Heute beamen wir uns zurück in die Preseason! Die 49ers Germany hatten uns vor der Saison zu einem Interview eingeladen, das wir im Hinblick auf das Spiel nächste Woche rausgekramt haben! Im Nachhinein betrachtet hab ich bei einigen Punkten doch sehr falsch gelegen 😅

49ers Germany: Herzlich Willkommen zur 23. Ausgabe von „Beyond the Horizon“. Wir tauschen uns in dieser Episode mit den Fans der Green Bay Packers aus. Genauer gesagt sind die Packers Germany in dieser Ausgabe unsere Gäste und wir sprechen über die Packers, Aaron Rodgers und Mike McCarthy, die vergangene Spielzeit, die Free Agency, den Draft und die Zukunft der Packers. Was uns aber besonders wichtig ist, ist der Blick über den Horizont hinaus, wer sind Packers Germany? Verschwenden wir keine Zeit und fangen an!

Dieses Interview markiert den Start in die 100. Spielzeit der NFL und die Packers bestreiten gegen die Chicago Bears in der Nacht zu Freitag die Auftaktpartie. Heute und morgen veröffentlichen wir jeweils einen Teil dieses unglaublichen Interviews – die Packers Germany haben fabelhafte Arbeit gelesen und nehmen uns mit auf eine Lesereise rund um die Franchise aus Wisconsin. Viel Spaß!

49ers Germany: Hallo Packers Germany! Wir möchten Euch bitten, Euch uns vorzustellen! Wie seid Ihr zum Football gekommen? Und zu den Packers? Seit wann gibt es Euch als Vereinigung von Packers Fans in Deutschland? Vor nicht allzu langer Zeit haben sich mehrere Packers Fanclubs unter dem Dach „Packers Germany“ zusammengetan, oder? Habt Ihr Verbindungen zu Fans in den Vereinigten Staaten? Wie sehen Eure Zukunftspläne aus? Nach Möglichkeit: Erzählt uns alles über Euch und macht auch gern ein wenig Werbung für Euch und die Packers! Wir sind gespannt!

Packers Germany: Hallo liebe 49ers Nation und herzlichen Dank für die Einladung! Es ist immer wieder ein inneres Blumenpflücken mit euch zu schnacken!

Aufgrund des prall gefüllten Fragenkatalogs legen wir direkt los: Wir – das Redaktionsteam der Packers Germany – sind eine inzwischen aus 12 Leuten bestehende sehr heterogene Gruppe. Wir versuchen die Packers Fans im deutschsprachigen Raum mit Artikeln, News und unseren Podcasts auf dem Laufenden zu unserer Lieblings“franchise“ zu halten. Neben den Social Media Auftritten und dem Podcast haben wir bspw. auch Newsletter, verschiedene themenspezifische Gruppen, einen Discord-Channel und ein Forum.

Ihr findet uns auf unserer Website www.packers-germany.de, auf Twitter (@PackersGermany), Facebook (PackersGermany), und Instagram (@packers_germany). Wir haben auch einen WhatsApp-Newsletter und einen Podcast (PackersTalk Germany auf allen Plattformen) und wenn ihr uns mit Fragen kontaktieren wollt, könnt ihr das natürlich auf all diesen Plattformen tun!

Die Packers Germany in der heutigen Form sind vor etwa zwei Jahren entstanden, als sich zwei Gruppen auf Twitter zusammengetan haben. Ich selbst kam vor etwa einem Jahr zu den Packers Germany als wir unsere Facebook-Fanpage mit den Packers Germany zusammengetan haben. Im Anschluss haben wir die verschiedenen Social Media Kanäle gebündelt, um unseren Fans eine zentrale Anlaufstelle zu bieten statt teilweise doppelten Content zu produzieren oder sogar in Konkurrenz zueinander zu treten. Die einzelnen Bestandteile, die sich inzwischen zu den Packers Germany zusammengeschlossen haben, gibt es teilweise bereits seit 2014. Inzwischen haben wir auf Instagram, Twitter und Facebook – auch dank der Übertragungen im Free TV und dem damit entstandenen Hype – knapp 10.000 Follower – und wie man an @Lippo_kratis Umfragen jedes Jahr sehen wir kann, sind die Packers-Fans eine der größten Gruppen in Deutschland.

Als Packers Fans haben wir den Nachteil, dass es von Seiten der Packers keine Unterstützung oder einen offiziellen Fanclub gibt, dem wir uns anschließen könnten. Aus diesem Grund sind die Kontakte in die USA eher auf persönlicher Ebene entstanden, als der ein oder andere in den Staaten war. Trotzdem nehmen wir immer wieder wahr, dass die Packers Fans und auch die „Experten“ sich sehr über unsere Unterstützung aus Deutschland freuen und uns gerne in unserer Arbeit unterstützen.

In Zukunft wollen wir natürlich weiterhin fleißig Content produzieren, um sowohl die Neulinge, als auch die alten Hasen mit allen Infos zu füttern, die man braucht, um sich noch mehr in die Packers und ihre Geschichte zu verlieben. Anlässlich unseres 100-jährigen Bestehens haben wir uns auf die Fahnen geschrieben dieses Jahr insbesondere unsere Historie und die vielen großen Spieler darin zu ehren indem wir ihnen einige Artikel widmen. Wenn ihr euch wie Frank auch für die Historie anderer Teams interessiert, schaut einfach mal auf unserer Website vorbei: www.packers-germany.de/thema/historie.

Als übergeordnetes Ziel existiert natürlich der Wunsch, dass die Packers Fans im deutschsprachigen Raum noch enger zusammenwachsen. Mittlerweile hatten viele bereits die Gelegenheit sich besser kennenzulernen, sodass neue Freundschaften entstanden sind oder sich verschiedene Leute zu gemeinsamen Reisen oder Treffen in Green Bay verabredet haben. Zudem haben wir verschiedene karikative Aktionen ins Leben gerufen, um durch Versteigerungen oder Saison-Tipps die Arbeit von wohltätigen Einrichtungen und Organisationen zu unterstützen. Neben dem Feedback für die Artikel sind das natürlich die Geschichten auf die man hinarbeitet und die uns noch mehr motivieren unsere Freizeit in dieses tolle Team und diese tolle Fanbase zu investieren. Das wollen wir auch in Zukunft bestmöglich unterstützen und unseren Teil dazu beitragen!

49ers Germany: Lasst und bitte teilhaben an der Faszination Packers und Lambeau Field teilhaben. Die Packers sind die einzige Franchise die sich im Besitz von 350.000 Anteilseignern befindet und nicht einem Owner oder einer Owner Familie gehört. Welche Bedeutung haben die Packers für die Region und Wisconsin? Hat Eure Verbundenheit zum Team auch damit zu tun?

Packers Germany: Aufmerksame Leser werden gemerkt haben, dass wir die Frage nach der Herkunft unseres Fanatismus hinsichtlich der Packers in der ersten Frage unter den Tisch haben fallen lassen. Das liegt daran, dass eure Frage bereits ein Stück weit erklärt, weshalb die Green Bay Packers so besonders sind und weshalb so viele Menschen von diesem Mythos schwärmen. Ich versuche anhand meiner eigenen Reise ein Stück weit zu beschreiben, weshalb man den Packers verfallen könnte und welchen Stellenwert die Packers (nicht nur) in Wisconsin genießen.

Vor ziemlich genau 12 Jahren – im Juni 2007 – war ich mit einem Freund dessen Familie in Sussex, Wisconsin, besuchen und hatte bis dahin (leider) so ziemlich keine Berührungspunkte mit dem Sport American Football. Mit amerikanischen Sport verband ich insbesondere Teams, die regelmäßig umzogen und milliardenschwere Besitzer, die den maximalen Profit ihres Teams im Sinn hatten. Doch erst einmal in Wisconsin angekommen, konnte man den Football in Form der Packers nicht mehr ignorieren. Sobald man die Staatsgrenze zwischen Illinois und Wisconsin überquert hatte, konnte man sich vor Anzeigentafeln mit Packers Spielern, die Werbung für irgendwelche Produkte machen, nicht mehr retten. Gefühlt jedes Auto hatte Packers-Kennzeichenhalter, Aufkleber, Fahnen oder sonstiges Gear, das erkennen ließ, dass man in Packers-Territory war. Supermärkte hatten Ständer voller Packers-Utensilien, Leute auf der Straße, in Cafés, in Malls hatten Packers T-Shirts, Jerseys, Caps und anderes Merch an. Und das obwohl die Season lange vorbei, bzw. noch lange hin war; es lief kein Draft, kein Training, nichts – es war Saure-Gurken-Zeit. Und trotzdem: die Packers waren gefühlt Thema Nummer 1. Die Leute, die ich kennenlernte waren fast schockiert, dass Football in Deutschland kaum eine Rolle spielt.

Bevor ich mich näher mit dem Football und insbesondere den Packers beschäftigt hatte, kam mir das ein Stück weit suspekt vor. Auch wenn es danach etwas dauerte bis mich selbst der Fanatismus gepackt hatte, war der Keim dank dieser sympathischen Verrücktheit bereits gesäht.

Es dauerte nicht lange bis ich mich näher mit Green Bay und dem dort ansässigen Team befasste. Eine 100.000-Einwohner-Stadt hat inmitten der NFL-Metropolen und -Großstädte aufgrund der schlechten Infrastruktur, den fehlenden finanziellen Mitteln und der eigentlich geringen Anziehungskraft im ersten Moment nur wenig verloren. Doch Green Bay ist anders, Green Bay ist mehr als eine kleine Stadt. Green Bay ist eine Art gallisches Dorf, das sich mit aller Kraft dagegen gewehrt hatte, dass ihr geliebtes Team in ein finanziell attraktiveres Gebiet abwandert. Eine Stadt, die sich jedes Mal finanziell engagierte als der Verein kurz vor der Pleite stand. Eine Stadt, die ihrem Team auch die Treue geschworen hatte, als es Playoff-Football jahrzehntelang nur aus dem Fernsehen kannte. Eine Stadt, die dafür sorgt, dass man zu seinen Lebzeiten nicht mehr an eine Dauerkarte kommen kann. Eine Stadt, die aus hunderttausenden von Menschen besteht, die ihre Mannschaft auch weit über die Landesgrenzen unterstützt. Nebenbei war und ist man bis heute trotz der vergleichsweise schlechten Vorzeichen das erfolgreichste Football-Team aller Zeiten – eine Tatsache auf die man sich meiner Meinung nach im eigenen Fanlager sogar ein Stück zu sehr fokussiert bzw. reduziert.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich bereits längst in den Sport American Football und seine Komplexität verliebt. Durch meinen Besuch im Packers-Staat in Verbindung mit dieser wunderbaren Geschichte, blieb mir nichts anderes übrig als mich für die Farben Grün und Gold zu entscheiden (obwohl ich mir diese Farben rein objektiv nicht unbedingt ausgesucht hätte). Als Fan der 2000er hilft natürlich auch die Tatsache, dass man zwei Hall of Fame Quarterbacks direkt nacheinander under Center hat natürlich ebenfalls immens!

Nachdem ich die Brot-und-Wasser-Zeit (aka Studium) beendet habe, hatte ich vergangenes Jahr auch endlich die finanziellen Mittel die Packers live und in Farbe zu erleben. Mittlerweile kam mir diese Verrücktheit, dieser Fanatismus nicht mehr merkwürdig vor, sondern ich ging voll darin auf. Überall in der Stadt findet man Hinweise auf die Geschichte der Packers, die Menschen reden über kaum etwas anderes, Unternehmen tragen den Namen Titletown, der Bürgermeisterkandidat druckt den Spielplan auf seine Visitenkarte. Beim Tailgating kennt man sich seit Jahren. Im Stadion sind viele seit Jahrzehnten Sitznachbarn. Hier feiern oder sitzen keine Touristen, keine Fans, sondern ein Teil des Vereins.

Aber nicht nur der emotionale Wert dieses Vereins für die Region ist enorm. Die Packers sind eine der Haupteinnahmequellen für die Stadt und die umliegenden Regionen. Die Gastronomie, die Hotels, die umliegenden Geschäfte machen einen Großteil ihres Umsatzes an den (mindestens) acht Heimspielwochenende, sodass man auch immer wieder betont, dass man keinesfalls eines dieser Heimspiele abgeben wird.

49ers Germany: Die Green Bay Packers wurden 1919 gegründet und man spielt seit 1921 in der National Football League. Seit dem Merger 1970 trat man zunächst von 1970 bis 2001 in der Central Division und anschließende in der NFC North an. Die Packers sammelten mit 13 Titeln (neun NFC Championships und vier Super Bowl Siege) die meisten unter allen Teams. Skizziert uns doch bitte die aus Eurer Sicht wichtigsten Momente in der Geschichte der Packers? Uns würde direkt der Ice Bowl (1967) einfallen, wir erwarten Eure Antworten mit großer Freude.

Packers Germany: Der Ice Bowl gehört mit Sicherheit zu den spektakulärsten Spielen der Packers-Geschichte. Dass das Spiel auch 50 Jahre nach Austragung fast jedem Fan ein Begriff ist, sagt viel darüber aus. Mehr als eisige Temperaturen, ein verhasster Gegner, den dritten Titel in Folge vor Augen – die Voraussetzungen für ein hart umkämpftes Spiel waren gelegt. Der damalige Kommentator Frank Gifford scherzte aufgrund der Temperaturen noch während des Spiels „I’m now going to take a bite of my coffee…“. Nachdem man in der ersten Hälfte mit 14-0 ein ordentliches Polster erarbeitet hatte, lief in der zweiten Hälfte nicht mehr viel rund, sodass man 5 Minuten vor Schluss mit 14-17 hinten lag. Die Bilanz der Packers Offense in der zweiten Hälfte bis dahin: 31 Plays für minus 9 Yards. Zwischen dem Einzug in das später Super Bowl II genannte Spiel lagen somit 68 Yards, die Cowboys Defense und taube Extremitäten. Trotz der vorherigen Drives, die wenig Hoffnung machten, schaffte man es bis vor die Cowboys Endzone. Beim 1st und 2nd down gab Starr den Ball an den Halfback Donny Anderson ab, der aufgrund der miserablen Platzverhältnisse absolut keinen Halt hatte und schnell gestoppt werden konnte. Bei bis zu 38°C nutzen die damals zukünftigen Hall of Famer ein Timeout um 16 Sekunden vor Schluss das 3rd down zu besprochen. Aufgrund der Erfahrungen mit den Halfbacks schlug Starr Lombardi vor, dass er den Ball selbst in die Endzone laufen wolle. Jerry Kramer hatte in den Vorbereitungen während der Woche erkannt, dass der Cowboy Jethro Pugh zu aufrecht attackiert, sodass Kramer den notwendigen Hebel hätte, um Starr den Platz zu schaffen um in die Endzone zu fallen. Lombardi nickte die Idee seiner beiden Führungsspieler mit den Worten „Run it and let’s get the hell out of here“. Ohne Timeouts bedeutete die Entscheidung Sieg oder Niederlage. Schaffte man es nicht in die Endzone, hätte man bei 16 Sekunden auf der Uhr keine Zeit mehr ein Field Goal zum Ausgleich zu schießen – wobei vermutlich niemand mehr Lust auf eine Overtime hatte. So erwischte die Offense um Starr die Cowboys auf dem falschen Fuß, die laut Coach Tom Landry mit einem Pass gerechnet hatten. Kramer und Center Ken Bowman setzen ihre Blocks perfekt, Starr schaffte es in die Endzone und sicherte somit den Einzug ins Finale gegen die Raiders – welches das letzte Spiel als Packers-Headcoach für Coach Lombardi werden sollte.

Auch wenn man dazu tendiert einzelne Spiele hervorzuheben, sind die Entscheidungen der Verantwortlichen – v.a. zu Beginn der Franchise – weit wichtiger gewesen. Die Packers standen einige Male vor dem finanziellen Bankrott und vor dem Ausschluss aus der NFL. Insbesondere Curly Lambeau und den Hungry Five ist es zu verdanken, dass die Green Bay Packers trotz ihres kleinen Marktes auch heute noch in der NFL auflaufen. Sie legten auch den Grundstein dafür, dass die Franchise heute nicht einen sondern mehr als 360.000 Besitzer hat. Das Thema reiße ich ein Stück weit in der nächsten Frage an.

49ers Germany: Die Liste der außergewöhnlichen Persönlichkeiten, welche die Geschicke des Teams aus Wisconsin entscheidend beeinflusst haben, ist lang. An der Spitze stehen aus unserer Sicht Curly Lambeau (1921 bis 1949) und natürlich der Sagen umwobene Vince Lombardi (1959 bis 1967). Wie entscheidend haben diese Coaches die Geschichte der Packers beeinflusst? Seht Ihr weitere Coaches oder Funktionäre, die sich ähnlich verdient um das Wohl der Packers gemacht haben? Ron Wolf vielleicht?

Packers Germany: Man kann getrost sagen: ohne Curly Lambeau gäbe es die Packers in der heutigen Form nicht – zumindest nicht unter dem Namen und schon gar nicht ein einer professionellen Football Liga. Er war es, der am 11.08.1919 im Alter von 21 Jahren, seinen damaligen Arbeitgeber die Indian Packing Company um einen Zuschuss in Höhe von 500$ (zu der Zeit eine Menge Geld) bat um ein Werksteam zu gründen. Er war es, der nach der 21er Saison 50$ aus seiner eigenen Tasche zahlte um Green Bay im professionellen Football zu halten. Er war es, der als Manager, Spieler (bis 1929) und vor allem Coach (bis 1949) in den Folgejahren ein Team auf die Beine stellte, welches unter seiner Regentschaft sechs Titel gewinnen sollte. Es ist auch ihm zu verdanken, dass die Packers in mehreren Situationen vor dem finanziellen Ruin gerettet werden konnten und bis heute in der Hand von vielen Fans statt einem Owner sind. Mit seinem Charisma hat er nicht nur drei Frauen davon überzeugt ihn zu Heiraten sondern auch viele Leute einem Team zu helfen, das 100 Jahre später noch im selben Ort erfolgreichen Football spielt.

Aus emotionaler Sicht haben die Packers Fans Curly Lambeau so ziemlich alles zu verdanken. Folgerichtig wurde das City Stadium nur zwei Monate nach Curlys Tod in Lambeau Field unbenannt.

Die sechs Titel zeigen, dass Lambeau auch aus sportlicher Sicht sehr vieles richtig gemacht hat. Er selbst war insbesondere als Halfback gefordert, war (wie damals üblich) aber auch als Pass Catcher, Quarterback und Kicker aktiv. Auch wenn er als Spielertrainer 1929 den ersten Titel feiern konnte, stellte sich der sportliche Erfolg vor allem nach seiner aktiven Karriere ein. Als Coach revolutionierte er mit QB Arnie Herber und WR Don Hutson die run-lastige Offense hin zu einem Angriff, der auch über den Pass erfolgreich war. Er legte damit den Grundstein für die Offenses wie wir sie heutzutage erleben. Die Green Bay Packers werden für immer eng mit dem Namen Curly Lambeau verbunden sein!

Auch wenn die Herrschaft von Vince Lombardi nicht ganz solange ging wie die von Curly Lambeau, steht er letzterem aus sportlicher Sicht in nichts nach. Zum Ende von Curlys Amtszeit blieben die Erfolge aus Sicht der Packers aus. Dies sollte auch im folgenden Jahrzehnt so weitergehen, in dem die Packers mit den Playoffs nicht viel zu tun hatten. Wieder hatte man enorme finanzielle Probleme und die Zukunft der Packers in der NFL hing am seidenen Faden. Erst mit der Verpflichtung von Vince Lombardi im Jahr 1959 leitete man die Wende ein, legte den Grundstein für eine zweite Dynastie und zementierte den Status als Mitglied der NFL. Nach einer 1-10-1 Saison übernahm Lombardi die Zügel und hielt sie sehr straff. Lombardi legte seinen Fokus auf harte Arbeit und einen starken Geist. Spieler, die seiner Meinung nach nicht das Zeug zum Champion hatten, sortierte er gnadenlos aus. Eine Vielzahl seiner Zitate werden bis heute gerne genutzt und zieren die Wände oder Play Books von Jugend- und Amateur-Vereinen. Trotz oder wegen seiner Härte respektierten und liebten ihn seine Spieler. Nach einer 7-5 Saison, erreichten die Mannen um Lombardi im Folgejahr bereits wieder das Championship Game, das allerdings gegen die Eagles verloren ging. Lombardi’s Reaktion: “This will never happen again. You will never lose another championship” und damit sollte er Recht behalten. Mit fünf Championships innerhalb von 7 Jahren setzte sich Lombardi ein Denkmal als erfolgreichster Coach aller Zeiten. Ohne seine harte Gangart, das Einimpfen seiner Mentalität in die Spieler und seinen genialer Football-Sachverstand wären die Packers heute vermutlich kein Teil der NFL mehr.

Die beiden Genannten hatten mit Sicherheit den größten Einfluss auf die Packers in der heutigen Zeit, da man ansonsten wohl gar nicht oder kaum noch von der Franchise aus Green Bay sprechen würde. Nichtsdestotrotz hatten auch George Whitney Calhoun, the Hungry Five und natürlich die Vielzahl an legendären Spielern einen riesigen Einfluss darauf, dass man in Wisconsin ein professionelles Football-Team hat, das auch noch mit solch riesigen Erfolgen aufwarten kann.

In der jüngeren Geschichte ist aber natürlich auch ein Name enorm wichtig, den ihr bereits oben genannt habt. Nach Lombardis Weggang erlebten die Packers Fans erneut eine Dürrephase, die diesmal ungleich länger dauern sollte. Zwischen 1968 und 1993 erreichten die Packers lediglich 3 Mal die Playoffs. Es wollte nichts so richtig funktionieren, bis man 1991 Ron Wolf als General Manager verpflichtete. Mit ihm und seinen glücklichen Händchen für Spielerverpflichtungen kehrten die Green Bay Packers als Dauergast in die Playoffs zurück. Den Grundstein dafür legte er mit der Verpflichtung von Head Coach Mike Holmgren (1991) und dem damals umstrittenen Trade für Brett Favre (1992). Zudem gab er für die damalige Zeit Unmengen an Geld aus um den Minister of Defense Reggie White (1993) in der Free Agency zu verpflichten. Jede dieser Entscheidungen sollte sich im Nachhinein als Glücksgriff herausstellen, denn in den Jahren 1993-1998 war man Dauergast in den Playoffs und konnte 1996 die inzwischen Lombardi Trophy genannte Trophäe endlich wieder nach Title Town holen. Sein Nachfolger wurde ein Mann, der ebenfalls sehr viel richtiggemacht hat – Ted Thompson. Doch dazu vielleicht nächstes Jahr mehr :P

49ers Germany: Die Liste der Packers Spieler in der Pro Football Hall of Fame ist lang und es wurden bereits 31 Spieler aufgenommen – dies ist das größte Kontingent nach den Washington Redskins, Chicago Bears, New York Giants und Pittsburgh Steelers. Wenn man an die Cheeseheads denkt, fallen einem direkt große Quarterbacks wie Bart Star und Brett Favre und aktuell Aaron Rodgers ein. Aber auch Spieler wie Defensive End Reggie White, Running Back Paul Hornung oder Linebacker Ray Nitschke haben großen Einfluss auf dem Feld gehabt. Welche Spieler haben aus Eurer Sicht den größten Anteil am Erfolg und der Popularität der Packers?

Packers Germany: Hall of Fame-Auszeichnungen gehen natürlich mit Erfolg einher. Das erkennt man alleine daran, dass lediglich ein Packers-Spieler (WR James Lofton) Mitglied der Hall of Fame ist, der nie eine Meisterschaft gewinnen konnte. Von den Spielern der erfolgreichen Jahre unter Lambeau kann man immerhin acht bronzefarbene Büsten in Canton einen Besuch abstatten. Aus der zweiten Erfolgsphase sind es inklusive Lambeau sage und schreibe zwölf Spieler und Lombardi selbst. Das zeigt ganz gut, dass man den Erfolg nicht nur an einzelnen Spielern festmachen sollte, da ein einzelner Spieler in den seltensten Fällen Erfolg garantiert. Und trotzdem haben oder hatten insbesondere die in den beiden Fragen genannten Spieler und Funktionäre einen riesigen Anteil am Erfolg. Die Einführung des Passspiels mit Don Hutson war ein riesiger Faktor, aber auch Spieler wie Clarke Hinkle, Mike Michalske und mein persönlicher Lieblingsspieler Johnny Blood (https://www.packers-germany.de/2019/06/packers-legenden-johnny-blood/) haben das neu gegründete Team geprägt.

In der Zeit unter Coach Lombardi gab es derart viele dominante Spieler, dass ich mich kaum traue einen Spieler besonders hervorzuheben. Aber insbesondere Jerry Kramer und Forrest Gregg besitzen heute noch einen Legendenstatus bei den Cheeseheads überall auf der Welt und sind das Paradebeispiel wie wichtig eine gut-funktionierende O-Line in der damaligen Zeit (und heute) war.

Viele dieser Spieler kennen heute aber auch nur noch die Hardcore-Fans. Für die Popularität entscheidend sind die Spieler die ein spektakuläres Spiel abliefern. Da sind erfolgreiche Quarterbacks wie Brett Favre und Aaron Rodgers, aber natürlich auch Reggie White, Charles Woodson oder Clay Matthews sind oder waren von ihrem Spielstil prädestiniert die Fans anlocken.

49ers Germany: Jeder Football Fan, ob man es zugibt oder nicht, liebt es Quarterback Aaron Rodgers auf dem Feld zuzusehen. Der „Kleinkrieg“ zwischen ihm und dem langjährigen Head Coach Mike McCarthy, der mit der Entlassung von McCarthy endete, schadete dem Ansehen und dem sportlichen Erfolg der Packers. In den USA sorgte ein Artikel für viel Unruhe, in dem Rodgers ein langjähriger Groll gegenüber McCarthy nachgesagt wird, weil dieser Rodgers nicht mit dem Number One Overall Pick im Draft 2005 nach San Francisco holte. McCarthy arbeitete zu dieser Zeit als Offensive Coordinator bei den 49ers und das Team wählte Alex Smith mit dem ersten Pick in diesem Jahr. Was habt Ihr von dieser Thematik mitbekommen und wie schätzt Ihr die Lage in den letzten Spielzeiten zwischen Rodgers und McCarthy ein?

Packers Germany: Wir haben die entsprechenden Artikel natürlich auch gelesen. Die Reaktionen in unserer Fanbase waren sehr unterschiedlich. Manche haben den Artikel sehr ernst genommen (da er auch von einem angesehenen Reporter mit guten Verbindungen nach Green Bay geschrieben wurde), andere haben ihn unter dem Motto „Nichts Neues“ abgehakt. Wie viel Wahrheit letztendlich wirklich in dem Artikel und den Aussagen der ehemaligen Spieler steckt, wird man – wenn überhaupt – erst lange nach Rodgers Karriereende herausfinden. Mut macht, dass einige der Aussagen bereits widerlegt wurden. Den ehemaligen Packers-WR Jeff Janis soll Rodgers bspw. geradezu gepiesackt haben. Janis selbst hat dann allerdings sehr verwundert auf diese Aussage reagiert. Etliche andere aktuelle und ehemalige Spieler haben sich ebenfalls sehr schnell auf Rodgers Seite gestellt, sodass ich nicht davon ausgehe, dass Rodgers ein charakterliches Monster ist.

Nichtsdestotrotz ist es ein offenes Geheimnis, dass Rodgers ein schwieriger Charakter ist. Laut Hörensagen ist äußerst ehrgeizig, verfügt über ein enormes Selbstvertrauen, ist wohl nachtragend und man kann recht schnell in seiner Gunst fallen.

Wie genau die Beziehung zwischen ihm und McCarthy ausgesehen hat können wir nur mutmaßen, aber als Außenstehender hatte man schon einige Zeit das Gefühl, dass die notwendige Vertrauensbasis zwischen den beiden einfach nicht mehr existierte. Den Eindruck haben verschiedene Aussagen der Beiden über die vergangenen Jahre lediglich verstärkt.

Fakt ist, dass die McCarthy-Offense, die zu Beginn seiner Amtszeit absolut modern war, in den vergangenen Spielzeiten in die Jahre gekommen ist und weder Fans noch gegnerische Defenses wahnsinnig überrascht hat. Dass das einem ehrgeizigen QB in seinen besten Jahren nicht unbedingt schmeckt ist verständlich. Vergangenes Jahr ging es dann sogar so weit, dass man den Eindruck hatte, dass Rodgers teilweise gegen seinen Coach spielte. Anders konnte man es sich nicht erklären als unsere Nummer zwölf einfachste Pässe kilometerweit an seinem offenen Receiver vorbeiwarf oder erst gar nicht sah – die Mimik und Gestik half nicht unbedingt den Eindruck zu widerlegen. Im Nachhinein glaube ich allerdings nicht, dass es so extrem war, da sich Rodgers Spiel auch unter Philbin nicht großartig verbessert hatte und im Nachhinein bekannt wurde, dass Rodgers Verletzung weit ernster war als alle Welt meinte.

Und trotzdem: der Artikel, aber insbesondere sein Spiel in den letzten beiden Jahren haben den Mythos Aaron Rodgers etwas angekratzt. Fans im eigenen Lager sehen Rodgers inzwischen kritischer und auch außerhalb von Green Bay hat sein Status gelitten.

49ers Germany: Auf den Interims Head Coach Joe Philbin folgt nun Matt LaFleur, der zuletzt als Offensive Coordinator bei den Tennessee Titans mit seiner Offense nicht gerade Angst und Schrecken verbreitete. Ein kluger Schachzug scheint die Übernahme von Mike Pettine als Defensive Coordinator zu sein, denn die Defense machte im letzten Jahr einen verbesserten Eindruck. Was erwartet Ihr von LaFleur? Passen der Head Coach und der Quarterback zueinander? Wird sich die Defense weiter verbessern?

Packers Germany: Der erste Eindruck von Matt LaFleur ist wahnsinnig positiv. Bei seiner Vorstellung und seinen ersten Pressekonferenzen konnte man erkennen weshalb Mark Murphy und Brian Gutekunst nicht lange gebraucht haben, um sich für einen neuen Coach zu entscheiden. LaFleur ist bodenständig, charismatisch, nahbar – kurz: sympathisch. Zu seinem Football-Sachverstand bzw. seinen Fähigkeiten als Headcoach kann man zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht viel sagen, weil schlicht und einfach noch nicht viel Football gespielt wurde und es seine erste Station als Headcoach ist. Allerdings sind sein Enthusiasmus und seine Sozialkompetenz eine gute Basis als Headcoach erfolgreich zu sein.

Auch das Scheme wirkt auf den ersten Blick weit ausgewogener als das McCarthy-Konzept. Weniger Iso-Routes, mehr aufeinander abgestimmte Routen, die größere Fenster für die Receiver schaffen sollten. Zudem setzt er den Fokus stärker auf das Run Game und Play-Action-Pässe. All das sollte dazu führen, dass die Offense ein Stück weit weniger ausrechenbar ist, man sich weniger auf die individuelle Klasse der Receiver vertrauen muss und die Last etwas von Rodgers Schultern genommen wird. Was sich in der Theorie alles gut anhört, muss natürlich erst einmal in der Praxis umgesetzt werden. Die Grundlage dafür ist, dass die beteiligten Personen, allen voran Aaron Rodgers, darauf einlassen müssen. Da es sich zudem um grundlegende Änderungen handelt, wird es einige Zeit brauchen, bis die Offense das Scheme verinnerlicht hat. Von daher gehe ich nicht davon aus, dass die Offense direkt zu Beginn der Saison oder allgemein dieses Jahr ein Feuerwerk abbrennt, sondern, dass es an der ein oder anderen Stelle noch mächtig haken wird.

Aus diesem Grund wird es dieses Jahr unglaublich wichtig sein, dass die Defense auf ihren (statistisch gar nicht so viel besseren) Leistungen aus der letzten Saison aufbauen kann. Das Front Office um Gutekunst hat in den vergangenen Jahren im Draft und dieses Jahr auch in der Free Agency enorm in die Defense investiert. Was die Defense besonders spannend macht, ist die Tatsache, dass man sehr viele Variable Spieler verpflichtet hat, die mehrere Positionen spielen können. Weiterhin lag der Fokus ganz klar auf der Athletik der Spieler (siehe RAS https://www.packers-germany.de/2019/05/packers-lexikon-der-relative-athletische-wert-ras/). Unser DC Mike Pettine liebt es die gegnerische Offense zu verwirren und die QBs im Dunkeln tappen zu lassen. Dass das insbesondere gegen junge QBs sehr gut funktioniert, hat man letztes Jahr bereits gesehen. Das liegt daran, dass es vor dem Snap enorm schwierig ist zu prognostizieren welcher Defense-Spieler welche Aufgabe hat. Statt den Quarterback zu jagen fallen Edge Rusher oder sogar Linemen zurück in die Coverage. Stattdessen blitzen Inside Linebacker, Cornerbacks oder Safeties. Diese Variabilität wird dieses Jahr hoffentlich noch größer, da Gutekunst Pettine inzwischen genug Spieler zur Verfügung stellt, die prädestiniert sind sein Konzept umzusetzen. Hinzu kommt, dass Pettine seine Defense mit DBs überlädt und somit der modernen NFL Tribut zollt, die Catching-Backs, Receiving-TEs oder 3-4 Receiver-Sets im Überfluss aufweist. Das führt möglicherweise dazu, dass man in der Run Defense etwas schwächer ist, aber keine zu großen Matchup-Nachteile im Passing-Game hat.

Ich freue mich riesig darauf zu sehen, ob und wie gut die neuen Puzzleteile ineinanderpassen und ob man endlich wieder eine Defense aufs Feld bringen kann, die selbst den besten Offenses das Leben schwermacht! Die kommende Saison würde ich als erfolgreich bezeichnen, wenn wir eine stark verbesserte Defense und ein funktionierendes Scheme in der Offense sehen. Die Playoffs werden in einer starken NFC North schwer zu erreichen sein, sodass man den Erfolg der Saison meiner Meinung nach nicht davon abhängig machen sollte. Doch dazu später mehr.

49ers Germany: Die Packers verpassten nun zum zweiten Mal in Serie die Playoffs und standen zuletzt in der Saison 2010 im Super Bowl. Als neutraler Fan hatte man in den letzten Jahren oftmals den Eindruck, dass die Packers mit Rodgers als Quarterback zu wenig riskiert haben, um weitere Super Bowls nach Wisconsin zu holen. Mit Rodgers sollte ein Team in jeder Saison um den Super Bowl mitspielen können, wenn man den entsprechenden Supporting Cast um den Quarterback herumhat. Haben die Packers mehr Erfolg durch zu vorsichtiges Agieren in der Free Agency und der Kaderzusammenstellung verpasst?

Packers Germany: Die Kritik, die insbesondere an unseren ehemaligen GM Ted Thompson gerichtet war, gab es unter den Anhängern der Packers (auch in Deutschland) in den letzten Jahren zuhauf. Thompson war bekanntermaßen ein großer Fan der Draft-and-Develop-Strategie, unter der er lange Zeit auch großen Erfolg hatte. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man im Draft ein glückliches Händchen hat und die richtigen Spieler zieht. Der Draft wird allerdings nicht ohne Grund auch gerne Lottery genannt. Nachdem in den letzten Jahren unter Thompson die Drafts reihenweise in die Hose gingen, hatte man folglich nicht mehr den notwendigen Upside im Roster, um große Erfolge zu feiern. Zu oft blieb der erwartete Jump der Spieler aus, auf die man Draft-Kapital investiert hatte. Mit Quinten Rollins habt ihr einen dieser Kandidaten sogar aktuell im Roster. Folglich hätte man viel Geld in die Hand nehmen müssen um namhafte Free Agents zu verpflichten. Geld, das man teilweise nicht hatte bzw. in Veterans investiert hatte, um diese zu halten. Hinzu kamen Verletzungsfluten (insbesondere in der Secondary), die das Leben nicht einfacher gemacht hat. Die Tatsache, dass man trotzdem in den meisten Fällen noch die Playoffs erreicht hat, hat ein Stück weit den Druck auf die Verantwortlichen reduziert große Namen zu verpflichten. Weiterhin hat die Free Agency ein hohes Bust- bzw. Overpay-Potenzial, weshalb sich bspw. die Patriots größtenteils aus dem Rummel raushalten. Man zahlt viel Geld für Spieler, die oft ein Alter erreicht haben, in dem man nicht erwarten sollte, dass sie ein großes Upside haben bzw. ihre Leistung weiterhin so konstant abrufen.

Aus dem Bauch heraus würde ich der These, dass man zu wenig versucht hat das Titelfenster unter Aaron Rodgers effektiv zu nutzen, zustimmen. Grund dafür ist, dass man als Fan das Gefühl haben will, dass alles für den Titelgewinn getan wurde. Auch wenn Free-Agency-Verpflichtungen keine Titel-Garantie mitbringen, hatte man das Gefühl, dass lediglich ein bis zwei Spieler (insbesondere der Defense) sehr gut getan hätte. Ein All-In, wie es z.B. die Saints gerade praktizieren, wäre zu dem Zeitpunkt allerdings nicht sinnvoll gewesen. Darüber muss man allerdings in den nächsten Jahren ebenfalls nachdenken, wenn man sich Rodgers Alter so anschaut. Bei Gutekunst hat man aktuell den Eindruck, dass er die notwendige Aggressivität mitbringt, die im aktuellen Titelfenster notwendig ist.

49ers Germany: Brian Gutekunst übernahm das Amt des General Managers von Ted Thompson nach dessen 13jähriger Amtszeit und die Packers sind unter Gutekunst bereits zum zweiten Mal in Folge in der Free Agency deutlich aktiver gewesen als zuvor. Zur Saison 2018 holte man Tight End Jimmy Graham, Defensive Tackle Muhammad Wilkerson und Cornerback Tramon Williams. In der aktuellen Free Agency Periode verpflichtete man Preston Smith (Washington Redskins), Za´Darius Smith (Baltimore Ravens) und Safety Adrian Amos (Chicago Bears). In der Free Agency. Für Packers Fans eine ungewohnte Situation? Seid ihr mit der Free Agency 2019 zufrieden? Immerhin verlor man auch mit Linebacker/Edge Rusher Clay Matthews (Los Angeles Rams) und Wide Receiver Randall Cobb (Dallas Cowboys) auch zwei langjährige Gesichter der Franchise?

Packers Germany: Tatsächlich war es insbesondere in Gutekunsts ersten Jahr wahnsinnig ungewohnt, dass die ersten Tage der Free Agency plötzlich auch für Packers Fans interessant waren. Dieses Jahr hatte man ein Stück weit damit gerechnet, wobei die Masse an Verpflichtungen innerhalb kürzester Zeit doch ein kleiner Schock waren. Ich für meinen Teil bin sehr angetan von den Free Agency-Moves. Vor der Saison waren der Edge Rush, die Safety-Position und die O-Line (zusätzlich wurde Billy Turner verpflichtet) unsere dringendsten Baustellen. Diese haben Gutekunst und Co. innerhalb von einem Tag geschlossen und somit den Grundstein für einen relativ entspannten Draft gelegt, in dem man sich auf die besten verfügbaren Spieler konzentrieren konnte.

Mit den beiden Smith hat man zwei versatile Edge Rusher geholt, die teilweise auch covern bzw. in der Line spielen können und somit super in der flexible Scheme von DC Mike Pettine passen. Auch wenn der Preis für die beiden erstmal hoch erscheint (Za’Darius avg. 16,5 Mio. $, Preston avg. 13 Mio. $), erhält man zwei Spieler im besten Football-Alter (26 bzw. 27 Jahre), die jeweils noch ordentlich Upside haben. Zudem haben die beiden schon mit Coaches im Packers-Staff gespielt, sodass die Verantwortlichen durchaus wissen, was sie sich einkaufen. Auch aus diesem Grund sind die Weggänge von Nick Perry und Clay Matthews zu verkraften.

Mit Adrian Amos schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: man stärkt die Position Group mit der geringsten Tiefe und pinkelt den Kollegen aus Windy City ans Bein. Amos ist mit Sicherheit nicht der spektakulärste Safety der Liga, gehört aber über die vergangenen Jahre statistisch zu dem Besten was die NFL zu bieten hat. Auch er kann sowohl Free als auch Strong Safety spielen, was wiederum das o.g. flexible Scheme unterstützt. Mit seinen 26 Jahren ist er der Veteran in unserem Safety-Corps und ist im Gegensatz zu seiner Zeit in Chicago einer der Defensive-Stars.

Was die Weggänge u.a. von Clay Matthews oder Randall Cobb angeht, gehöre ich zu den pragmatischeren und rationaleren Fans. Beide haben vergangene Saison sehr ordentlich verdient, waren in den vergangenen Jahren oft verletzt und gehen stark auf die 30 zu (Cobb) bzw. sind schon weit darüber hinaus (Matthews). Der Fan in mir hätte sich natürlich gewünscht, dass man einen oder beide mit geringeren Bezügen gehalten hätte, aber der Realist weiß, dass die Zukunft anderen Spielern gehört. Und dass man Spieler lieber ein bis zwei Jahre früher als später abgeben sollte, zeigen die Patriots fast jedes Jahr aufs Neue.

49ers Germany: Mit dem 12. Pick Overall wählten die Packers Defensive End Rashan Gary von der University of Michigan und mit dem zweiten Pick in der ersten Runde (Nr. 21 Overall) Safety Darnell Savage Jr. aus Maryland. Gary gilt als athletischer Freak, der aber noch recht ungeschliffen ist und zumindest bei den Wolverines oftmals sein Potential nicht abrufen konnte. Er dürfte sicherlich in der Rotation der Defensive Line sofort viel Spielzeit bekommen, denn man kann ihn Inside oder Outside einsetzen. Savage könnte auf Free Safety starten und mit Adrian Amos das neue Safety Duo der Packers bilden. Was schätzt Ihr die Picks ein? Wart Ihr überrascht, als der Commissioner den Namen Rashad Gary verlass? Hattet Ihr einen Kandidaten, den Ihr mit dem 12. Pick Overall gewählt hättet?

Packers Germany: Ich muss gestehen, dass ich direkt nach dem Pick ziemlich unzufrieden war. Nach dem spektakulären Draft im letzten Jahr mit Vor- und Zurücktraden bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass es nicht die Packers sein werden, die an 12 einen Spieler auswählen. Der Eindruck oder die Hoffnung hat sich weiter verstärkt als Spieler wie Clelin Ferrell, Ed Oliver oder Jonah Williams mehr oder weniger direkt vor uns ausgewählt wurden.

Mit etwas Abstand zum Draft, dem Schauen von Tape und dem Lesen von Analysen habe ich meine Meinung geändert. Gary hat im College teilweise die „Drecksarbeit“ gemacht, hat oft zwei Mann auf sich gezogen, Raum geschaffen und seine Mitspieler gut aussehen lassen. Hinzu kommt seine schier unglaubliche Athletik, die einige O-Liner vor große Probleme stellen wird. Ein weiterer Punkt weshalb Gary richtig gut in unsere Defense passen könnte, ist der Punkt, dass man sich darüber gestritten hat, ob Gary nun Edge Rusher oder Line-Spieler ist. Während er in Michigan vor allem in der Line gespielt hat, haben die Packers ihn beim Draft als Edge Rusher bezeichnet. Wie oben bereits mehrmals angesprochen, liebt es Pettine versatile Spieler, die mehrere Positionen spielen können. In der Preseason haben wir bereits Nickel Formations gesehen, die mit den beiden Smiths und Gary drei Edge Rusher aufgeboten haben. Da sowohl Za’Darius als auch Gary problemlos interior spielen können, ist es für die QB bzw. für die O-Line schwieriger die Defense zu lesen bzw. Zuordnungen vorzunehmen. Der Fokus auf dem diesjährigen, aber auch letztjährigen Draft lag darauf athletische Spieler mit hohem Football IQ zu verpflichten, die einen hohen Upside versprechen. Gary passt genau in diese Philosophie und könnte schon im ersten Jahr ein wichtiges Puzzlestück für diese Defense werden.

Was unseren zweiten First Round Pick – Darnell Savage – angeht, war ich nach dem Pick weit optimistischer. Auch nach der Amos-Verpflichtung war klar, dass wir mindestens noch einen Starting Safety brauchen würden. Abgesehen von dem coolen Namen kann der Junge auch einiges auf dem Feld. Seine extreme Geschwindigkeit und sein Spielstil führen dazu, dass man ihm einfach gerne zuschaut. Ähnlich wie unser letztjähriger First Round Pick strahlt er auf dem Spielfeld eine gewisse Intensität aus, will sich messen, hat Spaß! Auch wenn der Preis für seine Verpflichtung mit dem 30th Overall und zwei 4th Round Picks recht hoch war, erkennt man schnell weshalb Gutekunst ihn unbedingt holen wollte. Mit Amos und Savage haben wir zwei sehr gute Safeties, die sowohl in der Box als auch tief spielen können, sodass man im Vergleich zum Vorjahr nicht in Angstschweiß ausbricht, wenn einer der Safeties zum Tackle ansetzt oder allein für Coverage zuständig ist.

49ers Germany: In der zweiten Runde investierte man den 44. Pick Overall in Guard/Center Elgton Jenkins (Mississippi State) und schafft zumindest Tiefe für die Offensive Line. Aber in der dritten Runde wählte man mit Jace Sternberger von Texas A&M einen Tight End, dem viele Analysten zutrauen Jimmy Graham überflüssig zu machen. Der Steal des Drafts aus Eurer Sicht? Wie seht Ihr die beiden Picks? Starterpotential?

Packers Germany: Auch Jenkins gehört wieder in die Kategorie „vielseitig“. Auch wenn die Verpflichtungen von O-Linern selten „sexy“ sind, wird die O-Line in Green Bay durchaus priorisiert. Mit Jenkins holt man sich einen athletischen O-Liner ins Team, der verschiedene Positionen spielen kann und prädestiniert ist für den Outside Zone Run. In den bisherigen Preseason Spielen hat er sehr ordentliche Leistungen abgeliefert und hat durchaus die Möglichkeit im Laufe der Saison einen der Guard-Spots für sich zu beanspruchen.

Jace Sternberger hingegen wird insbesondere in seiner ersten Saison vermutlich nicht über einen Platz in der Rotation hinauskommen. Der Mann von der Texas A&M war tatsächlich DER Wunschspieler in der dritten Runde für viele Packers-Fans in Deutschland. Man muss aber auch Bedenken, dass Tight Ends in der Regel etwas Zeit brauchen bis sie in der NFL Fuß fassen. Das liegt insbesondere daran, dass sie auf ihrer Position im Route Running, in der Pass Protection und im Run Blocking gefordert sind. Bei Sternberger kommt hinzu, dass er nach einigen College-Wechseln lediglich ein Jahr in einem ernstzunehmenden Programm im Passing Game richtig abgeliefert hat – im Blocking war er dort allerdings nicht oft gefordert. Trotz seiner beeindruckenden Stats in Texas wird er sich als aktuell vierter Tight End im Depth Chart beweisen müssen, bevor er dem alternden Jimmy Graham den Rang ablaufen kann. Ob er tatsächlich ein Steal ist, wird sich hoffentlich bald zeigen.

49ers Germany: Am letzten Tag angelten sich die Packers Defensive Tackle Kingsley Keke (Texas A&M), Cornerback Ka`dar Hollman (Toledo) und Running Back Dexter Williams (Notre Dame) sowie Inside Linebacker Ty Summers (TCU). Ist aus Eurer Sicht ein Spieler mit verstecktem Potential dabei? Ist in der UDFA Klasse der Packers ein Sleeper zu finden?

Packers Germany: Der letzte Tag ist ja bekanntermaßen spätestens ab Runde 5 eher Glückssache. Trotzdem hat man nach den ersten Preseason Spielen das Gefühl, dass der ein oder andere Spieler überraschen kann. Mit Mike Daniels hat man einen der defensiven Anker der letzten Jahre weggegeben. Dies führt dazu, dass insbesondere Kingsley Keke seine Snaps sehen wird. Auch er ist ein Spieler, der über eine enorme Athletik verfügt und im College verschiedene Positionen in der Line eingenommen hat. Auch wenn die Preseason nur bedingt eine Aussagekraft hat, sah das richtig gut aus, was er bis hierhin gezeigt hat.

Ähnliches gilt für den CB Ka’dar Hollman, der einen unglaublich spannenden Weg in die NFL hatte und ILB Ty Summers. Hollman kommt über den unbedingten Willen in der NFL Fuß zu fassen und Berichten zu Folge eine unglaubliche „Work Ethic“. Ty Summers profitiert aktuell von der Verletzung von letztjährigen 3rd Round Pick Oren Burks und einer sehr richtig starken Leistung im Spiel gegen die Texans, wo er überall auf dem Feld zu finden war und zehn Tackles für sich verbuchen konnte. Beide werden ihren Wert in den Special Teams beweisen müssen um sich ihren Platz im 53-Mann-Roster zu sichern, aber Potenzial ist bei beiden vorhanden.

Neben Keke wird wohl auch Dexter Williams seinen Roster-Spot sicher haben. Mit Aaron Jones und Jamaal Williams haben wir lediglich zwei gestandene RBs im Kader, die beide sehr verletzungsanfällig sind. Das in Verbindung mit dem stärkeren Fokus auf den Run führt dazu, dass Dexter Williams öfter auf dem Feld stehen wird als man das bei einem Late-Round-RB vielleicht vermuten würde. Dass er dort die nötigen Yards erlaufen kann, muss er allerdings noch beweisen.

Die Packers sind traditionell ein Team, dass jedes Jahr den ein oder anderen UDFA in den finalen Roster packt. Dieses Jahr haben wir mit ILB Curtis Bolton und WR Darrius Shepherd zwei Kandidaten, die sehr gute Chancen haben im September im Depth Chart gelistet zu sein. Bolton durfte im zweiten Preseason Spiel mit der Starting Defense auflaufen, nachdem im Camp und im ersten Preseason Spiel sehr ansprechende Leistungen gezeigt hat. Den Eindruck konnte der weiter festigen, sodass Stand jetzt ein Kaderplatz sehr wahrscheinlich ist. Shepherd muss sich hingegen in einem sehr tiefen WR-Corps gegen eine Vielzahl weiterer talentierter WR durchsetzen. Sein Vorteil bisher: er ist ein guter Returner und er hat zwei Touchdowns auf der Habenseite. Trotzdem wird es gegen Konkurrenten wie EQ, J’Mon Moore, Trevor Davis und Allen Lazard am Ende auf Kleinigkeiten ankommen.

49ers Germany: Mit welchen Erwartungen gehen die Franchise und die Fans in die Saison 2019? In der NFC North werden die Packers gegen die Chicago Bears und die Minnesota Vikings um den Divisionssieg kämpfen müssen und auch die Detroit Lions werden im zweiten Jahr unter Head Coach Matt Patricia einen Schritt nach vorne machen. Können die Packers den Divisionssieg zurück nach Wisconsin holen?

Packers Germany: Aktuell merkt man, dass diese Frage das Fanlager spaltet. Einige Fans erwarten nicht weniger als die Playoffs – im besten Fall den Super Bowl. Grund dafür ist insbesondere Aaron Rodgers, der in der Vergangenheit gezeigt hat, dass er auch ein mittelmäßiges Team bis tief in die Playoffs führen kann. Mut macht zudem, dass die Defense mit Mike Pettine im zweiten Jahr und den ganzen Investitionen endlich wieder zu den Top Defenses der Liga gehören könnte. Auch wenn ich beide Argumente nachvollziehen kann, bin ich etwas skeptischer was meine Einschätzung angeht und würde mich eher zum zweiten Lager zählen, das das ohne große Erwartungen in die Saison geht. Der Hauptgrund hierfür ist wiederum, dass Matt LaFleur bzw. Nathaniel Hackett zunächst ihre Spielphilosophie in Green Bay etablieren müssen. Offenses haben in der ersten Saison traditionell Probleme ein neues Scheme zu verinnerlichen, sodass insbesondere der Beginn der Saison gegen Teams wie die Bears, Vikings, Eagles und Cowboys etwas holprig werden könnte. Zudem wäre LaFleur der erste Headcoach der die Green Bay Packers direkt im ersten Jahr in die Playoffs führen würde.

Dass die NFC North letztes (Bears) bzw. dieses Jahr (Lions) kräftig aufgerüstet haben, macht die Sache nicht unbedingt einfacher. Allerdings werden die Bears erst zeigen müssen, dass sie ihre Leistung in der Defense (auch ohne Vic Fangio) wiederholen können. Die Vikings können aktuell aufgrund ihrer Salary-Cap-Situation keine großen Sprünge machen und haben ebenfalls einen neuen Offensive Coordinator, sodass ich sie auf ähnlichem Niveau wie vergangenes Jahr sehe. Die Lions bzw. Patriots 2.0 haben hingegen in der Offseason sehr, sehr viel investiert um dieses Jahr den Anschluss in der Division zu halten. Wenn Stafford seine Verletzung überwunden hat und die Neuzugänge einschlagen, sind auch die Lions gefährlich. Allgemein sehe ich kaum eine Division so ausgeglichen wie die NFC North. Es gibt eine Vielzahl von Unwägbarkeiten, die letztlich den Unterschied ausmachen werden.

Meine Erwartung an dieses Jahr ist, dass man offensiv den neuen (und hoffentlich erfolgreichen) Spielstil der Packers etabliert und verinnerlicht hat und defensiv endlich wieder in den Top-15 unterwegs ist. Mit etwas Glück und einer schnellen Entwicklung ist auch definitiv der Division Sieg in Reichweite. Erwarten werde ich den Division Sieg allerdings nicht, da sind mir die anderen Faktoren wichtiger.

49ers Germany: Die NFL geht in ihre Jubiläumssaison und deswegen treffen im Auftaktspiel mit den Chicago Bears und den Green Bay Packers zwei der traditionsreichsten Teams aufeinander, während in den letzten Jahren immer der amtierende Champion zum Auftakt ranmusste. Der ganze Spielplan steht im Zeichen von Rivalries, obwohl man diese eher im College Bereich findet. Die Packers haben in Ihrer Division mit den Vikings und Bears gleich zwei Rivalries, weil die Teams schon so lange gegeneinander antreten. Wie bewertet Ihr die Rivalitäten zwischen den Teams? Habt Ihr Highlights aus diesen Begegnungen? Was erwartet Ihr von der Auftaktbegegnung?

Packers Germany: Die Packers haben Glück, dass sie bereits seit einigen Jahrzehnten gegen dieselben Teams ran dürfen – allen voran die Chicago Bears. In den meisten Fällen empfinde ich die Rivalität relativ entspannt, insbesondere im Vergleich zu anderen Sportarten. Man hat oft den Eindruck, dass die Rivalität hier in Deutschland künstlich aufgebauscht wird obwohl die meisten Fans in den seltensten Fällen wirklich in Kontakt mit richtigen Fans der gegnerischen Mannschaft gekommen sind. Auch wenn natürlich öfter Mal die Fetzen fliegen (größtenteils verbal) hat man trotzdem Respekt voreinander und weiß was man an sich hat. Die Packers existieren heute bspw. auch nur weil man sich mit Bears, aber auch mit den Giants in den Anfängen der NFL gegenseitig unterstützt hat.

Bei den Vikings und den Lions würde ich nicht unbedingt von einer Rivalry sprechen, da die Rivalität zu Fans außerhalb der Division teilweise größer ist. Ich denke insbesondere bei den Lila-Gelben kommt die Rivalität eher aus Minnesota, da man in den letzten Jahrzehnten größtenteils zuschauen musste, als die Bears und die Packers die Division unter sich ausgemacht haben. Da ist es verständlich – wenn auch nervig – dass nach ein bis zwei Division-Siegen direkt die Wachablösung propagiert wird. Geärgert hat mich tatsächlich, dass da teilweise Verletzungen gefeiert wurden man generell öfter unter der Gürtellinie unterwegs ist.

Nichtsdestotrotz machen Siege gegen die Teams aus der eigenen Division natürlich noch ein wenig mehr Spaß als die gegen andere Teams. Wenn man Beispiele aus der näheren Vergangenheit nennen will, ist natürlich der Comeback-Win gegen die Bears im Season-Opener für jeden Packers-Fan ein Hochgenuss. Mindestens genauso spektakulär und in der ganzen NFL bekannt ist das Miracle in Mo-Town, das Zehntausenden von Lions-Fans das Herz gebrochen hat. Eins meiner Lieblingsspiele ist das NFC-Championship Game nach der 2010er Saison als die Packers als Wildcard Team dem Division Sieger Bears gezeigt hat, weshalb man in Green Bay keine „Division Champion“-Banner aufgehangen werden.

49ers Germany: Von welchen Spielern aus dem Team erwartet Ihr einen Leistungssprung? Wen seht ihr eher auf dem absteigenden Ast? Wir sind gespannt auf eine Prognose!

Packers Germany: Insbesondere die zweite Frage ist echt schwierig. Also fange ich einfach mal damit an: in den vergangenen Jahren gab es tatsächlich wenige Spieler, die überragend gespielt hätten und meiner Meinung nach Gefahr laufen abzustürzen. Allgemein haben wir sehr wenige Spieler, die in einem Alter sind, das einen Leistungsabfall mit sich bringt. Von den sieben Spielern, die älter als 28 sind und vermutlich Anfang September im Kader stehen, kann man nicht behaupten, dass sie wahnsinnig positiv aufgefallen wären. Schaut man sich bei den jüngeren Spielern um würde wohl am ehesten OLB Kyler Fackrell in die Kategorie „biggest downside“ fallen. Fackrell war in seinen ersten beiden Jahren nicht unbedingt bekannt als QB-Schreck (fünf Sacks gesamt), hat es aber letztes Jahr durch teilweise gute Leistungen, aber auch das nötige Glück 10,5 Sacks und 13 Tackles for Loss für sich verbuchen können. Anzunehmen, dass er in der 2019er Saison ähnliches Zahlen abliefern kann ist schier Wahnsinn. Dass Gutekunst und Co. auch nicht davon ausgehen, sieht man auch daran, dass man mit den Smiths und Gary gleich 3 Spieler geholt hat, die vor ihm im Depth Chart stehen. Aus der älteren Generation gehören mit Sicherheit auch K Mason Crosby (34), TE Jimmy Graham (32), OG Lane Taylor (29), OT Bryan Bulaga (30) zu den Spielern, bei denen man nicht erwarten sollte Leistungen zu sehen, die man vor einigen Jahren noch erwarten konnte.

Anhand der geringen Anzahl alter Spieler erkennt man, dass es im Roster der Packers sehr, sehr viel Talent gibt und man sich von einigen Spielern einen Leistungssprung bzw. das konstante Abrufen der Leistung erwartet. Generell muss man sich von fast allen Spielern einen Leistungssprung erhoffen, wenn an manch traurige Leistung im vergangenen Jahr zurückdenkt. Um das Papier nicht überzustrapazieren versuche ich mich auf zwei Spieler zu konzentrieren, deren Rolle dieses Jahr enorm wichtig wird, wenn man es tatsächlich in die Playoffs schaffen will.

Dass wir mit Davante Adams einen der absoluten Top-WR der NFL haben, sollte den allermeisten Fans bekannt sein. Wenn es um die im Depth-Chart folgenden Spieler geht, werden die Nicht-Hardcore-NFL-Fans allerdings Probleme bekommen. Neben EQ könnte man letztes Jahr vielleicht mal von Geronimo Allison, Jake Kumerov, Marquez Valdes-Scantling, J’Mon Moore oder Trevor Davis gehört haben.

Von den genannten hat vergangenes Jahr insbesondere unser 5th Round Pick Marquez Valdes-Scantling – der Einfachheit halber nachfolgend nur noch MVS – auf sich aufmerksam gemacht. Der große und schnelle Receiver musste oder durfte aufgrund der Verletzungen von Randall Cobb und Geronimo Allison weit öfter ran, als man sich das von einem 5th Round Pick erhofft – allerdings hat er die Gelegenheit insbesondere in seinen ersten Spielen genutzt. Am Ende der Saison standen für den 24-jährigen für einen Late-Round-Pick beeindruckende 38 Receptions für 581 Yards (15,3 avg) und 2 TDs zu Buche. Dass er am Ende der Saison wieder etwas abgekühlt ist, sollte bei einem Rookie nicht weiter verwundern. Durch den Abgang von Randall Cobb steigen die Erwartungen an MVS natürlich. Er selbst hat diese Offseason fleißig Trainings-Videos von sich geposted in denen er an Release, Routes, Footwork und, und, und arbeitet und die Erwartungen damit nicht unbedingt schrumpfen lässt. Dass er die Rolle des zweiten oder dritten Receivers durchaus einnehmen kann, hat er letztes Jahr bereits aufblitzen lassen – dieses Jahr zeigt er es hoffentlich konstant!

Ein weiterer Kandidat für den berühmt-berüchtigten Second-Year-Jump ist unser letztjähriger First-Round-Pick CB Jaire Alexander. Neben Tramon Williams, der mit seinem 36-Jahre der Secondary-Opa ist, haben wir lediglich Cornerbacks im Team, die zwischen 2017 und 2019 in die NFL gekommen sind. Entsprechend abhängig ist man davon, dass die Jungs beim nächsten Schritt die Siebenmeilenstiefel anhaben. Bei Jaire Alexander hat man allerdings das Gefühl, dass der viel zu oft zitierte Spruch „the sky is the limit“ tatsächlich zutrifft. Der 22-jährige kam gefühlt ohne jegliche Anlaufschwierigkeiten in die NFL und musste auch aufgrund seines First-Round-Status sehr früh ran. Dass unser #1 Corner Kevin King die letzten beiden Jahre mehr auf dem Injury Report als auf dem Platz gestanden hat, hat dann nach wenigen Wochen dazu geführt, dass Alexander plötzlich gegen die Creme-de-la-Creme der Receiver ranmusste. Nichtsdestotrotz hat der 1,78m-kleine Cornerback mit dem riesigen Selbstvertrauen sich der Aufgabe gestellt als wäre es gar nichts. Das absolute Highlight der Saison war das Spiel gegen die Rams, in dem Alexander fast durchgängig den bekanntermaßen nicht ganz schlechten Brandin Cooks zu covern hatte und der Perfektion da schon sehr nahekam (Highlight-Video: https://www.youtube.com/watch?v=czY50rR7xtY). Als Packers-Fan ist man mittlerweile vorsichtig was die voraussichtliche Entwicklung von jungen Secondary-Spielern angeht, aber für Alexander gilt: the sky is the expectation. Nicht mehr, nicht weniger!

Wie angesprochen könnte man das Spiel fast beliebig weiterführen. Lässt man die Rookies und die teuren FA-Verpflichtungen außen vor, wären folgende Spieler ebenfalls Kandidaten von denen ich mir kommende Saison (noch) mehr erwarte: CB Tony Brown, DL Kenny Clark, RB Aaron Jones, WR Jake Kumerov, P JK Scott.

49ers Germany: Wie schätzt Ihr die San Francisco 49ers in der kommenden Saison ein? Am 24. November 2019 treten die Packers, die dann aus er Bye Week kommen, bei den 49ers im Levi´s Stadium an. Was erwartet Ihr von der Partie und was glaubt Ihr, wie es um beide Teams zu diesem Zeitpunkt in der Saison steht?

Packers Germany: Vorausgesetzt die 49ers bleiben im Gegensatz zur vergangenen Saison halbwegs vom Verletzungspech verschont, kann das in einer guten NFC West sehr, sehr interessant im Kampf um die Playoffs werden. Mit Kyle Shanahan habt ihr einen Head Coach, der den QB sehr gut mit seinem Scheme unterstützt, sodass selbst durchschnittliche Backup-QBs durchaus Erfolg haben können. Zudem muss Garoppolo nach seiner Verletzung nicht unbedingt direkt bei 100% sein, da ihm seine ordentliche O-Line sowie sein herausragendes Backfield mit Sicherheit Entlastung verschaffen können.

Allgemein ist das erste was mir beim Blick auf die Offense einfällt: Matchup-Waffen! Kittle, Goodwin, McKinnon, Coleman, Juszczyk (und andere) sind allesamt Spieler mit denen man den Gegner auf dem absolut falschen Fuß erwischen kann! Zudem hat man mit Samuel und Hurd früh im Draft weitere Waffen verpflichtet, die die notwendige Tiefe im Receiving Corps schaffen. Setzt Shanahan die Spieler richtig ein – und da bin ich mir ziemlich sicher – wird das eine richtig unangenehm zu spielende Offense für jeden Defensive Coordinator!

Die Fragezeichen sehe ich eher in der Defense. Mit Ford und Bosa habt ihr zwei Spieler verpflichtet, die im Pass Rush beide eine deutliche Verstärkung darstellen werden. Davon dürfte auch Buckner profitieren, der zukünftig etwas mehr Platz bekommen sollte. Die Probleme liegen voraussichtlich eher in der Secondary, die zwar mit Richard Sherman einen starken Veteran hat, dahinter aber ähnlich wie die Packers sehr von der Entwicklung junger (oder der Gesundheit verletzter) Spieler abhängig ist. Ein funktionierender Pass Rush würde der Secondary natürlich enorm helfen, aber letztendlich ist die Schwankungsbreite was die Leistung der Defense angeht sehr groß.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die 49ers bis zum Ende um einen Wildcard-Spot kämpfen. Den Division Sieg sehe ich ähnlich wie vergangenes Jahr recht deutlich bei den Rams. Sofern ihr in den direkten Duellen gegen die Cardinals und vor allem gegen die Seahawks ordentlich Wins sammelt, könnte es am Ende reichen, da sich insbesondere die Teams in der NFC North und auch in der NFC South gegenseitig die Bilanz versauen könnten. Insgesamt sehe ich bei euch nur fünf Spiele (Browns, zweimal Rams, Packers, Saints), die man sehr wahrscheinlich verliert. Ansonsten ist meiner Meinung nach überall ein Sieg drin, sodass ich ein 9-7 oder 10-6 als durchaus realistisch einschätzen würde.

Was unser Spiel angeht, hoffe ich, dass es tatsächlich ein Kampf um die Playoffs wird. Nach Spielen in Kansas City und LA sowie zuhause gegen die Panthers wird die Bye Week dringend nötig sein um wieder zu Kräften zu kommen. Besonders spannend wird zu sehen sein wie die beiden Coaches, die sehr gut miteinander befreundet sind und lange zusammengearbeitet haben, sich taktisch bekriegen werden. Man kennt die jeweils gegnerische Offense vergleichsweise gut, sodass es sehr stark auf den defensiven Game Plan ankommt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man auf Packers Seite versucht die (vermutlich) anfällige Secondary der 49ers zu attackieren (Rodgers gegen Sherman kennt man ja schon). Die 49ers hingegen werden gute Chancen über das Laufspiel haben, da mit Daniels unser wohl bester Runstopper weg ist und unsere Linebacker-Tiefe nicht unbedingt auf das Laufspiel ausgerichtet ist.

49ers Germany: Beide Teams sind auch in den Playoffs häufig aufeinandergetroffen. Habt Ihr besondere Erinnerungen an Spiele gegen die 49ers?

Packers Germany: Auch wenn ich leider zu jung bin um die Spiele live mitzuerleben, fallen mir insbesondere die legendären Duelle zwischen Steve Young und dem jungen Brett Favre ein. Ihr wart Dauergast in den späten Runden der Playoffs, habt dreimal in Folge im Championship Game gespielt und in der 94er Saison endlich den verdienten Super Bowl geholt. Für uns gab es zwar nach Jahren der Dürre endlich wieder Playoff-Football, aber die Cowboys haben uns immer wieder rausgekegelt. Nach der 95er Saison durften Young und Favre dann endlich im direkten Duell zeigen was sie draufhaben. Obwohl die 49ers der haushohe Favorit waren, waren es die Packers die nach einem Pick-6 und zwei sehenswerten Drives plötzlich 21-0 führten. Auch ein Steve Young konnte den Spieß nicht mehr umdrehen, sodass wir das erste Mal seit 1967 endlich wieder im Championship Game standen und wohl auch dadurch das notwendige Selbstvertrauen tankten um die beiden folgenden Jahre im Super Bowl zu landen.

Die logische Konsequenz war, dass im Jahr darauf direkt das nächste Playoff-Spiel in der Divisional Round folgen sollte. Diesmal musste Steve Young bei absolutem Sauwetter von außen zuschauen wie die Packers ein chaotisches Spiel voller Fehler beider Teams doch recht deutlich für sich entscheiden konnten.

Da die beiden Mannschaften offensichtlich Spaß an den jährlichen Treffen bei schlechtem Wetter hatten, verabredete man sich für das folgende Jahr gleich wieder, diesmal in der Bay Area, um bei starkem Regen um den Einzug in den Super Bowl zu kämpfen. Wieder war es Favre, der am Ende als Sieger vom Platz ging.

Das wohl umstrittenste Spiel der beiden Teams war das vierte Playoff-Aufeinandertreffen in Folge im Anschluss an die 1998er Saison. Nur drei Sekunden vor Schluss fand Young den legendären Terrell Owens in der Endzone für den 30-27 Endstand und den Einzug in die Divisional Playoffs. Bis heute werden nicht wenige Packers-Fans argumentieren, dass Jerry Rice den Ball kurz zuvor der Ball aus der Hand gerissen wurde, bevor er mit dem Knie die Erde berührte. Nichtsdestotrotz stand die Entscheidung und Steve Young konnte endlich den ersten und (zu meiner Überraschung) einzigen Sieg gegen Brett Favre feiern!

Auch weil die jüngeren Playoff-Begegnungen weit weniger positiv für die Packers waren, sind es insbesondere die oben genannten Duelle, die einem im Gedächtnis bleiben. Beide Mannschaften hatten zu der Zeit eine Vielzahl großartiger Spieler in ihren Reihen, denen man einfach nur gerne zugeschaut hat. Auch wenn ich die Beziehung zwischen unseren Teams nicht unbedingt als große Rivalry bezeichnen würde, freu ich mich jedes Mal wenn zwei Teams mit solch einer großartigen Geschichte aufeinandertreffen. Ich bin mir sicher, dass wieder viele Packers Fans mitreisen werden und weiß, dass auch einige deutsche Packer vor Ort sein und eine geile Zeit haben werden!

49ers Germany: Zum Abschluss noch eine Frage abseits der NFL. In Wisconsin fiebern die Football Fans nicht nur mit den Packers, sondern auch mit den Wisconsin Badgers, die in der Big Ten Conference antreten. Habt Ihr auch Interesse an College Football und liegen Vorlieben dann auch bei den Badgers, oder verteilt es sich?

Packers Germany: Ich persönlich bin mittlerweile ein großer Fan des College Footballs. Die Fans im College Bereich sind einfach großartig, die Spieler sind mit unglaublicher Leidenschaft dabei und der Football ist insbesondere im offensiven Bereich einfach richtig geil! Hinzu kommt, dass mir die Regeln im College Football teilweise weit besser gefallen.

Mit den Besuchen in Wisconsin und der damit entstandenen Verbundenheit zum Bundesstaat kommt logischerweise auch eine gewisse Sympathie zu den Badgers. Auch wenn ich wann immer möglich die Mannen in Rot und Weiß anschaue und anfeuere, muss ich gestehen, dass ich mir College Football tatsächlich größtenteils zum Spaß anschaue.

Zudem muss ich fast schon mit Scham zugeben, dass ich vergangenes Jahr in Ann Arbor bei den Wolverines war. Im Nachgang kann ich allerdings behaupten, dass ich dort als Packers-Scout unterwegs war, da mit Rashan Gary und Darnell Savage (Maryland) unsere beiden 1st Round Picks in dem Spiel unterwegs waren. Die Kulisse im Big House mit über 100.000 war auf jeden Fall beeindruckend, sodass neben grün und rot auch ein schickes Navy-Blau in meinem Kleiderschrank zu finden ist. Aber passt!

In unserem Lager ist mit Sicherheit ebenfalls ein Fokus auf die Badgers zu erkennen. Nichtsdestotrotz gibt es etliche Fans, die auch andere Mannschaften unterstützen. Ich denke in vielen Fällen kommt der Bezug zu einem Team durch die persönlichen Erfahrungen oder Geschichten, die man diesbezüglich gehört hat.

49ers Germany: Wir bedanken uns herzlich bei den Packers Germany und Marc O’Sc das aufschlussreiche, ausführliche und interessante Interview und würden uns im Vorfeld der Regular Season Partie im Rahmen einer Spielvorschau wieder bei Euch melden! Bis dahin wünschen wir Euch viel Erfolg!

Die Antworten von unserer Seite kamen von Marco und spiegeln dementsprechend seine Meinung wider.

Dieses Interview erschien in zwei Teilen am 04. und 05.09.2019 auf der Facebookseite der 49ers Germany und wurde mit deren Erlaubnis hier gepostet.

Nächste Woche gibt es dann eine weitere Folge “Behind the Horizon” sowie eine Folge “Enemy Territory” in der uns die 49ers Rede und Antwort stehen!