Das Personnel ist eine Bezeichnung dafür mit welchen Spielern eine Offense aufs Feld kommt. Die erste Ziffer gibt die Anzahl der Runningbacks an, die zweite Ziffer die Anzahl der Tight Ends. Bei fünf Spielern in der Offensiv-Line plus dem Quarterback ergibt sich aus dieser Bezeichnung also auch die Anzahl der Wide Receiver. „21-Personnel“ bedeutet also zwei Runningbacks, einen Tight und zwei Wide Receivers (+ fünf OLiner + Quarterback). Wir möchten euch heute zeigen, wie die Packers aus dem 21-Personnel im Spiel gegen die Panthers agiert haben und gehen dabei auf einige Besonderheiten ein, welche dieses Personnel für die Offense bzw. für die gegnerische Defense mit sich bringt.

Empty Backfield

Der erste Spielzug stammt aus dem ersten Quarter. Die Panthers führen mit 7-0 und die Packers kommen nach einer erfolgreichen 3rd Down Conversion in die Redzone. An der 20 Yard Line der Panthers ergibt sich anschließend folgendes Bild:

Die Packers kommen wie bereits angedeutet im 21-Personnel (2 Runningbacks, 1 Tight End, 2 Wide Receiver) aufs Feld. Das 21-Personnel deutet für sich eher auf einen Laufspielzug hin. Potenziell hat man weniger Passempfänger auf dem Feld (2 Wide Receiver 1 Tight End) und im Gegensatz dazu zwei Spieler welche grundsätzlich den Ball laufen könnten (wobei natürlich auch Runnigbacks als Passempfänger eingesetzt werden können). Für die Defense bedeutet das aber in der Regel, dass sie physisch starke Spieler dem Personal der Offense entgegensetzen müssen. Entsprechend reagieren hier auch die Panthers darauf mit ihrer Base-Defense (4 Defensiv Backs, 4 Linebacker, 3 DLiner). Damit stellt die Defense hier sicher, dass sie bei einem eventuellen Laufspielzug der Offense Spieler auf dem Platz haben, die diesen auch entsprechend verteidigen können.

Zunächst stellen sich die Packers in der Shotgun-Formation auf (J. Williams neben Rodgers). Williams wechselt vor dem Snap jedoch nach außen in der Formation. Auf den beiden äußersten Positionen in der Spread-Formation stehen jetzt nicht etwa die beiden Wide Receiver der Packers, sondern beide Runnigbacks (Williams und Vitale)! Das ist durchaus ungewöhlich.

Durch die Motion von Williams wissen die Panthers, dass es einen Passspielzug geben wird (Keinen Runningback im Backfield). Die Motion von Williams macht es außerdem erforderlich, dass die Panthers ihren defensiven Spielzug anpassen. Der unterste Pass Rusher (Brian Burns) muss in eine Passverteidigung wechseln, da die Panthers sonst am unteren Bildrand nur zwei Verteidiger gegen drei Passempfänger hätten.

Die Panthers spielen eine Zonenverteidigung. Eric Reid der vorher noch an der Line of Scrimmage postiert war wechselt tief ins Backfield und spielt zusammen mit Tre Boston je eine tiefe Zone in der Mitte des Spielfeldes. Brian Burn spielt eine kurze Zone zum unteren Rand des Spielfeldes. Die beiden Linebacker in der Mitte covern jeweils eine Zone in der Spielfeldmitte. Die beiden Cornerbacks ganz außen spielen ebenfalls zwei tiefe Zonen (Cover 4).

Schaut man sich jetzt an wie die beiden Teams hier aufgestellt sind und weiß welche Routen von der Offense gelaufen werden, haben es die Packers hier geschafft ihren besten Wide Receiver in ein sehr vorteilhaftes Matchup zu bekommen. Adams (zweiter Packers Spieler von oben) kann hier mit seiner Route in die Mitte des Spielfeldes nur von den Linebackern verteidigt werden. Die Routen von Williams, Kumerow und Graham (links der OLine) sorgen zudem dafür, dass die Mitte des Feldes einigermaßen freigeräumt wird.

Im letzten Bild des Spielzuges ist dann zu erkennen, wie sich der Spielzug entwickelt hat. Die beiden Safeties der Panthers sitzen weiter in der Mitte des Spielfeldes in ihren tiefen Zonen. In der Mitte des Spielfeldes wird Graham von Brian Burns übernommen. Luke Kuechly übernimmt dafür Kumerow. Im Rücken von Kuechly ist jetzt Shaq Thompson im eins gegen eins gegen Adams alleine auf weiter Flur. Mit einem Cut in die Mitte an der 15 Yard Line hat Adams Thompson abgeschüttelt und entscheidende Seperartion erzielt. Der Ball von Rodgers kommt in das blaue Fenster und Adams kann Yards after Catch machen und wird letztendlich an der 5 Yard Line getackelt. First and Goal für die Packers. A. Jones bringt den Drive mit dem Touchdown letztendlich zu Ende.

Play Action aus 21-Personnel

Im nächsten Beispiel ein schön designter Play-Action Spielzug von Matt LaFleur. 2nd & 6 an der eigenen 49 Yard Line. Die Packers kommen auch hier im 21-Personel aufs Feld. Die Panthers müssen wieder den Lauf respektieren und sich defensiv entsprechend aufstellen.

Kumerow der später den Pass von Rodgers bekommen wird rückt vor dem Snap sehr nah an die OLine heran. Die Panthers reagieren und stellen sich noch enger zusammen und laden die Box mit insgesamt 9 Spielern. Die komplette OLine der Packers blockt nach rechts. Auch Fullback Danny Vitale blockt nach rechts raus. Aus der I-Formation täuscht Rodgers die Ballübergabe auf Jones und damit einen Laufspielzug nach rechts an.

Fast alle Packers Spieler bewegen sich hier nach rechts raus und täuschen somit den Lauf von Jones in eben diese Richtung an. Kumerow läuft gleichzeitig hinter der Line of Scrimmage parallel und bekommt anschließend den Screen Pass von Rodgers. Die komplette DLine sowie die Linebacker der Panthers fallen auf den angetäuschten Lauf von Jones rein. Kumerow hat keiner der Panthers Spieler auf dem Schirm. Zusätzlich wird der Cornerback am unteren Bildrand von MVS mit einer tiefen Route in Panthers-Hälfte gezogen.

Die einzige Gefahr für die Packers ist in diesem Spielzug der freie Rusher der Panthers (rot eingekreist). Er ist der einzige Spieler der in dem Moment das Play noch verhindern kann, da er quasi ungehindert an Rodgers rankommen kann, der ihm zudem auch noch den Rücken zugedreht hat.

Da Rodgers weiß wie das Play designt ist, kann er das pre Snap aber schon erahnen und sich darauf vorbereiten. Er rollt weit genug ins Backfield raus, sodass dem Rusher auch die Zeit fehlt an ihn heranzukommen. Kumerow bekommt anschließend den Ball und hat viel grüne Wiese vor sich. Nur der Safety in der Mitte des Feldes sieht das Play die ganze Zeit vor sich und kann entsprechend reagieren. Alle anderen Spieler sind durch den Run Fake gebunden. Der Safety macht letztendlich auch den Tackle an Kumerow und kann aus Panthers-Sicht Schlimmeres verhindern. Trotzdem kommen die Packers durch eine gut designtes Play hier relativ leicht zu +10 Yards Raumgewinn.

Es klappt nicht immer

Das nicht alle Spielzüge perfekt funktionieren und ausgeführt werden, soll das letzte Beispiel verdeutlichen. Im letzten Viertel stehen die Packers nach einer Strafe bei 2nd & 14 in der Nähe der Mittlinie. Es sind noch knapp 6 Minuten zu spielen. Entsprechend geht es für die Packers darum die 8 Punkte Führung zu verteidigen, also möglichst lange den Ball in den Händen der eigenen Offense zu halten.

Wieder kommen die Packers im 21-Personnel aufs Feld. Die Panthers reagieren darauf und bringen wieder ihre Base Defense. Die Packers stellen sich in der Offset I-Formation auf. Davante Adams geht am unteren Bildrand in Motion und stellt sich neben Kumerow am oberen Bildrand auf. Der Cornerback folgt ihm. Ein Indiz dafür, dass die Panthers hier eine Man Coverage (Cover 1) spielen.

Die Panthers bringen hier einen Blitz – rushen mit 5 Spielern. Da sowohl beide Runningbacks, als auch Lewis in eine Passroute gehen, hat jeder OLiner genau einen Pass Rusher zu blocken. Vitale als auch Jones laufen zwei kurze Comeback-Routen zur rechten Seite des Feldes und ziehen damit beide Linebacker aus der Mitte des Spielfeldes heraus. Adams, Kumerow und Lewis laufen Routen in die andere Richtung. Bereits in dem oben gezeigtem Bild, hat der Cornerback der Panthers einen riesigen Abstand zwischen sich und Adams.

Hier ist der genannte Cornerback rot eingekreist. Rodgers verpasst es hier den Ball in das blaue Fenster auf Adams zu werfen. Der Linebacker vor Adams (Luke Kuechly) muss mit Jones mitgehen der auf dem Weg in die andere Richtung läuft. Adams hätte somit ziemlich viel Platz vor sich gehabt. Der Ball geht aber stattdessen auf Vitale dessen Gegenspieler den Spielzug jedoch die komplette Zeit vor sich hat und den Pass verhindern kann bzw. diesen sogar fast interceptet, weil er die Route unterlaufen kann. In dieser Situation haben es die Packers verpasst ein mögliches Big Play zu erzielen und damit eventuell das Spiel schon zu entscheiden. Das Play Design hätte hier definitiv mehr hergegeben.

Takeaway

Die Packers schicken Spieler aufs Feld, die grundsätzlich einen Laufspielzug vermuten lassen könnten. Die Gegner müssen dies entsprechend respektieren und ihr Personal entsprechend anpassen. LaFleur schafft es daraus Plays zu kreieren, die für seine Passempfänger gute Matchups ermöglichen. Für die Gegner ist es schwierig zu erahnen was kommt. In den drei gezeigten Beispielen haben die Packers aus dem 21-Personnel jeweils einmal mit einem Empty Backfield, einem Play-Action Spielzug und einem normalen Passplay gespielt – also sehr variabel.

Natürlich schauen sich auch die kommenden Gegner der Packers solche Spielzüge haargenau an und versuchen sich entsprechend darauf vorzubereiten. Gut möglich, dass die Packers deshalb im nächsten Spiel wieder mehr auf Laufspielzüge aus dem 21-Personnel setzen werden. Achtet doch mal beim nächsten Spiel darauf, was die Packers aus dem 21-Personnel spielen.