieder) nicht gut.

Tops

Defensive Front: Ganz starker Job von den Jungs von ganz vorne. Selbst Blitzen hat ein ums andere Mal funktioniert und so stehen vier Sacks im Buch. Dazu viele erfolgreiche Tackles und man hielt AP bei unter vier Yards pro Lauf. Stark Vorstellung!

Adrian Amos: Oft ist Amos so eine Art Unsung Hero. Spielt effektiv, aber auffällig unauffällig. Doch diesmal kann sich der Safety belohnen. Sieben Tackles, ein Sack und eine Interception zeugen davon, dass der Sheriff den Verkehr ordentlich geregelt hat.

Tyler Ervin: Im Discord sprachen wir über das schwache Return-Spiel der Packers – und prompt wurde Ervin verpflichtet. Der 26-Jährige machte seine Sache mit klugen Entscheidungen sehr ordentlich und erlief 12,8 Yards pro Punt-Return. Sehr gut!

Aaron Jones: 192 Total-Yards, 8,4 Yards pro Lauf, ein Touchdown – keine Frage, Jones hat nach etwas Auszeit wieder richtig einen rausgehauen!