Die Packers gewinnen nicht gerade überzeugend gegen eigentlich schwache Redskins. Nach den ersten beiden Touchdowns ging offensiv bei den Packers fast nichts mehr zusammen. Die Offense um Aaron Rodgers gerät in den letzten Wochen – nicht ganz zu Unrecht – in die Kritik. In der heutigen Kolumne wollen wir einen Blick auf die ins Stottern geratene Packers Offense werfen, die nach den beiden besagten Touchdown-Drives im ersten Quarter nur noch zwei Fieldgoals aufs Scoreboard packen konnten. Hierzu sei euch auch die Kolumne von Adrian Franke ans Herz gelegt, worin er auf die anhaltenden Probleme der Offense eingeht. Die Kolumne findet ihr hier.

Die nun folgenden Spielzüge stammen aus dem zweiten oder dritten Quarter des Redskins-Spiels. Das erste Quarter sei an dieser Stelle mal ausgeklammert von der Kritik. Wie schon so häufig in der Saison funktioniert der grundsätzliche Gameplan von Matt LaFleur zu Anfang des Spiels nahezu perfekt. Danach wurde es jedoch sehr holprig.

Sichere Yards vs. Big Play

Das erste Play welches wir uns genauer anschauen stammt aus dem zweiten Quarter. Nach einem False-Start der OLine bei 1st & 10 heißt es 1st &15 für die Packers.

Die Packers kommen im 11-Personnel in der Shotgun-Formation aufs Feld. Die Packers spielen ein Konzept bei dem zwei Receiver durch die Mitte zwei unterschiedlich tiefe Routen laufen (Graham und Allison). Die beiden Outside Receiver laufen zwei tiefe Go-Routen.

Die Redskins spielen eine Cover-4, rushen mit vier Spielern und Graham und Jones werden in Manndeckung genommen. Hier auf dem Bild ist bereits zu erkennen, dass die Route von Allison relativ wenig Redskins-Verteidiger in der Nähe hat. Graham räumt mit der flacheren Route durch die Mitte den Linebacker weg. Die Route von Jones zieht den Nickelback nach außen. Die beiden tiefen Routen von Lazard und Adams räumen die Cornerbacks aus dem Weg.

Allison ist in der Mitte völlig blank. Rodgers hat eine saubere Pocket und kann in genau dem Moment des Bildes den Wurf auf Allison anbringen. Im nächsten Bild wird das nochmal deutlicher. Auch Williams ist hier für eine kürzer Completion offen.

Statt ordentlich Raumgewinn endet der Spielzug jedoch in einem Sack. Rodgers macht einige Schritte in die Pocket rein – will diese nach vorne verlassen. Vermutlich sieht er, dass die beiden Safeties in der Mitte des Feldes auf Allison reagieren (angedeutet durch die beiden gelben Pfeile im zweiten Bild). Lazard (unterer Bildrand im zweiten Bild) hat dann keinen Gegenspieler mehr zur Mitte des Spielfeldes und würde wohl easy zum Touchdown laufen. Das dauert aber alles zu Lange. Die OLine kann den Pass Rush nicht mehr halten und Rodgers wird gesackt. Von Snap bis Sack sind allerdings auch bereits ca, 3,5 Sekunden vergangen. Genug Zeit den Ball loszuwerden, insbesondere wenn Receiver offen waren.

Zu enges Fenster

In diesem Beispiel spielen die Redskins eine Cover-3 mit vier Zonen darunter. Das Play stammt aus der Two-Minute-Offense kurz vor der Halbzeit. Nach erfolgreicher 4th Down Conversion, klopften die Packers mit knapp einer Minute auf der Uhr nochmal an die Redzone an.

Rodgers hat pre Snap die Zonen Verteidigung der Redskins vermutlich schon gelesen. Nach dem Snap sind seine Augen nur auf Adams (unterer Bildrand) gerichtet. Adams läuft eine Go-Route.

Rodgers hat hier auch den richtigen Read. Der Cornerback mit der Nummer 38 muss seine kurze Zone verteidigen und auf Williams reagieren der diese Zone attackiert. Adams wird dadurch in seinem Rücken offen, denn der Safety steht noch zu tief. Rodgers hat bei diesem Spielzug, wie bereits erwähnt, die Augen nur auf Adams, verpasst es jedoch dieses enge aber offene Fenster anzuwerfen. Er kann dann Ball hier zwischen Cornerback und Safety auf Adams anbringen. Auch zur Seitenlinie hat Adams genug Platz, sodass das zu treffende Fenster nicht zu eng ist.

Auch auf der anderen Seite hat Rodgers eine mögliche Completion auf Kumerow. Beide Optionen nimmt Rodgers nicht an. Stattdessen versucht er sich Zeit in der Pocket zu erkaufen. Bulaga verliert jedoch sein Duell gegen den Edge-Rusher der den Strip-Sack landet. Statt vor der Halbzeit nochmal zu scoren geben die Packers den Ball wieder ab. Wieder hält Rodgers jedoch den Ball länger als 2,5 Sekunden.

Lazard über die Mitte zum Touchdown

In der Redzone stehen die Packers im dritten Quarter bei einem dritten Versuch bei vier Yards zu gehen. Abermals Shotgun-Formation aus dem 11-Personnel für die Packers. Die Redskins sind pre Snap schwer zu lesen. Es befindet sich kein Spieler der DLine mit der Hand am Boden, welcher somit als Pass Rusher ausgemacht werden könnte. Die Redskins rechnen hier mit dem Pass und schicken letztendlich auch nur drei Spieler in den Passrush. Graham und Jones am oberen Bildrand laufen eine Corner- und eine Wheel-Route Richtung Endzone. Allison, Lazard und Adams von links je unterschiedlich tiefe Routen über die Mitte des Feldes.

Rodergs hat eine gute Protection durch seine OLine und somit genug Zeit seine Reads durchzugehen. Allison, Adams und Jones sind gut gecovert (gelbe Kreise im nächsten Bild). Graham wäre hier womöglich anspielbar mit einem Ball über die Verteidiger Richtung Endzone und rechter Seitenlinie. Noch freier ist jedoch Lazard in der Mitte des Feldes, der seinen Gegenspieler nach dem Cut abgeschüttelt hat. Rodgers verpasst hier abermals das Abspiel und damit auch den vermeintlichen Touchdown. Das Play endet in einer Incompletion und letztlich einem Field Goal statt einem Touchdown.

Folgendes Bild aus der hinteren Ansicht verdeutlicht wie offen Lazard ist und das Rodgers ihn eigentlich sehen muss in dieser Situation.

Wieder die Mitte

Das nächste Play stammt ebenfalls aus dem dritten Quarter. Empty Backfield für Rodgers. Jones ist als Passempfänger rechts der OLine aufgestellt. Die Redskins spielen am unteren Spielfeldrand mehrere kurze Zonen und einer tiefen Zone des Cornerbacks. Der rechte Edge Rusher dropt in eine flache Zone, der Middellinbacker spielt eine Zone in der Mitte. Auf der anderen Seite rusht der zweite Linebacker etwas verzögert auf Rodgers. Der Safety kommt nach unten und nimmt Jones in Manndeckung.

Durch den großen Abstand des Safeties zur Line of Scrimmage, kann Rodgers hier den rushenden Linebacker lesen und hat eine mögliche Anspielstation für ca. 5 Yards auf Jones, der eine kurze Out-Route zur Seitenlinie läuft.

Rodgers wird den Ball jedoch nicht an Jones los. Stattdessen entsteht folgende Situation. Allison und Jones sind am oberen Bildrand gut gecovert. Auch Adams in der Mitte (43-Yard Line) ist gut gecovert. Lazard und Graham sind jedoch völlig offen. Graham über die Mitte und Lazard am unteren Spielfeldrand. Rodgers hat wieder keinen Druck durch den Passrush – die OLine hält.

Statt einem neuen First Down nach möglichen Pässen auf Graham oder Lazard fängt Rodgers an zu scramblen und wird den Ball viel zu spät los, nachdem Lazard und Graham wieder gedeckt sind – Incompletion.

Takeaway

Der Titel der Kolummne hätte auch heißen können „Die Probleme von Aaron Rodgers“. Die vier gezeigten Beispiele zeigen exemplarische wo die Probleme der Packers Offense liegen. Häufig wird als Argument angeführt, dass der Offense die entsprechenden Waffen fehlen. Aus dem Tape vom Spiel gegen die Redskins kann das jedoch definitiv nicht als Argument herangezogen werden. Diverse Male wirft Rodgers offensichtlich freie Receiver nicht an. Auffällig hierbei ist, dass dies häufig in Situationen ist, in welchen die Receiver über die Mitte frei werden. Aus dem Tape geht auch hervor, dass Rodgers häufig zu sehr auf Adams fixiert ist. Grundsätzlich ist es richtig seinen Playmaker zu suchen jedoch nicht, wenn dieser in Double Coverage ist und kaum eine Chance auf einen Catch hat. Auch im hier gezeigten zweiten Beispiel ist Rodger´s Fokus auf Adams. Adams ist frei. Rodgers scheut jedoch das Risiko des zu engen Fensters und verpasst die Chance ihn anzuwerfen.

Woran liegt es das Rodgers seine freien Receiver ignoriert? Vertraut er ihnen nicht? Hat er Angst vor der Interception und nimmt deshalb nur sichere Pässe? Grundsätzlich kann jeder Turnover spielentscheidend sein und es ist zunächst mal richtig, diese möglichst zu vermeiden. Aber diese sehr konservative Spielweise verhindert natürlich auf häufig genug Punkte auf der eigenen Seite des Scoreboards. Hier ist auch der Coaching-Stuff gefordert, um an diesem Umstand zu arbeiten. Es bleibt jedoch fraglich, ob Rodgers sich diese angeeignete konservative Spielweise kurzfristig wieder ablegen kann. Um den Bogen zurück zur Spox-Kolumne zu spannen: Ja, es ist Sand im Getriebe.